Allgemein

Hochsensibilität ist keine Krankheit

(Von Sandra Tissot)

Die Foren und sozialen Netzwerke sind voll davon … Gerade Menschen, die ihre Hochsensibilität erst entdeckt haben, suchen oft verzweifelt nach einer Möglichkeit, die die Hochsensibilität schwarz auf weiß attestiert. Sogar die Frage nach dem passenden Arzt, der die Hochsensibilität bescheinigen kann, wird immer wieder gestellt. Fälschlicherweise wird HSP sogar in einem Atemzug mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern genannt.

Hochsensibilität als Merkmal der Persönlichkeit

Hochsensibilität ist keine Krankheit, sondern vielmehr ein angeborener Aspekt der Persönlichkeit. HSP besitzen besonders feine Antennen und sind in der Lage ihr Umfeld und alle damit verbundenen Reize viel intensiver wahrzunehmen. Dabei können positive Lebensumstände das hochsensible Naturell beflügeln und zu Weiterentwicklung vorantreiben, negative Einflüsse hingegen Schäden verursachen und in Lebenskrisen führen. Hier kommt der hochsensible Grübler zum Vorschein, der alles genau durchdenkt und dabei oftmals unbemerkt zu viel Energie verschwendet und sich in Sackgassen verrennt. In solchen Momenten scheint der Wunsch nach einem „Hochsensibilitäts-Attest“ besonders groß zu sein. Doch was genau wollen HSP damit anfangen? Dem Chef den hochsensiblen Krankenschein vorlegen? Eine Schonfrist bei Freunden und Bekannten einreichen?

Herzlichen Glückwunsch – Sie sind hochsensibel

Manchmal ist es hilfreich, die Perspektive zu wechseln. Aus Evolutionssicht betrachtet, besitzen Hochsensible ein Persönlichkeitsmerkmal, das ihr Überleben besonders gut sichert, denn sie bemerken viel eher als andere, wo Gefahren lauern oder Menschen ihrem hochsensiblen Naturell besonders positiv gesinnt sind. HSP sind gut darin neue Ideen zu entwickeln und haben ein feines Gespür, was funktioniert und was nicht. Die  Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, keine Krankheit. Mit der Erkenntnis zur Hochsensibilität lässt sich die Vergangenheit anders bewerten und die Gegenwart und Zukunft oft vollkommen neu erleben. Verzweifelte HSP können dabei weniger auf das Attest eines Allgemeinmediziners, als vielmehr auf Coaches und Therapeuten setzen, die sich mit dem Thema Hochsensibilität wirklich auskennen.
Im Übrigen ist Hochsensibilität auch nicht ansteckend. Nur weil es im Umfeld Hochsensible  gibt, wird aus einem Normalsensiblen kein hochsensibler Mensch.

Hochsensibilität passt in keine Schublade

Generell neigen wir Menschen gern dazu, in Schubladen zu denken. Schublade auf – HSP rein – Schublade zu … Hochsensible mögen von ähnlichen Erfahrungen erzählen und in bestimmten Situationen vertraut agieren, doch wie bei allen Menschen sind auch hier die Unterschiede riesig. Zwischen hochsensiblen Introvertierten und hochsensiblen Extrovertierten, jungen und erfahrenen HSP etc. Die Beschreibung ließe sich nahezu endlos weiterführen. Die Hochsensibilität ist ein wunderbares Persönlichkeitsmerkmal, das viel Raum zur freien Gestaltung lässt.


Sandra-Tissot-Hochsensibilitaet-und-die-berufliche-selbststaendigkeit Sandra-Tissot-Du-bist-umwerfendSandra Tissot, www.sandra-tissot.de, Autorin von
Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“
und „Du bist umwerfend“


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Warum wir manchmal mit den Nerven am Ende sind

(Von Luca Rohleder)

Unsere seelische Gesundheit ist in der Regel von unserem inneren Gleichgewicht abhängig. Dabei spielt unser Hormonsystem die entscheidende Rolle. Die Zirbeldrüse, der Hypothalamus und vor allem die Hypophyse schütten die zentralen Hormone aus, die im Weiteren alle anderen Hormondrüsen in unserem Körper steuern. Dieser Hormoncocktail in unserem Blut bestimmt wie wir uns fühlen, in welcher Weise wir handeln, wie leistungsfähig wir sind und vor allem ob wir gelassen oder gereizt auf Lebensumstände reagieren. Jedoch sitzen diese initialen Hormondrüsen in unserem Gehirn und sind infolgedessen eng mit unserem Nervensystem vernetzt und damit maßgeblich von unserem Denken abhängig.

Unser Hormonsystem befindet sich nur dann im Gleichgewicht, wenn auch unsere Denkprozesse im Gleichgewicht sind

Dann funktionieren unsere Selbstheilungskräfte, wir haben genug Lebensenergie und wir können alle Alltagsherausforderungen zufriedenstellend meistern. Stellt sich also die Frage, warum das Gleichgewicht unserer Denkprozesse manchmal beginnt zu kippen, und es infolgedessen zu einer Gefahr für unsere seelische und körperliche Gesundheit kommt.

Bereits fernöstliche Religionslehren haben schon vor Tausenden von Jahren erkannt, dass nur die Synchronität beider Körperhälften zum sogenannten „Inneren Frieden“ und zu Lebenserfolg führt. Dies haben im Übrigen auch unsere Gehirnforscher festgestellt. Als sie zum Beispiel Einsteins Gehirn untersuchten, hatten sie bemerkt, dass besonders die neuronalen Verbindungen zwischen den beiden Gehirnhemisphären (Corpus callosum) bei ihm außergewöhnlich stark ausgeprägt waren, so dass die Neurologen vermuten, dass sein Genie eine Folge des intensiven Informationsaustauschs zwischen seiner linken und rechten Gehirnhälfte gewesen sein musste.

Wir erleben Harmonie und Erfolg, wenn wir in unserem Gehirn beide Gehirnhemisphären gleichermaßen einsetzen

Wenn wir jedoch unser Gehirn zu einseitig nutzen, erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine Hälfte unseres Gehirns stark überlasten, was in ein psychologisches Extrem münden kann, wie z.B. die Überreizung des neuronalen Systems.

Insbesondere Hochsensible leiden besonders häufig an einem überbeanspruchten Nervensystem. Die Vermutung liegt daher nahe, dass ein bestimmter Teil des Gehirns zu einseitig beansprucht wird. Welche Regionen dies sind, beantwortet ein Erklärungsmodell aus der klassischen Psychologie. Dort wird beschrieben, dass insbesondere die hochsensiblen Themen wie z.B. Intuition, Spiritualität sowie emotionales Denken eher der rechten Gehirnhemisphäre zugeordnet werden. Es ist infolgedessen mehr als wahrscheinlich, dass Hochsensible speziell diese rechte Gehirnregion im Übermaß für die Bewältigung ihres Alltags einsetzen. Solche Menschen laufen also permanent Gefahr, einerseits die rechte Gehirnhälfte (die im Übrigen die linke Körperhälfte steuert) zu sehr zu beanspruchen, und andererseits die neuronalen Netzwerke der linken Gehirnhälfte, die z.B. für Handlung, Rationalität und Analyse zuständig ist, zu sehr außer Acht zu lassen. Es besteht ein Risiko für einen nervenbedingten Datenstau – Gereiztheit wäre die Folge.

Hochsensible haben in ihrem Leben wahrscheinlich zu lernen, die linke Gehirnhälfte mehr zu aktivieren, um das Gehirn entlasten zu können

Jedoch leben wir in einer Zeit, in der die Zahl der Burnout-Syndrome exorbitant zunimmt. Aber auch die große Masse von Menschen, die schon bei Trivialitäten überreagieren, permanent gereizt sind, unter zahlreichen Ängsten leiden oder sogar eine übersteigerte Aggressivität an den Tag legen, lässt vermuten, dass wir es heute fast mit einer Epidemie der einseitigen Nutzung unseres Gehirns zu tun haben. Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass dies allein auf den Charakterzug Hochsensibilität zurückzuführen ist. Zumal, laut der Pionierin für Hochsensibilität Elaine Aron, nur etwa 10-15 Prozent der Bevölkerung hochsensibel sein könnten. Auch ich musste in meiner früheren Coachingarbeit oft feststellen, dass viele Ratsuchende eher unter nervlichen Überempfindlichkeiten litten, obwohl sie sich selbst als hochsensibel einstuften. Dennoch ist es im höchsten Maße verwunderlich, dass oft die exakt gleichen typischen Umstände und Lebensverläufe wie bei Hochsensiblen beschrieben wurden. Es stellt sich also die Frage:

Warum werden ursprünglich Normalsensible zu Hochsensiblen?

Die Vermutung liegt nahe, dass es wahrscheinlich unerheblich ist, welcher Teil des Gehirns es ist, der unter einem sogenannten Datenstau leidet. Während es bei Hochsensiblen zur Überreizung der rechten und zur Unterreizung der linken Gehirnhälfte (zu viel Intuition, 6. Sinn, Ahnungen, Spiritualität, Bilder, etc.) kommt, führt der umgekehrte Fall, wenn die linke Gehirnhälfte überreizt und die rechte unterreizt ist (zu viel Handlung, Ratio, Analyse, Kontrolle, etc.) augenscheinlich zum gleichen Effekt. In diesem gegenteiligen Fall ist die Fähigkeit, intuitiv zu agieren (rechte Gehirnhälfte) unterentwickelt. Intuitive Lebenstechniken, die mehr Orientierung und Lebensrichtung vorgeben könnten, werden praktisch nicht genutzt. Das heißt, um die große Masse der nervlich angeschlagenen Menschen erklären zu können, kann es nur eine Antwort geben: Es muss mittlerweile eine große Zahl von Normalsensiblen geben, die ihre linke Gehirnhälfte im Übermaß beansprucht (Aktivität, Kontrolle, Analyse etc.), aber gleichzeitig die Nutzung der rechten (Intuition, emotionales Denken, innere Bilder etc.) zu sehr außer Acht lässt.

Die zunehmende Anzahl von Normalsensiblen, die über Reizüberflutung klagen, ist mehr als auffällig

Möchten infolgedessen Psychologen, Therapeuten oder Seelsorger nervlich angespannten Ratsuchenden helfen, ist es im ersten Schritt elementar wichtig zu erkennen, ob es sich um einen rechtsgehirn-denkenden oder eher um einen linksgehirn-denkenden Menschen handelt. Es ist zu klären, ob Überlastungssyndrome auftreten, weil durch die Intuition empfangenes Wissen nicht im Alltag umgesetzt wird oder treten Überlastungen auf, weil Lebenskonzepte verfolgt werden, denen die intuitive Begründung fehlt, also im Außen fremdübernommen wurden? Oder anders formuliert:

Leidet ein überreizter Mensch unter einem „Empfänger“-Syndrom (Intuition ohne Handlung) oder unter einem „Sender“-Syndrom (Handlung ohne Intuition)?

In dem ersten Fall habe ich meine Fähigkeit aktiv zu werden, mehr zu trainieren und im anderen Fall habe ich mehr meine Intuition zu trainieren, um wieder in ein nervliches Gleichgewicht kommen zu können. Eine Reizüberflutung deutet immer auf eine Art Ungleichgewicht in den Denkprozessen hin.

Indizien, um herauszufinden, welche Gehirnhemisphäre grundsätzlich dominant sein könnte, sind folgende:

  • Treten z.B. bei Krankheiten die Symptome auffällig oft nur auf der linken Körperhälfte (Konflikt rechte Gehirnhemisphäre) oder auf der rechten (Konflikt linke Gehirnhemisphäre) auf.
  • Bin ich ein Rechtshänder oder ein Linkshänder?
  • Ist eher das rechte Auge dominant (linke Gehirnhemisphäre) oder das linke (rechte Gehirnhemisphäre)? Quelle: https://bewusstekommunikation.com

Sicher ist es sehr schwierig, diese Frage aus dem Handgelenk zu beantworten. Dies ist aber auch nicht der Punkt. Es ist viel wichtiger zu erkennen, wenn seelische oder körperliche Probleme auftreten, dass es in unseren Denkprozessen ein Ungleichgewicht bzw. eine Einseitigkeit gibt, das wieder ins Lot gebracht werden muss. Denken Sie an das größte Genie aller Zeiten (Quelle: https://www.wissenschaft-aktuell.de/). Nur wenn wir die goldene Mitte finden, können wir nachhaltig seelisch und körperlich gesund bleiben und vor allem das erreichen, wonach wir uns alle sehnen:

Den inneren Frieden finden


Luca Rohleder, Gründer des NETZWERKs HOCHSENSIBILITÄT
und Autor von „Die Suche nach Gott“

DIE SUCHE NACH GOTT
Ein quantenphilosophischer Roman über den Sinn des Lebens, der Liebe und des Leids, ISBN 978-3-9820125-9-9

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Was ist der passende Lebensraum für Hochsensible?

(Von Julia Bachmair, Ansichten einer Wienerin)

Welche Umgebung brauchen Hochsensible, um sich wirklich wohl zu fühlen?

Wie kann ich Orte, die nicht immer ideal sind, zu Wohlfühlräumen gestalten, weil ich in meinem „Innenraum“ geerdet und zufrieden bin?

Wann zahlt es sich aus, den Lebensort zu ändern?

AGB – Allgemein Gültige Bedürfnisse

Bevor ich mich auf die Suche nach möglichen und subjektiven Antworten mache, stelle ich fest, dass es dabei eine Grundkomponente gibt, die eine wichtige Orientierung bietet und mir als Basis dient. Bei einem meiner letzten HSP-Treffen haben wir darüber gesprochen, wie wir uns eine Stadt vorstellen, die von hochsensiblen Menschen gestaltet ist. Wir sind davon ausgegangen, dass Feinfühlige und empathische Menschen, die eine ausgeprägte sensory processing sensitivity besitzen, keine Minderheit darstellen. Zudem ist das Bedürfnis nach begrünten Begegnungsräumen mehrfach in der Diskussion aufgetaucht. Diese Vision wirkte beruhigend und inspirierend. Mehrfach ging es um Reduktion von Störfaktoren: weniger Stress, weniger Gestank, weniger Lärm, weniger Beton, weniger Nachbarn. Übersetzt in Bedürfnisse geht es um mehr Ruhe, mehr Natur, mehr Freiraum zur persönlichen Entfaltung und oft auch um mehr Einfachheit. Darum, einfach in Ruhe sein und bleiben zu können.

Tatsache ist, dass Hochsensible und Hochsensitive an einem ständigen Zuviel leiden.

Allerdings nur dann, wenn wir es aufgrund welcher Umstände auch immer, (noch) nicht schaffen, unseren Lebensraum so angenehm zu gestalten, dass wir uns nicht fremdbestimmt fühlen. Manchmal wissen wir auch noch gar nicht Bescheid über unsere angeborene feinfühlige Ausprägung und merken erst über Umwege, dass es einen Grund für diese nervliche Anspannung oder Überlastung gibt.

„Mein Außenraum muss ruhige Elemente und Rückzug miteinander verbinden und eine Anbindung an die Natur haben, ohne große Umwege“ sagt mir eine hochsensible Freundin. Ist das zu viel verlangt? #toomuch? Ich finde nicht.

Human rights – HSP rights

Der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, ein von der UNO verabschiedetes Abkommen (1966), in dem sich die unterzeichnenden Staaten verpflichten, einen Teil der Menschenrechte zu gewährleisten, geht auf interessante Aspekte ein.

In Artikel 1 wird das Recht auf Selbstbestimmung erwähnt. Dürfen wir uns als empathische und feinfühlige Hochsensitive das Recht herausnehmen, unsere persönlichen Stressfaktoren zu reduzieren? Ja!

Artikel 12 spricht das Recht auf das erreichbare Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit an. Ist es in Ordnung aus einem Großraumbüro mit dauernder Radiobeschallung fliehen zu wollen, weil die Ressourcen des Filterns durch Dauerbelastung überschöpft sind? Ja!

Ist es in Ordnung sich diskriminieren zu lassen, weil frau/man nichts aushält, härter sein muss und nicht so zimperlich sein soll? Nein!

Die englische Version des Paktes spricht von self-determination und mental health. Sind uns diese Begriffe näher? Durchaus möglich.  Mein Wohlbefinden jetzt und langfristig betrachtet an erste Stelle zu setzen, bedeutet, mich im Rahmen der Menschenrechte zu bewegen.

Selbstermächtigung schließt ein, meine Wünsche wahrzunehmen und zu erkennen, was ich wirklich brauche, um dieses Höchstmaß zu erreichen.

Das kann dazu führen, dass ich mich für einige Zeit auf unbekanntes Terrain begebe, kritische Momente der Unsicherheit erlebe, weil ich mich dazu entschließe, etwas Gewohntes zu ändern: einen anderen, mir angenehmeren Beruf oder anonymeren Ort zu wählen, ganz gleich, ob ich dabei von der Stadt aufs Land ziehe, die Wohnung wechsle oder mir meinen momentanen Wohnort so umgestalte, dass es eine Erholung ist, für mich zu sein.

Der Wunsch hochsensibler Menschen nach einem ruhigen Lebensraum kann einem Grundbedürfnis ihrer Persönlichkeit gleichkommen, und es ist demnach nicht zu viel verlangt darauf einzugehen. Selbstbestimmt auf meine Gesundung zu achten, motiviert auch meine nächsten Menschen. In jedem Fall zahlt es sich aus, unsere hohe Sensibilität in unseren Alltag so gut wie möglich zu integrieren!

Urban nomad – stadtverwurzelt am Land?

Ganz gleich, wie alt wir sind, ob wir trotz unserer hochsensitiven Prägung UrbanisierungsbefürworterInnen oder digital nomads im Van auf Reisen sind. Es geht hier nicht um stereotype Diffamierungen, sondern um Wege, weise und hochsensibel leben zu können. Es ist kaum möglich, dass wir uns dieser Kontroverse entziehen, denn früher oder später werden wir uns als hochsensible Menschen die Frage stellen, was es braucht, damit wir ein wohltuendes Leben, angepasst an unsere Bedürfnisse, leben.

Für jede:n Hochsensible:n gibt es eine persönliche, individuelle Reise. Es gibt kein richtig und falsch, kein schwarz und weiß.

Vielmehr Buntheit in all ihren Schattierungen.

Überall.

Julia


Mag. phil. Julia Bachmair ist ganzheitliche Kunsttherapeutin® i.A.u.S.,
selbstständig in eigener Praxis mit Schwerpunkt auf hochsensible Wahrnehmung und Hochsensitivität
www.gefuehlsweise.at, @gefuehlsweise (Instagram)


Quellen:
Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte
https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/Redaktion/PDF/DB_Menschenrechtsschutz/ICESCR/ICESCR_Pakt.pdf

english version: https://www.ohchr.org/en/professionalinterest/pages/cescr.aspx


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Hochsensible Kinder – Hochsensible Eltern

(Von Jessica Hoffmann)

In vielen Erstgesprächen mit Eltern, schalten sich meine feinfühligen Antennen an, wenn Mama und Papa von ihrem Kind berichten. Das Thema Hochsensibilität kommt zu diesem Zeitpunkt meistens noch nicht zur Sprache. Im Laufe unserer gemeinsamen Reise mache ich, wenn es sich für mich bestätigt, darauf aufmerksam und witzigerweise bekomme ich dann meistens die Rückmeldung der Eltern, dass sie bereits schonmal über das Thema gestolpert sind und nicht nur Ihr Kind wiedererkennen, sondern auch sich selbst – oft ist es entweder die Mama oder Papa. Da zum einen davon ausgegangen wird, dass Hochsensibilität vererbt werden kann, ist es nicht verwunderlich, dass es ebenso auf ein Elternteil, eventuell auch auf beide, zutreffen kann.

Mein Kind ist hochsensibel und ich auch – Was nun?

In den Gesprächen sehe ich zunächst einerseits erleichternde, aber auch verzweifelte Gesichter, was ich absolut nachvollziehen kann. Erleichterung, weil Du Dich endlich verstanden fühlst und Verzweiflung, weil Du Dich fragst: Wie geht es denn jetzt mit dieser Information weiter?

Ich bin selbst hochsensibel und war auch an diesem Punkt. Eins kann ich Dir versichern – es geht weiter und Du kannst lernen Deine Hochsensibilität, sowie die Deines Kindes, als Fähigkeit anzusehen.

Wie können wir einen Weg für uns als Familie finden?

Als Hochsensible*r fühlen wir uns oft anders und genau dieser Punkt kann meistens Konsequenzen mit sich ziehen. Wichtig ist als hochsensible Mama oder hochsensibler Papa sich mit den eigenen Themen auseinanderzusetzen:

  • Gibt es noch Themen aus der eigenen Kindheit, die Dich beschäftigen?
  • Gibt es Glaubenssätze, die mit unangenehmen Emotionen verbunden sind, wie zum Beispiel: „Du bist zu empfindlich.“ „Du musst stark sein.“ „Jungs weinen nicht.“

Kinder lernen nämlich durch Vorbilder und die größten Vorbilder sind nun mal die Eltern. Wenn Du mit gutem Beispiel voran gehst und an Deinen Blockaden arbeitest, dann kannst Du selbst Deine Hochsensibilität annehmen und verkörperst wiederum Deinem Kind, dass es etwas Wundervolles ist, feinfühlig zu sein.

In meinen Coachings gebe ich den Eltern immer mit, dem Kind zu zeigen und zu sagen, dass es genauso richtig ist, wie es ist – alles, was Du fühlst, darf da sein. Das Wichtigste ist, Kinder bedingungslos zu lieben und ich bin mir sicher, das machst Du bereits.

Menschen, die nicht hochsensibel sind, können Dein Kind vielleicht nicht immer verstehen, aber wer kann das besser als eine hochsensible Mama oder ein hochsensibler Papa?


Jessica Hoffmann,
Elternbegleiterin sowie Kinder-, Jugend- und emTrace®-Coach
https://baerenstark-coaching.de

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Hochsensibilität & Online-Dating

(Von Margot Steiner: Ein Erfahungsbericht über Online-Dating)

Zwanzig Jahre Beziehung endeten für mich hochsensibel klassisch im schmerzhaften Drama. Ich würde sagen, dass ich etwa zwei Jahre brauchte um diese Erfahrung zu verarbeiten und um zu verstehen, warum gerade ich so unter diesem Verlassenwerden litt, obwohl andere im Freundeskreis nach dem Beziehungs-Aus relativ schnell wieder Partner hatten und glücklich wirkten, während ich immer noch tieftraurig mit meinem Schicksal haderte.

Aber zum Glück nahm auch meine Trauerphase irgendwann ein Ende.

Vor ungefähr zwei Monaten machte mich Facebook auf ihre Dating-app aufmerksam und ich war ziemlich überrascht, wie hartnäckig meine Intuition drängte, mich zum Online-Dating anzumelden. Ich hatte keine Erfahrung mit Tinder & Co, was sollte ausgerechnet dort auf mich warten? Zur Erforschung dieser Frage nahm ich mir einen Abend Zeit und kam dabei zu einer überraschenden Erkenntnis: meine partnerschaftlichen Verletzungen geschahen durch Männer demnach durften auch Männer behilflich sein, diese Verletzungen wiedergutzumachen (das Wort Heilung mag ich grundsätzlich nicht so gerne, würde aber in diesem Zusammenhang stimmig sein).

Ich war schon erstaunt, dass meine Intuition für diese Mission das Werkzeug Online-Dating auswählte, aber gut.

Ich erstellte ein Profil und startete neugierig in das Flirt-Abenteuer. Für den vorerst nötigen Abstand sorgte die Einstellung „Entfernung“. Männer aus dem englischsprachigen Ausland schienen perfekt anonym, weit weg, nicht spontan greifbar. Interessanterweise rechtfertigte mein Verstand diese Entscheidung sofort mit kostenlosen Englisch Stunden – Win-Win sozusagen.

Es fühlte sich schnell aufregend und lebendig an, sich nach so vielen Jahren auf dieser mir fremd gewordenen Ebene zu unterhalten. Ich hatte ja keine Vorstellung mehr davon, welches Spektrum an Männlichkeit auf diesem Planeten existierte. Eine wunderbare, bunte Abenteuerlandschaft tat sich mir auf und ich probierte mich aus. Einige Wochen, viele Chats und nicht wenige fake accounts später wurde die Sache etwas langweilig, der nächste Schritt stand an. Ich nahm meinen Mut zusammen und änderte die Entfernungseinstellung auf „unter 100 km“. Damit kam Cedric ins Spiel. Ein sehr charmanter Franzose, der in meiner Nähe lebte. Wir chatteten und flirteten ungefähr eine Woche, als er mich anrief und ein Date in den nächsten Tagen vorschlug.

Meine Zusage war der Startschuss in einen für mich total unerwarteten Prozess.

Es schleuderte mich in ein Gedanken- und Gefühlschaos, wie ich es schon lange nicht mehr kannte. Alte, längst überwunden geglaubte Muster brachen auf und zeigten sich ziemlich erbarmungslos. Ich zweifelte tagelang an mir, meinem Körper, letztendlich an meiner gesamten Existenz. Meine Gedanken kreisten nur noch darum, was ich tun könnte, damit er mich mochte. Irgendwann kam ich zu der vernichtenden Erkenntnis, dass ich sowieso nicht gut genug war. Mein Kopf wusste natürlich, dass das nicht stimmte, in meinem Herzen kam das nicht an. Ich war bis zum Date in einem höchst unangenehmen Dauerstress, der seinen Höhepunkt in superpeinlichen roten Flecken an Wangen und Hals hatte, als wir uns dann persönlich begegneten. Es brauchte eine halbe Stunde, um die Nervosität in den Griff zu bekommen, danach war es ein sehr angenehmes Gespräch, bei dem ich aber schon ahnte, dass sein Interesse an mir nicht sehr groß war.

Zu Hause angekommen machte sich eine unglaublich tiefe Leere und Traurigkeit breit: ich spürte, das große, heiß ersehnte JA zu mir bekam ich von ihm nicht.

Mein Neugeborenes-Ich (nach Luca Rohleder) sehnte sich nach Bedingungslosigkeit – und wurde bitter enttäuscht.

Heute, Tag drei nach dem Date hat sich mein Inneres schon weitgehend entspannt und beruhigt. Den Ausflug in die überlastete Phase meiner Hochsensibilität kann ich mit einer Portion Humor nehmen. Ich bin sehr dankbar für den Mut, den ich aufgebracht habe, mich nicht nur virtuell, sondern auch persönlich meinem Beziehungs-Thema zu stellen. Cedric steht stellvertretend für alle Männer, mit denen ich online Kontakt hatte und die kleine und große Spuren auf meinem Weg zurück in eine mögliche Liebesbeziehung hinterlassen haben. Ich durfte mich mit ihrer Hilfe in den Spiegel schauen, Wunden betrachten und diese ein Stück weit versorgen. Jeder dieser Männer half mir auf seine Weise zurück in eine nicht immer angenehme Lebendigkeit.

Ich glaube es wäre schade, diesen Teil meiner Lebenslust aus Angst vor Schmerz vermeiden zu wollen.

Dank meiner genialen Intuition kam ich meiner Weiblichkeit sehr nahe, wenn auch auf etwas unkonventionelle Weise. Demnächst werde ich übrigens mein Profil abmelden, next step: Männer analog kennenlernen!

Margot Steiner, Dipl. Berufs- und Sozialpädagogin
Klangenergetikerin, Systemische Aufstellungsleiterin, Körperarbeit
www.aloha-klang.at


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Buchtipp:
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Wie Sie Ihre Chancen, die große Liebe im Internet zu finden, deutlich erhöhen können

von Denise Schäricke, ISBN 978-3-9819383-0-2

 

Vantage-Sensitivität, was ist das?

(Von Caren Klaschka)

Wieder einmal kursiert ein weiterer Begriff durch die neurowissenschaftliche Szene zum Wesensmerkmal der Hochsensibilität: Vantage-Sensitivität. Was soll das sein? Wieder ein neues Wort für ein bereits bekanntes Phänomen? Oder ein neues Etikett für ein hinlänglich eingeordneter Persönlichkeitstyp? Haben wir nicht bereits ausreichend Begriffe zur Verfügung?

Als ich zum ersten Mal davon hörte, saß ich in einem Hochsensiblen-Kongress in der Schweiz. Allerdings war ich nicht auf Anhieb angetan von einer weiteren Kategorisierung im Rahmen der Hochsensibilität. Und doch hat mich etwas daran angesprochen. Seither habe ich es wie eine gefundene Muschel hin und her gedreht und darin das entdeckt, was sich mit meinem Ansinnen in der Arbeit mit Hochsensiblen deckt: der Fokus auf die Stärken.

Vantage – das Vorteilhafte

Vantage suggeriert Vorteil, also das Vorteilhafte. Nicht gegen Andere, sondern für sein Wesen. Zum eigenen Wohlsein und das der Anderen.

Mein Nordstern in den Coachings oder Seminaren ist die jeweils individuelle Stärke des Wesensmerkmals. Da geht es hin. Alles ist darauf ausgerichtet. Meine positive Vorannahme ist, dass jeder sie in sich trägt und sie freilegen kann, auf seine ureigene Art und Weise. Das Freilegen ist dann eine sehr individuelle Angelegenheit.

Wenn wir uns die vielen Bücher und Ratgeber anschauen, die inzwischen zu dem Wesensmerkmal zu finden sind, wissen wir, dass es keine Allgemeinempfehlungen gibt, die auf alle gleichwertig passen oder wirken. Es sind immer nur Annäherungen. Immerhin gewinnt sich mit jeder neuen Erkenntnis ein nächster Schritt.

Der Begriff Vantage-Sensitivität ist auf den Schweizer Entwicklungspsychologen Prof. Michael Pluess zurückzuführen. Er definiert Sensitivität bezogen auf alle Menschen so:

Die Fähigkeit, die Umgebung wahrzunehmen und diese Wahrnehmung zu verarbeiten.

Menschen sind dabei unterschiedlich sensitiv. Nichts Neues. Manche bringt eine negative Erfahrung schwer ins Schleudern und sie knabbern lange daran herum. Andere bringt es für einen Moment ins Wanken und dann sind sie wieder in der Spur. Und noch Andere schütteln den Staub ab und nehmen es zum Anlass, das Geglückte am Straucheln hervorzuheben und gestärkter weiterzugehen. Oft bestaunen oder gar beneiden wir Letztere und fragen uns: was ist mit mir nur verkehrt, dass mir das nicht auch so leicht gelingt?

Sensitivitäts-Grade

Nun, verkehrt ist erstmal gar nichts. Viele unserer „Baustellen“ sind in dem Umfeld entstanden, in dem man groß geworden ist. War das Umfeld einem zugewandt und wohlgesonnen oder war es herausfordernd und gegen einen gerichtet? Das Erleben hat uns entsprechend positiv oder negativ geprägt. Dies gilt für alle Menschentypen, egal welchen Sensitivitätsgrades. Neurobiologisch wissen wir inzwischen, dass es, grob kategorisiert, hochsensitive, mittel- und wenigsensitive Menschen gibt.

Die Auswirkungen der frühen Erlebnisse scheinen bei den Hochsensiblen jedoch tiefer zu gehen. Dies gilt in die eine wie in die andere Richtung. Wer in einem Umfeld groß geworden ist, das sich nährend auf das Wesen, Selbstbewusstsein und das Selbstverständnis ausgewirkt hat, bringt andere Voraussetzungen mit als jemand, der in einem verzerrten oder verletzenden Umfeld herangewachsen ist. Diese Bedingungen bilden die Ursache für die innere Ausrichtung und Verarbeitung von Erlebnissen. Und dies zeigt sich an der Art der Verletzlichkeit, der Vulnerabilität. So gibt es unter den Hochsensiblen so genannte Vulnerabel-Sensitive, Generell-Sensitive und Vantage-Sensitive. Es heißt:

  1. Vulnerabel-Sensitive nehmen negative Erfahrungen tiefgreifender als negativ wahr, als die anderen.
  2. Generell-Sensitive nehmen sowohl negative wie positive Erfahrungen gleichwertig wahr.
  3. Vantage-Sensitive nehmen positive Erfahrungen besonders tiefgreifend wahr.

Nun fragt sich, ob man sich von einem Vulnerabel- über einen Generell- zu einem Vantage-Sensitiven entfalten kann?

Die Empfänglichkeit

Die Unterscheidung der verschiedenen Sensitiv-Typen liegt laut Pluess bei einem wichtigen Momentum in der Wahrnehmung:

Es ist die Empfänglichkeit für negative oder positive Erfahrungen, die sogenannte Suszeptibilität.

Und dies kann jeder an sich selbst beobachten: Wie nehme ich mich wahr? Wie lese ich die Dinge? Was lösen sie in mir aus? Was mache ich damit?

So werden persönliche Muster und blinde Flecken sichtbar. Eines ist gewiss: ich kann nicht meine feinen Antennen abschalten oder meine intensive Wahrnehmung dämmen, aber ich kann lernen sie zu steuern. Ich kann durch jedes wiederholte Steuern die Verarbeitung der Wahrnehmung zu einem veränderten neurologischen Ablauf führen, als bisher. Es ermöglicht mir, bewusst und achtsam in das Geschehen einzugreifen. Dazu gehören sowohl meine Gefühle als auch meine Gedanken.

So kann ein vulnerabel-sensitiver Mensch die Empfänglichkeit für negative Erfahrungen durch bewusste Achtsamkeitsrituale oder andere Resilienzmethoden abmildern. Zugleich kann die eigene Empfänglichkeit für positive Erfahrungen bewusst intensiviert werden. Dies kann dazu führen, dass sich eine Generelle-Sensitivität einstellt von der aus sich zu einer überwiegenden Vantage-Sensitivität fortfahren lässt. Ein solch wiederholtes Steuern ist wie ein neurologisches Training und wirkt sich auf Zeit stark aus. Ja, es gilt auch hier der Zauber der Wiederholung.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, es lohnt sich extrem. Die feine Wahrnehmung wird immer mehr als Gewinn und als Genuss erfahren. Und je stimmiger wir uns fühlen, desto mehr können wir Sinn und Richtung, Wert und Vision ausleben. Die hohe Wahrnehmung hat so zauberhafte Gemütsreichtümer, Kreativitätswelten und Intuitionsreichweiten inne, die dieses Miteinander auf dieser wundersamen Erde ganzheitlich und so vielseitig bereichern kann. Also, auf geht’s!

Caren Klaschka, Trainerin und Coach für Hochsensible
www.loomia-institut.de
www.lichtiges.de

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Hochsensible Kommunikation zwischen Mensch und Tier

(Von Silvia Christine Strauch)

Hochsensible Menschen verfügen über ein hohes Maß an Empathie. Durch diese feine Wahrnehmung nehmen sie leicht Stimmungen, Tendenzen und Meinungen von Anderen auf und reagieren darauf. Durch diese empathische Kommunikation kann sich eine besonders gute Verständigungsebene ergeben.

Kommunikation sollte allerdings ein beidseitiger Austausch sein, bei dem es darauf ankommt, dass sich auch alle gegenseitig verstehen.

Eine gute Kommunikation erfordert Übung und Disziplin von beiden Seiten. Jeder der Beteiligten sollte aktiv zuhören und sich zwischendurch versichern, dass er das Gehörte auch richtig verstanden hat. Eine eigene Meinung sollte man auch als solche bezeichnen und nicht versuchen dem Anderen etwas einzureden oder sich mit der Floskel „man“ macht dies oder jenes, versuchen sich aus der eigenen Verantwortung zu ziehen.

Laut Transaktionsanalyse von Eric Berne gibt es unterschiedliche Ebenen der Kommunikation. Berne teilte die unendlich vielen Möglichkeiten der Kommunikation in drei Kategorien ein, die er Ich-Zustände nannte. Im Kindheits-Ich können wir abgespeichertes Erleben aus früheren Zeiten wieder aktivieren. Man neigt dabei uneinsichtig und trotzig zu reagieren oder auch albern und unsicher. Allerdings können sich hier auch Neugierde und Phantasie ihre Bahn brechen. Im Erwachsenen-Ich erleben wir einen Zustand, der sich vollständig auf das Hier und Jetzt bezieht. Wir behandeln dabei unseren Gesprächspartner gleichwertig und respektvoll und bevorzugen eine sachliche Argumentation. Im Eltern-Ich Zustand äußern wir uns jedoch auf eine Art und Weise, dass sich unser Gegenüber bevormundet fühlt, entweder wir missbilligen sein Verhalten und seinen Ausdruck oder wir geben uns fürsorglich und bemutternd.

Befinden sich die Gesprächspartner beide im Erwachsenen-Ich, dann gibt es im allgemeinen kein Verständigungsproblem.

Schwierig wird es zum Beispiel, wenn sich Eltern-Ich und Kindheits-Ich kreuzen. Die Äußerung: „Hast du schon wieder das Verkehrte gekauft?“ (Eltern-Ich), führt entweder zu einer Äußerung: „ich kann das eben nicht“ (Kindheits-Ich) oder es wird aus dem Eltern-Ich mit einem Vorwurf zurückgeschossen. Auf jeden Fall ist eine konstruktive Kommunikation so schlecht möglich.

Befasst man sich mit diesen Kommunikationsprozessen, wird einem bewusst, warum es so oft zu Verständigungsschwierigkeiten kommt. Treffen hierbei noch hochsensible mit nicht so ausgeprägt sensiblen Menschen zusammen, gestaltet sich so manche Kommunikation nicht wirklich konstruktiv. Mit Übung und Selbstreflexion erkennen wir auf welcher Ebene wir agieren und so können wir auch lernen diese Ebene zu bestimmen. So viel anders läuft die Kommunikation mit Tieren auch nicht ab.

Tiere haben wesentlich sensiblere Sinnesorgane als wir Menschen

Dazu kommt, dass auch Tiere unterschiedliche Temperamente und eine unterschiedliche Sensibilität besitzen. Ob Pferd, Hund, Katze, Maus, wenn wir uns ein Tier anschaffen, dann übernehmen wir die Verantwortung für das Tier und sind dazu verpflichtet für eine artgerechte Haltung und Umgang zu sorgen. Dazu gehört zuerst einmal, dass wir uns informieren, welche Bedürfnisse diese Tierart besitzt. Ich setze voraus, dass Jeder um eine artgerechte Haltung seines Tieres bemüht ist. Mit der Haltung verbunden ist durchaus auch die Verständigung. Ich muss das Sozialverhalten des Tieres kennen um Reaktionen einschätzen zu können. Letztendlich muss ich mich als Mensch auf die Verständigungsebene des Tieres begeben. Ich kann von einem Pferd nicht erwarten, dass es anfängt zu denken wie ein Mensch, sondern ich muss anfangen zu denken wie ein Pferd. Gerade hochsensiblen Personen fällt es nicht schwer die Stimmung ihrer Tiere wahrzunehmen.

Die Tiere nehmen feinste Veränderungen an uns Menschen wahr wie Aufregung, Muskelanspannung, Geruch oder Stimme.

Aber auch wir selbst können uns dazu entwickeln vieles an unseren Tieren zu erkennen. Gerade hochsensible Menschen tun sich hierbei recht leicht. Ein gewisses Wissen über das Sozialverhalten vorausgesetzt, ist es ein leichtes sich auf die eigene Intuition zu verlassen um ein Tier „lesen“ zu können. Das Wichtigste dabei ist, im Augenblick zu leben und seine ganze Aufmerksamkeit dem Tier zu schenken. Für Pferdehalter ist es zum Beispiel das Schönste die Pferde direkt am Haus zu halten. Beim Blick aus dem Fenster nimmt man intuitiv wahr, ob alles in Ordnung ist oder nicht. Und welcher Hundehalter würde nicht sofort erkennen, wenn es seinem Hund nicht gut geht?

Mit etwas Übung lässt sich die Kommunikation so sehr verfeinern, dass man das Gefühl hat sich mit seinem Hund oder Pferd mit einer leichten Bewegung der Fingerspitzen oder einem Lidschlag verständigen zu können. Oftmals hat man dann das Gefühl einer telepathischen Verbindung. Manches was man darunter versteht kommt einfach durch klares Denken zustande.

Reiter werden die Aussage kennen, dass man, will man einen wirklich kreisrunden Zirkel reiten, diesen geistig vor den inneren Augen haben muss.

Man fokussiert sein Denken auf diesen Zirkel und vorausgesetzt Reiter und Pferd sind nicht völlig ungeübt, wird dieser Zirkel wunderbar rund werden. In dem Moment wo wir unser Denken derart fokussieren, reagiert unser Unterbewusstsein auf dieses Denken, indem es die entsprechende Muskulatur ganz leicht anspannt und/oder eine Gewichtsverlagerung vornimmt, ohne dass wir es bewusst merken. Ein Pferd nimmt jede noch so kleine Fliege auf seinem Fell wahr, so nimmt es auch die kleinste Gewichtsverlagerung oder Spannungsveränderung wahr und ist das Pferd sensibel genug, wird es auch darauf reagieren.

Denken kommt vor dem Sprechen

Gewöhnt man sich ein solch klares Denken an, fokussiert man also sein Denken, wird man auch anfangen klar zu sprechen, was besonders bei der Kommunikation mit Tieren wichtig ist. Für Tiere ist natürlich der Klang der Stimme ausschlaggebend, aber will ich, dass mein Hund einem Befehl von mir nachkommt, muss ich diesen klar und deutlich, allerdings nicht laut äußern und darf diesen nicht in einem Wortschwall verstecken. Und nicht nur bei der Tierkommunikation führt ein klares Denken und Sprechen auch zu einem klaren Handeln. Klares Handeln ist zielgerichtet und erfolgreich.

Und geben Sie bei Missverständnissen nicht Mensch oder Tier die Schuld, sondern versuchen sich selbst klarer auszudrücken.Es gibt kein Scheitern, nur neue Gelegenheiten.

Der Energieaustausch bei einer gelungenen Kommunikation ist nicht zu unterschätzen. Vor allen Dingen der hochsensible Mensch fühlt sich dadurch positiv aufgeladen und kann sich hierbei völlig entspannen.

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von
Meine Hochsensibilität positiv gelebt sowie
Krankhafte Narzissten enttarnen

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Resilienz – unser psychisches Immunsystem

(Von Lore Sülwald)

Resilienz ist die psychische Widerstandskraft eines Menschen. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen, von resilire und bedeutet zurückspringen, abprallen. Besonders in der Gruppe von hochsensiblen Menschen zeigt sich ein besonders hoher Faktor bei der psychischen Widerstandsfähigkeit.

Suelwald_Grafik1In Gruppen die durch Krisen, Katastrophen, Gewalt in der Kindheit oder eine allgemein schlechte Versorgung, besonders gefährdet sind im Erwachsenenalter selbst Täter oder Opfer von Gewalt zu werden oder ein chaotisches Leben zu führen, gibt es Menschen, die sich anders entwickeln. Es gibt immer eine kleine Gruppe von Menschen, die sich trotz dieser Ereignissen gut entwickeln und scheinbar gestärkt aus ihnen hervorgeht. Diese Menschen bleiben psychisch gesund und sind in der Lage geregelte Tages- und Arbeitsabläufe zu leben, liebevolle Beziehungen zu führen, erfolgreich im Berufsleben zu sein und in der Lage persönliches Glück zu empfinden.

Mit einem ganzheitlichen Blick auf den Menschen, ist das psychische Immunsystem ebenso wichtig wie unser körperliches Immunsystem. Gehen wir davon aus, dass unsere Psyche unser körperliches Wohlbefinden und unsere Gesundheit beeinflusst, dann ist es besonders ratsam sich mit dem seelischen Wohlbefinden zu beschäftigen.

Kann man Resilienz lernen?

Ähnlich, wie wir etwas für ein gutes körperliches Immunsystem tun können, wie zum Beispiel genügend Schlaf, gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung, gibt es Möglichkeiten aktiv unser psychisches Immunsystem zu pflegen.

Suelwald_Grafik2In Studien hat man herausgefunden, dass besonders resiliente Menschen über bestimmte Faktoren in ihrem Leben verfügen, die ihnen ermöglichen, bestärkt aus schwierigen Lebenssituationen und Krisen hervorzugehen. Resiliente Menschen finden Möglichkeiten mit diesen Situationen umzugehen und Lösungen zu finden.

Resilient zu sein, bedeutet nicht ununterbrochen Stress auszuhalten, die eigenen Belastbarkeitsgrenzen unendlich auszudehnen oder ununterbrochen arbeiten zu können. Resilient zu sein bedeutet eine Krise als Krise zu empfinden und Schmerz, Trauer, Stress und Ohnmacht zu fühlen. Allein der Umgang mit diesen Stressoren und die Fähigkeit eine notwendige Selbstwirksamkeit zu fühlen und umzusetzen, macht resiliente Menschen aus. Die Art wie man eine Situation betrachtet und für sich selbst bewertet, was wir aus ihr lernen, ist entscheidend.

Hochsensibel bedeutet anders belastbar zu sein

Viele hochsensible Menschen haben das Gefühl nicht belastbar genug zu sein. Sie bekommen im Vergleich mit anderen Menschen leicht das Gefühl weniger produktiv und schneller erschöpft zu sein. Man geht davon aus, dass hochsensible Menschen ungefähr das 10-fache an Reizen wahr- und aufnehmen. Das bedeutet, die tägliche Belastung einer hochsensiblen Person ist zehnmal so hoch, wie die des nicht-hochsensiblen Kollegen, Partners oder Nachbarn.

Ich stelle mir immer zwei gleich große Gefäße dazu vor. Wenn in eines von diesen zwei Gefäßen mehr eingefüllt wird, ist dieses eine selbstverständlich schneller voll. Und darum es ist ganz natürlich, dass sie als hochsensibler Mensch andere Pausenzeiten und Strategien benötigen, um wieder aufnahmefähig zu sein. Sie sind einfach nur anders belastbar, aber sicherlich nicht weniger als andere. Darum ist es kein Wunder, dass hochsensible Menschen im Schnitt häufiger über die positiven Einflussfaktoren von Resilienz verfügen, ohne es selbst zu bemerken.

Verschiedene Modelle zu Resilienz

Suelwald_Grafik3Es gibt verschiedene Modelle zur Resilienz. Bei meiner Literaturrecherche bin ich auf verschiedene Analysen gestoßen. Mal sind es fünf, mal sieben oder acht Faktoren, die resiliente Menschen in ihrem Leben integriert haben. Ich habe mich für ein Modell mit acht Faktoren entschieden. Angelehnt an meine Erfahrungen aus der Praxis und die wiederkehrenden Themen in meinen Einzelcoachings.

Ich bin der Meinung, dass es bei Konzepten darum geht inspirierende Hinweise für den Alltag zu erhalten. Ein ausgeglichenes, entspanntes und resilientes Leben zu führen ist höchst individuell, persönlich und veränderlich. Sich selbst gut zu kennen ist die Grundlage für eine erfolgreiche Selbstfürsorge. Das schafft Raum für eine bewusste Lebensgestaltung.

Diese Einflussfaktoren unterstützen die psychische Widerstandsfähigkeit.

Optimismus und positive Selbsteinschätzung

  • Positive Weltsicht
  • positives Selbstbild
  • realistischer Optimismus

Akzeptanz und Realitätsbezug

  • Akzeptanz des Unabänderlichen
  • Selbstakzeptanz und Selbstannahme
  • Annahme der eigenen Grenzen und Ressourcen

Lösungsorientierung und Kreativität

  • Optionen entwickeln
  • kreatives Denken
  • Fokus liegt auf der Lösung

Selbstregulation und Selbstfürsorge

  • Bewusstsein und Achtsamkeit für Emotionen und Gedanken
  • Impulssteuerung und Impulskontrolle
  • Selbstmotivation und -beruhigung

Selbstverantwortung und Entschlossenheit

  • Gestalter sein – raus aus der Opferrolle
  • Schuldgefühle, Schuldzuweisungen loslassen
  • Situationen selbstkritisch hinterfragen und den eigenen Anteil anerkennen

Beziehungen gestalten und Netzwerke pflegen

  • Empathie und echtes Interesse an anderen
  • Teil einer (hochsensiblen) Gemeinschaft sein, Engagement
  • Unterstützung anbiete und um sie bitten

Zukunftsgestaltung und Visionsentwicklung

  • kurzfristige und langfristige Ziele entwickeln
  • auf Lebensträume ausrichten
  • Alternativen überlegen und Resümee ziehen

Improvisationsvermögen und Lernbereitschaft

  • Gelegenheiten des Lebens wahrnehmen und kreativ nutzen
  • Raum für Lernprozesse: neue Denk- und Verhaltensmuster entwickeln
  • Reflexion über bisherige Erfolge

Menschen, die besonders resilient sind, können auf diese Fähigkeiten in schwierigen Situationen zurückgreifen. Dies ermöglicht ihnen bewusst durch die Krise oder besonders stressvolle Zeiten zu gehen und Lösungen zu entwickeln.

Im Alltag unterstützen uns das Wissen um die eigene Selbstwirksamkeit und deren Grenzen, so dass wir achtsam und vorbeugend auf Stress und außerordentliche Situationen reagieren können. Jeder Mensch ist anders und einzigartig, deswegen benötigt jeder Mensch etwas anderes in einer bestimmten Situation. Es gibt nur individuelle Lösungen. Befreien wir uns von Standarten, dann finden wir Lösungen für unsere individuelle Situation und Persönlichkeit.

Lore Sülwald, systemischer Coach, www.coachingbaum.de

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Der Angriff auf unsere Lebensqualität

(Von Fernando Christian)

Die Lebensqualität sinkt von Jahr zu Jahr – wie lange kann es so noch weiter gehen?

Ueli, ein Mitvierziger ist recht verzweifelt. Hat einen verantwortungsvollen Job. Eigenheim. Familie. Kinder in der Pubertät. Seine Arbeitstage werden von Jahr zu Jahr länger. Vor sieben Uhr ist er nicht zuhause. Oft fehlt er auch am Samstag, an dem er eigentlich frei hätte.  Seine Partnerin beklagt sich immer lauter, dass ihr Zusammenleben eher einer WG als einer Familie ähnelt. Von “Familie” ist schon länger nichts mehr spürbar. Jeder geht seine Wege. Gemeinsame Momente gab es schon lange nicht mehr. Die Ansprüche an Ueli steigen, am Arbeitsplatz und in der Familie.

Und über allem schwebt die Angst, dem allem nicht mehr gerecht zu werden.

Ueli wacht am Morgen auf, mit dem Klingeln des Weckers. Murrend, unausgeruht. Er hätte noch länger schlafen können. Wieder ein mühsamer Tag, an dem er sich zur Arbeit schleppt, sein Ding macht und ziemlich unbefriedigt nach Hause kommt. An der Arbeit wird er immer mehr zum Roboter. Vorgaben, Erwartungen, hohe Standards, immer mal wieder Entlassungen, viele Ausfälle und die Arbeit muss einfach gemacht werden. Er ist getrieben von den eigenen und den fremden Erwartungen. Total fremdbestimmt, vom Morgen bis zum Abend. Ist nur noch eine Frage der Zeit, bis er heiss läuft, total abschaltet und einfach nicht mehr kann.

Solche Situationen treffe ich als Coach immer häufiger an. Die Spirale dreht sich, zieht sich immer mehr in einer Schlinge zu. Und es wird so auch schwer, etwas grundlegendes zu bewegen. Wer sich in seinem Leben nur von Pflichten leiten lässt, ist ein Sklave. Von denen gibt es viele. Sie gehen Tag für Tag auf die Galeere, verrichten ihre Arbeit zu einem fremden Takt.

Der soeben beschriebene Lebensstil ist heutzutage sehr verbreitet. Fast kein Paar, welches nicht in dieses Lied einstimmen kann. Ist das Leben so lebenswert? Wer hat nicht etwas anderes erwartet und ist nun am Resignieren? Hintergrund dieses Leidens ist meistens der Stress. Wenn wir hier Abhilfe schaffen wollen, so müssen wir verstehen, wie er entsteht.

Stress hat man nicht einfach so. Stress entsteht durch die Art, wie du auf Dinge reagierst.

Stress ist eine Reaktion darauf, dass du dich gerade in Lebensumständen befindest, die du nicht so easy meistern kannst. Oft geht er einher mit einem Gefühl von Überforderung. Konkret heißt das: Du hast dir dein Leben so eingerichtet, das es für dich fast nicht mehr handelbar ist. Somit lässt sich feststellen: Stress machst du dir selber. Auch wenn er oft von aussen angetriggered ist, sei es die Familie oder die Arbeit. Meistens beides.

Heute weiss man, dass anhaltender Stress das Immunsystem schwächt, die Organe lädiert und den Menschen vorzeitig altern lässt. Oft geht er einher mit einer sehr einseitigen Ernährungsweise, die das ganze noch verstärkt. Das müsste so nicht sein.

Du hast es in der Hand, du alleine, wie du damit umgehst. Und ob du aus der Spirale herausfindest. Ein U-Turn ist angesagt – totale Umkehr der eingeschlagenen Richtung Hier geht es also darum, Strategien zu entwickeln, die dich von einem stressreichen zu einem stressarmen Lebensstil verhilft. Das geht nicht von einem Tag auf den anderen, sondern ist ein intensiver Prozess. Und er lohnt sich!

Nicht höher, schneller, weiter. Sondern langsamer, bewusster, menschlicher.

Wie komme ich auf so eine Idee? Ist ja total neben dem Mainstream. Ein abgefuckter Gedanke. Es heisst doch nicht, dass er zielführend ist, wenn eh die meisten Menschen diesen Weg gehen.

Wir haben uns in der heutigen Gesellschaft ein Prinzip zu eigen gemacht, das uns in Stress bringt – sowohl an der Arbeit wie auch im Privatleben. Das Prinzip heisst: alles hat Prio 1 – also Top Priorität und wo es nötig ist, hilft dann noch der “innere Schweinehund” nach, der uns zusätzlich antreibt. Es braucht soviel, damit der Mensch zufrieden ist. Dein Alltag ist womöglich voller Geräte und Systeme, “Gadgets”, die du hast, die du pflegst, die dir Zeit stehlen, wichtige Zeit für dein Wohlbefinden.

Wir können nicht mehr eine Sache nach der anderen erledigen, uns auf eine Sache konzentrieren. Wir lesen Mail beim Autofahren. Wir hören Nachrichten beim Haushalten. Wir telefonieren beim Kochen oder bei der Aufgabenhilfe für die Kinder. Wir senden Mails, verfassen ein Konzept und beantworten Kundenanfragen in der gleichen Minute. Alles ist gleich wichtig. Gleich dringend. Alles muss sofort erledigt werden. Wenn wir essen gehen, liegt das Handy neben uns und zügelt unsere Aufmerksamkeit weg, vom Miteinander in die Cyberworld. Bungee jumping all day long. Und nachts lernen wir im Schlaf noch Mandarin.

Macht ein Leben auf der Überholspur wirklich glücklich?

Es bleibt keine Energie, um etwas zu geniessen, um etwas sorgsam und solide zu machen, um der Tochter mit voller Aufmerksamkeit zuzuhören, was sie gerade beschäftigt. Wir verhalten uns immer mehr wie Roboter. Funktionieren ist angesagt. Einfach funktionieren.

Eines Tages wirst du aufwachen und keine Zeit mehr haben für die Dinge, die du immer wolltest. Tu sie “jetzt”!

Es ist gar nicht so einfach, dieser Haltung “alles oder nichts” sinnvoll zu begegnen. Nicht “immer mehr” ist angesagt, sondern immer weniger; aber dies zu schätzen, geniessen, bis zum letzten Tropfen auszukosten. Das macht uns frei!

Wie du siehst, ist es absolut hilfreich, dir dein Leben so einzurichten, dass es dich erfüllt. Und der erste Schritt ist oft, darüber intensiv nachzudenken und herauszufinden, was du weglässt, von was du dich bewusst trennst. Ballast abwerfen macht dich frei für neue, total neue Erfahrungen. Dann beginnt das Leben wieder Freude zu entwickeln, dein inneres Feuer braucht Raum, damit es brennen kann.

Das meiste funktioniert wieder, wenn man es kurz abschaltet. Du auch!

Fernando S. Christian, Coach und LifeDesigner
www.lifedesign.studio
LifeDesign-Youtube-Kanal

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Die Harmoniekompetenz von Hochsensiblen

(Von Luca Rohleder)

Hochsensible Menschen verfügen über eine ausgeprägte Intuition. Dieser sechste Sinn ist das, was Hochsensible in der Hauptsache deutlich von Normalsensiblen unterscheidet. Dieser Bestandteil ihrer Persönlichkeit versetzt sie in die Lage, mit dem Reich der Ideen, Ahnungen und Einsichten in Verbindung zu treten. Daraus resultiert eine Art inneres Wissen, das HSP subtil spüren lässt, ob etwas stimmig ist oder nicht. Betreten sie einen Raum, begegnen unbekannten Menschen oder werden mit sonstigen Gegebenheiten konfrontiert, spüren Sie sehr genau, ob zum Beispiel alles in Ordnung ist oder etwas im Argen liegt. Man könnte es aber auch etwas anders ausdrücken: Dieser subtil wirkende sechste Sinn bewirkt, ob Hochsensible etwas in ihrem Umfeld oder in ihrer Umwelt als harmonisch empfinden oder nicht. Dies ist auch die Erklärung, warum HSP ein ausgeprägtes Harmonieverständnis in sich tragen. Denn Harmonie entsteht immer dann, wenn alles stimmig ist

Das Harmonieverständnis von hochsensiblen Menschen ist ein Nebeneffekt ihrer ausgeprägten Intuition.

Der Bergiff Harmonie ist jedoch nur sehr schwer intellektuell fassbar – man muss ganz einfach „wissen“, was das ist. Es geht also augenscheinlich um eine Art „höherer Ordnung“. Werden wir damit konfrontiert, erleben wir das Gefühl der Harmonie. Sie ist im Prinzip die Richtigkeit des Schönen. Ein höheres Ideal, das durch die Natur unverrückbar vorgegeben ist und meist von allen Modeerscheinungen unberührt bleibt. Hochsensible besitzen also die großartige Fähigkeit ein Ideal der Stimmigkeit zu erkennen, ohne, dass ihnen dies in den meisten Fällen bewusst ist. Vielleicht ist dies auch die Ursache, warum sich viele Hochsensible nichts sehnlicher wünschen, als in Harmonie ihr Leben zu leben. Nichts kann sie daher mehr belasten, als nicht gelöste Konflikte, unausgesprochene Probleme oder sonstige Themen, die nicht im Gleichgewicht sind.

Das hohe Harmoniebedürfnis von Hochsensiblen ist also NICHT Folge mangelnder Konfliktbereitschaft oder der Angst, sich unbeliebt zu machen, sondern vielmehr ist es das Resultat eines inneren Wissens, was richtig oder falsch ist.

Nur sensible Menschen können diesen Satz tatsächlich verstehen. Wenig sensible Menschen werden darüber wohl nur den Kopf schütteln können, denn wenn Menschen bestimmte Missstände nicht wahrnehmen können, kann man ihnen auch nicht den Vorwurf machen, wenn sie sich nicht dagegen aufzulehnen. Oft sind sich Hochsensible dieser Tatsache überhaupt nicht bewusst und setzen einfach voraus, dass ein Gegenüber das gleiche innere Wissen und Harmonieverständnis besitzt wie sie selbst. Dies ist jedoch ein großes Missverständnis! Daher sollten besonders Hochsensible Verständnis aufbringen, wenn wenig sensible Menschen scheinbar fröhlich und unbedarft in einer aus den Fugen geratenen Welt leben können. Wer Schieflagen nicht wahrnehmen kann, dem ist es auch unmöglich, sich darüber Sorgen zu machen.

Aber auch bei Kleinigkeiten im Alltag oder sogar auf der Ebene der Kunst begegnen wir Menschen mit einem hohen Harmonieverständnis: Sicher ist Leonardo da Vinci einer der berühmtestes Vertreter eines Hochsensiblen, der durch sein inneres Wissen unfassbar Schönes erschaffen konnte. Er wusste, was ein „höheren Ideal“ ist. So konnte er der Menschheit Werke hinterlassen, die eine perfekte Harmonie ausstrahlen und sich für immer dem Diktat des Mainstreams entziehen werden. Das Gleiche gilt für die klassische Musik:

Beethoven, Bach & Co. werden immer gehört werden, egal welche Zeiten angebrochen sind.

Lange Rede, kurzer Sinn: Obwohl die wenigsten HSP dazu berufen sind, große Künstler zu werden, tragen sie dennoch dieses geheimnisvolle Wissen in sich, ob etwas einer „höheren Ordnung“ entspricht. Wenn etwas auf einem Gemälde nicht zusammenpasst oder etwas bei einem Musikstück disharmonisch klingt, wird es Hochsensiblen sofort auffallen. Es ist ihr Urinstinkt, der sie den ganzen Tag, Minute um Minute spüren lässt, ob um sie herum alles stimmt oder nicht. Aber auch Geistiges können sie mit ihrem „höheren Ordnungssinn“ abklopfen. Hören Hochsensible von einer Idee oder einem Plan, haben sie recht schnell ein sicheres Gespür, ob das in die Realität passt oder nicht. Das können Arbeitsabläufe, Unternehmensstrategien, Werbekonzepte oder ganz einfach nur Lebensabsichten eines Bekannten sein.

Hochsenible sind damit imstande, sich sogar als Orakel zu betätigen.

Einige Hochsensible, die sich als Coach, Trainer oder Berater betätigen, können sich diese Fähigkeit manchmal selbst nicht erklären. Sie fühlen sich oft in der Lage, Zukunft vorherzusehen. Dies ist jedoch ein Trugschluss. Zukunft ist nicht vorhersehbar! Vielmehr ist es ihr „höherer Ordnungssinn“. Sie „wissen“ ganz einfach, ob eine Idee, ein Umstand oder ein Vorhaben das Zeug dazu hat, sich in die Welt der Realität erfolgreich einzufügen oder nicht. Sie kennen die „höheren Regeln der Ordnung“, denen alles Leben unterworfen ist.

Leider leben viele hochsensible Menschen dies beneidenswerte Fähigkeit nicht immer aus. Dann kann man beobachten, wie sie versuchen, zumindest unbewusst ihr Harmonieverständis auszuleben. In dem Fall muss auf dem Schreibtisch alles seinen richtigen Platz haben. Oder sie eignen sich einen übertriebenen Ordnungssinn an, den sie z.B. in ihrem Zuhause im Übermaß ausleben. Alles muss rein und stimmig sein, damit sie zumindest ein ganz kleines Stück ihrer Vorstellungen über eine heile Welt erfüllt bekommen. Allerdings kann das Ganze schnell aus dem Ruder laufen und zur Last werden.

Perfektionismus ist die Kehrseite eines hohen Harmonieverständnisses.

Perfektionismus kann dann einige Konflikte auslösen: Hochsensible Mensch beginnen, selbst kleinste Fehler nicht mehr akzeptieren zu können. Bei der Arbeit verlieren sie die Fähigkeit zu improvisieren. Und wenn sie mit Schlamperei konfrontiert werden, kann dies sogar zu einer inneren Zerreissprobe ausarten. Alles, was nicht den eigenen perfekten Vorstellungen enstpricht, führt zu ernsten Problemen mit sich selbst und mit anderen.

Jedoch löst sich das Ganze auch schnell wieder auf, wenn Hochsenible erst einmal eingesehen haben, dass andere überhaupt nicht erkennen können, ob etwas perfekt ist oder nicht – ob es einem höheren Ordnungssinn entspricht oder nicht. Sie beginnen ihre goldene Mitte zu finden und ihre übertrieben sentimentale Weltsicht zu relativieren. Sie begreifen, dass andere einfach nicht in der Lage sind, bestimmte Umstände so durchleuchten zu können wie sie selbst. Ihre Toleranzbandbreite für nichtsensible Menschen beginnt sich zu erweitern und sie hören auf, andere von etwas überzeugen zu wollen, für das sie eh keinen Sinn verfügen.

Lebenserfahrene Hochsensible werden dann zu stillen Genießern und erfreuen sich insgeheim an ihrem einzigartigen inneren Wissen.

Wer Hilfe in Anspruch nehmen möchte, dem greifen sie gerne unter die Arme. Für alle anderen entwickeln sie die Stärke und den Mut, sie (wider besseren Wissens) ihrem Schicksal zu überlassen.  Mehr Leichtigkeit tritt ins Leben und sie verbannen die Gefahr, sich das Leid anderer auf die eigenen Schultern zu laden. Aber alles in allem wissen Hochsensible nur zu gut:

Wer die Welt zumindest ein ganz kleines Stück perfekter machen möchte, der sollte öfter hochsensible Menschen um Rat fragen.

Das LUCA TAGEBUCH, das etwas andere Tagebuch, Luca Rohleder, ISBN 978-3-9823032-0-8Luca Rohleder
Buchautor und Gründer des NETZWERKS HOCHSENSIBILIÄT
Herausgeber des LUCA TAGEBUCHS

Mehr über Rohleder

Typische Beziehungsthemen von Hochsensiblen

(Von Nicole Lindner)

FEINFÜHLIGKEIT TRIFFT AUF BERUFSLEBEN, Nicole Lindner, ISBN 978-3-9820125-5-1

Es ist schon ziemlich lange her, da steckte ich in einer Beziehung, die mir gar nicht guttat. Während wir anfangs noch wie siamesische Zwillinge zusammenklebten, schlich sich bei mir irgendwann ein Gefühl des Unwohlseins ein, was sich in den kommenden Monaten verstärkte. Nachdem ich die störenden Dinge mehrmals erfolglos angesprochen hatte, resignierte ich und zog mich innerlich zurück – das führte letztlich zur Eiszeit und damit zum Bruch unserer Beziehung.

Heute gehört das zu den schmerzhaftesten Erinnerungen meines Lebens und ich frage mich oft, ob ich nicht doch etwas hätte besser machen können. Ich bereue zwar nicht, dass ich Schluss gemacht habe, nur ist mir heute klar, dass ich meinen damaligen Partner in so manchen Dingen wohl zu Unrecht beschuldigt habe, was nicht zuletzt an meiner sehr sensiblen Art liegt, Beziehungen zu führen. Schauen wir uns die typischen Beziehungsprobleme einmal näher an:

Beziehungsproblem Nr. 1: Starkes Zuwendungsbedürfnis

Viele Feinfühlige sehnen sich nach Harmonie und Nähe in jeglicher Form. Ein Streit oder Unausgesprochenes kann sie in den Wahnsinn treiben und zu großen Selbstzweifeln führen. Bei mir wurde es beispielsweise immer kritisch, wenn mein Partner mitten in einer Diskussion plötzlich ging und meinte, er brauche jetzt Zeit für sich. Ich schimpfte und tobte, wollte das Problem so schnell wie möglich geklärt haben und lief ihm überall hin nach, um ihn zu konfrontieren. Selbsterklärend, dass das unseren Twist nur noch verschlimmerte.

Heute gehe ich deutlich gelassener mit solchen Situationen um. Haben mein Partner und ich zum Beispiel eine Unstimmigkeit und er fordert mitten im Gespräch eine Auszeit, akzeptiere ich das und sage: „Okay, wann klären wir die Sache dann?“

In der Zwischenzeit gehe ich eine Runde spazieren oder treibe Sport, um mich abzureagieren (kein Witz: Ich habe auch schon Autoreifen montiert, nur um emotional runterzukommen!!) Zugegeben, diese gemäßigte Reaktion fällt mir immer noch schwer, trotzdem bin ich gefestigt genug, dass ich dem anderen den Wunsch mittlerweile zugestehen kann.

Beziehungsproblem Nr. 2: Ausgeprägte Verletzbarkeit

Feinfühlige reagieren ausgesprochen sensibel auf in ihren Augen unsensible Verhaltensweisen, Mimik oder Gestik des Partners. Mein Freund musste damals nur in Gedanken versunken sein und nicht sofort auf mich reagieren, da unterstellte ich ihm schon mangelnde Liebe. Es kann wirklich anstrengend für beide sein, wenn man es hier nicht schafft, hier eine etwas neutralere Sichtweise zu bekommen. Mein Tipp:

Gestehe dem anderen zu, dass er ein eigenes Leben hat und bringe nicht jede seiner Reaktionen sofort mit dir oder Eurer Liebe in Verbindung.

Manchmal ist dein Gegenüber vielleicht einfach nur müde von der Arbeit, krank oder in Gedanken versunken und reagiert unabsichtlich nicht so, wie du es dir in diesem Moment wünschst. Anstatt dich gekränkt in dein Schneckenhaus zurückzuziehen könntest du ihn alternativ z.B. fragen, ob mit ihm alles okay ist.

Beziehungsproblem Nr. 3: Fehlende Kommunikation

Paare in Beziehungskrisen schweigen sich oft nur noch an oder reiben sich im Streit auf. Beides ungut, dabei ist gerade eine offene Kommunikation und interessiertes Zuhören die absolute Basis für eine gute Beziehung. In meiner damaligen Partnerschaft zog ich mich irgendwann total zurück und vermied jegliche schmerzhafte Diskussion.

Kennst du das vielleicht auch? Dein Partner sagt etwas, du interpretierst unbewusst etwas hinein und reagierst dann auf das, was du interpretiert hast (wichtig: NICHT auf die URSPRÜNGLICH getroffene AUSSAGE!). Das ist sehr wichtig zu unterscheiden. Mein Tipp, um dies zu vermeiden:

Lass deinen Partner  ausreden, höre ihm zu und erwidere: „Du hast gerade das und das (Wiederholung der Aussage) gesagt, ich habe das so und so verstanden (DEINE Interpretation) – ist das richtig?“

So bekommt dein Gegenüber die Chance, eine möglicherweise irrtümlich von dir getroffene Annahme zu korrigieren und du wirst nicht unnötig verletzt. Ich gebe zu, das nervt anfangs ein wenig, doch die Mühle lohnt sich. Ich verspreche dir, alleine durch diese simple Maßnahme wird sich deine Beziehung enorm verbessern.

Nicole Lindner


FEINFÜHLIGKEIT TRIFFT AUF BERUFSLEBEN – Wie Sie Beruf und Ihr Naturell in Einklang bringen können von Nicole Lindner ISBN 978-3-9820125-5-1

 

Nicole Lindner
www.meinweg-deinweg.de 
Buchautorin von „Feinfühligkeit trifft auf Berufsleben“


 

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Hochsensibilität trifft auf weiblichen Narzissmus

(Von Violetta Hoffmann)

Narzissmus und die Geschlechter, Violetta HoffmannDer Begriff Narzissmus ist mittlerweile in aller Munde und dreht durch alle Medien die Runde. Es gibt zahlreiche Bücher, Blogs und Videos zu diesem Thema. Auffällig ist jedoch, dass größtenteils immer nur von narzisstischen Männern die Rede ist. Da stellt sich doch die Frage: Und was ist mit den Frauen unter den „toxischen Menschen“?

Wurden die Frauen einfach übersehen?

Irgendwas stimmt nicht so ganz an diesem Bild, oder? Denn ich als hochsensible Frau habe durchaus meine Erfahrungen mit weiblichen Narzissmus gemacht. Und das war wahrlich kein Zuckerschlecken. Meiner Erfahrung nach sind narzisstische Frauen einen ticken raffinierter in ihrer Vorgehensweise und deshalb nicht so schnell zu entlarven wie die männlichen Kollegen. Gerne würde ich beleuchten, wie narzisstische Frauen vorgehen. Oberflächlich betrachtet haben sie mit ihren männlichen Kollegen viel gemeinsam: Status hat oberste Priorität, alles dreht sich nur um sie und ihre Erfahrungen, Wünsche und das Wohlbefinden. Meiner Erfahrung nach gibt es allerdings einen besonderen Punkt, der sie von narzisstischen Männern unterscheidet.

Narzisstische Frauen in Freundschaften

Narzisstische Frauen verhalten sich in Freundschaften die erste Zeit (Wochen, Monate) erst einmal (fast) recht unauffällig. Was zu Beginn der „Freundschaft“ herausstechen kann ist, dass sie sich als „Fan“ deiner Persönlichkeit outen. Sie machen dir übermäßig viele Komplimente, loben dich in den höchsten Himmel und geben dir das Gefühl etwas ganz Einzigartiges zu sein. Sie machen das teilweise so extrem und übertrieben, dass es einem schon fast unangenehm werden kann. Doch das ist natürlich nicht selbstlos. Sie wollen einfach, dass du als fühlender Mensch mit deiner wertvollen Lebensenergie immer für sie da bist. Am besten sogar Tag und Nacht.

Du wirst als die beste Freundin/der beste Freund und wichtigster Mensch auf einen Thron gehoben, auf dem du vielleicht gar nicht sitzen magst.

Sie machen dir diese Komplimente vor allem auch übertrieben oft in der Öffentlichkeit und wollen dich in ihren Freundeskreis etablieren. Du bist jetzt quasi der „Diamant“ den sie und nur sie allein entdeckt hat. Und: Sie macht dich groß!

Jetzt kommt der Punkt: Wenn du diese Taktik durchschaust und dich bewusst nicht blenden lässt, bei dir und deinen Werten bleibst und vor allem für dich und deine Zeit einstehst, merken sie das. Wehe du leistet Widerspruch oder sagst hier und da ganz selbstbewusst das goldene Zauberwort „Nein“, dann machen sie ziemlich bald den Rückzug. Vorher werden sie natürlich wütend oder beleidigt. Wie kann man ihr nur widersprechen? Hallo? Wie kann man ihr nur etwas abschlagen? Und wie kann man es eigentlich wagen, nicht auf ihre Bedürfnisse zu achten? Genauso wie sie dich in den Himmel gehoben hat, so wird sie dich wieder auf die Erde fallen lassen. Durch Ignoranz und Missgunst. Plötzlich wirst du nicht mehr wichtig sein. Sie geht auf neue Beutejagd. Du warst dann quasi ein flüchtiges Lüftchen und wirst in Zukunft nicht weiter beachtet werden. Vielleicht hier und da beobachtet, ob nicht doch noch irgendwo eine Tür aufgeht, ansonsten war’s das. Wenn du der Narzisstin nichts mehr gibst, wird sie sich alsbald nach neuen Oasen umschauen.

