Die 3 Pros der Arbeitszeitreduzierung, und was sie dir bringt

(Von Nicole Lindner)

Du bist sensibel und steckst in einem Job, der dir nicht behagt? Du fühlst dich überfordert von der Vielzahl an Anforderungen, welche täglich an dich herangetragen werden? Du sehnst dich nach einem Leben, das Beruf und Freizeit in Einklang bringt und dir darüber hinaus noch Freiheit zur persönlichen Entwicklung verschafft? Dann könnte eine Arbeitszeitreduzierung etwas für dich sein. In diesem Artikel erfährst du, warum du sie in Betracht ziehen solltest und was sie dir bringt.

Weniger Arbeiten – nur etwas für Faule?

Wenn du diesen Artikel liest und eine Arbeitszeitreduzierung ernsthaft in Erwägung ziehst, muss ich dich gleich schon einmal vorwarnen:

Diese Absicht wird in deinem Umfeld nicht unbedingt auf Gegenliebe stoßen.

Das geschieht aus dem ganz einfachen Grund, weil eine Arbeitszeitreduzierung derzeit noch etwas ist, was nicht viele Menschen umsetzen, schon gar nicht, wenn sie unter vierzig sind und keinen offensichtlichen „Grund“ (z.B. gesundheitliche Probleme, Pflegefall in der Familie, Kindererziehung usw.) dafür vorweisen können.


Nicole Lindner
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Auch finanzielle Gründe sprechen dagegen: Weniger Arbeit bedeutet schlicht weniger Geld – diesen Einschnitt können viele Arbeitnehmer einfach nicht machen, weil sie auf das monatliche Einkommen angewiesen sind.
Unabhängig davon gibt es aber immer mehr (übrigens durchaus schon jüngere!) Personen, die aus Überzeugung weniger arbeiten und den finanziellen Einschnitt beispielsweise durch eine Reduzierung ihrer Fixkosten kompensieren. Auch immer mehr Firmen sind offen für diesen Weg, Microsoft Japan beispielweise testete erst vor kurzem die 4 Tage Woche – und fand heraus, dass die Produktivität um 40 Prozent (!) anstieg und die Arbeitnehmer insgesamt glücklicher waren (Quelle: https://t3n.de/news/4-tage-woche-40-prozentiges-1216026/).
Solltest du ein zartbesaiteter Mensch sein, der dies ebenfalls in Betracht zieht, lasse dich von mir ermutigen, diesen Schritt zu gehen – er birgt einige nicht zu unterschätzende Vorteile:

1. Du hast weniger Stress

Aufgrund ihres sensibleren Nervensystems sind empfindsame Menschen anfälliger gegen Stress, d.h. sie müssen insgesamt mehr Eindrücke aufnehmen und verarbeiten. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass es gerade für sie noch wichtiger ist, eine geregelte Balance zwischen arbeitsreichen Phasen und Entspannung zu pflegen.
Wenn du weniger arbeitest, hast du weniger Stress, weil du weniger beruflichem Input ausgesetzt bist und anstrengende Arbeitsspitzen besser ausgleichen kannst. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass du einen Teil deiner Arbeit an andere abgeben kannst, alles andere würde dein empfindsames Stresssystem höchstwahrscheinlich Ping Pong spielen lassen.
Gehen wir also davon aus, dass diese Bedingungen erfüllt sind, d.h. du entschließt dich, deine regulären 40 Stunden (= Arbeitszeit von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr) auf 35 Stunden zu vermindern und dein Arbeitgeber spielt mit. Wenn es gut läuft, könntest du dann täglich bereits um 14.30 Uhr die Segel streichen – vorausgesetzt, du startest bereits um 7 Uhr und hältst die gesetzlich vorgeschriebene Pausenzeit von 30 Minuten ein. Oder aber du gehst am Mittwoch um zwölf Uhr. Darüber hinaus kannst du natürlich auch einen Tag in der Woche komplett freimachen und arbeitest dafür an den anderen Tagen mehr.
Optionen gibt es viele, was jedoch immer ausschlaggebend ist:

Deine finanziellen Verhältnisse, deine persönliche Leistungskurve UND die Belange des Betriebes.

