Wie Porzellan im Elefantengehege

(Von Sibylle Gugel)

Irgendwann neulich, kürzlich oder schon vor längerer Zeit ging mir etwas durch den Kopf. Das ist generell und meistens so – wenn auch nicht deshalb, weil sich zwischen meinen Ohren ein Hohlraum befindet, der mit sinnfreien Gedanken befüllt werden müsste. Zumindest hoffe ich nicht, dass es so ist…

Der Gedanke bezog sich auf mein persönliches Empfinden und war: Ich fühle mich wie Porzellan im Elefantengehege. Zunächst war ich gleichermaßen erheitert wie betrübt über diesen Satz, der seinen Ursprung ja durchaus in einem eher traurigen Gefühl hat. Den verdrehten Sinn des ursprünglichen Spruchs vom Elefanten im Porzellanladen muss ich wahrscheinlich an dieser Stelle nicht näher erläutern. Allerdings kamen mir, bei genauer hindenkender Betrachtung dieses Bildes – einer kleinen Tasse oder eines Tellerchens, aus dem bereits erwähnten, zerbrechlichen Material, inmitten von riesigen, schweren, und in dem Fall für das kostbare Gut bedrohlich wirkenden, Elefantenfüßen beziehungsweise -beinen – erhebliche Zweifel, ob es wirklich einem „mir/ich“ entspricht.

Denn: Elefanten sollen ja sehr sensible, intelligente Tiere sein, die über ein beeindruckendes Erinnerungsvermögen verfügen

Ich habe persönlich keine langjährige Erfahrung im Zusammenleben mit einem sogenannten Dickhäuter sammeln können, darum kann ich hier nur wissenschaftlich-zoologisch erforschte Fakten wiedergeben. Allerdings fühlte ich mich deshalb bereits an dieser Denk-Stelle dem Tier innerlich sehr viel näher als einem zerbrechlichen, kalten Gegenstand, den man noch nicht mal mit Wein befüllen kann…obwohl? Wie auch immer. Der Gedanke musste weiterbearbeitet werden. Soviel stand fest.

Es stimmt sicher, dass es nicht zu knapp Menschen gibt, die mittels ihrer Ignoranz, ihrer mangelhaften bis völlig fehlenden Empathie und ihres Egoismus‘, der heutzutage schon als „normal“ beziehungsweise „salonfähig“ gilt, leider viel zu häufig auf meinen sensiblen Nerven und meinem sensitiven Wesen herumtrampeln. Aber die kann man aus den oben erwähnten Gründen schwerlich mit Elefanten vergleichen. Am Ende musste ich mich also aufgrund meines analytisch erarbeiteten und herbeigedachten Ergebnisses, gegen eine Veröffentlichung dieses sympathisch-schnuckeligen Sätzchens: „Ich bin das Porzellan im Elefantengehege“ auf meiner Homepage entscheiden, mit dem ich mich, für interessierte Besucher derselben, in aller Kürze und Prägnanz, vorstellen wollte.

Fazit:

  1. Auch wenn wir meistens an uns selber glauben und uns vertrauen – wir sollten in der Lage sein, unsere eigenen Gedanken zu reflektieren und zu hinterfragen.
  2. Oft sind Dinge, Menschen und Situationen nicht das, was sie auf den ersten Blick/Gedanken zu sein scheinen. (Noch zwei, drei Mal drüber-/hinschauen lohnt!)
  3. Ein Satz, über den man nachdenken muss, ist ein guter Satz.
  4. Selber denken ist anstrengend aber hilfreich. Jedenfalls langfristig.
  5. Menschen sind keine Tiere. Auch wenn gewisse Vergleiche oft stimmig, lustig und reizvoll erscheinen. Denn: Tiere sind niemals absichtlich bösartig.
  6. Die meisten Menschen sind es auch nicht. Sie sind einfach nur anders, oft sehr unbewusst, mangelhaft interessiert/informiert und teilweise schlicht gedankenlos.

Ich hoffe, dass es uns, als hochsensibler Minderheit, über (hoffentlich) kurz, vermutlich aber lang, gelingen wird, gemeinsam etwas an diesem Umstand zu ändern. Und dass sich somit, in der Folge, irgendwann dieses „Porzellan-Gefühl“, von dem ich mir relativ sicher bin, dass ich es nicht allein empfinde, deutlich verflüchtigt.

Sibylle Gugel, Coach für Hochsensible und Buchautorin , www.sibylle-gugel.de

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