Ich mach die Jobwelt, wie sie mir gefällt!

(Von Caren Klaschka)

Dieser Slogan ist heutzutage Programm und bringt oftmals Erfüllung, oftmals aber auch Druck. Denn heutzutage sehen sich alle Menschen großen Herausforderungen und immer mehr auch Überforderungen im hoch getakteten Berufsleben gegenüber, die sie nicht zu verändern wissen. Hochsensible mit ihrer feinen Wahrnehmung spüren diese umso mehr. Ja, es gibt Möglichkeiten sich im Berufsalltag neu auszurichten für mehr persönliches Wohl und Leistung, aber nicht alle Empfehlungen sind derart spielerisch umzusetzen, wie es klingt. Was geht und was nicht geht, ist sehr individuell und wir schauen uns einmal paar wesentliche Komponenten dazu an.

Es ist nicht der Job, der erschöpft, es sind die Bedingungen

Zum größten Teil liegen die Schmerzgrenzen nicht bei der angestrebten Aufgabe an sich oder dem Berufsbild selbst, das man einst bewusst gewählt hat bzw. freudig  angenommen hat. Meist finden sich die Ursachen eher bei den zunehmend erschwerten Arbeitsbedingungen. Moderne Konzepte und globale Vernetzung haben zu diversen Umstrukturierungen gesorgt. Seien es der eigene Arbeitsplatz im Open Space Office, der Druck des Konkurrenzkampfes, die verlangte Schnelligkeit und damit einhergehende Oberflächlichkeit, der Verstoß gegen die Wertecharta, willkürlich neu besetzte Stellen, ständig wechselnde Vorgesetzte oder die Beliebigkeit der eigenen Person. Die Beispiele dieser Art kommen aus allen Abteilungen wie Branchen.

Gerade hochsensiblen Menschen wird nahe gelegt, die Bedingungen am Arbeitsplatz möglichst ihren Bedürfnissen nach passend einzurichten, damit sich mehr Wohl und damit auch mehr Leistung einstellen mag. Auch wird der Vorteil der Selbständigkeit aufgerufen, damit in achtsamer Eigenregie die Gaben, Person und Beruf besser zum Ausdruck kommen können. Diese Empfehlungen sind sehr hilfreich und inspirierend. Nur was tun, wenn sie sich nicht umsetzen lassen, wie empfohlen?

Die Selbstverantwortlichkeit beginnt bei der Selbstkenntnis

  • Wer keine ruhige Nische im Open Space Office zugesprochen bekommt, ist frustriert.
  • Wer sie zugesprochen bekommt, aber zynische Bemerkungen der Kollegen erfährt, leidet.
  • Wer seine Pausen nicht selbst gestalten darf, gibt auf lange Sicht irgendwann auf.
  • Wer seine Pausen gestalten darf, aber Unverständnis des Teams erfährt, der lässt es sein.
  • Wer sich mit seiner Intuition hervor wagt, aber nicht ernst genommen wird, der hält sie zurück.
  • Wer einen hohen Anspruch an seinen eigenen Arbeitsbeitrag hegt, aber er nicht wertgeschätzt, sondern vielleicht sogar missbraucht wird, der fühlt sich fehl am Platz, selbst dann, wenn er dort seinen Gaben gemäß absolut passend platziert ist.

Viele gute Schritte können sich ins Gegenteil verkehren, wenn bestimmte Kriterien übersehen werden. Was es braucht, ist eine klare Selbstkenntnis und eine realistische Einschätzung der vorhandenen Lage. Mit Selbstkenntnis meine ich das Durchschauen der eigenen Muster, Gewohnheiten, Werte und Wünsche. Manches ist vollkommen berechtigt und passend, nur an falscher Stelle platziert oder zum falschen Moment geschehen. Manches ist nicht wirklich das eigene Wünschen und kann durchschaut werden, als eine übernommene Erwartung Anderer, die inzwischen für einen selbst in Wahrheit nicht mehr gilt. Manches macht man sich selbst vor durch missinterpretierte Situationen, fehlgerichtete Erwartungen an Andere, an sich selbst, durch das Vermischen von Werten oder Missachten von Gegebenheiten. Hier aufzuräumen und persönliche Klarheit wie Neuausrichtung zu gewinnen, ist ein freudvoller Segen.

Erfüllung eigener Kriterien

Mit der gewonnenen Klarheit lassen sich dann auch jene Stellschrauben für Veränderung aufdecken, die für den jeweiligen Hochsensiblen angemessen sind. Hier gibt es keine Allgemeingültigkeit, da jeder andere Persönlichkeitszüge, Wesensmerkmale und Prägungen mit sich bringt. Die Entscheidung am aktuellen Arbeitsplatz passende Schritte zu wagen, die in Art und Umfang individuell zu mehr Wohlsein, Motivation, Einsatz und Freude führen sind hier genauso möglich, wie die Entscheidung einen großen Schritt zu wagen und an einen neuen Platz oder in die Selbständigkeit zu gehen. Die Kriterien dafür sind höchst persönlich und entsprechend verschieden.

Was nun genau zu wem passt, lässt sich anhand einer Frageliste zur eigenen Beleuchtung und dem Zurechtrücken eigener Prioritäten feststellen. Hierbei werden meist Kriterien genannt wie das Bedürfnis nach Sinn und Richtung, nach Sicherheit, nach Einsatz der eigenen Talente, nach Selbstbestimmung oder nach Zugehörigkeit und Beitrag. Das nähere Hinschauen offenbart andere, eben neue Perspektiven. Manchmal wird deutlich, dass vieles am aktuellen Platz bereits vorhanden ist, aber an falscher Stelle versucht oder gesucht wurde oder auf unglückliche Art. Manchmal wird deutlich, dass die Zeit für einen Wechsel ansteht und die Richtung nun offenkundig ist.

Mit diesem Rüstzeug mag sich dann die eigene Jobwelt auch gestalten, wie es einem halt gefällt. Allen Hochsensiblen dabei viel Freude und Erfolg!

Alle sind anders, alle sind gleich, alle haben alles, nur manchmal wissen wir es nicht.

Caren Klaschka

www.loomia-institut.de

www.lichtiges.de

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