Sofern dein Arbeitgeber und du hier ein Übereinkommen findet, das allen Bedürfnisse gerecht wird, habt ihr viel gewonnen: Du im Hinblick auf eine bessere Work-Life-Balance und dein Arbeitgeber im Hinblick auf ein deutlich effektiveres Arbeiten (siehe Musterbeispiel Microsoft).

2. Du hast mehr Zeit für dich

Du als sensibler Mensch brauchst immer wieder Phasen des Rückzuges um Kraft zu tanken, das geht den meisten in sich Gekehrten so. Eine Arbeitszeitreduzierung ermöglicht dir genau das, sofern du dir die zusätzlich gewonnene Zeit nicht mit (möglicherweise unliebsamen) privaten Verpflichtungen zuknallst.
Nutze diese wertvolle Zeit für diejenigen Dinge, welche du liebst und die du sonst vernachlässigst. Gehe ohne schlechtes Gewissen an einem Montag ins Schwimmbad, verschlinge ein gutes Buch oder besuche einen Malkurs. Alles, was dir Spaß macht, ist richtig. Merke dir: Diese Zeit ist eine nicht zu verachtende Qualitätszeit, die du für ganz speziell für dich schaffst und zwar, weil du es dir wert bist. Lebe also bitte nicht nur, um fleißig zu tun und zu schaffen, stattdessen sei dazwischen auch immer mal wieder – das ist mindestens genauso wichtig, um auf Dauer kraftvoll im Arbeitsleben zu bestehen!

3. Du hast Zeit mehr für andere

Du hast deine beste Freundin schon ewig nicht mehr gesehen, den Hund ausgiebig geschmust oder die ehemalige Nachbarin im Altenheim besucht? Zu viele andere Verpflichtungen und Termine? Außerdem hattest du zu viel Stress im Büro und musstest dich am – sowieso schon vollgeladenen – Wochenende erholen?
Tipp: Wenn du deine Arbeitszeit reduzierst, kannst du all diese Dinge unter der Woche machen. Ohne Probleme und „einfach mal so“.
Was nicht zu unterschätzen ist: Beziehungspflege und bereichernde soziale Kontakte sind ganz wunderbare Kraftspender nicht nur für Feinfühlige. Viel zu oft gehen beispielsweise richtig gute Freundschaften auseinander, weil keine Zeit mehr da ist, um regelmäßig zu telefonieren oder sich zu sehen. Naheliegender Grund: Die Verpflichtungen des Alltags (Arbeit, Familie, pflegebedürftige Eltern usw.) erscheinen wichtiger.
So vergeht Jahr um Jahr, bis man eines Tages feststellt, dass man eine eigentlich wichtige Person auf seinem Lebensweg verloren hat. Ein unwiederbringlicher Verlust, der möglicherweise verhindert werden könnte – zum Beispiel mit einer Arbeitszeitreduzierung.

Fazit:

Eine Arbeitszeitreduzierung kann besonders für feinfühlige Menschen eine wunderbare Möglichkeit sein, einen geregelten Ausgleich zwischen Arbeit und Entspannungsphasen zu schaffen. Sie ermöglicht mehr Raum für das Alleinsein, das Pflegen von persönlichen Interessen oder den Kontakt mit geliebten Menschen.
Trotzdem gilt es gut zu prüfen, ob dies eine Möglichkeit für jeden ist: Die finanziellen Einschnitte (z.B. geringeres Einkommen, geringere Renteneinzahlungen usw.) und Folgen (z.B. negative Reaktionen im Umfeld) sind nicht zu unterschätzen. Auch gilt es, eine passende Einigung mit dem Arbeitgeber zu finden und sich auf keinen Fall darauf einzulassen, die gleiche Arbeit in weniger Zeit zu verrichten.
Ist dies alles aber mit gutem Gewissen und problemlos umsetzbar, lasse mich dir eine letzte, ganz banale, Frage stellen:

Worauf wartest du?

Alles Gute,
deine Nicole


Nicole Lindner, www.meinweg-deinweg.dewww.facebook.com/meinwegdeinweg/
Autorin von „Feinfühligkeit trifft auf Berufsleben“

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