Narzisstische Frauen in Führungspositionen

In Führungspositionen repräsentieren sie den Teufel persönlich. Bekommt man beispielsweise einen Termin für ein Personalgespräch, das in zwei Wochen stattfinden soll, dann werden das für HSP zwei sehr nervenzerreisende Wochen werden. Man ahnt schon die dominante Energie und die überheblichen Belehrungen wie man etwas besser machen könnte und so weiter. Narzisstische Frauen, sie in Führungspositionen sind, brauchen Untergebene. Sie wollen herrschen und beherrschen. Die Lorbeeren gehören übrigens auch nur ihnen. Schließlich sind sie ja die Initiatorinnen. Wenn etwas erfolgreich und gut läuft in der Firma, dann nur wegen ihren Entscheidungen und Vorschlägen. Läuft etwas einmal nicht so wie gewollt, dann sind natürlich die ausführenden Mitarbeiter verantwortlich.

Logisch, wer denn sonst?! Wenn sie allerdings selbst merken, dass sie es mit ihrer Art und Taktik übertreiben, schalten sie gerne hier und da einen Gang zurück und können „zur Wiedergutmachung“ hier und da ein Lob oder Kompliment austeilen. Schließlich ist es ihnen sehr wichtig, beliebt zu sein. Zuckerbrot und Peitsche trifft es hier ganz gut. Solange man diesen Frauen auf Schritt und Tritt „Ja und Amen“ predigt und sie im Idealfall auch noch bewundert, dann läuft alles paletti. Man(n) hat äußerst gute Karten, wenn man ihr immer zu- und beistimmt. Sie will anerkannt und angeschaut werden. Ihr oberstes Ziel ist es, als absolute Koryphäe angesehen und so behandelt zu werden. Spielt man das Spiel nicht mit oder widersetzt sich sogar, dann dauert es nicht lange bis man gezeigt bekommt, dass man so nicht erwünscht ist. Oft beginnen dann lästige Spielchen mit subtilem Mobbing, indem suggeriert werden soll: „Entweder spielst du mein Spiel für mich mit, oder ich vertreibe dich aus meinem Paradies!“

Es gibt aber auch gute Seiten: Ich habe es schon selbst erlebt, dass es narzisstische Führungskräfte es dermaßen übertrieben haben, dass sie sich quasi selbst in Aus geschossen haben. Früher oder später zerstören sich zerstörerische Kräfte einfach selbst. Das gilt für alle Ebenen, meiner Meinung nach.

Narzisstische Frauen in Beziehungen

Zu Beginn sind narzisstische Frauen scheinbar sehr einfühlsam, verständnisvoll und offenherzig. Auf intimer Ebene tasten sich diese Frauen ein bisschen vorsichtiger und behutsamer heran. Sie wollen hier keineswegs zu früh auffallen. Sie testen hier und da sensible Punkte und Grenzen ab und beobachten, wie der Partner reagiert. Sie stellen auch gezielte Fragen. Sie versuchen so frühzeitig wie möglich die sensiblen und empfindlichen Punkte zu orten. Sie beobachten genau, auf was der Mann reagiert und was er mag. Sie wird ihre größten und subtilsten Verführungskünste aktivieren, sodass der Mann glaubt, hier einen Jackpot geknackt zu haben.

Mit der Zeit, wenn sich die Beziehung dann „eingeplätschert“ hat, neigt die Narzisstin dazu, sich selbst immer ein Stückchen „höher“ als ihren Partner zu setzten. Das macht sie beispielsweise, indem sie in scheinbar belanglosen Nebensätzen ihren wundervollen Ex-Partner erwähnt, der ja ach so männlich und erfolgreich war. Oder sie erzählt von neuen und attraktiven Kollegen, mit denen sie sich so gut versteht und auch auf einer Wellenlänge zu sein scheint. Kurzum: Alle Männer in ihrem Leben sind wundervoll und perfekt, nur der Partner hat noch einiges zu tun, um dieses Level zu erreichen.

Die narzisstische Frau wird immer subtile Zeichen senden, mit denen sich der Partner minderwertig, klein, falsch oder schlecht fühlt.

Und wenn das nicht ausreicht, erhöht sie gerne den Druck durch innere Kälte und Ignoranz. Hier gibt es nur eine Lösung: Beide Beine in die Hand nehmen und nichts wie weg!

Ein Merkmal zum Schluss, das auf alle Bereiche zutrifft: Stellt man eine narzisstische Frau zur Rede, wird sie immer und immer die Opferkarte ziehen! Entweder wird sie anfangen zu weinen, sich als unschuldig oder unwissend hinstellen. Sie wird noch mal alles tun, um sich als das „Opfer“ oder die eigentlich „Leidende“ auszugeben. Das ist quasi ihr letzter Joker, der ihr zur Verfügung steht. Jetzt ist alles nur noch eine Frage der Zeit. Und das unterscheidet sie am meisten von ihren männlichen Kollegen, denn Männer ziehen selten die „Opferkarte“.


Violetta Hoffmann, Mediale Mentorin mit Schwerpunkt auf HochsensibilitätVioletta Hoffmann,
Mediale Mentorin mit Schwerpunkt auf Hochsensibilität,
www.violettahoffmann.com,
Autorin von „Können Raupen fliege lernen? Ein Kinderbuch, auch für Erwachsene


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Auch geistige Nahrung kann krank machen

(Von Ursula Ines Keil)

Zum Thema Ernährung ist wirklich schon viel geschrieben worden. Und so gibt es, abgesehen von Religion und Politik, kaum einen anderen Bereich, in dem so heftig über den richtigen Weg diskutiert und gestritten wird. Dabei sorgen die vielen verschiedenen Auffassungen mehr für Verwirrung als für Klarheit, was ich auch an den Reaktionen auf meine Vorträge an Schulen oder Kliniken beobachten kann.  Da mir selbst nach meinem Abschluss in Ernährungsmedizin Eigenerfahrungen wichtiger waren als die graue Theorie, habe ich im Laufe meines Lebens einiges in Sachen Ernährung ausprobiert.

Neben unserer inneren Stimme ist unser Körper unser engster Freund, denn ohne ihn können wir letztendlich in unserer polaren Welt keine Erfahrungen machen.

Doch wie gehen wir mit ihm oft um?

Vergleichen wir unseren Körper zunächst einmal mit dem Transportmittel Auto. Ist schon mal jemand auf die Idee gekommen, mit seinem Benziner Diesel zu tanken oder mit seinem Diesel Benzin? Vermutlich nicht, aber wenn dies bereits einmal versehentlich passiert ist, dann gab es sicherlich einen teuren Motorschaden. In aller Regel gehen wir also achtsam mit unserem Auto um. Aber wie sieht es da im Vergleich mit unserem Körper aus? Er darf sich mit ganz erstaunlichen Substanzen, die er Tag für Tag verabreicht bekommt, auseinandersetzen. Und wie beim Auto findet auch hier natürlich eine Reaktion statt.

 Im Grunde lässt sich unsere Nahrung in drei Bereiche einteilen:

  1. Zum einen gibt es die Nahrung, die wir zur Erhaltung unseres Körpers benötigen. Zu unseren Hauptnährstoffen zählen Kohlenhydrate, Fette und Eiweiß. Und da unser Körper wie ein kleines Kraftwerk funktioniert, lassen sich unsere Hauptnährstoffe noch nach ihren funktionellen Aspekten unterteilen. Dazu zählen die Baustoffe (Eiweiß, Mineralstoffe und Wasser), die Brennstoffe (Fette und Kohlenhydrate) sowie die Wirkstoffe (Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente). Natürlich kommt es jetzt noch auf das richtige Verhältnis an. Dieses ist für jeden Menschen sehr individuell, je nach Typ und Alter. Das können Sie sich in etwa so vorstellen wie das passende Öl- und Kraftstoffgemisch für Ihr Auto, damit für eine lange Überlebensdauer gesorgt ist.
  2. Dann gibt es noch die Nahrung, die wir für unser seelisches oder inneres Gleichgewicht benötigen. So wird das Essen oft zum Kompensationsmittel, obwohl es nicht zur Erhaltung unseres Körpers dient. Aber auch der Partner kann zum Kompensationsmittel werden. Mit Essen zu kompensieren ist, um beim Vergleich mit dem Auto zu bleiben, ungefähr so, als würden Sie noch einen zusätzlichen Duftstoff ins Öl oder in den Kraftstoff geben, den das Auto eigentlich gar nicht braucht und was beim Körper eher zu seiner späteren Verschlackung führt. Mit dem Partner zu kompensieren heißt: „Du bist dafür verantwortlich, dass mein leerer emotionaler Tank gefüllt wird.“
  3. Des Weiteren gibt es die Nahrung für unseren Geist. Hier stellt die Nahrungsquelle meist nicht das Essen dar, sondern das, mit dem Sie sich den ganzen Tag geistig beschäftigen. Diese Art der Nahrung ist nicht zu unterschätzen, denn sie sorgt unter anderem für unsere Vorstellungen. Und was Vorstellungen in unserem Leben so alles bewirken können, dazu habe ich bereits anhand verschiedener Beiträge einiges geschildert.

Inzwischen stellen Begriffe wie Entgiftung, Entschlackung oder Heilfasten meist keine Fremdwörter mehr dar. Und so haben einige von uns diese Methoden sicherlich auch schon einmal ausprobiert. Doch in Bezug auf unsere geistige Nahrung sieht es anders aus. Da verhalten wir uns eher so, als würden wir ununterbrochen essen. Kommt das bekannt vor, beim Essen einmal kurz die Nachrichten anzuschauen oder die E-Mails durchzugehen?

Wie viel Fernsehen, Radio, Facebook oder Computerspiele nehmen wir täglich zu uns? Zum Herausfinden, kann man sich einen Tag lang, einmal ganz bewusst beobachten.

Entscheidet dabei ist nicht nur die Menge, sondern auch der Inhalt an geistiger Nahrung.

Dazu kommen die vielen Geräusche, Gerüche und Bilder die wir den ganzen Tag aufnehmen. Vieles bekommen wir gar nicht mehr mit, weil es so nebenbei läuft. Ein Grund, weshalb immer mehr Menschen, auch von geistiger Nahrung ernsthaft krank werden. Bitte bedenke: „Alles fließt durch unseren Organismus und kommt in unserem Nervensystem, dem Gehirn, das die Körperfunktionen letztendlich steuert, an“.

Wären wir also in der Lage, jeden einzelnen Gedanken von uns in Form eines Balkendiagramms darzustellen, dann wüssten wir, warum unser Leben so ist wie es ist.

Es lohnt sich also, neben der physischen und emotionalen Nahrung, vor allem bei der geistigen Nahrung bewusst hinzuschauen.


Ursula Ines Keil, Buchautorin und psychotherapeutischen Heilpraktikerin
www.facebook.com/ursulaineskeil
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Pech in der Liebe?

(Von Monika Richrath)

Die Liebe ist für hochsensible Menschen oft schwieriges Thema. Hochsensibilität führt vielleicht dazu, dass wir Vieles besonders schwernehmen (z.B. Kränkungen), besonders viele Ängste entwickeln (z.B. bevor wir jemandem unsere Liebe gestehen) oder es vielleicht auch gar nicht wagen, auf jemanden zuzugehen. Und natürlich leiden wir unendlich, wenn es vorbei ist. Manchmal jahrelang (glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich spreche)!

Kommt Ihnen diese Situation vor?

Oder Sie sehnen sich ganz verzweifelt nach Liebe, aber Sie finden einfach nicht die richtige Person, mit der Sie sich eine Beziehung vorstellen können? Oder Sie verlieben sich grundsätzlich nur in Menschen, die bereits anderweitig gebunden sind? Oder Sie interessieren sich grundsätzlich nur für den Typ „Bad Boy“ oder „Bad Girl“, wo Sie schon von vornherein wissen, dass es nur für eine Nacht, oder eine Woche ist? Oder Sie haben grundsätzlich nur Affären, weil Sie Angst davon haben, dass jemand herausfinden, wie Sie wirklich sind und Sie verlassen könnte? Irgendwann bekommt das ganze so eine Eigendynamik. Beziehungen haben dann überhaupt keine Chance mehr sich zu entwickeln, weil die Angst, dass es zu Beziehungsabbrüchen kommen könnte, immer größer wird und die Beziehungsabbrüche sich mehren.

Irgendwann kommt dann unweigerlich der Moment, an dem Sie dann überzeugt sind, von Pech in der Liebe verfolgt zu werden.

Dann zweifelt man an sich selbst und fragt sich vielleicht, ob man vielleicht nicht liebenswert ist in dem Sinne, ob man es wert ist, geliebt zu werden? Das produziert noch mehr Schmerz und Verzweiflung und treibt uns in eine Art einsame Abwärtsspirale. Dazu möchte ich Ihnen gerne einmal etwas sagen – was Sie vermutlich nicht gerne hören.

Die Einsamkeit und die Verzweiflung rufen Sie selbst hervor

Bevor Sie nun empört „Blöde Kuh“ schreien, Ihren Computer oder Ihr Handy an die Wand werfen, lesen Sie bitte einfach erst einmal weiter. Natürlich ist dies nicht im Sinne von „Sie sind es selbst schuld“ gemeint. Ganz im Gegenteil, Sie können überhaupt nichts dafür – jedenfalls nicht, solange Sie nicht wissen warum. Es geht außerdem auch nicht darum, wie Sie sich eine Beziehung vorstellen oder wie Ihr Partner/Ihre Partnerin sein soll, damit Sie es schön miteinander haben. Es geht auch nicht darum, was Sie miteinander tun und lassen (das wird erst später wichtig!) Die einzige Frage, die Sie sich stellen können, wenn Sie aus dieser Spirale heraus wollen ist:

Wie fühlt Liebe sich für Sie an?

Es ist völlig gleich, dass Sie eigentlich etwas anderes wollen. Maßgeblich ist in diesem Zusammenhang, wie Sie großgeworden sind, wie Ihre Beziehungspersonen sich Ihnen gegenüber verhalten haben. Bindung ist für Menschen genauso wichtig wie Nahrung, Schlaf, Bewegung usw. Bindungsforschern zufolge sind die ersten drei Lebensjahre bindungstechnisch entscheidend. Die Beziehungsregeln, die wir in dieser Zeit lernen, legen fest, wie wir später durchs Leben gehen, welche Beziehungen wir leben und wie gesund wir sind. Mittlerweile weiß man sogar um den Zusammenhang von Erkrankungen im späteren Leben und belastenden frühkindlichen Bindungserfahrungen.

Vier Bindungsstile

Vielleicht haben Sie schon einmal von den vier Bindungsstilen gehört, die der Psychiater und Psychoanalytikers John Bowlby entwickelte. Anfang der 60er Jahre wurden diese noch angezweifelt, was die Fachwelt aber zwischenzeitlich aufgegeben hat, da sie durch viele Studien bestätigt wurden.

1. Die sichere Bindung

In einer sicheren Bindung hat ein Baby das Gefühl, dass die Bindungsperson sich ihm gegenüber feinfühlig verhält, auf seine Bedürfnisse eingeht und Zuverlässigkeit bietet, so dass es sich emotional in Sicherheit fühlt. Ein sicher gebundenes Kind wird weinen, wenn die Mutter weggeht, lässt sich aber leicht nach ihrer Rückkehr beruhigen. Ein solches Bindungsmuster sollen 60 bis 65 % aller Kinder erleben. Es führt dazu, dass das Kind eine gewisse Widerstandskraft gegen psychische Belastungen entwickelt und Empathie empfinden kann.

2. Die unsicher-vermeidende Bindung

In einer unsicher-vermeidenden Bindung hat das Baby das Gefühl, dass es von den Eltern keinen Schutz und keine Sicherheit bekommt und dass es alleine zurechtkommen muss. Das Baby unterdrückt daraufhin sein Bedürfnis nach Nähe und Zuwendung. Ein Kind, das so aufwächst, wird gar nicht darauf reagieren, wenn die Mutter weggeht, und auch nicht, wenn sie wiederkommt. Trotzdem reagieren sie körperlich sehr heftig. Dieses Bindungsmuster sollen 20 bis 25 % aller Kinder erleben. Kinder, die so aufwachsen, sind weniger widerstandsfähig gegen emotionale Belastungen.

3. Die unsicher-ambivalente Bindung

Diese ähnelt der unsicher-vermeidenden Bindung, beinhaltet aber, dass die Eltern chaotisch auf die Bedürfnisse der Kinder reagieren, mal erfüllen sie diese, manchmal lehnen sie sie ab. Bei Problemen ziehen sich solche Kinder eher zurück und sind gestresst in Gegenwart ihrer Eltern, auch wenn sie sich an ihre Eltern klammern können. Diesen Bindungsstil sollen 10 bis 15 % aller Kinder erleben. Kinder, die so aufwachsen, können sich weniger gut in andere Menschen hineinversetzen.

4. Die desorganisierte Bindung

Immerhin 5-10 % aller Kinder sollen in desorganisierten Bindungen aufwachsen. Da kann man sich auf überhaupt nichts mehr verlassen. Erregung und Anspannung der Mutter wechseln ab mit Vernachlässigung und Desinteresse. Im Zustand der Erregung kann die Mutter dann eher eine Bedrohung für das Kind darstellen. Desorganisiert gebundene Kinder laufen z.B. nach der Trennung auf die Mutter zu, aber drehen auf halbem Wege wieder um oder zeigen Zeichen von Stress, wenn sie mit ihrer Bindungsperson zusammenkommen.

Haben Sie sich dort irgendwo wiedererkannt?

Erkennen Sie das Muster Ihrer Beziehungen wieder? Verstehen Sie, dass, wenn das Verhalten Ihrer Eltern gegenüber eher vermeidend, ambivalent oder desorganisiert war, es für Sie einfach sehr schwierig ist, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, die sich durch Kontinuität, Nähe und Intimität auszeichnen? Sie ziehen dann Menschen an, die ebenso aufgewachsen sind und ein Problem mit Nähe, Intimität und Kontinuität haben. Das können dann Menschen sein, die sich im Kontakt mit anderen hauptsächlich auf Sexualität konzentrieren, Menschen, die sich zurückziehen, sobald es schwierig sind, Menschen, mit denen man einerseits sehr intensive Momente erleben kann, bei denen man andererseits aber auch öfter das Gefühl hat, dass es gar keine Nähe gibt. Gerade letzteres kann einen zur Verzweiflung treiben.

Wie können Sie es jetzt schaffen, Ihre Beziehungsmuster zu verändern?

Machen Sie sich bewusst, dass es einfach nicht ausreicht, sich andere Beziehungen zu wünschen – solange Sie auf das gepolt bleiben, was Sie zuhause erlebt haben, werden Sie immer wieder Menschen in ihr Leben ziehen, von denen Sie ganz genau das bekommen, was Sie zuhause auch bekommen haben. Menschen, die sich anders verhalten, finden Sie dann gar nicht attraktiv – das ist leider so. Nur ganz wenige Menschen haben einen so starken Willen, dass sie mit schierer Willenskraft etwas vollkommen Anderes in ihr Leben holen.

Aber es ist auf jeden Fall möglich, hier einen Schalter umzulegen! Die Klopfakupressur eignet sich wunderbar dazu, die bisherige Bindungsprogrammierung aufzulösen.


Monika Richrath,
Coach und Klopfakupressur-Therapeutin,
www.eft-fuer-hochsensible-menschen.de,
Buchautorin von „EFT-Klopftechnik für Hochsensible“

 

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Eine Übung für die Kommunikation in Beziehungen

(Von Ursula Ines Keil)

Um in dieses Thema einzusteigen, empfiehlt es sich zu Beginn zwei Fragen zu beantworten: „In welcher Form von Beziehung lebe ich momentan?“ und „Bin ich glücklich darin?“. Wenn nicht, dann ist es wohl an der Zeit sich einmal damit auseinanderzusetzen. Hierzu empfiehlt sich eine Übung, in dem man ein A4-Blatt nimmt, sich dieses in zwei Spalten einteilt, links dann das notiert, was man sich für eine Beziehung wünscht, und rechts das, was man selbst dafür zu geben bereit ist.

Optimalerweise sollte nun in der linken Spalte genauso viel stehen wie in der rechten Spalte. Ist dies nicht der Fall, dann heißt es, das ins Gleichgewicht zu bringen. Ein Ungleichgewicht von Geben und Nehmen sorgt auf die eine oder andere Art immer für Stress im Leben. Dabei sei zu bedenken, dass nicht der Partner für das Auffüllen der Lücke zu sorgen hat, das kann man nur selbst tun.

Das Gleiche gilt im Mitteilen der eigenen Wünsche dem Partner gegenüber. Dafür dürfen wir mit ihm kommunizieren! Doch wie kommunizieren wir in unseren Partnerschaften? Manchmal fragt man sich auch: Kommunizieren wir überhaupt noch? Dabei rede ich nicht von alltäglichen organisatorischen Themen, welche sicher dazu gehören, sondern um unsere Wünsche und Gefühle hinsichtlich der Beziehung selbst. So gut wie in jeder Firma gibt es in regelmäßigen Abständen ein sogenanntes Meeting. Dies dient dazu, die Firma gut am Laufen zu halten. Somit sollten wir uns auch in regelmäßigen Abständen über unsere Beziehung unterhalten. Doch wieso geschieht es hier eher selten? Die dafür am häufigsten der beiden genannten Gründe sind folgende: „das Gefühl, nicht verstanden zu werden, in dem, was man ausdrücken will“ und „die damit verbundene Angst, für das, was man sagt, abgelehnt zu werden“. Daher sagen wir oft lieber nichts. Dies führt dann dazu, dass sich so viel anstaut, dass wir irgendwann explodieren, was im Anschluss auf eine destruktive und gewaltvolle Kommunikation hinausläuft. Oder wir schlucken so lange alles in uns hinein, bis unser Inneres Schaden genommen hat.

Beide Varianten sind nicht zu empfehlen!

Das Gleiche gilt für den illusorischen Gedanken: „Mein Partner muss doch spüren, wie es mir geht! Wieso sagt er nichts?“. Unser Verhalten ist zwar darauf ausgerichtet, unsere Bedürfnisse zu erfüllen, dies heißt aber nicht, dass dafür der Partner zuständig ist, nach dem Motto: „Errate mal, wie es mir geht oder was ich mir wünsche.“ Innerhalb solcher Gedankenmuster und Vorstellungen geraten wir sehr schnell zu Bewertungen und Interpretationen. Daraus entstehen Vorurteile, welche einen Konflikt schon fast unausweichlich machen. Also gilt es sich mit dem Partner hinzusetzen und miteinander zu reden, und zwar über das, was einen wirklich im Inneren beschäftigt und bewegt. Für den Anfang empfehle ich Paaren oft eine kleine Übung.

Paarübung

Dazu setzt man sich gemeinsam hin und verabredet, wie lange jeder von beiden sprechen darf. Am Anfang können 5 Minuten manchmal schon recht lang erscheinen. Die Aufgabe besteht darin, nur über die eigenen Gefühle und Emotionen zu reden, und zwar in der „Ich-Form“. Die Sätze sollen also nicht mit „Du hast …“ oder „Mir geht es schlecht, weil Du …“ begonnen werden. Während der ersten 5 Minuten schweigt der Partner, egal ob man die ganze Zeit etwas sagt oder nicht. Anschließend wird gewechselt. Und auch der Partner soll nur von seinen eigenen Gefühlen reden, keine Rechtfertigungen oder Kommentare zu den vorherigen Worten abgeben. Dann kommt es auf die jeweilige Situation an. Eine Möglichkeit wäre, sich für einen Moment gegenseitig Raum und Zeit zu geben, um das Gesprochene wirken zu lassen. Vielleicht verspüren aber auch beide den Impuls, sich nun schweigsam und innig zu umarmen. Es gibt hier kein Richtig oder Falsch, sondern nur wunderbare neue gemeinsame Erfahrungen. Diese Form des Austausches sollte zu einem Bestandteil der Partnerschaft werden. Es lohnt sich!

Der Gehalt in dieser Übung ist von dreifachem Wert:

  1. Man kommt mit sich selbst in Kontakt, in dem man sich zuerst spüren und fühlen darf.
  2. Man lernt dabei Gefühle und Empfindungen auszusprechen, ohne dafür verurteilt oder bewertet zu werden.
  3. Man erfährt jede Menge von sich und seinem Partner, was sehr wesentlich für die Beziehungsgestaltung ist.

Grundsätzlich gilt, dass andere Menschen oder Situationen uns keine Gefühle „machen“ können. Gefühle sind eine eigenständige Instanz in jedem von uns und können auch nur so individuell von uns wahrgenommen werden. Das Gleiche gilt auch für die Art der Kommunikation mit unserer inneren Stimme.

Ich wünsche viel Freude beim Üben und gemeinsamen Erfahren!

Ursula Ines Keil, Buchautorin und psychotherapeutischen Heilpraktikerin
www.facebook.com/ursulaineskeil
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Wer sich nicht vergleicht ist glücklicher

(Von Sandra Tissot)

Du vergleichst Dich gern mit anderen? Du misst dich daran wie toll andere Menschen in deinem Alter aussehen, welche beruflichen Erfolge sie zu verzeichnen haben oder wie beliebt sie bei ihren Mitmenschen sind? Dann bist du auf dem besten Wege unglücklich zu werden.

Die meisten Menschen geben sich vollkommen anders, als sie sind

Viele Menschen versuchen, sich als schön, reich oder intellektuell zu präsentieren. Dabei wird geflunkert, was das Zeug hält. Britische Forscher haben herausgefunden, dass Männer im Schnitt 1092 Mal pro Jahr, Frauen 728 Mal lügen (vgl. Science Museum: „Lügen“). Fast immer stellen Lügen die geschönte Version des eignen Selbst dar. Interessant ist der Inhalt der Lügen. Männer lügen demnach eher, wenn es in der Außendarstellung um den Job, ihren Erfolg, materielle Werte oder Sex geht. Frauen hingegen lügen am häufigsten bei der Frage nach ihrem Wohlbefinden: „Bei mir ist alles in Ordnung“. Wenn du ein Mann bist, wirst du dich jetzt wahrscheinlich gerade köstlich amüsieren, denn vor deinem geistigen Auge hast du garantiert ein Bild deiner Partnerin oder einer Freundin, die dir in einer bestimmten Situation mit großem Nachdruck versichert „Es ist alles in Ordnung“, während ihr schmollender Mund fast den Boden berührt und ihr genervter Blick verrät: Stell noch einmal diese Frage, und du bist auf der Stelle tot.

Du siehst andere niemals so wie sie wirklich sind

Du siehst die Menschen immer nur so, wie du glaubst, dass sie sind. Wir bewundern andere Menschen viel stärker als uns selbst, weil wir sie schlichtweg nicht so gut kennen, wie uns selbst. Bei uns selbst wissen wir ganz genau, wo die Schwächen liegen. Wir kämpfen mit inneren Ängsten, Selbstzweifeln, Fehlern und Unzulänglichkeiten. Alles Bereiche, die wir bei anderen Menschen oft nur erahnen können. Dort sehen wir in unserer begrenzten und subjektiven Wahrnehmung oft nur das, was diese besonders gut können  bzw. was sie im Vergleich zu uns selbst vielleicht viel besser können. Natürlich darfst du andere Menschen für etwas bewundern, du solltest die Bewunderung aber immer auch hinterfragen und insbesondere niemals denken, dass andere Menschen wertvoller sind, als du selbst.

Wie Du deinen persönlichen Schlussstrich unter Vergleiche ziehst

Der polnische Schriftsteller Stanislaw Jerzy Lec hat es auf den Punkt gebracht: „Die meisten Denkmäler sind hohl.“ Während wir uns also vielleicht ausmalen wie attraktiv oder schlau oder wieviel besser eine andere Person ist, sehen wir immer nur von außen drauf – wir sehen die goldene Hülle, eine glänzende Fassade. Es ist nur unser ganz persönlicher und subjektiver Blickwinkel, in dem wir jemanden für besser halten, als uns selbst. Wenn wir uns das bewusst machen, ist das der erste Schritt, um sich selbst ständigen Vergleichen zu entziehen. Natürlich kann es hilfreich sein, Ratschläge anzunehmen wie: „Erkenne die Ursachen für Vergleiche und stoppe die Gedanken dazu!“, „Fokussiere dich auf dich selbst!“, „Entwickle deine eigenen Stärken!“ … aber vielen Menschen, die über Jahre Vergleiche mit anderen gezogen haben, können damit oft wenig anfangen. Aus diesem Grund an dieser Stelle ein anderer Tipp.

Denke den Vergleich zu Ende!

Ja, Du hast richtig gelesen. Nimm dir eine Person her, mit der Du gerne Vergleiche ziehst, die beispielsweise beruflich sehr erfolgreich ist, eine 40-Stunden-Plus-Woche und einen vollen Terminkalender an Locations weltweit hat. Was würde das Leben der anderen Person für dich mit all seinen Konsequenzen bedeuten?  Lässt sich in diesem Job die Work-Life-Balance und Flexibilität im Alltag auch meistern? Würde dich dieser Job mit Sinn erfüllen? Könntest Du selbstbestimmt damit leben? Oder nehmen wir einen anderen Vergleich. Eine hochattraktive Person aus deinem Umfeld, die mit ihrer perfekten Figur immer die Blicke auf sich zieht. Wenn du diesen Vergleich zu Ende denkst, wärst du mit allen Konsequenzen wie Genussverzicht, hartes Training, Ernährungsumstellung etc. bereit dafür dieses Leben zu führen?

Wenn Du das nächste Mal einen Vergleich ziehst, dann denke diesen Vergleich mit allen Konsequenzen bis zum Ende und du wirst sehen, dass der Fokus auf dich selbst lohnenswerter ist, als zu Beginn des Vergleichs vielleicht gedacht.


Sandra Tissot
www.sandra-tissot.de

Autorin von „Du bist umwerfend!“ sowie „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit

 

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Mit der inneren Stimme in Kontakt kommen

(Von Ursula Ines Keil)

Wenn der Kontakt zur eigenen inneren Stimme verschütt gegangen ist, muss erst wieder eine Verbindung zu ihr hergestellt werden, und dafür bedarf es einer Art Gehörreinigung. Doch wie sieht diese konkret aus? Für mich kristallisierten sich im Laufe der letzten 27 Jahre die folgenden Methoden heraus, die sich inzwischen sehr gut bewährt haben:

  • Bewusst machen
  • Überblicken
  • Entschleunigen
  • Reinigen
  • Verbindung herstellen

1. Bewusst machen

Zunächst sollte man sich das Abgetrennt-Sein von sich selbst und damit von der eigenen inneren Stimme im Zuge der Schnelllebigkeit überhaupt einmal vor Augen führen und klarmachen. Wie stark spürt man sich überhaupt? Folgt man seinen inneren Impulsen oder eher den vorgegebenen angelernten Normen? Angelernte Normen erkennt man daran, wenn man sich im Laufe der Zeit nur auf die Worte der Außenwelt konzentriert hat. Dabei handelt es sich häufig um Aussagen wie: „Das tut man nicht“, „Das macht man nicht“, „Das gehört sich nicht“. Kommen diese Aussagen bereits bekannt vor? Irgendwann fängt man an, diese Worte so zu verinnerlichen, dass sich die innere Stimme nur noch über körperliche oder psychische Symptome Gehör verschaffen kann. Das Bewusstmachen ist ein wesentlicher Schritt den man benötigt, um das Abgetrennt-Sein zu überwinden, oder anders ausgedrückt: um aufzuhören, wie ein Hamster in seinem Rad zu laufen. Auch ich rannte vor Jahren sprichwörtlich wie ein Hamster im Rad. Bis ich anfing, mir Fragen zu stellen, wie: Was soll das alles? Wozu mache ich dieses tägliche Spiel? Ich hatte das Gefühl, mich in einem Irrenhaus zu befinden. Und so sagte ich mir ganz klar: „Stopp!“ Rein äußerlich schien für die Umwelt alles in Ordnung zu sein, bis zu dem Zeitpunkt, als die von mir erschaffenen Masken Risse bekamen. Innerlich spürte ich schon, dass etwas nicht stimmt. Doch wer gesteht sich dies gern ein?

2. Überblicken

Als nächstes sollte man innehalten und sich einen Überblick über die aktuelle Lebenssituation verschaffen. Dies geschieht in einfacher Form, in dem man sich Notizen macht und einmal alles unzensiert aufschreibt, egal ob aus dem beruflichen oder dem privaten Bereich. Wie viel Stress gibt es momentan im Leben? Zeigen sich bereits physische oder psychische Symptome? Dann wird es wohl höchste Zeit hinzuschauen. Und vor allem, welche Gefühle werden mit der aktuellen Situation verbunden? Sind es Freude und Wärme oder eher Wut, Hass, Neid, Schmerz, Ärger oder Frust? Ein altes Sprichwort sagt: „Ehrlich währt am längsten“, daher empfehle ich auch erst mit den Notizen aufzuhören, wenn es in einem wieder still wird.

3. Entschleunigen

Für den einen herausfordernd, für den anderen normal – einfach einmal nichts tun. Und damit meine ich auch nichts, also kein Buch lesen, nicht am Handy spielen oder dergleichen. Sich einfach 10 Minuten hinsetzen, egal ob in der Natur, im Büro oder zu Hause. Wichtig dabei ist nur, dass dabei keinerlei Ablenkung stattfindet. Hier spürt man bereits, ob es einen eher stresst oder man bereits Ruhe dabei empfinden kann. Dies darf täglich getan werden! Zu Beginn eignet sich dies zu einer festen Zeit, damit sich das innere System daran gewöhnt. Später wird die Übung zur Selbstverständlichkeit werden und man braucht sich nicht mehr an eine feste Zeit zu halten. Sollte ein Gedankenkarussell von der Übung abhalten, empfiehlt sich Folgendes: Da sich unsere Gedanken nicht abschalten, sondern nur umlenken lassen, indem man seine Aufmerksamkeit steuert, achtet man einfach auf den eigenen Atem. Und sich selbst gegenüber bitte Geduld und Vertrauen aufbringen. Auch ich war früher ein Wirbelwind ohne Rast und Ruh und durfte im Laufe meines Lebens die dahinterliegende Kraft und Stärke erst kennenlernen.

4. Reinigen

Alle unsere täglichen Gedanken, die wir bewusst oder unbewusst sammeln, haben einen starken Einfluss auf unser Leben. Sie erschaffen durch die Eindrücke, Wahrnehmungen und Reaktionen quasi den Inhalt unseres Lebens. Wären wir in der Lage, jeden einzelnen Gedanken von uns in Form eines Diagramms darzustellen, dann wüssten wir, warum unser Leben so ist, wie es ist. Daher empfiehlt es sich, einmal ganz bewusst auf die Gedanken zu achten, vor allem in den Bereichen, die laut des gewonnen Überblicks im Moment die größten Sorgen und Probleme bereiten. Solange man sein Unterbewusstsein mit den Gedanken immer wieder programmiert, wie schlimm oder wie schrecklich alles ist, werden sich die Probleme eher verstärken. Sie erzeugen damit regelrecht einen Befehl in diese Richtung. Gerade in unserer heutigen Zeit ist es daher umso wichtiger darauf zu achten, mit was man sich täglich beschäftigt. Was erzeugt der eigene Medienkonsum? Erzeugt dieser in Ihren Gedanken Freude, Liebe und Wärme oder eher Angst, Hass, Neid und Frust?

Natürlich ist es unvermeidbar, dass sich durch die vielen Eindrücke im Leben täglich auch verschiedene Gedanken ansammeln. Deshalb ist es umso wichtiger, die Gedanken sprichwörtlich zu reinigen. Die Reinigung unserer Gedanken dient dazu, die Fähigkeit aus uns hervorzuholen, die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Die folgende Übung eignet sich dafür sehr gut, wenn sie am Abend oder direkt nach der Arbeit durchgeführt wird: Man setzt sich bequem hin und stellt sich 15 Minuten lang vor, wie alle Eindrücke und Gedanken in Form von Rauch nach hinten aus dem Rücken austreten. Dabei gilt es nicht zu bewerten, ob die Tageseindrücke gut oder schlecht waren. Bitte einfach alle nehmen. Unser Verstand blockiert oft Erfahrungswünsche der inneren Stimme, da er Eindrücke in Raster von Bewertungen und Vorstellungen einteilt. Ziel ist es jedoch, einen inneren Zustand von Einfachheit, Klarheit und Reinheit zu erlangen, der uns in unserem Alltag oft abhandenkommt.

5. Verbindung herstellen

Im Kinderbuch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry heißt es so schön: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Und so stellt das Herz das Verbindungsglied zwischen unserem Verstand und unserer inneren Stimme dar. Eine dafür gut geeignete Methode ist die Meditation.

Anleitung: Im Grunde ist es die Erweiterung vom Entschleunigen. Man beginnt sich anschließend in aller Ruhe vorzustellen, dass eine Quelle des Lichts im eigenen Herzen vorhanden ist. Dabei richtet man seine Aufmerksamkeit sanft aufs Herz. Es lässt sich auch gern fokussieren, ungefähr zwei bis drei fingerbreit unterhalb der linken Brustwarze. In der Vorstellung zieht die Quelle des Lichtes im Herzen die ganze Aufmerksamkeit nach innen, und dabei lässt man diesen Gedanken dort ruhen. Bitte dies auf eine einfache und natürliche Weise tun. Eventuell auftretenden Gedanken keine Beachtung schenken, sondern die Aufmerksamkeit einfach wieder sanft auf die Quelle des Lichts im Herzen zurückführen. Dieser Prozess findet zu Beginn sicher etwas häufiger im Wechselspiel statt, doch auch hier sollte man Geduld und Vertrauen haben. Mit der Zeit wird man immer tiefer darin eintauchen. Falls am Anfang noch etwas Schwierigkeiten bestehen, den Alltag auszuschalten, keine Sorgen machen, das ist völlig normal. Meditation ist genauso Übungssache wie alle neuen Fähigkeiten. Ich empfehle täglich zu meditieren. Zu Beginn fängt man mit 5 bis 10 Minuten an und steigert es im Laufe der Zeit auf höchstens 30 Minuten. Bei dieser Art der Meditation geht es um mehr als nur um die reine Entspannung:

Es geht um die Verbindung zu sich selbst und damit der inneren Stimme

Um Ihre innere Stimme zu verstehen, werden Ihnen die Erfahrungen der Meditation im Leben von Nutzen sein. Die aufgeführten Übungen sind also kein Hexenwerk. Das Einzige, was jeder bewerkstelligen darf, ist, Ja zu sich selbst zu sagen, um dadurch aus der bisherigen Komfortzone herauszutreten. Albert Einstein sagte einmal Folgendes: „Der Gipfel des Wahnsinns ist, auf Veränderung zu hoffen, ohne etwas zu verändern.“

Das Spannende dabei ist, dass man sich gar nicht wirklich verändert, sondern man wird wieder man selbst

Ursula Ines Keil, Buchautorin und psychotherapeutischen Heilpraktikerin
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Soll ich mich im Job als HSP outen?

(Von Fernando Christian)

Ganz normal, nichts Besonderes, hochsensibel zu sein. Oder?
Hochsensitiv zu sein macht deine Persönlichkeit aus. Aber es macht dich nicht zu einem Menschen, der mit Samthandschuhen berührt werden will. Oder willst du das?

So kommt der Tag, an dem du dich fragst, soll ich mein Arbeitsumfeld in meine Hochsensitivität einweihen? Soll ich ihnen sagen, was in mir vorgeht, was mich innerlich beschäftigt? Das könnte doch die Zusammenarbeit bereichern. Deine ureigene Art würde auf mehr Verständnis stoßen. Da kommt mir gerade die Geschichte von Fiona in den Sinn:

Sie ist knappe 30 Jahre alt. In ihrem Job fühlt sie sich recht wohl. Sie ist bei allen beliebt, vor allem bei ihren Vorgesetzten. In letzter Zeit hat sie jedoch hie und da aufgemuckst, nicht mehr alles geschluckt. Seit sie sich mit ihrer Hochsensitivität auseinandersetzt, kommt sie ihrem Grundwesen immer mehr auf die Spur. Inzwischen ist sie nicht mehr so pflegeleicht, wie sie einmal war. Fiona merkt, dass ihre Arbeitslast um einiges höher ist als die ihrer Arbeitskollegen. Einerseits ist das ein Lavendel für ihren Selbstwert. Es tut ihr innerlich gut. Aber sie hat immer häufiger den Eindruck, dass einige ihrer Arbeitskollegen eine eher ruhige Kugel schieben.

Da ist sie schon anders. Was sie in die Hand nimmt, wird mit Elan, Fleiß und vielen guten Ideen erledigt. Einen Null-acht-fünfzehn-Job zu machen widerstrebte Fiona schon seit jeher. Sie ist einfach nicht gebaut für halbfertige Sachen. Das widerstrebt ihr zutiefst. Ihre Chefs sehen das. Sie schätzen es, wenn sie ihr eine Aufgabe delegieren können. Dann sind sie sicher, dass es so gemacht wird, wie sie es erwarten, mit hoher Zuverlässigkeit und auf die Zeit, die abgemacht wurde. Seit einigen Monaten fällt es Fiona auf, dass da etwas auf ihrem Buckel ausgetragen wird. Sie kann es nicht einfach so hinnehmen, dass ihre Aufgabenlast mächtiger ist als die der anderen. Es macht ihr zusehends zu schaffen. Etwas in ihrem Inneren regt sich. Sie merkt, dass sie ein wenig bockig tut, wenn ihre Chefs mit Arbeit aufkreuzen. Insgesamt stört das die Zusammenarbeit, ihren Arbeitsfrieden, ihren Flow. Und das ermüdet auf Zeit. So ertappt sie sich, dass sie immer öfters launisch zur Arbeit kommt. Es ist einfach nicht mehr so wie früher. Fiona denkt darüber nach, dass sie möglicherweise nicht am richtigen Ort ist.

Inzwischen merken die Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit, dass sie von ihren Chefs bevorzugt behandelt wird. Sie hat mehr Freiheiten als andere. Sie wird um Rat gefragt, wenn etwas Spezielles ansteht. Das führt dazu, dass sie von ihren Kollegen immer häufiger gemieden wird, und ihre Kolleginnen nehmen sie nicht mehr mit zum Mittagessen. Langsam fallen perfide Sprüche, die sie verletzen und die sie oft sprachlos zurücklassen. Erste Mobbing-Tendenzen sprießen im Alltag und machen die Sache nicht einfacher.

So können wir es verstehen, dass Fiona sich mit dem Gedanken auseinandersetzt, dass sie ihre Hochsensitivität publik macht – vielleicht führt das zu mehr Verständnis bei den Chefs und bei den Kollegen. Hochsensitive Menschen sind immer noch recht dünn gesät, etwa 15 Prozent sind hochsensibel. Tendenz zunehmend. Aber im Arbeitsumfeld ist das zurzeit noch gar kein Thema. Wer kennt diese Thematik schon?

Du kannst dir ausmalen, was bei Fiona dann passiert, wenn sie sich outet. Sie hätte sich damit einen Stempel verpasst – ein eigenes Branding, von dem sie nur noch schwer wieder wegkommt. Sowohl die Chefs wie auch die Kolleginnen und Kollegen würden sie mit diesem Stempel sehen, nicht mehr als wertvolle und zuverlässige Mitarbeiterin. Eher als Mensch, der eine Spezialbehandlung braucht. Und das ist in den meisten Fällen ein Grund für noch mehr Ablehnung und weitere Spannungen. Deshalb outet sich Fiona nicht als HSP!

Zwei Coachingsessions später geht sie aber wieder mit erhobenem Kopf zur Arbeit. Sie hat gelernt, sich abzugrenzen, sich einzubringen, ohne sich den Stempel der Hochsensitivität aufzudrücken. Es ist ihr gelungen, mit einem gesteigerten Selbstwert und einem Gefühl von “Normal sein” zu ihrem Bedürfnis zu stehen, sich für sich einzusetzen und das auf eine sehr kooperative und natürliche Art. Da hat sie einen großen Entwicklungsschritt geschafft. Gedanken im falschen Job zu sein sind damit wieder weit in den Hintergrund getreten und kaum mehr spürbar.

Was denkst du? Würdest Du Dich outen oder eher nicht?

Fernando S. Christian, Coach und LifeDesigner
www.lifedesign.studio
LifeDesign-Youtube-Kanal

Träumen Hochsensible intensiver?

(Von Michael Schramm)

Träumen Hochsensible intensiver und lebendiger? Darauf deutet zumindest eine psychologische Studie (Carr/Niellsen 2017) hin, die sich mit den Erfahrungen deckt, die ich in meiner therapeutischen Arbeit mit vielen hochsensiblen Menschen mache, die mir von anhand von Träumen Einblick in ihr vielschichtiges Seelenleben gewähren.

So auch Judith, die sich an mich wandte, weil sie in Abständen von mehreren Tagen oder Wochen immer wieder denselben Traum hatte, der ihr bizarr und unwirklich erschien und den sie nicht mit ihrem derzeitigen Leben in Verbindung bringen konnte. Es schien ihr, als gäbe es eine Kluft zwischen ihren nächtlichen Träumen und ihr selbst. Dies verunsicherte sie und sie wollte wissen, was ihr wiederkehrender Traum zu bedeuten habe.

Haben Träume überhaupt etwas zu bedeuten?

Wieviel Beachtung soll ich meinen Träumen schenken? Wie gehe ich mit Alpträumen um? Und warum ist ganzheitliche psychologische Traumdeutung für hochsensible Personen besonders hilfreich? Dies sind Fragen, die mir oft gestellt werden. Aus diesem Grund möchte ich hier einen kleinen Einblick in die ganzheitliche psychologische Traumdeutung geben.

Was ist ein Traum?

Auch während wir schlafen ist unser Gehirn aktiv. Ein Traum ist das Erleben dieser Aktivität, also ein bestimmter Ausdruck des Bewusstseins. Zwar können Forscher durch diagnostische Methoden wie Messung von Hirnströmen, Hautleitfähigkeit, Herzschlag und Atmung und Beobachtung von Augen- und Körperbewegung sowie Muskelzucken feststellen, dass ein Mensch träumt. Über den Inhalt eines Traumes kann jedoch nur der Träumer selbst berichten. Zu bemerken ist jedoch, dass er das nicht während des Traumerlebens kann, sondern nur hinterher aus seinen Erinnerungen, also in einem anderen Bewusstseinszustand. Deshalb ist es für die Wissenschaft schwierig, allgemein gültige Erkenntnisse über die Funktion des Träumens zu gewinnen. Ob und welche Bedeutung Träume haben ist deshalb unter Psychologen umstritten.

Welche Bedeutung haben Träume?

Die Hypothesen über die Bedeutung von Träumen sind vielfältig. Im Altertum wurden sie als Botschaften von Gott bzw. Göttern oder Dämonen gesehen. Propheten weissagten mithilfe von Träumen die Zukunft. Für Schamanen ist der Traum ein Tor zu einer anderen Wirklichkeit, die sie für ebenso real halten, wie unsere Alltagswirklichkeit.

Für Sigmund Freud, den Begründer der Psychoanalyse waren Träume symbolisch verkleidete Wünsche sexueller Natur. Diese Interpretation war seinem Schüler Carl Gustav Jung zu einseitig. Er war der Meinung, dass ein Traumsymbol nicht nur ein verschleiertes Abbild einer realen Person oder äußeren Objekts war, sondern Aspekte des Selbst des Träumers. Während Freud einen Traum ausschließlich mit der Biographie des Träumers in Verbindung brachte, konnte für Jung ein Traumsymbol auch den Ursprung in dem von ihm postulierten kollektiven Unbewussten haben. Deshalb zog er Symbole aus der menschheitsgeschichtlichen Mythologie in seine Deutung mit ein.

Ähnlich wie C.G. Jung waren Träume für den Gestalttherapeuten Fritz Perls Ausdruck der Persönlichkeit des Träumers. Um die abgespaltenen Aspekte in die Persönlichkeit zu integrieren und dadurch wieder ganz und heil zu werden, leitete er seine Klienten an, sich in einem Rollenspiel mit allen Teilen des Traumes zu identifizieren. Durch den gespielten Dialog sollte eine Verbindung entstehen zwischen all den unterschiedlichen Traumteilen. Auf diese Weise wollte Perls seinen Klienten helfen, innere Widersprüche anzunehmen und seelische Konflikte aufzulösen.

Wie kann man mit Alpträumen umgehen?

Psychotherapeuten, die in der Tradition des berühmten Hypnosetherapeuten Milton Erickson, einen lösungsorientierten Ansatz verfolgen, nutzen das Träumen wiederum als Möglichkeit, um schöpferische Antworten auf Fragen und Probleme im Leben zu erhalten.

Diese lösungsorientierte Herangehensweise können Sie, liebe Leserinnen und Leser, leicht selber nutzen, um Alpträumen eine neue Wendung zu geben. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie wären ein Regisseur oder Drehbuchautor. Welche Veränderungen würden Sie an Ihrem Traum vornehmen wollen? Welche Figuren und Requisiten dazu nehmen oder entfernen? Welche Rollen würden Sie in Ihrem Traum neu besetzen? Wie könnte der Traum weitergehen, damit es zum Happy End kommt? Schreiben Sie Ihren neuen Traum auf, so als würden Sie ihn gerade in diesem Moment träumen – und lassen Sie sich überraschen, wie sich dabei Ihre Gefühlslage verändert.

Hochsensible Personen, die sich auf diese Form der Traumdeutung einlassen können, sind meist sehr kreativ und können durch die Veränderungsarbeit Ihr Gefühlsleben nach einem Alptraum regulieren lernen.

Wieviel Beachtung soll ich meinen Träumen schenken?

Ich gehe davon aus, dass ein Traum solange bedeutungslos bleibt, bis sich jemand mit ihm beschäftigt und ihm eine Bedeutung verleiht. Wie der Psychotherapeut und Autor, Frank Staemmler (1995) treffend feststellt, beginnt die Vergabe von Bedeutung „schon mit der ebenso alten, wie weit verbreiteten Annahme, Träume enthielten wichtige Botschaften für den Träumer, oder auch mit ihrem krassen Gegenteil, nach dem Träume nur ‚mentalen Salat‘ darstellen.“ Mit anderen Worten: Auch die Auffassung, dass ein Traum keine Bedeutung habe, ist genau genommen eine Zuschreibung von Bedeutung.

In dem Moment, in dem Sie sich fragen, ob oder was ein Traum etwas zu bedeuten hat, beschäftigen Sie sich schon mit ihm. Warum ihn dann nicht mithilfe einer ganzheitlichen psychologischen Traumdeutung nutzen, um das eigene Seelenleben besser zu verstehen?

Warum ist ganzheitliche psychologische Traumdeutung für hochsensible Personen hilfreich?

Hochsensible Personen haben nicht nur eine feinere Wahrnehmung und ein intensiveres Gefühlsleben. Da sie tagsüber viele Eindrücke in sich aufnehmen, liegt der Schluss nahe, dass sie diese während der Nacht in ihren Träumen verarbeiten müssen. Das „Abschalten“ fällt ihnen oft auch während der Nachtruhe schwerer. Während weniger sensible Klienten mich fragen, was sie tun müssten, um sich besser an ihre Träume zu erinnern, fällt es Hochsensiblen meist nicht schwer, von ihren Träumen zu berichten. Doch wenn es hochsensiblen Menschen nicht gelingt, ihre Fähigkeiten und ihre besondere Gabe in den Austausch mit anderen Menschen einzubringen, dann leiden sie meist auch verstärkt unter Alpträumen. Da hochsensible Menschen überdurchschnittlich an ethischen Fragen interessiert sind und einen Sinn im Leben brauchen, suchen Sie oft auch nach der Bedeutung ihrer Träume. Tun sie das alleine, neigen diejenigen, die nicht fest im Hier-und-Jetzt verankert sind, dazu, sich in ihren Träumen zu verlieren. Verstärkt wird Problematik, dass hochsensible Personen sich aufgrund von Kränkungserfahrungen oft nicht trauen, mit anderen Menschen über ihr reiches Seelenleben und ihre Träume zu sprechen, sich innerlich zurückziehen und vereinsamen. Wir Menschen sind aufgrund unserer Natur Beziehungswesen. Wenn wir versuchen unsere Träume alleine im stillen Kämmerlein zu deuten, bleiben wir in unserer eigenen Welt gefangen. Es fehlt der ergänzende, Sinn stiftende Austausch. Denn wie der Religionsphilosoph Martin Buber in seinem Werk „Ich und Du“ schreibt: „Alles Wirkliche im Leben ist Begegnung.“

Darum kann es für eine hochsensible Person eine heilsame Erfahrung sein, einem empathischen, respektvollen und wertschätzendem Gegenüber bei einer Traumdeutung Einblicke in das eigene Seelenleben zu gewähren.

Was ist ganzheitliche Traumdeutung?

In meiner ganzheitlichen Traumarbeit orientiere ich mich immer an der individuellen Fragestellung meines Gegenübers. Einen Traum anhand von Traumsymbolen aus einem Traumlexikon zu deuten, ist mir zu unpersönlich. Vielmehr entsteht eine zu den Lebensumständen und der Biographie passende Deutung im kreativen gemeinsamen Dialog. Ganzheitlich zu denken heißt für mich, nicht eine einzelne Theorie als gültig anzunehmen, sondern verschiedene Hypothesen einzubeziehen und mich empathisch einzufühlen.

Judith, die mich aufgrund ihres wiederkehrenden Traumes anrief, entdeckte, dass sie ihre Trauer über einen bestimmten Verlust im Leben aus ihrem Alltag gesperrt hatte und diese sie deshalb auf bizarre Weise in ihrem wiederkehrenden Traum aufsuchte. Im Laufe der Zeit gelang es ihr, neue Details in ihren Träumen zu entdecken. Zugleich konnte sie Veränderungen in ihrem Leben vornehmen und mit Vergangenem abschließen.

Michael Schramm, Gestalt- und Hypnosetherapeut
www.online-psychologie.info
www.hypnosepraxis.info

Alleinsein – 10 Impulse für mehr Klarheit

(Von Manuela Starkmann)

Fühlst Du Dich mehr und mehr allein? Weißt Du oft gar nicht, wie Du mit Deiner Energie umgehen sollst bzw. würdest jetzt in einem Gespräch mit mir sagen, dass Du gar keine hast? Hast Du das Gefühl, von allem getrennt zu sein, besonders von Dir selbst? Ich glaube, ich kann Dir mit diesem Beitrag ein bisschen Licht bringen.

Ein großes Thema beim Hochsensible sein ist, mit sICH selbst klarkommen. Zudem suggeriert unsere Gesellschaft, dass Umtriebigkeit und viele Freunde ein Zeichen von Erfolg sind. Alleine schon diese Erkenntnis ist sehr erhellend und beginnt, Dich aus dem Labyrinth zu führen.

Wie so oft im Leben, gibt es viele Wege zur Erkenntnis. Folgend möchte ich Dir einige zeigen. Bitte wähle die Impulse und auch die Reihenfolge, die sich für Dich gleich leicht und stimmig anfühlt.

  1. Reize und Reizüberflutung
    Es war ja in der „Normalität“ schon eine Herausforderung, hochsensibel zu sein. Überall Reize – Lärm, Gerüche, Konflikte, Lügen, Düfte, Sonnenaufgänge, Liebe, Verbundenheit, Wetter uvm. Wenn man mal zählt, was sogar beim stillen Sitzen im Wald alles auf die Sinne und Hellsinne wirkt, ist klar, dass jedes zu-viel zur Reizüberflutung führt.
    Darum ist es elementar für jeden Menschen, sich selbst sehr gut zu kennen und zu wissen, wie er seine Selbstfürsorge lebt.
  2. Abwesenheit von Reizen und Anwesenheit neuer
    Nun fehlen einerseits viele Reize. Mal ablenken (oder verdrängen), weil man ins Kino, zum Essen zu Freunden geht. Fehlanzeige. Vieles, was man sich in der Strategie seiner Selbstfürsorge zurechtgelegt hat, funktioniert gerade nicht. Nicht weil es nicht (mehr) funktioniert, sondern weil es verboten ist. Verbote sind für Freigeister wie hochsensible Menschen gar nicht schön.
    Und genau das ist die andere Seite. Nämlich mit Reizen umgehen müssen, die man nicht kennt und die man auch nicht bestellt hat. Wohl niemand möchte monatelang vom Leben abgetrennt sein – irgendwann nicht mal mehr von z. B. nervigen Kollegen oder den anstrengenden Lehrern der Kinder. Und ob man nun seit einem Jahr alleine im Homeoffice sitzt oder mit seiner vielköpfigen Familie zuhause eingesperrt ist, es ist anders, man fühlt sich irgendwie einsam, man muss so viele Reize unter einen Hut bringen und könnte dabei aus der Haut fahren.
  3. Man ist nicht ok … wie man ist, wie man ist
    Viele Hochsensible haben ein negatives Selbstbild. Weil sie so anders sind, kennen sie entweder das Einsam sein oder das sich verbiegen, um nicht einsam zu sein. Sie haben von klein auf erlebt, dass es nicht gerade ok ist, wie sie die Welt sehen. Das prägt. Und es führt selten zu einem guten Selbstvertrauen, sondern eher, dass man sich auf dieser Welt wie ein „Außerirdischer“ fühlt, der, egal was er tut, zu nichts und niemand zu passen scheint.
    Dieses Gefühl, jedes auf seine individuelle Weise, begleitet die Menschen oft ein Leben lang.
  4. Man ist nur liebenswert, wenn man einen Haufen Leute um sich hat
    Wäre die Innenwelt nicht schon genug, suggeriert die Außenwelt angebliche Antworten und Lösungen. So scheint z. B. ein Mensch ist – messbar und beweisbar – beliebt (also doch ok), wenn er viele Freunde hat und immer jemanden kennt, der jemanden kennt. Es ist, als gäbe es ein unsichtbares Benotungssystem: Je mehr Punkte, äh Freunde, umso „besser“ ist man. So laufen viele vielen Kontakten nach, obwohl sie oft das Gefühl haben, dass ihnen diese gar nicht guttun.
  5. Man ist nur erfolgreich, wenn man es mit Aktivitäten beweisen kann
    Hinzu kommt, auch „Dank“ Social Media, dass man immer zeigen muss, was man gerade tut. Und je aktiver man ist, idealerweise mit den vielen Freunden, umso erfolgreicher scheint man. Denn man kann sich das alles ja leisten – zeitlich und finanziell. Man muss also „irgendwas richtig gemacht haben“. Von den Gefühlen von Leere und Erschöpfung, die mit all dem Zeigestress zu tun haben, spricht natürlich keiner. Im Gegenteil. Das Bild von ich bin glücklich, gesund und erfolgreich wird ständig dokumentiert. Obwohl die Wahrheit vielleicht ganz anders klingen würde …
  6. Das Gefühl einsam zu sein, schleicht sich an
    Wahr wäre vielleicht ein Satz wie „Das ist mir alles zu viel“ oder „Eigentlich erfüllt mICH das alles gar nicht“ oder „So viele Leute können gar nicht um mich sein, dass ich mich nicht doch einsam fühle“. Diese Zerrissenheit – so-sollte-ich-sein versus ich-bin-ganz-anders – kostet Kraft. Es kostet so viel Kraft ein Trugbild aufrecht zu erhalten … hinter dem man nicht mal steht. Der Mensch fühlt sich müde und müder, leer und leerer. Mit den letzten Kraftreserven wird versucht zu funktionieren. Doch oft bleibt das Gefühl der Einsamkeit.
  7. Einsamkeit ist eine Suggestion
    Wie fühlt sich der Weg der Erkenntnis bis hierin an? Konntest Du Dich und Deinen bisherigen Lebensweg wiedererkennen?
    Nimm die Erkenntnis bitte „einfach nur wahr“. Bewerte sie nicht. Sei niemandem böse. Fühle Dich selbst nicht schuldig. Vergangenheit ist dazu da, in der Gegenwart zu erkennen!
    Und Du wirst erkennen, dass in vielen Aspekten das Gefühl von Einsamkeit eine Suggestion ist. Ja, blödes Gefühl. Doch wenn Du erkannt hast, dass es nicht (mehr) Deine Wahrheit ist, wird es Dir von Moment zu Moment leichter fallen, das Leben (wieder) leichter zu nehmen.
  8. Allein sein haben wir nicht gelernt
    Es ist für nichts zu spät. Vergiss bremsende Glaubenssätze wie „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Das soll Dich nur davon abhalten, so groß und frei zu sein, wie Du wirklich bist. Es ist für nichts zu spät. Du darfst Dich in jedem Moment Deines Lebens verändern und andere Entscheidungen treffen. Du kannst Dir also jederzeit erlauben, die Erfahrung zu machen, dass all die beschriebenen Punkte im Außen in Wirklichkeit mit Dir selbst sehr wenig zu tun haben.
    Aus meiner Erfahrung ist Hochsensibilität ein so wundervolles Geschenk, dass einen beim lebenslangen Lernen einfühlsam unterstützt.
  9. Allein sein genießen
    Ich möchte sogar noch einen Schritt weitergehen. Die Hochsensibilität führt Dich zurück zu Dir. Du spürst, nein, Du weißt doch, dass so vieles, dass Du tust, überhaupt nicht in Deinem Sinne ist. Was soll denn dann anderes rauskommen als Reizüberflutung? Mach doch endlich nicht mehr, was nicht zu Deinem Wohle ist. Und es ist unter anderem nicht zu Deinem Wohle, wenn etwas in Dir sagt, dass Du einsam bist, nicht in Ordnung und damit auch nicht liebenswert.
    Das! Ist! Nicht! Deine! Wahrheit!
    Wandle „einsam“ in „allein“. Nutze das bewusste Alleinsein, um in Deinem Sinne Deine Sinne zu pflegen. Liebe diese Zeit. Zeit mit Dir.
  10. Du bist nie allein – ganz sicher
    Und wenn das zu erleben nicht schon genug wäre, so setze ich dem wachsenden, wundervollen Gefühl „Ich genieße bewusst mein Alleinsein“ noch einen Aspekt obendrauf.
    Zum einen wirst Du Dein wahrer, bester Freund, wenn Du gut mit Dir alleine sein kannst.
    Und zum anderen bist Du immer liebevoll begleitet von Deinen geistigen Helfern.
    Du hast also immer wundervollen Spirit bei Dir. Öffne Dich ihm. Lebe ihn. Du erschaffst Dir damit einen so schönen Platz im Leben, voller Selbstbewusstsein und gleichzeitig Gelassenheit. Du wirst Dich frei und sicher fühlen, das ist eine ganz seltene Kombination. Sie trägt Dich in Leichtigkeit.

Ich wünsche Dir eine wundervolle Zeit und zu jeder Zeit wundervolle Feiertage. Erlaube nicht, dass das Außen die Qualität Deines Lebens bestimmt. Du bist nicht allein, denn Du bist immer mit Dir, Du wirst von der geistigen Welt begleitet und in Deinem Leben gibt es ausgewählte Menschen, die Dich um Deiner selbst Willen lieben – ganz sicher!

Alles Liebe
und
LEBE DEINE KLARHEIT!


Manuela Starkmann
Guide, Healer, Medium und Buchautorin von „Klarheit über Hochsensibilität“ von „Klarheit über Hochsensibilität
www.manuelastarkmann.com

 

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Ganzheitlich er-leben mit dem sechsten Sinn

(Von Julia Bachmair)

Kennst Du den Moment, etwas vollständig zu verstehen oder zu erspüren, und dennoch keine Worte dafür zu finden?

Du bist Dir völlig sicher, dass sich diese eine Situation so entwickeln wird, oder dieses Gespräch einen bestimmten Ausgang nehmen wird, aber Du kannst es nicht beweisen?

Willkommen in der Welt hochsensitiver Menschen!

Wir sind hier bei einer der vielen Gaben empathischer und feinfühliger Personen angelangt. Diese so sensible, feinsinnige Beobachtung oder Wahrnehmung Deinerseits ist Dir bestimmt schon öfter oder sogar tagtäglich in Deinem Leben untergekommen. Vielleicht kannst Du sie schon ganz gut einordnen und sie ist bereits zu einer schönen inneren Begleiterin geworden. Zu Deiner Inneren Stimme!

Es mag aber auch sein, dass Du dieses Fühlen-Ahnen noch nicht wirklich greifen kannst. Das kann ganz schön verwirrend sein, da die externen Umstände anders scheinen, als es Dir Deine Intuition zeigt. Vielleicht bist Du auch verunsichert, da Du keine Bestätigung von jemandem bekommst. Genau da sind wir bei einer spannenden und vielseitigen Thematik angekommen, die viele hochsensitive Menschen beschäftigt.

Vertrauen

Als Erstes möchte ich Dir sagen, vertraue Dir. Deine Innere Stimme, Intuition oder nennen wir es auch den „sechsten Sinn“, ist eine Dir angeborene Fähigkeit, Dir Sicherheit und Stabilität zu schenken. Leider wird uns allen von klein auf sehr oft aberzogen, unserer inneren Vielfalt und unserem Bauchgefühl zu ver-trauen. Wir trauen uns eben nicht. Kleine Kinder hingegen können das wunderbar.

Woran liegt das? Meine langjährigen Beobachtungen haben mir gezeigt, dass wir in einer Gesellschaft leben, die Fakten, Analyse und mentale Konstrukte braucht. Diese sind zuweilen hilfreich und notwendig, als Rahmen oder Eingrenzung bestimmter Themen. Wir leben also in einer sehr mental orientierten Welt, die es uns nicht immer leicht macht, zu unserem ganzheitlichen Ursprung zu zurückzukehren. Du und ich, wir sind ein wunderbarer Mix aus körperlichen, emotionalen, mental/geistigen, soziokulturellen und seelischen Komponenten. Jede*r von uns ist auf einzigartige Weise komponiert. Ich bezeichne das als unterschiedlichen Klang, mit dem Bedürfnis nach verschiedenen Harmonien. Wir teilen demnach alle diese fünf Bereiche miteinander, sie sind jedoch ganz individuell und unterschiedlich gewichtet. Das macht Deine und meine Einzigartigkeit aus. Und fremde Beweise oder Bestätigungen sind nun mal anders komponiert, als Du es bist. Wir alle klingen anders!

Lass‘ Dich von Deiner Intuition führen

Im Falle Deiner hohen Sensitivität würde es bedeuten, den intensiven Drang zu verspüren, mehr Intuition und Improvisation im Alltag zu tolerieren. Intuition braucht nicht unbedingt Beweise. Deine Erfahrung zeigt Dir auf beständige Art und Weise, dass Du Dir sicher sein kannst. Deine Eindrücke sind nicht nur in Ordnung, sondern sie stehen auch für Deine gesamte Persönlichkeit.

Wenn Du lernst, mehr in Dich zu gehen und diese innere Stimme anzuhören, wir Dir das die Gelegenheit bieten, Dir selbst mehr zu vertrauen und Deine Gefühle und Wahrnehmung anzunehmen. Höre hin und lausche Dir!

Belastung durch zu viel Spüren?

Eine zweite Sache, die hochsensible Menschen manchmal als Belastung empfinden, sind die daraus resultierenden Gefühle oder das „Wissen“ um Erahntes. Wie gehe ich damit um, etwas wahrzunehmen, was meine Gegenüber vielleicht noch gar nicht wissen? Betrachte dieses feinfühlige Erspüren von Szenen und Situationen als eine Stütze für Dich. Vertraue Deiner inneren Weisheit, Dir zu zeigen, wie Du damit am besten umgehst. Es gibt dafür keine allgemein gültige Regel oder Formel. Versuche einfach, es ganzheitlicher anzugehen. Beobachte Deine Gedanken, ob sie sich angenehm und gesund anfühlen. Was fördert Harmonie und Ehrlichkeit? Du kannst auch Dein Vertrauen in Dich stärken, indem Du Dir Deine Ahnungen aufschreibst, und diese nach einiger Zeit rückwirkend betrachtest. Was lernst Du dabei über Dich?

Wir brauchen nicht für alles Worte, wenngleich Sprache eines unserer greifbarsten Ausdrucksmittel ist. Es gibt auch nicht für alles einen klar definierten Begriff. Entwickle Deine eigene Sprache, Deine Kunst, und zelebriere Deine Intuition!

Genieße es!

Wenn Du Dich angesprochen fühlst oder einen Kommentar hinterlassen möchtest, findest Du hier oder unter gefuehlsweise.at die Möglichkeit dazu.

Julia Bachmair, ganzheitliche Kunsttherapeutin, www.gefuehlsweise.at

Liebeskummer überwinden

(Von Christina Grobelny)

In meiner Praxis in Hamburg habe ich viele Frauen aber auch Männer zu dem Thema Liebeskummer und Selbstwert gecoacht.

Liebeskummer und die Emotionen

Liebeskummer wird im Volksmund auch Herzleid genannt, es handelt sich um eine emotionale Reaktion auf unerfüllte oder verlorene Liebe. Es ist eines der stärksten Gefühle voller  Ohnmacht, Trauer, Wut, Verzweiflung, Niedergeschlagenheit, scheinbar nie endend und aussichtslos. Zumindest für den Moment, doch alles andere kann man gerade einfach nicht sehen. Viele leiden auch unter Schlafstörungen, Unruhen, Appetitlosigkeit, Magen-Darm-Problemen.

Liebeskummer und die quälenden Fragen

Die Menschen, die zu mir kommen, fühlen sich derart schlecht, dass sie meine Hilfe benötigen, um aus der Verstrickung und dem Chaos raus zu kommen. Sie leiden unter endlosen grübeln: was macht er/sie? Denkt er/sie an mich? Hat er/sie eine andere? Sie rufen an (natürlich mit unterdrückter Nummer) und legen auf. Was habe ich falsch gemacht? Rufen Kartenleger und Hellseher an. Stalken in den sozialen Netzwerken. Fragen gemeinsame Bekannte aus. Fahren heimlich an der Wohnung vorbei. Können nicht aufhören an ihn/sie zu denken. Die Liste ist lang und ich denke jeder Leser/in könnte diese noch weiter ausführen. Bei manchen geht es halt schneller vorbei und andere benötigen Unterstützung von außen.

Liebeskummer und ihre Phasen

Meist verläuft Liebeskummer in Phasen. Erst wollen und können die Menschen es nicht wahr-haben. Suchen Ausreden für das Verhalten des anderen. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Dann kommt oft eine Flut von Gefühlen, die einen zu überwältigen scheinen. Die Frage: Warum? lässt einen verzweifeln. Trauer, Ohnmacht und Hilflosigkeit sind so groß, dass es nichts anderes zu geben scheint.

Nach einer gewissen Zeit kommt dann die blanke Wut. Die Enttäuschung darüber, was man selbst alles getan hat, aufgegeben hat. Das der andere egoistisch ist oder das alles nicht wertschätzt. Das möchte man sich nicht gefallen lassen.

Wenn diese Phase überwunden wurde, kann der Neuanfang beginnen. Noch nicht ganz frei und auch noch begleitet mit leichter Traurigkeit und anderen Emotionen, doch es geht bergauf. Man findet wieder in seine Mitte und beginnt sein Leben weiter zu leben. Freude, Hoffnung und Leichtigkeit können wieder gespürt und gelebt werden. Es geht weiter!

Liebeskummer was noch hilft

Liebeskummer und Hypnose ist ein wunderbares Werkzeug. Es geht hier nicht um die Verdrängung von Gefühlen, sondern um Verarbeitung, Verabschiedung, Klärung und Auflösung.

All die quälenden Fragen werden unwichtig, stalken hört auf und es kehrt wieder Ruhe und innerer Frieden ein. Die Menschen werden wieder frei. Frei für ihr Leben und auch für neue Partnerschaften.

EFT Klopftechnik gegen Liebeskummer hilft auch wunderbar. Eine Anleitung gibt es im Internet und auf youtube.

Meine SOS Tipps für Liebeskummer

Ganz wichtig! Alle Gefühle rauslassen. Mit einer vertrauten Person (oder der kostenlosen Telefonseelsorge 0800/111 0 111) sprechen. Vor allem über die Dinge, die genervt haben an der Person. Gut zu sich selbst sein und sich treu bleiben. Alles was einen beschäftigt aufschreiben. Was auf Papier ist, kann besser aus dem Kopf. Verplanung der freien Zeit, vor allem an den Wochenenden und Feiertagen. Lieblingsmusik hören und sich frei tanzen. Mit Freunden treffen und sich ablenken. Sport treiben, denn das setzt positive Energie frei. Aufräumen und alte Dinge spenden, verkaufen und entsorgen (wie innen – so außen). Zum Friseur gehen und vielleicht eine tolle Sache für sich shoppen.

Wovon ich abrate ist Alkohol, denn da passieren oft Dinge im Rausch, die wir hinterher lieber nicht gemacht hätten. Und auch Telefonterror hat sich nicht als positiv und weiterbringend bewährt.

Fast jeder Mensch hatte einmal Liebeskummer und alle haben es überwunden.  Machen Sie sich das bewusst und glauben Sie daran.

Was hat Ihnen geholfen? Was war nicht hilfreich? Schreiben Sie gern ein Kommentar und helfen Sie damit auch anderen Betroffenen.

Ich wünsche allen Lesern inneren Frieden und ganz viel Selbstliebe.

Herzlichst  Christina Grobelny
www.coaching-selbstfindung.de

Der innere Umgang mit einer äußeren Belastung

(Von Caroline Makovec)

Was wir Trauma nennen, ist nicht etwas, das dir im Außen passiert, sondern es bezieht sich auf deinen inneren Umgang mit einer belastenden äußeren Erfahrung.

Wie geht es dir bei diesem Gedanken?

Früher hätte ich vermutlich gesagt, dass das so nicht stimmt. Denn schließlich kann Missbrauch – sei er körperlicher oder emotionaler Natur, emotionale Gewalt, Vernachlässigung, Mobbing, aber auch Naturkatastrophen, der Verlust von Hab und Gut, der Tod eines geliebten Menschen, eigene Krankheit usw. ja wohl als etwas angesehen werden, das mir im Außen passiert, zustößt, über das ich keine Kontrolle habe, dem ich ausgeliefert bin.

