Der Angriff auf unsere Lebensqualität

(Von Fernando Christian)

Die Lebensqualität sinkt von Jahr zu Jahr – wie lange kann es so noch weiter gehen?

Ueli, ein Mitvierziger ist recht verzweifelt. Hat einen verantwortungsvollen Job. Eigenheim. Familie. Kinder in der Pubertät. Seine Arbeitstage werden von Jahr zu Jahr länger. Vor sieben Uhr ist er nicht zuhause. Oft fehlt er auch am Samstag, an dem er eigentlich frei hätte.  Seine Partnerin beklagt sich immer lauter, dass ihr Zusammenleben eher einer WG als einer Familie ähnelt. Von “Familie” ist schon länger nichts mehr spürbar. Jeder geht seine Wege. Gemeinsame Momente gab es schon lange nicht mehr. Die Ansprüche an Ueli steigen, am Arbeitsplatz und in der Familie.

Und über allem schwebt die Angst, dem allem nicht mehr gerecht zu werden.

Ueli wacht am Morgen auf, mit dem Klingeln des Weckers. Murrend, unausgeruht. Er hätte noch länger schlafen können. Wieder ein mühsamer Tag, an dem er sich zur Arbeit schleppt, sein Ding macht und ziemlich unbefriedigt nach Hause kommt. An der Arbeit wird er immer mehr zum Roboter. Vorgaben, Erwartungen, hohe Standards, immer mal wieder Entlassungen, viele Ausfälle und die Arbeit muss einfach gemacht werden. Er ist getrieben von den eigenen und den fremden Erwartungen. Total fremdbestimmt, vom Morgen bis zum Abend. Ist nur noch eine Frage der Zeit, bis er heiss läuft, total abschaltet und einfach nicht mehr kann.

Solche Situationen treffe ich als Coach immer häufiger an. Die Spirale dreht sich, zieht sich immer mehr in einer Schlinge zu. Und es wird so auch schwer, etwas grundlegendes zu bewegen. Wer sich in seinem Leben nur von Pflichten leiten lässt, ist ein Sklave. Von denen gibt es viele. Sie gehen Tag für Tag auf die Galeere, verrichten ihre Arbeit zu einem fremden Takt.

Der soeben beschriebene Lebensstil ist heutzutage sehr verbreitet. Fast kein Paar, welches nicht in dieses Lied einstimmen kann. Ist das Leben so lebenswert? Wer hat nicht etwas anderes erwartet und ist nun am Resignieren? Hintergrund dieses Leidens ist meistens der Stress. Wenn wir hier Abhilfe schaffen wollen, so müssen wir verstehen, wie er entsteht.

Stress hat man nicht einfach so. Stress entsteht durch die Art, wie du auf Dinge reagierst.

Stress ist eine Reaktion darauf, dass du dich gerade in Lebensumständen befindest, die du nicht so easy meistern kannst. Oft geht er einher mit einem Gefühl von Überforderung. Konkret heißt das: Du hast dir dein Leben so eingerichtet, das es für dich fast nicht mehr handelbar ist. Somit lässt sich feststellen: Stress machst du dir selber. Auch wenn er oft von aussen angetriggered ist, sei es die Familie oder die Arbeit. Meistens beides.

Heute weiss man, dass anhaltender Stress das Immunsystem schwächt, die Organe lädiert und den Menschen vorzeitig altern lässt. Oft geht er einher mit einer sehr einseitigen Ernährungsweise, die das ganze noch verstärkt. Das müsste so nicht sein.

Du hast es in der Hand, du alleine, wie du damit umgehst. Und ob du aus der Spirale herausfindest. Ein U-Turn ist angesagt – totale Umkehr der eingeschlagenen Richtung Hier geht es also darum, Strategien zu entwickeln, die dich von einem stressreichen zu einem stressarmen Lebensstil verhilft. Das geht nicht von einem Tag auf den anderen, sondern ist ein intensiver Prozess. Und er lohnt sich!

Nicht höher, schneller, weiter. Sondern langsamer, bewusster, menschlicher.

Wie komme ich auf so eine Idee? Ist ja total neben dem Mainstream. Ein abgefuckter Gedanke. Es heisst doch nicht, dass er zielführend ist, wenn eh die meisten Menschen diesen Weg gehen.

Wir haben uns in der heutigen Gesellschaft ein Prinzip zu eigen gemacht, das uns in Stress bringt – sowohl an der Arbeit wie auch im Privatleben. Das Prinzip heisst: alles hat Prio 1 – also Top Priorität und wo es nötig ist, hilft dann noch der “innere Schweinehund” nach, der uns zusätzlich antreibt. Es braucht soviel, damit der Mensch zufrieden ist. Dein Alltag ist womöglich voller Geräte und Systeme, “Gadgets”, die du hast, die du pflegst, die dir Zeit stehlen, wichtige Zeit für dein Wohlbefinden.

Wir können nicht mehr eine Sache nach der anderen erledigen, uns auf eine Sache konzentrieren. Wir lesen Mail beim Autofahren. Wir hören Nachrichten beim Haushalten. Wir telefonieren beim Kochen oder bei der Aufgabenhilfe für die Kinder. Wir senden Mails, verfassen ein Konzept und beantworten Kundenanfragen in der gleichen Minute. Alles ist gleich wichtig. Gleich dringend. Alles muss sofort erledigt werden. Wenn wir essen gehen, liegt das Handy neben uns und zügelt unsere Aufmerksamkeit weg, vom Miteinander in die Cyberworld. Bungee jumping all day long. Und nachts lernen wir im Schlaf noch Mandarin.

Macht ein Leben auf der Überholspur wirklich glücklich?

Es bleibt keine Energie, um etwas zu geniessen, um etwas sorgsam und solide zu machen, um der Tochter mit voller Aufmerksamkeit zuzuhören, was sie gerade beschäftigt. Wir verhalten uns immer mehr wie Roboter. Funktionieren ist angesagt. Einfach funktionieren.

Eines Tages wirst du aufwachen und keine Zeit mehr haben für die Dinge, die du immer wolltest. Tu sie “jetzt”!

Es ist gar nicht so einfach, dieser Haltung “alles oder nichts” sinnvoll zu begegnen. Nicht “immer mehr” ist angesagt, sondern immer weniger; aber dies zu schätzen, geniessen, bis zum letzten Tropfen auszukosten. Das macht uns frei!

Wie du siehst, ist es absolut hilfreich, dir dein Leben so einzurichten, dass es dich erfüllt. Und der erste Schritt ist oft, darüber intensiv nachzudenken und herauszufinden, was du weglässt, von was du dich bewusst trennst. Ballast abwerfen macht dich frei für neue, total neue Erfahrungen. Dann beginnt das Leben wieder Freude zu entwickeln, dein inneres Feuer braucht Raum, damit es brennen kann.

Das meiste funktioniert wieder, wenn man es kurz abschaltet. Du auch!

Fernando S. Christian, Coach und LifeDesigner
www.lifedesign.studio
LifeDesign-Youtube-Kanal

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