Und doch gibt es Menschen, die diese belastenden äußeren Erfahrungen vielleicht nicht gerade wegstecken, aber als Teil ihres Lebens verbuchen den sie zwar nicht bewusst herbeiwünschen würden, aber mit dem sie einen Umgang finden. Sie integrieren ihn nach einer Zeit der liebevollen Auseinandersetzung mit sich selbst in ihre Lebensgeschichte und schließen früher oder später damit Frieden, ohne dass ihre Psyche darauf mit einer „traumatischen Erlebnisverarbeitung“ (PTBS,…) reagiert.

Warum ist es nun also so, dass manche Menschen solche einschneidenden Erfahrungen nahezu „unbeschadet“ überstehen während andere über Jahre ihres Lebens schwer unter den Folgen derselben zu leiden haben?

Und ich spreche hier von belastenden Erfahrungen im Erwachsenenalter – denn auch wenn Kinder ganz unterschiedlich mit schweren Belastungen umgehen, haben sie doch noch nicht die Fähigkeit darüber zu reflektieren und sich ggf. der Situation zu entziehen, wie wir Erwachsene sie meist haben. Und deshalb sind sie z.B. im Falle von Missbrauch real oft gefangener, hilfloser den Menschen ausgeliefert, von denen sie eigentlich Schutz, Liebe und Halt erfahren sollten.

Ich glaube – und das ist lediglich meine Meinung als selbst Betroffene – dass wir oft deshalb in potentiell traumatischen Erfahrungen hängenbleiben, weil wir (noch) in die Opferrolle rutschen und unseren Anteil daran (noch) nicht sehen können oder wollen.

Und das heißt jetzt nicht, dass du daran schuld bist, wenn dir etwas Schlimmes passiert. Aber du darfst darüber nachdenken, was es mit dir zu tun haben könnte – ob da noch alte Muster, Prägungen, Verstrickungen am Wirken sind, die es heißt mehr und mehr aufzulösen, um dir letztlich im Außen nicht immer wieder die gleichen Geschichten zu manifestieren. Andererseits ist es auch ein Prozess immer mehr zu dem Bewusstsein zu erwachen, dass schwierige, äußere Erfahrungen AUCH ein Geschenk in sich bergen – nämlich das Potential immer mehr und mehr Klarheit darüber zu bekommen wer du eigentlich bist, wie wertvoll du bist, wie du für dich mehr und mehr ein stimmiges, erfüllendes Leben erschaffen kannst und dass all das Schwere, das Leichte, das Schlimme und das Schöne (wenn wir noch in diesen Bewertungen denken wollen) dich dorthin gebracht haben, wo du jetzt bist.

Nämlich auf dem Pfad des Erwachens aus der Identifikation damit, was du – aufgrund dessen, was dir im Leben passiert ist oder passiert – zu sein glaubst, hinein in die Erkenntnis, dass in diesem Leben die Verantwortung über den Umgang mit allem was dir widerfährt nur bei dir liegt.

Ja, es passieren im Leben von jedem/jeder Einzelnen von uns Dinge, die wir als Herausforderungen bezeichnen können, die wir uns – wären wir ganz bewusst – so nicht in unser Leben gezogen hätten. Und doch bergen all diese Herausforderungen einen Schatz in sich, wenn wir bereit sind genau hinzusehen: das Erkennen unseres wahren Potentials, unserer wahren Natur fernab von den Bewertungen unseres Verstands, der uns mit Fragen quält wie:

Wie konnte mir das passieren?

Was hab ich falsch gemacht?

… und der uns durch dieses zusätzliche Abwerten von uns selbst letztlich noch tiefer in Gefühle von Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein, Machtlosigkeit hineinzieht aus denen es dann scheinbar kein Entrinnen mehr zu geben scheint.

Hinter all dem Wirrwarr den unser Verstand oft sekündlich produziert liegt ein Ort absoluter Ruhe, tiefen Friedens, tiefer Liebe der nur darauf wartet von dir wieder entdeckt zu werden, damit du dich besinnen kannst darauf was du eigentlich bist und schon immer warst. Reines, bedingungsloses Sein, göttlicher Funke, ein strahlendes Licht geboren aus der Unendlichkeit des Universums und damit selbst ohne Anfang und ohne Ende.

Es ist Zeit, wieder in dieses Bewusstsein zu erwachen.


 

Caroline Makovec
klinische Psychologin
aus Wien
Autorin von „Befreie Dich von den Fesseln der Vergangenheit“
www.psychologie-makovec.at


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Die Narzissmus-Falle

(Von Silvia Christine Strauch)

Welch ein Womanizer, es ist beneidenswert wie die Frauen auf ihn abfahren, er versteht es wirklich Frauen in kürzester Zeit von sich zu begeistern. Er ist charmant, zuvorkommend und sieht überdies nicht schlecht aus, er versteht es die Frauen buchstäblich um den Finger zu wickeln. Selbst auf Männer wirkt er beeindruckend. Er erzählt von seinen Erfolgen und Plänen und schildert diese auf beeindruckende Art und Weise. Ein Erfolgsmann wie aus dem Bilderbuch.

Die Manipulation beginnt…

Erst beim näheren Kennenlernen kommen Zweifel auf. Erst nach einer gewissen Zeit kommt es zu einer immer stärker werdenden Manipulation seiner Mitmenschen und Partner. In der Partnerschaft wird man zuerst umhegt, gepflegt und umgarnt bis man die Zuneigungsbezeugungen nicht mehr missen möchte. Erst dann wird man mit verdeckten Forderungen konfrontiert, erst dann beginnt die Manipulation. Langsam aber sicher wird die Liebe an Bedingungen geknüpft, denen man nur zu gerne nachkommt. Es fällt zuerst gar nicht auf, wie man auf einmal kritisiert wird, es ist wie der Umgang mit Zuckerbrot und Peitsche. Du verhältst dich falsch, aber ich liebe dich trotzdem, heißt es. Muss man sich da nicht dankbar zeigen?

Und so tappt man in die Falle. Meistens kommt eine krankhafte Eifersucht dazu, auch eine Kontrollsucht, denn der krankhafte Narzisst will alles unter Kontrolle haben. Im fortgeschrittenen Stadium wird er immer übergriffiger, er schreit und brüllt, bis hin zu Tobsuchtsanfällen, wobei es durchaus auch zu tätlichen Angriffen kommen kann. Er stellt die Glaubwürdigkeit des anderen in Frage, agiert mit Vorwürfen und Unterstellungen und schreckt auch nicht vor Drohungen und Beleidigungen zurück.

Der krankhafte Narzisst zeigt kein Einfühlungsvermögen, er ist arrogant und entwertet andere, im Privat- wie auch im Berufsleben. Andererseits erwartet er grenzenlose Bewunderung, Applaus in jeder Lage. Ein unstillbarer Geltungsdrang treibt ihn an.

Narzissmus im Berufsleben

Im Berufsleben gibt es den krankhaften Narzissten in der Chef- wie auch in der Mitarbeiterposition. Er gibt einen hervorragenden Hochstapler ab, egal in welcher Position er sich befindet. Als Kollege versichert er Ihnen, wie wertlos sie sind, bis sie es glauben. Allerdings wird er Arbeit und Verantwortung auf sie abwälzen, auch wenn er die Lorbeeren ihres Tuns einstreichen wird. Ihm fehlt dabei jegliches Schuldbewusstsein oder auch Reue für seine Handlungen, er weigert sich ganz einfach die Verantwortung für sein Tun zu übernehmen.

Krankhafte Narzissten gelangen oftmals in Führungspositionen, da sie hier ihrem Bedürfnis nach Macht und Kontrolle am einfachsten nachkommen können. Er bevormundet den Mitarbeiter und macht ihn klein, unabhängig davon, was dieser geleistet hat. Seine Meinung steht über allem, wobei er ständig bewundert werden will, allerdings die Schuld, an was auch immer, auf seine Mitarbeiter abwälzt.

Gleichgültig ob Mitarbeiter oder Chef, er redet den anderen ein schlechtes Gewissen ein, indem er mit falschen Aussagen argumentiert und Gerüchte in die Welt setzt. Krankhaftes Lügen und Übertreiben ist völlig selbstverständlich, wobei er durch seine schauspielerischen Fähigkeiten, meist verbunden mit rhetorischem Geschick, es leicht schafft, seine Umwelt zu überzeugen.

Narzissmus im Bekanntenkreis

Auch in den eigenen Bekanntenkreis schleichen sich immer wieder krankhafte Narzissten ein, da sie untrüglich die Menschen finden, die ein großes Herz haben und das Gute im Anderen sehen. Wie in einer partnerschaftlichen Beziehung schaffen sie es auch hier am Anfang die Interessen ihres Gegenübers perfekt widerzuspiegeln, wodurch dieser glaubt einen Gleichgesinnten gefunden zu haben.

Doch bald fällt auf, dass er ständig bewundert werden möchte und in allen Dingen das letzte Wort hat, es gibt einfach keine faire Diskussion. Bald wird er dem Freund Schuld für alles Mögliche zuschieben und dabei lügen und betrügen, in einem Ausmaß, dass es schon wieder glaubwürdig wirkt. Man fängt an ihm zuzustimmen, man nimmt ihm Arbeit ab und man bewundert ihn. Dabei wird man immer mehr vom früheren Bekanntenkreis isoliert und bekommt gar nicht mit, wie der krankhafte Narzisst hinter dem eigenen Rücken schlecht über einen spricht. Man wird buchstäblich isoliert und bald immer mehr von den anderen Freunden gemieden. Dadurch wird die Abhängigkeit immer größer und man fängt an selbst schlecht über sich zu denken. Irgendwann befindet man sich in einer Art Hilflosigkeit und großer Traurigkeit wieder. Der krankhafte Narzisst kann allerdings kein Mitgefühl aufbringen, auch wenn man mit ihm darüber kommunizieren will, er neigt in solchen Fällen zu Wutausbrüchen und schiebt dem anderen die Schuld zu.

Nimmt Narzissmus zu?

Heutzutage scheint es nur so von narzisstischen Frauen und Männern zu wimmeln. Jeder möchte etwas Besonderes sein, die Ansprüche steigen und die Selbstdarstellung nimmt immer mehr zu, egal worin sie begründet ist. Allerdings gibt es durchaus den gesunden Narzissmus, den man auch als natürlichen Selbsterhaltungstrieb bezeichnen kann. Jeder Mensch ist etwas Besonderes und darf sich durchaus über Anerkennung und Erfolg freuen.

Erst wenn dieses Verhalten sehr übersteigert wird, liegt ein krankhafter Narzissmus vor. Dieser ist ein abnormes Verhalten, eine Persönlichkeitsstörung, die eine übertriebene Selbstbezogenheit bezeichnet. Krankhafte Narzissten werten alles und jeden um sich herum ab, um sich selbst zu erhöhen, sie haben kein Moralempfinden. Menschen sind für sie nur das Mittel zum Zweck, um irgendetwas erreichen zu können. Gefühle von anderen interessieren sie nicht, sie können sie auch nicht nachvollziehen, sie wissen nicht was Liebe ist. Darüber hinaus reagieren sie auf konstruktive Kritik gekränkt und sind prinzipiell neidisch auf andere Menschen, die es angeblich besser getroffen haben als er.

Gesunde Vorsicht und Misstrauen

Narzisstische Menschen verführen und verzaubern, sie lassen buchstäblich eine Fata Morgana entstehen. Passen Sie auf, dass Sie nicht in die Narzissmus-Falle eines krankhaften Narzissten geraten, der Sie in seiner gekonnten Weise so manipuliert, dass sie ihm nicht nur immer mehr seine Wünsche erfüllen, sondern sich selbst dabei immer noch schlechter, noch weniger wert fühlen. Lassen Sie sich auf keine Kommunikation, geschweige denn eine Beziehung ein, die nicht auf Augenhöhe abläuft. Passen Sie gut auf, wie Sie mit sich umgehen lassen.


 

Silvia Christine Strauch
Buchautorin von „Krankhafte Narzissten enttarnen“

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Ist der Singleanteil unter Hochsensiblen höher?

(Von Monika Richrath)

Seit ich begonnen habe, mit hochsensiblen Menschen zu arbeiten, habe ich den Eindruck gewonnen, dass empfindsame Menschen überproportional häufig als Single leben. Die Frage ist nur: warum?

Hat es etwas mit der Hochsensibilität an sich zu tun? Liegt es daran, dass sie keine geeigneten PartnerInnen finden (niemanden, den sie lieben können), sie sich nicht trauen, sich zu offenbaren, weil sie Ablehnung fürchten, daran, dass sie Angst vor Nähe und Intimität haben, sich nicht abgrenzen können, sie die Intensität ihrer Gefühle nicht gut aushalten oder weil sie nicht loslassen können? Bestimmt gibt es noch andere Gründe, die mir jetzt gerade nicht einfallen. Im Alltag kann man es vielleicht noch ganz gut hinbekommen, mit diesen Schwierigkeiten umzugehen, in einer Beziehung gestaltet sich das schon sehr viel schwieriger, schon aufgrund der häufig damit verbundenen räumlichen Nähe.

„Wo viel Glück ist, ist auch viel Leid.“

Dieses Zitat wird dem Künstler und Erfinder Leonardo da Vinci zugeschrieben. Er hatte es offensichtlich selbst recht schwer mit der Liebe. Dieser Spruch erschien mir zuerst ganz passend zum Thema – haben hochsensible Menschen doch auch eine ganz besondere Fähigkeit zum Leiden (möglicherweise auch zum Schwelgen in dem Leid?) – eben durch das Nicht-loslassen-können und zum endlosen Widerkäuen von Gedanken, Erlebnissen, Glaubenssätzen. Dann bin ich aber über das Wort „Glück“ gestolpert und spontan kam mir in den Sinn, dass ich das Wort „Liebe“ sehr lange sicherlich nicht mit dem Wort „Glück“ verbunden habe, denn:

„Liebe“ bedeutete früher vor allen Dingen: Schwierigkeiten.

Allem voran die Schwierigkeit, nicht verbunden zu sein. Mit niemandem eigentlich. Als Teenager war ich gelegentlich mit jemandem zusammen, aber immer nur kurz. Ich war mir immer der Tatsache bewusst, dass ich dem anderen nicht wirklich wichtig war – so wenig wie er mir. Meist glitten wir wieder wortlos auseinander ohne großen Abschiedsschmerz. Ohnehin hatte ich als junge Erwachsene eine fast panische Furcht vor Nähe und Intimität. Diese stand in krassem Gegensatz zu meiner Neugier und Experimentierfreude. Die Furcht ist irgendwann verschwunden, wurde abgelöst durch Bedürftigkeit – was ehrlich gesagt, keinen Deut besser war. Nähe und Distanz blieb über Jahrzehnte ein sehr großes Thema.
Ich kann zurückblicken auf eine zehnjährige Lebenszeit als Single (Online-Dating entpuppte sich dabei als völlige Katastrophe, aber das ist vielleicht mal einen eigenen Blog-Artikel wert.) Der Großteil meines Liebeslebens wurde jedenfalls bestimmt durch Beziehungen, die entweder vollkommen einseitig blieben, in denen andere Menschen wichtiger waren als ich, oder jemand sich nicht wirklich für mich entscheiden konnte etc.

Einmal blieb ich fünf Jahre lang gefangen in einer sehr unglückseligen Liebeskonstellation zu einer Frau, die mich auch liebte, aber nicht wagte, ihre alte Beziehung aufzulösen und sich für mich zu entscheiden. Dass ich so lange ausharrte lag daran, dass ich ihre Liebe zu mir so deutlich SPÜREN konnte – auch wenn sie (meist vergeblich) versuchte mich auf Abstand zu halten. Ich musste, um aus dieser Geschichte auszusteigen, einen regelrechten Kampf mit mir ausfechten. Heute denke ich mir, wenn ich damals schon gewusst hätte, dass ich hochsensibel bin, hätte ich das anders gehandhabt. Ich hätte gewusst, dass es nicht ausreicht, die Liebe einer anderen Person nur in mir zu spüren, sondern dass ich sie auch erleben und erfahren muss.

Nachdem ich herausgefunden habe, dass meine Schwierigkeiten mit der Liebe eng verbunden sind mit einem ganz grundsätzlichen, biografiebedingten Bindungsdefizit, hat mein Liebesleben sich nach und nach verändert.

Und verändert sich immer noch. Nicht zuletzt hat mir das Klopfen mit der EFT-basierten Klopfakupressur sehr dabei geholfen. Ich konnte hinderliche Glaubenssätze auflösen, wie: dass ich niemandem wichtig bin, dass ich nicht liebenswert bin, dass niemand mich jemals lieben wird usw. und selbst, wenn ich genau weiß, dass ich immer noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen bin (dort, wo ich eigentlich hinmöchte) ist mein Lebensgefühl in Sachen Liebe heute grundsätzlich anders.

Ich habe einen Platz in einer Beziehung gefunden, wo ich das Gefühl habe: Hier gehöre ich hin. Vermutlich ist es nicht erstaunlich, dass ich diese Person schon seit mehr als sechzehn Jahren liebe.

Früher fand ich, dass Singles es viel schwerer haben als Menschen, die in einer Paarbeziehung leben. Heute denke ich: die wahre Herausforderung liegt darin, als Paar verbunden zu sein und eine lebendige Beziehung zu bewahren, in der persönliches und gemeinsames Wachstum möglich sind. Und das verlangt ein beiderseitiges ständiges spürbares Engagement.

Als Single hat man es da wirklich vergleichsweise einfach.

Eigentlich muss es doch nicht sein, dass Hochsensibilität sich nicht mit einer Partnerschaft vereinbaren lässt? Viele hochsensible Eigenschaften wirken sich in einer Partnerschaft sehr positiv aus: Häufig können wir gut zuhören, uns gut in andere hineinversetzen, wir sind engagiert und liebevoll, tolle Gesprächspartner und vielseitig interessiert. Langweilig wird es mit uns ganz bestimmt nicht.

Vor allen Dingen nicht, weil wir gerne die großen Themen des Lebens besprechen und uns daran liegt, ein Wohlfühlambiente zu schaffen.


Monika Richrath,
Coach und Klopfakupressur-Therapeutin,
www.eft-fuer-hochsensible-menschen.de,
Buchautorin von „Die Geheimnisse des gesunden Schlafs“

 

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Warum es jetzt wichtig ist, zentriert zu bleiben

(Von Manuela Starkmann)

Gerade jetzt in dieser anstrengende Zeit ist es besonders wichtig, in seiner Mitte zu bleiben.

Doch schauen wir uns zunächst die Puzzle-Teile an:

  1. Unabhängig wie alt Du bist, bist Du voller Altlasten. Yap, natürlich sind auch viele wundervolle Aspekte und Erlebnisse in Dir, doch wie ich aus (Selbst-)Erfahrung weiß, treten sie im Leben oft nach hinten. Dafür stehen die Sorgen, Ängste und Probleme im Rampenlicht, wodurch sich in Dir der Eindruck einschleicht, dass das Leben – so wie es z.B. Eltern und Lehrer sagten – kein Zuckerschlecken ist. Bremsende Glaubenssätze wie diese stecken leider in Deinem, wie ich es nenne, Lebensrucksack.
  2. Dann kommt das erste Halbjahr 2020 dazu. Es hatte wirklich viele, neue Situationen für Dich. Dafür gibt es in Deinem großen, imaginären Ordner des Lebens keinerlei „Referenzobjekte“. Sowas hast Du, haben wir alle, noch nicht erlebt. Was also tun? Dazu kommt für hochsensible Freigeister die Einschränkung der Freiheit. Wahrscheinlich bist Du im inneren Wechsel zwischen „Ich weiß nicht, wie ich das meistern soll“ und „Heute ist ein guter Tag, ich meistere das“. Doch auf lang oder kurz spürst Du beim maskenlosen, ehrlichen Blick auf Dein Selbst, dass Dich das alles Kraft kostete.
  3. Das zweite Halbjahr, das ist wirklich perfide, gab Dir wieder ein bisschen Luft, doch gleichzeitig saß Dir sowohl der vergangene Schrecken noch im Nacken als auch vielleicht das Vorhersehen des künftigen. Menschen neigen dazu, im Herbst und Winter eine Form von Erkältung zu bekommen oder z. B. in schwülen Sommermonaten Brechdurchfall. So wenig überraschend wie, dass am 24.12. Weihnachten ist, überfällt Dich in einem Bad in der Freiheit aber wieder ein äußeres Gefängnis. Du wirst eingesperrt … obwohl Du gar nichts angestellt hast. Deine Würde weint.

Wollen wir gemeinsam auf eine Lösung schauen?

Ich bin kein Hellseher, ich weiß nicht, wie es weitergeht. Aber ich sehe und fühle, wie es den Menschen geht. Es ist ein Gezerre zwischen Angst und dem Wunsch nach Freiheit, Zweifel und dem Wunsch nach Normalität, Unsicherheit und dem Wunsch nach Klarheit.

Es ist, aus meiner Sicht, völlig nachvollziehbar, dass so viele Menschen – vielleicht auch Du – ihre Mitte gefühlt teilweise oder ganz verloren haben. Leidvolles aus der Vergangenheit bremst und 2020 forderte kräftemäßig in jeder Hinsicht seinen Tribut. Mein zweites Halbjahr würde ich gerne reklamieren. Bei aller bodenständigen Positivität machte ich irgendwann die Grätsche. Weil ich mich so machtlos fühlte. Ich fühlte mich müde, traurig und desillusioniert. Wie hattest Du Dich gefühlt?

Über die Rauhnächte habe ich mich ganz bewusst 12 Tage zurück- und rausgenommen. Denn ich erkannte, dass ich nicht mehr tat, was ich sonst lebe und auch den Menschen empfehle: Fokus auf mICH. Zuerst das Innen, Selbstfürsorge. Zeit und Ruhe. Das ist so wichtig – ob nun hochsensibel oder nicht. Und das ist jetzt so wichtig wie selten zuvor.

Heilsame Impulse

Wähle Dir bitte selbstverantwortlich aus, was sich für Dich leicht und stimmig anfühlt. Fokussiere nicht die Punkte, die Dir nicht gefallen. Nimm einfach die, die sich wohlig anfühlen und Dir guttun:

  • Informiere Dich und recherchiere, am besten quer. Doch setze Dir dafür ein Zeit-Limit.
  • Bildschirme jeder Art solltest Du ca. eine Stunde bevor Du ins Bett gehst aus Deinem Sichtfeld verbannen (außer Du schaust einen lieben Trickfilm wie z. B. „Tinkerbell“ (ich liebe Tinkerbell).)
  • Sei offen für Gespräche und wahren Austausch. Doch belehre niemanden und beende eine Belehrung, solltest Du das Gefühl haben, dass ein Gegenüber das gerade mit Dir tut.
  • Mehr als sonst, suche und finde Schönes und Lustiges. Ich lach mich zur Zeit kringelig über eine Seite mit Kindersprüchen. So süß, wie Kinder die Welt sehen.
  • Haaa, da sind wir bei einem weiteren, wichtigen Aspekt, der Dir bei der Reinheit Deiner Innenwelt hilft: Tiere. Vielleicht auch in der Form – oder falls Du das Glück hast, bereits mit Tieren zu leben, zusätzlich – dass Du beim Tierheim in Deiner Nähe hilfst. Seit Anfang des Jahres gehe ich während der Gassi-Zeit mit einem Hund spazieren. So bereichernd.
  • Ob mit oder ohne Tier, geh raus. Nur Bildschirm, nur Räume, das grenzt Deinen Bewusstsein-Horizont ein. Dein Körper, im Besonderen Deine Lunge freuen sich über das Grün der Natur und die frische Luft. (Bitte schön dick einpacken.)
  • Im Frust üblich und um Weihnachten und Winter normal, ist das Essen von zu viel ungesundem Füllstoff. Wenn die Schokolade beruhigt, super, hau rein. Doch wenn Du merkst, dass Deine Hülle gerade nicht die ist, mit der Du Dich wohlfühlst, erfülle Dich mit etwas geeigneterem.
  • Iss mehr pflanzlich. Gar nicht kompliziert und vielleicht auch ohne große Ernährungsveränderung, sondern ganz easy. Hilf Deinem Körper, gesund zu sein.
  • Mach etwas nur für Dich, etwas was Dich in Deiner eigenen Stille sein lässt. Ich z. B. koche gerne (pflanzlich), meditiere und habe das Malen wiederentdeckt.
  • Nimm Dir abends Zeit für Dich. Hetze nicht aus dem Tag ins Bett und hoffe, erholsam zu schlafen. Komm in Ruhe zur Ruhe.
  • Ist vielleicht eine neue Spielregel für Dein Umfeld und vielleicht auch eine Disziplin für Dich: abends bist Du nur für Dich erreichbar. Ich z. B. hab gerne den Kater, so er da ist, bei mir im Bett und wir schmusen noch ein bisschen oder ich lese etwas Leichtes.
  • Sag Deinen Gedanken, am besten vor der Schlafzimmertür, ein klares „Aus, Platz und Bleib“. Sie dürfen jetzt warten und Dir nicht auf den Geist gehen.
  • In Summe der Impulse merkst Du, dass sich grundsätzlich alle darauf fokussieren, Dich in Deine Innenwelt und Mitte zu holen. Du entziehst den äußeren Umständen die Erlaubnis, Dich irre zu machen. Und Du findest Deine gesunde Mischung aus Innen und Außen. In der Reihenfolge: innen und (dann) außen.

Erschaffe Dir Dein Leben. Im Außen kannst Du nicht viel verändern, doch Du kannst gut für dICH sorgen. Das ist nicht egoistisch, sondern gesund. Und Dein näheres Umfeld wird auch davon partizipieren, wenn Du wieder stabil bzw. mehr in Deiner Mitte und Balance bist.

Ich empfehle Dir darüber hinaus Menschen, die Deine LebensWeise unterstützen. Das wird nicht jeder tun. Doch bei aller Liebe zur Kritikfähigkeit: es ist Dein Leben. Es gibt Menschen, finde sie, mit denen Du Dich liebevoll austauschen kannst. Menschen, die z. B. den Wunsch nach Ruhe und Innenansicht nicht negativ bewerten, sondern für sich leben und bei Dir fördern.

Das Leben ist eine Mischung. Anteile und Mischungsverhältnis verändern sich. Permant. Ich wünsche Dir eine wundervolle, heilsame, leichte und lustige Mischung.

Alles Liebe und

LEBE DEINE KLARHEIT!


Manuela Starkmann
Guide, Healer, Medium und Buchautorin von „Klarheit über Hochsensibilität“ von „Klarheit über Hochsensibilität

www.manuelastarkmann.com

 

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Nicht für die Liebe gemacht

(Von Manuela Starkmann)

Was ist nur los, überall knirscht es in der Liebe? Die einen finden keine Partnerschaft, die anderen hadern in ihrer Beziehung. Grundsätzlich wünscht sich jeder die Zweisamkeit und scheinbar findet kaum jemand eine erfüllende Paarbeziehung. Sind wir vielleicht doch nicht für die Liebe gemacht?

Wenn nicht kompatible Gesellschafts-Bilder aufeinander klatschen

Geht es Dir nicht auch so, dass Wunsch und Realität gerade in der Liebe einfach nicht zusammenpassen? Eine Partnerschaft, die vielleicht sogar zu einer eigenen Familie führt, scheint das größte Glück. Aber schon als Kinder beobachten wir hierzu unsere Role Models, die Eltern, und haben doch oft das Gefühl, dass es bei der Hasenfamilie in unserem Bilderbuche besser läuft, als das, was wir zuhause als Realität vorgelebt bekommen.

Irgendwann werden wir vom Beobachter zum Mitspieler. Die erste Liebe *träum* … ist oft schon kompliziert. Die Trennung macht *aua*. Und dieses Muster verstrickt einen von der einen in die nächste Beziehung. Irgendwas ist immer. Und dieses „irgendwas“ landet im Lebensrucksack der negativen Glaubenssätze. Irgendwas wird einen irgendwann dazu bringen, nicht mehr so offen zu sein. Für eine Beziehung, für die Liebe. Weil man ja „aus Erfahrung weiß“, dass nach der Sonne immer Regen und Hagelschäden kommen.

Und dennoch, kennst Du vielleicht auch, ruft aus dem tiefsten Inneren die Liebe, möchte leben, möchte gesehen werden, möchte lieben.

Erschaffe Deine Realität

Vielleicht war es bisher in Deinen Beziehungen zugig und zäh. Vielleicht ist es das gerade (wieder). Vielleicht ist das genau JETZT der Moment für die Entscheidung, die Liebe wirklich in Dein Leben zu holen. Lass uns gemeinsam ein bisschen ausMISTen:

  • Das Schmerzliche ist Vergangenheit. Bring es nicht immer wieder auf den Tisch. Aufgewärmt schmeckt nur Eintopf. Aber Themen aufwärmen – ob nun aus vergangenen Beziehungen oder alten Streites in der aktuellen Partnerschaft – lässt wahrscheinlich die Liebe anbrennen.
  • Das Schmerzliche ist eine Erfahrung. Ja, das hat weh getan. Doch hafte Dich nicht an diesen Schmerz, sondern kümmere Dich um die Erkenntnis daraus.
  • Wem „gehört“ das Thema? Oft denken wir, dass der andere dooooof ist, uns nicht versteht, keine Rücksicht nimmt, nervig ist und Konflikte anzettelt.
  • Stimmt das? Kann es in Dir zu „Unkraut“ führen, wenn Du dafür keine gedüngte Erde anbietest?
  • Es geht nicht um Schuld.
  • Es geht nicht um Rechthaben.

Lass uns gemeinsam Dein Herz beREICHern:

  • Übe Dich darin, Dich selbst so anzunehmen, wie Du zum jeweiligen Moment meinst zu sein.
  • Erlaube Dir, Dich jeden Moment weiter-entwickeln zu dürfen.
  • Sei lieb und geduldig zu Dir.
  • Mach Blödsinn, nimm Dich nicht so ernst, lache über Dich.
  • Schätze an Dir Dein so-Sein.
  • Lerne zu kommunizieren, Worte haben Macht, Worte sind Heilung.
  • Vertraue Dir selbst und schenke Deinem Gegenüber Vertrauen.
  • Gönne Dir eine Diät von Interpretation, Bewertung und Erwartung.
  • Gestatte einem anderen Menschen, Dich zu lieben.
  • Lege Deinen Fokus auf das Schöne, Lehrreiche, Lustige, Heilige, Sinnliche.

Du kannst nichts falsch machen

Das sind 15 Punkte, die Dein Herz berühren. Befreie Dein Herz von dem aus der Vergangenheit, was Du als negative Altlast immer noch schwer mit Dir herumträgst. Glaube an den Sinn dessen, doch lass den Schmerz gehen.

Du kannst nicht „bei Null anfangen“. Zumindest nicht in diesem Leben und ohne vollständigen Gedächtnisverlust. Alles, was Du erlebt hast, hat Dich zu dem Menschen gemacht, der Du heute bist. Und nun hast Du das große Geschenk der Wahl:

Deine Altlasten können wieder eine Liebe zerstören oder Deine Erkenntnisse aus der Vergangenheit dürfen in der Gegenwart zu einer erfüllten, glücklichen Liebe führen.

Was wählst Du? Und Du siehst, der Standpunkt ist der Gleiche, nur der Weg, für den Du Dich entscheidest, zieht jeweils etwas ganz anderes nach sich. Du bist nicht verpflichtet, den alten Scheiß zu wiederholen. Du hast das Recht auf Deine wahre Liebe. Weil Du Dich weiterentwickelst. Vielleicht wird damit aus der aktuellen beZIEHung eine echte PAARtnerschaft. Vielleicht kann Dich durch diese persönliche Weiter-Entwicklung nun Deine wahre Liebe finden.

Du siehst: es geht um Vertrauen. Immer. Und Vertrauen ist Liebe. Und Liebe ist trauen, sich trauen, sich trauen zu vertrauen. Du kannst nichts falsch machen, wenn Du den Weg Deines Herzens gehst. Mach dafür einfach Dein das verschlossene Tor zu Deiner inneren Burg auf, wo Du meinst, Dein Herz im Inneren verstecken zu können und schützen zu müssen. Mach auf und mach. Denn Du bist für die Liebe gemacht.

Alles Liebe und viel Klarheit

Manuela Starkmann


Manuela Starkmann
www.manuelastarkmann.com
Guide, Healer und Medium
Autorin von Klarheit über HochSensibilität“

 

Weitere Leseempfehlungen

Je nach Alter kann Hochsensibilität unterschiedlich empfunden werden

(Von Silvia Christine Strauch)

Das subjektive Erleben von Hochsensibilität kann sich im Laufe des Lebens wandeln.  Dies kann sich in unterschiedlichen Altersphasen recht verschieden äußern…

Hochsensible Kinder

Hochsensible Kinder fühlen sich schnell gestresst durch andere Kinder, sogar durch kratzige Kleidung und überhaupt durch viele Anforderungen, die an sie gestellt werden. Gerade in der heutigen Zeit sind Kinder zum Teil zeitlich so verplant wie ein Topmanager. Viele Eltern wollen ihre Kinder fördern und sind der Meinung sie müssten unbedingt ein Musikinstrument erlernen oder sogar mehrere, müssten zum Ballett gehen, nicht zu vergessen zum Sport der unterschiedlichsten Art, selbst Yogakurse für Kinder werden angeboten. Kinder wollen spielen, Kinder brauchen Erholung und keinen Stress. Kinder brauchen in ihrer freien Zeit kein Freizeitprogramm, schön, wenn sie sich kreativ betätigen aber bitte ohne Leistungsdruck. Im Wort Freizeit steckt auch das Wort „Frei“, es bedeutet freie Zeit und zur freien Zeit gehört auch eine freie Entscheidung und nicht das Diktat der Eltern was sie zu tun und zu lassen haben. Das eine Kind geht gerne zum Sport, das andere zieht sich lieber mit einem Buch zurück. Lasst den Kindern die Zeit zu sich zu kommen und zu sich selbst zu finden, sich selbst zu entdecken!

Heranwachsende Hochsensible

Als heranwachsender Mensch hat die hochsensible Person noch mehr als andere mit sich zu kämpfen, fühlt sich unsicher, ist schnell beleidigt und fühlt sich überreizt, will aber dennoch mit den anderen mithalten. Eine schwierige Situation, wenn man nicht gelernt hat zur Ruhe und zu sich selbst zu kommen.

Gestresste Erwachsene

Spätestens im Berufsleben geht der Stress dann richtig los. Chefs, Kollegen, Erwartungen von anderen und an sich selbst. So ganz nebenbei soll man auch noch einen Partner fürs Leben finden und eine Familie gründen. Wohnung, Haus, Beruf, Familie, überall wo man hinsieht Verpflichtungen. Wo bleibt hier die freie Zeit? Und schaufelt man sich eigene Zeit frei, weiß man sie auch zu nutzen? Hat man in der Kindheit gelernt freie Zeit zu verbringen? Mit Dingen, die einem wirklichen Spaß bereiten? Hochsensible Menschen fühlen sich in der Mitte des Lebens oftmals völlig überrannt von den vielen Eindrücken und Anforderungen und sehen sich dennoch nicht in der Lage einen Teil davon zur Seite zu schieben und auf dem Weg der Entspannung zu sich selbst zu kommen. Man hat keine Zeit für Entspannung, man fühlt sich stattdessen missverstanden und schiebt die Schuld auf die Umgebung. Der Chef ist schuld, der Partner, die Kinder, die Nachbarn, überhaupt alle anderen nur nicht man selbst, denn man hat ja keine Zeit.

Hochsensibilität im Alter

Viele hochsensible Personen schaffen es erst im Alter zurückzuschalten und zur Ruhe zu kommen. Lernen Yoga und meditieren, gehen auf Reisen, verlassen sogar langjährige Partner, wenn sie feststellen, dass sie ihnen nicht gut tun. Kurz, sie fangen an auf sich zu achten und bemerken auf einmal ihre sensitive Gabe und die vielen Vorteile, die damit zusammenhängen. Sie fangen an, ihrer Hochsensibilität nachzuspüren und können sich an den vielen tiefen Eindrücken erfreuen. Sie lernen den Wechsel von Aktivität und Passivität und wundern sich warum sie sich früher einen derartigen Stress gemacht haben, meist über Dinge, die letztendlich nicht wirklich wichtig waren.

Hochsensibilität früher nutzen

Schön wäre es doch, diese Gabe der Hochsensibilität schon früher nutzen zu können. Lassen Sie uns bei unseren Kindern oder wenn diese schon zu alt sind bei unseren Enkel- oder Nachbarskindern anfangen, indem wir sie unterstützen in ihrer Freizeit. Indem wir sie bestärken „Freizeit“ zu haben. Indem wir ihnen helfen eine Eigenverantwortung zu entwickeln, wie sie sich ihre Zeit einteilen. Eben die Zeit nicht nur am Handy oder am Tablet zu verbringen, sondern ihnen ein Gefühl für einen Rhythmus beizubringen der ihnen, je nach Temperament und Sensibilität, guttut. Nun, und das geht am besten indem wir ihnen dies vorleben. Also beginnen sie möglichst früh mit entsprechenden Entspannungstechniken, sodass sie in der Lage sind, jederzeit zur Ruhe kommen zu können und nicht von äußeren Reizen überflutet werden. Und gönnen Sie es sich damit so früh wie möglich in Ihrem Leben zu beginnen.


Silvia Christine Strauch
Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

Du bist wunderschön. Wirklich.

(Von Karin Sommer)

Vor ungefähr sechs Jahren erlebte ich eine sehr schwierige Zeit. Ich lebte in Spanien, das von einer Wirtschaftskrise geschüttelt wurde, genauso wie mein Herz, das nicht den Mut fand, sich zu entspannen. Mein Verstand drehte hohl, suchte rastlos nach Lösungen, dort, wo keine zu finden waren. Angst übertünchte alle anderen möglichen Gefühle.

Ich war gerade dabei, die Wäsche auf meinem Balkon aufzuhängen, der sich über einen tristen Innenhof wölbte, als ich meine innere Stimme hörte, die sagte:

„Konzentrier dich auf das Schöne.“

Beinahe hätte ich mich umgedreht, wohlwissend, dass da niemand war. „Auf das Schöne“ rief es verächtlich in meinem Inneren. „Das Schöne wird mir wohl die Miete zahlen, das Schöne wird meine Probleme lösen und mir den Weg zeigen. Stimmen hören zeigt ja ganz klar, in welcher Verfassung ich bin. Mein Leben auf die Reihe zu bekommen wäre wohl ratsamer.

Ich klammerte die letzte Socke fest, so dass sie nicht entkommen konnte, schnappte mein Handy und verließ die Wohnung. Ich hatte immer versucht, eine Wohnung in der Nähe eines Parks zu finden. Meine siebte und letzte Station in Barcelona war Poble Sec, ganz nah dran am Mont Juic, einem Park, der mich täglich mit viel Wohlwollen umfing. Ich liebte seine wechselnden Blumenbeete genauso wie seine verborgenen Ecken, die sich nicht von den eifrigen Gärtnern zähmen ließen.

Ich sog seine Gerüche auf, beobachtete die winzig wirkenden Schiffscontainer des Hafens und aß Bratwurst und Maiskolben vom Grill mit meinen Freunden. Streunte alleine oder in Begleitung durch den Pinienwald und wurde nie müde, mich and er Schönheit des Waldes und der ihm zu Fuß liegenden Stadt zu erfreuen. Warum also nicht die Konzentration auf das Schöne lenken. Im Grunde hatte ich nichts Besseres zu tun. Mein Bankkonto würde sich auch mit dem Blick auf Hässliches, Angst machendes und Ärgerliches nicht füllen.

Ich wanderte also wie jeden Tag, nur gab ich der Schönheit, die mich umgab, das Kommando.

Ich ließ zu, dass sie sich breit machte in mir, alles andere wegschob, so als könnte die Schönheit ein Bagger mit einer großen Schaufel sein. Nach einigen Tagen befiel mich die Ahnung, dass ein weiterer Schritt notwendig war. Es ging nun darum, die Schönheit dort zu suchen, wo sie nicht offensichtlich war. Das fiel im Außen gar nicht mal so schwer. Ich liebte Barcelona, also liebte ich alles an der Stadt. Ich musste nur genauer hinsehen, um auch die Schönheit in den Bettler zu erkennen, der würdevoll in der Avenida Augusta, einer wild befahrenen Straße im Stadtteil Example saß. Der Lärm, der Schmutz, es ging mit allem.

Nur mit mir funktionierte es nicht. Ich fand mich meistens hässlich. Ganz allgemein, außen, innen, konkret und diffus, bestimmte Handlungen, Eigenschaften und meine allgemeine Lebensweise. Ich hatte lange vorher von einer Übung gelesen, in der man sich im Spiegel betrachtet und sich sagt, dass man schön ist. „Du bist schön“, nicht mehr als das. Ich fand die Idee oberflächlich und sinnlos. Bis ich mich vor den Spiegel stellte und mir sagte, dass ich wunderschön sei. Ich begann die Übung mit dem Vorsatz, solange vor dem Spiegel zu stehen, bis ich die Schönheit sehen konnte.

Ich stand lange. Mit Tränen in den Augen. Minuten, die zäh verronnen. Mein rechtes Auge blickte mir verletzt und misstrauisch entgegen. Es brauchte lange, bis es annahm, dass ich es mit all seiner Verletztheit schön fand. Es wurde weicher, glänzender, veränderte sein Aussehen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich traf mich von da an noch mehrere Male mit meinem Spiegelbild.

Es verlangte Mut und Beharrlichkeit, mich nicht auszunehmen von meinem Anliegen, die Schönheit in allem zu sehen.

Ich schreibe das nicht, um die Übung vor dem Spiegel anzupreisen. Sie wird nur für wenige Menschen auf einer tiefen Ebene funktionieren. Ich schreibe den Artikel, wie ich möchte, dass du beginnst, deine Schönheit zu erkennen. Sensible Menschen erfahren viel Ablehnung für ihre empfindsame Art, die Welt zu betrachten, oft schon als Kinder. Die Ablehnung hinterlässt oft tiefe Wunden.

Es liegt jedoch so viel Schönheit darin, empfindsam zu sein.

Sich Dinge zu Herzen zu nehmen, die Mitmenschen mit ihren unausgesprochenen Gefühlszuständen wahrzunehmen, allgemeingültige Annahmen zu hinterfragen, viel zu lachen und oft zu weinen.

Du bist wunderschön. Innen und außen.

So wie es der Großvater im Film „Little Miss Sunshine“ zu seiner Enkelin sagt. Wenn du einen Widerstand bei diesem Satz verspürst, mach dich auf den Weg, deine Schönheit zu entdecken. Finde deine eigene Weise, das zu tun, aber bleib nicht stehen, bis du dich als genauso schön erkennen kannst wie die Sonnenstrahlen, die dich am Morgen an der Nase kitzeln, das Rehkitz, das seine ersten wackeligen Schritte wagt oder die Nachbarin, die mit langen Beinen und wiegendem Schritt an deinem Fenster vorbeimarschiert. Hör nicht auf, bis du die Schönheit in dir wahrnehmen kannst, die immer schon da war und nie vergehen wird.  Mach weiter, bis es dir leichtfällt, dich über Komplimente zu freuen, bis du dich nicht größer oder kleiner zu machen brauchst, als du bist. Bleib dran, bis das Erkennen der Schönheit in dir und um dich herum dein Normalzustand wird, etwas das sonnenklar ist, eine Art der Wahrnehmung, die dir zur Verfügung stehst, wann immer du sie wählst. Keine rosarote Brille, sondern eine, die aus Erkennen und Respekt besteht.

Setz sie auf, rück sie zurecht und marschier los.

Karin Sommer, Bloggerin von www.empfindsamundstark.de

Wahre Liebe vergleicht nicht

(Von Denise Schäricke)

Kürzlich bin ich über ein Zitat von Anna Nym gestolpert: „Lieben heißt, nicht mehr vergleichen.“ Und dieser doch so vermeintlich einfache Satz hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Zum Nachdenken über das Leben, mein eigenes und das vieler meiner Klienten, die zu mir kommen und genau dies tun: vergleichen. Und sich damit in eine Gedankenspirale hinein manövrieren, die ihnen nicht gut tut und die ihnen auch gar nicht entspricht.

Vergleiche mit dem Ex

Wahre Liebe vergleicht nicht. Das bedeutet, wenn Sie wirklich lieben, dann gibt es keine Vergleiche mehr. Dann wird nicht mehr in der Vergangenheit gewühlt nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen dem jetzigen und dem alten Partner.

Dann gibt es einfach nur die Liebe.

Sobald Sie sich dabei ertappen so etwas zu denken wie: „Das hat XY aber immer so und so gemacht.“, dann sind Sie noch in der alten Beziehung verhaftet. Dann haben Sie etwas noch nicht komplett losgelassen. Hier gilt es genau hinzuschauen, ob es noch etwas zu verabschieden oder aufzuarbeiten gibt.

Fragen Sie sich doch einmal selbst:

  • Wieso genau denke ich jetzt, heute an die Vergangenheit? An den Menschen, der gar nicht mehr in meinem Leben ist?
  • Woher kommt es, dass ich jetzt genau diesen Vergleich ziehe?

Was gilt es noch zu beleuchten, damit Sie völlig frei in die neue Beziehung gehen können und den neuen Partner an Ihrer Seite voll und ganz mit neuen Augen sehen.

Vergleiche mit anderen

Wie sieht es nun mit der Selbstliebe aus, wenn Sie sich mit anderen vergleichen? Ich habe mal einen wunderschönen Spruch gelesen, denn ich sinnbildlich zitieren möchte:

Glaubst du denn wirklich, dass sich eine Schneeflocke mit einer anderen vergleicht?

Ein jeder von uns wurde gesegnet mit einem göttlichen Funken. Ein jeder von uns ist etwas ganz besonderes. So besonders, dass es niemanden von uns ein zweites Mal gibt. Jeder kann bestimmte Dinge und andere wiederum nichts. Jeder hat etwas Liebevolles und Bezauberndes an sich.

Es ist völlig egal, was mit der Person neben Ihnen ist. Sie sind einzigartig. Sie sind besonders.

Niemand ist so wie Sie. Niemand.

Solange das Vergleichen mit anderen Sie runter zieht, lassen Sie es. Wenn das Vergleichen mit anderen Sie hingegen motiviert, dann machen Sie mehr davon. Wenn Sie zum Beispiel sehen, wie jemand seine Ziele erreicht und sie diese Person zu ihrem Vorbild, vielleicht sogar zu Ihrem Mentor auserkoren haben, dann lassen Sie sich inspirieren – versuchen Sie aber bitte niemals zu kopieren. Denn das zeigt wieder, dass Sie in den Vergleich gehen und somit nicht in Ihrer Selbstliebe sind.

Eine Übung zum Thema Selbstliebe, die Sie sofort umsetzen können:

Schreiben Sie sich an 30 aufeinanderfolgenden Tagen jeden Tag auf einen Klebezettel eine Sache, die sie an sich selbst mögen.

Das kann etwas sein, das Ihren Charakter beschreibt oder etwas, das Sie besonders gut können oder auch etwas an Ihrer Optik, das Ihnen an sich selbst besonders gut gefällt. Diesen Zettel des Tages tragen Sie dann mit sich herum und kleben ihn immer so auf, dass Sie ihn vor sich haben und ab und an wirklich in diese eine Sache, die dort steht innerlich einsteigen und darüber sinnieren. Spüren Sie, wie sie langsam aber sicher anfangen zu lächeln und erleben Sie, was diese einfache Übung nach 30 Tagen mit Ihnen gemacht hat!


Denise Schäricke, Lifestyle Architektin,
Autorin von „Insidertipps – Onlinedating“
www.denise-schaericke.com

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Das Geschenk in Krisen erkennen und selbst zur Veränderung werden

(Von Christina Gruber-Eifert)

Wir leben aktuell in unruhigen Zeiten. Jeden Tag erreichen uns neue, beunruhigende Nachrichten. Die Welt, wie wir sie kannten hat sich seit März stark verändert und fordert von uns eine große Anpassungsfähigkeit und Flexibilität. Besonders den feinfühligen Menschen wird derzeit viel abverlangt. Neue Situationen, Herausforderungen und dazu auch noch die vielen unterschiedlichen Stimmungen ihrer Mitmenschen, die Hochsensible mit ihren feinen Antennen sehr genau registrieren.

Was kann in diesen belastenden Zeiten helfen? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Perspektivwechsel, ein kleiner Impuls schon die Sichtweise auf ein Thema positiv verändern kann. Während des Coaching stelle ich manchmal die Frage

„Für was könnte es gut sein?“.

Diese einfache Frage bringt manchmal verblüffende Antworten hervor und in der Reflektion kann ein „Geschenk“ der Situation sichtbar werden. Übertragen auf die jetzige Situation: „Welches Geschenk könnte in diesen Umständen verborgen liegen? Besonders für die feinfühlenden Menschen?“ Ich persönlich finde, es ist eine gute Gelegenheit um eine neue Balance für die eigene Selbstfürsorge zu finden. Darüber hinaus auch eine gute Übung zu lernen, sich manchmal bewusst abgrenzen. Oft sind nämlich die Ängste und die Sorgen, die wir wahrnehmen gar nicht unsere eigenen und wir haben die Stimmungen und Gefühle unbewusst von anderen übernommen. Es kann hilfreich sein sich zu fragen: „Sind das meine eigenen Empfindungen?“ Zu reflektieren und die Frage zu stellen:

„Was brauche ich momentan, damit es mir in dieser Zeit gut geht?“

Zum Beispiel das Bedürfnis nach längeren Pausen, mehr Zeit und Ruhe zum nachzudenken oder Kraft in der Natur zu sammeln. By the way: Wer gut für sich selbst sorgt, seine eigenen Bedürfnisse kennt und ihnen Raum gibt, betreibt aktive Gesundheitsförderung. Darüber hinaus habe ich drei weitere Inspirationen für meine Leser, wie sie ihren Fokus auf die „guten Dinge“ ausrichten können:

  1. Das Schreiben einer Dankbarkeitsliste für die Dinge im Leben, die man schätzt… Es hebt sofort die Laune.
  2. Ein kleine Achtsamkeitsübung, fern ab der Hektik und dem Lärm. Ganz bewusst in die Natur zu gehen und für einen Augenblick nur die Umgebung wahrzunehmen und/oder die Augen zu schließen.
  3. Ein Glas anlegen in dem Zettel mit schönen Momente gesammelt werden und nach Bedarf immer wieder gelesen werden können.

Mit dieser Selbstfürsorge tun wir allen etwas Gutes! Denn wenn es uns gut geht, wir in unserer Mitte sind, hat das auch einen großen Mehrwert für unser Umfeld. Wir strahlen Ruhe, Zuversicht und Lebensfreude aus. Das ist eine besonders wertvolle Stärke der Hochsensiblen! Mit unseren feinen Antennen sind wir in allen Lebensbereichen eine große Bereicherung für unsere Mitmenschen. Mit unserer hohen Empathie, dem Blick für Details und gleichzeitig dem aufs große Ganze, können wir schnell erkennen wo ein wichtiger Bedarf in der Welt für Veränderung besteht!

Durch unsere tiefe Verbundenheit zu anderen Menschen, der Natur und dem engagierten Einsatz für unsere Werte und Überzeugungen, können wir selbst zur Veränderung werden, die wir in der Welt sehen wollen!

Die Hochsensibilität wird durch uns zu einem großen und nachhaltigen Geschenk für die Gestaltung unserer Gesellschaft.


Christina Gruber-Eifert – Expertin für Entwicklung, Pädagogin & Coach
www.christina-grubereifert.com, 

www.instagram.com/christinagrubereifert
Podcast: „Lebensschritte gehen & Lebensschätze finden“z.B. bei Anchor www.anchor.fm/christinagrubereifert oder bei Apple, Sportify oder Google Podcast

Hochsensible suchen nicht den richtigen Beruf, sondern den richtigen Arbeitgeber

(Von Luca Rohleder)

Hochsensible Personen (HSP) nehmen Informationen und Eindrücke aus Umwelt und Umfeld detailreicher auf als Normalsensible. Insbesondere die Gabe, über einen sehr ausgeprägten 6. Sinn zu verfügen, lässt sie deutlich von der Masse unterscheiden. In der Summe resultiert daraus, dass das Nervensystem von HSP bedeutend mehr Informationen aufnehmen muss als üblich. Es sind somit nicht nur die herkömmlichen fünf Sinne, die ein hochsensibles Gehirn überlasten können, sondern vor allem die zahlreichen subtil empfangenen Informationen über Umwelt und Umfeld. Das Gehirn von HSP wird also schon ab Geburt außergewöhnlich intensiv beansprucht. Es erreicht infolgedessen recht schnell ein außergewöhnlich hohes Trainingslevel. Es entwickelt sich eine Art intellektuelle Hochleistungsmaschine für die Erfassung und Bewertung von Umwelteinflüssen.

Diese wunderbare Fähigkeit der detailreichen Aufnahme und Verarbeitung von Informationen ist praktisch in jedem Berufsfeld gewinnbringend einsetzbar. Dies ist auch die Ursache, warum HSP in nahezu jedem Tätigkeitsfeld anzutreffen sind. Kombiniert mit ihrem ungewöhnlich hoch ausgeprägten 6. Sinn, der HSP mit dem geheimnisvollen Reich der Ideen, Kreativität, Ahnungen und Einsichten verbindet, kann durchaus ein sehr erfolgreiches berufliches Gemisch entstehen. Es sind nicht nur Arbeitskollegen, Untergebene, Vorgesetzte oder berufliche Situationen präzise einschätzbar, sondern auch Unternehmenskonzepte und Arbeitsabläufe. HSP erkennen schon Probleme, Verbesserungspotenziale und sonstige Chancen, aber auch Unstimmigkeiten, während Normalsensible noch dabei sind, etwas umzusetzen oder zu verstehen.

Dank des 6. Sinns irren sich Hochsensible selten

In der Summe bringen Hochsensible also Persönlichkeitsmerkmale mit, die zumindest fachlich gesehen überall einsetzbar sind. Obwohl sich demnach nicht die Frage stellt, welche Berufsbilder besonders gut geeignet sind, quälen sich dennoch viele Hochsensible mit ihrer Berufstätigkeit. Bei näherer Betrachtung stellt sich jedoch heraus, dass es selten der falsche Beruf ist. Vielmehr spielen ungeeignete Arbeitsbedingungen die größere Rolle. HSP brauchen spezielle Rahmenbedingungen bei ihrer täglichen Arbeit. Faktoren wie positive Arbeitsatmosphäre, moralisches Handeln, ruhige Arbeitsplätze und eigenverantwortliches Arbeiten sind elementar wichtig für sie. Diese Kriterien sind nicht unbedingt abhängig vom Berufsbild, sondern vielmehr von der Firmenphilosophie. HSP suchen also nicht einen bestimmten Beruf, sondern den richtigen Arbeitgeber.

Meist unbewusst sind Hochsensible nicht auf der Suche nach einen bestimmten Berufsbild, sondern eher nach dem richtigen Arbeitsumfeld.

Da in der heutigen globalisierten Arbeitswelt immer öfter eine destruktive Arbeitsatmosphäre, lediglich improvisierte Arbeitsabläufe und manchmal sogar absurde Arbeitsanweisungen zu beobachten sind, geraten immer mehr HSP in Konflikt zu ihrem Naturell. Deshalb wenden sich viele Hochsensible früher oder später einer selbstständigen Tätigkeit zu, was den hohen Anteil von Freelancern, Kleinunternehmern und Firmengründern unter HSP zeigt. Dann können sie aufgrund ihres 6. Sinns und ihrer Kreativität erfolgreicher als Normalsensible, nicht nur neue Dienstleistungen oder Produkte, sondern auch funktionierende Marketing- und Verkaufsstrategien entwickeln sowie auf Business-Tauglichkeit abklopfen.

Der 6. Sinn kann auch als eine Art Geschäftssinn verstanden werden.

Besonders, wenn die Faktenlage unklar ist, kommt dem 6. Sinn von Hochsensiblen eine große Bedeutung zu. Wenn es um die intuitive Bewertung von neuen Geschäftsideens, von unternehmerischen Herausforderungen oder ganz einfach von Kundenwünschen geht, können Hochsensible jetzt aus dem Vollen schöpfen. Voraussetzung ist jedoch, dass sie im Laufe ihres Lebens gelernt haben, auf ihren 6. Sinn zu vertrauen. Erst dann begreifen sie meist, welch mächtige Gabe sie in sich tragen.

Luca Rohleder, Buchautor und Gründer des NETZWERKS HOCHSENSIBILITÄT


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DIE BERUFUNG FÜR HOCHSENSIBLE
Die Gratwanderung zwischen Genialität und Zusammenbruch
ISBN 978-3-9815711-4-1


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Die Gratwanderung zwischen wahrer Liebe und seelischen Verletzungen
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Schalen brechen – Liebe statt Angst

(Von Astrid Hess)

Kennst du die Angst dein Herz für die Liebe zu öffnen?

Kennst du das Zurück-Schreck-Gefühl, wenn aus deinem Herzen ein leuchtender Impuls sprudelt und dein Verstand sofort rückmeldet „Das kannst du doch nicht machen“.

Kennst du es … ,

  • dass du Impulsen nicht folgst,
  • dass du Worte nicht sagst,
  • dass du Dinge nicht tust…

weil dein Verstand dich zurück hält bzw. dich etwas hindert deinem Herzen zu folgen? Ist es dein Verstand…dein Ego… ? ….und wozu dient dir das?

Vertraute, scheinbar sichere Strukturen möchten aufrecht erhalten werden …dich schützen vor schmerzhaften Erfahrungen. Doch sie hindern dich auch daran glücklich, frei und liebend DU selbst zu sein.

Angst ist das Gegenteil von Liebe und Vertrauen. Aktuell wird Angst sehr genährt, nicht durch die Geschehnisse der Welt, sondern durch die Form der Verbreitung in den Medien. Ich erschrecke wie viele Postings z.B. auf Facebook unterwegs sind, die mit Texten und Fotos den Focus auf die Verbreitung der Gewalt lenken und somit auch Ängste und Unsicherheiten nähren.

„Was auch immer passiert, behalte dein Lächeln und verliere dich in der Liebe!“ (Rumi)

Wie wäre es, wenn dir das gelingt?

… wenn du frei deinem Herzen und deiner Sehnsucht folgst?
…doch vielleicht möchtest du dein Herz vor erneutem Schmerz zu schützen …

Du bist verletzt. Das verstehe ich sehr gut!

Wir alle sind verletzt und tragen Wunden…, Narben auf der Seele und in unserem Herzen. Ich begegne in meiner Praxis und in meinem Leben sehr vielen Menschen. Besonders in der Begegnung im Tanz spüre ich die verschlossenen Herzen, mit einer tiefen Sehnsucht nach Nähe, Liebe, angenommen und  verbunden sein.
Doch Stopp … bitte nicht zu nah … Ein Tanzpartner sprach es direkt aus „Du schaust so tief. Das möchte ich nicht.“ Ein Satz, gesprochen aus der Angst gesehen zu werden, aus einer tiefen Verletzung heraus, die im Herzen verschlossen, statt lieben angeschaut.

In unserem Erleben und Fühlen stehen aktuelle Erfahrungen erst mal im Vordergrund. Ein Mensch, den du geliebt hast, hat dich verletzt, dich verlassen, dich abgelehnt und diesen Schmerz willst du nicht noch einmal spüren. Doch dieser Mann, diese Frau hat diesen Schmerz nicht verursacht. Er/sie hat dich nur auf eine Wunde aufmerksam gemacht, die noch schmerzt, die vielleicht noch nie gesehen, gehalten, oder beweint wurde. Es ist eine alte Wunde.

Meine tiefste Verletzung ist so alt wie ich heute bin. …und ich brauchte ein paar Jahre um so weit zurück zu gehen und dort die Ursache zu entkernen. Der Weg dorthin führte über viele Begegnungen und Beziehungen, in denen diese Wunde immer wieder berührt, ja auch aufgerissen wurde. Und oft sah ich nur das Jetzt…die Schuld in dem Anderen, der mir diesen Schmerz zufügt.
Ich habe mir natürlich die Frage gestellt, „was ist mir, dass mir das immer und immer wieder begegnet?“ Ich bin immer schon den Weg der Liebe gegangen, habe aber dabei unbewusst genau die Menschen in mein Leben geholt, die mich immer wieder an der gleichen Stelle verletzten konnten. Das war mir vertraut, da kannte ich mich aus. Jede erneute Begegnung hat mein „scheinbares“ Wissen und meine Erfahrung bestätigt, dass mit mir irgendetwas nicht stimmt.

Also Herz und Liebe einpacken, funktionieren und dem Verstand folgen….hmmm …..!!!

Diese Entscheidung konnte ich nie wirklich lange halten, denn ich hörte dabei auf lebendig zu sein. Da ich das Leben so sehr liebe, ich hier auf dieser Erde, um zu lieben…und dazu noch Mega neugierig und auch mutig bin, brach ich Schale um Schale ….

 „Lieber ein volles Herz mit Flattern in den Beinen
Wie ein Adler hoch geflogen hin zum Horizont
Lieber tief getaucht Ozeane zu ergründen
Lieber ein Feuer in der Seele als nie geliebt“
(Elke Voltz)

In der Liebe entfaltet sich Freiheit, Glück, Freude, Lachen. Vertrauen, Sein und wahres Miteinander … und nur in der Liebe.

Nach meiner therapeutischen Ausbildung machte es in meiner Ausbildung zur Lebens- und Trauerbegleitung 1998 ein heftiges „klick“. Ich bin willkommen, wenn ich mich selbst willkommen heiße, wenn ich mich selbst in den Arm nehme und liebe. Ach so……..es genügt nicht dies zu wissen, ich muss es auch tun und fühlen!

Ich bin willkommen und werde geliebt, wenn ich mich mir selbst zuneige, den Focus von anderen weg nehme und begreife, dass ich die schmerzhaften Wiederholungen in mein Leben hole. Nicht da draußen liegt das heil werden, es liegt in mir!

Aha, ich wähle meinen Weg
Aha, ich wähle meine Gegenüber
Aha, ich wähle Glück
Aha, und ich wähle auch wie ich mit all dem was ich erfahre umgehe

„Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben,
sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist, als die Angst.“

(Ambrose Red Moon)

Und glaube mir – Liebe ist wichtiger.

Ich möchte dir Mut machen, denn es funktioniert und es lohnt sich. Raus aus der Angst und hinein in die Liebe. Nimm deinen Schmerz in dein Herz und gehe für die Liebe.
Beginne mit einer Reise zu deinem inneren Kind. Schau, wo hat die Verletzung begonnen. Nimm es in deine Arme, sei das für dein Mädchen, deinen kleinen Jungen. Nähre es, halte es, heile es. Dort beginnt deine Selbstliebe.
In diesem Prozess wirst du frei und selbstbestimmt, um nicht anderen Menschen oder der Welt die Verantwortung zu übergeben.

Liebe, als seist du nie verletzt worden

Entscheide dich für die Liebe. Das kannst du jetzt sofort ausprobieren. Öffne deine Arme und halte dich liebevoll und warm, so wie du dein Kind oder einen von dir geliebten Menschen hältst..und wenn dir das komisch vorkommt oder du erst mal nicht fühlst…ok. Das darf sein. Das geht nicht immer sofort. Vielleicht taucht ein Schmerz auf, wunderbar- da geht’s lang!

…und wenn das nächste Mal ein Mensch deine Wunde berührt, spüre es. Erlaube dir den Schmerz zu fühlen, sprich es aus, zeige dich damit…es geschehen Wunder. Denn der Mensch, der dein Innerstes trifft, trägt in sich ebenso einen Schmerz. Er handelt nicht, um dich zu verletzen, sondern um sich vor seinem eigenen Schmerz zu schützen.

Wirkliche Furchtlosigkeit erwächst aus der Zartheit, aus der Bereitschaft,
dein verwundbares, wunderbares Herz von der Welt berühren zu lassen.
Du bist bereit, dich ohne Abwehr und ohne Scheu der Welt zu öffnen,
und du bist bereit, dein Herz mit anderen zu teilen.
(Chögyam Trungpa)

Sei du der Beginn
Trau dich bedingungslos zu lieben
Beginne mit dir
Vertraue, das Leben ist …wird so wunderbar.

Ich bin immer noch verletzlich. Das möchte ich auch nicht ändern. Doch wenn heute ein geliebter Mensch meine tiefste Wunder berührt, dann weiß ich: „Das ist Vertrauen.“ Ja, es darf auch schmerzen, doch ich muss mein Herz nicht mehr verschließen. Ich bleibe in der Liebe und in meiner Verantwortung. Damit entlasse ich den anderen aus seiner „Schuld“, denn es ist mein Schmerz.
Es ist eine Erinnerung, mehr nicht.

Indem ich es Dasein lasse und mitteile, können unsere Herzen offen und in Liebe bleiben. Gibt es ein größeres Geschenk?

Ich bin dankbar für jede Begegnung, denn alle haben mir in verschiedenen Lektionen aufgezeigt was in mir ist…


Astrid Hess, Zauberfrau – Mentorin – Berührende Astrid,  www.astridhess.de

Die Besonderheiten des hochsensiblen Körpers

(Von Monika Richrath)

Bei hochsensiblen Menschen kann schnell mal der Eindruck aufkommen, dass der eigene Körper eher Feind als Freund ist, aufgrund der ganz besonderen Bedürfnisse. Mir ist es jedenfalls so gegangen (und ich bin ganz sicher, dass ich damit nicht alleine stehe!).  Ständige Überreizung und daraus resultierende Erschöpfung, unerklärliche körperliche Symptome, die sich über Wochen hinziehen können, ohne dass je von Seiten der Schulmedizin dafür eine einleuchtende Erklärung gefunden werden könnte, chronische Schmerzen, Nervosität, Unruhe, Rastlosigkeit (besonders schlimm, wenn man gerade sehr erschöpft ist), Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Es gibt praktisch nichts, womit unser Körper uns nicht quälen könnte.

Ausgeliefert und getrennt

Als ich noch nichts von Hochsensibilität wusste und von diesen besonderen körperlichen Bedürfnissen, habe ich mich meinem Körper oft regelrecht ausgeliefert gefühlt, weil ich ihn nicht verstand und nicht wusste, was vor sich ging. Etwas war definitiv nicht in Ordnung (das konnte ich genau spüren), aber weder fand ich heraus, was, noch konnte ich jemanden finden, der meiner Meinung war geschweige denn versucht hätte, herauszufinden, was los war. Im Zuge der Erforschung meiner eigenen Hochsensibilität ist mir recht schnell klargeworden, dass eine der wirklich großen Schwierigkeiten hochsensibler Menschen ist, dass viele völlig von ihrem Körper getrennt sind und hauptsächlich im Kopf leben.

Überbewertung des Verstandes

Das führt nicht nur dazu, dass der Verstand, und alles, was sich im Kopf abspielt, vollkommen überbewertet wird, sondern auch dazu, dass die körperlichen Bedürfnisse häufig auf geradezu sträfliche Weise vernachlässigt werden. Dies geht aber nur eine gewisse Zeitlang gut – spätestens im Burnout wird klar, dass es so nicht funktioniert.

Freundschaft schließen mit Ihrem hochsensiblen Körper

Um Hochsensibilität gut leben zu können, brauchen hochsensible Menschen dringend und unbedingt eine gute Verbindung zu ihrem Körper. Wenn Sie das schaffen, dann haben Sie einen ganz riesigen Schritt nach vorne gemacht. Deswegen habe ich hier eine 5-Schritte-Anleitung für Sie erstellt:

  1. Akzeptieren Sie die besonderen Bedürfnisse Ihres hochsensiblen Körpers

Das mag jetzt sehr einfach klingen, ist es aber nicht. Es bedeutet, dass Sie aufhören müssen, sich mit anderen Menschen zu messen, ihrer Arbeitsweise, ihrer Leistungsfähigkeit, ihrer Umgebung. Akzeptieren Sie, dass Sie mehr Pausen brauchen, mehr (und besseres) Essen, mehr Schlaf, mehr Natur, mehr Entspannung …

  1. Stellen Sie sich Ihren Körper als ein Baby oder Kleinkind vor, das gehätschelt werden muss

Vielleicht haben Sie schon von der Arbeit mit inneren Anteilen gehört. Dies bedeutet nichts anderes, als dass man verschiedene Persönlichkeitsanteile zu verschiedenen inneren Personen macht. Am erfolgreichsten ist es, wenn Sie den verschiedenen Anteilen Namen geben, das können Sie auch mit Ihrem Körper machen. Gewöhnen Sie sich an, mit Ihrem Körper zu sprechen, bzw. in einen Dialog zu treten.

  1. Hören Sie auf Ihren Körper

Halten Sie immer wieder mal ein im Laufe des Tages und fragen Sie Ihren Körper, wie es ihm geht. Was braucht er jetzt, um sich wohlzufühlen? Manchmal reicht schon eine Runde um den Block, die Hände ein paar Minuten auf die Augen zu legen, ein heißes Bad, eine Kleinigkeit zu essen, oder zu klopfen …

  1. Bewegen Sie sich regelmäßig

Das ist ebenso wichtig. Am besten täglich. Was und wie Sie es machen, ist eigentlich egal, nur dass Sie es tun, ist wichtig. Es ist besonders wichtig, wenn Sie unter Fibromyalgie leiden oder anderen chronischen Schmerzen. In dieser Situation ist man häufig geneigt, Bewegung einzuschränken, das ist aber grundfalsch. Ich mache jetzt morgens Nordic Walking, habe aber auch schon über Jahre hinweg Gymnastik gemacht. Was wirklich ganz toll ist und ein Minimaltipp (den Sie sogar hinkriegen können, wenn Sie Kinder haben): Tanzen Sie morgens auf Ihr Lieblingstanzlied. Das reicht.

Die Bewegung des Laufens wirkt übrigens entgiftend. Daher ist Duschen oder Waschen hinterher sehr sinnvoll. Und das Tüpfelchen auf dem i ist es, wenn Sie hinterher keine Lotion verwenden (die verstopft die Poren), sondern nur ein gutes Körperöl. Für mich fühlt sich das so an, als hätte ich ein Ganzkörper-Sinnesorgan … herrlich …

  1. Genießen Sie die Zusammenarbeit mit Ihrem Körper

Es wird ein bisschen dauern (aller Anfang ist schwer), aber wenn Sie es schaffen, das eine Weile durchzuziehen, werden Sie eines Morgens aufwachen und merken, dass Sie sich auf Ihre körperliche Aktivität freuen und dass diese Freude im ganzen Körper ist, dass auch der Körper sich freut. Das ist ein wundervoller Moment! Wenn Sie dabeibleiben, werden Sie merken, dass sich insgesamt Ihr Wohlgefühl verbessert, die Bewegung gibt Ihnen Energie, Prozesse im Körper, die vorher schwierig waren, gehen möglicherweise leichter vonstatten (z. B. Schwierigkeiten bei der Verdauung).

Sie werden außerdem merken, dass Ihr Körper dieses Zugeständnis an sein Bedürfnis nach Bewegung honoriert (denn menschliche Körper sind genetisch auf Bewegung ausgelegt). Das klappt aber natürlich nur, wenn Sie wirklich Ihrem täglichen Bedürfnis nach Bewegung nachgeben. Sie sind nun besser mit Ihrem Körper verbunden und bekommen schnellere Rückmeldungen für Dinge die gehen oder auch nicht. Das finde ich äußerst wertvoll und wunderbar. Es versteht sich von selbst, dass Sie dann aufhören, mit und über Ihren Körper zu schimpfen, das bringt mehr Selbstliebe und -akzeptanz in Ihr Leben.

Besonders toll ist es natürlich, wenn Sie die Klopfakupressur (EFT Klopftechnik) anwenden, um mit Körperarbeit Prozesse im Kopf zu bearbeiten, Blockaden und stressauslösende Glaubenssätze aufzulösen oder schwierige Situationen zu verändern. Der Körper machts – das bringt 1000 Mal mehr als über etwas nachzudenken – probieren Sie es aus!

Leichte Bewegung ist äußerst wohltuend

Das merke ich selbst immer wieder. Ich hätte selbst niemals damit gerechnet, dass ich von 5-10 Minuten Nordic Walking täglich auf 30 Minuten kommen könnte – und das ist erst der Anfang!

Sportlicher Ehrgeiz geht mir eigentlich vollkommen ab, aber ich bewege mich gerne. Es hat daher eine Weile gebraucht, bis ich herausgefunden habe, dass Schwimmen und Nordic Walking für mich die perfekten Sportarten sind. Vor einer Weile habe ich mir dann mal einen 10-Wochen-Plan erstellt, ausgehend von meinem damals minimalen Leistungsvermögen von 5 Minuten täglich. Mehr habe ich mir nicht zugetraut. Am Ende der 10 Wochen stehen 5 Km am Tag. Bis jetzt bin ich noch gar nicht dort angekommen, denn es passiert immer wieder, dass ich den Plan aufgrund unvorhergesehener Ereignisse (wie z. B. den Tod meiner Mutter), aussetzen muss. Ich fange aber immer wieder neu an, diesmal aber bei 15 oder 20 Minuten. Ich bin ganz zuversichtlich, dass ich es bis zum Ende schaffen werde. Insgeheim denke ich ja auch schon über die 5 km täglich hinaus …

Wie sieht es mit Ihnen aus? Arbeiten Sie mit Ihrem Körper zusammen? Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht? Ich freue mich über Ihre Kommentare.

Monika Richrath,
Buchautorin und Klopfakupressur-Therapeutin,
www.eft-fuer-hochsensible-menschen.de


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Warum Empathen in der Liebe manchmal die Falschen kennenlernen

(Von Luca Rohleder)

Wie ich bereits in dem Buch DIE LIEBE EMPATHISCHER MENSCHEN beschrieben habe, ist das Hauptwesensmerkmal von empathischen Menschen ihr stark ausgeprägtes Einfühlungsvermögen. Sie sind sozusagen permanent auf Empfang geschaltet. So spüren sie auch Subtiles aus Umwelt und Umfeld. Auf der einen Seite bringt dies natürlich einige Vorteile, auf der anderen kann ein hohes Einfühlungsvermögen auch belastend sein. So mancher Mitmensch trägt schließlich nicht nur positive Aspekte in sich, und dies spüren empathisch veranlagte Menschen natürlich sehr deutlich. Sie beschließen deshalb, meist schon ab ihrer Kindheit, vor Fremden auf der Hut zu sein und eine gewisse Habachtstellung einzunehmen. Dass dies später auch bei der Partnerwahl dramatische Auswirkungen hat, liegt auf der Hand:

Viele empathische Menschen entwickeln bezüglich potenzieller Liebeskandidaten eine hohe emotionale Schutzmauer.

Deshalb muss das Objekt der Begierde erst einmal einseitig einige emotionale Hürden bei Empathen überwinden. Solange im Vorfeld keine seriösen und vertrauensvollen Absichten zu beobachten sind, bleiben Empathen in der Liebe verschlossen wie eine Auster.  Zu hoch wäre das Risiko, verletzt zu werden. Sie überlassen daher besonders in jungen Jahren alle ersten Schritte der Anbahnung von Liebesbeziehungen dem anderen. Das Gegenüber ist es, das erste Schritte zu wagen und erste eindeutige Signale zu senden hat. Das heißt, der andere muss zunächst den Mut aufbringen, das emotionale Risiko der Ablehnung auf sich zu nehmen, bevor empathische Menschen bereit sind, sich etwas zu öffnen.

Empathen tun sich in der Regel schwer, selbst aktiv eine neue Liebesbeziehung anzubahnen.

Was jedoch viele dabei nicht berücksichtigen, sind grundsätzliche Prinzipien des Gelingens von Liebesbeziehungen. Jeder Paartherapeut weiß: Je mehr charakterliche Übereinstimmungen zwei Personen aufweisen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, ein glückliches und vor allem langes Liebesglück zu realisieren. Das bedeutet für unseren Fall, dass passende Liebeskandidaten idealerweise ebenso empathische Fähigkeiten mitbringen sollten. Der Widerspruch wird jetzt sicher schnell offensichtlich, denn die passende Zielgruppe für Empathen trägt natürlich die gleichen bereits beschriebenen Sicherheitsansprüche in sich, wenn es um die Liebe geht.

Treffen Empathen bei der Partnersuche das erste Mal auf Menschen, die ebenso empathisch veranlagt sind, passiert in der Regel nichts.

 Manchmal warten sie sogar bis zum Nimmerleinstag. Obwohl beide Parteien sich vielleicht vom jeweils anderen angezogen fühlen oder sich auf sonstige Weise insgeheim als passend einstufen, erwartet jeder etwas vom Gegenüber, was er selbst nicht wagt zu tun. Beide Seiten haben hohe emotionale Sicherheitsbarrieren und Schutzmauern aufgebaut und möchten erst einmal für sich selbst beobachten, ob emotionale Gefahren künftig drohen könnten. Beide verlassen infolgedessen ihre emotionale Deckung nur selten.  Keiner von beiden ist wahrscheinlich bereit, als erstes die emotionalen Hosen runterzulassen.

Empathische Menschen vergessen leicht, dass die für sie passenden Kandidaten und Kandidatinnen die gleiche Erwartungshaltung in Sachen Liebesengagement haben wie sie selbst.

Dies kann soweit führen, dass sich zwei empathische Menschen zwar gegenseitig eindeutig entdecken, wahrnehmen, zufällig sehen oder auf sonstige Weise aufeinandertreffen, und beide sogar deutlich interessiert sind, es aber noch nicht einmal zu einer simplen Kontaktaufnahme kommt. Dann standen vielleicht zwei Menschen gegenüber, auf die eine große Liebesbeziehung bereitgestanden hätte, aber keiner der beiden war bereit, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen.

Empathische Menschen spüren zwar sehr wohl, wenn ihnen das Schicksal gerade die Hand reichen möchte. Sie können sich aber oft nicht überwinden, mutig zuzugreifen.

So ist es tatsächlich möglich, dass einige empathische Menschen in der Liebe auf glückliche Zufälle hoffen, aber gleichzeitig nicht bemerken, dass diese bereits längst geschehen sind.

Und dennoch gehen nahezu alle Empathen irgendwann einmal eine Partnerschaft ein. Stellt sich demnach die Frage, wie das wohl im Vorfeld mit der Anbahnung geklappt hat. Welcher Persönlichkeitstyp war es denn, der in der Kennenlernphase das Heft in die Hand genommen hat? Welcher Typus Frau oder welcher Typus Mann hat damals wohl die Initiative ergriffen und das Risiko der emotionalen Enttäuschung einseitig in Kauf genommen? Die Antwort ist recht einfach:

Nur Menschen mit geringer empathischer Veranlagung werden in der Anbahnung von Liebesbeziehungen eher eine Herausforderung sehen als ein emotionales Risiko.

Besonders Nichtempathen sind emotional bzw. psychisch nicht sonderlich fragile Wesen. Damit tragen sie auch kein Risiko in sich, sonderlich verletzt zu werden. Manche können sogar fröhlich eine emotionale Ablehnung nach der anderen einfangen, ohne Gefahr zu laufen, ihre innere Stabilität zu verlieren. Ausschließlich Nicht- oder Wenigempathen haben nahezu keine Angst, sich einen Korb abzuholen. Sie sind sogar imstande, eine lange Zeit vermeintliche emotionale Widerstände zu ertragen, ohne ihre Motivation zu verlieren, jemanden trotzdem erobern zu können.

Die passendere, empathisch verlangte Zielgruppe würde diese Verhaltensweisen niemals an den Tag legen.

Damit bleiben nur Nichtempathen übrig – solche Personen, die problemlos aus sich herausgehen können, weil ihnen die hohe innere Verletzbarkeit völlig fremd ist. Besonders in der ersten Lebenshälfte fühlen sich Empathen natürlich von dieser vermeintlichen nichtempathischen Risikobereitschaft angezogen. Diese anfängliche Einseitigkeit nehmen Empathen natürlich gerne in Anspruch, schließlich löst das alle ihre Probleme. Sie können emotional in Deckung bleiben, bis sie sich sicher sind, dass keine Gefahr mehr droht und sie sich unbesorgt öffnen können. Nur vergessen sie dabei oft, mit welchem Menschenschlag sie es dabei gerade zu tun haben.

Erst in der Rückschau wird empathischen Menschen klar, dass sie sich in jungen Jahren manchmal an Menschen gebunden haben, die zu wenig Einfühlungsvermögen und Tiefgang hatten.

Die Betonung liegt auf „jungen Jahren“, denn im Laufe des weiteren Lebens ändert sich bei Empathen oft alles in der Liebe. Je erfahrener sie werden, desto eher sind sie in der Lage, ihre emotionale Schutzmauer einzureißen. Dadurch beginnen sie nach und nach, selbst Initiative und Verantwortung zu übernehmen. Sie selbst sind es nun, die bereit sind, zu tun, was sie in jungen Jahren ausschließlich vom Gegenüber erwartet haben. Wenn die Resilienz aufgrund der fortgeschrittenen Lebenserfahrung größer und größer geworden ist, können sie tatsächlich ihre wahre Zielgruppe entdecken. Sie können Initiative zeigen und das Liebesglück selbst beim Schopfe packen. Sie sind nicht mehr auf das einseitige Vorgehen von Nichtempathen angewiesen.

Trifft dann ein Empath in der Liebe auf einen anderen empathischen Menschen, kann er ihm sogar behilflich sein, eigene Liebeshürden einzureißen. Manche Empathen gehen sogar konsequent dazu über, die Kontaktaufnahme selbst zu initiieren. Dann sind alle Voraussetzungen erfüllt, damit einfühlsame, tiefgründige Menschen zueinanderfinden können. Jetzt ist der Weg frei für eine völlig andere Qualität der Liebe.

Trifft Einfühlungsvermögen auf Einfühlungsvermögen und Tiefgang auf Tiefgang, dann ist ein Liebeslevel möglich, das für Trophäensammler und Trophäensammlerinnen immer unerreichbar bleiben wird.

Luca Rohleder, Autor von „Die Liebe empathischer Menschen“ und Gründer des Netzwerks Hochsensibilität


Luca Rohleder
DIE LIEBE EMPATHISCHER MENSCHEN
Die Gratwanderung zwischen wahrer Liebe und seelischen Verletzungen
ISBN 978-3-9822120-8-1, 3. Auflage , 01.05.2021




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Wie Du Beziehungen zur Selbstfindung und Abgrenzung für Dich nutzen kannst

(Gastbeitrag von Ursula Ines Keil)

Zu Beginn ein paar einführende Sätze zum grundsätzlichen Aufbau der Welt. Sie ist aus den polaren Gegensätzen, die einen Bezugsrahmen für Erfahrung schaffen, wie Mann und Frau, Leben und Tod, Tag und Nacht, heiß und kalt oder Macht und Ohnmacht, aufgebaut. Die Polarität der Welt ermöglicht und ist gleichzeitig notwendige Voraussetzung für die bewusste Wahrnehmung. Die Erscheinung der Welt in Gegensatzpaaren ist für die meisten von uns klar und einleuchtend. Doch in unserem tiefen Inneren träumen wir immer vom Zustand ursprünglicher Einheit und Geborgenheit, ähnlich wie wir dies im Mutterleib erfahren.

Daher vollzieht sich unsere menschliche Entwicklung vor allem in Beziehungen. Wir sind uns dabei gegenseitig nützlich, indem wir uns durch den vorgehaltenen Spiegel des anderen immer wieder neu sehen und entdecken können. Kritisch wird es erst an dem Punkt, wenn wir dabei vergessen, unser eigenes Bild von uns darin zu erschaffen und uns stattdessen nur noch danach richten, was andere von uns denken, erwarten oder sagen.

Nehmen wir einen Apfel als Beispiel. Angenommen der innere Bauplan – zu verstehen als Wunsch der eigenen inneren Stimme – entspricht dem eines gelben Apfels, doch im Laufe der Zeit lernt man auch rote und grüne Äpfel kennen. Aufgrund äußerer Umstände, beispielsweise der Erziehung, kommt man zu dem Entschluss, dass man lieber ein roter oder ein grüner Apfel sein wolle. In diesem Moment fängt man an, sich immer mehr von sich selbst zu entfernen. Dies verdeutlicht ein Albert Einstein zugeschriebenes Zitat: „Jeder ist ein Genie! Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, dass er dumm ist.“

Im Grunde versuchen wir sehr häufig, jemand anderes als wir selbst zu sein. Dies läuft bei den meisten unbewusst ab. Innerhalb von Beziehungen findet ein ständiges Pendeln zwischen zwei Polen statt – einerseits gleichen wir uns an den anderen an und andererseits grenzen wir uns von ihm ab, um uns selbst zu finden.

Doch wie funktioniert das Ganze?

Man kann es sich ungefähr so vorstellen: „Am Morgen stehen die meisten von uns im Bad vor dem Spiegel. Angenommen man entdeckt zum Beispiel in seinem Gesicht einen Pickel oder einen Fleck, der einem missfällt. Wo würde man dann den Pickel oder den Fleck entfernen? Bei sich oder am Badspiegel? Natürlich bei mir selbst‘, wird man jetzt sicher sagen. Doch wie sieht es aus, wenn man das Bad verlässt? Was tut man dann zum Beispiel auf der Arbeit oder in der Beziehung? Im Grunde alles, was wir bei uns selbst ablehnen, finden wir auch in der Außenwelt auf ähnliche Art und Weise wieder. So werden uns also an diesem Tag auch Leute mit Pickeln oder Flecken begegnen, eventuell ist darunter sogar der eigene Partner, um es einem stellvertretend zu spiegeln. Nur vergessen wir oft, dass der Pickel oder Fleck ja an einem selbst ist, und wir fangen plötzlich an, ihn bei unserem Gegenüber ausdrücken oder wegmachen zu wollen.“

Dieses Beispiel lässt sich auf alle Bereiche unseres Lebens anwenden. Wir übertragen ständig unsere eigenen Themen auf unser Gegenüber. Letztendlich bedeutet das also nichts anderes, als dass man anderen Menschen Themen, Ängste, Schwächen oder Probleme zuschreibt, die man selbst unbewusst in sich trägt. In dem Moment, wo man sich über jemand anderen aufregt, redet man somit im Grunde von sich selbst. Sich hier einmal bewusst zu beobachten lohnt sich in jedem Fall!

Was uns am anderen stört, finden wir in uns selbst, denn sonst könnte es uns niemals stören.

Doch was nützt uns das? Allein schon diese Tatsache zu akzeptieren erfordert einen gewissen Mut. Denn wenn man versteht, dass wir alle dieses Spiel betreiben, und sich bewusst einmal damit auseinandersetzt, kann man von da an nicht mehr so einfach über andere urteilen. Nun ist stets die Frage mit im Raum, ob es sich dabei gerade um die eigene Thematik handelt. Das vorherige Schwarz-Weiß-Denken bekommt dann ein paar Graustufen. Das Ganze mag vielleicht anstrengend erscheinen, doch dafür wird man als Mensch ein Stück reifer, erwachsener und differenzierter. Sobald man sich immer häufiger die Frage stellt: „Was hat die jeweilige Situation mit mir zu tun?“, kommt man wieder vielmehr mit sich, seinen Gefühlen und somit mit der eigenen inneren Stimme in Verbindung. Dadurch kann man dann auch die verlagerten Themen auf sein Gegenüber zurücknehmen. Ein Erstaunen wird nicht ausbleiben, wie sich in solchen Momenten manch festgefahrene Situation verändert. Einerseits bekommt man immer mehr das Geschenk der Selbstfindung und andererseits schafft man es sich abzugrenzen, um gemäß seines eigenen „inneren Bauplans“ (analog dem Apfel) sein Leben zu gestalten. Ich kann an der Stelle nur jeden ermutigen, sich dies einmal vor Augen zu führen.

Sich selbst mit Hilfe der inneren Stimme zu finden und abgrenzen lernen, ist sehr nachhaltig und lebensbereichernd.

Damit sagt man „Ja“ zu sich selbst. Viel Mut und Kraft dabei!

Ursula Ines Keil, Buchautorin und psychotherapeutischen Heilpraktikerin
www.facebook.com/ursulaineskeil
www.heilkundetherapiezentrum.de


URSULA INES KEIL

Dein Inneres zeigt Dir den Weg
Die geheimnisvolle Sprache der inneren Stimme verstehen lernen

Hochsensiblität und die Sache mit dem Abnehmen

(Auszüge aus meinem Interview mit der Gesundheitsexpertin Daniela Galitzdörfer)

Rohleder: Liebe Daniela, Du hast die beiden Konzepte SENSITIVE UND STRONG und DENK DICH SCHLANK entwickelt. Zudem hast Du gerade ein Buch veröffentlicht. Du schreibst darüber, wie man schon allein mit der richtigen Geisteshaltung viel erreichen kann, um das eine oder andere Kilo loszuwerden. Warum ist dieses Thema besonders für Hochsensible relevant?

Daniela Galitzdörfer: Gerade für Hochsensible kann es sehr herausfordernd sein, einen gesunden Lebensstil zu leben. Sie sind in vielen Bereichen von Natur aus sensibler und feinfühliger. Oft werden etliche Nahrungsmittel nicht vertragen und viele Hochsensible haben daher bereits in ihrem Umfeld den Stempel eines „schwierigen Essers“ abbekommen. Aufgrund ihrer Unverträglichkeiten sind sie daher häufig damit konfrontiert aufzufallen und je nach Reaktion des Umfelds anzuecken. Da ihnen aber die Harmonie mit ihrem Umfeld so sehr am Herzen liegt, fällt es ihnen besonders schwer, Nahrungsmittel abzulehnen, die sie schlecht vertragen, eine Diät konsequent durchzuhalten oder eine Sporteinheit zu absolvieren, weil Freunde und Familie Aufmerksamkeit einfordern.

Ein schlanker und gesunder Lebensstil hat viel mit den typischen hochsensiblen Themen Abgrenzung und Entscheidung zu tun. Und das sind Themen, die Hochsensiblen aufgrund ihres Naturells von Haus aus nicht leichtfallen. Sie stecken also ständig im Konflikt entweder ihre Ziele zu verfolgen oder Gefahr zu laufen, die Harmonie in ihrem Umfeld gefühlt zu gefährden. Gefühlt verwende ich hier deshalb, da allein der Gedanke, die Harmonie mit einem geliebten Menschen zu gefährden, für einen Hochsensiblen ausreicht, um seine Wünsche hintenanzustellen. Lieber wird trotz Diätwunsch das Stück Torte gegessen, als die Verwandten zu verletzen, indem das Kuchenstück abgelehnt wird. Und hier gilt es umzudenken und alternative Verhaltensweisen zu entwickeln.

Rohleder: Wie kann das denn aussehen? Umzudenken und alternatives Verhalten zu entwickeln?

Daniela Galitzdörfer: Dazu kann man leider keine pauschale Antwort geben. Letztlich ist das auch ein Teil des Konzepts hinter DENK DICH SCHLANK, dass es sowohl ganzheitlich ist, aber in vielerlei Hinsicht auch individuelle Bedürfnisse berücksichtigt. Jeder hat seine eigenen Denkmuster, die es erst einmal zu entdecken gibt. Diese heißen Glaubenssätze. Zusätzlich haben wir über die Jahre Blockaden und Hindernisse im Denken entwickelt oder von unseren Eltern und Vorbildern übernommen, die uns zusätzlich im Weg stehen. Es ist mir ebenfalls wichtig zu betonen, dass man Dinge ändern und Probleme nicht nur verstehen, sondern aktiv überwinden kann. Mein Anliegen ist es, einen schlanken und gesunden Lebensstil für jeden zugänglich und erreichbar zu machen.

Rohleder: Kann das wirklich funktionieren?

Daniela Galitzdörfer: Selbstverständlich, letztlich geht es um die mentale Einstellung. Ausschlaggebend ist, wie wir das Thema Ernährung, Bewegung und gesunder Lebensstil angehen und wie wir darüber denken. Einerseits ist es wichtig, das notwendige Wissen zu erhalten, wie das Abnehmen prinzipiell funktioniert. Andererseits ist es essenziell, eine entsprechende mentale Einstellung zu entwickeln, damit das Gewicht reduziert, aber auch gehalten werden kann. Denn letztlich geht es nicht nur darum, einmal Gewicht zu verlieren, sondern darum die Hintergründe zu verstehen, wie und warum es zu Übergewicht kam und wie unsere Psyche uns bei der Gewichtsreduktion und dem Gewichthalten unterstützen kann.

Es ist notwendig die Thematik Gewichtsreduktion und gesunder Lebensstil auf eine solche ganzheitliche Weise anzugehen, wenn man nachhaltig etwas verändern möchte. Hier soll mein Buch als Inspiration und Hilfestellung dienen. Denn im zugrunde liegenden Konzept ist der ganzheitliche Ansatz die Basis, es werden sämtliche Faktoren betrachtet, die mit einem nachhaltigen schlanken und gesunden Lebensstil zusammenhängen. Das war mir das wichtigste Anliegen.

Rohleder: Wie kamst Du zu dem Konzept DENK DICH SCHLANK?

Daniela Galitzdörfer: Zunächst hatte ich das Glück in einem Elternhaus aufzuwachsen, in dem mir die Basis für einen gesunden Lebensstil vermittelt wurde. Dazu zählen für mich Faktoren wie gesunde Ernährung, regelmäßige, gemeinsame Mahlzeiten, aber auch Disziplin, Durchhaltevermögen und die Freude an Bewegung, Sport und der Natur. Dadurch hatte ich zwar nie Probleme mit starkem Übergewicht, trotzdem war das Prinzip hinter Zu- und Abnahme immer ein Mysterium für mich. Zudem wollte ich auch im hohen Alter noch fit, aktiv und lebensfroh sein. Das führte mich dazu, mich intensiver mit der Frage auseinanderzusetzen, welche Faktoren wir beeinflussen können, die es ermöglichen bis ins hohe Alter fit, leistungsfähig und gesund zu bleiben.

Vor einigen Jahren erkrankte ich schwer an Pfeifferschem Drüsenfieber. Ich konnte über ein halbes Jahr kaum aufstehen und das Bett verlassen. Der anschließende Weg zurück ins Leben und einen leistungsfähigen Alltag war ein Kampf. Es dauerte drei Jahre, bis ich mich mit viel Konsequenz und Geduld vom 200m Spaziergang, nach dem ich mich einen Tag erholen musste, wieder zurück zum 10km Lauf gekämpft hatte. In dieser Zeit konnte ich durch Konsequenz, Disziplin und entsprechende Ernährung einen großen Teil meiner Lebensqualität zurückgewinnen.

Es ist mir ein Anliegen diese Erfahrung in Kombination mit meinem Fachwissen als Fitnesstrainerin und meiner Berufserfahrung als Coach weiterzugeben. Ich möchte es allen Menschen ermöglichen, mithilfe meiner Bücher, Seminare und Coachings einen gesunden Lebensstil zu entwickeln und zu leben.

Rohleder: Besonders an Deinem Konzept ist ja auch der wissenschaftlich fundierte Ansatz. Kannst Du uns dazu ein paar Hintergründe erläutern?

Galitzdörfer: Das einzigartige an meinem Ansatz ist das ganzheitlich-personzentrierte Konzept, kombiniert mit dem Ansatz und Menschenbild der humanistischen Psychologie. Eine Grundannahme des Humanismus ist, dass der Mensch in der Lage ist und auch danach strebt, sich zu entwickeln. Die von mir im Buch angestrebte Haltung jedes einzelnen sich selbst und seinen Mitmenschen gegenüber basiert auf den Grundhaltungen nach Carl Rogers: der Kongruenz, Akzeptanz und Empathie. Damit ist gemeint, sich selbst aber auch seinen Mitmenschen mit Offenheit, Echtheit und Mitgefühl zu begegnen. Dazu gehört auch das Prinzip der gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg. Diese Grundhaltung und Kommunikationsform sind es übrigens auch, die sich für Hochsensible wie ein nach Hause kommen anfühlen. Die damit verbundene Achtsamkeit und Wertschätzung entsprechen dem Wesen Hochsensibler.

Das Konzept ist zudem in seinem Vorgehen ganzheitlich. Zunächst wird der Ist-Zustand betrachtet. Davon ausgehend wird ein Weg entwickelt, der zu einem Ziel führt. Hier kann ein neuer Ist-Zustand entstehen und ein neues Ziel definiert werden. So entsteht ein Kreislauf, der Entwicklung ermöglicht und unterstützt. Eingebettet werden diese Aspekte in die Triade des Denkens, Fühlens und Handelns und dem ganzheitlichen Lernen durch kognitive, affektive und psychomotorische Aspekte. So kann ein größtmöglicher und nachhaltiger Erfolg in der Umstellung des Lebensstils stattfinden. Insgesamt ist so ein ganzheitliches und wissenschaftlich fundiertes Konzept entstanden, das ich gerne in meinen Büchern, Seminaren und im Coaching weitergebe.

Rohleder: Liebe Daniela, ich bedanke mich ganz herzlich für das spannende Interview und wünsche Dir viel Erfolg bei Deiner Mission.

 

Daniela Galitzdörfer
Gesundheitscoach
www.galitzdoerfer-fitness.de
www.instagram.com/sensitive and strong/

 


Daniela Galitzdörfer
DENK DICH SCHLANK
Warum eine perfekte Figur eine Frage der Geisteshaltung ist
ISBN 978-3-9822120-1-2
Neueerscheinung 10/2020

Bei Thalia anschauen

Warum Hochsensible auch mal etwas riskieren sollten

(Von Sandra Tissot)

Fremdgesteuert, distanziert, gesichtslos, sinnbefreit? Für Hochsensible scheint insbesondere in den letzten Wochen und Monaten der Lebensraum immer enger geworden zu sein. Zu groß ist die Verlockung, sich einfach zurückzuziehen und sich stillschweigend über die Hintertüre aus dem Staub zu machen.

Suggerierte Sicherheit und Fremdbestimmung

Fester Job, geregeltes Einkommen, Konzepte die unsere Gesundheit und den Umgang mit unseren Mitmenschen regeln … du brauchst dich nur umzuschauen, überall wird dir ein Gefühl von Sicherheit suggeriert. Es genügt, wenn du dich an eine vorgefertigte Liste von Regeln hältst und schon ist dir ein langes und sicheres Leben gewiss.

Denn nichts scheint schlimmer zu sein, als die Erkenntnis, dass das Leben endlich ist. Aber ist dem wirklich so? Sollten wir uns vor der Angst vor dem Sterben nicht erst nochmal vergewissern, ob wir überhaupt noch leben?

Bin ich schon tot oder lebe ich noch?

Die Lust ins Risiko zu gehen

Nein damit ist natürlich nicht gemeint, dass du zur nächsten Brücke fährst und prüfst, ob du nicht doch fliegen kannst oder dich anderweitig wissentlich in echte Lebensgefahr begibst. Als hochsensible Person hast du im Laufe der Jahre wahrscheinlich sowieso bereits mehr als einmal bemerkt, dass sich alles immer wie von Geisterhand fügt und du auch ein gutes Gespür dafür hast, was physisch und psychisch gefährlich für dich werden könnte – und was nicht.

„Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren?“ (Vincent van Gogh)

Es geht vielmehr um die Freude daran, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Gern möchte ich dir dazu ein Beispiel machen:

Über Jahre quälte ich mich in einer Festanstellung, die meinem hochsensiblen Naturell so überhaupt nicht gerecht werden wollte. Bis dahin hatte immer jemand anderes die Verantwortung für mein Leben übernommen. Im Kindesalter waren es zunächst meine Eltern, später wurden die Hochschulprofessoren durch Vorgesetzte in der Arbeitswelt abgelöst. Ich erinnere mich noch gut an den ersten „arbeitsfreien“ Tag im Sinne eines fehlenden Angestelltenverhältnisses. Ich erwachte nach einem erholsamen Schlaf und entschied, noch eine Weile im Bett zu bleiben. Verschiedenste Gedankenkonstrukte entwickelten sich vor meinem geistigen Auge und ich verspürte plötzlich eine vollkommen neue Energie. Es erschien mir an jenem Morgen unverständlich, wie ich so lange in dieser Schockstarre hatte verharren können. Ich fühlte mich auf eine besondere Art und Weise federleicht und befreit. Alle Existenzängste und hohen Erwartungen an mich selbst waren wie weggewischt. Jeder, der diesen Zustand schon einmal erreicht hat, weiß, wie gut er sich anfühlt. Mir war auf einmal vollkommen egal, was alle anderen über mich dachten oder ob mir irgendjemand nicht zutraute, dass ich den Sprung in die Selbstständigkeit schaffte. Der Wunsch danach kam aus meinem Innersten. Er war da, und ich konnte es in aller Deutlichkeit spüren. Ich würde die Selbstständigkeit anpacken – ganz ohne die inneren Kämpfe und die Zerrissenheit der vergangenen Jahre. Ich befand mich auf dem richtigen Weg … Dieser Tag liegt bereits mehr als 10 Jahre mit Höhen und Tiefen zurück – ich habe meine Entscheidung nie bereut.

An welcher Stelle in deinem Leben hast du Lust auf ein Risiko? Ist es der Gedanke an die unternehmerische Selbstständigkeit, der dich umtreibt oder vielleicht eine Kündigung, um dich beruflich als Angestellte*r zu verändern? Vielleicht gibt es da aber auch etwas in deinem Privatleben, was bereits längst „überfällig“ ist. Oder du gönnst dir einfach den Luxus, anderer Meinung zu sein und nutzt in einer Demokratie die Gelegenheit diese auch öffentlich kundzutun? Ganz gleich was es auch ist, wofür du brennst oder was du glaubst, bewegen zu können: Das Wissen um eine tiefe Verbundenheit mit dem Ganzen wird dir Kraft geben.

Das Wissen um Verbundenheit hilft

Je nachdem wie (hoch)sensibel du deine Umwelt und deine Mitmenschen wahrnimmst und inwieweit dir vielleicht auch deine Lebenserfahrung mittlerweile die eine oder andere Gewissheit mitgegeben hat: Es gibt da eine tiefe Verbundenheit zu dir selbst, aber auch zu anderen Menschen, Tieren und der gesamten Umwelt, die wir mit dem was wir gern „gesunden Menschenverstand“ nennen nicht unbedingt auf Anhieb erklären können. Oder um es mit den Worten von Emile Coué zu sagen:

„Der bewusste Verstand ist die Engstelle des Geistes in uns“.

Besonders deutlich wird das für dich vielleicht beim Yoga, bei der Meditation oder wenn du dich in Phasen des Halbschlafs befindest. Mit Hilfe von regelmäßigem „Training“ gelingt dir das aber auch tagsüber  – bei den unterschiedlichsten Begegnungen, beispielsweise mit anderen Menschen.

Manchmal ist es ein Lächeln, manchmal ein Geistesblitz oder eine Vision, ein Gespräch oder eine plötzlich auftauchende, geöffnete Tür (oder war die dort schon immer und du hast sie heute nur das erste Mal wahrgenommen?) In den seltensten Fällen taucht sie auf, wenn wir krampfhaft versuchen neue Wege zu gehen.

Was uns manchmal fehlt ist das Urvertrauen in diese Verbundenheit und dem Wissen, dass uns nichts passieren kann. Meist hilft es innezuhalten und abzuwarten, auch wenn es schwerfällt.

Loslassen…, um zu spüren was uns verbindet und bereichert.

Ganz nach dem Motto: Macht dich das glücklich oder kann das weg? Mit dem Wissen um die tiefe Verbundenheit ist alles, was du brauchst, bereits vorhanden und in dir.  Bleibt nur noch eine Frage: Was ist dein nächstes Projekt?


Sandra Tissot, www.sandra-tissot.de
Autorin von „Du bist umwerfend“ und Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit

Das NEUGEBORENEN-ICH von Hochsensiblen

(Von Luca Rohleder)

Das Neugeborenen-Ich ist Bestandteil eines Drei-Ich-Modells, das ich Anfang der 2010er Jahre entwickelt und erstmals im Jahr 2015 im Rahmen meines Buchs „Die Berufung für Hochsensible“ veröffentlich habe. Durch den zweiten Band „Die Liebe empathischer Menschen“ habe ich dieses Thema dann weiter entwickeln können.

Dieses Drei-Ich-Modell umfasst die drei Bestandteile Neugeborenen-Ich (NI), Erwachsenen-Ich (EI) sowie das Höhere-Ich (HI).

Dieses psychologische Komplementärmodell (wohlgemerkt es ist ein Modell) ist eine auf das hochsensible Wesen spezifische Weiterentwicklung der Inneren-Kind-Theorie, die aus der Transaktionsanalyse bekannt ist. Zudem berücksichtigt dieses Modell auch Gesichtspunkte der Grundlagenphysik, wonach nur der geringste Teil unserer Welt für uns wahrnehmbar bzw. sichtbar ist (siehe auch: lucarohleder.com/themen/quantenphilosophie). Viele Bezeichnungen sind im Laufe der Menschheitsgeschichte für diese für uns nicht wahrnehmbare Welt entstanden, wie zum Beispiel Dunkle Energie, Quantenebene, Heiliger Geist, Seele, Bewusstsein uvm.

Um alle Wertesystem begrifflich abdecken zu können, habe ich mich für den Allroundbegriff Unsichtbare Welt entschieden.

Zugleich setze ich mit meinem Drei-Ich-Modell das menschliche Gehirn mit der Metapher des Bio-Computers gleich. Im Gegensatz zur klassischen Neurologie, die im Gehirn den alleinigen Verursacher des menschlichen Verhaltens sieht, vertrete ich die These, dass unser Gehirn nicht autonom ist. Vielmehr kann es auch eine Verbindung zur Unsichtbaren Welt aufnehmen. Aus meiner Sicht hat unser Gehirn demzufolge lediglich eine Sende-/Empfangs- und Verarbeitungsfunktion inne. Es existiert demnach in unserem Körper (ähnlich wie beim PC oder Smart-Phone) eine Art geistige Internetverbindung. Man nennt diesen außersinnlichen Kanal auch Intuition. Diesen Teil des Körpers, das für die Funktionsweise unserer Intuition zuständig ist, nenne ich Höheres-Ich (Die Schulmedizin nennt es „Das enterische Nervensystem“ bzw. Bauchgefühl – siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Enterisches_Nervensystem).

Darüber hinaus folge ich der Philosophie, dass der Sinn des Lebens das Sammeln von Lebenserfahrungen ist – also ganz einfach das Leben zu leben. Dabei spielt unsere Persönlichkeit die entscheidende Rolle.

Stellt sich der Mensch mutig seinem eigentlichen Naturell entsteht Authentizität – Körper, Geist und Seele sind dann im Einklang.

Es entsteht eine Art Eigenresonanz. Der Mensch erlebt Lebensfreude. Er beginnt das Leben zu leben, und die Suche nach dem Warum erübrigt sich von selbst. Ist der Mensch hingegen fremdbestimmt, weil er durch Medien, Umwelt und Umfeld eigene Wahrheiten durch fremde Wahrheiten ersetzt hat (Hypnose), lebt er nicht mehr im Einklang zu seiner eigentlichen Persönlichkeit. Es fehlt die Resonanz zu sich selbst und der Körper kann zu wenig Lebensenergie generieren. Lustlosigkeit, Frustration bis hin zu Leid können die tragische Konsequenz sein.

Meine Thesen setzen infolgedessen voraus, dass es immer darum geht, unsere wahre Persönlichkeit zu erkennen, zu akzeptieren und zu leben. Diese wird im Übrigen durch die Grundformatierung unseres Gehirns geprägt. Und diese neuronalen Verknüpfungen in unserem Kopf wiederum werden maßgeblich von unseren Kindheitserlebnissen beeinflusst. Und jetzt kommt das Thema Hochsensibilität ins Spiel:

Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass im Fall der angeborenen Hochsensibilität die besagte neuronale Grundformatierung unseres Gehirns nicht durch die üblichen Kindheitserlebnisse maßgeblich beeinflusst wurden (Inneres Kind), sondern durch die grundsätzliche Situation eines Neugeborenen.

Dies hat zur Folge, dass die Wesenszüge von Hochsensiblen nicht durch die Untersuchung ihrer Kindheit (Inneres Kind), sondern vielmehr durch die Beschreibung der Situation eines Babys zum Vorschein kommen. Daher habe ich die Bezeichnung Inneres Kind auch durch den Begriff Neugeborenen-Ich ersetzt.

Neugeborene verfügen noch nicht, über das bewusste Denken von Kindern. Vielmehr wird das Leben von Babys von ihren Urinstinkten (schulmedizinisch: Reflexe) gesteuert. Das Innere Kind von Hochsensiblen besteht in der Folge aus einem Wesenskern, bei dem genau diese Urinstinkte noch erhalten geblieben sind.

Während Normalsensible im Laufe ihres Lebens ihre Urinstinkte nach und nach verlieren und deren Gehirn dann von Selbstkontrolle, Bewusstheit und freier Wille bestimmt wird, gilt dies also für Hochsensible nicht.

Da wir bei Menschen nicht von Instinkten sprechen, sondern von Intuition, wird jetzt auch deutlich, dass Hochsensible über eine Persönlichkeit verfügen müssen, die in der Hauptsache von intuitiven Fähigkeiten geprägt ist. Also von neuronalen Gaben, die ausschließlich nur Neugeborene noch zu Hundertprozent besitzen. Damit ist es auch einleuchtend, warum Hochsensible nur dann ein zufriedenes Dasein fristen können, wenn Sie Ihr Inneres-Kind nicht als klassisches Kind betrachten, sondern eher als Baby. Infolgedessen ist es nahezu logisch, dass auch die Lebensführung von Hochsensiblen eher intuitiv stattfindet. Die heute übliche Idee der kontrollierten Lebensführung stände dazu im Widerspruch. Wie immer gibt es aber auch eine Kehrseite der Medaille:

Aufgrund der intuitiv gesteuerten Persönlichkeit, tauchen in hochsensiblen Gehirnen also gewaltige Mengen zusätzlicher Datensätze, Reize, Erkenntnisse und Einsichten auf, die nicht von den herkömmlichen fünf Sinnen herrühren, sondern dadurch, dass sie praktisch noch mit einem Bein in der Unsichtbaren Welt stehen (wie Babys auch). Das heißt, aus der intuitiven (meist unbewussten) Wahrnehmung von Umwelteinflüssen resultieren Sekunde um Sekunde gewaltige Informationsmengen, die das Gehirn von Hochsensiblen zusätzlich zu verarbeiten hat. Das bewusst wahrnehmbare Gehirn – das Erwachsenen-Ich – von Hochsensiblen muss daher nicht nur faktische (sichtbare), sondern zusätzlich auch subtile (unsichtbare) Informationen aus Umwelt und Umfeld verarbeiten.

Der Kopf eines hochsensiblen Menschen arbeitet dadurch permanent an der Grenze des Daten-Over-Flows.

Hochsensible haben in der Folge zu erlernen, auf eine bestimmte Art und Weise ihren Kopf zu gebrauchen. Das heißt, sie sollten ihren Hang, ihr Leben bewusst im Übermaß kontrollieren zu wollen, aufgeben, denn dies würde im Widerspruch zu ihrem Naturell stehen. Und wie gesagt, wenn wir an unserer Persönlichkeit vorbeileben, stehen wir nicht mehr in Resonanz zu uns selbst, und unser Körper kann nicht mehr genug Lebensenergie (Lebensfreude) generieren. Erst wenn Hochsensible erkannt haben, dass sie besser fahren, wenn sie bestimmte Denkprozesse loslassen und die Lebensführung mehr an ihre (unbewusste) Intuition übergeben, sind sie auch in der Lage, ihr Gehirn von solchen Belastungen zu befreien, für die es von der Natur her nicht ausgelegt ist (“ … ich mache mir jetzt keine Gedanken, denn es kommt wie es kommt …“).

Hochsensible sollten sich in ihrem Leben überwinden, mehr Mut aufzubringen, das Morgen an ihr Schicksal zu verschenken.

So wie es Neugeborene auch tun (ohne es bewusst zu wissen). Denn das bedeutet INTUITIVE LEBENSFÜHRUNG.

Luca Rohleder, Gründer des „Netzwerks Hochsensibilität“, www.hochsensibilitaet-netzwerk.com


Der Begriff „Neugeborenen-Ich“ sowie die Inhalte des „Drei-Ich-Modells“ sind zwar urheberrechtlich geschützt, wenn Sie aber etwas davon bei Ihrer täglichen Arbeit übernehmen möchten, ist dies ohne Weiteres möglich. Jedoch wäre ein kurzer Hinweis an mich als Urheber unter lu@lucarohleder.com erforderlich. Unabhängig davon bitte ich grundsätzlich, den Quellenhinweis „Drei-Ich-Modell nach Rohleder“ gut sichtbar anzugeben.


Luca Rohleder
Die Berufung für Hochsensible
Die Gratwanderung zwischen Genialität und Zusammenbruch
ISBN 978-3-9815711-4-1


Luca Rohleder
Die Liebe empathischer Menschen
Die Gratwanderung zwischen wahrer Liebe und seelischen Verletzungen
ISBN 978-3-9817975-8-9

 


 

 


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Hochsensibilität in der Partnerschaft

(Von Christopher Hensellek)

Hochsensible Menschen sind in einer Partnerschaft verschiedensten Herausforderungen ausgesetzt. In diesem Blogartikel möchte ich dir einige Tipps geben, wie du als HSP gesunde und erfüllte Beziehungen auf Augenhöhe führst und aus den Dramen der Vergangenheit aussteigen kannst. Zunächst einmal muss ich gestehen, dass ich in der Vergangenheit selbst durch viele problematische und zutiefst gestörte partnerschaftliche Beziehungen gegangen bin. Das ging bis zu dem Zeitpunkt so, als erneut meine Beziehung mit meiner damaligen Partnerin komplett zu Bruch ging und in einem großen Drama endete. Ich überlegte woran es liegen könnte, dass mit immer wieder die gleichen Dinge in Beziehungen widerfahren waren: Abhängigkeit, Aufopferung, „nicht mehr frei fühlen“, meine eigenen Interessen hinten anstellen, Unzufriedenheit, Kontrolle, Streit, endlose Diskussionen…

Ich kam letztendlich zu dem Ergebnis, dass das alles wohl doch mehr mit mir selbst zu tun hat, als mit meiner Partnerin. So setzte ich mich ab diesem Zeitpunkt mit mir selbst auseinander und entdeckte in mir genau die Muster, die mich daran hinderten, die richtige Partnerin anzuziehen und eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen.

Hier habe ich für dich meine Erkenntnisse aus dieser Zeit und einige Tipps für eine erfüllte und glückliche Beziehung zusammengefasst:

1. Du bist nicht für deinen Partner verantwortlich

Wir hochsensiblen Menschen fühlen uns meist zutiefst verantwortlich für unseren Partner/unsere Partnerin (im folgenden Text benutze ich das Wort „Partner“ für beide Geschlechter). Wir möchten, dass es dem Partner gut geht, haben immer ein offenes Ohr für seine Probleme und Sorgen und möchten ihn unterstützen und ihm helfen, wo immer es nur geht.

Das ist grundsätzlich eine sehr positive und wertvolle Eigenschaft, wenn sie bewusst und wohl dosiert eingesetzt wird. Wenn ich jedoch versuche, meinem Partner alles recht zu machen, meine eigenen Bedürfnisse immer hintenanstelle und versuche jeden Wunsch des Partners zu erfüllen, verliere ich mich selbst. Früher oder später wird mir meine Seele zeigen, dass das nicht der richtige Weg ist. Ich werde unzufrieden, unglücklich und fühle mich unfrei. Und: Das ist wahr! Nur macht man dann gerne den Partner für diese „Unfreiheit“ verantwortlich, statt zu erkennen, dass man es selbst ist, der sich durch sein eigenes Handlungsmuster die Freiheit genommen hat. Stelle sowohl die Bedürfnisse deines Partners, aber auch deine eigenen Bedürfnisse in den Mittelpunkt und finde in gesundes Maß, das dir ermöglicht, beides miteinander zu verbinden. Sage auch mal bewusst „Nein!“ zu deinem Partner, wenn dieser bestimmte Erwartungen an dich stellt, die du gerade nicht erfüllen kannst/möchtest. Jeder muss – vor allem auch in Beziehungen – lernen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

2. Dein Partner ist nicht für dich verantwortlich

Auch du musst erkennen, dass dein Partner nicht für dich verantwortlich ist. Natürlich darfst und sollst du deine Bedürfnisse, Gefühle und Probleme mit deinem Partner kommunizieren. Aber du kannst nicht immer davon ausgehen, dass dein Partner deine Bedürfnisse erfüllt oder gar deine Probleme für dich lösen kann. Übernimm Verantwortung für dein Wohlergehen und mache dich nicht von deinem Partner abhängig. Sei dabei ehrlich mit dir! Wenn du erkennst, dass du gerade deinen Partner für etwas verantwortlich machst, was in Wahrheit deine eigene Aufgabe ist, beobachte das und gestehe es dir ein, ohne dich dafür zu verurteilen. Nimm dich selbst liebevoll so an, wie du bist und gib dir selbst die Liebe und Aufmerksamkeit, die du dir von deinem Partner ersehnst. Hole dir deine Verantwortung zurück und kümmere dich gut um dich selbst!

3. Liebe bedeutet Freiheit

Wahre Liebe hat nichts, absolut nichts mit Abhängigkeit zu tun. Wahre Liebe lässt frei. Das bedeutet, dass sowohl du, als auch dein Partner absolute Freiheit besitzt. Ihr beide dürft und könnt alles tun, was ihr möchtet. Die Frage ist, ob das Gegenüber das akzeptieren kann oder nicht. Lass mich das erklären: Wenn dein Partner dich z.B. betrügt oder lediglich dazu benutzt, seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, dir aber keine Wertschätzung und keinen Respekt entgegenbringt, so hat das nichts mit einer gesunden Beziehung zu tun. Du hast in diesem Falle die Freiheit, deinem Partner dies mitzuteilen, so dass er/sie die Chance bekommt, sein Verhalten zu überdenken und seine eigene Angst/Abhängigkeit zu erkennen.

Tut er/sie das nicht, hast du die Freiheit, diese Beziehung zu beenden, wenn sie dir nicht guttut. Fällt es dir schwer, die Beziehung zu beenden, weil du denkst, dass du ohne deinen Partner nicht zurechtkommst und nicht ohne ihn leben kannst? Beobachte und akzeptiere deine eigene Abhängigkeit und Unfreiheit. Wende ihr liebevoll deine gesamte Aufmerksamkeit zu, ohne zu bewerten. Das wird dir helfen, zunächst die Abhängigkeit und im nächsten Schritt die Beziehung aufzulösen, wenn du dich dazu entscheidest.

Lasst euch gegenseitig eure Freiheiten, eure Hobbies, eure Freunde und Tätigkeiten, die ihr liebt. Erlaubt es euch, Dinge auch mal getrennt voneinander mit Freunden oder allein zu machen. Wer wirklich zu dir gehört, wird dich nicht verletzen. Er wird sich freuen, wieder zu dir zurückkehren zu dürfen. Jemand, der für dich bestimmt ist, wird mit seinen eigenen Ängsten und seiner Eifersucht arbeiten und sich seinen eigenen Schatten stellen, statt dich dafür verantwortlich zu machen, dass sie da sind.

4. Beziehungen sind dazu da, dich bewusst zu machen

Genau dazu sind Beziehung da: Sie dienen dazu, unsere eigenen ungeteilten Anteile an die Oberfläche zu befördern. Beziehungen sind nicht dazu da, dich „ganz“ oder „glücklich“ zu machen. So erhältst du in Beziehungen sehr viele Chancen, diese Wunden, die meist aus der frühen Kindheit oder Jugend stammen, ein für allemal zu heilen.

Beobachte dazu genau, was sich dir zeigt. Akzeptiere innerlich jedes Gefühl, jede Emotion und bleibe mit deiner Aufmerksamkeit und Achtsamkeit dabei, so lange es da ist. Rede mit deinem Partner darüber, ohne ihn dafür anzuklagen. Erkläre, wie du dich fühlst und was diese Emotion ausgelöst hat. Erkenne auch, welche früheren Erfahrungen damit zusammenhängen. Überprüfe, ob die jetzige Realität tatsächlich mit diesen Erfahrungen zu tun hat, oder ob du das, was jetzt gerade ist, durch die Brille der Vergangenheit betrachtest und es so auf eine verzerrte Art und Weise wahrnimmst.

5. Du bist für dich verantwortlich

Akzeptiere, dass DU ALLEIN für dein Wohlbefinden und deinen inneren Raum verantwortlich bist. Übernimm die volle Verantwortung über dein Leben und „räume“ regelmäßig in dir auf. Was ich damit meine? Erkenne deine eigenen blockierenden und schädlichen Handlungsmuster und sei dabei ehrlich mit dir. Akzeptiere deine Emotionen und Gefühle und schau dir alles an, was sich dir innerlich zeigt. Bleibe mir deiner Aufmerksamkeit bei dir und dem, was in dir vorgeht.

Handle nach außen hin authentisch und kommuniziere respektvoll und ehrlich mit deinem Partner. Teile deine Gefühle mit, ohne deinen Partner anzuklagen. Triff authentische Entscheidungen und erkenne, dass du ohne Partner genau so viel wert bist, wie in einer Partnerschaft. Erkenne, dass du auch ohne einen Partner leben und mittlerweile auf eigenen Füßen stehen kannst. Du kommst alleine zurecht, ein Partner ist quasi „das Sahnehäubchen auf der Torte“.

6. Kontrolle = Angst

Jeder, der in einer Beziehung den eigenen Partner manipuliert und kontrolliert ist nur von einer Kraft getrieben: Angst.

Angst, den Partner zu verlieren, Angst vor dem Alleinsein, Angst davor, nicht gut genug zu sein. So hat jeder Narzisst ein Selbstwertproblem, genauso wie jeder, der mit einem Narzissten zusammen ist. Der Narzisst maskiert seine Unsicherheit/Angst mit Kontrolle und Dominanz.

Derjenige, der mit einem Narzissten zusammen ist glaubt, ohne den Partner nicht leben zu können, die gleiche Angst ist also auch hier vorhanden, zeigt sich aber auf andere Art und Weise. Die Störung ist an und für sich die gleiche. Eine unbequeme Wahrheit, der man sich aber stellen muss, um aus diesem Teufelskreis auszubrechen, wenn man darin gefangen ist. Das Wichtigste ist, dass man dem Narzissten nicht glaubt, wenn er einen durch Worte klein halten und manipulieren will. Es ist wichtig, den eigenen Wert zu erkennen. Schaue dir auch die eigene Angst an, akzeptiere sie, aber lasse dich von ihr nicht kontrollieren.

7. Sei authentisch!

Triff authentische und für dich passende Entscheidungen. Gehe in der Partnerschaft auch gewisse Risiken ein, nur so kann eine Beziehung wachsen und beidseitige Entwicklung stattfinden. Es mag auch vorkommen, dass du dich von deinem Partner trennen musst, um dich weiter entwickeln zu können. Aber denke daran: Du kommst allein zurecht! Lasse dies zu deinem Mantra werden. Du wirst einen Partner finden, der viel besser zu dir passt und dir all das mitbringt, wovon du immer geträumt hast, wenn du zunächst lernst, deinen eigenen Wert zu erkennen.

Du brauchst deinen Partner nicht mehr, um dich erfüllt, wertvoll und geliebt zu fühlen. Du bist es bereits!

Bis du das für dich selbst nicht erkannt hast, werden sich diese Sätze nur wie hohle Phrasen anhören. Suche und finde dein Glück zunächst in dir selbst, dann bist du bereit, eine wirklich tiefe und lebendige Beziehung auf Augenhöhe zu führen!


Christopher Hensellek, www.hypersensibel.com

Ich zeige Menschen auf, wie sie achtsamer, mitfühlender und liebevoller mit sich selbst umgehen und ihre Hochsensibilität akzeptieren und zu einem Wegweiser für ihr Leben machen können. Was braucht gerade jetzt deine Aufmerksamkeit, Akzeptanz und dein liebendes Mitgefühl?

Autor von „Metamorphose – Hochsensibel gesund leben“

 

Hochsensible suchen nicht das richtige Berufsbild, sondern den richtigen Arbeitgeber

(Von Luca Rohleder)

Hochsensible Personen (HSP) nehmen Informationen und Eindrücke aus Umwelt und Umfeld detailreicher auf als Normalsensible. Insbesondere die Gabe, über einen sehr ausgeprägten 6. Sinn zu verfügen, lässt sie deutlich von der Masse unterscheiden. In der Summe resultiert daraus, dass das Nervensystem von HSP bedeutend mehr Informationen aufnehmen muss als üblich. Es sind somit nicht nur die herkömmlichen fünf Sinne, die ein hochsensibles Gehirn überlasten können, sondern vor allem die zahlreichen subtil empfangenen Informationen über Umwelt und Umfeld. Das Gehirn von HSP wird also schon ab Geburt außergewöhnlich intensiv beansprucht. Es erreicht infolgedessen recht schnell ein außergewöhnlich hohes Trainingslevel. Es entwickelt sich eine Art intellektuelle Hochleistungsmaschine für die Erfassung und Bewertung von Umwelteinflüssen.

Diese wunderbare Fähigkeit der detailreichen Aufnahme und Verarbeitung von Informationen ist praktisch in jedem Berufsfeld gewinnbringend einsetzbar. Dies ist auch die Ursache, warum HSP in nahezu jedem Tätigkeitsfeld anzutreffen sind. Kombiniert mit ihrem ungewöhnlich hoch ausgeprägten 6. Sinn, der HSP mit dem geheimnisvollen Reich der Ideen, Kreativität, Ahnungen und Einsichten verbindet, kann durchaus ein sehr erfolgreiches berufliches Gemisch entstehen. Es sind nicht nur Arbeitskollegen, Untergebene, Vorgesetzte oder berufliche Situationen präzise einschätzbar, sondern auch Unternehmenskonzepte und Arbeitsabläufe. HSP erkennen schon Probleme, Verbesserungspotenziale und sonstige Chancen, aber auch Unstimmigkeiten, während Normalsensible noch dabei sind, etwas umzusetzen oder zu verstehen.

Dank des 6. Sinns irren sich Hochsensible selten

In der Summe bringen Hochsensible also Persönlichkeitsmerkmale mit, die zumindest fachlich gesehen überall einsetzbar sind. Obwohl sich demnach nicht die Frage stellt, welche Berufsbilder besonders gut geeignet sind, quälen sich dennoch viele Hochsensible mit ihrer Berufstätigkeit. Bei näherer Betrachtung stellt sich jedoch heraus, dass es selten der falsche Beruf ist. Vielmehr spielen ungeeignete Arbeitsbedingungen die größere Rolle. HSP brauchen spezielle Rahmenbedingungen bei ihrer täglichen Arbeit. Faktoren wie positive Arbeitsatmosphäre, moralisches Handeln, ruhige Arbeitsplätze und eigenverantwortliches Arbeiten sind elementar wichtig für sie. Diese Kriterien sind nicht unbedingt abhängig vom Berufsbild, sondern vielmehr von der Firmenphilosophie. HSP suchen also nicht einen bestimmten Beruf, sondern den richtigen Arbeitgeber.

Meist unbewusst sind Hochsensible nicht auf der Suche nach einen bestimmten Berufsbild, sondern eher nach dem richtigen Arbeitsumfeld.

Da in der heutigen globalisierten Arbeitswelt immer öfter eine destruktive Arbeitsatmosphäre, lediglich improvisierte Arbeitsabläufe und manchmal sogar absurde Arbeitsanweisungen zu beobachten sind, geraten immer mehr HSP in Konflikt zu ihrem Naturell. Deshalb wenden sich viele Hochsensible früher oder später einer selbstständigen Tätigkeit zu, was den hohen Anteil von Freelancern, Kleinunternehmern und Firmengründern unter HSP zeigt. Dann können sie aufgrund ihres 6. Sinns und ihrer Kreativität erfolgreicher als Normalsensible, nicht nur neue Dienstleistungen oder Produkte, sondern auch funktionierende Marketing- und Verkaufsstrategien entwickeln sowie auf Business-Tauglichkeit abklopfen.

Der 6. Sinn kann auch als eine Art Geschäftssinn verstanden werden.

Besonders, wenn die Faktenlage unklar ist, kommt dem 6. Sinn von Hochsensiblen eine große Bedeutung zu. Wenn es um die intuitive Bewertung von neuen Geschäftsideens, von unternehmerischen Herausforderungen oder ganz einfach von Kundenwünschen geht, können Hochsensible jetzt aus dem Vollen schöpfen. Voraussetzung ist jedoch, dass sie im Laufe ihres Lebens gelernt haben, auf ihren 6. Sinn zu vertrauen. Erst dann begreifen sie meist, welch mächtige Gabe sie in sich tragen.


Luca Rohleder
Gründer des Netzwerks „Hochsensibilität“

Buchautor von „Die Berufung für Hochsensible“

Leseprobe und weiteres …


 

Hochsensibilität und die Suche nach Identität

INTERVIEW MIT DEM PSYCHOLOGEN DR. HERMANN RÜHLE

NETZWERK: Lieber Hermann, Du beschäftigst Dich schon lange mit dem Thema Identitätssuche und Du hast dazu auch ein Buch verfasst. Warum ist die Frage nach unserer Identität so wichtig?

Dr. Rühle: Wir müssen herausfinden, wer wir sind. Sonst blüht uns ein bedauernswerter Tod. Sagt der britische Management-Philosoph Charles Handy: „Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass das Leben im Grunde eine Suche nach der eigenen Identität ist. Jene Menschen, die sterben, ohne zu wissen, wer sie eigentlich sind oder wozu sie wirklich imstande gewesen wären, sind bedauernswert.“

Wer sich allerdings mit der viel zu pauschalen Frage „Wer bin ich?“ auf die Suche macht, ist auf dem Holzweg. Ich zeige in meinem Buch, wie wir unserer Identität mit den drei konkreten Fragen „Wie, was und wozu bin ich?“ wirklich auf die Spur kommen.

Für Hochsensible ist die Auseinandersetzung mit der Frage „Wie bin ich?“ besonders wichtig und ergiebig. Wer nur mit seinen vermeintlichen Schwächen kämpft, aber nie erkannt und ausgeschöpft hat, wozu er wirklich imstande gewesen wäre, ist bedauernswert.

NETZWERK: Stellen sich alle Menschen die Frage „Wer bin ich?“ oder neigen beispielsweise Hochsensible eher dazu und warum?

Dr. Rühle: Jeder Mensch denkt immer wieder darüber nach, wer er ist und was ihn von seinen Mitmenschen unterscheidet. Identität definiere ich so: Es ist meine Vorstellung von mir, entstanden durch meinen Vergleich mit anderen und durch meine Erfahrungen mit anderen. Hochsensible merken selber, dass sie anders „ticken“ als die meisten anderen. Weil aber die Mehrheit bestimmt, was normal ist, zweifeln Hochsensible eher an sich selbst und „gewinnen“ zusätzlich allerlei Erfahrungen nach dem Motto „Hab dich nicht so, sei nicht so empfindlich, reiß dich mal zusammen!“

dielus_Was_bin_ich_Cover_SchattenHochsensible können nur gewinnen, wenn sie sich mit der Frage „Wie sehe ich mich selbst?“ mit ihrem Selbstbewusstsein auseinandersetzen, welches Bild sie von sich haben, wie sie sich einschätzen und wertschätzen.

Unter Geltungsdrang leiden Hochsensible nicht. Ihr Geltungsbewusstsein ist unterentwickelt. Die Frage „Was bin ich, was gelte ich in den Augen meiner Mitmenschen?“ plagt sie wenig. Hochsensible sind eher Sinnsucher als Statussucher. Ihnen ist die innere Stimmigkeit und Unabhängigkeit wichtiger als äußerer Erfolg und Status. Statussucher beziehen ihr Selbstverständnis aus ihrem Ansehen in der Öffentlichkeit. Statusversessene liefern sich Prestigezuerkennern aus, die sich in Prestigeaberkenner verwandeln können. Vor dieser Gefahr sind Hochsensible gefeit.

Neben dem Selbstbewusstsein und dem Geltungsbewusstsein gibt es eine dritte Unterabteilung der Identität, das Sinnbewusstsein, die Frage nach dem „Wozu bin ich?“. Sinn entsteht, wenn Menschen das Leben nicht nur vor sich hinplätschern lassen, sondern etwas Besonderes daraus machen, über sich hinauswachsen, etwas Bleibendes schaffen und Spuren hinterlassen. Nach einer Studie gehören dreißig Prozent der Deutschen zur Gruppe der „existenziell Indifferenten“, die mit Sinnfragen nichts am Hut haben. In einer anderen Studie fanden sich noch mehr Sinnverweigerer: Danach sind vierzig Prozent der Bevölkerung „unbekümmerte Alltagspragmatiker“, die Fragen nach dem Sinn des Lebens als irrelevant betrachten. Die hochsensiblen Sinnsucher gehören weder zu der einen noch der anderen Gruppe.

NETZWERK: Warum ist es entscheidend zu erkennen, was andere sein wollen, aber nicht sind und was hat das mit unserer eigenen Persönlichkeit zu tun?

Dr. Rühle: Wer ich bin, weiß ich, wenn mir klar wird, wie ich mich von anderen unterscheide. Ich bin, weil ich anders bin! Doch Mitmenschen müssen nicht nur zu Vergleichszwecken herhalten, sie sind überhaupt eine Quelle der Selbsterkenntnis. Wenn wir aus anderen schlau werden, kommen wir uns nicht nur selbst auf die Schliche, sondern wir gehen anderen auch nicht auf den Leim. Das schützt uns vor identitätsgestörten Zeitgenossen, die ihre Probleme auf unsere Kosten lösen wollen.

Im Buch beschäftige ich mich mit den wichtigsten Als-ob-Persönlichkeiten, mit Narzissten, Hochstaplern und Größenwahnsinnigen, vor denen wir auf der Hut sein müssen. Mit der fatalen Konstellation männlicher Narzisst trifft auf hochsensible Frau haben sich ja auch Diana Kolb und Silvia Christine Strauch in ihren Büchern auseinandergesetzt.

Mancher Hochstapler ist aufgeflogen, weil ein Hochsensibler mit seinem sechsten oder siebten Sinn geahnt hat, dass da etwas nicht stimmen kann.

Vermutlich sind nicht wenige Hochsensible als eingebildete Hochstapler unterwegs. Das sind Menschen mit einem intensiven, geheimen Empfinden der Betrügerei angesichts des eigenen Erfolges und der eigenen Leistung. Man glaubt, dass man den eigenen Erfolg nicht verdient hat, hält sich für einen Vortäuscher falscher Tatsachen. Vor allem Perfektionisten und Leute, die innerlich zu Hochleistungen getrieben werden, sind für dieses sogenannte Hochstaplersyndrom anfällig.

Der echte Hochstapler leidet unter seinem fehlenden Status, bildet sich ein, das nicht verdient zu haben und startet eine Karriere als Identitätsbetrüger. Der eingebildete Hochstapler leidet an Selbstbetrug, besitzt aufgrund seines verdienten Erfolges einen hohen Status und bildet sich ein, den nicht verdient zu haben. Ein Trost: Wer sich einbildet, seinen Erfolg nicht verdient zu haben, dem fehlt jegliche Voraussetzung für den Größenwahn. Überhaupt, einen hochsensiblen Größenwahnsinnigen kann ich mir nicht vorstellen.

Netzwerk: Können Hochsensible mit Hilfe der Selbsterkenntnis an Selbstsicherheit gewinnen und höheres Durchsetzungsvermögen erlangen?

Dr. Rühle: Wenn das so einfach wäre! Im Buch beschreibe ich die Zusammenhänge und behaupte, dass unsere „wahre“ Identität in unserem Selbstbewusstsein sitzt und durch das „Wie sehe ich mich selbst?“ nicht ganz erfasst wird. Die ergänzende Frage „Was halte ich von mir selbst?“ führt uns zum Selbstwertgefühl, zum wichtigsten Teil unseres Selbstbewusstseins. Unser Selbstwertgefühl besteht aus bewussten und unbewussten Anteilen und ich zeige, wie man hinter beide kommen kann. Ich gehe darauf ein, wie Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit zusammenhängen. Dass jeder Mensch einen Standardwert an Selbstachtung besitzt, der sich kaum verändern oder entscheidend verbessern lässt. Dass alle direkten Versuche, das Selbstwertgefühl aufzupäppeln, fast nie funktionieren. Und welche Möglichkeiten uns bleiben, Selbstzweifel loszuwerden, uns selbst zu akzeptieren und ein bisschen mehr zu mögen.

Ein tragfähiges Selbstbewusstsein ist die Voraussetzung für ein selbstbewusstes Auftreten. Mensch mit gesundem Selbstbewusstsein strahlen Selbstsicherheit aus und sind durchsetzungsfähig.

Netzwerk: Welche 3 Tipps hast Du für unsere hochsensiblen Leser auf dem Weg zur Selbsterkenntnis?

In meinem Buch fasse ich die Ergebnisse zur Identitätssuche in zwölf Navigationshilfen zusammen. Für Hochsensible sind drei besonders wichtig:

1. Seien Sie sich selbst bewusst.

Geben Sie sich eine überzeugende Antwort auf die Wie-bin-ich-Frage. Entdecken Sie sich selbst. Seien Sie sich Ihrer Einzigartigkeit bewusst. Verwandeln Sie Ihre vermeintlichen Schwächen in Chancen. Wuchern Sie mit Ihren außergewöhnlichen Gaben, die Sie als hochsensibler Mensch besitzen und die den Normalos fehlen. Bringen Sie Ihr Potenzial in passenden Betätigungsfeldern zur Wirkung und sich zur Geltung. Die Schauspielerin Heike Makatsch: „Ich habe gelernt, Ja zu sagen und in den richtigen Momenten auch Nein. Der einzige Kompass, den ich habe, bin ich selbst.“

2. Entziehen Sie sich der Tyrannei des Vergleichs

Vergleichen Sie sich nicht dauernd mit anderen, um sich überlegen oder unterlegen zu fühlen. Feiern Sie lieber Ihr eigenes Leben. Falsche Vergleiche drängen uns in die Rolle des Verlierers. Der Lebenskünstler vergleicht sich mit den richtigen Leuten. Die Schauspielerin Fritzi Haberlandt: „Ausstrahlung ist, wenn man in der Welt steht und mit dem, wie man ist und was man macht, zufrieden ist. Niemand anderer sein zu wollen – das ist das Geheimnis.“

3. Kennen und testen sie Ihre Grenzen

Seien Sie sich als Hochsensibler klar darüber, wo Ihre Stärken, aber auch wo Ihre Grenzen liegen. Das bewahrt Sie vor Abstürzen und lässt Sie, wenn nötig, nach Hilfe suchen. Testen Sie aber auch Ihre Grenzen, nur so entwickeln Sie sich weiter. Der Schriftsteller Sten Nadolny: „Wenn du etwas kannst, dann nicht nur deshalb, weil du es geübt hast, sondern auch, weil du es gewagt hast.“

Netzwerk: Herzlichen Dank für das interessante Gespräch.


Dr. Hermann Rühle
Diplom-Psychologe sowie Trainer für Zeitmanagement und Kreativität, Augsburg
www.dr-ruehle.de
Autor von „Was bin ich? Wie bin ich? Wozu bin ich?“

Hochsensibilität und klares Denken

(Von Silvia Christine Strauch)

Hochsensible Menschen leiden schnell unter Reizüberflutung, da sie die vielen aufgenommenen Eindrücke anders verarbeiten, als nicht hochsensible Personen

Lernt ein Hochsensibler mit dieser Flut an Reizen richtig umzugehen, sie richtig auszuwerten, dann ist er, nicht zuletzt durch seine empathischen Fähigkeiten, durchaus im Vorteil. Dazu muss man sich in erster Linie selbst richtig managen. Man muss dafür sorgen, dass Körper und Geist zu ihrem Recht kommen. Sprich, körperlich sollte man sich darum kümmern, dass man sich rechtzeitig von zu viel Stress zurückzieht und sich ausreichend Ruhepausen gönnt, auch genügend Schlaf in einer ruhigen Umgebung ist wichtig. Auch sollte man sich bewusst ernähren und wenigstens ein Minimum an Sport treiben damit die körperliche Fitness nichts zu wünschen übriglässt.

Meditation und andere Entspannungstechniken

Für den Geist sollte man entsprechende Entspannungstechniken und Meditationen ausprobieren, bis man das gefunden hat, was zu einem passt. Entspannungstechniken sorgen dafür, dass Körper und Geist zur Ruhe kommen und die schnelle Überreiztheit des Hochsensiblen abnimmt. Mit entsprechender Praxis wird man von Jahr zu Jahr ruhiger und belastbarer.

Durchsetzungsfähigkeit

Um in unserer heutigen Welt Bestand zu haben ist ein gewisses Maß an Durchsetzungsfähigkeit notwendig. Dazu ist es in allererster Linie notwendig, dass wir uns in uns selbst zuhause fühlen und mit uns zufrieden sind. Dann werden wir auch in entsprechender Weise von anderen Menschen wahrgenommen. Dazu gehört, dass wir Verantwortung für unser Leben, für unsere Entscheidungen übernehmen. Dazu gehört ein klares Denken, Fakten sammeln und hinterfragen, Interesse an der Umwelt und an Hintergründen und auch an anderen Meinungen. Klares Hinterfragen und mitdenken ist gefragt, damit man zu einer eigenen Entscheidung kommen kann, deren Konsequenzen zu tragen man dann auch bereit ist. Wenn ich in einer Situation mit klarem Denken nach bestem Wissen und Gewissen entscheide, dann bin ich auch bereit die Konsequenzen aus meinem Tun zu tragen. Sollte ich zu einem späteren Zeitpunkt an andere Informationen, an anderes Wissen gelangen dann würde meine Entscheidung vielleicht anders ausfallen, aber das ist nicht interessant, es geht nie um ein: was wäre wenn…

Denken kommt vor dem sprechen

Gewöhnt man sich ein solch klares Denken an, fokussiert man also sein Denken, wird man auch anfangen klar zu sprechen. Die wenigsten Menschen denken während dem Sprechen. Im Allgemeinen ist es sinnvoller vor dem Sprechen zu denken und sich dann klar auszudrücken, so wird man auch entsprechend klar wahrgenommen. Ein klares Denken und Sprechen führt auch zu einem klaren Handeln. Klares Handeln ist zielgerichtet und erfolgreich.

Diese Vorgehensweise setzt ein gewisses Selbstmanagement voraus. Man braucht vor allen Dingen ein gutes Zeitmanagement und muss zwischen wichtigen und dringenden Dingen unterscheiden lernen. Vor allen Dingen muss man lernen Prioritäten zu setzen. Klares Denken führt dazu Prioritäten zu setzen und ist unabdingbar für eine entsprechend gute Work-Life-Balance.

Diese Entwicklung erleichtert das Leben ungemein, weil Unwichtiges kaum mehr wahrgenommen wird und Wichtiges, ohne sich zu verzetteln, zielgerichtet verfolgt wird. Andere Menschen nehmen uns durch unseren klaren Ausdruck auch klar wahr und reagieren nicht mehr so verschnörkelt und durch unser klares Handeln befinden wir uns auf einer Zielgeraden. Und letztendlich führt dieser Weg auch zu einem klaren Fühlen.

Klar denken – klar sprechen – klar handeln – klar fühlen

 

Silvia Christine Strauch
Autorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

Bin ich wirklich ganz ich selbst?

(Von Traudel Theissler)

Eigentlich fühlen wir uns doch ganz gut, manchmal sogar in unserer Mitte, wären da nicht die hartnäckigen Beschwerden, die sich in immer in gleicher Weise zeigen und bevorzugt in „stressigen“ Zeiten auftauchen: Rücken- und Kopfschmerzen beispielweise, Magen-Darm-Beschwerden oder auch nur „die altbekannten Knieschmerzen“, die bereits mit vielfältigen Maßnahmen gut behandelt wurden und dennoch immer wiederkehren. Warum werden wir die nicht los?

Die Ursachen für ein solch wiederkehrendes Geschehen können verschiedenster Natur sein. Einer Möglichkeit, die leicht übersehen werden kann, ist die körperliche Fragmentierung.

In der Psychologie versteht man unter dem Begriff Fragmentierung die Dissoziation der Wahrnehmung oder allgemeiner gefasst: der Identität, des Selbst oder des Ichs einer Person. Der Begriff Dissoziation bezeichnet dabei das Auseinanderdriften von psychischen Funktionen, die normalerweise zusammenhängen. Die Wahrnehmung, das Bewusstsein, das Gedächtnis, die Identität und die Motorik, aber auch Körperempfindungen können durch die dissoziative Abspaltung betroffen sein.

Ganzheitlich betrachtet lässt sich die Psyche nicht vom Körper trennen, d.h. auch der Körper kann verschiedene Anteile seiner selbst vorübergehend oder dauerhaft abspalten. Das geschieht meist durch unbewusst abgespeicherte oder überfordernde Erfahrungen und Erlebnisse. Jedes Organ und Körpersystem kann diese Abspaltung in Form einer differenzierten Symptomatik zum Ausdruck bringen. Oftmals sind diese Körperanteile dann in der Zeit und/oder in der Identität fragmentiert.

Zeitbezogene Fragmentierung kann sich etwa so äußern: Es kann ein Steißbein im sechsten Lebensjahr durch einen Sturz heftig gestaucht worden sein. Die Umstände waren während und auch nach dem Geschehen für den betroffenen Menschen völlig überfordernd. Dieses Unfalltrauma hat der Körper seitdem nicht loslassen können, sodass das Steißbein noch in dem im sechsten Lebensjahr erlittenen Schmerz verharrt, obwohl der gesamte Mensch bereits 52 Jahre alt ist. Hier zeigt sich dann eine zeitliche Fragmentierung, die zu Störungen führen kann, die sich nicht immer durch eine „sachgemäße“ manuelle Behandlung des Steißbeins beheben lassen. Das Unfalltrauma in seiner Gesamtheit, also mit den abgespeicherten Gefühlen und Gedanken in der damaligen Zeit, will möglicherweise gesehen werden und Beachtung finden, um so im Heute heilen zu können.

Die identitätsbezogene Fragmentierung bezieht sich auf etwas „Fremdes“ in uns, das wir aus unterschiedlichen Gründen in unserem Körper tragen. Das können beispielweise Gefühle, Themen oder auch Energien sein, die wir meist unbewusst aufgenommen haben. Jeder kennt sicherlich das Absinken der eigenen guten Laune, weil man mit einem anderen Menschen zu tun hatte, der sehr schlecht gelaunt war. Man „übernimmt“ sozusagen das fremde Gefühl für eine Zeitlang; dieses lässt sich meist aber wieder recht schnell abschütteln.

Es gibt aber auch Übernahmen, die man nicht so leicht wieder loswird, auch weil man sich einer Übernahme gar nicht wirklich bewusst ist. Beispielsweise können Gefühle oder körperliche Herausforderungen von der Mutter während deren Schwangerschaft übernommen werden und sich dann in bestimmten, noch im Entstehen begriffenen Körperbereichen des Kindes einprägen. So könnten wir Ängste der Mutter in unserer Milz, ihre übermäßige Anstrengung im Darm oder das Gefühl der Ablehnung in der rechten Schulter tragen, und das meist, ohne es zu wissen.

Aber der Körper erinnert sich.

Natürlich sind auch spätere Übernahmen möglich. Eine davon ist die identitätsbezogene Fragmentierung aus empathischen Gründen. So übernehmen wir etwa unbewusst das Hüftleiden des Vaters, in der Hoffnung, dass geteiltes Leid halbes Leid sein möge. Die Begründung für das eigene Hüftgeschehen wird dann oftmals in der „Vererbung“ gesehen. Das mag vielleicht auch hier und da stimmen, manchmal handelt es sich aber um eine Übernahme, die dann den eigenen Körper fragmentiert und weder dem Vater noch einem selbst dienlich ist.

Körperbereiche, in denen wir also zeitlich steckengeblieben oder nur teilweise selbst präsent sind, in denen sich also alte oder fremde Programme abspielen, können nicht wirklich ganz heilen, da sie unserer körperlichen Selbstheilungskraft nicht richtig zugänglich sind – denn Selbstheilungskraft benötigt das Selbst. Der Körper kann dann nur signalisieren, dass etwas nicht stimmt, aber er kann die zeitliche oder identitätsbezogene Blockade nicht vollständig überwinden.

Heilung bedeutet in diesen Fällen die Wiederherstellung von körperlicher und psychischer Kohärenz (Homogenität des Körpers und Geistes). Und genau das ist, was eigentlich jede Art von Heilung unterstützen möchte: Das Zurückfinden in die ureigene Identität oder auch Schwingung. Schwingen wir in unserem eigenen Rhythmus, finden wir zurück zu unserer eigenen Kraft und auch zurück ins Hier und Jetzt. Dann kann Heilung geschehen.

Es gibt sicherlich viele therapeutische Möglichkeiten, die verschiedenen Fragmentierungen anzugehen. Meine bevorzugte Methode ist die kinesiologische Testung. Sie ist, sorgfältig ausgeführt, präzise und unkompliziert. Mit ihrer Hilfe ist es meist möglich, Fragmentierungen festzustellen, sie zeitlich, wie auch auf ihre eigentliche Identität hin zuzuordnen. Ich schreibe meist, da es Fälle gibt, in denen die Fragmentierung von dem betroffenen Menschen noch „gebraucht“ wird und deshalb weder genau benannt, noch wirklich losgelassen werden kann. Hier gilt es, erst einmal andere blockierende Mechanismen ins Bewusstsein zu bringen.

Ist das Körpersystem aber bereit, Körperanteile in das Jetzt zurückzuholen und Übernahmen loszulassen, reicht in manchen Fällen schon das achtsame Feststellen und die Bewusstwerdung der Fragmentierung mit den dazugehörigen Umständen aus, um einen Heilprozess in Gang zu bringen. In anderen Fällen bedarf es weiterer Behandlungsschritte, die sich aber höchst individuell gestalten, sodass sich ein pauschaler Heilungsweg leider nicht beschreiben lässt. Doch auch hier ist es möglich, mithilfe der kinesiologischen Testung die individuell passende Therapie zu ermitteln. Meist sind es Behandlungsmethoden aus dem energiemedizinischen Bereich, die hier besonders wirksam sind.

Falls Sie selbst eine Form der Eigentestung beherrschen, etwa den Armlängentest oder eine andere Methode, die Sie schon sicher angewendet haben, dann können Sie folgende einfache Frage nutzen, um herauszufinden, ob bei Ihnen eine Fragmentierung vorliegt: „Ich bin ich – überall in mir“.

Zeigt ihr Körper ein Nein an, ist es ratsam, weiter zu forschen, ob mit oder ohne professionelle Unterstützung.

Der Weg zum Ganzwerden führt über die Klärung alter oder fremder Themen, erfordert Mut und Ehrlichkeit mit sich selbst und Anderen und den Wunsch nach echter Integrität und gelebter Authentizität. Das Auflösen von Fragmentierungen kann ein Schritt auf diesem Weg zu sich selbst sein. Mit der passenden Unterstützung ist er oftmals gar nicht so weit und schwer, wie vielleicht vermutet.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Gute, viele spannende Erkenntnisse und auch Leichtigkeit auf Ihrem ureigenen Weg.

„Das, wonach du dich sehnst,
sehnt sich auch nach dir.“ (Rumi)

Herzlichst,

Traudel Theissler


Traudel Theissler

NATURHEILPRAXIS FÜR HOCHSENSIBLE UND TRAUMABERÜHRTE MENSCHEN

www.traudel-theissler.de

 

 

Berufliche Erfüllung für Feinfühlige

(Von Nicole Lindner)

Innenschau als Grundlage für einen neuen Weg

Nicht wenige zartbesaitete Menschen klagen darüber, dass sie sich in ihrer beruflichen Tätigkeit nicht wohlfühlen. Genauso oft wissen aber die wenigsten, in welche Richtung sie gehen sollen, damit sich das verändert. Zu groß ist die Angst, womöglich erneut schlechte Erfahrungen zu machen oder einen Rückschlag zu erleiden. Also machen viele weiter wie bisher – leider viel zu oft auf Kosten der eigenen Gesundheit. Der Weg aus dem Dilemma? Innenschau betreiben und die grundsätzliche Richtung klären. Wie das geht, werde ich dir in diesem Artikel vermitteln.

Feinfühlige wissen oft nicht, in welche berufliche Richtung es gehen soll

Stell dir einmal folgendes vor: Du gehst in eine Gärtnerei, stellst dich vor eine Verkäuferin und sagst, du möchtest etwas kaufen, um deinen noch ziemlich verwaisten Garten zu bestücken. „Sehr gerne“, erwidert die Verkäuferin und fragt dich: „Was genau darf ich Ihnen denn anbieten?“ Du schaust einen Moment auf die prachtvoll aufgereihten Pflanzentöpfe und fühlst dich überfordert von der unglaublichen Auswahl. Dann aber kommt dir eine Idee. Du strahlst die Dame an und meinst: „Ach, am besten einfach alles!“ Zunächst wird die Verkäuferin wahrscheinlich etwas verdutzt gucken, sie sich jedoch – wenn sie Ahnung von Ihrer Materie hat – mit dieser lapidaren Antwort nicht zufriedengeben. Stattdessen bohrt sie nach. Sie will wissen, ob du z.B. ein- oder mehrjährige Pflanzen kaufen, diese in ein Sonnen- oder Schattenbeet pflanzen möchtest, welche Farben und Arten du bevorzugst usw. Nachdem du einige Pflanzen ausgesucht hast, wird sie dir wahrscheinlich noch eine Pflegeanleitung mitgeben und ein paar mündliche Tipps, wie du die Pflanze düngen, vermehren oder im Herbst richtig zurückschneiden kannst. Du gehst nach Hause, pflanzt die Neuerwerbungen ein und stellst nach einiger Zeit erfreut fest, dass sie dir die prachtvollsten Blüten schenken. „Wunderbar“, denkst du dir. „Das war eine gute Beratung. In diesen Laden kaufe ich mit Sicherheit wieder ein.“

So ähnlich gestaltet es sich mit der richtigen Jobsuche, nur bist du hier dein eigener Berater, weil du dich selbst am besten kennst. Das erfordert Erfahrung, eine gute Intuition und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – alles Dinge, die jetzt schon in dir schlummern.

Feinfühlige können leichter als andere Innenschau betreiben

Dazu solltest du vorab vielleicht wissen: Gerade feinfühlige Menschen haben die Gabe, sehr viel leichter als andere eine intensive Innenschau betreiben zu können. Der Grund dafür liegt darin, dass der Gehirnbereich, welcher für Lernen, Entscheiden, Erinnern und Problemlösen zuständig ist, bei ihnen stärker durchblutet ist. Das macht Feinfühlige oftmals zu exzellenten Beobachtern, Zuhörern, Reflektierern und Auswertern, so beschreibt es zumindest Intro-Expertin Sylvia Löhken in „Leise Menschen – gutes Leben“ (2017) im Kapitel „Was sind leise Menschen“.

Wie kann dir das bei deiner Jobsuche nützen? Nun, es erleichtert dir die Auswahl einer Tätigkeit, die zu passt. Es zeigt dir eine grundsätzliche Richtung, eine erstrebenswerte Vision, ja lässt Verstand und Gefühl zu gleichen Anteilen bei deiner Entscheidung mitbestimmen.

Die grundsätzliche Richtung

Die grundsätzliche Richtung, von der ich hier spreche ist folgende: Wenn ich auf der Suche nach einem Job bin, der mich richtig erfüllt, muss ich zunächst etwas ganz Elementares wissen: Ich muss wissen, wer ich bin und was ich brauche. Das klingt vielleicht banal, ist jedoch etwas, das sehr viele tiefgründige Menschen bei ihrer Suche nach der richtigen Tätigkeit vergessen. Viel zu sehr orientieren sie sich am Außen, nehmen das an, was auf dem Stellenmarkt angeboten wird und versuchen praktisch, sich immer wieder hinsichtlich der ausgeschriebenen Tätigkeit zu verbiegen. Selbst, wenn diese gar nicht zu ihnen passt oder ihre persönlichen Grenzen ins Unermessliche ausreizt.

Die Quittung bekommen sie dann nicht selten in stetig wiederkehrenden Erschöpfungszuständen, Schlafstörungen, körperlichen und psychischen Beschwerden usw. Nicht überraschend, da ihr empfindsames Nervensystem deutlich sensibler auf Umwelt- und Außenreize reagiert als das von weniger Empfindsamen. Die Folge: Sie fühlen sich nicht mehr wohl und laufen auf Dauer Gefahr, krank zu werden. Die grundsätzliche Richtung für dich als feinfühliger Jobsuchender sollte demnach diese sein: Sei dir absolut im Klaren, wer du bist und was du brauchst. Gib nicht auf und suche danach. Und zwar solange, bis du es findest.

Den Anfang kannst du damit machen, indem du dich selbst ein wenig beobachtest und reflektierst. Hilfreiche Fragen können sein:

  • Wie fühle ich mich, wenn ich dieses oder jenes tue?
  • Wo und mit wem bin ich in meinem Element?
  • Wofür setze ich mich gerne ein bzw. wofür brenne ich?
  • Was schenkt mir Energie anstatt sie abzuziehen?

Vielleicht legst du dir ja ein Tagebuch an und reflektierst deine Erkenntnisse schriftlich? Du wirst sehen, mit der Zeit kristallisiert sich etwas heraus, das sich wie eine Antwort anfühlt. Sie gibt dir die Richtung vor, in die du die ersten Schritte wagen darfst. Vielleicht in Form eines Praktikums, einer Hospitation, einer nebenberuflichen Tätigkeit, weiteren Ausbildung usw.  Vielleicht bedeutet es ja auch, dass du deine Arbeitszeit reduzierst und dich nebenbei selbständig machst oder aber in der Firma, in der du jetzt schon tätig bist, deinen Arbeitsbereich wechselst? Öffne dich diesen Möglichkeiten – selbst, wenn sie dir zunächst absurd erscheinen. Spiele sie durch, probiere sie an. Ich verspreche dir, du wirst staunen, was da alles möglich ist.

Viel Erfolg!


Nicole Lindner
www.meinweg-deinweg.de
www.facebook.com/meinwegdeinweg/
Autorin von „Feinfühligkeit trifft auf Berufsleben“


Nicole Lindner
FEINFÜHLIGKEIT TRIFFT AUF BERUFSLEBEN
Wie Sie Beruf und Ihr Naturell in Einklang bringen können
ISBN: 9783982012551, 240 Seiten
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Wie sich Hochsensible durchsetzen können

(Von Luca Rohleder)

Das Nervensystem von Hochsensiblen muss eine gewaltige Menge von Informationen verarbeiten. Sie bekommen mehr Einflüsse durch Umwelt und Umfeld aufgedrängt als üblich. Oft sind sich Hochsensible darüber nicht bewusst, dass Sie manchmal sogar die Gefühle und Stimmungen anderer Personen mitverarbeiten müssen. In der Summe hat das Leben den Hochsensiblen eine gewisse Bürde auferlegt. Sie bekommen alles wie auf dem Präsentierteller serviert. Ob sie wollen oder nicht.

Hochsensible stehen in ihrem Leben vor einem Lernprozess, Umwelteinflüsse geschickt in ihrem Sinne  aufzunehmen

Sie laufen Gefahr, zu einseitig Informationen zu verarbeiten. Schneller als man denkt, liegt der Fokus nur noch auf negative Aspekte.  Alles hat jedoch seine positiven und negativen Seiten. Vielleicht ist dies die größte Herausforderung, vor der Hochsensible in ihrem Leben stehen. Sie haben die Gratwanderung zu meistern, nicht nur zwischen den zahlreich einprasselnden Umwelt- und Umfeldreizen zu selektieren, sondern sich vor allem auf die positiven Aspekte zu konzentrieren.

Diese enormen Verarbeitungsprozesse, denen das hochsensible Gehirn ausgesetzt ist, sind auch die Ursache, warum Hochsensible oft wie gelähmt sind, wenn es darum geht, sich zu behaupten. Es scheint ihnen unmöglich zu sein, schnell zu schalten, wenn Vorteile oder sonstige Annehmlichkeiten zu verteilen sind.

Selbst bei verbalen Angriffen oder plötzlichen Änderungen von Umweltbedingungen zeigen Hochsensible selten schnelle Handlungsmuster

Die im Gehirn eingehende Menge an Informationen, die verarbeitet, geordnet und analysiert werden müssen, sind einfach zu umfangreich. Alles braucht seine Zeit. Damit ist es nahezu unmöglich, spontane Handlungsstrategien aus dem Hut zaubern zu können. Kurzum: Wenn es darum geht, blitzschnell geistig zu reagieren, werden Hochsensible meist den Kürzeren ziehen. Die richtigen Argumente oder Reaktionen fallen ihnen in der Regel zu spät ein – manchmal sogar erst nach Stunden. Im Prinzip sind das schlechte Voraussetzungen, um sich in einer Zeit der zunehmenden gesellschaftlichen Verrohung durchsetzen zu können.

Der Wunsch vieler Hochsensiblen, spontan zu sein, ist infolgedessen ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen. Sie würden sich in einen intellektuellen Wettkampf mit Normalsensiblen begeben, der nur schwer zu gewinnen ist. Vielmehr sollten sie sich auf ihre Hauptstärken rückbesinnen. Ihre Weisheit und ihre Intuition sind Instrumente, die es in sich haben. Insbesondere lebenserfahrene Hochsensible, die ihre Lebensmitte bereits überschritten haben, sind in der Lage, sich allein mit ihrem 6. Sinn durchsetzen zu können. Hochsensible können infolgedessen von einer etwas ungewöhnlichen Art der Durchsetzungsfähigkeit profitieren:

Hochsensible müssen in der Regel nur geduldig abwarten

Und sie werden feststellen, wie sich die Dinge wie von Geisterhand zu ihren Gunsten entwickeln. Es scheint so, als könnten sie positive Zufälle herbeiführen. Dies ist jedoch ein Trugschluss. Vielmehr ist es die Intuition von Hochsensiblen, die sie zu den passenden Orten, zu cleveren Einsichten, den besseren Rahmenbedingungen und zu den richtigen Menschen führt. Im Laufe ihres Lebens bemerken sie, dass es oft gar nicht notwendig ist, sich im Jetzt durchsetzen zu müssen. Denn sie wissen, dass das Morgen und vor allem das Übermorgen auf ihrer Seite stehen werden. Mit dieser Gewissheit, dass sich viele Gegebenheiten sowieso in ihrem Sinne positiv drehen, können Hochsensible viel Lebensfreude generieren. Der vermeintliche Zufall ist meist auf der Seite von Hochsensiblen. Mit Gelassenheit und Weisheit können sie darauf vertrauen, dass ihre Durchsetzung zeitversetzt erfolgt. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sie lernen, auf ihre Intuition zu hören.

Die Intuition kann Hochsensible grundsätzlich in die für sie vorteilhaften Umstände führen

Haben Hochsensible dieses ungewöhnliche Durchsetzungsprinzip erst einmal vollumfänglich erkannt, lösen sich viele Sorgen von selbst auf. Im Alltag können Handlungsdruck, Habachtstellung oder übertriebene Vorsicht gegenüber Personen bzw. Umständen losgelassen werden. Sie wissen nun, dass ihr 6. Sinn sie selten im Stich lässt. Diese Form, sich behaupten zu können, funktioniert zwar etwas zeitversetzt und manchmal auch in Zeitlupe, jedoch besitzt sie eine gewaltige Durchschlagskraft.


Luca Rohleder, Betreiber des Netzwerks Hochsensibilität und Autor von „Die Berufung für Hochsensible“

Die Berufung für Hochsensible
Die Gratwanderung zwischen Genialität und Zusammenbruch
ISBN 978-3-9815711-4-1
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Warum Hochsensibilität ein Geschenk ist

(Von Christopher Hensellek)

So herausfordernd die eigene Hochsensibilität und der Umgang damit auch oft sein mag, geht es doch umso mehr darum, sich die positiven Seiten dieser Gabe bewusst zu machen. Sich so wie man ist, mit allem ganz und gar anzunehmen und zu lieben ist zwar nicht unbedingt einfach, aber möglich und in größtem Maße entlastend. Was ist sinnloser, als sich gegen etwas zu sträuben, das man nicht ablegen kann? Wieviel Energie dabei verloren geht, gegen etwas anzukämpfen, was du nicht ändern kannst – und auch gar nicht musst. Denn du bist genau richtig so wie du bist! Sieh deine Hochsensibilität als Geschenk, lerne auf dich zu achten, gut mit dir umzugehen und auf deine persönlichen, hochsensiblen Bedürfnisse zu hören. Und hier einige Punkte, warum deine Hochsensibilität ein Geschenk ist:

1. EMPATHIE

Du empfindest sehr viel Mitgefühl für deine Mitmenschen. Du bist ein guter Zuhörer und kannst dich sehr gut in dein Gegenüber hineinversetzen. Dies wird von deinen Mitmenschen und Freunden sehr geschätzt. Du bringst für verschiedene Sichtweisen Verständnis auf, weil du jede Seite nachvollziehen kannst. Du bist ein guter Vermittler und durch deine Harmoniebedürfnis der geborene Streitschlichter. Du kannst dich für andere freuen, da du so mitfühlend bist. Das Gefühl des Glücks und der Freude überträgt sich auf dich, wenn andere – besonders dir nahe tehende Personen – sich freuen.

2. TIEFE VERBUNDENHEIT ZUR NATUR

In der Natur kommst du zur Ruhe. Du spürst dort eine tiefe Verbundenheit und Gelassenheit. Wo sonst, wenn nicht in der Natur, kann man als hochsensibler Mensch zur eigenen Mitte finden und zur Ruhe kommen? Schließlich ist die Natur, wie der Name schon sagt, „natürlich“ und von Gott erschaffen. Genau so sind wir Menschen es. Kehren wir in die Natur ein, so kommen wir auch gleichzeitig unserem Inneren – unserer eigenen wahren Natur – wieder nahe. Wir können dort unseren wahren innersten Kern spüren, uns von negativen Gedanken und Emotionen befreien und wieder in Einklang mit uns und unserer Umwelt kommen. Uns hochsensiblen Menschen fällt dies besonders leicht, wir haben an sich einen guten Zugang zu unserer Intuition und zu unserem inneren Kern.

Du hast als HSP auch einen Sinn für Kunst und Ästhetik. Geschmäcker sind zwar bekanntermaßen verschieden, doch meist sind es die einfachen Dinge, die besonders anziehend wirken und eine große Wirkung auf uns haben. Wir brauchen nicht viel um uns freuen zu können. Eine schöne Landschaft, eine Blume oder auch ein Lächeln eines Menschen können uns zutiefst erfreuen und berühren.

3. MIT ALLEN SINNEN WAHRNEHMEN

Wir nehmen mit all unseren Sinnen mehr wahr. Dies kann im manchmal allzu stressigen Alltag durchaus herausfordernd sein, aber wenn wir uns in der passenden Umgebung befinden, gut auf uns achten und uns auch die nötigen Ruhepausen gönnen, kann dies ein echter Segen sein. Das Riechen des Frühlingsduftes und des warmen Sommerregens, der auf dem Asphalt verdunstet. Das intensive Schmecken bei einem guten, leckeren Essen: Wir können uns daran sehr erfreuen und dieses auch bewusst genießen, statt es einfach herunter zu schlingen. Das Sehen einer weitläufigen, naturbelassenen Landschaft – dieser Ausblick berührt uns tief. Wir hören das Rauschen des Meeres und fühlen eine tiefe Verbundenheit und Ruhe. Wir spüren Berührungen, zum Beispiel die unseres Partners, intensiv und können diese ausgiebig genießen.

4. ALLEIN SEIN KÖNNEN

Wir hochsensiblen Menschen brauchen zwar viel Ruhe und Zeit für uns, um uns von verschiedenen Reiz- und Sinneseindrücken zu erholen und diese zu verarbeiten, jedoch haben wir meist wenig Probleme damit, allein zu sein – im Gegensatz zu vielen anderen Menschen. Wir hingegen brauchen eben genau dieses allein sein und die Ruhe. Wir scheuen uns nicht davor, nach innen zu schauen und uns ausgiebig zu reflektieren, uns mit uns selbst und unseren Ängsten, Sorgen und Gefühlen auseinander zu setzen. Dadurch decken wir viele Schattenseiten auf und zeigen Bereitschaft und Willen, diese zu bearbeiten und gegebenenfalls auch zu verändern. Wir haben den Drang, den Sinn unseres Lebens zu finden und uns in eine positive Richtung zu entwickeln, unseren eigenen, authentischen Weg zu gehen.

5. SPIRITUALITÄT UND INTUITION

Wir haben einen guten Zugang zur Spiritualität und zu unserer Intuition. Glaube und Spiritualität kann uns im Leben ein sicheres Fundament sein. Mit dem Vertrauen auf Gott und unsere eigene Intuition sind wir in der Lage, wieder neue Kraft zu schöpfen, um unsere Lebenssituation unseren persönlichen, hochsensiblen Bedürfnissen und Vorstellungen gemäß anzupassen. Wenn wir auf unser Herz hören, uns trauen und aktiv werden, können wir vieles zum Guten verändern und uns gleichzeitig von alten limitierenden Handlungsmustern und Glaubenssätzen befreien. Wir wissen oft genau, was wir nicht mehr möchten und in welche Richtung wir gehen wollen. Mit Vertrauen auf in dich selbst ist dies machbar.

FAZIT

Dies war nur ein kleiner Teil der positiven Aspekte, die wir hochsensiblen Menschen in uns tragen. Fallen dir noch weitere positive Seiten ein? Dann schreibe sie hier gerne in die Kommentare. Ich wünsche mir sehr, dass du deinen Blick mehr auf die positiven Seiten – nicht nur was Hochsensibilität, sondern auch das Leben an sich angeht – richten kannst. Nimm das an, was du nicht ändern kannst und mache das Beste daraus. Verändere die Dinge, die du verändern kannst, um zu mehr Zufriedenheit zu gelangen. Lerne mit Herausforderungen umzugehen und dir deinen Alltag so zu gestalten, dass du ihn möglichst gut deinen Bedürfnissen und deinem hochsensiblen Wesen anpasst.

Ich wünsche dir, trotz der aktuell sehr schwierigen Zeiten, viel Erfolg beim Entdecken deiner Stärken und bei der Entdeckung deines wahren Potenzials.


Christopher Hensellek, www.hypersensibel.com

Ich zeige Menschen auf, wie sie achtsamer, mitfühlender und liebevoller mit sich selbst umgehen und ihre Hochsensibilität akzeptieren und zu einem Wegweiser für ihr Leben machen können. Was braucht gerade jetzt deine Aufmerksamkeit, Akzeptanz und dein liebendes Mitgefühl?

Autor von „Metamorphose – Hochsensibel gesund leben“

 

Dünnhäutig – Fluch oder Segen?

(Von Ursula Yngra Wieland)

Was genau sind eigentlich die Anzeichen für Hochsensibilität? Sie kommt in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen einher. Bei dem einen zeigt sie sich als übergroßes Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug, bei der anderen ist es eine starke Wahrnehmung von Gerüchen, beim dritten zeigt es sich als Überempfindlichkeit von Geräuschen, grellem Licht oder Farben oder als Unwohlsein bei größeren Menschenansammlungen. Auch Unverträglichkeiten von Medikamenten oder Zellgiften wie Zucker, Alkohol, Kaffee oder Nikotin und sämtlichen anderen Drogen können Anzeichen für Hochsensibilität sein, ebenso wie übersteigertes Schmerzempfinden. Bei manchen kommt all das zusammen.

Viele Hochsensible fühlen sich weniger leistungsfähig, als die Gesellschaft es fordert und das zieht oft eine Spirale von gemindertem Selbstwertgefühl oder das Gefühl, nicht richtig zu sein, nach sich. Viele HSPs, die nicht wissen, dass sie HSPs sind, kämpfen gegen sich selbst, weil sie immer das Gefühl haben, nicht da sein zu wollen, wo sie gerade sind, weil sie Emotionen anderer und die eigenen zu stark empfinden, und deshalb auch intensive Erfahrungen oder viele Menschen auf einem Haufen nicht ertragen können. Für eine hochsensible Person ist ein Großraumbüro Gift und das Oktoberfest kommt ebenfalls einer Vergiftung gleich, so habe ich das jedenfalls empfunden, als ich vor vielen Jahren das letzte Mal dort war.

Für manche Hochsensible fühlt sich der Alltag schon an, wie eine überfüllte U-Bahn, Geräusche, Gerüche, Menschen – alles ist zuviel

Manchmal hat man das Gefühl, Wut, Angst oder Schmerz anderer fühlen zu können. Das ist verwirrend. Als unerkannte HSP versuchst du ständig mithalten zu können. Du gehst feiern bis in die Puppen, obwohl es dir nicht guttut, du trinkst Alkohol, weil du das Gefühl hast, du würdest etwas verpassen, wenn du nicht mit dem Strom schwimmst. Das passiert oft bei jungen Männern, die glauben, wenn sie nicht mithalten können beim Saufen, sind sie falsch. Dabei kann Schlimmes passieren. Hochsensible Männer haben generell ein noch größeres Problem, diese Tatsache zuzulassen. Süchte sind generell oft ein Thema bei Hochsensiblen, egal ob es um Medikamente, Drogen, Alkohol, Computer – oder Handysucht, Sex- oder Kaufsucht handelt. Damit versuchen sie, das Übermaß an Empfindungen wegzudrücken, aber ich sage euch, es hilft nicht. Entwickle ein Bewusstsein dafür und hole dir Hilfe, wenn Sucht auf dich zutrifft.

Wenn du es wagst, eine Befindlichkeit zu äußern, hörst du „du bist aber mimosenhaft“ oder „ein ganz schönes Nerverl bist du“. Das alles trägt nicht zum Wohlbefinden bei und vielleicht hast du als Kind schon oft den Satz gehört „stell dich nicht so an“. Du hast oft Kreislaufprobleme, Migräne, Übelkeit, frierst oder schwitzt schnell, bist ständig müde, bekommst Panikattacken und gehst über deine Grenzen, kurz, du hast immer das Gefühl, überfordert zu sein. Manchmal endet das im Burnout oder in einer Ärzteodyssee. Wer sich nun erkennt, tut gut daran, sich mit dem Thema zu befassen. Sehr oft erlebe ich in meiner Praxis, dass allein die Erkenntnis, was mit dem Menschen los ist, Erleichterung, Freude und Entspannung hervorruft. Endlich ist das Kind beim Namen genannt, damit kann man arbeiten und HSP kann aufhören, sein zu wollen, wie die anderen. Apropos Kind, Hochsensibilität kann vererbt werden, kann in der Kindheit entstehen, aber auch durch traumatische Erlebnisse oder Operationen hervorgerufen werden. Bei vielen HSPs entsteht oft schon in der Kindheit der Effekt, dass sich das Kind fühlt, als stünde es neben sich, wie eine Abspaltung, weil das, was auf das Kind einprasselt nicht ausgehalten wird. Grenzen sind bei hochsensiblen Kindern schneller erreicht, als bei anderen.

Manchmal steckt hinter Schulangst oder Schulbauchweh auch Hochsensibilität

Erinnert ihr euch, wie laut es in einer Schule ist? Kein Wunder, das ein hochsensibles Kind da nicht hinwill, finde ich. Kinder, die nicht zwischen den eigenen Gefühlen und denen anderer unterscheiden können, denken oft, sie sind falsch und andere nehmen sie ebenfalls als falsch wahr. Na toll, denkst du vielleicht, wenn du dich in dieser Beschreibung wiederentdeckt hast. Und was mache ich jetzt?

Der erste Schritt heißt, anzuerkennen, was ist. Ok. Ich bin anders, aber es gibt noch mehr von mir da draußen. Und warum ist es überhaupt erstrebenswert, zu sein wie alle? Verabschiede dich von diesem Konzept. Es hat durchaus auch Vorteile, HSP zu sein. Man ist feinfühliger, spüriger und emphatischer als andere, oft kann man Zusammenhänge schneller erfassen und danach handeln. Bei mir ist es ein sehr nützliches Tool für meine psychotherapeutische Arbeit, allerdings nur, weil ich gelernt habe, richtig damit umzugehen. Es ist essentiell, achtsam mit sich umzugehen und sich das zu erlauben. Wenn ich weiß, dass ich allergisch auf Erdbeeren reagiere, esse ich keine. Wenn ich weiß, dass ich hochsensibel bin und stark auf Geräusche reagiere, gehe ich nicht zu einem Punk-Rock-Konzert, auch nicht, wenn ich eingeladen werde. Es geht darum, deine Bedürfnisse wahr- und ernst zu nehmen, die individuellen Neigungen anzuerkennen und zu befriedigen.

Akzeptiere dich, so wie du bist, nach dem Motto, „ich darf ich sein“

Ein HSP gleicht nicht dem anderen, daher ist es wichtig, deine persönlichen Wahrnehmungen zu beachten und gute Werkzeuge zu finden, um damit umgehen zu können und das Leben zu genießen. Natur heilt die meisten HSPs, also gehe so viel wie möglich an die frische Luft. Wenn du wählen kannst, wohne nicht mitten in einer Großstadt, sondern eher dort, wo es ruhiger ist. Achte darauf, dass du dich in deiner Haut und deinem Körper wohlfühlst. Es gibt eine Vielzahl an naturheilkundlichen Unterstützungsmöglichkeiten, die dir dabei helfen, dich wohl zu fühlen. Und da HSPs empfindsam reagieren, helfen diese Maßnahmen sehr gut und schnell. Atemtechniken sind beispielsweise ein unverzichtbares Tool.

Gib übergroße Verantwortung ab und übernimm lieber Verantwortung für dich. Halte dich dort auf, wo du sein möchtest. Trenne dich von Menschen, die dir nicht guttun, ja, auch das gehört dazu. Sprich mit deinem Partner oder deiner Partnerin, wenn du viel Rückzug und Zeit für dich allein brauchst, damit sie verstehen können, dass es nichts mit ihnen zu tun hat.

Welche Ressourcen unterstützen dich? Bau Resilienz auf und nutze täglich die Kraftquellen, die dir zur Verfügung stehen. Füge Schutz- und Reinigungsmaßnahmen zu deiner Tagesroutine hinzu – eine herrliche Erleichterung. Kreativität in jeder Form ist meistens sehr wohltuend für Hochsensible und die meisten sind richtig gut darin. Richte dich in deinem Leben so ein, dass du dich darin zuhause fühlst.

HSPs brauchen einen schützenden, gemütlichen Kokon, und jeder muss für sich herausfinden, welche Art von Kokon das sein soll, und wie man ihn herstellt.


 

Ursula Yngra Wieland
Phönixx Lebenscoaching
www.phoenixx.de

Autorin von „Eltern Ratgeber – Kinder selbstbewusst begleiten“

 

Die Kommunikation der inneren Stimme

(von Ursula Ines Keil)

Innere Stimme und analytisches Denken könnten sehr gut zusammen existieren. Ich schreibe bewusst „könnten“, denn aufgrund unserer gesamten menschlichen Entwicklung ist dies in der heutigen Zeit meist kaum noch möglich. Daher ist es umso wichtiger, dass wir lernen, diese Gemeinsamkeit wieder zu entwickeln oder wie ich es gern benenne – eine Gehörreinigung vorzunehmen. Gerade in der aktuellen Zeit mit all den verschiedenen Einflüssen im Außen, ist es für die eigene Lebensqualität sehr dienlich sich wieder zu hören, instinktiv zu handeln und der eigenen inneren Stimme wieder mehr Achtsamkeit zu schenken.

Unsere innere Stimme ist eine alle Bereiche umfassende Essenz, die zwischen unserem Geist und unserem Körper eine Verbindung herstellt

Doch wie kommuniziert unsere innere Stimme überhaupt mit uns? Um in Verbindung zu gehen, verwendet unsere innere Stimme Gleichnisse und Symbole. Deshalb erscheint es uns manchmal so schwierig, die innere Stimme zu verstehen, weil wir üblicherweise Kommunikation mit Worten betreiben. Die Kommunikation im Inneren läuft jedoch ganz anders ab. Entscheidend dabei ist, welches Gefühl man im Herzen spürt, verbunden mit dem ersten Impuls – das, was man in verschiedenen Situationen empfindet und wahrnimmt. Daher stammt auch die Aussage:

Dein Inneres kennt die Antwort bevor die Frage formuliert ist

Dies sollte man sich grundlegend einmal bewusst machen. Da wir jedoch in unserem Empfinden alle sehr unterschiedlich sind, wird sich die innere Stimme für jeden individuell ausdrücken. Das kann in Form eines kurz aufkommenden Bildes, eines Gedankens oder einer anderen Körperempfindung sein. Es ist ratsam, sich über diese eigenen Empfindungen und Beobachtungen Notizen zu machen. Gerade am Anfang kann das sehr hilfreich sein, denn es handelt sich um die individuelle Sprache der eigenen inneren Stimme, deren Vokabular man in keinem Lehrbuch nachschlagen kann. Nach einiger Zeit braucht man die Notizen oft gar nicht mehr, denn die Ausdrucksform der eigenen inneren Stimme wird dann geläufig sein.

Um es noch etwas praktischer auszudrücken kann es z. B. sein, dass die innere Stimme mit einem durch ein bestimmtes Lied im Radio kommuniziert, das man auf einmal sehr häufig hört oder „zufälligerweise“ immer dann, wenn man das Radio gerade erst eingeschaltet hat. Oder in Begegnungen mit anderen Menschen fallen mehr oder weniger beiläufig Kommentare, die einen aufhorchen lassen. Die Bandbreite an möglichen Kommunikationsformen ist schier unerschöpflich, wobei die eigene innere Stimme auch lernt, zu welcher Form man eine Affinität besitzt, beispielsweise ob man eher ein visueller, audiovisueller oder literarischer Typ ist. Ein derartiges äußeres Ereignis jedweder Art ist immer ein symbolischer Spiegel der eigenen innerseelischen Situation. Zudem bedient sich die innere Stimme der jeweiligen Kultur, den Einstellungen und Glaubensvorstellungen, damit man sie überhaupt verstehen kann. Dies gilt es, sich bei der Deutung des Äußeren ebenfalls bewusst zu machen.


URSULA INES KEIL
Dein Inneres zeigt Dir den Weg
Die geheimnisvolle Sprache der inneren Stimme verstehen lernen


 

Um überhaupt ein Gefühl dafür zu entwickeln, was die innere Stimme innerhalb ihrer Worte in der Tiefe ausdrücken will, so könnte man ungefähr Folgendes vernehmen:

„Ich bin es, deine innere Stimme, die dich in aller Liebe daran erinnert, dass der Grund, warum du am Leben bist, gemeinsame Erfahrungen mit mir sind.

Es sind dein innerer Widerstand und deine Angst vor Veränderung, die den Druck, den du in deinem Leben verspürst, erzeugen. Dabei möchte ich dich doch nur ermutigen, den Weg zu dir selbst zu gehen.

Wie groß muss der Druck in dir noch werden? Wie groß muss der seelische und körperliche Schmerz werden, damit du endlich innehältst und mich wieder hörst? 

Mein Hauptansinnen ist, dich dazu zu bewegen, all deine von dir verdrängten und abgelehnten Anteile einzusammeln und anzunehmen, so dass du die darin vorhandene reine Lebensfreude wieder spürst. Denn genau dies ist der Gradmesser für dich: Je mehr tiefempfundene Freude du in deinem Leben erfährst, desto stärker bist du mit mir im Einklang.

Im Gegensatz dazu ist die Stärke deines empfundenen Leids ein Gradmesser, wie weit du dich von mir durch deinen freien Willen entfernt hast. Ich bin in aller Konsequenz nur daran interessiert, dass du ein sinnvolles Leben führst. Leid ist für mich wenig sinnvoll, ich bin selbst reine Freude.

Jetzt, da du es weißt, kannst du aus freiem Willen entscheiden, wie du dein weiteres Leben verbringen und erleben möchtest. Ich, deine innere Stimme, bin bei dir. Immer! Gleichgültig, wie du dich entscheidest.

Du fragst dich: Wie soll mein Leben nun weitergehen? Ganz einfach, mit mir zusammen, mit mir, deiner inneren Stimme, und der Lebensfreude, die ich dir bringe.“

Ich kann an der Stelle nur jeden ermutigen, sich dies einmal vor Augen zu führen. Insgesamt ziehen sich die Mitteilungen der inneren Stimme durch alle Lebensbereiche, wie die Sexualität, die Beziehungen, die Ernährung oder der Beruf.

Es gibt nichts Nachhaltigeres und Lebensbereicherndes wie mit sich selbst wieder in Verbindung zu sein, vor allem in einer Zeit wie der jetzigen. Viel Mut und Kraft!


Ursula Ines Keil, Buchautorin und psychotherapeutischen Heilpraktikerin
www.facebook.com/ursulaineskeil
www.heilkundetherapiezentrum.de


URSULA INES KEIL
Dein Inneres zeigt Dir den Weg
Die geheimnisvolle Sprache der inneren Stimme verstehen lernen

Neuerscheinung 03/2020, 240 Seiten, Softcover
ISBN 978-3-9820125-7-5 (Print)
ISBN 978-3-9820125-8-2 (E-Book)

Hochsensible und ihr Wahrnehmungsvermögen

(Von Christiane Baumann)

Wir Hochsensiblen haben einfach ein besonders hohes und intensives Gefühls- und Wahrnehmungsvermögen. Man könnte quasi sagen, dass wir eigentlich keinen Reizfilter besitzen. Das wiederum bedeutet, dass einfach alles komplett ungefiltert bei uns ankommt und wir automatisch aufnehmen.

Stell dir mal ein Sand-Sieb vor, und zwar ein normal feines. Dies stellt im Prinzip den Filter der Normalsensiblen dar. Hier rieseln in kleinen Mengen die Reize ein, die einzeln verarbeitet werden können. Bei uns hingegen sieht das ein bißchen anders aus. Wir besitzen dieses Sieb nicht wirklich. Dass heißt, mal überspitzt dargestellt, der Sand fällt auf einmal durch und wir bekommen alle Reize ungesiebt auf einen Schlag präsentiert – auch so ein bißchen zu vergleichen mit einem ganzen Sandberg, der auf einmal vor uns steht. Und um ihn abzutragen, brauchen wir einfach etwas mehr Zeit und da kann es eben schneller zur Erschöpfung kommen. Gerade dann, wenn wir noch keinen Weg gefunden haben, wie wir uns Pausen in den Alltag bauen können.

Viele sehen nur diesen Berg Stress, und resignieren. Sie nehmen ihn einfach hin – sozusagen als gegeben. Anstatt mal zu überlegen, okay so ist es! Ich bin einfach so gestrickt, daran kann ich nichts ändern. Was ich aber ändern kann, ist meine Einstellung dazu, und wie ich mir die nötigen Pausen gestalte.

Wir brauchen einfach mehr Pausen als normal Sensible

Steh doch auch dazu! Dann ist alles wohinter du stehst authentisch, und du strahlst diese Einstellung auch aus. Keiner wird auf die Idee kommen, es zu belächeln. Du bist fest entschlossen, dass das das Beste für dich ist und das ohne Fragezeichen, sondern mit einem Ausrufezeichen. Das ist Selbstfürsorge!

Ich hatte mal einen Test machen lassen, wo der Cortisolspiegel gemessen wurde und ich war nicht erstaunt, als ich gerade in der Depression steckte, dass dieser erhöht war. Was mich aber total erstaunt hatte war, dass er auch in heutiger Zeit stark erhöht ist, zwar nicht mehr so hoch wie damals, aber außerhalb des Normbereichs. Ich hab mich dann schlau gemacht und herausgefunden, dass bei den meisten Hochsensiblen der Cortisolspiegel erhöht ist. Was ganz klar mit den ständigen Reizen zu tun hat, der natürlich erstmal Stress in uns verursacht.

Wir haben täglich mit Reizüberflutung und Überstimulation zu tun, wohingegen andere alles als normal empfinden

Eben weil sie einen Reizfilter besitzen und filtern können und wir eben nicht. Ich möchte kurz noch ein paar Beispiele geben, die zur Überreizung führen können. Auch hier kommt es wieder darauf an, welcher Sinneskanal ausgeprägter ist.

  • Sehen: Lichtempfindlichkeit/visuelle Überreizbarkeit, braucht schnell eine Sonnenbrille, sonst kann es zu Kopfschmerzen o. Ä. kommen
  • Hören: Geräuschempfindlichkeit/Straßenlärm, laute Gespräche, Tassenklirren, Streit etc.
  • Geruch/Geschmack: geruchs- und geschmecksempfindlich, sensible Nerven, schmecken viele Zutaten raus
  • Haut: berührungsempfindlich, temperaturempfindlich, kratzige Kleidung stresst, zu enge Kleidung
  • Körperwahrnehmung: nimmt kleineste Signale des eigenen Körpers wahr, Neigung zu Allergien, Schmerzempfindlichkeit
  • Umweltwahrnehmung: spürt Gefühle von anderen, leidet unter Ungerechtigkeit, Weltschmerz, Umwelteinflüssen

Das kann bei jedem anders gelagert sein. Es muss nicht alles zutreffen, aber meist passen zwei bis drei Sachen.

Nur durch Selbstfürsorge und den Selbstschutz können wir die Spitze des Stressberges abfedern

Wenn wir das beherzigen und ausreichend für uns tun, auf uns achten, dann können wir als Hochsensible auch wieder die vielen Vorteile sehen, die wir haben.

Ich wünsche dir jetzt erstmal einen wunderschönen Tag, achte auf dich und lass es dir gut gehen.


Christiane Baumann, Mental- und Emotions-Coach sowie Podcasterin
und Gründerin von www.gefuehlsmanufaktur.de,

Die Angst vor der verbalen Konfrontation

(Von Nicole Lindner)

Angst hat viele Gesichter, die meisten davon sind unbequem. Besonders feinfühlige Menschen tun sich manchmal schwer, Konfliktgespräche zu führen. Ihre Befürchtung: Sie könnten abgelehnt werden oder gar einen Streit verursachen. Lieber behalten sie stattdessen ihre Meinung für sich – nicht selten auf Kosten des eigenen Wohlbefindens. Doch was steckt eigentlich hinter diesem Verhalten und wie lässt sich das Dilemma lösen?

Hochsensible empfinden Angst stärker

Ein Gefühl wie Angst wirkt sich auf feinfühlige Menschen intensiver aus als auf andere, das ist ganz einfach Fakt. Der große Knackpunkt: Zurückhaltende Menschen kommunizieren grundsätzlich weniger, weil sie einfach nicht das Bedürfnis danach haben. Dementsprechend können sie diese Fähigkeiten nicht so häufig wie andere trainieren und haben deshalb manchmal Schwierigkeiten, sich angstmachenden Situationen zu stellen.

Hinzu kommt, dass bei leisen Menschen sowieso wesentlich mehr im Inneren stattfindet als im Äußeren, das heißt, sie denken mehr über die Dinge nach und reflektieren gründlich. Dabei bleibt es nicht aus, dass Ängste möglicherweise einen größeren Stellenwert bekommen. Im schlimmsten Fall verhindert dies angstlösende Aktivitäten, wie zum Beispiel ein klärendes Gespräch.

Ebenfalls ausschlaggebend: Feinfühlige sind sehr sicherheitsbedacht und gehen nur mit großer Überwindung Risiken ein. Bei einem Konfliktgespräch gibt es leider immer ein Risiko, dass das Gespräch außer Kontrolle geraten könnte – selbsterklärend ein absolutes No Go für alle Sicherheitsbedachten.

Kurz gesagt bedeutet ein Konfliktgespräch für zurückhaltende Menschen in Normalfall also hauptsächlich eines: STRESS!

Die gute Nachricht: Solltest du dieses Problem ebenfalls haben, kannst du deiner Angst begegnen, selbst wenn du ein eher bedachter Mensch bist. Die schlechte: Dafür musst etwas dafür tun – und das läuft eher so nach dem Motto „Augen zu und durch“. Hierzu brauchst du richtig viel Mut, weil es das Verlassen der eigenen Komfortzone bedeutet. Trotzdem gibt es ein paar Tricks, wie du diese anstrengende Situation besser handhaben kannst.

Was dir in einer angstauslösenden Situation helfen kann

Nehmen wir uns hierfür ein Beispiel zur Hand: Du hast eine eigentlich nette Arbeitskollegin, mit der es aber schon seit einiger Zeit nicht mehr so richtig läuft. Immer wieder herrscht dicke Luft zwischen Euch und Eure Arbeit leidet darunter. Das belastet dich enorm, weil du sehr harmoniebedürftig bist. Trotzdem traust du dich einfach nicht, die Sache zu klären – die Angst vor einer Ablehnung und einem möglichen Streit ist zu groß.

Wenn dir eine gute Arbeitsbeziehung wichtiger ist als die Angst vor Konfrontation, wirst du es wahrscheinlich trotzdem irgendwann wagen, dich diesem unangenehmen Gespräch zu stellen.

Damit du das aber mit deutlich weniger Angst im Gepäck tust, bereite dich am besten gut vor. Mein Rat: Bewaffne dich Zettel und Stift und beantworte die nachfolgenden Fragen schriftlich – du wirst sehen, es lohnt sich!

4 Fragen gegen die Angst

  1. Bin ich sicher, dass das wovor ich Angst habe auch tatsächlich passiert?

Am Beispiel deiner Kollegin könntest du zu dem Schluss kommen, dass du nicht mit absoluter Sicherheit weißt, wie sie reagieren wird, wenn du sie auf das Problem ansprichst. Natürlich kann es sein, dass sie ärgerlich ist, vielleicht aber ist sie sogar froh, dass du das Thema endlich zur Sprache bringst.

  1. Wie gehe ich damit um, sollten meine Befürchtungen wahrwerden?

Wenn deine Kollegin nach dem Gespräch im schlimmsten Fall beleidigt ist, wird das sicherlich belastend sein aber die Chancen stehen gut, dass sie sich nach einiger Zeit wieder beruhigt. Bedenke: In einer guten Arbeitsbeziehung sollte es grundsätzlich möglich sein, Probleme Dinge offen ansprechen und gemeinsam zu lösen. Alles andere zieht alle Parteien runter und macht die Zusammenarbeit zur Zerreißprobe.

  1. Kann ich etwas tun, damit meine Befürchtungen sich nicht bewahrheiten?

Vielleicht plagt dich ja die Angst, dass ihr Euch anschreit und eine konstruktive Klärung der Situation nicht möglich ist. Mein Tipp: Gerade in Konfliktgesprächen gibt es eine  wunderbare Möglichkeit, das zu verhindern. Hierbei gilt: Die Art, wie und in welchem Ton man etwas anspricht kann ein schwieriges Gespräch immer sehr positiv beeinflussen (Stichwort „Gewaltfreie Kommunikation“). Gerade feinfühlige Menschen sind hier oft sehr begabt, die richtige Formulierung zu finden (siehe auch mein Artikel: „Wertschätzende Kommunikation“.

  1. Was habe ich davon, wenn ich mich meiner Angst stelle/nicht stelle?

Wenn du nicht ansprichst, was dich belastet könnte sich immer mehr Frust aufstauen, was die Fronten immer mehr verhärtet. Stellst du dich dem Problem, habt ihr beide eine gute Chance auf einen Neuanfang und ein positives Miteinander in der Zukunft.

Mit diesen vier Fragen und deren Beantwortung stellst du dich deinen Befürchtungen. Findest du dabei heraus, dass der Wunsch nach einer unbelasteten Beziehung größer ist als die Angst, hast du ein Mehr an Handlungsfreiheit, was dir vieles im Leben erleichtern wird.

Was jetzt kommt, ist die praktische Umsetzung: Fasse dir ein Herz, gehe mutig auf deine Kollegin zu und stelle dich dem Gespräch.

In diesem Sinne: Viel Erfolg beim Angstbekämpfen!

Nicole Lindner, www.meinweg-deinweg.de
www.facebook.com/meinwegdeinweg/
Autorin von „Feinfühligkeit trifft auf Berufsleben“


Nicole Lindner
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ISBN: 9783982012551, 240 Seiten
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Ein anderer Blickwinkel

(Von Anne Gutzeit)

Der Büchermarkt bietet Einiges zum Thema „Hochsensibilität“. Da gibt es Bücher, die beleuchten die Art und Weise wie Hochsensible durchs Leben gehen und andere Bücher zeigen Methoden und Strategien auf, mit denen sich hochsensible Menschen gegen das Zuviel an Außenreizen schützen können. Sie legen das Augenmerk auf die Grenze, die vielen zu dünn erscheint. Ich habe allerding noch wenig Info entdeckt, die das Augenmerk auf das enorme Potential lenken, das sich hinter dieser anscheinend so labilen Grenze verbirgt.

Dieses Geschenk Hochsensibilität, das uns glücklich, gesund und energiegeladen machen kann und das auf keinen Fall dafür gedacht ist, unser Leben anstrengend und unglücklich zu machen.

Dieses Geschenk, das zeigt, dass bei uns die Grenzen zwischen Unterbewusstsein und Wachbewusstsein dünner sind und wir so mehr Zugriff auf das immense Potential unseres Unterbewusstseins haben. Es gibt Menschen, die besitzen das absolute Gehör, das heißt, dass sie in der Lage sind exakt zu hören, ob ein Ton richtig getroffen ist. Eine wunderbare Gabe, die zu großer Musikalität befähigt.

Für die betroffenen Menschen aber durchaus eine Gabe, die das eine oder andere Mal anstrengend werden kann. Anstrengend immer dann, wenn sie in einem Konzert sitzen, denn einer spielt immer mal falsch. Das lässt sich kaum vermeiden. Diese Menschen können jetzt entscheiden, Konzerte zu meiden, weil es sie verletzt, wenn Musik nicht perfekt dargeboten wird. Sie können in Konzerte gehen, sich ärgern und hinterher herumlamentieren, dass die Musiker einfach unfähig sind. Oder sie entscheiden sich, in Konzerte zu gehen und lächelnd, die nicht perfekten Sequenzen zu ignorieren und sich an dem Gesamtkunstwerk zu erfreuen und einen netten Abend zu genießen.

Sie haben die Wahl

Bislang habe ich viele Hochsensible erlebt, die sich entschieden haben, in ihr Konzert zu gehen und anschließend zu schimpfen und zu jammern. Wie schade.

Was wäre, wenn es gelänge den Schleier dieses persönlichen Konzeptes zu lüften und in einen anderen Zustand zu gelangen? In einen Zustand, in dem Freude und Zufriedenheit mit den eigenen Fähigkeiten vorhanden ist. Eine Zustand, in dem die Betroffenen von den eigenen Fähigkeiten genährt werden.

Dazu gehört sich auf die Reise zu machen zur eigenen Intuition, zu der Fähigkeit Dinge zwischen Himmel und Erde schnell erspüren zu können, zu der Sicherheit, die aus diesen Qualitäten erwächst.

Ein erster Schritt auf diese Reise ist es, sich seine Blockaden und Traumata anzuschauen. Hinzugucken wie oft nicht auf die eigenen Bedürfnisse geachtet wird. Wie oft eigene Bedürfnisse überhaupt nicht erkannt werden. Kenne ich meine Bedürfnisse nicht, gerate ich schnell in eine Situation, in der andere meine Grenzen ignorieren. Nicht weil sie respektlos sind, sondern weil ich selbst sie nicht fühle und zeigen kann.

Die Umwelt ist mein Spiegel und sie zeigt mir ganz deutlich, wo ich nicht klar bin mit mir selber.

Die Tatsache, dass meine Grenzen gefühlt permanent ignoriert werden, hat also weniger mit einer hohen Sensibilität zu tun als viel mehr mit der Tatsache, dass ich Schwierigkeiten habe, sie deutlich werden zu lassen.

Es gehört Mut dazu, sich auf den Weg zu machen, aber es lohnt sich und es ist ein erster Schritt zu mehr Zufriedenheit im Leben.

Anne Gutzeit, Heilpraktikerin (Psychotherapie) , www.impuls-gutzeit.de

Die 3 Pros der Arbeitszeitreduzierung, und was sie dir bringt

(Von Nicole Lindner)

Du bist sensibel und steckst in einem Job, der dir nicht behagt? Du fühlst dich überfordert von der Vielzahl an Anforderungen, welche täglich an dich herangetragen werden? Du sehnst dich nach einem Leben, das Beruf und Freizeit in Einklang bringt und dir darüber hinaus noch Freiheit zur persönlichen Entwicklung verschafft? Dann könnte eine Arbeitszeitreduzierung etwas für dich sein. In diesem Artikel erfährst du, warum du sie in Betracht ziehen solltest und was sie dir bringt.

Weniger Arbeiten – nur etwas für Faule?

Wenn du diesen Artikel liest und eine Arbeitszeitreduzierung ernsthaft in Erwägung ziehst, muss ich dich gleich schon einmal vorwarnen:

Diese Absicht wird in deinem Umfeld nicht unbedingt auf Gegenliebe stoßen.

Das geschieht aus dem ganz einfachen Grund, weil eine Arbeitszeitreduzierung derzeit noch etwas ist, was nicht viele Menschen umsetzen, schon gar nicht, wenn sie unter vierzig sind und keinen offensichtlichen „Grund“ (z.B. gesundheitliche Probleme, Pflegefall in der Familie, Kindererziehung usw.) dafür vorweisen können.


Nicole Lindner
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Auch finanzielle Gründe sprechen dagegen: Weniger Arbeit bedeutet schlicht weniger Geld – diesen Einschnitt können viele Arbeitnehmer einfach nicht machen, weil sie auf das monatliche Einkommen angewiesen sind.
Unabhängig davon gibt es aber immer mehr (übrigens durchaus schon jüngere!) Personen, die aus Überzeugung weniger arbeiten und den finanziellen Einschnitt beispielsweise durch eine Reduzierung ihrer Fixkosten kompensieren. Auch immer mehr Firmen sind offen für diesen Weg, Microsoft Japan beispielweise testete erst vor kurzem die 4 Tage Woche – und fand heraus, dass die Produktivität um 40 Prozent (!) anstieg und die Arbeitnehmer insgesamt glücklicher waren (Quelle: https://t3n.de/news/4-tage-woche-40-prozentiges-1216026/).
Solltest du ein zartbesaiteter Mensch sein, der dies ebenfalls in Betracht zieht, lasse dich von mir ermutigen, diesen Schritt zu gehen – er birgt einige nicht zu unterschätzende Vorteile:

1. Du hast weniger Stress

Aufgrund ihres sensibleren Nervensystems sind empfindsame Menschen anfälliger gegen Stress, d.h. sie müssen insgesamt mehr Eindrücke aufnehmen und verarbeiten. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass es gerade für sie noch wichtiger ist, eine geregelte Balance zwischen arbeitsreichen Phasen und Entspannung zu pflegen.
Wenn du weniger arbeitest, hast du weniger Stress, weil du weniger beruflichem Input ausgesetzt bist und anstrengende Arbeitsspitzen besser ausgleichen kannst. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass du einen Teil deiner Arbeit an andere abgeben kannst, alles andere würde dein empfindsames Stresssystem höchstwahrscheinlich Ping Pong spielen lassen.
Gehen wir also davon aus, dass diese Bedingungen erfüllt sind, d.h. du entschließt dich, deine regulären 40 Stunden (= Arbeitszeit von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr) auf 35 Stunden zu vermindern und dein Arbeitgeber spielt mit. Wenn es gut läuft, könntest du dann täglich bereits um 14.30 Uhr die Segel streichen – vorausgesetzt, du startest bereits um 7 Uhr und hältst die gesetzlich vorgeschriebene Pausenzeit von 30 Minuten ein. Oder aber du gehst am Mittwoch um zwölf Uhr. Darüber hinaus kannst du natürlich auch einen Tag in der Woche komplett freimachen und arbeitest dafür an den anderen Tagen mehr.
Optionen gibt es viele, was jedoch immer ausschlaggebend ist:

Deine finanziellen Verhältnisse, deine persönliche Leistungskurve UND die Belange des Betriebes.

Sofern dein Arbeitgeber und du hier ein Übereinkommen findet, das allen Bedürfnisse gerecht wird, habt ihr viel gewonnen: Du im Hinblick auf eine bessere Work-Life-Balance und dein Arbeitgeber im Hinblick auf ein deutlich effektiveres Arbeiten (siehe Musterbeispiel Microsoft).

2. Du hast mehr Zeit für dich

Du als sensibler Mensch brauchst immer wieder Phasen des Rückzuges um Kraft zu tanken, das geht den meisten in sich Gekehrten so. Eine Arbeitszeitreduzierung ermöglicht dir genau das, sofern du dir die zusätzlich gewonnene Zeit nicht mit (möglicherweise unliebsamen) privaten Verpflichtungen zuknallst.
Nutze diese wertvolle Zeit für diejenigen Dinge, welche du liebst und die du sonst vernachlässigst. Gehe ohne schlechtes Gewissen an einem Montag ins Schwimmbad, verschlinge ein gutes Buch oder besuche einen Malkurs. Alles, was dir Spaß macht, ist richtig. Merke dir: Diese Zeit ist eine nicht zu verachtende Qualitätszeit, die du für ganz speziell für dich schaffst und zwar, weil du es dir wert bist. Lebe also bitte nicht nur, um fleißig zu tun und zu schaffen, stattdessen sei dazwischen auch immer mal wieder – das ist mindestens genauso wichtig, um auf Dauer kraftvoll im Arbeitsleben zu bestehen!

3. Du hast Zeit mehr für andere

Du hast deine beste Freundin schon ewig nicht mehr gesehen, den Hund ausgiebig geschmust oder die ehemalige Nachbarin im Altenheim besucht? Zu viele andere Verpflichtungen und Termine? Außerdem hattest du zu viel Stress im Büro und musstest dich am – sowieso schon vollgeladenen – Wochenende erholen?
Tipp: Wenn du deine Arbeitszeit reduzierst, kannst du all diese Dinge unter der Woche machen. Ohne Probleme und „einfach mal so“.
Was nicht zu unterschätzen ist: Beziehungspflege und bereichernde soziale Kontakte sind ganz wunderbare Kraftspender nicht nur für Feinfühlige. Viel zu oft gehen beispielsweise richtig gute Freundschaften auseinander, weil keine Zeit mehr da ist, um regelmäßig zu telefonieren oder sich zu sehen. Naheliegender Grund: Die Verpflichtungen des Alltags (Arbeit, Familie, pflegebedürftige Eltern usw.) erscheinen wichtiger.
So vergeht Jahr um Jahr, bis man eines Tages feststellt, dass man eine eigentlich wichtige Person auf seinem Lebensweg verloren hat. Ein unwiederbringlicher Verlust, der möglicherweise verhindert werden könnte – zum Beispiel mit einer Arbeitszeitreduzierung.

Fazit:

Eine Arbeitszeitreduzierung kann besonders für feinfühlige Menschen eine wunderbare Möglichkeit sein, einen geregelten Ausgleich zwischen Arbeit und Entspannungsphasen zu schaffen. Sie ermöglicht mehr Raum für das Alleinsein, das Pflegen von persönlichen Interessen oder den Kontakt mit geliebten Menschen.
Trotzdem gilt es gut zu prüfen, ob dies eine Möglichkeit für jeden ist: Die finanziellen Einschnitte (z.B. geringeres Einkommen, geringere Renteneinzahlungen usw.) und Folgen (z.B. negative Reaktionen im Umfeld) sind nicht zu unterschätzen. Auch gilt es, eine passende Einigung mit dem Arbeitgeber zu finden und sich auf keinen Fall darauf einzulassen, die gleiche Arbeit in weniger Zeit zu verrichten.
Ist dies alles aber mit gutem Gewissen und problemlos umsetzbar, lasse mich dir eine letzte, ganz banale, Frage stellen:

Worauf wartest du?

Alles Gute,
deine Nicole


Nicole Lindner, www.meinweg-deinweg.dewww.facebook.com/meinwegdeinweg/
Autorin von „Feinfühligkeit trifft auf Berufsleben“

Hochsensible Kommunikation zwischen Mensch und Tier

Hochsensible Menschen verfügen über ein hohes Maß an Empathie. Durch diese feine Wahrnehmung nehmen sie leicht Stimmungen, Tendenzen und Meinungen von Anderen auf und reagieren darauf. Durch diese empathische Kommunikation kann sich eine besonders gute Verständigungsebene ergeben. Kommunikation sollte allerdings ein beidseitiger Austausch sein, bei dem es darauf ankommt, dass sich Alle gegenseitig verstehen. Eine gute Kommunikation erfordert Übung und Disziplin von beiden Seiten. Jeder der Beteiligten sollte aktiv zuhören und sich zwischendurch versichern, dass er das Gehörte auch richtig verstanden hat. Eine eigene Meinung sollte man auch als solche bezeichnen und nicht versuchen dem Anderen etwas einzureden oder sich mit der Floskel „man“ macht dies oder jenes, versuchen sich aus der eigenen Verantwortung zu ziehen.

Laut Transaktionsanalyse von Eric Berne gibt es unterschiedliche Ebenen der Kommunikation. Berne teilte die unendlich vielen Möglichkeiten der Kommunikation in drei Kategorien ein, die er Ich-Zustände nannte. Im Kindheits-Ich können wir abgespeichertes Erleben aus früheren Zeiten wieder aktivieren. Man neigt dabei uneinsichtig und trotzig zu reagieren oder auch albern und unsicher. Allerdings können sich hier auch Neugierde und Phantasie ihre Bahn brechen. Im Erwachsenen-Ich erleben wir einen Zustand, der sich vollständig auf das Hier und Jetzt bezieht. Wir behandeln dabei unseren Gesprächspartner gleichwertig und respektvoll und bevorzugen eine sachliche Argumentation. Im Eltern-Ich Zustand äußern wir uns jedoch auf eine Art und Weise, dass sich unser Gegenüber bevormundet fühlt, entweder wir missbilligen sein Verhalten und seinen Ausdruck oder wir geben uns fürsorglich und bemutternd.

Befinden sich die Gesprächspartner beide im Erwachsenen-Ich, dann gibt es im allgemeinen kein Verständigungsproblem. Schwierig wird es zum Beispiel, wenn sich Eltern-Ich und Kindheits-Ich kreuzen. Die Äußerung: „Hast du schon wieder das Verkehrte gekauft?“ (Eltern-Ich), führt entweder zu einer Äußerung: „ich kann das eben nicht“ (Kindheits-Ich) oder es wird aus dem Eltern-Ich mit einem Vorwurf zurückgeschossen. Auf jeden Fall ist eine konstruktive Kommunikation so schlecht möglich.

Befasst man sich mit diesen Kommunikationsprozessen, wird einem bewusst, warum es so oft zu Verständigungsschwierigkeiten kommt. Treffen hierbei noch hochsensible mit nicht so ausgeprägt sensiblen Menschen zusammen, gestaltet sich so manche Kommunikation nicht wirklich konstruktiv. Mit Übung und Selbstreflexion erkennen wir auf welcher Ebene wir agieren und so können wir auch lernen diese Ebene zu bestimmen. So viel anders läuft die Kommunikation mit Tieren auch nicht ab.

Tiere haben wesentlich sensiblere Sinnesorgane als wir Menschen.

Dazu kommt, dass auch Tiere unterschiedliche Temperamente und eine unterschiedliche Sensibilität besitzen. Ob Pferd, Hund, Katze, Maus, wenn wir uns ein Tier anschaffen, dann übernehmen wir die Verantwortung für das Tier und sind dazu verpflichtet für eine artgerechte Haltung und Umgang zu sorgen. Dazu gehört zuerst einmal, dass wir uns informieren, welche Bedürfnisse diese Tierart besitzt. Ich setze voraus, dass Jeder um eine artgerechte Haltung seines Tieres bemüht ist. Mit der Haltung verbunden ist durchaus auch die Verständigung. Ich muss das Sozialverhalten des Tieres kennen um Reaktionen einschätzen zu können. Letztendlich muss ich mich als Mensch auf die Verständigungsebene des Tieres begeben. Ich kann von einem Pferd nicht erwarten, dass es anfängt zu denken wie ein Mensch, sondern ich muss anfangen zu denken wie ein Pferd. Gerade hochsensiblen Personen fällt es nicht schwer die Stimmung ihrer Tiere wahrzunehmen.

Die Tiere nehmen feinste Veränderungen an uns Menschen wahr wie Aufregung, Muskelanspannung, Geruch oder Stimme. Aber auch wir selbst können uns dazu entwickeln vieles an unseren Tieren zu erkennen. Gerade hochsensible Menschen tun sich hierbei recht leicht. Ein gewisses Wissen über das Sozialverhalten vorausgesetzt, ist es ein leichtes sich auf die eigene Intuition zu verlassen um ein Tier „lesen“ zu können. Das Wichtigste dabei ist, im Augenblick zu leben und seine ganze Aufmerksamkeit dem Tier zu schenken. Für Pferdehalter ist es zum Beispiel das Schönste die Pferde direkt am Haus zu halten. Beim Blick aus dem Fenster nimmt man intuitiv wahr, ob alles in Ordnung ist oder nicht. Und welcher Hundehalter würde nicht sofort erkennen, wenn es seinem Hund nicht gut geht?

Mit etwas Übung lässt sich die Kommunikation so sehr verfeinern, dass man das Gefühl hat sich mit seinem Hund oder Pferd mit einer leichten Bewegung der Fingerspitzen oder einem Lidschlag verständigen zu können. Oftmals hat man dann das Gefühl einer telepathischen Verbindung. Manches was man darunter versteht kommt einfach durch klares Denken zustande. Reiter werden die Aussage kennen, dass man, will man einen wirklich kreisrunden Zirkel reiten, diesen geistig vor den inneren Augen haben muss. Man fokussiert sein Denken auf diesen Zirkel und vorausgesetzt Reiter und Pferd sind nicht völlig ungeübt, wird dieser Zirkel wunderbar rund werden. In dem Moment wo wir unser Denken derart fokussieren, reagiert unser Unterbewusstsein auf dieses Denken, indem es die entsprechende Muskulatur ganz leicht anspannt und/oder eine Gewichtsverlagerung vornimmt, ohne dass wir es bewusst merken. Ein Pferd nimmt jede noch so kleine Fliege auf seinem Fell wahr, so nimmt es auch die kleinste Gewichtsverlagerung oder Spannungsveränderung wahr und ist das Pferd sensibel genug, wird es auch darauf reagieren.

Denken kommt vor dem Sprechen

Gewöhnt man sich ein solch klares Denken an, fokussiert man also sein Denken, wird man auch anfangen klar zu sprechen, was besonders bei der Kommunikation mit Tieren wichtig ist. Für Tiere ist natürlich der Klang der Stimme ausschlaggebend, aber will ich, dass mein Hund einem Befehl von mir nachkommt, muss ich diesen klar und deutlich, allerdings nicht laut äußern und darf diesen nicht in einem Wortschwall verstecken. Und nicht nur bei der Tierkommunikation führt ein klares Denken und Sprechen auch zu einem klaren Handeln. Klares Handeln ist zielgerichtet und erfolgreich.

Und geben Sie bei Missverständnissen nicht Mensch oder Tier die Schuld, sondern versuchen sich selbst klarer auszudrücken. Es gibt kein Scheitern, nur neue Gelegenheiten. Der Energieaustausch bei einer gelungenen Kommunikation ist nicht zu unterschätzen. Vor allen Dingen der hochsensible Mensch fühlt sich dadurch positiv aufgeladen und kann sich hierbei völlig entspannen.

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

Hochsensibilität – angeboren oder herbeigeführt?

(Von Christopher Hensellek)

In letzter Zeit habe ich mich häufiger gefragt, ob Hochsensibilität nun wirklich NUR angeboren ist, oder ob Hochsensibilität auch „herbeigeführt“ bzw. erworben werden kann. Mich beschäftigt seit langer Zeit die Frage, was den Unterschied zwischen „anders“ und „normal“ ausmacht und ob es nicht doch irgendwelche Gemeinsamkeiten gibt. Auf der Suche nach Antworten stieß ich im Internet auf die Meinung, dass Hochsensibilität auch – durch zum Beispiel ein Trauma oder spirituelle Praxis – erworben sein kann. Ich fand diese Aussage sehr interessant. Gibt es auf diesem Gebiet natürlich noch wissenschaftlich zu wenig Ergebnisse, um die verschiedenen Thesen zu stützen. Aber mittlerweile denke ich, das ist auch nicht wichtig ist, alles wissenschaftlich erklären zu müssen. Gibt es doch so viele Dinge, die sich unserem beschränkten menschlichen Verstand entziehen. Von daher denke ich, dass jeder hier für sich seine eigenen Antworten finden kann.

HOCHSENSIBILITÄT: EINE GABE UND EIN WEGWEISER

Ich persönlich denke, dass sowohl das eine als auch das andere der Wahrheit entspricht. Hochsensibilität ist ein Wesenszug, der angeboren ist. Die meisten hochsensiblen Menschen, bei denen dieser Wesenszug von Geburt an vorhanden ist, verbringen ihre anfängliche Lebenszeit damit, sich den anderen, „normalsensiblen“ Menschen, sprich ca. 80% der Menschen, anzupassen. Sie spüren zwar, dass sie irgendwie „anders“ sind, verleugnen aber meist ihr wahres Wesen, um so zu sein, wie die anderen beziehungsweise die Gesellschaft es gerne hätten. Irgendwann ist dann der Leidensdruck meist so groß, dass sie merken, dass irgendetwas nicht stimmt und es so nicht weitergehen kann. Früher oder später machen sich diese Menschen auf die Suche nach Antworten und stoßen dann oft auf das Phänomen der Hochsensibilität. Dies ist meiner Meinung nach der erste Schritt, sich endlich wieder selbst finden zu können. So kann man sich und sein Wesen besser verstehen und akzeptieren, man fühlt man sich endlich auch von anderen verstanden und nicht allein, weil da noch andere sind, die ähnlich ticken wie man selbst. Man bekommt wieder Lebensmut und entwickelt den Drang dazu, sich selbst besser kennen zu lernen und seinen Bedürfnissen entsprechend zu handeln und zu leben. Die Hochsensibilität an sich wird auf eine Weise wahrscheinlich ein ganzes Leben lang eine Herausforderung bleiben, doch sie weist in gewisser Weise auch den Weg in ein gesundes Leben. Schließlich kannst du, wenn du dich einmal selbst besser kennen gelernt hast und weißt, wie du bist, deine äußeren Umstände an deine Wesensart und deine Bedürfnisse anpassen. So kannst du dir, nachdem du dich selber besser kennen gelernt und in dir Ordnung geschaffen hast, auch im Äußeren für Veränderung sorgen und wächst sogar noch an diesen Herausforderungen, vor die dich diese Veränderungen deiner Lebenssituation stellen.

 

DES MENSCHEN WAHRER KERN

Auf der anderen Seite glaube ich mittlerweile, dass zwar viele Menschen nicht hochsensibel geboren werden, dass aber ihr wahrer Kern – also ihr Innerstes, wenn alles Anerzogene und  Antrainierte weg fallen würde (manche nennen es Ego) – doch ein „(hoch)sensibler Kern“ ist. Bei einem Trauma – einem Unfall zum Beispiel – zeigt sich bei vielen, die zuvor hart und  unerschütterlich wirkten, ihr innerstes, weiches, mitfühlendes und verletzliches Wesen. Eben das, was jeder meiner Meinung nach eigentlich von Natur aus ist: Ein Mensch voller Liebe, Dankbarkeit und Mitgefühl.
Diese nach außen „hart“ auftretenden Menschen haben meiner Meinung über die Jahre ein so starkes Schutzschild beziehungsweise Ego aufgebaut, dass sie auch den Kontakt zu ihrem wahren Selbst verloren haben. Auffällig ist doch zum Beispiel, dass sich, egal ob hochsensibel oder normalsensibel, eigentlich alle Menschen zur Natur und ihrer Schönheit hingezogen fühlen. Jeder Mensch fühlt sich in der Natur wohl und kommt in irgendeiner Form zur Ruhe. Genau so sieht es mit dem verliebt sein aus. Wenn ein Mensch, der nach außen hin hart und unangreifbar wirkt, sich wirklich Hals über Kopf verliebt, so bröckelt auch seine Schale und damit sein Ego dahin und er erfreut sich seiner tiefen Gefühle: Das Empfinden von Glücksgefühlen in der Natur und der Sinn für Schönes verstärken sich sogar noch.

 

GEMEINSAMKEIT ALS ZIEL

So gesehen stehen meiner Meinung nach beide Arten von Menschen – auf einer Seite die, die von Geburt an hochsensibel sind, auf der anderen Seite die, die ihren Schutzschild über die Jahre aufgebaut haben – vor der gleichen Herausforderung. Diese besteht darin, wieder zu sich selbst und seinem wahren Wesen, seinem inneren Kern und seinem inneren Frieden – wenn man so will seiner eigenen Seele und Göttlichkeit wieder näher zu kommen. Dies kann man durchaus als Lebensaufgabe verstehen. Somit zeigt dieses Beispiel nochmal, dass wir letztendlich alle eins sind. Jeder Mensch ist zwar anders, aber in seinem innersten doch auch irgendwie gleich. Wir sind auf eine wundersame Art und Weise alle miteinander und mit allem was existiert verbunden. Es ist ein Traum von mir, dass sich alle Menschen so annehmen können, wie sie sind und dass jeder Mensch auch alle anderen so annehmen kann, wie sie sind. Wäre es nicht toll, wenn jeder Mensch sich auf die Suche nach diesem eigenen inneren Kern von sich selbst machen würde? Wenn sich die Menschen gegenseitig dabei helfen würden, diesen Kern zu finden? Dann hätten wir wahrscheinlich eine Welt, in der es mehr Frieden, Liebe und Gemeinschaft geben würde. Ich denke, dass jeder auf seine Art und in seinem Umfeld etwas zu diesem Traum beitragen kann. Unser Einfluss ist größer, als wir uns vorstellen können. Also los, lasst uns mal frohen Mutes versuchen, die Welt gemeinsam ein kleines Stückchen besser zu machen!


Christopher Hensellek, www.hypersensibel.com

Ich zeige Menschen auf, wie sie achtsamer, mitfühlender und liebevoller mit sich selbst umgehen und ihre Hochsensibilität akzeptieren und zu einem Wegweiser für ihr Leben machen können. Was braucht gerade jetzt deine Aufmerksamkeit, Akzeptanz und dein liebendes Mitgefühl?

Autor von „Metamorphose – Hochsensibel gesund leben“

 

Weihnachtszeit – ohne mich?

(Von Daniela Galitzdörfer)

Ein Plädoyer für Selbstfürsorge, Stille und Egozentrik fernab jeglicher Konventionen und dem Vorschlag, es vielleicht noch einmal mit Weihnachten zu versuchen – auf eine ganz eigene, spielerische, persönliche Art und Weise.

Kennen Sie das Gefühl, beim Gedanken an die nahenden Feiertage ein latentes Ziehen in der Magengegend zu empfinden? Eine Art kaltes Grausen gepaart mit der ständig wiederkehrenden, bohrenden Frage:

Was kann ich tun, um dem Festtagestrubel zu entgehen?

Möglichst keine Menschen sehen zu müssen? Sich am besten zuhause zu vergraben bis alles vorbei ist?

Und warum bin ich scheinbar die Einzige der es so geht?

Was ist falsch an mir?

Wieso kann scheinbar jeder außer mir an diesen Festtagen gekonnt alle zwischenmenschlichen Spannungen ignorieren und stoisch fröhlich jede Missstimmung unter den Teppich kehren? Zunächst die gute Nachricht:

An Ihnen ist gar nichts falsch!

Sie sind sogar goldrichtig. Und Sie sind mit hoher Wahrscheinlichkeit hochsensibel und somit Menschenmassen-Inkompatibel. Auf Feiertage bezogen bedeutet das folgendes: Menschenansammlungen sind eine Herausforderung für Sie, weil Sie über einen extrem feinfühligen inneren Sensor verfügen. Dieser Sensor nimmt sämtliche Stimmungen, zwischenmenschlichen Spannungen, Befindlichkeiten und oft sogar Gedankengänge von Personen und zwischen den einzelnen Anwesenden wahr. Er stellt Verbindungen zu den Hintergrundzusammenhängen her und übersetzt diese für Sie in Handlungsanweisungen. Handlungsanweisungen, die ihnen als hochsensible Person unmissverständlich mitteilen, was nun zu tun wäre, um die Harmonie im Gegenüber oder zwischen den Anwesenden wiederherzustellen.

Denn das brauchen Sie für ihr inneres Gleichgewicht – Harmonie in Ihrer Umgebung.

Doch die Umgebung in Form der anwesenden Personen ist sich oft gar nicht bewusst, dass Sie sich derzeit innerlich im Ungleichgewicht befinden. So bleibt dieses Spannungsfeld zwischen Wahrnehmung und Handlungsunfähigkeit für Sie permanent bestehen – das stresst. Und zwar massiv. Diese Erfahrung hat ein Hochsensibler im Laufe seines Lebens zuhauf gemacht.

Das ist also Familienfeier: eine oberflächliche Schmierenkomödie. Hochsensible fehl am Platz. Mitmachen wird nicht gelingen, denn das würde bedeuten sein innerstes Bauchgefühl zu verleugnen. Der Körper zeigt es durch Krankheit, Schlafprobleme, sich erschlagen fühlen. Die Seele meldet sich durch unendliche Traurigkeit zu Wort. Gedanken kreisen um Erlebtes, Gespräche werden im Kopf wieder und wieder geführt, überprüft und analysiert. Klingt mühsam? Ist es auch.

Aber muss das so sein?

Ist es wirklich nötig Wochen im Voraus mit dem latenten Grauen vor Gruppenveranstaltungen zu leben und sich danach mühevoll wieder ins Leben zurückkämpfen zu müssen? Ich sage Nein! Wenn Sie das Grauen noch fühlen, heißt das, dass Sie alle Voraussetzungen haben dieses Jahr und künftig alle Festivitäten spielerisch zu meistern.

Ihr Bauchsensor gibt noch deutlich Rückmeldung, dass hier eine unangenehme Situation bevorsteht, ein Grund zu feiern. Ihre Intuitions-Hotline ist noch voll funktionsfähig und es gilt Maßnahmen zu ergreifen, dass das auch so bleibt.  Es ist möglich, wenn Sie bereit sind ihre Sicht auf das Geschehen zu verändern und drei Maßnahmen zu ergreifen.

Ab sofort muss es an aller erster Stelle um Sie gehen!

1. Nutzen Sie ihre Hotline

Ihr Bauchgefühl hat Ihnen bisher gezeigt, wann eine Situation belastend für Sie ist.

Somit haben Sie alle nötigen Informationen. Analysieren Sie die Faktoren, die Sie besonders viel Kraft kosten und übernehmen Sie Verantwortung, die Umstände so zu verändern, dass sie für Sie angenehm sind. Drei Stunden Familienfest sind zu viel für Sie? Dann gehen Sie zwischendrin spazieren, übernehmen Sie Spüldienste, besichtigen Sie den Garten – werden Sie kreativ, um sich Freiräume zu schaffen. Stehen Sie für sich ein und setzen Sie ihre Intuition und Kreativität dafür ein, die Dinge so zu gestalten, wie es für Sie gut ist. Beginnen Sie ihrem Umfeld mitzuteilen, was Sie brauchen. Oft finden Sie mehr Zuhörer als gedacht. Oft braucht es die mutigen Hochsensiblen, die sich trauen Vorschläge wie ein Spaziergang in die Runde zu bringen. Sie werden sich wundern, wie viele sich diesem Bedürfnis auf einmal dankbar anschließen werden. Und so üben Sie sich automatisch darin für sich zu sorgen.

2. Spielen Sie die Feiertage wie ein Spiel

Nehmen Sie weder das Fest noch die Mitmenschen zu ernst. Spielen Sie aus eigener Entscheidung mit und das mit einer klugen Strategie. Verfolgen Sie ihre Interessen und Bedürfnisse. Behalten Sie die Führung und die Position des Spielführers. Erarbeiten Sie ihre Taktik und Ihre Spielzüge im Voraus. Welchen Festivitäten wohnen Sie bei? In welchem Maß und in welchem Rahmen? Mit wem können Sie Gespräche führen ohne einen zu großen Preis zu zahlen? Welche Rahmenbedingungen können Sie aktiv mitgestalten? Wann brauchen Sie für sich eine Auszeit?

Kommunizieren Sie klar, wenn ihnen Gespräche zu viel werden, wenn Sie Zeit für sich brauchen oder wenn Sie gewissen Bedingungen gerne anders möchten. Das bedeutet es für sich einzustehen. Dann können Sie abends mit einem Lächeln einschlafen und haben den ganzen nächsten Tag voller Energie zur Verfügung. Probieren Sie es aus!

3. Bleiben Sie dran

Neue Denk- und Verhaltensweisen brauchen eine gewisse Übung. Bleiben Sie geduldig und üben Sie weiter. Vielleicht schaffen Sie es anfangs noch nicht alles oben Genannte umzusetzen. Dann gilt es wie im Spiel die Strategie zu überdenken, zu optimieren und notfalls nochmal bei Start anzufangen. Es ist noch kein Meister ist vom Himmel gefallen. Aber Übung macht bekanntlich den Meister – nur Mut. Schließlich liegen noch etliche Feierlichkeiten vor Ihnen, an denen Sie üben können.

Und wenn es doch seitens ihrer geliebten Mitmenschen zum unbedachten Ausspruch „Du bist doch nicht normal!“ kommen sollte, empfehle ich Ihnen folgendes: Konzentrieren Sie sich für einen Moment auf das innere freudige Hüpfen Ihres Herzens über das schöne Kompliment, bevor Sie selig lächelnd erwidern: „Nein, zum Glück nicht!“

Denn Sie sind anders, auf eine ganz eigene persönliche, wundervolle Weise. So wie ihre Art zu feiern! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen:

FROHE WEIHNACHTEN!

Herzlichst ihre

Daniela Galitzdörfer, Life-, Familien- und Businesscoach, www.arktis-coaching.de

Yoga für Hochsensible

(Interview mit Dominique Hoppmann)

Luca: Dominique, du gibst Yogakurse für Hochsensible. Bist du selbst ein hochsensibler Mensch?

Dominique: Dass ich hochsensibel bin, ist mir noch gar nicht so lange klar. Der Begriff war mir zwar vor ein paar Jahren schon einmal begegnet, damals habe ich mich dann aber nicht weiter damit beschäftigt, weil ich Hochsensibilität für einen Trend hielt. Einige Zeit später sprach mich völlig unerwartet ein Kollege an: „Sagen Sie mal, Sie sind ein sehr sensibler Mensch, oder?“ Meine erste Reaktion war: Unbedingt verneinen – denn ich war überzeugt, dass das gerade im Arbeitskontext nicht wünschenswert ist und mir als Schwäche ausgelegt wird. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass mein Kollege Sensibelsein sehr positiv gegenübersteht. Daraufhin habe ich sofort angefangen, zu recherchieren, was Sensibilität eigentlich genau bedeutet und hatte sehr schnell die Erkenntnis, dass ich hochsensibel bin und das eine Ressource ist.

Luca: Was hat dir geholfen, mit deiner Hochsensibilität besser umzugehen?

Dominique: Zunächst einmal, überhaupt zu erkennen, dass ich hochsensibel bin. Viele Hochsensible berichten von einer großen Erleichterung, nachdem sie mit dem Thema Hochsensibilität in Berührung gekommen sind. Zum Einen, weil es eine Erklärung dafür gibt, warum sie bei Vielem intensiver reagieren als andere Menschen – und dass das nicht falsch, sondern eben ihre Natur ist. Zum Anderen, weil sie damit nicht (mehr) alleine sind. So ging es mir auch. Ich habe meine Hochsensibilität gleich als Stärke verstanden und gezielter geschaut: Wie kann ich diese Wahrnehmungsstärke sinnvoll einsetzen? Was kann ich tun, um meinen Bedürfnissen gerechter zu werden? Geholfen hat mir auch, den Kontakt mit Gleichgesinnten zu suchen. Dabei habe ich überraschend festgestellt, bereits einige feinfühlige Freunde und Bekannte zu haben. Weil Sensibilität in unserer Gesellschaft aber nicht unbedingt als besonders erstrebenswert gilt, hatten wir nur einfach noch nicht darüber gesprochen. Auch das war sehr entlastend.

Luca: Wie ist es dann dazu gekommen, dass du Yoga für Hochsensible unterrichtest?

Dominique: Als mir bewusst wurde, dass ich hochsensibel bin, hatte ich schon nebenberuflich ein paar Jahre Business Yoga unterrichtet und kürzlich eine Fortbildung im Bereich traumasensibles Yoga abgeschlossen. Dabei ist mir klar geworden, welche Parallelen es zwischen Trauma- und Hochsensibilität bestehen. Der Wunsch, mich mit etwas selbstständig zu machen, das für mich wirklich sinnvoll ist, bestand schon lange – ich hatte nur keine Ahnung, was genau es sein könnte. Gleichzeitig habe ich mich selbst als Yogaschülerin oft unwohl gefühlt, weil ich das Verhalten einiger Lehrer unsensibel empfand, z.B. wenn ich ungefragt angefasst wurde oder plötzlich mit starkem Geruch durch Räucherstäbchen konfrontiert war. Beim Vinyasa Yoga, einem dynamischen Stil, dachte ich oft: „Ich bin oder möchte nicht so schnell wie die anderen.“ Und das Gefühl, anders oder falsch zu sein, war mir gerade im Zusammenhang mit Hochsensibilität sehr vertraut. Ich finde, das muss nicht sein – schon gar nicht auf der Yogamatte. Ich suchte also nach einer Yogastunde, bei der die Bedürfnisse von Hochsensiblen berücksichtigt werden, habe aber so ein Angebot nicht gefunden. Da kam mir allmählich der Gedanke: „Ich bin doch Yogalehrerin und habe die passende Zusatzqualifikation – dann mache ich das einfach selbst.“ Das Vertrauen in mein eigenes Einfühlungsvermögen gegenüber meiner Schüler hat mich dann darin bestärkt, den Schritt zu wagen und Sensibles Yoga zu gründen.

Luca: Was können Yogaschüler, die in deine Stunde kommen, erwarten?

Dominique: Das Augenmerk liegt darauf, was sensiblen Schülern in einer Yogastunde gut tun könnte. Mir ist wichtig, dass sie das Yoga zu ihrem Yoga machen – eben „sensibles Yoga“. Jeder darf sein Tempo gehen, auch wenn das bedeutet, sich zwischendurch einfach hinzulegen und auszuruhen. Ich arbeite mit kleineren Gruppen und achte z.B. darauf, dass jeder genug Raum zur Abgrenzung um die eigene Matte herum hat. Es gibt mehr Pausen und Zeit, um nachzuspüren. Ich wähle Haltungen jenseits von „Hochglanzposen“, die das Nervensystem runterbringen und bin vorsichtig mit zusätzlicher Sinnesstimulation, wie z.B. durch Musik. Bei meinen Workshops besteht auch die Möglichkeit, mit anderen Teilnehmern tiefer ins Gespräch zu kommen. Eine Freundin von mir sagte letztens mal: „Ich habe es so satt, dass da vorne ein Yogalehrer sitzt, der mir sagt, was ich fühlen soll.“ Hochsensible spüren einfach viel – dem möchte ich entgegen kommen und es anders machen.

Luca: Können auch normal sensible Yogis in deine Stunden kommen?

Dominique: Mein Unterrichtsstil war schon immer sehr bewusst, achtsam und meditativ. Daher fühlen sich in meinen Kursen auch Teilnehmer wohl, die langsam und in kleineren Gruppen üben möchten. Manchmal ist jemandem auch noch nicht wirklich klar, ob er nun normal sensibel, sensibel oder hochsensibel ist – er fühlt sich aber von dem Konzept angesprochen und ist natürlich willkommen. Darum biete ich ab Herbst auch zusätzlich das Format „Sensitives Yoga“ an.

Luca: Machst du selbst auch regelmäßig Yoga?

Dominique: Ja, und das nicht nur, weil es als Lehrerin sinnvoll ist, selbst zu praktizieren. Als ich mit Yoga angefangen habe, habe ich zum ersten Mal deutlich Leichtigkeit gespürt. Körperlich wie geistig. Regelmäßig dranzubleiben fällt mir gar nicht schwer, weil es mir einfach so gut tut. Nach dem Yoga fühle ich mich präsenter, kraftvoller und mehr bei mir. Wenn ich mal krankheitsbedingt keine Haltungen machen kann, übe ich mich stattdessen in Atmung und Meditation. Sonst leidet meine Gelassenheit (lacht).

Luca: Was fällt dir im hochsensiblen Alltag immer noch schwer?

Dominique: Meine individuelle Balance zwischen Be- und Entlastung zu finden und zu wahren. Mir ist bewusst, dass ein hochsensibler Körper eben mehr Pausen braucht als ein Körper von normal sensiblen Menschen. Yoga und Achtsamkeit helfen mir, immer wieder innezuhalten, um meine persönliche Grenze immer besser zu erkennen. Gleichzeitig bin ich sehr unternehmungslustig, engagiert und gewissenhaft. Da kommt es schonmal vor, dass ich im Flow bin und vor lauter Freude an einer Sache meine Energie überstrapaziere.

Luca: Hochsensibilität – Fluch oder Segen?

Dominique: Für mich ganz klar ein Segen. Ich sehe Hochsensibilität als eine große Wahrnehmungsgabe. Seit ich mir ihre positiven Seiten bewusst gemacht habe, schaue ich immer, wie ich diese Stärken stärke, nutze und genießen kann. Das wünsche ich jedem, der mit seiner Sensibilität hadert.

Luca: Vielen Dank, liebe Dominique.



Dominique Hoppmann
Sensibles Yoga
www.sensiblesyoga.de.

7 Tipps für Hochsensible

(Von Christopher Hensellek)

Als hochsensibler Mensch ist es besonders wichtig, auf dich selbst zu achten und deinen Bedürfnissen Raum zu geben. Ich möchte einige Verhaltensweisen beschreiben, die meiner Meinung nach für hochsensible Menschen von essentieller Wichtigkeit sind, um gut und gesund zu leben und den Alltag zu meistern. Natürlich ist jeder Mensch anders und hat seine ganz eigenen, individuellen Bedürfnisse: Laut Studien sind zum Beispiel circa 70 % der HSPs introvertiert und circa 30 % extrovertiert. Aus Erfahrungen und Recherchen ergeben sich aber viele Überschneidungspunkte, die bei vielen HSP gleichermaßen von großer Wichtigkeit sind:

1. GÖNNE DIR RUHEPAUSEN

Egal ob du nun introvertiert oder extrovertiert bist, gönne dir die so wichtigen Ruhepausen. So schützt du dich vor dem Zustand der Überreizung und Übererregbarkeit. Gib dir Zeit und Ruhe, in der passenden, stillen Umgebung deine gesammelten Sinneseindrücke zu verarbeiten. Wenige Minuten reichen hier manchmal zwischendurch schon aus, zum Beispiel, wenn du auf der Arbeit bist und dich einfach für 2-3 Minuten an einen stillen Ort zurückziehst und dort mehrere Male tief durchatmest. Dies kann durchaus bereits angestauten Stress deutlich reduzieren. Versuche über den Tag immer wieder Ruheinseln in deinen Tagesablauf einzubauen. So kommst du gelassener und entspannter durch den Alltag.

2. UMGIB DICH MIT DEN RICHTIGEN MENSCHEN

Halte dich, wenn möglich, von negativen Menschen und „Energiefressern“ fern. Verbanne, auch wenn es dir schwierig erscheint, Menschen aus deinem Leben, die dich übermäßig viel Energie, Nerven und Kraft kosten. Umgib dich stattdessen mit gleichgesinnten und positiven Menschen. Das sind Menschen, die dir gut tun, die dich verstehen, dich so akzeptieren und wertschätzen wie du bist, die dir Kraft, Energie und Vertrauen schenken.

3. LERNE DICH SELBST KENNEN

Nimm dir Zeit für dich, um dich selbst besser kennen lernen zu können. Verbringe ausreichend Zeit mit dir allein, um dir selbst wieder näher zu kommen und dich zu spüren. Setze dich mit dir auseinander und finde heraus, was deine Bedürfnisse und Wünsche sind. Erst wenn du das weißt, kannst du auch dementsprechend handeln und dir das geben, was du brauchst und dir gut tut.

4. FINDE DEN FÜR DICH PASSENDEN BERUF MIT DEN PASSENDEN UMGEBUNGSFAKTOREN

Für hochsensible Menschen ist es sehr wichtig, einen erfüllenden, zu Ihren Bedürfnissen und ihrem Wesen passenden Beruf zu finden. Hierbei kommt es nicht nur darauf an, dass eben der Beruf der passende ist, sondern auch darauf, dass die Rahmenbedingungen und Umgebungsfaktoren im Job stimmig sind. Gehst du zum Beispiel gerne einer Bürotätigkeit nach, ist es auch wichtig, dass du in einem ruhigen Umfeld arbeiten kannst, um dich bestmöglich konzentrieren und effektiv arbeiten zu können. Nur in einem passenden Umfeld kannst du dein ganzes Potenzial ausschöpfen und entfalten, da du schnell abgelenkt bist durch äußere Reize, wie zum Beispiel Lärm, Gespräche und so weiter.

5. SEI AUTHENTISCH

Versuche, in verschiedenen Situationen in dich hinein zu spüren und frage dich, wie du selbst wirklich darüber denkst und wie du handeln möchtest. Versuche, bei dir zu bleiben und authentisch zu sein. Versuche, es nicht allen anderen Recht machen zu wollen, sondern für dich, deine Überzeugungen und Werte einzustehen und diese zu vertreten. Vertraue dabei deiner Intuition und deinem Gefühl. Habe Mut, vertraue dir selbst und trage dieses Vertrauen in dich auch nach außen. Dies ist nicht einfach, aber du wirst sehen, dass du, wenn du das übst, daran wachsen kannst und dich auch selbst ganz neu kennen lernst.

6. PASSE DAS AUSSEN DEM INNEN AN

Hast du dich erst mal dafür entschieden, nach Innen zu schauen und in dir „aufzuräumen“, so wird sich auch das Außen deinem Inneren anpassen. Du wirst merken, wie wichtig es ist, auf dich und deine Bedürfnisse zu achten und auf deine innere Stimme zu hören. Diese wird mit der Zeit immer deutlicher werden und du wirst nach und nach immer deutlicher wissen, wohin die Reise für dich geht. Du wirst Anpassungen an deiner Lebenssituation vornehmen – so wie es dir möglich ist und es am besten zu dir passt.

7. NIMM DICH SO AN, WIE DU BIST

Lerne, dich so anzunehmen, wie du bist. Versuche nicht gegen irgendetwas anzukämpfen oder dich gar gegen deine Hochsensibilität zu wehren. Es ist so wie es ist, was wäre sinnloser, als gegen etwas anzukämpfen, was du sowieso nicht ändern kannst? Und wieso solltest du das auch wollen? Du bist wunderbar, so wie du bist. Konzentriere dich auf die positiven Seiten, die die Hochsensibilität mit sich bringt. Lerne, mit den Herausforderungen umzugehen und sieh diese als Lernerfahrungen, an denen du weiter wachsen kannst. Sicherlich gibt es noch viele weitere Verhaltensweisen, die für hochsensible Menschen wichtig sind. Fallen dir noch welche ein? Dann schreibe sie gern in die Kommentare. Vielleicht bist du ja durch das Lesen des Artikels angeregt, den oder anderen Punkt auszuprobieren und ihn in deinen persönlichen Alltag zu integrieren.


Ich zeige Menschen auf, wie sie achtsamer, mitfühlender und liebevoller mit sich selbst umgehen und ihre Hochsensibilität akzeptieren und zu einem Wegweiser für ihr Leben machen können. Was braucht gerade jetzt deine Aufmerksamkeit, Akzeptanz und dein liebendes Mitgefühl?

Christopher Hensellek, www.hypersensibel.com
Autor von „Metamorphose – Hochsensibel gesund leben“

So hilfst du deiner Intuition auf die Sprünge

(Von Nicole Lindner)

Deine Intuition kannst du mit verschiedenen Maßnahmen trainieren. Mit hat z.B. sehr geholfen, immer wieder darauf zu achten, mir mehr Zeit zu nehmen. Ein recht banaler Rat, dafür aber umso wirkungsvoller.

1. Nimm Dir mehr Zeit für Dich

Optimalerweise jeden Tag eine festgelegte Zeitspanne. Was du in dieser Zeit machst, ist nebensächlich. Hauptsache, du bist entspannt und kannst deine Gedanken treiben lassen. Ob du während dieser Zeit meditierst, musizierst, malst, schreibst oder eine kleine Wanderung ins Grüne machst, ist völlig egal. Hauptsache, du kannst durchatmen und bist bei dir. Am besten schaffst du dir diese Zeiten täglich, vielleicht stehst du dafür ja eher auf oder gehst etwas später ins Bett. Kommen wir zu meinem zweiten Ratschlag:

2. Gehe deinen Impulsen nach

Wenn du einen Einfall, einen Gedanken oder eine Inspiration hast, beschäftige dich intensiver damit. Wenn dich ein Thema näher interessiert, informiere dich genauer darüber. Nutze alle Kanäle, die dir zur Verfügung stehen: Sprich mit Menschen, recherchiere im Internet, probiere aus. Lass dich darauf ein und gehe dann einen ersten Schritt in Richtung deiner Intentionen. Alles andere fällt dir Stück für Stück zu, da darfst du ganz beruhigt sein. Ich verspreche dir, ein Weg wird sich abzeichnen, der dich vielleicht erstaunen lässt.

3. Entwerfe ein Wunschszenario

Überlege dir, wie dein Wunschleben aussehen soll und fertige eine Collage an. Damit lernst du dich selbst besser kennen und ein paar (vielleicht unbewusste) Sehnsüchte ploppen nach oben. Als Anregung können diese Fragen dienen:

  • Wenn du ab morgen tun und lassen könntest, wie würde dein Leben aussehen?
  • Mit welcher Sache würdest du dich am liebsten intensiver beschäftigen?
  • Mit wem oder was umgibst du dich gerne?
  • Wie sieht dein Berufs- und/oder Privatleben aus?
  • Hast du geheime Wünsche, Sehnsüchte, Fantasien?
  • Was müsste passieren?
  • Wer begleitet dich?
  • Wie sieht dein Tagesablauf aus?
  • Welche Elemente müssen unbedingt in deinem Leben vorhanden sein?

Gestalte mit diesen Vorstellungen eine Collage und hänge sie dir an die Wand.

Auf dieser Collage ist alles erlaubt und deiner Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Vor fünf Jahren habe ich ebenfalls eine Collage angefertigt. Geglaubt habe ich anfangs nicht daran, dass sich nur etwas davon erfüllen würde, das muss ich zugeben. Doch heute kann ich dir bestätigen: Es ist alles genauso eingetreten, wie ich es damals gebastelt hatte.

Auf meiner Wunsch-Collage befanden sich damals ein Haus, ein großer Baum mit Äpfeln, eine Schreibmaschine (ich wollte beruflich ja vom Schreiben leben) und eine Katze. Als mein Mann und ich nach dem Anfertigen der Collage in den Urlaub fuhren, verkaufte ein Stand auf einem italienischen Markt aus Ton gefertigte Hausnummern. Irgendein Impuls bewegte mich dazu, die Nummer Sieben in die Hand zu nehmen. Mein Mann sah mich nur fragend an und meinte: „Was willst du denn mit der Nummer Sieben? Unsere Hausnummer (wir wohnten damals in einer Wohnung) ist doch die 49.“

Ich konnte nicht sagen, warum. Trotzdem kaufte ich die Zahl Sieben. Zwei Wochen später bekamen wir einen Besichtigungstermin für ein Haus auf dem Lande. Im Garten prachtvoll blühend: Ein Apfelbaum. Dahinter: Wald, Wald, Wald. Es war so wunderbar, dass wir das Haus kauften. Die Hausnummer des Anwesens war die SIEBEN!

Auf deine Intuition (oder nenne es Bauchgefühl, Einfall, Inspiration oder wie auch immer) zu hören, ist das Beste, was du tun kannst. Lasse deinen Verstand arbeiten, alle Pros und Contras abwägen aber nimm deine Intuition unbedingt mit ins Boot. Nur zusammen seid ihr stark und trefft wirklich gute Entscheidungen!

Wenn deine Intuition erst einmal ein hohes Trainingslevel erreicht hat, musst du meist nur noch warten

Du wirst erstaunt sein, wie sich die Dinge verändern werden. Wenn du jetzt immer noch nicht überzeugt bist, könnte dieses Zitat von Alexander von Humboldt dir helfen:

„Überall geht ein frühes Ahnen dem späteren Wissen voraus.“

Jetzt stellt sich eigentlich nur noch eine Frage:

WAS AHNST DU DENN SCHON JETZT?


Nicole Lindner

www.meinweg-deinweg.de

www.facebook.com/meinwegdeinweg/

Nicole Lindner ist Betreiberin einer Onlineplattform für Feinfühlige. Sie selbst ist eine feinfühlige Person und brauchte lange, bis sie eine Tätigkeit fand, die zu ihr passte. Heute jedoch lebt sie beruflich erfüllt und gibt ihre Erfahrungen gerne auf unterschiedlichen Wegen an andere Feinfühlige weiter.


 

Nicole Lindner
FEINFÜHLIGKEIT TRIFFT AUF BERUFSLEBEN
Wie Sie Beruf und Ihr Naturell in Einklang bringen können

ISBN: 9783982012551, 240 Seiten, € 19,99

Leseprobe

Amazon-Kundenbewertungen

 

Ich mach die Jobwelt, wie sie mir gefällt!

(Von Caren Klaschka)

Dieser Slogan ist heutzutage Programm und bringt oftmals Erfüllung, oftmals aber auch Druck. Denn heutzutage sehen sich alle Menschen großen Herausforderungen und immer mehr auch Überforderungen im hoch getakteten Berufsleben gegenüber, die sie nicht zu verändern wissen. Hochsensible mit ihrer feinen Wahrnehmung spüren diese umso mehr. Ja, es gibt Möglichkeiten sich im Berufsalltag neu auszurichten für mehr persönliches Wohl und Leistung, aber nicht alle Empfehlungen sind derart spielerisch umzusetzen, wie es klingt. Was geht und was nicht geht, ist sehr individuell und wir schauen uns einmal paar wesentliche Komponenten dazu an.

Es ist nicht der Job, der erschöpft, es sind die Bedingungen

Zum größten Teil liegen die Schmerzgrenzen nicht bei der angestrebten Aufgabe an sich oder dem Berufsbild selbst, das man einst bewusst gewählt hat bzw. freudig  angenommen hat. Meist finden sich die Ursachen eher bei den zunehmend erschwerten Arbeitsbedingungen. Moderne Konzepte und globale Vernetzung haben zu diversen Umstrukturierungen gesorgt. Seien es der eigene Arbeitsplatz im Open Space Office, der Druck des Konkurrenzkampfes, die verlangte Schnelligkeit und damit einhergehende Oberflächlichkeit, der Verstoß gegen die Wertecharta, willkürlich neu besetzte Stellen, ständig wechselnde Vorgesetzte oder die Beliebigkeit der eigenen Person. Die Beispiele dieser Art kommen aus allen Abteilungen wie Branchen.

Gerade hochsensiblen Menschen wird nahe gelegt, die Bedingungen am Arbeitsplatz möglichst ihren Bedürfnissen nach passend einzurichten, damit sich mehr Wohl und damit auch mehr Leistung einstellen mag. Auch wird der Vorteil der Selbständigkeit aufgerufen, damit in achtsamer Eigenregie die Gaben, Person und Beruf besser zum Ausdruck kommen können. Diese Empfehlungen sind sehr hilfreich und inspirierend. Nur was tun, wenn sie sich nicht umsetzen lassen, wie empfohlen?

Die Selbstverantwortlichkeit beginnt bei der Selbstkenntnis

  • Wer keine ruhige Nische im Open Space Office zugesprochen bekommt, ist frustriert.
  • Wer sie zugesprochen bekommt, aber zynische Bemerkungen der Kollegen erfährt, leidet.
  • Wer seine Pausen nicht selbst gestalten darf, gibt auf lange Sicht irgendwann auf.
  • Wer seine Pausen gestalten darf, aber Unverständnis des Teams erfährt, der lässt es sein.
  • Wer sich mit seiner Intuition hervor wagt, aber nicht ernst genommen wird, der hält sie zurück.
  • Wer einen hohen Anspruch an seinen eigenen Arbeitsbeitrag hegt, aber er nicht wertgeschätzt, sondern vielleicht sogar missbraucht wird, der fühlt sich fehl am Platz, selbst dann, wenn er dort seinen Gaben gemäß absolut passend platziert ist.

Viele gute Schritte können sich ins Gegenteil verkehren, wenn bestimmte Kriterien übersehen werden. Was es braucht, ist eine klare Selbstkenntnis und eine realistische Einschätzung der vorhandenen Lage. Mit Selbstkenntnis meine ich das Durchschauen der eigenen Muster, Gewohnheiten, Werte und Wünsche. Manches ist vollkommen berechtigt und passend, nur an falscher Stelle platziert oder zum falschen Moment geschehen. Manches ist nicht wirklich das eigene Wünschen und kann durchschaut werden, als eine übernommene Erwartung Anderer, die inzwischen für einen selbst in Wahrheit nicht mehr gilt. Manches macht man sich selbst vor durch missinterpretierte Situationen, fehlgerichtete Erwartungen an Andere, an sich selbst, durch das Vermischen von Werten oder Missachten von Gegebenheiten. Hier aufzuräumen und persönliche Klarheit wie Neuausrichtung zu gewinnen, ist ein freudvoller Segen.

Erfüllung eigener Kriterien

Mit der gewonnenen Klarheit lassen sich dann auch jene Stellschrauben für Veränderung aufdecken, die für den jeweiligen Hochsensiblen angemessen sind. Hier gibt es keine Allgemeingültigkeit, da jeder andere Persönlichkeitszüge, Wesensmerkmale und Prägungen mit sich bringt. Die Entscheidung am aktuellen Arbeitsplatz passende Schritte zu wagen, die in Art und Umfang individuell zu mehr Wohlsein, Motivation, Einsatz und Freude führen sind hier genauso möglich, wie die Entscheidung einen großen Schritt zu wagen und an einen neuen Platz oder in die Selbständigkeit zu gehen. Die Kriterien dafür sind höchst persönlich und entsprechend verschieden.

Was nun genau zu wem passt, lässt sich anhand einer Frageliste zur eigenen Beleuchtung und dem Zurechtrücken eigener Prioritäten feststellen. Hierbei werden meist Kriterien genannt wie das Bedürfnis nach Sinn und Richtung, nach Sicherheit, nach Einsatz der eigenen Talente, nach Selbstbestimmung oder nach Zugehörigkeit und Beitrag. Das nähere Hinschauen offenbart andere, eben neue Perspektiven. Manchmal wird deutlich, dass vieles am aktuellen Platz bereits vorhanden ist, aber an falscher Stelle versucht oder gesucht wurde oder auf unglückliche Art. Manchmal wird deutlich, dass die Zeit für einen Wechsel ansteht und die Richtung nun offenkundig ist.

Mit diesem Rüstzeug mag sich dann die eigene Jobwelt auch gestalten, wie es einem halt gefällt. Allen Hochsensiblen dabei viel Freude und Erfolg!

Alle sind anders, alle sind gleich, alle haben alles, nur manchmal wissen wir es nicht.

Caren Klaschka

www.loomia-institut.de

www.lichtiges.de

Beruf trifft auf Feinfühlige – 5 Fragen zum Job

(Von Nicole Lindner)

Nicht selten leiden feinfühlige Menschen darunter, in einem Job festzusitzen, der ihnen keine Freude macht. Oft wechseln die Betroffenen dann voller Motivation in eine neue Tätigkeit – und stellen dann fest, dass es ihnen nach einiger Zeit dort ebenso ergeht.  Was viele bei der Jobwahl oft vergessen, sich im Vorfeld die richtigen Fragen zu stellen. Es zählt nicht nur das, was du in deiner Tätigkeit arbeitest, sondern auch wie, wo und mit wem du arbeitest. Genau aus diesem Grund möchte ich dir fünf Fragen vorstellen, welche dir diesen enttäuschenden Umweg ersparen und schon viel früher eine Tätigkeit vermitteln können, mit der du glücklich sein wirst.

Fünf Fragen machen den Unterschied

1. Was macht für mich Sinn?

Vielen Angestellten ist mittlerweile Sinnerleben deutlich wichtiger als ein hohes Einkomment. Das macht Hoffnung, denn da wo Menschen Sinn erleben, sind sie meistens auch mit dem Herzen dabei. Leider ist Sinn nicht gleich Sinn, deshalb ist es unabdingbar, dass du weißt, was für dich Sinn macht. Überlege hierzu:

  • Bei welchen Dingen oder Aktivitäten empfindest du Freude?
  • Was machst du gerne?
  • Wobei geht dir das Herz auf?
  • Für welche Sache würdest du dich voll ins Zeug legen, weil sie dich so begeistert?
  • Was ist es, was dein Interesse immer wieder auf sich zieht, vielleicht schon in frühen Kindertagen?

Überlege: Welche Tätigkeiten machen dir gegenwärtig Freude? Womit verbringst du gerne deine Zeit? Was ist es, das dich fesselt? Womit verbringst du gerne deine Freizeit? Betrachte das völlig unabhängig davon, ob es dir möglicherweise ein finanzielles Einkommen bescheren könnte. Ich bin ganz sicher, du wirst etwas finden, das dich interessiert. Die zweite wichtige Frage, die du dir stellen solltest, lautet:

2. Wo will ich arbeiten?

Schließe die Augen und überlege in aller Ruhe: Was wäre deine ideale Arbeitsumgebung? Wo kannst du gut arbeiten? An welchen Orten fühlst du dich wohl? Das kann übrigens auch eine mögliche Tätigkeit im Homeoffice sein.

Überlege hier also ganz genau, wo dein ganz spezieller Wohlfühl- und Arbeitsplatz sein könnte. Entwickle eine Vorstellung von ihm und glaube fest daran, dass du ihn eines Tages finden wirst, selbst wenn es ein wenig dauern sollte. Rufe dir diese Vorstellung dann immer und immer wieder ins Gedächtnis. Was du damit tust: Du schaffst dir eine konkrete Vision. Ein Ziel, das du unbedingt erreichen möchtest. Genau das wird dich durch möglicherweise durch derzeit noch etwas schwierigere Zeiten geleiten. Die dritte Frage:

3. Mit wem will ich arbeiten?

Diese Frage klärt für dich, mit was oder wem du in deiner täglichen Arbeit zu tun haben möchtest. Liebst du den Austausch mit Menschen? Bist du von Produkten begeistert und möchtest sie gerne vermarkten? Geht dein Herz in der Arbeit mit Tieren auf oder suchst du dir lieber ein ruhigeres Plätzchen und werkelst gerne mit Pflanzen?

Ebenfalls interessant: Arbeitest du lieber alleine oder im Team? Und falls ja, wie groß darf das Team dann sein? Das führt uns zur vierten Frage. Sie lautet:

4. Wie will ich arbeiten?

Das „wie“ soll dir zeigen, dass es durchaus auch bei Feinfühligen Unterschiede in der zu ihnen passenden Arbeitsweise gibt. Dabei  ist es sehr vorteilhaft, wenn du Kenntnis über deine natürlichen Veranlagungen hast und diese beruflich nutzen kannst, so schreibt es Sylvia Harke in ihrem Buch „Hochsensibel ist mehr als zartbesaitet“ (2016). Frage dich deshalb, zu welcher Art von Tätigkeit du dich hingezogen fühlst. Bist du zum Beispiel ein künstlerisch oder sprachlich begabter Mensch? Arbeitest du gerne mit den Händen oder berätst lieber Menschen in Notsituationen? Magst du Gerüche (wie z.B. in einer Küche) oder bewegst dich gerne (wie z.B. in einem Fitnessstudio) usw.

Ebenfalls entscheidend: Bist du ein Mensch, der sich eher zurückzieht oder einer, der gerne in der Öffentlichkeit steht? Manche Tätigkeiten erfordern beides, andere wiederum nur eines – hier solltest du bewusst das auswählen, das dir in der Hauptsache am ehesten entspricht. Und die letzte Frage:

5. Unter welchen Bedingungen will ich arbeiten?

Auch hier gibt es wieder zahlreiche Optionen. Ein paar Beispiele: Bist du ein Multitasker oder arbeitest du lieber eines nach dem anderen ab? Kannst du problemlos auf unvorhergesehene Situationen reagieren oder brauchst eher Zeit zur Vorbereitung? Wünschst du dir eine Person, die dich führt oder möchtest du gerne selbst entscheiden? Auch steht die Frage im Raum, ob du angestellt, selbständig oder vielleicht sogar beides sein willst. Und wie steht es mit deinen persönlichen Wertvorstellungen? Inwiefern sollen sie in einem neuen Job zur Geltung kommen? Fragen über Fragen, aber die Antworten kennst nur du selbst.

Erst wenn dich dahingehend auf Herz und Nieren geprüft hast, solltest du dich auf Jobsuche begeben. Suche gezielt nach Stellen, die deinem ganz persönlichen Berufsprofil entsprechen und lasse dich nicht entmutigen, sollte es nicht sofort klappen, eine neue Tätigkeit zu bekommen. Auch dürfte der Weg dorthin am Anfang noch ziemlich offen sein.

Nicht wenige meiner feinfühligen Blogleser berichten mir, dass sie auf unterschiedlichen Wegen an ihr Wunschziel kommen: Sei es durch Praktika, Initiativbewerbungen, das Erwerben von Zusatzqualifikationen, einen nebenberuflichen Einstieg oder vielleicht sogar ein Sabbatical. Dem Einfallsreichtum sind hier keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur, dranzubleiben und beständig an sich und seine Fähigkeiten zu glauben.


Nicole Lindner
FEINFÜHLIGKEIT TRIFFT AUF BERUFSLEBEN
Wie Sie Beruf und Ihr Naturell in Einklang bringen können

ISBN: 9783982012551, 240 Seiten, € 19,99

Leseprobe

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Fazit:

Finde deinen eigenen Weg und zäume das Pferd von hinten auf, d.h. fange bei dir selbst an und nicht im Außen. Betrachte dein Leben und dich intensiver. Gehe in dich, reflektiere und erkenne was du  für dich brauchst. Nutze dafür deine naturgegebenen Fähigkeiten als feinfühliger Mensch. Daneben löse dich von gesellschaftlichen Vorstellungen, wie „man“ zu arbeiten hat und gehe mutig deinen eigenen Weg, selbst wenn er noch so verschlungen oder für andere gar unverständlich sein mag.

Ich wünsche dir, dass du diesen Standort findest und endlich das erlangst, was sich so viele Menschen in der heutigen Zeit wünschen:  Einen erfüllenden Beruf, der das Beste aus dir hervorholt und dir jeden Tag aufs Neue Freude, Sinn und das wunderbare Gefühl, am richtigen Ort zu sein, schenkt.

Alles Gute für deinen weiteren beruflichen Weg!

Nicole Lindner, www.meinweg-deinweg.de
www.facebook.com/meinwegdeinweg/
Autorin von „Feinfühligkeit trifft auf Berufsleben“

Nicole Lindner ist Betreiberin einer Onlineplattform für Feinfühlige. Sie selbst ist eine feinfühlige Person und brauchte lange, bis sie eine Tätigkeit fand, die zu ihr passte. Heute jedoch lebt sie beruflich erfüllt und gibt ihre Erfahrungen gerne auf unterschiedlichen Wegen an andere Feinfühlige weiter.


Nicole Lindner
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5 Tipps für das erfolgreiche Führen von hochsensiblen Menschen

(Von Gabriele Fasching)

Wusstest du? Hochsensible Menschen können in einem Zustand der Überstimulation (Überforderung) plötzlich alles andere als emphatisch, sensibel oder leistungsstark sein.

Hochsensibilität (Abk. HSP) beschreibt die detailreiche Wahrnehmung von Feinheiten bei Sinnesreizen. Es wird auch als Sensory-Processing-Sensitivity bezeichnet: Hochsensibilität in der Sinnesverarbeitung.

Das Gehirn eines hochsensiblen Menschen ist darauf ausgerichtet, alle Informationen von der Außen- und Innenwelt gründlich zu verarbeiten. Positive Auswirkungen davon sind eine hohe Kreativität, ein feiner Instinkt und Genauigkeit im Erledigen von Arbeiten. Negativ dabei ist, dass genau diese umfangreiche Wahrnehmung und Informationsverarbeitung leicht Überstimulation und Stress erzeugt.

Bei 20 % aller Menschen zeigt sich dieses Wesensmerkmal, was weder eine Krankheit noch psychische Störung ist! Es ist eine angeborene Funktionsweise des Nervensystems und kommt bei Frauen und Männern gleichermaßen vor, wobei Männer eher Schwierigkeiten damit haben. Nach wie vor wird der Begriff Sensibilität (Empfindsamkeit) fälschlicherweise von vielen Menschen als eine Form von Schwäche assoziiert, was vor allem für hochsensible Menschen, mit einem niedrigen Selbstbewusstsein, sehr negative Auswirkungen hat. Daher wichtig für Menschen in Führungspositionen: Das Selbstbewusstsein der Mitarbeiter großzügig entwickeln.

WER MENSCHEN ERFOLGREICH FÜHREN MÖCHTE, MUSS IHNEN ZUTRAUEN SCHENKEN UND AN SIE GLAUBEN KÖNNEN.

5 Tipps für das erfolgreiche Führen von hochsensiblen Menschen:

  1. Kein Wettbewerb

Eine Motivation oder ein Ansporn durch Wettbewerb entspricht nicht der Einstellung, dem Denken sowie Empfinden, eines HSPs (hochsensiblen Menschen). Sie haben einen hohen Sinn für Gerechtigkeit, legen Wert auf Loyalität und harmonische Beziehungen, weshalb für sie ein Wettbewerbsstreben, Leistungsvergleich oder Konkurrenzdenken weder Sinn macht noch positive Auswirkungen hat; im Gegenteil, es belastet sie eher. Wer hingegen Visionen aufzeigt, Leidenschaft und Inspiration vermittelt, motiviert HSPs.

  1. Ehrliche Gesprächskultur

HSPs machen häufig die Erfahrung, dass ihre Sensibilität als Nachteil angesehen wird. Meistens halten sie sich mit guten Lösungen zurück, auch wenn diese enorm hilfreich für den Erfolg des Projektes sind. Sie brauchen deshalb die Sicherheit, sich offen mitteilen zu können. Dafür ist es wichtig für Gespräche ausreichend Zeit zu planen und eine wertschätzende Kommunikationskultur zu entwickeln.

Ein hilfreiches Werkzeug sind Feedbacks. Hochsensible Mitarbeiter arbeiten meist sehr hart und haben trotzdem das Gefühl nicht genug zu leisten. Gut geführte Feedbackgespräche helfen Leistungen zu erkennen und ermöglichen eine Selbstkontrolle des Mitarbeiters. Doch Vorsicht, HSPs nehmen Gestik, Mimik, kleinste Veränderungen beim Gegenüber wahr. Wer nicht ehrlich ist, löst beim HSP ein ungutes Gefühl aus, was Misstrauen und Unsicherheit erzeugt.

  1. Echtes Vertrauen

HSPs erkennen oft früher Probleme als andere. Sie haben durch ihre hohe Wahrnehmung „ein Gefühl“, doch können sie es zu diesem Zeitpunkt anhand von Fakten nicht darstellen; was jedoch von normal-sensiblen Menschen gerade dann eingefordert wird. Es ist ihr Instinkt, der sie früh auf mögliche Probleme hinweist, noch ohne genaue Daten, weshalb sie ihre Bedenken häufig nicht mitteilen. Eine gute Führungskraft ist daher aufgerufen das Vertrauen im Team zu fördern und Zutrauen zu schenken. Dann werden HSPs den Mut aufbringen ihrem Instinkt zu folgen und sich frühzeitig mitzuteilen.

  1. Prioritäten setzen

HSPs sind Tausendsasser. Sie sollten lernen Prioritäten zu setzen, denn ihre vielen, vielen Ideen, sind in einem Leben nicht umsetzbar. Aufgrund der Wahrnehmung bieten sich ihnen Unmengen an Möglichkeiten. Was erklärt, warum sie nur schwer schnelle Entscheidungen treffen können. Besser wäre etwas Zeit, damit sie ihre Gedanken sortieren und Lösungen vorab prüfen können. Helfen wir dem HSP beim Strukturen erstellen und Prioritäten setzen, kann dieser besser an die geforderte Umsetzung gehen. Apropos perfekt: HSPs sind detailverliebt, gewissenhaft und perfektionistisch veranlagt. Passiert ihnen doch ein Fehler, sind sie sehr, sehr streng mit sich selbst. Führungskräfte sollten helfen, einen positiven Umgang mit Fehler zu entwickeln.

  1. Persönlichkeit fördern

Persönliche Entwicklung ist für HSPs notwendig, wenn sie ein gesundes, erfolgreiches Berufs-Leben führen möchten. Die Erfahrung zeigt, dass HSPs aufgrund fehlender Persönlichkeitsentwicklung in ein Rollenverhalten schlüpfen. Sie passen sich ihrem Gegenüber gekonnt an. (Ein Thema, mit dem sich jeder HSP einmal gründlich auseinandersetzen sollte!) Dieses Verhalten „sich anzupassen“ wird oft sehr spät (oder gar nicht) erkannt. Die Folgen sind Frust, Konflikt, Überforderung (Burn-Out), Unterforderung (Bore-Out) uvm. Ein HSP ist erfolgreich, wenn er ein gutes Selbstmanagement vorgelebt bekommt und für sich entwickelt.

Hochsensible Menschen (Mitarbeiter) sind Teamplayer. Sie brauchen einen Arbeitsplatz an dem sie ungestört arbeiten können. HSPs können auch in höheren Positionen sehr gute Leistungen erbringen. Generell sind sie stark in der Kommunikation, haben sie eine gute Beobachtungsgabe und Empathie müssen sie nicht entwickeln – die ist ihnen angeboren.

HSPs nehmen Probleme schon beim Entstehen wahr – was für ein Vorteil für Unternehmen! Voraussetzung dafür sind optimale Rahmenbedingungen, auf welche ein hochsensibler Mensch mit Höchstleistungen reagiert. Für HSPs ist es ein wahres Vergnügen, gemeinsam neue Ideen (Lösungen) gewinnbringend umzusetzen.

NIEMAND KANN ALLES SEIN, ABER GEMEINSAM KÖNNEN WIR ALLES.

absichtl!ch – Gabriele Fasching, Beratung und Persönlichkeitstraining,  www.absichtlich.com

Wie voll ist dein Stressfass?

(Von Uma Ulrike Reichelt)

Die meisten von uns haben schon einmal den Ausspruch gehört: „Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.“ Und etliche Hochsensible wissen auch genau, wie sich das anfühlt. Wenn alles zu viel ist und man einfach nicht mehr weiterweiß und vielleicht sogar zusammen bricht unter der Stresslast. Genau das habe auch ich erlebt. Das Stressfass ist mir nach meinem Zusammenbruch begegnet und ich fand es sehr hilfreich. Deshalb habe ich es in meinem Buch als ein ganz wesentliches Lebensgesetz aufgenommen. Heute möchte ich dir hier schon ein paar Ausblicke geben, mit denen du dein Stressfass schon etwas kennenlernen kannst.

Das Stressfass steht für deine Kapazität, mit Stress umzugehen. Es zeigt das Fassungsvermögen der Belastbarkeit an.

Wie voll ist dein Stressfass?

Da Stress in erster Linie ein Gefühl ist, wirst du es spüren, wie voll dein Stressfass ist. Dazu gebe ich dir folgende kurze Anzeichen, mit denen du die Füllmenge deines Stressfasses besser einschätzen kannst:

Dein Stressfass ist bis zu 50% gefüllt: Ist das Stressfass wenig bis mittig gefüllt, fühlen wir uns frei, leicht und lebendig. Wir haben viel Energie und bei Belastungen ist noch genügend Spielraum nach oben. Das Leben macht so viel Freude.

Dein Stressfass ist über 50% bis 75% gefüllt: Ab 50% wird die Stresslast ab und an gefühlt, wird aber nicht als bedrohlich wahrgenommen. Die Lebensenergie reicht gut aus, ist aber nicht so sprühend – vor allem, wenn wir uns der 75% nähern. Um die 75% wird das Leben deutlich als anstrengender empfunden und das Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit wird seltener.

Dein Stressfass ist über 75% gefüllt: Ab hier wird Stress regelmäßig wahrgenommen. Er ist gegenwärtiger im Gefühlsleben und das Leben wird zunehmend anstrengend und belastend. Selbst kleinere Belastungen wiegen schwerer und der Puffer nach oben verschwindet.

Ab 90% Stresslast wird dann fast alles und jeder als eine Belastung wahrgenommen. Nervliche Überreizung und Erschöpfung machen sich breit. Das Gefühl, den Umständen ausgeliefert zu sein, nicht mehr „herunter zu kommen“ von der hohen Anspannung und nicht mehr genügend Auftanken zu können sind bei dieser hohen Stresslast dominant spürbar.

Wo würdest du dich einordnen?

Was hilft bei einem zu vollen Stressfass?

Ganz wichtig, um deine Stresslast abfließen zu lassen und dein Stressfass vor erneutem Auffüllen zu schützen ist, dass du dir wirksame Stressventile schaffst. Diese Ventile sind dazu da, angestaute Spannungen wieder abfließen zu lassen, so dass sich dein Nervensystem wieder reguliert und du wieder entspannen kannst – also Luft nach oben bekommst. Dein Körper wird sich lockern, dein Geist wird ruhiger und du wirst einen Zuwachs an Lebensenergie spüren, wenn die Stresslast nachlässt. Als wirksame Ventil-Methoden kann ich dir TRE® (Körperübungen zur Lösung von Anspannung, Stress und Traumata) und EFT (Klopfakupressur) empfehlen. Sie sind schnell erlernbar und du kannst sie nutzen wann und wo du willst.

Den ausführlicheren Selbsttest und interessante Infos zum Stressfass findest du im Buch „Schnell & sicher ins Burnout“

Alles Gute wünscht dir

Uma Ulrike Reichelt, www.uma-u-reichelt.com, Autorin von „Schnell & sicher ins Burnout“

Hochsensibilität und das Wunder der Akzeptanz

(Von Christopher Hensellek)

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ (Reinhold Niebur)

Häufig regen wir uns im Alltag über Menschen, Dinge und Situationen auf, die wir nicht verändern können. Akzeptanz bedeutet: Dem, was ist, keinen inneren Widerstand zu leisten. Es bedeutet, im Frieden zu sein mit dem, was ist und was gerade passiert. Was haben wir davon, uns über Dinge aufzuregen, die so sind, wie sie sind? Außer einige Falten und graue Haare mehr (oder weniger), Stress, verlorene Lebenszeit und Unzufriedenheit nicht viel, oder? Wir können lernen, uns selbst und unsere Hochsensibilität liebevoll anzunehmen. Wir können lernen, notwendige Handlungen, die uns zuvor keinen Spaß gemacht haben, bereitwillig auszuführen, ohne innerlich damit im Widerstand zu sein. Wir können lernen, Situationen, Dinge und auch andere Menschen so zu akzeptieren und so zu lassen, wie sie sind. Wir müssen nicht krampfhaft versuchen, andere Menschen zu verändern. Veränderung fängt immer bei dir selbst an, ob die anderen mitmachen oder nicht, liegt nicht bei dir.

Kümmere dich um dich selbst und halte deinen inneren Raum sauber, dann erlebst du vielleicht auch, wie Menschen in deinem Umfeld sich verändern… oder vielleicht auch nicht… es ist, wie es ist.

Zu akzeptieren heißt aber auch nicht, dass du nicht zu handeln brauchst oder du dich in eine Art passive Opferrolle begibst. Akzeptanz ist zugleich die Basis jeglicher Handlung, wenn diese eben nötig, möglich und sinnig ist. In Situationen, in denen dein Handeln gefragt ist, sollst du natürlich handeln. Indem du die Situation zuvor innerlich akzeptierst, entsteht allerdings ein positives und kraftvolles Handeln, ohne jegliche Form von Negativität.

Frage dich, wenn du dich über eine Situation oder das Verhalten eines Menschen aufregst, innerlich: „Bringt es eine Veränderung, wenn ich mich beschwere? Ist es die Situation, die mich unglücklich macht, oder das Denken darüber?“

Wenn Akzeptanz für eine bestimmte Situation in deinem Leben nicht funktioniert und ein innerer Widerstand, Groll, oder Unzufriedenheit bestehen bleibt, komme in Aktion und handle!

Übernimm die volle Verantwortung über dein Leben und deine Befindlichkeit.

Sage deine Meinung und/oder tue alles dir Mögliche, um die Situation zu verändern und zu verbessern. Was kannst du konkret tun, um eine Verbesserung der Situation zu erreichen? Schreibe dir am besten mehrere (kreative) Alternativen auf und wähle die passendste für dich aus. Wenn das Verändern der Situation nicht möglich oder erfolglos ist, bleibt dir immer noch die Möglichkeit, die Situation komplett zu verlassen. Handle also getreu nach dem Motto:

„Love it, change it or leave it“

Akzeptanz bedeutet auch nicht, dass du deine Bedürfnisse nicht mehr äußern sollst, im Gegenteil. Du kannst deine eigenen Bedürfnisse erkennen, akzeptieren und auch anderen gegenüber kundtun, aber bist nicht mehr darauf angewiesen, dass sie immer erfüllt werden. Du kannst es akzeptieren, wenn dies nicht passiert.

Akzeptanz heißt nicht, dass du alles akzeptieren und tun musst, was von dir erwartet wird. Es geht vielmehr darum, dich selbst zu akzeptieren und wenn nötig, eindeutige, gesunde und nötige Grenzen für dich zu setzen. So entsteht ein „Nein“ von hoher Qualität, frei von Negativität. Spüre in dich hinein, triff bewusste Entscheidungen und sage „Ja“ zu dir selbst, dann bist du authentisch.

Akzeptanz muss bewusst geübt und trainiert werden, sie zu kultivieren ist – wie die gesamte Achtsamkeitspraxis – ein fortlaufender Entwicklungsprozess.

Ich zeige Menschen auf, wie sie achtsamer, mitfühlender und liebevoller mit sich selbst umgehen und ihre Hochsensibilität akzeptieren und zu einem Wegweiser für ihr Leben machen können. Was braucht gerade jetzt deine Aufmerksamkeit, Akzeptanz und dein liebendes Mitgefühl?

Christopher Hensellek, www.hypersensibel.com, Autor von „Metamorphose – Hochsensibel gesund leben“

Hochsensibilität und Epigenetik

(Von Silvia Christine Strauch)

Die Genetik ist die Wissenschaft von der Vererbung, sie befasst sich mit den Gesetzmäßigkeiten der Ausbildung von erblichen Merkmalen und der Weitergabe von Erbanlagen an die nächste Generation. Bei Genetik werden den meisten Menschen die Mendelschen Erbgesetze einfallen, die man im Biologieunterricht kennengelernt hat. Wie war das noch mit der Vererbung? Vor einer Zellteilung wird die Erbsubstanz verdoppelt und jeweils die Hälfte der Erbsubstanz auf die Tochterzellen übertragen. Bei der sexuellen Vermehrung des Menschen werden von der Eizelle die Hälfte des mütterlichen und vom Spermium die Hälfte des väterlichen Erbguts miteinander vereint. So wird eine Vermischung des Erbguts sichergestellt.

Unsere Gene machen uns unverwechselbar und einzigartig. Seit Jahren ist es möglich in humangenetischen Laboratorien Untersuchungen machen zu lassen, die nicht nur feststellen, ob mehr oder weniger schwerwiegende Erbkrankheiten vorliegen, sondern Eigenschaften, die für den ganz normalen Lebensalltag wichtig sein können. Sei es eine angeborene Lactoseintoleranz oder das Vorliegen einer Zöliakie. Man kann damit auch die Entgiftungskapazität des Körpers feststellen, welche Sportart für einen am besten geeignet ist oder auch wie, welche Medikamente verstoffwechselt werden. Aber ist Hochsensibilität erblich? Es ist zumindest kein Gen bekannt, das Hochsensibilität vererbt, aber Untersuchungen gehen davon aus, dass nicht nur eine Veranlagung vererbt wird, sondern dass diese auch durch Umweltbedingungen beeinflusst wird.

Was ist Epigenetik?

Die Epigenetik beschränkt sich nicht auf diese klassischen, auch schon nicht einfachen Vererbungsfälle, sondern befasst sich mit der Frage, welche Faktoren die Aktivität eines Gens zeitweilig festlegen. Grundlage dabei sind Veränderungen an den Chromosomen, wodurch bestimmte Teile in ihrer Aktivität beeinflusst werden. Es werden sozusagen Teile an- oder abgeschaltet, ohne die DNA-Sequenz, das Erbgut, zu verändern.

Bei eineiigen Zwillingen kann man feststellen, dass sie in jungen Jahren epigenetisch noch in einem hohen Maß übereinstimmen, allerdings immer weniger, je älter sie werden. Zumindest dann, wenn sie unter unterschiedlichen Umweltbedingungen leben. Je unterschiedlicher ihr Leben verläuft, desto unterschiedlicher sind sie epigenetisch gesehen, obwohl sie genetisch gesehen identisch sind. Mit der Erkenntnis der Epigenetik wurde schon nach kurzer Zeit unser bisheriges Verständnis der Steuerung sämtlicher Lebensprozesse auf den Kopf gestellt. Denn das bedeutet, dass der Geist, über die Epigenetik als Vermittler, Kontrolle ausüben kann, und das nicht nur bei Krankheiten.

Der Einfluss von Epigenetik auf Hochsensibilität

Interessant ist der mögliche epigenetische Einfluss auf die Erscheinung der Hochsensibilität. Der Gehirnstoffwechsel von hochsensiblen Personen scheint anders zu funktionieren als bei normalsensiblen. Das Nervensystem nimmt mehr Wahrnehmungen auf, hat dementsprechend mehr zu verarbeiten und ist dadurch schneller erschöpft. Auch Gehirnregionen, die bei Angst oder Belohnungen aktiv werden, reagieren bei Hochsensiblen intensiver.

Die Reizübertragung im Gehirn erfolgt über Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter. Liegen davon mehr vor, ist das Gehirn zur verstärkten Reizaufnahme bereit, was schnell als Dauerstress empfunden wird. Folglich befinden sich mehr Stresshormone im Blut, wodurch es zu vielen körperlichen Störungen kommen kann, ähnlich wie bei einem Burnout. Darüber hinaus kommt es durch die heutzutage übliche ungesunde Lebensführung zu weiteren Stressreaktionen des Körpers, er wird aus dem Gleichgewicht gebracht, und es kommt zu vielfachen Überlastungserscheinungen wie Depressionen und Burn-Out. Bei Hochsensibilität liegt nicht nur eine vermehrte Aufnahme, sondern auch eine vermehrte Verarbeitung von Reizen vor, welche abhängig ist von diesen Neurotransmittern, die auf chemischem Wege Erregung weiterleiten.

Nobelpreis für Telomerase-Forschung

Frau Prof. Dr. Blackborn erhielt 2009 den Nobelpreis für die Telomerase-Forschung. Wissenschaftler sehen die Länge der Telomere am Ende der Chromosomen als verlässliches Zeichen für das biologische Alter an. Kurze Telomere gehen mit chronischen und degenerativen Erkrankungen einher. Telomere verkürzen sich im Laufe des Lebens, aber man kann die Telomere mit einer gesunden Lebensführung schützen und verlängern.

Die Ernährung hat den größten Einfluss auf die Telomerlänge, danach folgt Stress. Auch Erwachsene mit Traumata haben kürzere Telomere, meist durch Kindheitsereignisse, die sich als Stress in Form von Erinnerungen ständig wiederholen. Um die Telomere in einem gewissen Rahmen zu verlängern, rät die Nobelpreisträgerin zu Meditation, verbesserte Resilienz und einer gesunden Ernährung.

Stressreduktion, Burnout-Behandlung und der bewusste Umgang mit Hochsensibilität ist eine Kopfsache. Wir können bewusst durch die Kraft unserer Gedanken und entsprechenden Lebensumständen die Aktivität der Telomere beeinflussen. Somit können wir auf epigenetischem Weg Einfluss auf das Erscheinungsbild von Hochsensibilität nehmen.

Daraus leiten sich folgende Empfehlungen ab:

Gesunde Ernährung:  Sorge für eine ausgewogene Ernährung mit frischen Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser. Vermeide industriell hergestellte Fertigkost.

Schlafqualität: Sorge für einen guten und ausreichend langen Schlaf, damit sich dein Körper regenerieren kann.

Bewegung: Dein Körper braucht ein gewisses Maß an Bewegung. Sorge für ausreichende Bewegung, möglichst an der frischen Luft und wenn möglich Sonnenlicht.

Gesellschaft: Auch ein hochsensibler Mensch braucht ein gewisses Maß an sozialen Kontakten und sollte soziale Interaktionen nicht umgehen.

Meditation: Egal welche Art von Meditation, Meditation verändert die Gehirnwellen, die letztendlich deinen Körper steuern und damit auch Einfluss auf deine Gene nehmen. Fange an deiner Intuition zu vertrauen.

Setze dir Ziele: Ziele sind wichtig, gönne dir aber auch die notwendige Zeit dazu sie zu erreichen.

Genetisch gesehen kann man Hochsensibilität nicht verändern, epigenetisch gesehen kann man durchaus darauf Einfluss nehmen. Somit kann man nicht nur mit seiner Hochsensibilität gezielter umgehen und sie steuern, sondern sogar das eigene Leben.

Silvia Christine Strauch
Buchautorin von „Krankhafte Narzissten enttarnen“ und „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

Warum pferdegestütztes Mentalcoaching bei HSP so gut wirkt

(Von Sabine Reischl)

Wissenswertes über Pferde:

Pferde sind soziale Fluchttiere und fühlen sich in der schutzgebenden Herde am wohlsten. Dort herrschen klare Hierarchien, welche von jedem Mitglied eingehalten werden. Pferde kommunizieren ausschließlich über Mimik, Gestik und Körpersprache. Schon ein kleines Ohrenzucken der Leitstute (steht in der Hierarchie ganz oben) reicht zum Beispiel aus, dass sich der Junghengst gemaßregelt fühlt und sich zurückzieht. Solang die Leitstute entspannt ist, ist auch die ganze Herde entspannt, weil alle der Leitstute vertrauen und ihr folgen.  Pferde sind hochsensible Tiere, die absolut im Hier und Jetzt leben. Pferde reagieren urteilsfrei und unvoreingenommen. Sie interessieren sich nicht für Dinge wie Status, Macht oder Geld. Pferde nehmen das Gegenüber so wie es ist!

Mittlerweile ist auch bewiesen, dass Pferde die Fähigkeit haben, sich den Befindlichkeiten des Interagierenden anzupassen. Hier wird auch in Pferdekreisen von „spiegeln“ gesprochen.


Was ist pferdegestütztes Mentalcoaching?

Hierbei handelt es sich um eine einzigartige Kombination aus dem „klassischen“ pferdegestützten Coaching und dem Mentaltraining.

Das Pferd stellt im Coaching-Prozess ein separates Element dar, welches hilft, etwas bildlich zu machen, zu symbolisieren oder einen Prozess erlebbar zu machen. Hier geht es vor allem um persönliche Weiterentwicklung, das Stärken von Fähigkeiten, das Erkennen von persönlichen Verhaltensmustern und den Ausbau sozialer Kompetenzen, um nur ein paar Beispiele anzuführen. Um die erarbeiteten neuen Strategien auch verinnerlichen zu können, kommen verschiedene Mentaltechniken (z. B. Visualisierungen oder Entspannungstechniken) zum Einsatz, welche auch zu Hause leicht durchführbar sind.

Pferdegestütztes Mentalcoaching zählt zu den nachhaltigsten Coaching-Varianten, da hier alle Sinne der HSP angesprochen werden, was einen größeren Lerneffekt verspricht.

Kurz gesagt: Pferdegestütztes Mentalcoaching ist eine nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe!

Es sind hierfür auch keine Pferdekenntnisse erforderlich!


Wie sieht so ein Coaching aus?

Das Pferd wird als Co-Coach eingesetzt, um von ihm „gespiegelt“ zu werden. Die HSP bekommt individuelle Aufgabenstellungen, welche es mit Pferd zu lösen gilt. Hierbei kann sich die HSP voll auf das eigene Innenleben und die Gefühlswelt konzentrieren und muss sich nicht verstellen. Diese Übungen werden üblicherweise auf Video aufgenommen. Unmittelbar nach jeder Übung wird reflektiert, was von der HSP wahrgenommen wurde, welche Gefühle aufkamen, usw.
Nach der Einheit mit dem Pferd wird die Videoanalyse durchgeführt und die HSP kann sich nochmals von „außen“ betrachten. Der Sachverhalt wird ausführlich besprochen, gleichzeitig werden die Stärken und Schwächen erarbeitet sowie die neuen Ziele definiert. Nach dieser Coaching-Intervention werden die nächsten Handlungsschritte erarbeitet und Strategien entwickelt, wie diese eingeleitet werden können. Hier kommen dann auch je nach Thema die verschiedenen Mentaltechniken zum Einsatz. Am Ende des Coachings werden noch leicht durchführbare Hausaufgaben und Übungen an die Hand gegeben, welche die HSP auch zu Hause leicht umsetzen kann, um die gesteckten Ziele zu erreichen.

Wobei kann pferdegestütztes Mentalcoaching unterstützen?

  • Persönlichkeitsentwicklung
  • Steigerung von Selbstwert, Selbstliebe & Selbstbewusstsein
  • Ängste- & Konfliktbewältigung
  • Erkennen und Verändern von Denk-, Gefühls- und Verhaltensmustern (z. B. Reizüberflutungen, etc.)
  • Erkennen von Stärken und Potentialen
  • Innere Unruhe (z. B. Anspannung, Nervosität)
  • Lernen sich abzugrenzen (z. B. „Nein“ sagen lernen)
  • Erlangen Ruhe & Gelassenheit


Wozu pferdegestütztes Mentalcoaching?

Dafür gibt es mehrere gute Gründe:

  • Es ist bekannt, dass wir beim Erlernen von neuen Fertigkeiten nur einen geringen Teil über das sachlich kognitive (Wahrnehmung, Vorstellung und Sprache) Lernen aufnehmen, der weitaus größere Teil wird über Gefühle und Emotionen gelernt und auch behalten. Hinzu kommt noch, dass wir nur außerhalb unserer Komfortzone lernen, sprich nur dann, wenn wir unseren gewohnten Alltag verlassen und etwas Neues versuchen, können wir auch über uns hinaus wachsen.
  • Ein weiterer Vorteil diese Coachings ist es, dass Unbewusstes bewusst gemacht wird. Die meiste Zeit des Tages agieren wir unbewusst. Da sich die meisten Handlungen über die Jahre hinweg zu automatisierten Programmen entwickelt haben, nehmen wir diese nicht mehr bewusst wahr, eben weil sie Routine für uns sind.
  • HSP dürfen sich hier authentisch zeigen und können sich mit dieser Variante des Coachings sehr gut identifizieren, da eben auch Gefühle und Emotionen eine große Rolle spielen.
  • Durch die Pferde erleben die HSP das Gefühl der Wertschätzung und des Angenommenwerdens, wie sie sind.
  • Die Coachings finden überwiegend in der Natur statt, welche automatisch eine gewisse Wohlfühlatmosphäre bietet.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen dieses neue Coaching-Verfahren etwas näher bringen und Sie haben Interesse daran, es selbst auszuprobieren.

Zum Abschluss möchte ich Dir noch eines sagen:

„DU BIST SO VIEL MEHR, ALS SIE DIR GESAGT HABEN!“

Sabine Reischl, pferdegestütztes Mentalcoaching, www.mentalepferdepower.de

3 Gründe für Hochsensible, dem Perfektionismus Adieu zu sagen

(Von Uma Ulrike Reichelt)

Hochsensiblen Menschen wird ja oft nachgesagt, sie seien perfektionistisch. Oft ist uns das aber gar nicht bewusst, weil wir hohe Qualität als Normalität und Standard ansehen. Weniger als 100 Prozent zu liefern tut weh, selbst wenn es auf die eigenen Energiekosten geht. Perfektionismus hat aber neben der hohen Ansprüche an uns selbst und andere noch andere Facetten, von denen ich gerne 3 beleuchten möchte.

1. Grund: Selbstüberforderung – Perfektionismus als Antreiber: „Ich muss perfekt sein!“

Hier spielt unser Selbstwert eine große Rolle. Was glaube ich alles tun zu müssen, um geliebt und angenommen zu werden? Antreiber haben Suchtcharakter, da sie ganz wichtige Grundbedürfnisse wie zum Beispiel Sicherheit, Geborgenheit und Zugehörigkeit sicherstellen sollen, von denen wir glauben, sie nicht anders erfüllt zu bekommen. Antreiber ersetzen unseren innewohnenden gesunden Antrieb, unsere natürliche Motivation und Begeisterung. Antrieb kommt aus unserem inneren Feuer, während Antreiber uns im Nacken sitzen. Permanente Selbstüberforderung ist eine große Stressfalle, wenn sie unbewusst bleibt.

Tipp: Nimm dir 5 Minuten und frage dich mindestens 3-mal am Tag, ob deine momentanen Handlungen aus deinem Antreiber kommen – also dir im Nacken sitzen – oder aus deinem inneren Interesse, deiner Motivation. Wenn du das klar spüren kannst, dann hast du auch die Wahl gegebenenfalls einzulenken und auszusteigen aus der Stressschleife.

2. Grund: Erschöpfung – Perfektionismus als Energiefresser „Es ist nicht gut genug!“

Das Nervensystem und der Energiehaushalt von uns Hochsensiblen sind sensible und zentrale Größen, wenn es um unsere Lebensqualität und Gesundheit geht. Wenn wir im Zustand von Perfektionismus und Leistungsdruck sind – „Ich muss alles richtig machen, es muss perfekt sein, es reicht so nicht!“- dann befindet sich auch unser Nervensystem nicht gerade in der Hängematte im Entspannungsmodus. Im Gegenteil. Es fährt hoch und ist im Stressmodus. Das kann das Gefühl von „glühenden Nerven“ erzeugen, verbraucht viel Energie und lässt uns zudem nicht mehr spüren, wann unsere Grenzen erreicht sind. Hängt dauerhaft die Latte zu hoch für uns und was wir leisten – und glauben leisten zu müssen – werden eine körperliche und geistige Erschöpfung sehr wahrscheinlich.

Tipp: Frage dich 3-mal täglich: Wie hoch ist der Preis für das, was ich gerade tue? Und spüre: Wo wäre meine gesunde Grenze im Moment? Wie viel Spielraum habe ich noch?

 

3. Grund: Selbstsabotage – Perfektionismus als Bremse „Ich schaffe das nicht!“

Vielleicht kennst du das ja: Du hast eine tolle, vielleicht sogar richtig große Idee, aber setzt sie nicht um. Du möchtest etwas Neues tun, hörst aber schnell wieder damit auf und es wird nie fertig. Im Allgemeinen nennt man das Aufschieberitis. Aber Aufschieben an sich gibt es nicht. Es gibt eine Bremse, die Stressreaktion heißt und uns in den Flucht- oder Erstarrungsmodus fallen lässt. Wenn die Anforderungen an das, was wir machen möchten sehr hoch sind und dann alles übergroß erscheint, setzen wir damit eine Stressreaktion in uns in Gange, z.B. „Ich schaffe das nicht!“. Diese lässt uns ins Vermeiden gehen und wir ordnen dann lieber die Stifte auf unserem Schreibtisch nach Farben oder räumen den Besenschrank auf, als das zu tun, was ansteht.

Tipp: Besser klein starten als perfektionistisch scheitern. Selbst kleinste unprofessionelle Schritte bringen dich immer wieder weiter, selbst bei einem großen Ziel. Wenn du merkst, dass du steckenbleibst und vermeidest, dann überprüfe die Größe dessen, was du dir vorgenommen hast und zerlege es immer wieder in die Häppchen, mit denen du zurechtkommst und mit denen du weiter machen kannst. Und: Lobe und belohne dich für jedes auch noch so kleine Zwischenergebnis. Davon bekommst du noch mehr Antrieb und Kraft, weil du siehst, was du alles schaffen kannst!

In diesem Sinne alles Liebe von

Uma

Noch mehr zum Thema Antreiber und welche Stressarten es gibt findest du in „Schnell & sicher ins Burnout – 5 Glücksgesetze, die Sie missachten müssen, um schnell alt, krank und unglücklich zu werden“

Uma Ulrike Reichelt, www.uma-u-reichelt.com, Autorin von „Schnell & sicher ins Burnout“

Die Kunst des Innehaltens

(Von Katharina Eich)

Wenn wir innehalten, nehmen wir uns für einen Moment aus dem Geschehen und werden Betrachter. Etwas in uns wird ruhig. Wir erlauben uns nachzudenken und uns neu zu orientieren.

Stellen Sie sich vor, Sie stehen an der Fußgänger-Ampel und diese schaltet auf grün. Sie laufen nicht automatisch los, sondern Sie warten, vielleicht den Bruchteil einer Sekunde. In diesem Moment, den Sie sich selbst geben, entstehen Ihre neuen Möglichkeiten. Dort ist der geistige Raum für eine neue Entscheidung. Die Wahl zu haben: Geh ich einfach los oder geh ich vielleicht doch nicht, oder schau ich mich erstmal um, bevor ich losgehe. Mit Innehalten bringen wir die Entscheidung wieder auf eine bewusste Ebene. Zurück zu uns selbst, weg von den konditionierten Automatismen.

Warum ist Innehalten so wichtig für hochsensible Menschen?

Innehalten ist ein wertvolles Werkzeug im Umgang mit der eigenen Sensibilität. Hochsensible Menschen reagieren außergewöhnlich stark auf Reize. Wenn wir – ohne innezuhalten – sofort reagieren, dann greift der Körper auf gut etablierte Verhaltensweisen und Körperspannungen zurück. Diese Sofort-Antwort des Körpers ist die offensichtlichste, die antrainierte, die unserer Gewohnheit entspricht und mit der wir uns vielleicht sogar identifizieren („Ich bin halt so…“). Sie ist nicht die beste Antwort. Sie ist nur die gewohnte Antwort auf einen bekannten Reiz.

Im Moment des Wartens entkoppeln wir den Reiz von der Reaktion. Jetzt erst können wir neue Antwort-Möglichkeiten entwickeln. Mit Innehalten haben wir uns selbst die Chance dazu gegeben.

Dabei ist mit Innehalten nicht gemeint, dass wir stoppen oder verharren (was auch einer Reaktion entsprechen würde). Es ist vielmehr ein entspannter Schwebezustand, in dem der Körper aus der Ruhe heraus Entscheidungen treffen kann.

Die positiven Auswirkungen des Innehaltens sind vielseitig:

Wie schnell passiert es, dass ein starker Reiz unsere Aufmerksamkeit bindet.  In einer lauten und fordernden Welt, in der wir vielen Reizen ausgesetzt sind, hilft Innehalten, wieder zu sich zurückzukehren.

Wenn alles zu viel wird, schafft das Innehalten einen Ort der inneren Ruhe.  Der Körper kann sich ordnen und findet wieder zu neuer Kraft. Mit Innehalten können wir uns selbst die Möglichkeit geben, gelassen zu bleiben. Gerade dann, wenn man aus der Gewohnheit heraus, in Aufregung geraten würde.

Viele hochsensible Menschen beschreiben, dass sie es anderen immer recht machen wollen und sich selbst leicht dabei vergessen. Innehalten hilft, Situationen umfassender zu begreifen. Seine eigenen Bedürfnisse und die des anderen gleichermaßen zu berücksichtigen, und so eine gemeinsame Lösung entstehen zu lassen.

Innehalten hilft uns bewusste Entscheidungen zu treffen, und nicht vorschnell von der Macht der Gewohnheit gelenkt zu werden. Wir können andere Richtungen einschlagen, die uns zu neuen Erkenntnissen führen. Damit bildet das Innehalten die Grundlage von persönlichen Entwicklungsprozessen.

 

 Innehalten lernen mit Hilfe der Alexander-Technik

In meiner Ausbildung zur Lehrerin der Alexander-Technik war Innehalten einer der wichtigsten Lehrinhalte. Die von Frederick Matthias Alexander (*1869-1955) entwickelte Körper-Technik macht das Innehalten körperlich erlebbar. Man lernt mit der Kraft des Innehaltens in einen Zustand von Ruhe und Gelassenheit zu kommen – unabhängig von den Außenreizen.

Als hochsensibler Mensch habe ich mit Hilfe der Alexander-Technik das Innehalten zu meinem wichtigsten Werkzeug entwickelt. Es hilft mir täglich Entscheidungen zu treffen, in gutem Kontakt zu mir selbst und zu meiner Umwelt zu sein. Meine Bedürfnisse klarer zu fühlen und mich von starken Außenreizen nicht zu leicht irritieren zu lassen.

In meiner Arbeit als Lehrerin der Alexander-Technik, gebe ich dieses Wissen an andere hochsensible Menschen weiter. Das Erlernen von Innehalten ist für hochsensible Menschen ein Segen. Die Option nicht reflexartig auf einen Reiz zu reagieren, gelassen und entspannt zu sein und neue Verhaltensweisen zu entwickeln, schafft wunderbare Möglichkeiten die Hochsensibilität mit Freude zu leben.

Was ist die Alexander-Technik?

Die Alexander-Technik ist eine Körpertechnik, mit der du lernst, deinen Körper in einen Zustand von Leichtigkeit zu führen. In einer Alexander-Technik Stunde zeigt dir der Lehrer mit seinen Händen und begleitenden Worten, wo im Körper zu viel Spannung ist, und wie du dich weicher und fließender bewegen kannst. Dies wirkt sich positiv auf dein physisches und psychisches Gleichgewicht aus. Du fühlst dich leichter, beweglicher und entspannter. Du erlebst dich „in deiner Mitte“. Dieser Zustand erlaubt dir energievoll zu sein und frei von alten Mustern neue Erfahrungen zu machen. Die Alexander-Technik ist für hochsensible Menschen besonders geeignet, da die Impulse des Lehrers sehr fein sind. Die hochsensiblen Fähigkeiten begünstigen sogar das Erlernen der Alexander-Technik:

Es geht um ein feines Gespür für Harmonien im Körper

Die Alexander-Technik ist auch eine Lebensphilosophie. Die Tiefgründigkeit der Technik kommt der Denkweise hochsensibler Menschen sehr entgegen. Es geht nicht nur um die Harmonie von Körper und Geist, sondern auch um eine Lebenseinstellung und ein Herantreten an tiefsinnige Fragen.

Katharina Eich, Diplom-Biologin und Lehrerin der Alexander-Technik, www.katharina-eich.de

Die 8 wirksamsten Methoden gegen Angstzustände und Panikattacken für HSP

(Von Julia Hornstein)

Dein Herz rast, du bekommst Schweißausbrüche, zitterst, ein Gefühl der Beklemmung überschwemmt dich. Plötzlich hast du Angst die Kontrolle zu verlieren, du fühlst dich hilflos und befürchtest einen Herzinfarkt zu bekommen oder sterben zu müssen.

So geht es täglich vielen Menschen, sie fühlen sich gefangen und der Situation ausgeliefert. Sie gehen von einem Arzt zum nächsten, lassen sich durchchecken, aber alles ist in Ordnung. Die Diagnose: Angststörung. Hochsensible Menschen sind von dieser Diagnose besonders häufig betroffen. Da sie nicht nur von äußeren sondern auch von inneren Einflüssen, wie Gefühle und Gedanken, schnell überwältigt werden.

Eine Angststörung kann das Leben massiv einschränken. Der Kreis der Angst zieht sich immer enger und im schlimmsten Fall können Menschen nicht einmal mehr das Haus verlassen. Begleitsymptome wie Magen-Darm Beschwerden und Schlafstörungen sind keine Seltenheit. Verhaltensänderungen wie sozialer Rückzug und die Vermeidung von „angeblich“ angstauslösenden Situationen verstärken die Problematik noch zusätzlich.

Warum „angeblich“? Unser Gehirn lernt sehr schnell, besonders in Bezug auf negative oder bedrohliche Situationen. Einmal eine Panikattacke im Supermarkt und es ist jedes Mal aufs Neue eine Qual einkaufen zu gehen. Das Gehirn verknüpft Situationen unheimlich schnell mit unangenehmen Körperreaktionen. Dabei ist der Supermarkt gar nicht der Auslöser.

 

Meine 8 Tipps bei Angstzuständen und Panikattacken

  1. Mach dir als erstes unbedingt klar, da Angst und die damit einhergehenden Symptome eine völlig normale körperliche Reaktion ist. Die Symptome sind nicht schädlich für die körperliche Gesundheit.
  1. Versuche nicht die Angst zu bekämpfen, dadurch wird sie sich dir nur noch deutlicher zeigen. Versuche stattdessen sie anzunehmen. In solchen Situationen hilft es ungemein, sein Spiegelbild zu betrachten. Schließe Freundschaft mit deiner Angst, denn sie gehört zu dir.
  1. Bleibe in der Realität, beobachte oder beschreibe (innerlich oder laut) deine Umgebung. Gerne auch in einer anderen Sprache, das fordert das Gehirn und du kannst leichter in der Realität bleiben.
  1. Verstärke die Angstreaktionen nicht durch übertriebene, eigentlich unrealistische Katastrophengedanken, denn das treibt dich tiefer in die Angstspirale. Es handelt sich hier um völlig normale körperliche Reaktionen, die nicht gefährlich sind.
  1. Nimm dir Zeit und bleibe unbedingt in der Situation, bis die Angstreaktion wieder abnimmt. Beobachte bewusst, wie die Angst von alleine wieder verschwindet. Das erzeugt Erfolgserlebnisse und die sind unglaublich wichtig.
  1. Vermeide keine Angstsituation. Setze dich allen Situationen aus – ggf. nach Schwierigkeit gestuft – die dir Angst machen. So eroberst du dir dein Leben nach und nach wieder zurück.
  1. Sei unbedingt stolz auf deine Erfolge. Auch auf die ganz Kleinen. Am besten du notierst sie dir, so hast du deine Fortschritte schwarz auf weiß.
  1. ENTSPANNUNG, ENTSPANNUNG und ENTSPANNUNG!

Warum? Weil gerade bei hochsensiblen Menschen und Angstpatienten das grundlegende Anspannungsniveau schon relativ hoch ist. Da braucht es manchmal nur einen kleinen Auslöser, ein Gedanke, ein Wort, eine Situation und die Schwelle zur Angst ist schnell überschritten. Mit regelmäßigem Entspannungstraining senkst du dein Grund-Stressniveau erheblich. Du wirst gelassener und dein Körper wird viel seltener mit Angst reagieren.

Das waren meine Tipps zum Umgang mit der Angst. Ich hoffe sie helfen dir weiter und ich wünsche dir ganz viel Erfolg beim zurückerobern deines Lebens!

Julia Hornstein, Praxis für Entspannung & Achtsamkeit,  www.alltags-oase.de

Gewohnheiten für Hochsensible

(Von Silvia Christine Strauch)

Gewohnheiten sind Entscheidungen, die wir irgendwann einmal bewusst treffen und dann automatisieren. Unser ganzes Leben setzt sich aus solchen Gewohnheiten zusammen und nicht nur aus einzelnen Entscheidungen.

Hochsensible Personen fühlen sich schnell überlastet, gerade sie brauchen eine Menge an Routinen um ihr Nervensystem nicht zu überlasten. Am wohlsten fühlt sich ein hochsensibler Mensch, wenn er sich, mit einer gewissen Selbstdisziplin, auf Gewohnheiten verlassen kann. Ohne Routinen kann man nicht effizient arbeiten oder leben, auch nicht im privaten Bereich. Gerade für empathische, sensitive Menschen sorgen Gewohnheiten für mehr Gelassenheit. Will man sich Neues angewöhnen, dann fällt dies leichter, wenn man die neuen Routinen an alte koppelt und ihnen dadurch einen vertrauten Anstrich gibt.

Warum sind Gewohnheiten wichtig?

Die meisten unserer Handlungen erfolgen unbewusst, bzw. aus einer Gewohnheit heraus. Es wäre nicht sehr effizient, wenn wir jede unserer Handlungen zuvor überlegen müssten. Mitunter wäre es auch durchaus gefährlich, wenn wir in bestimmten Situationen nicht automatisch reagieren würden. Also sind Gewohnheiten erst einmal nichts Gutes oder Schlechtes. Was aber nicht heißt, dass man sich diese Angewohnheiten nicht einmal näher ansehen sollte. Da gibt es zum Beispiel die alltäglichen Gewohnheiten. Es wäre mühsam, wenn ich beim Essen jedes Mal überlegen müsste, wie ich die Gabel zum Mund führen soll. Auch Fertigkeiten wie ein Musikinstrument spielen basiert letztendlich auf erlernten Gewohnheiten, die sich verselbständigen. Ebenso die Kunst des Autofahrens.

Menschen, die täglich Sport treiben, zum Beispiel zum Joggen gehen, merken dass sie sich an diese Bewegung derartig gewöhnt haben, dass ihnen etwas fehlt, wenn sie einmal nicht laufen gehen. Genauso geht es allerdings dem couch pototae. Was gibt es sonst noch für Gewohnheiten? Außer Sport zum Beispiel Ernährung. Wir sprechen durchaus von Ernährungsgewohnheiten. Diese können ganz unterschiedlicher Natur sein. Dabei fällt zum Beispiel auf, dass wenn man längere Zeit etwas zu sich nimmt oder auch nahezu weglässt, einem dieses Nahrungsmittel immer besser schmeckt, beziehungsweise man es nicht mehr mag, im letzteren Fall. Eigentlich ist es ganz einfach Ernährungsgewohnheiten zu verändern, man muss nur über den eigenen Schatten springen und längere Zeit dabeibleiben.

Genauso sieht es auch mit Entspannungstraining aus. Ich kenne so manche Person, ob hochsensibel oder nicht, die sich vehement gegen eine Meditationspraxis wehrt. Meist sind es sehr aktive Menschen, die sich schwer tun zur Ruhe zu kommen. Aber stattdessen sich hinzusetzen, um das Meditieren zu lernen, behaupten sie, dass sie bei der Meditationsruhe fast wahnsinnig würden und genervter aus der Meditation kommen, als sie davor waren.

Wie etabliere ich neue Gewohnheiten?

Sind wir Sklave unserer Gewohnheiten? Das Gehirn wertet die Gewohnheiten nicht, diese Automatismen laufen einfach nur ab. Also sollten wir uns bewusst darüber Gedanken machen, welche Gewohnheiten wir beibehalten oder noch besser, welche Gewohnheiten wir ändern oder sogar neu einführen wollen. Das ist letztendlich der erste Schritt um etwas zu verändern. Suchen sie sich Ziele, definieren sie Ziele, um ihren Vorstellungen vom Leben näher zu kommen. Wollen sie sich einfach fitter fühlen? Sich gesund ernähren? Ausgeglichener werden? Sich besser abgrenzen können?

Führen Sie das Leben, das Sie sich wünschen?

Die Macht der Gewohnheit ist immens! Wie mache ich zufriedene Gefühle zu meiner Gewohnheit? Indem ich Dinge, die mich zufrieden machen in meine tägliche Routine aufnehme. Wenn ich nur wüsste, was mich zufrieden macht… Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper. Also sollte ich etwas für meinen Körper tun. Damit sind wir wieder bei Sport und Ernährung. Ein Trainingsplan muss her. Je nach vorhandener Fitness kann dieser auch sehr harmlos ausfallen. Selbst wenn es anfangs nur 15 Minuten langsame Bewegung an der frischen Luft sind, der springende Punkt ist die Regelmäßigkeit. Ebenso kann man bei der Ernährung vorgehen. Sei es, dass der eine keine Burger mehr isst oder der andere auf Süßigkeiten verzichtet, vielleicht erst einmal am Wochenende oder auch unter der Woche, je nachdem was leichter fällt.

In den meisten Berufen ist man gewöhnt sich einen Plan zu machen. Was man, wann man es und wie lange man dies oder jenes zu tun gedenkt. Nicht anders sollte man dies auch im privaten Bereich handhaben. Machen Sie sich einen Plan, setzen sie Prioritäten, sie finden Zeit dafür, versprochen. Am Anfang mag es ihnen zeitlich etwas eng erscheinen, aber sie werden merken, dass sie sich immer wohler fühlen, immer glücklicher und auf einmal keine Probleme mehr haben die nötige Zeit aufzubringen. Durch dieses positive Feedback ist nach einer kurzen Überbrückungszeit gewährleistet, dass sie dabeibleiben.

Neue Gewohnheiten leicht gemacht

Eine Gewohnheit beginnt mit einem Auslöser, dann folgt die Routine und dann die Belohnung. Am Anfang muss das Gehirn bei einer neuen Gewohnheit mit voller Kraft arbeiten, führt man immer wieder die gleiche Aktivität durch, dann nimmt die Gehirnaktivität bald ab, die Tätigkeit wird zur Routine. Gewohnheiten dienen dazu, dass das Gehirn sich weniger anstrengen muss.

Um das Ganze stressfrei zu gestalten gehören ein einfacher Auslösereiz und eine klar definierte Belohnung dazu. Man kann sich die Laufschuhe bereitstellen um zielsicher morgens nach dem Aufstehen oder abends nach dem Job laufen zu gehen. Als Belohnung muss irgendetwas feststehen was wirklich Spaß macht, da gibt es sicherlich noch andere Dinge als einen Schokoriegel, vielleicht besser einen Smoothie oder auch ein kurzes PC-Spiel, längerfristig kann es dann auch ein schickes Kleidungsstück oder Möbelstück sein, irgendetwas was man sich nicht regelmäßig gönnt. Wenn man diesen Ablauf eine Zeitlang praktiziert, dann wachsen der Auslösereiz, die Routine und die Belohnung zusammen und es wird das Verlangen danach verstärkt, denn Gewohnheiten erzeugen ein neuronal verankertes Verlangen.

Nehmen sie sich einen Kalender und tragen sie die Zeiten für neue Gewohnheiten wie zum Beispiel Sport und Meditation als Tagesprogrammpunkt ein und halten sie es auch ein. Klar kann man mal einen Termin verschieben, aber lassen sie es nicht allzu oft dazu kommen, um die Routine nicht zu unterbrechen.

Gewohnheiten verändern

Vor allen Dingen hochsensible Menschen fühlen sich schnell unter Druck gesetzt und von ihrer Umgebung gestresst. Der Auslösereiz lässt sich meist schnell feststellen. Verändern sie ihre Routine indem sie in solch einer Situation zum Beispiel Atemübungen machen oder innerlich erst einmal bis zehn zählen. Als Belohnung danach eine Tasse Kaffee oder Tee? Wenn sie die Gewohnheitsschleifen erkennen, dann können sie diese auch ändern. Ein niedriger Blutzuckerspiegel kann dazu führen, dass man übersteigert genervt auf eine Situation reagiert. Erkennt man diesen Auslöser, kann man rechtzeitig einen Keks essen und sich als Belohnung vielleicht sogar eine kurze Pause gönnen.

Viele Erscheinungen der Hochsensibilität können Sie durch solche Routinen managen. So wie regelmäßige Meditation das Gehirn verändert, so ändert sich das Gehirn auch durch Gewohnheiten.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Es braucht einige Wochen um neue Angewohnheiten zur Gewohnheit werden zu lassen. Gönnen Sie sich diese Zeit und sie werden sich anschließend bedeutend besser fühlen und Gefühle der Zufriedenheit, Dankbarkeit und Vertrauen verspüren.

Gewohnheiten stärken die Willenskraft

Gewohnheit Willenskraft, sie ist die Schlüsselgewohnheit für den persönlichen Erfolg. Selbstdisziplin ist wichtiger als so manche intellektuelle Fähigkeit. Willenskraft kann zur Gewohnheit werden. Eine erhöhte Willenskraft wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Die Denkweise ändert sich, man kann Impulse besser regulieren und vor allen Dingen die eigene Hochsensibilität besser managen, dadurch wird auch das Selbstbewusstsein gesteigert. Gewohnheiten sind das, was wir daraus machen. Wir haben die freie Entscheidung. Und dies führt uns unserem Schicksal zu, das genau daraus besteht.

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

Warum gesunder Schlaf gerade für Hochsensible entscheidend ist

INTERVIEW MIT DER BUCHAUTORIN UND EXPERTIN FÜR KLOPFAKUPRESSUR MONIKA RICHRATH

HSP: Liebe Monika, Dein neues Buch „Die Geheimnisse des gesunden Schlafs: Ursachen für Schlafstörungen entdecken und auflösen“ ist gerade erschienen, kannst Du uns in ein paar Worten erklären, worum es darin geht?
Monika: Schlaflosigkeit ist ja heute so etwas wie eine Volkskrankheit, als ich im Bekanntenkreis erzählt habe, dass ich ein Buch über Schlaf schreibe, gab es immer die gleiche Reaktion: „Ach, Schlaf, ich schlafe so schlecht …“ Ich habe mich auf die Suche gemacht und versucht, herauszufinden, was zu gutem Schlaf eigentlich gehört, wie man es schafft, wieder zu schlafen und ich habe dabei äußerst interessante Dinge herausgefunden. So hat es sich herausgestellt, dass es letzten Endes nämlich mit dem Schlaf gar nicht so schwierig ist. Vor allen Dingen geht es darum, eine grundsätzliche Entscheidung zu treffen, die sehr viel damit zu tun hat, wie wir leben wollen und wie wir uns selbst behandeln. Ehrlich gesagt, bin ich selbst ein bisschen überrascht, dass ich im Zuge der Recherchen wieder zu richtig gutem Schlaf zurückgefunden habe, so wie früher. Ich lege mich hin und bin fast sofort weg. Und wenn das mal nicht so ist, dann weiß ich auch meistens genau, warum nicht. Und warum ich nachts vielleicht aufwache auch. Letzen Endes hat alles, was wir während des Tages tun, Konsequenzen für unseren Schlaf.

HSP: Was passiert mit uns, wenn wir zu wenig oder schlecht schlafen?
Monika: Während des Schlafes reinigt sich der Körper von Giftstoffen und versucht mit vielfältigen Belastungen (wie z. B. Viren, Bakterien, Toxine, schädliche Lebensmittel) fertig zu werden. Das funktioniert aber nur, wenn der Körper so wenig Stress wie möglich hat und nicht von anderen Aufgaben in Anspruch genommen wird.

Auch das Gehirn braucht diese minimale Stressbelastung, weil es sich während des Schlafs von giftigen Schadstoffproteinen reinigt (die übrigens mit Alzheimer in Verbindung gebracht werden).

Dies bedeutet: Wenn wir nachts nicht schlafen oder nicht genügend schlafen, kann der Körper die für ihn so notwendige Reinigung nicht durchführen, die Stressabwehr des Körpers leidet und wir werden schneller krank.

HSP: Worin siehst Du die Ursachen?
Monika: Ganz klar darin, dass wir das Maß für uns selbst verloren haben, für unsere Menschlichkeit, oder unser Menschsein, falls das besser klingt. Die zunehmende Technisierung hat dazu geführt, dass wir uns selbst wie Maschinen behandeln. Aber wir sind eben keine Maschinen und wir haben ganz spezielle menschliche Bedürfnisse, das ist etwas, was wir unbedingt im Blick behalten müssen.

HSP: Warum ist gesunder Schlaf wichtig und gerade für Hochsensible entscheidend?
Monika: Guter Schlaf ist natürlich für alle Menschen wichtig. Für Hochsensible mit ihrer Empfindsamkeit und Empfindlichkeit aber besonders. Ich denke, dass gerade hochsensible Menschen besonders anfällig sind für Schlafstörungen und hier vor allen Dingen für die psychologische Seite. Kopfkino ist etwas, was die meisten hochsensiblen Menschen sehr gut kennen. Und das kann ja bei vielen HSP auch schnell mal richtig schlimme Ausmaße annehmen, weil man sich die schlimmsten Szenarien in den düstersten Farben ausmalt und dabei immer tiefer in eine Stressspirale gerät, so dass der gute Schlaf in immer weitere Ferne rückt.

HSP: Welche Tipps hast Du, um dauerhaft von einem gesunden Schlaf zu profitieren?
Monika: Natürlich den, mein Buch zu lesen die Leser*innen sind meist überrascht, wie viele Stellschrauben für den Schlaf es gibt. Letzten Endes geht es darum, für sich selbst eine gute Schlafroutine zu entwickeln – und das umfasst weit mehr, als zu welcher Uhrzeit man ins Bett geht. Die Schlafroutine beginnt vielmehr schon in dem Augenblick, in dem man die Augen aufschlägt, und dann kommt es darauf an, was man weiter tut.

Und natürlich ist es wichtig, sich zu überlegen, was man sich selbst eigentlich wert ist, wieviel das eigene Leben einem wert ist, die eigene Gesundheit, der eigene Körper. Darauf läuft es letzten Endes hinaus. Unser modernes Leben heute bringt so viele Verhaltensweisen mit sich, die für unsere Körper verstörend sind und dem Erhalt unserer Gesundheit aktiv entgegenarbeiten. Und es ist vollkommen irrelevant, dass die meisten Menschen das einfach ignorieren … wenn man den menschlichen Körper mit dem eigenen Auto vergleicht, dann würden die meisten Menschen zu dem Entschluss kommen, dass sie ihr Auto weit besser behandeln als sich selbst. Hier ist einfach ein großes Umdenken notwendig. Ich hoffe ja sehr, dass es mir mit meinem Buch gelungen ist, für einige Menschen da ein Umdenken anzustoßen. Das würde ich mir jedenfalls wünschen.

 

HSP: Vielen herzlichen Dank für das schöne Interview.

Monika Richrath, www.eft-fuer-hochsensible-menschen.de, Autorin von „Die Geheimnisse des gesunden Schlafs“

 

Die Suche nach der Berufung

(Von Silvia Christine Strauch)

Haben Sie schon Ihre ureigenste Berufung gefunden?

Rechtlich gesehen ist die Berufung ein Rechtsmittel gegen ein Urteil in der ersten Instanz. Amtlich gesehen ist es die Aufforderung zur Übernahme eines Lehrstuhls oder einer Professur. Im Allgemeinen versteht man darunter meistens die Berufung zu einer bestimmten Lebensaufgabe, den starken inneren Drang dazu, etwas Bestimmtes zu tun. Es bedeutet eine besondere Befähigung, die ein Mensch sozusagen als inneren Auftrag in sich verspürt, eng verbunden mit seinem Lebenssinn.

Heutzutage gibt es jede Menge Hilfestellung um möglichst schnell die eigene Berufung zu finden, vor allen Dingen um sich im Job zu verwirklichen und darin aufzugehen. Es gibt diverse Tests um herauszufinden was man besonders gut kann, wo die eigenen Interessen und Fähigkeiten liegen und welche Themen einem besonders am Herzen liegen. Wie man sich also am besten selbstverwirklichen kann. Bei welchen Tätigkeiten können Sie sich selbst vergessen und völlig im Sein aufgehen? Schafft man es seine Berufung zu leben, so wird einem die große Erfüllung prophezeit, indem man sich selbst verwirklicht. Wohl dem, der seine Berufung schon gefunden hat.

Berufung als Lebenssinn?

Seien wir froh, dass wir in unseren Breitengraden überhaupt die Möglichkeit dazu haben, uns über eine Berufung Gedanken zu machen. Dass wir, zumindest oftmals, die Möglichkeit haben uns weiterzubilden, einen anderen Job anzunehmen oder uns sonst wie zu verändern. Und solange sich dazu die Möglichkeit bietet, wäre es sicherlich verwerflich die Suche nach der eigenen Berufung aufzugeben. Was aber, wenn sich dieses überschäumende Gefühl nicht melden will? Auch nach vielen Überlegungen und Veränderungen nicht? Was, wenn wir einfach so unseren Gleichklang leben und sich dieses Gefühl des inneren Auftrags nicht einstellen will? Oder man fühlt diesen Auftrag, lebt ihn und trotzdem stellt sich dieses Gefühl des einzigartigen Lebenssinnes nicht ein?

Lieben Sie ihr Hobby?

Ein Beispiel: Ich hatte einen gut gehenden Job, der es mir ermöglichte meinem Hobby nachzugehen. So züchtete ich amerikanische Westernpferde und bildete sie aus. In dieser Tätigkeit fühlte ich mich absolut zuhause und angekommen. Nicht, dass ich meinen Job ungern gemacht hätte, aber in meinem Hobby ging ich auf. Was lag näher, als zu einem Zeitpunkt, zu dem es sich anbot, die Gelegenheit zu ergreifen, dies auch hauptberuflich auszuüben. Zuerst startete ich nebenberuflich und als mein Arbeitgeber seine Mitarbeiter dezimieren wollte und mir ein Abfindungsangebot machte, war die Gelegenheit gekommen zuzugreifen. Und so machte ich mein Hobby zum Beruf.

So konnte ich den ganzen Tag meiner inneren Berufung nachgehen. Ich bildete fremde Pferde und Reiter aus, kaufte mir Schulpferde, um Nichtpferdebesitzer unterrichten zu können und importierte Verkaufspferde aus Amerika. Mein Arbeitstag war deutlich länger als vorher, aber auch erfüllter. Als sich die Gelegenheit bot einen großen Hof mit vorhandener Reitanlage zu pachten, begann ich den nötigen Businessplan dazu zu erstellen. Ich erstellte nicht nur den kaufmännischen Plan, sondern auch den privaten. Ich machte auf der einen Seite Pläne, auf der anderen Seite zog ich ein Resümee.

Und als ich mir das Ganze so bei Licht betrachtete, stellte ich fest, was aus meiner angeblichen Berufung geworden war. Ich hatte weder die Zeit, noch die Muße mehr, meinem Hobby nachzugehen. Die Zeit, die ich für meine eigenen Pferde benötigte war nicht mehr mit Zufriedenheit und Glücksgefühlen ausgefüllt, sondern mit Zeitnot, Stress und Überarbeitung. Ich merkte, ich habe kein Hobby mehr und ich habe auch gar nicht mehr die Zeit für ein Hobby. Mein Hobby war zum Beruf geworden und fühlte sich auch genauso an. Nicht positiv, aber auch nicht negativ, Arbeit eben.

Glücksgefühle durch Berufung?

So kann sich eine Berufung verändern. Oder war das vielleicht gar nicht meine Berufung? Was ist mit diesen überbordenden Glücksgefühlen. Wer bekommt die? Wann bekommt man die? Es ist leicht festzustellen, dass es unterschiedliche Mentalitäten und Temperamente gibt. Es gibt extrovertierte und introvertierte Personen, weder das eine noch das andere ist als positiv oder negativ anzusehen, es sind persönliche Eigenarten. Eigenschaften, die gelebt werden wollen, damit sich dieser Mensch glücklich und zufrieden fühlt. So manch einer schwankt zwischen überglücklich und zu Tode betrübt. Er strahlt und lebt seine Hochs begeistert aus und wird damit so manchen anstecken oder auch Menschen nerven, denen dies zu viel wird. Auf der anderen Seite kann dieser Mensch in Löcher fallen, die schon einer Depression gleichen. Die Abstände von einem zum anderen Gefühl können unterschiedlich lang sein. Umgibt sich dieser Mensch mit ähnlich gelagerten Menschen, so wird er leichter verstanden und aufgefangen, egal in welcher Richtung, da seine Umgebung diese Gefühle kennt und sie selbst erlebt.

Es gibt aber auch den Menschen, der ausgeglichen in seiner Mitte lebt, ganz ohne große Gefühlsschwankungen. Kommt er in besonderen Momenten unabsichtlich in solch extreme Gefühlslagen, so fühlt er sich äußerst unbehaglich, auch wenn es letztendlich ein großes Gefühl der Freude ist. Er mag diese Gefühlsschwankungen einfach nicht.

Berufung und Temperament

Man kann sich gut vorstellen, dass von diesen Menschen mit unterschiedlichen Temperamenten ihre Berufung auch dementsprechend unterschiedlich gelebt wird. Während der eine begeistert von seiner Berufung berichten wird, hört der andere zu, und obwohl er zufrieden und glücklich über seine Situation ist, denkt er vielleicht, seine Berufung immer noch nicht gefunden zu haben. Selbstverständlich sollte man etwas verändern, wenn man unzufrieden ist. Aber man sollte auch lernen etwas anzunehmen und die positiven Seiten einer Situation erkennen. Ich finde es phantastisch, wenn Menschen in ihrer Tätigkeit aufgehen, aber es gibt eine Menge Leute, die dies tagtäglich machen, ohne es an die große Glocke zu hängen. Ich kenne Menschen in sozialen Berufen, die einfach gerne ihren Job machen, ohne sich Gedanken über ihre Berufung zu machen. All dies zählt letztendlich zu einem erfüllten Leben. Dazu zählt auch das Gefühl der Erfüllung aus der Meditation, Tai-Chi oder ähnlichen Dingen.

Also lassen Sie sich nicht verrückt machen durch die angeblich so wichtige Suche nach der eigenen Berufung. Es gibt auch die leise gelebte Berufung! Es ist sicherlich nicht der Sinn des Lebens ständig großen Gefühlen hinterher zu laufen.

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

Hochsensibel durch den Alltag

(Von Alexandra Thoese)

Unser Alltag prägt unser Leben. Wenn wir ihn so gestalten, dass wir uns wohlfühlen, gehen wir gestärkt in den Tag. Mache dir bewusst, was dir wichtig ist und probiere aus was für dich gut funktioniert.

Einstimmung auf den Tag:

Nimm dir nach dem Aufwachen einen Moment Zeit um dich auf den neuen Tag einzustimmen. Stelle dir deinen Wecker einfachmal ein paar Minuten früher und spüre in dich hinein. Wenn du deine Hände auf den Bauch legst, kommst du tiefer mit dir in den Kontakt. Nun lausche nach innen. Wie fühlt sich dein Körper gerade an? Was wünscht er sich gerade? Was wünschst du dir für heute? Genieße es einen Augenblick ganz bei dir zu sein. Durchwandere deinen Körper mit deiner Aufmerksamkeit und begrüße ihn in diesem neuen, geschenkten Tag.

Diese Fragen können dich in den Tag begleiten:

  • Wie startest du heute in den Tag?
  • Was nimmst du als Ressource mit?
  • Welche Qualität wählst du dir für heute?

Struktur:

Schreibe dir einen kleinen Tagesplan. Er sollte nicht mehr als drei Dinge enthalten, die du heute erledigen willst.

Eine To-Do-Liste kann dir dabei nützlich sein. Du kannst sie aufteilen in die Dinge die dringlicher sind und die, die mehr Zeit haben. To-Do-Listen sind dafür da, um sie zu verändern, Getanes durchzustreichen und sie später zu wegzuwerfen. Das schafft dir eine Struktur für den Tag. Darin enthalten ist viel Flexibilität, denn du kannst frei wählen, wann du was erledigst. Manches streichst du vielleicht auch einfach wieder, weil dir bewusst wird, dass es nicht wichtig war. Ich empfinde es als sehr befreiend, die To-Do-Zettel am Ende des Tages zu entsorgen.

Rituale:

Immer wiederkehrende Abläufe sind für hochsensible Menschen sehr wichtig. Das kann der erste Tee oder Kaffee sein, den du morgens in Ruhe trinkst, während du eine Zeitung o.ä. liest. Dein Frühstück, welches du immer auf die gleiche Art und Weise zubereitest, der gesamte Ablauf vom Aufstehen bis zum Verlassen des Hauses. Für viele ist eine Mittagspause wichtig, in der sie sich zurücklehnen können, etwas essen und vielleicht sogar einen Kurzschlaf tätigen. Gönne dir Zeiten ganz für dich alleine. Hochsensible Menschen brauchen den Rückzug, um wieder bei sich ankommen zu können.

 Selbstempathie:

Male dir während des Tagesgedanklich und bildlich deinen Feierabend aus. Worauf freust du dich? Was wirst du als Erstes tun? Was wirst du essen/trinken? Wie könnte dein Abend so richtig schön ausklingen?Triff eine Verabredung mit dir selbst und erfülle dir deine Feierabendwünsche.

Ruhephasen im Job:

Wenn du in einem Büro arbeitest, mache viele kleine Pausen zwischendurch. Während der Arbeit kannstdu zwischendurch einen achtsamen Gang über den Flur oder zum Kaffeeautomaten machen. Falls es möglich ist, gehe nach draußen und atme frische Luft ein. Kleine Bewegungseinheiten auf dem Bürostuhl können dich wieder mehr mit deinem Körperbewusstsein verbinden. Strecke und rekel dich zwischendurch gerne mal und schüttele den ganzen Körper aus,wenn es gerade passt. Kaltes Wasser über den Puls fließenzu lassen erfrischt Körper und Geist. Wusstest du, dass Gähnen sehr entspannend auf die gesamte Gesichtsmuskulatur wirkt? Nutze es einfach mal ganz bewusst. Am besten herzhaft und mit Ton.

Sei achtsam mit dir:

Achte gut auf deine Grenzen und lerne deine Bedürfnisse zu kommunizieren. Ein NEIN zu anderen ist immer ein JA zu dir selbst und bedarf keiner weiteren Begründung.

Übergang gestalten: Arbeit – Feierabend

Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, kannst du üben bewusst Schritt für Schritt aus diesem Teil des Tages herauszutreten. Nimm deine Atmung mit und richte deine Aufmerksamkeit auf deine Füße. Deine Erlebnisse werden nachhallen und so ist es gut, wenn du das Gehen für dich nutzt um wieder mehr bei dir anzukommen. Das ist genauso möglich, wenn sich dein Arbeitszimmer in deinem Wohnhaus befindet. Eine Tür hinter sich zuzumachen, kann hier sehr nützlich sein und symbolisch einen Abschluss schaffen. Darüber hinaus ist es durchaus ratsam zu Hause die Kleidung zu wechseln, um somit bewusst in eine andere Stimmung zu kommen.Wenn du spürst, dass du den Arbeitsalltag noch nicht loslassen kannst, dann nutze ein Duschbad um alles „abzuwaschen“ was nicht mehr wichtig ist. Gönne dir eine leckere Mahlzeit und mache was dir gut tut und Freude bereitet.

Selbstfürsorge am Arbeitsplatz:

Sorge dafür, dass du dich an deinem Arbeitslatz wohlfühlst. Schmücke ihn mit Bildern, Gegenständen und Pflanzen. Nutze die Mittagspause als Kraftquelle. Esse und trinke, was dir gut tut.Verbringe deine Mittagspause ruhig mal alleine. Das kannst du auch mit den Kollegen kommunizieren mit denen du sonst immer zum Mittagessen gehst.Du kannst dir gemütliche Arbeitsschuhe wählen und wenn du das Büro verlässt, wechselst du die Schuhe. Damit kommst du ganz praktisch schrittweise in dein Privatleben zurück.

(Seelen)hygiene am Abend:

Nutze die Zeit bevor du ins Bett gehst, um dich von diesemTag zu verabschieden. Dazu gehören die üblichen Tätigkeiten wie Zähneputzen, Haare kämmen, Schlafsachen anziehen und dergleichen. Erinnere dich bewusst an den Tag: Was war heute schön, was hat dir gefallen oder gut getan? Was war überraschend, neu, vielleicht amüsant? Wofür kannst du dich heute anerkennen? Wofür oder wem bist du dankbar? Wenn du magst, schreibe es jeden Abend in ein kleines Büchlein, welches du neben deinem Bett aufbewahren kannst. Wünsche dir selbst eine gute und erholsame Nachtruhe, wenn du ins Bett gehst.

Fazit:

Lerne dich als hochsensibler Mensch richtig gut kennen und achte dich als Mensch der du bist. Einzigartig und wundervoll, wie jeder andere Mensch auch.

 

Alexandra Thoese, www.alexandrathoese.de

Hochsensibilität im Beruf

Unser Berufsalltag ist vom Leistungsgedanke geprägt. Bei der Arbeit im Team und im Umgang mit Vorgesetzten kommen Loyalität und Empathie oft zu kurz. Hochsensibilität ist vielerorts noch ein Fremdwort. Insbesondere HSP leiden oft lange Zeit still unter dem rauen Wind, der in der Arbeitswelt vorherrscht. Das vielgelobte „dicke Fell“ besitzen sie nicht. Sie bleiben nicht selten mit einem Burnout oder der wiederkehrenden Frage nach der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit allein zurück.

Gefahren für Hochsensible im Berufsalltag

Gerade Hochsensiblekönnen unter der täglichen Tretmühle der Berufstätigkeit besonders leiden. Ein vordefiniertes Arbeitsumfeld mit starren Strukturen und festgelegten Arbeitszeiten, beständiger Leistungsdruck inklusive regelmäßiger Reizüberflutung, mangelnde Kommunikation und Empathieführen zu einer inneren Zerrissenheit. Die hochsensiblen Antennen, die die feinen zwischenmenschlichen Nuancen im Berufsleben wahrnehmen, stehen auf gefährlichem Dauerempfang und sind irgendwann nicht mehr in der Lage „echte Gefahr“ von kleinen Unstimmigkeiten zu unterscheiden. HSP erhalten nicht den notwendigen Ausgleich. Und so vergehen die Jahre in einem gleichbleibenden alltäglichen Rhythmus … Die Gedanken drehen sich im Kreis.

  • Irgendwie wird das mit dem Job schon gehen ….
  • Andere schaffen das doch auch ….
  • Wenn ich nur noch ein kleines bisschen aushalte …
  • Ich brauche die Sicherheit des geregelten Jobs …
  • Ich bin auf das Geld angewiesen …
  • Reiß dich mal zusammen …

Ziele und Träume werden auf eine unbestimmte Zukunft verschoben, in der dann sicher alles besser ist und leichter von der Hand geht … Wenn die erste finanzielle Absicherung erfolgt ist … wenn die Kinder älter sind … wenn die Kinder aus dem Haus sind …

Was Hochsensible im Job brauchen

Richtig erkannt und eingesetzt, sind Hochsensible in vielen Bereichen äußerst talentiert und überzeugen durch Fleiß, Zielgenauigkeit, Gespür und Loyalität. Oft werden Sie von Ihren Kollegen für ihre Weitsicht und den angenehmen persönlichen Umgang sehr geschätzt. Dazu benötigen sie jedoch eine Reihe von Rahmenbedingungen, die die hochsensiblen Potentiale zur vollen Entfaltung bringen. Darunter beispielsweise:

  • Eigenverantwortliche Arbeit
  • Flexibel gestaltbare Arbeitszeiten
  • individuelle Büroatmosphäre
  • eigener Raum
  • Möglichkeiten zur Entfaltung der eigenen Kreativität
  • Anerkennung und Lob
  • eigener Planungshorizont
  • verständnisvoller Umgang zwischen Auftraggebern, Kollegen und Vorgesetzten
  • gerechtes, harmonisches Miteinander
  • persönliche Rückzugsmöglichkeiten

Aufgaben, die Hochsensible mit echter Lebensfreude erfüllen

Zugegeben die Liste für ein erfülltes Berufsleben für Hochsensible im Angestelltenverhältnis ist doch recht lang. Es gibt mittlerweile eine Reihe von Arbeitgebern, die die Vorzüge von Hochsensiblen erkannt haben und diese auch für den Erfolg ihres Unternehmens einzusetzen wissen.

Allerdings bleibt vielen Hochsensiblen dieses Idealbild vom Job im Angestelltenverhältnis leider verwehrt. Dann kann es sinnvoll sein, zu hinterfragen, ob das Angestelltendasein wirklich die erhoffte Sicherheit, Eigenverantwortung, Unabhängigkeit und letztendlich die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung bietet oder das hochsensible Naturell auf Dauer krank macht.

Viele Hochsensible kommen im Laufe ihres Lebens an einen Punkt, an dem der Wunsch nach Unabhängigkeit, Flexibilität und vor allem sinnvollem Tun so groß wird, dass sie sich mit dem Gedanken tragen, sich selbstständig zu machen.

Allzu oft hindern sie letztendlich jedoch Selbstzweifel an der Umsetzung. Der Wunsch nach Sicherheit ist groß. Dabei spielen gerade die scheinbaren Sicherheitsaspekte des Angestelltendaseins (wie ein geregeltes Einkommen) eine tragende Rolle.Doch findet der sehnsüchtige Wunsch nach Sicherheit wirklich Erfüllung?

Die Frage lässt sich relativ einfach mit einer Liste beantworten, auf der einmal alle persönlichen Sicherheitsaspekte zusammengetragen werden. Finden sich unter den dort zusammengetragenen Punkten auch Argumente die nur dem Selbstschutz dienen? Was würde passieren, wenn einer dieser Sicherheitsaspekte wirklich wegfällt? Oft ist die Veränderung, die daraus resultiert weitaus weniger dramatisch, als die Schreckensszenarien die unser Kopf uns vorgaukelt.

Sandra Tissot, www.sandra-tissot.de, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

Kann man Hochsensibilität an- und ausschalten?

(Von Silvia Christine Strauch)

Eine hochsensible Person verfügt über eine stärkere Sinneswahrnehmung als die Menschen in ihrer Umgebung. Dies führt zu einem intensiven Aufnehmen der Reize und führt bei vielen hochsensiblen Personen schnell zu einer Reizüberflutung.

Hochsensibilität hat Vor- und auch Nachteile. Ein hochsensibler Mensch ist gewissenhaft und im Allgemeinen auch sehr verlässlich und geht schnell auf die Bedürfnisse seiner Umgebung ein, egal ob im beruflichen oder privaten Leben. Er bemerkt viele Feinheiten, die anderen Menschen verborgen bleiben und schafft es meist ein positives soziales Klima zu arrangieren.

Wie gehe ich mit meiner Hochsensibilität um?

Andererseits fühlt sich ein hochsensibler Mensch sehr schnell überlastet und genervt, deshalb ist sein Ruhebedürfnis größer. Man braucht ein gutes Maß an Selbstreflexion, um dies zu erkennen und daran zu arbeiten. Hierbei geht es darum die Schuld nicht anderen Menschen zuzuschieben, sondern sich selbst zu erkennen, zu bemerken, was ich mir zumuten darf und wann ich mich zurückziehen sollte. Es gibt viele Techniken, die dazu beitragen, damit man sich als Hochsensibler nicht zu schnell überlastet fühlt. Allem voran natürlich ein vernünftiges Zeitmanagement, damit man nicht unter dementsprechenden Druck gerät. Oftmals verbraucht man zu viel Zeit für unwichtige Dinge, also heißt es sich Gedanken über Prioritäten zu machen.

Die eigene Entwicklung voranbringen

Es gibt viele Methoden, mit denen man die eigene Entwicklung fördern kann. Es fängt mit solch Sachen an, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, wie sich um die eigene Gesundheit zu kümmern, wozu auch Sport und Ernährung zählen. Zur geistigen Entwicklung zählen die verschiedenen Meditationstechniken, aber auch positives Denken, Affirmationen, Kontemplations- und/oder Visualisierungstechniken, wie auch Achtsamkeitstraining oder audiovisuelle Stimulation. Um die körperliche und geistige Entwicklung zu harmonisieren kann man Atemtechniken und progressive Muskelentspannung ausüben.

Es gibt sehr viele Möglichkeiten die eigene Entwicklung voran zu bringen, es geht darum anzufangen, sich vorzutasten welche Technik einem liegt und diese dann auch kontinuierlich auszuüben.

Sich richtig verständlich machen

Viele hochsensible Personen fühlen sich von ihrer Umwelt unverstanden. Sie beschweren sich darüber, dass sie von ihren Partnern, Familienangehörigen oder Arbeitskollegen missverstanden werden. Aber wie soll ein Mensch, der weniger Reize aufnimmt, beziehungsweise verarbeitet, dies nachvollziehen können? Da helfen sämtliche Erklärungen nichts.

Es geht bei der Verständigung zwischen Menschen nicht anders zu, als bei der Verständigung zwischen Tieren, besser gesagt zwischen Mensch und Tier. Will ich mich einem Tier, sagen wir einmal einem Pferd verständlich machen, dann muss ich mich auf die Verständigungsebene des Pferdes begeben. Ich kann vom Pferd nicht verlangen anzufangen zu denken wie ein Mensch, sondern ich als Mensch muss anfangen zu denken wie ein Pferd.

Nicht anders funktioniert die Verständigung zu nicht so hochsensiblen Menschen. Um mich auf ihre Gedanken – und Gefühlswelt einzulassen, sollte ich mich auf ihre Verständigungsebene begeben, das heißt ich muss bei mir selbst Filter einschieben, um die Wahrnehmung des anderen nachvollziehen zu können. Nur dann kann eine wahre Kommunikation stattfinden.

Dies lässt sich üben indem man sich selbst beobachtet wie auf einer Bühne. Dabei kann man leicht ein eigenes überempfindliches Reagieren enttarnen und wird oftmals feststellen, dass das Gegenüber etwas ganz anders gemeint hat, als wie wir es im ersten Moment aufgefasst haben. Man kann buchstäblich auf Entdeckungsreise gehen und wird sehr oft überrascht sein, wenn man sich auf solch eine Situation einlässt. Und man wird feststellen, dass die Wahrnehmung einer hochsensiblen Person nicht immer mit der des Gegenübers übereinstimmt, geschweige denn „besser“ wäre. Mehr wahrzunehmen, heißt nicht auch besser wahrzunehmen. Oft genug fällt man als hochsensible Person auf die eigenen psychologischen Fallstricke herein, die in den eigenen Erfahrungen begründet liegen.

Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl

Die meisten hochsensiblen Personen haben einen guten Zugang zu sich selbst, allerdings fehlt vielen das nötige Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl um sich wichtig genug zu nehmen und auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Es geht darum, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und den Mut zu entwickeln, die eigenen Beweggründe und Ansprüche zu erkennen und damit positiv umzugehen.

Mit dem Fortschreiten der eigenen Entwicklung wächst auch das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl. Man fühlt sich nicht mehr von den Beurteilungen anderer Menschen abhängig und beginnt Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Ist man sich seiner selbst bewusst, so kann man sich der Umwelt gegenüber leichter abgrenzen, da man sich nicht mehr abhängig von anderen fühlt. Man ist sich sicher in der eigenen Entscheidung und ist bereit die Konsequenzen des eigenen Handelns zu tragen, da man weiß, dass alles Hand und Fuß hat.

Der Schalter für Hochsensibilität

Wenn sie wirklich in sich selbst ruhen und ihr „Selbst“ gefunden haben, dann haben sie auch ihren inneren Schalter für ihre Hochsensibilität gefunden. Dann können sie nach Wunsch hin- und her switchen und ihre erwünschte Sensibilität auf die aktuelle Situation einstellen.

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

 

Warum wir einander mit Samthandschuhen anfassen sollten

(Von Monika Richrath)

Trotz Hochsensibilität: Es passiert täglich, auf facebook und anderswo, überall da, wo Menschen virtuell aufeinandertreffen. Der Ablauf ist immer gleich: A postet etwas, auf das B eine emotionale Antwort schickt, die bei A wiederum Emotionen in Gang setzen. Also fällt As Antwort ebenfalls sehr emotional aus, was B vielleicht zum Kochen bringt. Dann weitet sich der Konflikt aus: Andere Personen mischen sich ein, ergreifen Partei (meistens für A) und im Handumdrehen ist ein riesiges verbales Handgemenge entstanden – das meistens damit endet, dass mehrere Personen die Gruppe verlassen aufgrund des unsensiblen Umgangs miteinander. Ein Krieg im Kleinformat. Am Ende herrscht Ratlosigkeit. Sollten wir als hochsensible Menschen nicht besonders gut miteinander umgehen? Wie kann es passieren, dass wir aus den besten Absichten heraus immer wieder aneinandergeraten?

Ich möchte gerne ein bisschen Licht in die Angelegenheit bringen – und wenn es dazu führt, dass der ein oder andere Konflikt gar nicht erst ausbricht oder weniger heftig eskaliert, dann habe ich mein Ziel erreicht. Eines sollten wir vorweg besonders im Auge behalten:

Hochsensibilität führt zu einer erhöhten REIZempfindlichkeit

Reize sind nicht nur der laute Geräuschpegel im Büro oder auf der Straße, oder Menschenmengen, in denen wir uns beklommen fühlen. Reize haben viele Gesichter und Gestalten. Reize entstehen nicht nur im außen, sondern auch in uns selbst, in Form von Gedanken, Gefühlen, Träumen, Glaubenssätzen etc. Als HSP sind wir außerdem prädestiniert dafür, einen Reiz aufzunehmen und ihn schwer wieder loszulassen. (Nicht umsonst können viele Hochsensible über eine achtlos dahingeworfene Bemerkung anderer wochenlang nachgrübeln …) Man weiß heute:

Das Gehirn arbeitet zu 85-90% automatisch

Das bedeutet, dass der Einfluss, den wir bewusst auf unser Gehirn nehmen können sehr gering ist. Die meisten unserer Handlungen und Reaktionen vollziehen sich ganz automatisch. (Deswegen ist es vermutlich auch so schwer, sein Verhalten zu verändern). Außerdem arbeitet das Gehirn relativ schlampig, indem es verschiedene ähnliche Erfahrungen miteinander zu sog. Clustern verschmilzt, so dass sie sich wie eine einzige Erfahrung anfühlen.

Zuerst kommt der Trigger…

Unter „Trigger“ versteht man einen Schlüsselreiz oder Auslöser, der bei Wahrnehmung besondere Verhaltensweisen auslöst. Schlüsselreize können angeboren sein (z. B. schließen wir die Augen, wenn das Licht zu grell wird), wir können sie aber auch von anderen Menschen übernehmen (z. B. die Reaktion auf wohlhabende Menschen) oder aber auch selbst konstruieren (durch eigenes Erleben).

Wann immer wir mit einem anderen Menschen in eine soziale Interaktion treten – egal ob virtuell oder im echten Leben – sind wir nur mit einem sehr kleinen Teil unseres Bewusstseins in der tatsächlichen Situation. Der viel größere Teil unseres Bewusstseins ist im „automatischen Gehirn“, in der Vergangenheit, in anderen Situationen mit anderen Menschen, die sich ähnlich angefühlt haben. Dem kann man praktisch nicht entgehen. Aber man kann es sich bewusst machen.

Wenn wir bei dem eingangs genannten Beispiel bleiben, dann wird Person B getriggert durch das, was Person A geschrieben hat. Der Auslöser kann irgendetwas sein (manchmal hat es nicht einmal etwas mit dem Inhalt zu tun, sondern mit der Art und Weise, wie es vorgebracht wird).

Wenn Person B heftig reagiert, reagiert sie aber nur mit einem Bruchteil auf die tatsächliche Situation in der Gegenwart, sondern auf eine Situation, die lang vorbei ist. Vielleicht hat die Antwort Erinnerungen an die Streitsituationen mit einem Bruder ausgelöst und schon setzt sich eine automatische schnippische oder aggressive Reaktion in Gang.

Vielleicht fühlt Person B sich angegriffen in ihren Werten und Glaubenssätzen. Wie entstehen Glaubenssätze eigentlich?

Glaubenssätze und Verhaltensmuster bestimmen unser ganzes Denken und Handeln, auch, wenn uns das nicht bewusst ist. (Es ist vermutlich überflüssig, aber ich erwähne trotzdem der Vollständigkeit halber, dass es um Dinge geht, die wir uns ganz früh im Leben angeeignet haben.) Ganz besonders kommen diese Lernerfahrungen natürlich im Umgang mit anderen zum Tragen. Dementsprechend schnell lassen sich die meisten Menschen antriggern, ohne zu ahnen, worauf sie gerade reagieren. Ich zum Beispiel gehe innerlich die Wände hoch, wenn jemand anfängt zu katastrophisieren oder zu lamentieren über die ungerechten Zustände in der Welt. Meine Verteidigung: ich höre einfach nicht mehr hin. Das passiert ganz automatisch.

Letzten Endes treffen bei Konflikten immer Menschen mit verschiedenen Lernerfahrungen und Interessen aufeinander. Für hochsensible Menschen kommt erschwerend hinzu, dass sie anderen Menschen gerne helfen wollen (ich glaube, das liegt uns im Blut!) Aber die Wahl der Mittel kann dabei durchaus ein wenig zweifelhaft sein. Ich finde es oft bestürzend, wie leicht es ist, andere Menschen, die man nicht einmal persönlich kennt, mit Worten zu bedrängen …

… und dann die Gefühle

Eigene und andere Emotionen werden manchmal sehr intensiv wahrgenommen, das kann wie Öl aufs Feuer wirken und oft zu überzogenen Reaktionen führen (die andere nicht verstehen können, wenn sie nicht die Geschichte der anderen Person kennen und sie besser einordnen können). Und gerade WEIL wir um unsere besondere Empfindlichkeit und die anderer hochsensibler Menschen wissen, sollten wir uns mit Samthandschuhen anfassen und uns um Freundlichkeit und Neutralität bemühen – auch und gerade, wenn wir den/die andere/n nicht verstehen können. Außerdem:

Es gibt Handlungsalternativen

Grundsätzlich erscheint es mir sehr sinnvoll, keine allzu emotionalen Kommentare negativer Natur abzusetzen. Wenn Sie mal in unangemessener Weise angegangen werden, können Sie sich sagen, dass das alles herzlich wenig mit Ihnen zu tun hat. Sie sind einfach nur der Auslöser, der jetzt die emotionale Reaktion abbekommt, die für jemanden in der Vergangenheit bestimmt ist. Machen Sie also einfach innerlich einen Schritt zur Seite.

Oder Sie gewöhnen sich an, Posts vor dem Absenden 10 Minuten stehen zu lassen und noch einmal durchzulesen – und vielleicht doch lieber zu löschen. Habe ich auch schon gemacht … Selbst wenn der Finger schon oben ist und sich senken will, kann man das noch machen. Und es ist wirklich IMMER besser, Sie schreiben von sich selbst, warum Sie etwas so und so empfinden als jemand anderen zu attackieren. Natürlich ist es auch ganz sinnvoll, sich mal in einer ruhigen Minute vielleicht mit dem eigenen Reaktionsverhalten zu beschäftigen und was man daran optimieren könnte.

Ich habe mir für die obige Situation mittlerweile auch Handlungsalternativen angeeignet. Der Grund für meine o. g. Abneigung liegt übrigens darin, dass ich es lange Zeit nicht geschafft habe, mich von den negativen Überstülpungen anderer abzugrenzen, so dass ich diese heute für mich mit „Gefangensein“ (in einer Situation) assoziiere. Mein automatisches Verhalten darauf war einfach innere Flucht. Heute kann ich mein Gegenüber höflich darauf hinweisen, dass ich nur eine Information wollte und keine Abhandlung über die schlechten Zustände. Das funktioniert ganz gut. Oder sagen, dass ich nicht mehr zuhören kann.

Übrigens habe ich eine ganze Zeitlang auch mit der Klopfakupressur beklopft, dass es mir partout nicht gelingen wollte, ein bestimmtes Verhalten zu ändern – schließlich ist der Wirkmechanismus von der Klopfakupressur, bestimmte Reiz-Reaktionsmuster aufzubrechen und zu verändern.

Monika Richrath,  www.eft-fuer-hochsensible-menschen.de, Autorin von „EFT-Klopftechnik für Hochsensible“ und „Die Geheimnisse des gesunden Schlafs“

 

Trauma & Hochsensibilität

INTERVIEW MIT DER TRAUMATHERAPEUTIN ANNE WEIß

HSP: Liebe Anne, was ist ein Trauma und wie entsteht es?
Anne: Die Auslöser für ein Trauma können ganz unterschiedlich sein. Zusammenfassend ist ein psychisches Trauma immer eine Reaktion auf eine Extremsituation, auf die ein Mensch nicht angemessen vorbereitet war, die alle seine bisherigen erlernten Bewältigungsmechanismen komplett aushebelt und überfordert und zugleich unser gesamtes System automatisch in einen ‚Not-Modus‘ schaltet, dass in erster Hinsicht dem Über-Leben dient. Nachdem die üblichen Überlebensstrategien Flucht oder Kampf nicht mehr funktionieren, ist die einzige Möglichkeit die ‚Flucht nach Innen‘, um das Erlebte auszublenden, abzukapseln und sich so vor weiterem Schmerz und Ohnmacht zu schützen.
Neben Unfällen, Naturkatastrophen, sowie seelischem oder körperlichem Missbrauch, kann z.B. ebenso eine Operation oder langer Klinikaufenthalt, Mobbing, Umzug, die Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung, die Kündigung des Arbeitsplatzes sowie der plötzliche Verlust oder Tod einer nahestehenden Person oder Tieres, ein schwerwiegendes Trauma auslösen. Und mitunter reicht es auch, nur als hilfloser und handlungsunfähiger Augenzeuge dabei gewesen zu sein oder auch ein Trauma schlichtweg ‚vererbt‘ bekommen zu haben.

HSP: Fördert ein seelisches Trauma die Hochsensibilität bzw. bedingt es diese Veranlagung/ Gabe vielleicht sogar maßgeblich?
Anne: Auch wenn die individuelle emotionale Bewertung einer Situation letztendlich bei jedem Menschen unterschiedlich ist, befindet sich der Betroffene nach einem intensiven und prägenden traumatischen Erlebnis permanent in einem sehr hohen Stresslevel, wenngleich dieses von außen oft nicht sichtbar ist. Hochsensible Menschen, die alles noch weitaus intensiver und umfassender wahrnehmen, geraten mitunter noch mehr in Stress, da sie stetig versuchen einen tieferen Sinn zu finden, um das Geschehen in einem größeren Kontext einordnen zu können. Aus meiner Erfahrung wird Hochsensibilität bzw. die intensivere und umfassendere Wahrnehmung auf allen Ebenen, jedoch nicht ursächlich durch ein Trauma ausgelöst, sondern höchstens verstärkt.

HSP: Sind HSP mehr/ intensiver von diesem Thema betroffen?
Anne: Ja, in den meisten Fällen vor allem durch die viel umfassendere und intensivere Informationsverarbeitung. Ich habe jedoch viele hochsensible Klienten erlebt, welche die von außen betrachteten hochdramatischen Situationen in ihrem Leben vor allem durch ihre besondere Gaben, mit der sie immer schon seit Kindheit an mit einer ‚höheren Intelligenz‘ verbunden sind, überhaupt überlebt haben und die Ihnen maßgeblich geholfen hat, nicht daran zu verzweifeln.

HSP: Welche Folgen und Auswirkungen kann ein Trauma bewirken?
Anne: Die möglichen Folgen können sehr unterschiedlich sein und sind sehr vom Einzelnen, seinen bisherigen Erfahrungen und seiner psychischen Widerstandskraft (Resilienz) abhängig. Die moderne Hirnforschung hat gezeigt, dass unbewältigbare Belastungen auch zu Veränderungen, Destabilisierungen und Auflösung bisheriger stabiler neuronaler Verschaltungen in unserem Gehirn führen können und somit auch zu grundsätzlichen Veränderungen des Denkens, Fühlens und Handelns führen, die uns nachhaltig daran hindern, stabil und Selbst- Bestimmt im Leben zu stehen.
Oft kommt jedoch zu den blockierten und eingefrorenen Ressourcen, verbunden mit Schock und Ohnmacht, noch der Verlust von Seelenanteilen hinzu. Das sind zum einen Anteile, die sich abspalten und wie ein kleines Kind bzw. Seelenkind in den ‚Kindergarten des Unterbewusstseins‘ in Sicherheit gebracht wurden und zugleich auch Seelenaspekte wie Freude, Vertrauen, Sicherheit, Leichtigkeit, etc.
Dieses führt dann oft zur Dissoziation des traumatisierten Klienten. Zugleich wird das ‚energetische Leck‘ mit fremden Anteilen besetzt und somit leben traumatisierte Menschen oft nicht nur mit angezogener Handbremse, sondern auch schlichtweg, ohne es zu merken, nicht mehr selbstbestimmt ihr eigenes Leben.
Das erlebte Trauma wird zwar vom Bewusstsein zu unserem Schutz abgespalten, auf neuronaler Ebene und in unserem gesamten Zellgedächtnis ist es jedoch weiterhin in uns verankert, kann auf diese Weise nicht wieder ‚entladen‘ werden und bewirkt eine Erstarrung, die von den Betroffenen oft als ‚geistige Lähmung‘ und dem Eindruck ’nicht mehr vollständig mit dem Leben verbunden zu sein‘ empfunden wird.
Diese tiefgehenden und prägenden Ereignisse und damit verbunden auch die ins Unterbewusstsein verschobenen Seelenanteile/ Seelenaspekte möchten jedoch geheilt werden und sind auch auf der unterbewussten Ebene noch aktiv, von wo aus sie auch nach vielen Jahren immer wieder durch plötzlich auftretende Flashbacks, Schuldgefühle, Suchtverhalten oder unangemessene Ängste und Panikanfälle auftauchen können, ohne dass auf den ersten Blick ein kausaler Zusammenhang hergestellt werden kann.
Es ist möglich, dass die Symptome nach einem einmaligen traumatischen Erlebnis (Schocktrauma) innerhalb einiger Zeit wieder von allein abklingen, sobald wir wieder in Sicherheit sind und das Leben gut weitergeht. Wenn es jedoch keine Möglichkeit gibt, das Erlebte adäquat zu verarbeiten oder die traumatische Situation über längere Zeit bestand (Entwicklungstrauma), kann es zur Ausbildung intensiver psychischer Symptome kommen wie z.B. die PTBS = Posttraumatische Belastungsstörung, (unangemessene) Wut und Agressionen, Selbstzweifel, depressive Verstimmungen, selbstverletzendes Verhalten/ Todesnähe, Sucht- und Abhängigkeitssyndrome, Schlafstörungen/ Alpträume/ Flashbacks oder verschiedener weitreichender psychosomatischer Symptome.

HSP: Wie kann man ein Trauma auflösen?
Anne: Je früher nach dem traumatischen Erlebnis fachliche Hilfe und Begleitung in Anspruch genommen wird und damit auch die ‚energetischen Abdrücke‘ des Schocks im Körperzellgedächtnis entladen werden, desto kürzer dauert in der Regel die traumatische Phase. Wichtig ist eine geordnete Verarbeitung des Traumas sowie die Auflösung bzw. Reduzierung der traumatypischen Symptome. Neue Wege in der Traumatherapie verbinden dabei körperorientierte Ansätze mit Methoden der transpersonellen Psychologie und Energie- und Informationsmedizin. So werden auf sanfte Weise die alten neuronalen Verbindungen schrittweise entkoppelt, die Energieblockaden aufgetaut und kontrolliert entladen und eine Neu-Strukturierung der neuronalen Vernetzungen sowie eine Abkopplung der im gesamten Zellgedächtnis gespeicherten emotionalen Verbindungen zu den traumatischen Erinnerungen ermöglicht, ohne nochmals in alte und schmerzliche Geschichten hinein zu gehen.

HSP: Brauchen HSP eine andere/ besondere Therapie bzw. therapeutische Begleitung?
Anne: Hochsensible Menschen haben oftmals in ihrem Leben bereits verschiedene Aspekte von Grenzüberschreitungen, Vertrauensbrüchen und Machtmissbrauch erlebt. Daher profitieren vor allem diese Klienten sehr von einer ‚Therapie auf Augenhöhe‘. Verbunden mit einem hohen Maß an Achtung und Wertschätzung Ihrer Person und mit einer vertrauensvollen Beziehung zum Therapeuten steht der hochsensible Klient in seiner Einzigartigkeit im Mittelpunkt und definiert zugleich durch seine persönlichen Bedürfnisse die individuelle Vorgehensweise in der therapeutischen Sitzung.

HSP: Was ist speziell unter ‚Sanfter Traumatherapie für Hochsensible‘ zu verstehen?
Anne: „Sanfte Traumatherapie“ verbindet verschiedene Methoden der modernen Traumatherapie mit neuen Erkenntnissen aus Gehirnforschung und Neurowissenschaften, Körperpsychotherapie sowie Energie- und Informationsmedizin aus der traditionellen schamanischen Heilkunde. Da hochsensible Menschen mit den inneren Welten/ inneren Bildern meist gut vertraut sind, bekommen sie mit Hilfe von transpersonal imaginativen Verfahren, wie z.B. schamanischen Seelenreisen in Verbindung mit Tiefenfeldentspannung/ Heilhypnose rasch einen Zugang zu tiefer liegenden Schichten ihres Unterbewusstseins zur Rückholung der verlorenen Seelenanteile und Auflösung von antrainierten/ konditionierten Schutzmechanismen und Selbst- Sabotageprogrammen. Mit Hilfe von Körperkerzen und anderen Heil- und Reinigungsritualen können die im Körper abgespeicherten energetischen Abdrücke kontrolliert entladen und entfernt werden und zugleich eine neue energetische Signatur für ein selbstbestimmtes Leben im Hier und Jetzt voller Freude und Leichtigkeit erschaffen werden.

HSP: Herzlichen Dank für die interessanten Informationen

Anne Weiß, www.der-heilsame-weg.de, Heilpraktikerin für Psychotherapie

Hochsensibel und eine 40-Stunden-Woche – passt das zusammen?

(Von Uma Ulrike Reichelt)

Kennst du das, dass du dich schon beim Begriff „40-Stunden-Woche“ gestresst fühlst und dich manchmal fragst, wie das überhaupt gehen soll? Was tut man jetzt als hochsensible Person, wenn selbst Normalsensible mit einer 40-Stunden-Woche oft schon vor lauter Belastung stöhnen, es aber irgendwie noch zu schaffen scheinen? Seit meinem gesundheitlichen Zusammenbruch in 2003 habe ich mir solche Fragen sehr oft gestellt, weil seitdem meine Kräfte-Kapazitäten ein „normales“ Arbeitsvolumen einfach nicht mehr ermöglichen und ich viel Zeit für mich brauche. Oft habe ich mich selbst unter Druck gesetzt, weil ich dachte, ich muss genau so viel arbeiten wie andere. Ich habe mich mit Menschen verglichen, die nicht hochsensibel sind und ganz andere Stärken und Aufgaben in ihrem Leben haben haben als ich. Dann entdeckte ich neue Aspekte von Arbeitszeit jenseits vom normalen Büroalltag, die in der allgemeinen Arbeitswelt allerdings nicht als Arbeit gelten. Besonders für Hochsensible sind sie aber ganz real und wichtig als solche anzuerkennen.

3 Aspekte der etwas anderen 40-Stunden-Woche für Hochsensible

  1. Aspekt: Verarbeitungszeiten sind Arbeitszeiten. Hochsensible Menschen verarbeiten Reize viel intensiver und detaillierter als Normalsensible. Das benötigt nicht nur mehr Kraft sondern gehört für mich eindeutig in die Kategorie Arbeitszeit.

 Erkenne, dass Verarbeitungszeit Arbeitszeit ist.

Wichtig: Also, wenn du das nächste Mal einen „Verdauungsspaziergang“ machst oder einfach nur vor dich hin schaust, um Eindrücke zu verarbeiten, dann sei dir bewusst, dass dies ganz eindeutig Arbeitszeit ist. Je besser du dich damit entspannst und deine Auszeiten nimmst, umso mehr Kraft und Klarheit hast du dann wieder für deine beruflichen Dinge.

  1. Aspekt: Innere Prozesse sind Arbeitszeiten. Innere Arbeit, um angestauten Stress und seelische Belastungen loszulassen und Frieden mit sich selbst und dem Leben zu schließen, gehören ganz klar in die Kategorie Arbeitszeit. Sie benötigen viel Kraft und Aufmerksamkeit und sind für das Wohlbefinden elementar wichtig.

Erkenne, dass innere Arbeit ganz normale Arbeitszeit ist.

Wichtig: Jedes Mal, wenn du Stress und Belastungen spürst und sie dann auflöst – sei dir gewiss, dass dies Arbeitszeit ist und kein Hobby. Du arbeitest an deiner Gesundheit und deinem Wohlergehen. Das wird sich sehr positiv auf dich und dein Leben auswirken – und dich auch beruflich stärken.

  1. Aspekt: Nachzudenken und zu reflektieren ist Arbeitszeit. Wenn du dir die Zeit nimmst, dich zu spüren, zu reflektieren und dich inspirieren zu lassen, dann ist das eine ganz wertvolle Art zu arbeiten und ist eindeutig Arbeitszeit.

Erkenne, dass Reflexion und Inspiration Arbeitszeit ist.

Wichtig: Beim Nachdenken und Reflektieren bekommst du Klarheit und neue Impulse für dich und dein Leben. Deine innere Ausrichtung und dein Fokus bestimmen sehr stark deinen Lebenskurs und deine Lebensqualität. Das ist etwas, woran es sich lohnt immer wieder zu arbeiten. Diese Art der Arbeitszeit bringt dich persönlich wie beruflich weiter.

ZUSAMMENFASSUNG: Du leistest viel mehr, als dir bewusst ist, wenn du dich in dieser erweiterten Sicht auf Arbeitsleistung und Arbeitszeit betrachtest. Eine 40-Stunden-Woche kann also auch ganz anders aussehen. Wenn du dir Druck machst, dass du wie andere arbeiten solltest, dann erinnere dich immer wieder daran, dass Arbeitsvolumen und Arbeitszeit mehr als nur 1 Definition haben. Wichtig ist, dass du dich wohlwollend behandelst und auf deine Bedürfnisse eingehst. Und das ist kein Hobby.

Alles Gute bei deiner neuen und ganz persönlichen Art der 40-Stunden-Woche wünscht dir

Uma

Uma Ulrike Reichelt, www.uma-u-reichelt.com, Autorin von „Schnell & sicher ins Burnout“

Wenn du das Glück hast, hochsensibel zu sein, ändere es nicht!

(Von Astrid Hess)

Hochsensibel ist ein Geschenk!?

Hochsensibel ist „In“!?

Hochsensibel ist keine Ausrede!?

Hochsensibel ist keine Störung!?

Hochsensibel ist „anders sein“!?

Hochsensibel ist ein Geschenk!? Ist das so?

Ich bin Astrid und schon immer hochsensibel… nur wusste ich das nicht ;). Als vor einigen Jahren ein Freund zu mir sagte: „Astrid, you are highly sensitive”, fühlte ich mich sowas von gesehen und war sehr berührt… Ups, was war das denn? Also habe ich mich aufgemacht zu verstehen was da gerade in mir passierte. Ich las Artikel im Netz und kaufte mir die Bücher ersten Bücher dazu: “Sind sie hochsensibel?” von Dr. Elaine Aron und “Die Berufung für Hochsensible“ von Luca Rohleder.

JA, DAS BIN ICH – Es war ein Ausatmen, ein Ankommen, ein verstanden werden, ein MICH verstehen und ein weiteres JA zu mir! Plötzlich wurde alles logisch und klar.

Sätze, die du vielleicht auch kennst, wie ….

  • “Du musst einfach in deiner Mitte bleiben!”
  • “Du musst dich besser abgrenzen!”
  • “Du darfst dir nicht alles so zu Herzen nehmen!”
  • “Schalt doch mal ab!”
  • “Oh, du bist immer so empfindlich!”

…. bekamen nun eine andere Bedeutung!

Sie hatten mir immer das Gefühl gegeben, falsch zu sein – es einfach nicht hinzukriegen.

Ich habe alles gegeben und versucht, um trotz meiner Sensibilität den Ansprüchen gerecht zu werden und war selbst mein härtester Antreiber. Dabei habe ich mich selbst massiv unter Druck gesetzt und bin weit über meine dünnhäutigen Grenzen gegangen. Bis zum Burnout!

Ich habe nichts mehr gespürt, wirklich nichts mehr… und das war im Rückblick so wichtig und gut! Im Kloster habe ich dann meine 1. IchZeit gemacht und dort ein Meditationswochenende bei Bhante Rhatmale Punnaratana (buddh. Mönch aus Sri Lanka) besucht. Mit seiner bedingungslosen Liebe konnten ich meine Sinne wieder achtsam öffnen für ein sanftes und liebevolles wahrnehmen und spüren.

DAS IST LEBEN und wie wertvoll ist es so sensitiv wahrnehmen zu können.

Es ist tatsächlich ein Geschenk. Doch was braucht es, um dies wirklich als Geschenk erleben zu können, wo es doch in unserer Gesellschaft oft so hinderlich scheint. In meiner Praxis und meinen Seminaren begleite ich insbesondere Frauen – davon viele hochsensibel – in ein selbsterfülltes und freies Leben. Ja… du liest richtig, hochsensibel, selbstbestimmt und frei schließt sich nicht aus. Aus meiner Erfahrung liegt Hochsensibilität i.d.R. ein schmerzhaftes oft auch traumatisches Erleben in der frühen Kindheit zugrunde.

Und genau darin liegt auch dein Geschenk.

Hierbei ist es wichtig zu verstehen, das nicht all das DU bist. Hochsensibel…empfindsam ist nicht (d)eine unverrückbare Identität, sondern es ist wesentlicher Teil der dich ausmacht.

Werden wir durch ein Erleben aufs heftigste erschüttert, z.B. durch eine lebensbedrohliche Situation schaltet alles in uns auf Alarm. Ein Überlebensmodus wird aktiviert, damit wir Schmerz oder gar Todesangst „aushalten“ (überleben) können. Da es absolut unmöglich ist in einer solchen Situation die gesamten Informationen wahr- bzw. aufzunehmen, sucht unser System einen Ausweg, um dieser akuten Überflutung zu entgehen. Auswege (Überlebensmechanismen) können unterschiedlich sein wie z.B. emotionale Trennung des Erlebten oder ein Ausblenden des Schmerzes.

Ich kann erneut nur aus meiner Praxis und meinem erfahrenen Wissen berichten. Wissenschaftlich ist der Zusammenhang von Hochsensibilität und Trauma nicht belegt. Doch mir erscheint es als eine logische Folge.

Ein Beispiel von mir, um es zu verdeutlichen:
Meine Mutter hat sich direkt nach meiner Geburt von mir abgewandt. So wurde ich gleich – und das auch in den folgenden 8 Monaten – in die unterschiedlichsten Hände von Pflegerinnen eines Kinderheimes gegeben. SCHOCK …. Klar musste ich als Säugling diese Vielfallt von Erleben, Fühlen und Erfahren filtern. Nur so war es möglich zu überleben, die Todesangst und den Schmerz dieser gnadenlosen Ablehnung direkt aus dem warmen Schoß der Mutter auszuhalten bzw. auszublenden. Eine andere Möglichkeit gibt es für ein Neugeborenes nicht. Ich habe überlebt und mir ist es gelungen anzuerkennen und zu verstehen. Für mein Leben heute ziehe ich daraus eine wunderbare Stärke, tiefe Liebesfähigkeit und eben diese sensible Gabe, die mich als Begleiterin sehr wertvoll macht. Natürlich bin auch ich viele therapeutische und heilsame Wege gegangen.

Ich habe das Glück hochsensibel zu sein, und ändere es nicht!

Es ist ein Geschenk, weil es mir gelingt diese hochsensible Seite zu erlauben und zu würdigen, statt damit meiner gesamten Persönlichkeit eine Identität zu geben. Es ist ein Teil von mir, der es mir u.a. ermöglicht sehr fein und sensitiv wahrzunehmen, Menschen und ihr innerstes zu spüren, Situationen vorauszusehen, achtsam zu sein, bedingungslos zu lieben usw.

 Was du nun tun kannst, um dich und dein SEIN ebenso als Geschenk zu erfassen. Wende das was du für andere fühlst und tust für dich selbst an.

So einfach ist das!!!

  • Du bist feinfühlig, spürst andere sehr genau.
    Nimm dir jeden Tag Zeit diese Gabe für dich zu nutzen. Spüre für DICH zu DIR: „Was brauchst du gerade.“ „Was tut dir jetzt gut?“ Suche dir Antworten nicht im außen. Finde sie in dir. Du weißt es. Zu viel im außen könnte dich verunsichern 😉
  • Deine Sinne sind meist auf Empfang geschaltet.
    Nutze es und verbinde dich mit Kraft der Erde und der Weite des Himmels, um dich zu erden und dich mit DIR zu verbinden. Lausche der Stille und Weisheit der Natur. Atme ein – Atme aus.
  • Du kannst dich schnell und auch bedingungslos verlieben.
    Öffne dein Herz für die Person, die das hier gerade liest. Liebe dich bedingungslos – Jetzt. JA, jetzt. Mach hier eine kurze Pause und schau mit einem liebevollen Blick zu dir. Und wenn dir das komisch vorkommt, ist das normal. Tu es trotzdem und das mindestens 1x täglich 😉
  • Du bist emphatisch.
    Wunderbar! Dann kannst du gut in dich hineinspüren, dich verstehen, anerkennen und würdigen, d.h. Schau jeden Abend bevor du schlafen gehst auf deinen Tag. „Was ist dir (gut) gelungen?
    Sprich es laut zu dir selbst im Spiegel oder ….

….. gestalte dein Zauberglas

Hess_IMG_9469 (2)Schreibe diese 3 Dinge (oder mehr) jeden Abend auf bunte Zettel, falte sie zusammen und sammle sie in einem Glas. Zum Ende des Jahres z.B. an Weihnachten oder Sylvester nimmst du dir deine Zeit öffnest bei Prosecco und Kerzenschein dein Glas mit deinen kleinen Briefen.
Du wirst staunen, wie wertvoll du bist!

 

Hab`s zauberschön,
Astrid

Ich zeige dir, wie du DEIN Leben aus vollem Herzen erfüllt und frei leben kannst!
»Lebendig. Lustvoll. Wunderbar.«

Astrid Hess, Zauberfrau, Mutmacherin, Berührende – Heilpraktikerin für Psychotherapie, www.astridhess.de

Hochsensibilität und Wu Wei – die Kunst nichts zu tun

(Von Monika Richrath)

Kennen Sie auch das Gefühl von totalem Stillstand in Ihrem Leben? Der absolute Frust, auf der einen Seite die Dinge, die Sie nicht mehr wollen, die Sie SO nicht mehr wollen, auf der anderen Seite eine nebulöse Zukunftsvision davon, wie die Dinge Ihrer Meinung nach sein sollten. Aber es geschieht NICHTS.

Das kann sich furchtbar anfühlen,

wie in einem Sumpf zu stecken, aus dem man sich einfach nicht befreien kann. Erst recht nicht, wenn Sie aktiv versuchen, etwas an Ihrer Situation zu verändern. Da eines der Merkmale der Hochsensibilität eine erhöhte Stressempfindlichkeit ist, kann es natürlich sein, dass Sie anfangen innerlich zu rotieren. Vielleicht fangen Sie an, fieberhaft zu überlegen, was Sie noch probieren können und was auch noch … Aber was immer Sie auch probieren, es funktioniert nicht. Es gibt keine Veränderung – oder wenn, dann nur zum Schlimmeren. Jetzt wissen Sie nicht weiter.

Relaxen_1200x627Eines haben Sie vielleicht noch nicht probiert: gar nichts zu tun. Loszulassen, die Hände in den Schoß zu legen und die Angelegenheit sich selbst zu überlassen. In China hat man dafür sogar einen Begriff:

Wu Wei

Dieser Begriff stammt aus dem Daoismus. Das Dao wird als Wirkprinzip für den Kosmos angesehen – eine Art schöpferische und ordnende Kraft, die allem zugrunde liegt und in die man möglichst wenig eingreifen sollte. Handlung soll erst dann erfolgen, wenn sie leicht und mühelos ist, blinder Aktionismus führt meistens nicht viel weiter (außer dass man sich beschäftigt hält).

Das Gras wächst nicht schneller,

wenn man daran zieht, lautet ein Sprichwort, das mir ausgesprochen gut gefällt und das ich mir tatsächlich dann und wann selbst aufsage. Theoretisch bin ich felsenfest davon überzeugt, dass es für alles eine richtige Zeit gibt. Praktisch ist das mit dem Nichtstun natürlich manchmal schwierig auszuhalten. Gerade, wenn man als hochsensibler Mensch schnell in Stress gerät und zu Kopfkino neigt.

Ich glaube auch daran, dass sich Dinge in Stille entwickeln, in dem unendlichen Raum des scheinbaren Stillstands. Jedenfalls habe ich schon häufig die Erfahrung gemacht, dass sich nach Zeiten des gefühlten Stillstands plötzlich neue Türen öffnen und es weiter geht. Vermutlich haben Sie selbst das auch schon erlebt. Mir fällt gerade ein, dass ich einmal gehört  habe, dass bei den Aborigines Menschen nach einer Krankheit einen neuen Namen bekommen, weil sie sich dadurch verändern und entwickeln. Das hat mir sehr gefallen.

Alles entsteht in Stille

Vielleicht brauchen unsere inneren Funken diesen vermeintlich leeren Raum um in uns zu wachsen und langsam, langsam und an die Oberfläche unseres Bewusstseins zu steigen?

Obwohl ich wirklich absolut dafür bin, täglich in dem minimalistischen Rahmen von zwei bis fünf Minuten über einen längeren Zeitraum zu klopfen, habe ich doch auch schon mehrfach die Erfahrung gemacht, dass es gut sein kann, eine Klopfpause einzulegen, einen Schritt zurück zu machen und dem Körper und Geist die Zeit zu geben, die Veränderungen zu integrieren. Das geschieht nämlich nicht über Nacht. Wenn ich dann wieder mit dem Klopfen anfange, habe ich bislang immer das Gefühl gehabt, dass sich meine Ausgangsbasis verändert hat, ich quasi auf einem höheren Level starte. Auch, wenn ich die Veränderung nicht immer konkret benennen kann (Das kommt auch hin und wieder vor). Etwas hat sich verändert, das reicht.

Loslassen

Nichts tun, bedeutet auch loszulassen, was immer gerade ist. Zu vertrauen, dass das richtige geschieht (auch wenn ich den Sinn gerade nicht sehe oder verstehe),Relaxen2_1200x627 egal wie schrecklich die Erfahrung ist, die ich gerade mache. Letzten Endes helfen uns alle Erfahrungen dabei, uns weiterzuentwickeln und zu wachsen, herauszufinden, wer wir sind und was wir eigentlich wollen – was häufig vielleicht gar nichts mit dem Leben zu tun hat, das wir tatsächlich führen.

Loslassen können hat auch immer etwas mit Vertrauen zu tun. Vertrauen darin, dass es etwas oder jemanden gibt, der mich unterstützt und mir beim Wachsen hilft. Das kann eine wirkliche Herausforderung sein, vor allem, wenn man das Gefühl hat, dass

einem gerade alles um die Ohren fliegt.

Dieses Jahr ist in dieser Hinsicht äußerst anstrengend und hält viele Lernaufgaben bereit: Geht Ihnen das auch so? Wenn Ihnen das Hände in den Schoß legen schwer fällt, probieren Sie es doch einmal mit einem Mittelweg:

Beobachten Sie die Situation

schreiben Sie Ihre Beobachtungen vielleicht sogar auf. Wer macht was wann warum? Was belastet Sie? Was möchten Sie eigentlich tun? Warum? Warum geht es nicht? Vielleicht kommen Sie so zu ganz neuen Erkenntnissen oder entwickeln einen Klopfsatz. Oder probieren Sie einmal die Switchwords

LÄCHELN-LEUCHTEN

GÖTTLICHE ORDNUNG-STILL

zu klopfen. Das können Sie machen, so oft es Ihnen in den Sinn kommt.

Monika Richrath, Autorin von „EFT-Klopftechnik für Hochsensible“

Eignet sich die berufliche Selbstständigkeit für Hochsensible?

INTERVIEW MIT DER BUCHAUTORIN SANDRA TISSOT

 

HSP: Welche Herausforderungen gibt es für Hochsensible im Job-Alltag allgemein?

Sandra: Das klassische Angestelltendasein suggeriert zunächst Sicherheit. Es kann sich für Hochsensible aber schnell wie ein „Gefängnis“ anfühlen. Gerade dann wenn sie sich nicht selbst entfalten können und die eigentliche Entscheidungsgewalt immer bei anderen liegt. Ein vordefiniertes Arbeitsumfeld, fremdgesteuerter Leistungsdruck und die stille Abhängigkeit von Vorgesetzen, Kollegen oder Kunden bringen Hochsensible schnell an körperliche und auch an gesundheitliche Grenzen. Ein Ursache dafür liegt in mangelnden oder fest vorgeschrieben Regenerationsphasen (feste Arbeits- Mittagszeiten etc.). HSP benötigen aber gerade diese Regeneration viel häufiger, um neue Energie zu tanken.
Die aus Unternehmersicht vielgelobten Großraumbüros sind für Hochsensible beispielsweise auf Dauer unerträglich. Lärmpegel und der erzwungener Umgang mit anderen Menschen auf engstem Raum können zur enormen Stressbelastung avancieren. Ein klassisches Angestelltenverhältnis führt Hochsensible hier nicht selten in eine tiefe Sinnkrise.

HSP: Du hast ein Buch darüber geschrieben. Welche Chancen siehst Du für Hochsensible in der Selbstständigkeit? Welche Vorteile der Hochsensibilität lassen sich hier nutzen?

dielus_hsp_selbststaendigkeit_umschlag_2017Sandra: Hochsensible sind im Grunde ihres Herzens oft absolute Freigeister. Sie legen großen Wert auf Unabhängigkeit. Sie treffen gern selbstbestimmte Entscheidungen. HSP haben außerdem ein ausgeprägtes Harmoniebedürfnis. Wirklich kreativ werden sie meist erst dann, wenn sie keinen starren Strukturen oder Hierarchien folgen müssen. Die berufliche Selbstständigkeit ermöglicht es ihnen, an vielen Stellen eigenmächtig Entscheidungen zu fällen. Sie können wählen, mit wem sie zusammenarbeiten und welche Rahmenbedingungen dafür förderlich sind. Angefangen bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes, über die flexible Zeiteinteilung bis hin zur Projektauswahl. Mit auf das hochsensible Naturell abgestimmten Regenerationsphasen, blühen HSP hier nicht selten erst richtig auf.

Dabei können HSP Ihre Fähigkeiten zum vollen Einsatz bringen. Dank einer ausgeprägten Wahrnehmung wissen sie oft vorher instinktiv, was funktioniert und richtig ist. Hochsensible können in komplexen Zusammenhängen denken. Darüber hinaus sind sie oft in der Lage Kunden dort abzuholen, wo sie sich aufgehoben und gut beraten fühlen. Alle wertvollen hochsensiblen Gaben wie Empathie, Intuition, Kreativität, vernetztes Denken sowie Ideenreichtum lassen sich in der Selbstständigkeit ideal nutzen.

HSP: Der Sprung in die Selbständigkeit stellt für viele Hochsensible eine große Herausforderung dar. Wie können Hochsensible Selbstzweifel und Existenzängste überwinden?

Sandra: Gesunde Selbstzweifel gehören dazu, sie bewahren Hochsensible vor Fehlentscheidungen und leiten sie wie ein unsichtbarer roter Faden. Entscheidend ist es geplant vorzugehen. Es ist absolut nicht empfehlenswert ein Angestelltenverhältnis aus einer Laune heraus zu kündigen. Emotional geleitete Kurzschlussreaktionen sind selten ein guter Ratgeber.

Eine berufliche Selbstständigkeit ist immer nur so gut, wie ihre Vorbereitung. Recherchearbeit, Behördengänge und ein gut organisierter Businessplan sind ein absolutes Muss. Steht die geplante Selbstständigkeit auf einem soliden Fundament, gibt das Hochsensiblen Sicherheit und minimiert Existenzängste. Mit Hilfe der Organisation erhalten HSP auch ein realistisches Bild, welche Risiken sie eingehen. Ein Tipp: Suchen Sie gezielt den Kontakt zu anderen Selbstständigen (im Idealfall hochsensible Selbstständige) entweder im Freundes- und Bekanntenkreis oder auf Gründertreffen etc. Diese haben den Weg der Selbstständigkeit bereits beschritten und können eine wertvolle Unterstützung sein.

HSP: Welche Tipps kannst Du Hochsensiblen mit auf den Weg geben, um dauerhaft erfolgreich in der Selbstständigkeit zu sein?

Sandra: Nicht nach dem perfekten Timing suchen, denn das gibt es nie. Natürlich finden sich immer Gründe, die auch gegen ein Vorhaben sprechen. Wenn Hochsensible zu lange in diesen Zweifeln verharren, schaffen sie unter Umständen den Sprung in die Selbstständigkeit ebenfalls nie. Mit einer soliden Verbreitung und einer schrittweisen Umsetzung lassen sich übertriebene Ängste in den Griff bekommen. Hier gehört u. a. ein guter Businessplan aber auch die Zusammenarbeit mit einem guten Existenzgründer-Berater dazu. Es gibt mittlerweile sogar welche, die sich auf Hochsensible spezialisiert haben.

Wichtig ist es, sich folgende Tatsache vor Augen zu führen: Die absolute Sicherheit gibt es nicht! Weder im Angestelltenverhältnis noch in der Selbstständigkeit. Wie genau Sicherheit definiert wird und an welchen Stellen sie uns lediglich suggeriert wird, entscheidet jeder für sich selbst. Hochsensible können die berufliche Selbstständigkeit als wertvolle Chance sehen, dass eigene hochsensible Naturell optimal auch im Beruf zu nutzen.

Zu jeder unternehmerischen Tätigkeit gehören auch Rückschläge dazu. Hochsensible nehmen sich diese meist nur mehr zu Herzen. Vertrauen Sie dann auf Ihren Instinkt und auf Ihre feinen Antennen, öffnen sich oft ungeahnte neue Türen. Diese Türen nutzen und hindurchgehen muss jedoch jeder Hochsensible selbst.

HSP: Vielen herzlichen Dank für das Gespräch, liebe Sandra.

Sandra Tissot, sandra-tissot.com, Autorin von „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

Hochsensibler trifft auf krankhaften Narzissten

(Von Silvia Christine Strauch)

Hochsensible Menschen scheinen Narzissten geradezu anzuziehen. Sie sind einfühlsam, suchen den Fehler meist bei sich selbst und versuchen sich möglichst gut in den anderen hineinzuversetzen. Darüber hinaus hat der Hochsensible meist ein Abgrenzungsproblem und umgibt sich oftmals mit Partnern, die ihn für die eigene Befindlichkeit verantwortlich machen. Das verbreitete Helfersyndrom bei Hochsensiblen macht es dem Narzissten leicht.

Was ist Narzissmus

Narzissmus ist ein abnormes, krankhaftes Verhalten, eine Persönlichkeitsstörung. Sie bezeichnet eine übertriebene Selbstbezogenheit. Narzissten sind wahre Meister der Manipulation und suchen sich oftmals empathische Menschen aus, die das Gute im anderen sehen. Im Urgrund sind Narzissten unsichere Menschen. Um sich selbst zu erhöhen, werten sie alles und Jeden um sich herum herab. Keiner ist gut genug, keiner macht auch nur irgendetwas richtig, die ganze Welt stürzt auf einen großen Abgrund zu. Narzissten haben kein Moralempfinden und leben in ihrer eigenen Realität, die keiner nachvollziehen kann. Menschen sind für ihn nur das Mittel, um irgendetwas erreichen zu können. Dabei halten sie sich durchaus für etwas Besonderes, das heißt ihr Auftreten ist selbstbewusst und dominant. Seinen Mitmenschen gegenüber ist er rücksichtslos und geht über Leichen, um seine Meinung durchzusetzen. Gefühle von anderen gelten für ihn nichts, seine eigenen Gefühle stehen über allem. Ein Narzisst reagiert auf Kritik gekränkt und beleidigt, er ist überaus neidisch.

Der Narzisst steht konstant unter Spannung, hat dabei eine aktive, lebendige Ausstrahlung, charismatisch eben, hält aber andere Menschen immer gefühlsmäßig auf Distanz. Narzissten lügen ohne rot zu werden, auch wenn man ihnen das Gegenteil beweisen kann. Sie schrecken auch nicht davor zurück, in einer halben Stunde das Gegenteil vom vorher Gesagten zu behaupten. Der Partner wird auf jeden Fall herabgesetzt wo es nur geht, womit er versucht emotionale Kontrolle auszuüben. Letztendlich überschreitet ein Narzisst konstant die Grenzen seiner Mitmenschen, er vereinnahmt und nutzt sie aus.

Die Beziehung zu einem Narzissten

Die typische Beziehung mit einem Narzissten beginnt außerordentlich positiv. Narzissten können äußerst charmant sein, wenn sie ein Ziel verfolgen. Um ihr Ziel zu erreichen, umgarnen sie ihren neuen Partner nach allen Regeln der Kunst, bestärken ihn in seiner Meinung und machen ihm Komplimente über Komplimente, bis er dahin schmilzt und meint die Liebe seines Lebens gefunden zu haben. Dabei legt er gute Manieren und ein verführerisches Verhalten an den Tag.

Als nächste Stufe erzeugt der Narzisst Mitleid bei seinem Partner, indem er von Krankheiten und Schicksalsschlägen berichtet, um Verständnis vom Partner zu fordern, dabei scheut er nicht davor zurück, dies durch Schluchzen und Weinen zu unterstreichen. Er kann sein Leid als nicht zu ertragendes Drama erscheinen lassen. Erst dann setzt mehr oder weniger langsam die Kehrtwendung ein. Er findet immer mehr negative Dinge an seinem Partner, beteuert aber trotzdem seine Liebe zu ihm. Man kann dem Narzissten nichts recht machen, er spricht viel darüber, sieht aufgrund seiner Liebe aber geflissentlich darüber hinweg. Man sollte ihm wirklich dankbar dafür sein. Andererseits ist man daran schuld, wenn es ihm selbst nicht gut geht. Man widmet ihm zu wenig Zeit, immer und ewig, egal wie viel Zeit man mit ihm verbringt. Oftmals kommt eine krankhafte Eifersucht dazu, so dass man sich nicht mehr getraut überhaupt eine andere Person zu begrüßen. Oder eine Kontrollsucht, am besten man geht nicht einmal mehr alleine einkaufen. Der Narzisst will alles unter Kontrolle haben.

Das Leben mit einem Narzissten

Bei der Gesprächsführung zeigt er schnell Desinteresse, sofern ihn das Thema nicht nachhaltig interessiert. Er wirkt gelangweilt und antwortet meist einfach gar nicht mehr. Er beherrscht den geringschätzigen Blick. In diesem fortgeschrittenen Stadium wird der Narzisst immer übergriffiger, er schreit, brüllt, bis hin zu Tobsuchtsanfällen. Er stellt die Glaubwürdigkeit des anderen in Frage, er macht nicht nur Vorwürfe und Unterstellungen, sondern kann bis zu Bedrohungen gehen. Spott, Zynismus, emotionales Erpressen sind an der Tagesordnung.

Dies führt dazu, dass man sich als Partner zum einen schuldig fühlt und zum anderen eine große Leere in sich verspürt. Es kommt keine wirkliche Nähe auf. Eine Kommunikation gestaltet sich äußerst schwierig, da der Narzisst weder zuhört, noch auf das Gesagte eingeht. Oftmals überhört er Erzähltes einfach. Nur wenn er sich einen Vorteil für sich verspricht, wird er kurzzeitig zuhören. Vorwürfe sind an der Tagesordnung, auch hirnrissige Dinge, die völlig aus der Luft gegriffen sind. Spricht man ihn darauf an, bzw. beweist ihm das Gegenteil, so wird er es mit seinem Stress begründen. Er hat nur gestritten oder Vorwürfe gemacht, um seinen Stress abzubauen, der von seiner Arbeit kommt, von seiner Familie oder von den Nachbarn. Irgendeiner ist immer schuld. Und er scheut sich nicht davor seinen Partner zutiefst zu verletzten, um damit seinen Stress abzubauen, ohne irgendein Gefühl der Reue. Damit übernimmt er Macht und Kontrolle in der Beziehung. Er vermittelt ständig das Gefühl nicht beachtet zu werden, er fordert konstant mehr Bewunderung und Bestätigung.

Der Narzisst sieht sich prinzipiell als Opfer und übernimmt in keiner Weise Verantwortung für sich und sein Handeln. Er hat sich sehr weit von seinem wahren Selbst entfernt, er spürt sich nicht mehr, er kann nicht mehr authentisch sein und sucht in der Außenwelt einen Partner, der diesen Mangel ersetzen kann.

Auch wenn sie dir noch so oft ihre Liebe beschwören, sie wissen nicht was Liebe ist, sie versuchen dich damit nur zu manipulieren. Der Narzisst nimmt und der hochsensible Mensch gibt, das wird sich nie ändern. Die Gefühle anderer Menschen berühren ihn nicht.

Der einzige, der dem Narzissten wichtig ist, ist er selbst. Und selbst wenn man ihn überreden kann therapeutischen Hilfe in Anspruch zu nehmen, wird er eher den Therapeuten wechseln, als sich selbst zu ändern.

Die Aufgabe für den Hochsensiblen

Und hier stellt sich die Frage, was soll ich dadurch lernen? Der Hochsensible soll lernen sich abzugrenzen, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und sich klarmachen, dass er für seine eigenen Gefühle verantwortlich ist. Letztendlich soll er sich endlich selbst wichtig nehmen und nicht nur immer die anderen Menschen. Er muss lernen keinen emotionalen Missbrauch hinzunehmen und sein Selbstwertgefühl stärken. Eine Hilfe ist es auch immer, sich aus der Luft wie über einer Bühne schwebend zu beobachten, das gibt Abstand und rückt vieles dahin, wo es hingehört.

Je nachdem wie weit eine hochsensible Person entwickelt ist, kann es im Verlauf der Beziehung zu einem Narzissten auch dazu führen, dass der hochsensible Mensch lernt zu explodieren, laut zu werden und zu streiten, bis hin zur Unsachlichkeit. Man sollte dies als Weg zur Bewältigung der Abgrenzungsproblematik einstufen, solche Ausfälle regulieren sich mit der Zeit wieder. Ein Narzisst lernt übrigens nicht aus seinen Fehlern, der Hochsensible schon, deshalb kann man jedem nur raten sich von einem Narzissten zu trennen. Das sollte man sich selbst wert sein! Jeder verdient einen Partner, der einen um einen selbst willen liebt.

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Krankhafte Narzissten enttarnen“

Was kann ich tun, wenn ich Grenzen setzen möchte und mich vor negativen Reaktionen fürchte?

(Von Sabine Brunke-Reubold)

Gerade für dich als hochsensibler Mensch ist es wichtig, dass du gut für dich sorgst und deutlich Nein sagst, wenn du etwas nicht tun möchtest. Doch was ist, wenn die Befürchtung, dass die Menschen in deinem Umfeld darauf negativ reagieren, dich davon abhält?

So bekommst du es hin, trotzdem zu deinem Nein zu stehst und dich nicht verunsichern zu lassen:

Lass dir Zeit – Gerade, wenn du beginnst, Grenzen zu setzen, ist es wichtig, dass du nachsichtig mit dir umgehst. Es ist völlig normal, dass es zuerst schwer fällt und öfter mal nicht klappt. Lass dich davon nicht beirren und versuch es einfach weiter.

Fange mit kleinen Herausforderungen an – Übe das Nein sagen in Situationen, die für dich nicht so wichtig sind: an der Telefonhotline, im Restaurant, Fremden gegenüber. Immer wenn etwas nicht in deinem Sinne läuft, hast du die Möglichkeit, das zu sagen und darum zu bitten, dass es geändert wird. Der Vorteil: Wenn es nicht klappt oder du eine Absage kassierst, hat das keine große Auswirkung.

Setz dich in Ruhe mit der Situation auseinander – vermeide Schnellschüsse. Wenn du unvorbereitet und aufgewühlt größere Themen angehst, kann das dazu führen, dass du entweder schnell aufgibst oder aus Unsicherheit sehr harsch wirst.

Prüfe dich selbst – wie wichtig ist mir das Anliegen? Nur wenn du klar zu deiner Position stehst, kannst du sie auch überzeugend vertreten und deinem Gegenüber signalisieren, dass du es ernst meinst. Bist du unsicher, wäge noch einmal alles ab und schau, ob du Sicherheit gewinnen kannst. Wenn nicht, lass es lieber, denn dann ist das Risiko, zu klein beizugeben, ziemlich groß.

Mach dir vorher Gedanken – wieviel Kraft kann ich dafür aufwenden, zu meiner Position zu stehen, und ab wann kann ich mich damit arrangieren, dass ich zurückstecke? Was kann schlimmstenfalls passieren? Überlege dir, welche Argumente du brauchst, um deine Position deutlich zu machen, gerade am Anfang hilft es, deutlich zu untermauern, warum dir diese Grenze wichtig ist. Aber Vorsicht: Nicht in die Rechtfertigungsfalle laufen – wenn du dich immer mehr rechtfertigst, führt das nur dazu, dass du dich selbst verunsicherst.

Vertraue auf eure Beziehung – Menschen, denen du wichtig bist, werden Verständnis für dich entwickeln, weil ihnen dein Wohlergehen am Herzen liegt. Und wenn dein Gegenüber dauerhaft ablehnend auf dein Anliegen reagiert, lohnt es sich, genauer hinzuschauen, wie gut euer Verhältnis wirklich ist.

Auf jeden Fall gilt: Lass dich nicht von deiner Angst abhalten – mach dir klar: du hast das Recht für dich zu sorgen!

Sabine Brunke-Reubold, www.die-kommunikationslotsin.de, bloggt im Gedanken-Seiten-Blog

Die Geschichte vom Adler, der glaubte ein Huhn zu sein!

(Von Petra Schneider)

Ein Mann fand eines Tages ein Adlerei, nahm es mit nach Hause und legte es in das Nest einer ganz gewöhnlichen Haushenne. Ein kleiner Adler schlüpfte parallel mit ein paar Hühnerküken aus dem Ei und wuchs zusammen mit diesen auf. Sein ganzes Leben lang versuchte der Adler sich wie ein Huhn zu benehmen, was ihm aber nicht immer gelang. Manchmal fühlte er sich fremd unter all den Hennen. Doch ohne Zweifel, der Adler dachte, er sei ein Huhn wie alle anderen Hühner auf dem Hof. Er kratzte und scharrte in der Erde nach Würmern und Insekten. Er gluckte und gackerte halbwegs wie die anderen Hühner.

Nur ab und zu hob er ein wenig seine Flügel und flog ein Stück über den Hühnerhof, ähnlich wie die anderen Hennen. Einmal jedoch, er hatte sich völlig vergessen, flog er plötzlich höher als je zuvor… höher als die anderen Hennen. Für einen kurzen Augenblick genoss er es, so hoch durch die Lüfte zu fliegen, für einen Moment lang begann er zu träumen und war glücklich.

Doch schnell bekam er es mit der Angst zu tun und kehrte zurück auf den Hof.

Die Jahre vergingen und der Adler wurde sehr alt, aber nicht glücklich. Eines Tages sah er einen herrlichen großen Vogel hoch oben am wolkenlosen Himmel seine Kreise ziehen. Anmutig und hoheitsvoll schwebte dieser beeindruckende Vogel in den Lüften, fast ohne seine riesigen, kräftigen Flügel zu schlagen. Der Hühnerhofadler blickte sehnsüchtig zu ihm empor und wusste gar nicht, warum dieser Vogel da oben ihn so tief berührte.

„Wer ist das?“ fragte er ganz aufgewühlt eine Nachbarhenne. „Ach, das ist der Adler, der König der Vögel“ gackerte die Henne. “Wäre es nicht schön, wenn wir auch so fliegen könnten?” fragte der Adler. “Das können wir nicht” sagte die Henne, „mit dem darfst du dich nicht messen. Er gehört dem Himmel. Doch du und ich, wir sind von anderer Art, wir gehören dem Boden. Wir sind Hühner“.

Der Adler schämte sich leise für den unbescheidenen Traum vom freien Flug und für dieses komische Gefühl in der Brust, das sich in ihm breit gemacht hatte. Ein Gefühl, soweit und luftig, so frei. So blieb der Adler das, wofür er sich hielt und starb eines Tages als Huhn unter Hühnern.

Sein Glaube an sich selbst hat ihn daran gehindert, seine wirkliche Bestimmung zu leben!

(nach einer afrikanischen Fabel)


Fast alle meiner Klienten sind besondere und hochsensible Menschen. Adler. Die leider – genau wie in dieser Geschichte – von gackernden Hühnern umgeben sind. Hochsensible hören von Kindheit an Sätze wie „Was glaubst Du denn, wer Du bist?“ oder „Du hältst Dich wohl für was Besonderes?“ Sie werden ausgelacht, weil ihre natürliche Fertigkeit nicht darin liegt, Körner zu finden und wie andere zu sein!

So wird ihnen ihr wahrer Wert leider nicht bewusst. Stattdessen vergleichen sie sich mit all den gackernden Hühnern in ihrem Umfeld. Und ziehen dabei immer den Kürzeren.

Dadurch können sie ihre natürlichen Gaben – ihre Hochsensibilität – nicht erkennen. Stattdessen passen sie sich der vorgegebenen Hühnerlebensform an. Manch ein verkannter Adler wird ein besseres Huhn, als die wahren Hühner! Andere werden rebellische Hühner, die aus der Reihe tanzen und als Exoten gelten. Es gibt süchtige Hühner, kranke Hühner, verhaltensauffällige Hühner und unzählige mehr!

Dieses ganze Anpassungs-Spiel kostet einen Hochsensiblen unglaublich viel Kraft und Lebensfreude.

Es verhindert, sich selbst zu erkennen. Man blickt auf Andere, statt auf sich selbst! Das führt zur Überforderung, Stress und Unzufriedenheit bis hin zu psychosomatischen Erkrankungen. Dabei weiß man nicht einmal genau, weshalb man unzufrieden ist:

 … man hat doch schließlich alles, was ein Huhn fürs Leben braucht!

An dieser Stelle setzt ein Leidensdruck ein, der eine Weile andauert. Der als Huhn verkleidete Adler stellt sich selbst in Frage. Gibt noch einmal richtig Gas, um anderen Hühnern ähnlich oder gleich zu sein. Und fühlt sich dabei immer schlechter. Irgendwas stimmt nicht mit ihm!

Mir sitzen im Coaching oft als Hühner verkleidete Adler gegenüber. Es überrascht mich immer wieder, welch großartige, besondere, wertvolle Potentiale in hochsensiblen Menschen schlummern, die sie selbst nicht wahrnehmen! Ihnen wurden unzählige Etiketten aufgedrückt, an die sie glauben und die sie für wahr halten. Selbst-Bewusstsein wird oftmals in Hühner-Manier missbraucht. Im Hühnerjargon repräsentiert es Menschen, die taff im Leben stehen, schlagfertig parieren, ein dickes Fell haben, nicht alles an sich ranlassen und schon gar nicht alles in Frage stellen.

Ein hochsensibler Adler, der sich seiner Selbst bewusst wird, hat keinerlei Bedürfnis, sich auf diese Weise zu verhalten!

Er braucht keine Taffheit, Schlagfertigkeit oder ein dickes Fell. Ein Adler ist sich seines wahren Wesens und seiner natürlichen Stärke bewusst. Meist sind es gerade seine innere Weichheit, seine Perspektive und sein Weitblick, die ihn stark machen. Er ist frei von Hühnermythologien! Er braucht keine Rebellion oder Gackern, er muss nicht schlagfertig parieren. Er braucht keine Performance, um zu zeigen, wer er ist. Er muss sich nicht beweisen.

Ein Adler kann alles und muss nichts! Seine wahre Natur ist Freiheit. Er ist frei, zu sein wer er will. Er hat immer eine Wahl!

Hat ein hochsensibler Klient sich befreit von seinen Hühner-Etiketten, ist es eine wahre Freude, ihn zu beobachten! Sein Leben wandelt sich ohne großen Aufwand vollkommen! Von innen nach außen! Er lebt seine Wahrheit und verändert sich. Mit ihm verändert sich sein Umfeld. Er braucht keine Hühner mehr um sich herum und genießt stattdessen den Kontakt mit seinesgleichen. Er ist sich seiner selbst bewusst und frei!

Vielleicht kennst Du das auch von Dir selbst? Vielleicht nervt Dich Dein Umfeld und Du merkst, dass Du nicht (mehr) richtig dazu gehörst, vielleicht nie wirklich dazugehört hast? Vielleicht stellst Du aber gerade Dich dafür in Frage, hältst Dich für komisch, seltsam, anders?

Petra Schneider, www.FeelGood-Coaching.de

Der Hochsensible räumt auf

(Von Silvia Christine Strauch)

Aufräumen hat noch keinem geschadet, egal in welchem Alter, egal ob hochsensibel oder nicht. Damit dies einem Hochsensiblen aber wirklich gut tut sind einige Voraussetzungen zu berücksichtigen.

Aufräumen oder Saubermachen verbindet man automatisch mit Klarheit. Damit ist nicht nur das Aufräumen eines Haushaltes gemeint, sondern durchaus das Aufräumen im Geiste. Das wirkliche Aufräumen setzt nicht nur ein optisches Aufräumen und Saubermachen voraus, sondern ein Ausmisten von Grund auf, meist verbunden mit einer neuen Ordnung, beziehungsweise mit einem neuen Ordnungssystem.

Aufräumen als Lebensstil

Aufräumen kann zum Lebensstil werden. Wer aufräumt ist nur zu faul zum Suchen, heißt es in einem alten Spruch. Allerdings ist dieses Suchen mit Zeitverschwendung verbunden, meist auch mit negativen Gefühlen, auf die ich gerne verzichte. Es geht darum mit meiner Zeit sorgsam umzugehen.

Das Aufräumen fängt im Geiste an, dort heißt es loslassen. Was brauche ich wirklich? Was brauche ich im Kopf und was in der Realität? Wo gibt es nur den Wunsch zu besitzen und nicht die Notwendigkeit das Ding wirklich zu brauchen? Wo geht es ums haben wollen, damit es mir subjektiv besser geht? Was kann ich dafür tun, dass es mir besser geht? Reicht nicht ein schöner Spaziergang in der Natur aus? Oder ein work-out im Sportstudio? Muss ich wirklich Dinge, Sachen anschaffen, die nachher im Weg herumstehen?

Ist dieser Gedankengang erst einmal im Kopf verankert, so schützt mich dies vor künftigen Fehlkäufen. Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dies auch in meiner alltäglichen Umwelt umzusetzen und festzustellen, mit welchen Dingen ich wirklich weiter leben will und für welche ich einen neuen Besitzer suchen werde. Verschenken, spenden, Altkleidersammlung, gemeinnützige Organisationen, es gibt viele Möglichkeiten, wie auch second hand shops, in denen man sogar Möbel verkaufen kann.

Schaffen Sie sich ein Ordnungssystem

Einer hochsensiblen Person hilft es, wenn die Sachen einen festen Platz haben, das schützt auch davor suchen zu müssen und manchmal stellt man fest, dass man von einem Artikel doch allen Ernstes mehrere Ausführungen besitzt.

Fangen sie einfach jede Woche damit an, ein Stückchen weiter aufzuräumen. Am Anfang eine Schublade, dann die nächste, dann den Schrank… Wenn sie ein wenig Übung bekommen haben, dann werden sie gern regelmäßig ihre Wohnung inspizieren und sich freuen, falls sie etwas finden, das sie verschenken können.

Es gibt so viele Dinge, die ihnen eigentlich im Weg sind, trennen sie sich davon! Sie stehen ihnen im Geiste, wie in der Realität im Weg. Jeder Müllmann kann bestätigen, dass er binnen einer Woche eine gesamte Wohnung durch Dinge aus dem Sperrmüll einrichten könnte, ohne dass Jemand merken würde, woher die Dinge kommen. Man muss auch nicht jede Mode mitmachen, achten sie darauf, das zu kaufen was ihnen steht und was sie mit den vorhandenen Dingen kombinieren können. Überlegen sie sich ob sie wirklich ein vorhandenes Kaffee- oder Speiseservice für 12 Leute oder noch mehr brauchen. Wie groß ist ihr Tisch? Maximal sechs Leute, warum bunkern sie dann jede Menge Geschirr?

Legen sie sich einen Karton zu, in den sie die Sachen legen, von denen sie sich beim Ausmisten nicht trennen können. Als Übergangslösung, sie werden sehen wie unwichtig die Sachen sind. Trennen sie sich von Klamotten, die sie seit zwei Jahren nicht mehr in der Hand gehabt haben, auch von Schuhen…

Mehr Platz fürs Leben

Die hochsensible Seele wird nicht traurig, wenn sie sich von etwas trennt, sondern sie gewöhnt sich schnell daran und jubelt, wenn wieder irgendein Stück von uns geht und einen neuen Besitzer gefunden hat. Und die Erinnerungen befinden sich im Kopf! Und somit wird das Ausmisten zu einem wahren Befreiungsschlag, nicht nur für die Wohnung, sondern für unseren Kopf und unsere Seele.

Es gibt mehr Platz zum Leben – in jeder Beziehung!

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

5 Irrtümer über Schlaf

(Von Monika Richrath)

Schlaf – oder besser gesagt, das Fehlen desselben – scheint sich zu einem immer größeren Problem auszuwachsen. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis haben viele mit Schlafstörungen zu tun, ebenso wie Kunden und Kundinnen, die zu mir kommen. Grund genug für mich, mich in Zukunft intensiver mit dem Thema Schlaf und Schlafstörungen auseinanderzusetzen. Dabei sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die in praktisch jedem Buch auftauchen, die aber bei den Menschen nicht bekannt zu sein scheinen. Allen voran ein paar Irrtümer, denen wir offenbar heute in unserer modernen Welt aufzusitzen scheinen.

1. Nur eine durchschlafene Nacht ist eine gute Nacht

Früher hatten Menschen keine Zentralheizung, in ihren Häusern war es kalt, also schliefen die Menschen zusammen in einem Raum und gaben sich so Wärme und Geborgenheit. Auch das Vieh hielt sich im gleichen Raum auf wie die Menschen. Es liegt auf der Hand, dass Mensch und Tier einander im Schlaf gestört haben müssen, denn viele Menschen machen viele Geräusche und die Tiere sicherlich auch. Da war vermutlich auch nicht allzuviel mit die ganze Nacht durchschlafen.

Aber eine ganze Reihe anderer Dinge waren damals anders. Man ging bei Sonnenuntergang schlafen und stand mit dem Sonnenaufgang auf, es gab kein künstliches Licht, das unseren Schlaf- und Wachrhythmus, und damit auch die damit verbundene Hormonproduktion von Melatonin und Serotonin, durcheinanderbrachte.

Schlafen_hochsensiblepersonen.comEs ist also durchaus anzunehmen, dass viele Menschen immer wieder einmal während der Nacht aufwachten und wieder einschliefen und trotzdem am nächsten Tag ausgeruht waren – vielleicht haben Sie selbst ja auch schon einmal erlebt, dass es so sein kann – aber nur, wenn Sie nach dem Aufwachen nicht beginnen, sich wie verrückt Gedanken zu machen über Gott und die Welt. „Ich muss noch … und … muss ich auch noch …. und …. hat schon wieder …warum macht …?“ Lauter Stressgedanken, die den Körper im Nullkommanichts mit Adrenalin fluten und dann ist es natürlich vorbei und an Schlaf nicht mehr zu denken. Ist es erst einmal so weit, ist es schwer, den Körper wieder zur Ruhe zu bringen. Hochsensibilität bringt öfter solch nächtliche Denkattacken hervor …

So oder so, es soll normal sein, nachts bis zu 30 Mal aufzuwachen. Wenn Sie also merken, dass Sie aufgewacht sind, drehen Sie sich am besten einfach rum und versuchen, dahin zurückzugehen, wo Sie hergekommen sind.

2. Verlorenen Schlaf kann man nachholen

Milliarden von Menschen weltweit versuchen es seit Generationen, obwohl es nicht klappt. Im Gegensatz zu früheren Generationen wissen wir heute allerdings wie schädlich und gesundheitsschädigend zu wenig Schlaf ist. Was wir weniger im Blick haben ist, dass es für den Körper viel angenehmer ist, kurzfristig mit weniger Schlaf auszukommen, als seinen Schlafrhythmus durcheinanderzubringen, nur um etwas Schlaf nachzuholen.

Bis ich vor kurzem begonnen habe, mich mit den Erkenntnissen der Schlafforschung zu beschäftigen, habe ich selbst versucht, Schlaf nachzuholen. Wenn ich zum Beispiel aus war und erst spät ins Bett gekommen bin, sagen wir mal um zwei oder drei, habe ich am nächsten Morgen versucht, länger zu schlafen. Vermutlich kennen Sie selbst das Phänomen, dass man am Samstagabend ausgeht, am Sonntagmorgen lange schläft, am Sonntagabend dann nicht einschlafen kann (aufgrund des langen Schlafes am Morgen) und am Montagmorgen völlig unausgeruht ist. Dabei liegt das ganze Geheimnis einfach nur darin, auch am Sonntagmorgen zur gleichen Uhrzeit wie immer aufzustehen, ganz egal, wann man ins Bett gegangen ist. Das funktioniert wirklich, ich habe es ausprobiert. Für den Körper ist es am besten und einfachsten, dass Dinge regelmäßig geschehen, in diesem Fall also, dass man möglichst zur gleichen Zeit ins Bett geht und wieder aufsteht. Jedenfalls ist man am Montagmorgen ausgeschlafener.

3. Es ist egal, wann man ins Bett geht

Ist es nicht. Allerdings kommt es nicht darauf an, besonders früh ins Bett zu gehen. Wichtig ist, dass wir uns vor allen Dingen im Tiefschlaf erholen, in den ersten Stunden nach dem Einschlafen. Wichtig ist dabei jedoch, dass es gegen 3 Uhr morgens zu einer Art „biologischer Mitternacht“ kommt. Körper, Geist und Gemüt befinden sich dann in einer Art Leistungstief (bei der auch die Gedanken eher düster sind). Nach diesem Zeitpunkt wird der Schlaf leichter. Um erholsam zu schlafen, sollten wir also so zeitig ins Bett gehen, dass wir vier oder fünf Stunden Zeit für Tiefschlaf haben.

4. Es ist egal, was ich trinke und esse

Ist es leider nicht – sorry. Gerade falsche Getränke und Nahrungsmittel machen dem Körper in der Nacht zu schaffen und stören unseren Schlaf. Sie merken es daran, wenn Sie häufig gegen 2 Uhr morgens aufwachen. Die Leber ist das Organ für den Abbau von Stoffen, die für den Körper belastend sind oder nicht mehr benötigt werden, z. B. Stoffwechselendprodukte, Medikamente, Hormone, Alkohol usw. Die Leber arbeitet am intensivsten zwischen 1 und 3 Uhr in der Nacht.

Natürlich ist es auch nicht egal, wann ich etwas esse und trinke. Anregende Getränke wie Kaffee, schwarzer oder grüner Tee oder Softdrinks mit viel Zucker sollten nicht abends getrunken werden. Als hochsensibler Mensch lohnt es sich ganz unbedingt, hier einmal ein bisschen herumzuexperimentieren und seine ganz persönliche Grenzzeit herauszufinden. Es kann nämlich sehr gut sein, dass die von offziellen Stellen empfohlene Uhrzeit von 16 Uhr für HSP aufgrund der erhöhten Empfindsamkeit einfach nicht passt. Ich selbst bin ja eine Liebhaberin von grünem Tee und habe bis vor relativ kurzer Zeit diesen noch bis zum Abend hin getrunken. Eine ganz wesentliche Besserung ist eingetreten, als ich erkannte, dass meine persönliche Grenzzeit für anregende Getränke bei 14 Uhr, ganz maximal 15 Uhr liegt, also ca 7 bis 8 Stunden vor dem Schlafengehen!

Angeblich sollen hochsensible Menschen ja nicht soviel Kaffee trinken (das meinte jedenfalls Elaine Aron), ich habe das bislang aber noch nicht so bestätigt gefunden. Die TeilnehmerInnen meiner Seminare trinken in der Regel auch Kaffee … die Anzahl an Menschen, die ich persönlich kenne, die überhaupt keinen Kaffee trinken, lässt sich an einer Hand abzählen.

4. Es ist egal, womit ich meinen Geist füttere

Ist es auch nicht, sorry. Unser Körper braucht ungefähr zwei Stunden, um sich abends herunterzufahren und auf die Nachtruhe vorzubereiten, aber meistens gönnen wir ihm diese Ruhe nicht. Wir sehen fern, beschäftigen uns mit dem Computer, Handy oder Laptop (alles Geräte übrigens, die blaues Licht abstrahlen, was wach macht). Vielleicht sehen wir uns etwas Spannendes oder Aufwühlendes an, lesen oder arbeiten noch bis kurz vor dem Schlafengehen. Alles Dinge, die Stress bedeuten – für unseren Körper und unsere Psyche. Wenn wir in diesem aufgeregten Zustand ins Bett gehen, lässt der Schlaf natürlich auf sich warten, wir müssen uns zunächst ja wieder beruhigen. Ein Buch (kein Krimi) oder ein Abendspaziergang ist sicher besser geeignet zum Herunterkommen.

Monika Richrath, www.eft-fuer-hochsensible-menschen.de, Autorin von „Die Geheimnisse des gesunden Schlafs“

Hochsensible brauchen Entspannung

(Von Silvia Christine Strauch)

Auf eine hochsensible Person wirken eine Fülle von Reizen ein, die oftmals und leicht zu einer Überlastung führen können. Die Akkus eines Hochsensiblen sind oftmals schon erschöpft, wenn andere Personen erst zur Hochform auflaufen. Diese starke Sinneswahrnehmung führt schnell zu einer Reizüberflutung, vor allen Dingen wenn nicht rechtzeitig auf eine nötige Entspannung und Ruhe geachtet wird.

Strategien gegen Reizüberflutung

Ein Hochsensibler fühlt sich wesentlich schneller gestresst als andere Menschen. Sein Ruhebedürfnis ist größer und so ist ein ausgeprägt gutes Zeitmanagement notwendig, um Zeiten zur Entspannung wahrnehmen zu können. Entspannungstechniken gibt es viele und es liegt an Jedem selbst diese auszuprobieren, um festzustellen, welche ihm am liebsten ist, mit welcher Technik er am ehesten zurecht kommt.

Langfristig ist sicherlich die Mantrameditation die wirkungsvollste Strategie, die allerdings oftmals, gerade von den Menschen, die sie am nötigsten haben, abgelehnt wird. Der Grund dafür liegt paradoxerweise in der relativ schnell eintretenden Entspannung, die für den gestressten Hochsensiblen derartig ungewohnt ist, dass sie wiederum Stress auslöst. Auch der klassische burn-out Patient tut sich schwer diese Ruhe und Gelassenheit zu ertragen. Entweder man hält durch und lernt dies mit Gelassenheit zu nehmen oder man fängt mit Entspannungsübungen an, die nicht derartig wirkungsvoll sind.

Atemtechnik

Am Anfang reicht es aus, wenn sie zum Beispiel bei einem Spaziergang einfach einmal auf ihre Atmung achten. Achten sie bewusst auf ihre Atmung und versuchen sie an nichts anderes zu denken. Fühlen sie, wie die Luft in ihre Lungen strömt, wie sich ihr Brustraum ausdehnt und wie sie wieder ausatmen. Atmen sie durch die Nase ein, damit die Luft durch die Nasenschleimhäute angewärmt und befeuchtet wird und atmen sie durch den Mund wieder aus. Versuchen sie doppelt so viel Zeit für das Ausatmen, wie für das Einatmen zu brauchen. Dann können sie versuchen das Atmen zu intensivieren, tiefer einzuatmen, dabei senkt sich das Zwerchfell und die Lungen können sich nach unten weiten. Wenn sie etwas Übung darin haben, können sie sich auf einen Stuhl oder einen Sessel setzen, mit aufrechter Wirbelsäule, und dies für einige Minuten bis hin zu einer Viertelstunde ausüben. Dabei darf dieses Atmen nie anstrengend werden, sondern es sollte sich, trotz tiefer Atmung, locker und leicht anfühlen.

Beam

Der Beam ist eine einfache aber wirkungsvolle Technik, die immer und überall ausgeübt werden kann. Man visualisiert dabei ein Schutzschild aus weißem Licht, das von oben kommt, um einen herum fließt und dann in den Boden geleitet wird. Durch diese Visualisierung werden Eindrücke von außen nicht mehr im Übermaß angenommen, sie verringern sich und der Beam sorgt für eine sofortige Reizminderung.

Hatha-Yoga-Asanas

Obwohl sich Hatha Yoga durchaus an den ganzen Menschen wendet, sind seine Hauptpraktiken dennoch die Asanas, Yogastellungen, also körperliche Übungen. Besonders geeignet sicherlich für die hochsensiblen Menschen, die sich zuerst einmal mit einer Mantrameditation schwer tun. Bei diesen Körperübungen kommt es auf die korrekte Ausübung an, dann stärken sie die Selbstheilungskräfte des Menschen. Je nach Alter, Gesundheit und Lebenssituation werden diese Übungen ausgesucht, am besten von einem professionellen Yogalehrer, der auch die korrekte Ausübung überprüfen kann. Dann können diese Asanas regelmäßig auch alleine zuhause ausgeübt werden und bieten eine ausgezeichnete Möglichkeit Ruhe und Klarheit zu finden.

Achtsamkeitstraining

Beim Achtsamkeitstraining lässt man sich, ohne zu werten, ohne nachzudenken, auf den Moment ein und blendet alles andere aus. Jederzeit zu üben, zu praktizieren, erfordert es dennoch eine Menge Übung und Erfahrung, um sozusagen umschalten zu können. Indem wir achtsam mit unseren Gedanken und Gefühlen umgehen, auch mit denen anderer Menschen, erreichen wir eine größere Gelassenheit. Achtsamkeitstraining bringt uns dazu Dinge und Situationen möglichst wertfrei zu betrachten, ohne uns davon betroffen machen zu lassen.

Mantrameditation

Unterschiedliche Meditationstechniken lassen sich durchaus durch die Veränderung der Gehirnströme im EEG nachweisen. Beim Schließen der Augen und Anwendung eines Mantras werden zuerst die Alphawellen verstärkt und harmonisiert, die Konzentrations- und Merkfähigkeit verstärkt und es kommt zu einem verbesserten Körper/Geist Gefühl. Befinden wir uns durch die Wirkung der Meditation in einem tief entspannten Bewusstseinszustand, der mit gesteigerter Kreativität einhergeht, so befinden wir uns in einem Theta-Zustand, es sind im EEG verstärkt Thetawellen nachzuweisen.

Ein Mantra ist eine Wort-Silbenkombination mit einer starken Klangenergie. Es wird rezitiert, also wiederholt und bringt den unsteten Geist zur Ruhe. Das wohl bekannteste Mantra ist das klassische „OM“. Sprechen sie dieses OM beim ein- und ausatmen leise und ohne Anstrengung vor sich hin. Dann wiederholen sie das Mantra nur noch im Geiste und lassen es dabei immer leiser werden. Sollten dabei Gedanken oder Gefühle auftreten, so lassen sie diese einfach vorbeiziehen, so wie Wolken am Himmel. Obwohl sich dies so leicht anhört, gehört in der Praxis ein gehöriges Maß Übung dazu, die Gedanken ziehen zu lassen und das Mantra immer feiner und unauffälliger zu denken. Mit etwas Übung bewirkt diese Mantrameditation tiefe Entspannung und Ausgeglichenheit, sie reduziert Stress und stärkt auf der anderen Seite das Immunsystem. Sie wirkt aktivierend auf die Lebensenergie und beseitigt Energieblockaden.

Nimm dir Zeit für die Dinge, die dich glücklich machen

Silvia Christine Strauch, Buchautorin von „Meine Hochsensibilität positiv gelebt“

3 Arten von Stress, die die Berufung für Hochsensible blockieren können

(Von Uma Ulrike Reichelt)

Kennst du das, dass dir der berühmte „rote Faden“ fehlt, wenn es um deinen Berufungsweg geht, dich negative Überzeugungen und emotionale Belastungen ausbremsen dein Ding zu machen oder du dich einfach schnell in der Überreizung und ohne Energie wieder findest? Die eigene Berufung zu erkennen, ihr nachzugehen und sie auszuleben scheint dann weit weg. Wir sind dann mehr mit der Bewältigung unseres Stress-Pegels beschäftigt, als dass wir uns an unseren Talenten und Fähigkeiten erfreuen könnten.

Genau so ging es mir. Nach meinem stressbedingten Zusammenbruch war ich jahrelang weit entfernt davon, „normal“ arbeiten zu können oder meine Berufung leben zu können. Ich war Vollzeit mit dem Abbau meines hohen Stresslevels beschäftigt. Anscheinend war aber genau das meine Berufung, denn jetzt helfe ich anderen Menschen dabei, dies für sich zu tun.

Welchen Einfluss Stress auf das Finden und Ausleben deiner Berufung haben kann, das erfährst du hier in den folgenden 3 Punkten.

1. STRESS-ART: Dein „Denkhirn“ ist übersteuert

Wenn dir der „rote Faden“ fehlt und du nicht mehr weißt, was du beruflich genau willst, dich verzettelst mit unwichtigen Dingen oder Erledigungen und Entscheidungen vor dir her schiebst, dann befindest du dich höchst wahrscheinlich im sogenannten Stressmodus. In diesem Zustand ist dein Nervensystem auf „Alarm“ geschaltet und dein „Denkhirn“ nicht mehr in der Lage, klar zu sehen, was für dich beruflich ansteht und vorausschauende Entscheidungen zu treffen. Du hast dann viele Kreisgedanken, die dich nicht mehr zur Ruhe kommen lassen und dir eventuell sogar den Schlaf rauben. Außerdem können kleinere Dinge, die auf dem beruflichen Weg auftauchen plötzlich wie eine riesige Hürde erscheinen, vor der wir dann wie „das Kaninchen vor der Schlange“ stehen und gar nichts mehr tun. „Aufschieberitis“, Konzentrationsprobleme und Ablenkung mit unwichtigen Dingen gehören zu den Folgen von automatischen Stressreaktionen, z.B. der Flucht- und Erstarrungsreaktion. Diese Reaktionen sind weder frei wählbar noch ein Mangel an Disziplin oder anderen Fähigkeiten. Ungünstigerweise fühlen wir uns aufgrund dieser Stressreaktionen oft persönlich schuldig oder unfähig und stellen uns und unsere Berufung in Frage, was aber nur eine negative Verstärkung der Situation bewirkt und noch mehr Stress erzeugt.

Erkenne, dass Stressreaktionen kein persönliches Versagen sind!

Lösung: Beruhige deinen Geist
Um klar erkennen zu können, was dein nächster Schritt sein soll und was du wirklich willst, brauchst du einen entspannten offenen Geist. Das ist auch der Schlüssel für Einsichten und Inspirationen und das Wahrnehmen deiner inneren Stimme oder Intuition. Dein Berufungsweg wird dir so viel klarer sein. Dein Geist wird sich automatisch beruhigen, wenn du aus dem „Alarmzustand“ herauskommst, indem du Ruhe-Inseln in deinen Tag einbaust und gezielten Stressabbau lernst und ihn wie das Zähneputzen in deinen Alltag integrierst. So blickst du viel schneller wieder durch und lässt Stagnation hinter dir.

2. STRESS-ART: Deine Gefühlszentrale ist im Alarmzustand

Wenn du dich von Reizen, Eindrücken und Empfindungen überrollt fühlst und nur noch weg willst, dann befindet sich dein ganzer Körper im Alarmzustand. Viele hochsensible Menschen haben mehr mit den Stressreaktionen ihres Körpers und ihrer Psyche zu tun als ihnen lieb ist. Emotionale Belastungen werden sehr stark wahrgenommen und hemmen einen unbeschwerten Selbstausdruck. Dadurch werden das Leben der eigenen Berufung und die positiven Seiten der Empfindsamkeit überschattet. Oft wiegt das Gefühl der Belastung und der Zweifel am eigenen Wert dann höher als die Vorteile von Sensibilität. „Berufung“ ist ist dann nur ein schönes Wort.

 Erkenne, dass Stressreaktionen aufgrund emotionaler Belastungen lösbar sind!

Lösung: Heile emotionale Belastungen
Hast du emotionale Verletzungen, die immer wieder hochkommen und das Finden und Leben deiner Berufung belasten? Das Heilen deiner Vergangenheit befreit dich von negativen Überzeugungen und Hemmungen, dein Ding zu machen. Es sorgt dafür, dass du immer mehr in dir ruhst und dein Herz für dich selbst und deinen Berufungsweg öffnest. Das Erkennen und Spüren deines eigenen Wertes – das, was dich ausmacht – ist ganz wesentlich, damit du auf deine Art und selbstbewusst deinen Weg gehen kannst.

3. STRESS-ART: Dein Körper spielt nicht mit

Spielt dein Körper Energie mässig nicht mit oder macht was er will? Stress verbraucht viel Energie. Wenn Hochsensible sich im Alltag von Reizen und den vielen emotionalen Reaktionen und Befindlichkeiten überfordert fühlen, dann wird dabei sehr viel Energie verbraucht. Wir fühlen uns einfach nur „geschlaucht“. In diesem Zustand ist dann wenig Kraft für Neues da und die Berufung zu erkennen und zu leben ist einfach nur eine weitere anstrengende Angelegenheit.

Du brauchst Energie und Standfestigkeit, um das zu tun, was du willst.

Lösung: Tank dich auf und fröne der Selbstpflege
Hochsensible brauchen eine starke Basis, das heißt möglichst viel Stabilität und Balance, um genügend Kraft zu haben mit ihrer Sensibilität ihren Weg zu gehen und ihre Berufung zu leben. Stressabbau, ein erholsamer Schlaf und Selbstliebe sind wesentliche Faktoren dabei, um immer wieder in die Balance zu kommen und Energie aufzutanken. Dadurch kannst du einen klaren Kopf behalten in der Fülle der Eindrücke und Gefühle und weißt auch, wo deine Grenzen sind.

Wie oft findest du dich in Situationen wieder, die eigentlich „zu viel“ sind oder forderst du Höchstleistungen von dir? 80 Prozent zu geben – die wahrscheinlich 100 Prozent entsprechen – oder „nein“ zu sagen an der passenden Stelle können sehr positive Wirkungen haben auf den Kräftehaushalt.

ZUSAMMENFASSUNG: Wir sind den Auswirkungen von Stress nicht ausgeliefert
Stress raubt viel Kraft, kostet dich Nerven und verwirrt den Geist.
Neben Genuss, Muße und Entspannung ist es sehr wichtig, die Ursachen hinter dem Stress aufzulösen. Gezielte „Stress-Wurzelbehandlungen“ helfen dir dabei, den „Alarm“ im emotionalen Teil deines Gehirns wieder auszuschalten und dadurch „herunter zu kommen“ und Kraft aufzutanken – zu dir zu kommen. Zur Entspannung kannst du Atemtechniken, z.B. die Wechselatmung aus dem Yoga benutzen und zur Stressauflösung effektive Methoden, wie EFT (Klopfakupressur) und TRE® erlernen und anwenden. So kannst du deinen Stress-Pegel selber steuern und deine Lebensqualität deutlich positiv beeinflussen. So bist du Stressreaktionen nicht länger ausgeliefert.

Durch Stressabbau stärkst du dein emotionales und körperliches Immunsystem. Deine Selbstliebe und dein Selbstbewusstsein bekommen Rückenwind – jedes Mal, wenn du dir etwas Gutes tust, dich entspannst oder deine Gaben förderst.

Uma Ulrike Reichelt, www.uma-u-reichelt.com, Autorin von „Schnell & sicher ins Burnout“

Hochsensibilität: 6 Tipps für ein besseres Selbstwertgefühl

(Von Sandra Tissot)

Elaine N. Aron beschreibt in Ihrem Buch “Sind Sie hochsensibel?“ ihre Erkenntnis, dass viele Hochsensible das Gefühl haben mit einem Makel behaftet zu sein. Sie geht davon aus, dass für Hochsensible der Vergleich mit anderen Menschen zu einem schlechten Selbstwertgefühl führt. Besonders dann, wenn dabei nur die Nachteile, wie eine erniedrigte Reizschwelle, der hochsensiblen Persönlichkeit berücksichtigt werden. Dabei vergessen Hochsensible gern, dass Sie häufig eine große Kreativität, Leidenschaft, Erkenntnis und Anteilnahme besitzen und es sich dabei um Qualitäten handelt, die gesellschaftlich durchaus geschätzt sind. (vgl. „Sind Sie hochsensibel? Wie Sie Ihre Empfindsamkeit erkennen, verstehen und nutzen” Elaine Aron (München 2011)

Tipp 1: Falsche Vergleiche stoppen!

So schwer es vielleicht am Anfang fallen mag, falsche Vergleiche mit anderen Menschen sind eine Hauptursache für ein schlechtes Selbstwertgefühl und sollten unbedingt gestoppt werden. Hochsensible leisten genauso viel, nur vielleicht in einer anderen Verteilung und in anderen Bereichen. Hochsensible neigen allerdings dazu die eigenen Fehler und Schwächen wie durch eine Lupe zu sehen und sie damit für sich selbst größer zu machen, als sie eigentlich sind.

Tipp 2: Grübelfallen erkennen!

Hochsensible, die oft ins Grübeln verfallen, finden sich häufig in einem Gedankenkarussell wieder, aus dem sie sich manchmal erst nach Tagen befreien können. Das eigene Selbstwertgefühl sinkt dann oft weit in den Keller. Selten stellen sie sich dabei die Frage, ob es wirklich die Menschen in der Außenwelt sind, die ihr Tun negativ wahrnehmen oder sie am Ende nur selbst ihr größter Kritiker sind. Um dieses Gedankenkarussell zu durchbrechen, hilft es Hochsensiblen, ihre Aufmerksamkeit bewusst umzulenken. Das können Aktivitäten sein, die neutrale oder positive Gefühle hervorrufen oder sie auf vollkommen andere Gedanken bringen. Die umgelenkte Aufmerksamkeit hilft Hochsensiblen allerdings nicht immer, oder aber nur kurzfristig. Hier hilft dann nur Tipp 3.

Tipp 3: Achtsamkeit leben!

Dauerhaft gegen ein negatives Gedankenkarussell von Hochsensiblen helfen Achtsamkeitsübungen. Eine Achtsamkeitsübung kann zum Beispiel sein, sich bewusst an einen schönen Ort zu setzen, die Augen zu schließen und sich den Gedankenstrom als Fluss vorzustellen. Die Gedanken kommen, fallen auf Blätter, die im Fluss schwimmen und fließen an Dir vorbei. Yoga oder Meditation können diesen Prozess dauerhaft positiv untermauern. Das eigene Selbstwertgefühl wird von innen heraus gefestigt.

Tipp 4: Gnädiger zu sich selbst sein!

Hochsensible neigen manchmal zum Perfektionismus. Der Perfektionist definiert sich zu sehr über seine eigene Leistung und fühlt sich ständig unter Druck, etwas Tadelloses abliefern zu müssen. Ein Teufelskreis, denn: Der Perfektionist setzt sich selbst so stark unter Stress, dass dieser ihn tatsächlich psychisch oder physisch krank machen kann. An dieser Stelle ein wunderbarer Ausspruch von Salvador Dali: „Hab keine Angst vor der Perfektion, du wirst sie nie erreichen.“ Hochsensible können eine nach außen offene hochsensible Gewissenhaftigkeit leben, mit der sie ihren Alltag effektiv, verantwortungsbewusst und zielstrebig gestalten – ein echter Booster für das eigene Selbstwertgefühl.

Tipp 5: Eigenverantwortung übernehmen!

Besonders im Arbeitsalltag höhlen Fremdbestimmung und gefühlte Sinnlosigkeit des eigenen Tuns Hochsensible schnell aus. Sie können sich dann leer und bereits von Kleinigkeiten überfordert fühlen. So streng es auch klingt, aus dieser Misere können sie sich nur befreien, wenn Sie Eigenverantwortung für ihr Leben übernehmen. Jeder ist selbst hauptverantwortlich für sein Leben und entscheidet,  was passiert. Nicht die Gesellschaft, nicht die Eltern, nicht der Partner, nicht der Chef … Wenn Hochsensible ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand nehmen, hat diese dauerhaft positive Auswirkung auf das eigene Selbstwertgefühl.

Tipp 6: Entspannung einplanen!

Hochsensible sollten sich nicht für eine unbestimmte Zeit vornehmen zu relaxen, sondern echte Entspannung bewusst in den Tagesablauf integrieren. Ähnlich wie Geschäftstermine eingetragen, kann auch „Relax-Zeit“ geplant werden. Echte Entspannung bringt Hochsensiblen mehr Gelassenheit im Alltag. Durch regelmäßiges Relaxen lösen sich Denkblockaden auf und schaffen Raum für Neues. Hochsensible bekommen wieder einen klaren Blick und werden sich ihrer besonderen Fähigkeiten bewusst. Das trägt zu einer Steigerung des Selbstwertgefühls bei. Der Zeitpunkt ist nie perfekt, es gibt immer etwas zu tun nicht morgen, sondern schon heute ist Zeit für echte Entspannung …

Sandra Tissot, sandra-tissot.com, Autorin „Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit“

Ressourcenstärkung für hochsensible Personen (HSP)

(Von Alexandra Thoese)

Die Natur als Kraftquelle

In der Natur laden sich deine Batterien wieder auf und ein tiefes Gefühl von Zufriedenheit kann in dir entstehen. Nutze sie, wann immer du die Möglichkeit dazu hast. Vielleicht hast du einen Garten oder Wald in deiner Nähe. Für viele Menschen ist es eine Wohltat im Garten zu wirken. In der Verbindung mit der Erde und der Tätigkeit mit den Händen, kommst du automatisch in eine nährende Verbindung mit der Natur. Wenn du selbst Obst und Gemüse anbaust, verbindest du dich ganz natürlich mit den Jahreszeiten.

Der Wald mit seiner natürlichen Kraft, gibt dir gerne etwas davon ab. Möglicherweise findest du einen Lieblingsbaum, zu dessen Wurzeln du dich setzen kannst. Ich selbst habe einen solchen Kraftort ganz in der Nähe. Dieser Baum ist so gewachsen, dass ich mich in ihn hineinsetzen kann. Wenn ich seine Kraft spüren möchte, verweile ich eine Weile bei ihm. Wem es gefällt, kann den Baumstamm umarmen und sich noch tiefer mit der Kraft der Natur verbinden.

In Japan zählt das Waldbaden zur ganzheitlichen Gesundheitsvorsorge. Nimm dir Zeit, die Natur auf dich wirken zu lassen, nicht zu denken und die Ruhe zu genießen. Ein Segen in Zeiten der ständigen Erreichbarkeit, dem Stress und der Eile. Das Waldbaden, kannst du in Seminaren erfahren.

Nahrung als Kraftspender

Erdung ist für hochsensible Menschen ein wichtiges Thema. Über die Nahrung können wir wieder leichter in unsere Mitte finden. Besonders Gemüse welches in der Erde wächst, verhilft dir zu einer stärkeren Zentrierung. Dabei ist es wichtig für dich, dass du erforscht, welche Lebensmittel dir gut tun. Finde selbst deinen Weg und dein Tempo. Und nimm dir unbedingt Zeit fürs Essen. Das klappt vielleicht nicht immer und dann ist es auch mal ein Sandwich unterwegs, doch wenn du zwischendurch immer mal wieder achtsame Essens-Pausen in deinen Alltag einbaust, dann wird es dir dein ganzes System danken.

Viele Eltern sind besorgt, dass ihre Kinder kaum Obst und Gemüse essen. Sei beruhigt, denn die Geschmackssinne des Menschen ändern sich stetig und dein Kind wird nach und nach mehr Nahrungsmittel ausprobieren. Bleib am Ball und biete deinem Kind immer mal wieder etwas an. Aus püriertem Gemüse, kann man wunderbaren Soßen für Pasta machen und Smoothies sind bei Kindern häufig sehr beliebt.

Hochsensible Kinder sind eher wählerisch mit dem Essen. Manc