Sicherheit fühlen als hochsensibler Mensch
(Von Jessica Ascher) Innere Sicherheit ist der Schlüssel zu echter Entlastung, und als hochsensible Person kennst du sehr wahrscheinlich diese Sehnsucht nach:

Vielleicht hast du schon vieles ausprobiert. Noch mehr Reflexion (in uns selbst analysieren sind wir schließlich Meister), „es braucht nur eine gute Struktur“ (gerade zu Neujahr?), Selbstoptimierung, Rückzug zum Auftanken, Achtsamkeit, Tools- & Praktiken …
Und trotzdem hält nichts davon wirklich lang an, trotzdem bleibt da diese Grundanspannung, dieses subtile innere Wachsein, dieses Gefühl, nie wirklich da rauszukommen.
Zumindest nicht dauerhaft, wenngleich deine Seele danach lechzt und dein Verstand noch so gewillt ist, dies diesmal aber wirklich umzusetzen.
Und innerlich kennst du die Frage, die aus diesen unendlichen Anläufen resultiert: „Was mache ich nur falsch?“
Vielleicht ist die Antwort nicht, dass du etwas falsch machst.
Vielleicht hast du nur dein Nervensystem noch nicht wirklich mitgenommen.
Warum ein stark reagierendes Nervensystem mehr Sicherheit braucht
Hochsensibilität bedeutet ein sehr sensibel empfängliches, hoch aktives und schnell reagierendes Nervensystem. Feine Antennen, die ständig abscannen. Du nimmst mehr wahr, verarbeitest intensiver, denkst vielschichtig.
Das ist eine besondere Form von Wahrnehmungsfähigkeit und Reizverarbeitung.
Aber genau diese (Reiz-)Offenheit kann dich schnell ausbrennen, wenn sie ohne Fundament aktiv ist, ohne sicheren Boden.
Ohne Sicherheit bleibt dein System in erhöhter Wachsamkeit. Dann läuft im Hintergrund ein Dauer-Scan:
Das ist kein Persönlichkeitsfehler. Es ist Biologie. Auch bekannt unter dem Begriff Neurozeption. Und ja – so anstrengend wie es sich liest, ist es auch für unser System, es zieht Energie!
Ein stark hoch reaktives Nervensystem braucht deshalb das Erleben von echter Sicherheit.
Denn das gibt Energie. Was es nicht braucht, ist noch mehr Anstrengung und Selbstdisziplin a la „reiß dich zusammen“, denn das nimmt zusätzlich Energie.
Mit noch mehr Druck geht schon mal garnix, wenn wir eigentlichen Entspannung wollen!

Was „sicher fühlen“ wirklich bedeutet
Sicherheit ist kein Gedanke. Kein positives Mindset. Kein leerer Kalender. Und auch kein Dauer-Happy-Zustand.
Sicherheit ist ein Körperzustand.
Es ist der Moment, in dem dein System merkt:
Ich darf gerade einfach so sein wie ich bin und es ist okay.
Und daraufhin leitet dein System entsprechende Körperempfindungen ein, wie die Aktivierung des Präfrontalen Cortex, der Brainfog verschwindet und du kannst wieder klar denken, deine Atmung vertieft sich, dein Muskeltonus wird weicher, Herzfrequenz / Puls verlangsamen sich, Leichtigkeit und Zuversicht haben wieder Platz, dein Herz bekommt wieder Raum.
Innere Sicherheit zeigt sich nicht in Performance
Sie zeigt sich darin, ob du in dir bleiben kannst, auch wenn es herausfordernd wird. Ob du fühlen kannst, ohne dich zu verlieren. Ob du Grenzen spürst, bevor du sie überschreitest. Ob du ruhen kannst, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Das ist etwas anderes als der Funktions-Modus, in dem viele von uns stecken.
Man kann sehr wohl kompetent, reflektiert und leistungsfähig sein und sich innerlich trotzdem nie ganz sicher fühlen.
Vielleicht geht es nicht darum, weniger zu fühlen – sondern dich selbst besser zu halten
Viele Hochsensible glauben insgeheim, sie müssten robuster werden. Weniger empfindlich. Weniger betroffen. Weniger tief. Nicht selten, weil uns ja genau das auch vom Umfeld allzu oft eingeredet und suggeriert wird.
Aber vielleicht geht es in Wirklichkeit darum, dich sicher genug zu fühlen, um zu fühlen.
Sensibilität wird erst dann zur Belastung, wenn sie in einem unsicheren System stattfindet. Dann fühlt sie sich unangenehm vulnerabel an, dysfunktional und ohne Vorhersagbarkeit. In einem sicheren System hingegen wird sie zu Intuition, Tiefe, Qualität und Verbindung. Denn sie ist ein Verstärker von dem, was ist.
Wir halten also fest:
Nicht deine Intensität / Sensibilität / feine Wahrnehmung ist das Problem, …
… sondern der fehlende sichere Boden darunter.

Wie innere Sicherheit wächst
Sicherheit entsteht nicht durch große Schritte, sondern durch kleine Momente, in denen du mit dir gehst. Wo dein System wieder spüren darf:
Also nimm dein Nervensystem an die Hand. Kein stoisches „Durchziehen“ und Pushen von einer bestimmten Technik.
Echte Pausen, ein kleiner Reset zwischendurch.
Es sind unspektakuläre Dinge die unser parasympathisches Nervensystem, welches für Erholung steht, aktivieren können: ein bewusster Atemzug (mehr aus als ein), ein Moment der Orientierung im Raum, ein Blick in die Ferne mit frischer Luft auf der Stirn, eine Hand auf Brust oder Bauch, eine kurze Micro-Break (siehe Artikel „Nervensystemfreundliche Weihnachtszeit für Hochsensible).
Oder ein regulierender Kontakt über den Körper: ausschütteln, barfuß gehen, kaltes Wasser über die Unterarme, dich sachte abklopfen, selbst umarmen und halten. So gibt unser Körper durch erlebte Handlung das Signal nach oben ab:
„Ich bin getragen, es scheint hier sicher zu sein.“
Und genau so darf dein Kopf nach unten das entlastende Signal geben, durch Verständnis wie das Ganze funktioniert: „Ist okay, ich halte den inneren Rahmen, wir brauchen nicht noch mehr Druck, nimm dir Zeit“.
Und vielleicht nimmst du dich beim nächsten Versuch nicht als Hindernis mit, sondern als Ausgangspunkt.
Nicht gegen dich. Sondern mit dir. Hand in Hand.
Ich wünsche gutes Landen bei und in dir!
Alles Liebe, Jessy
Jessica Ascher
Mentaltrainerin für Hochsensibilität & Stressmanagement
www.jessicaascher.com
Netzwerkmitglied für 72766 Reutlingen (D)
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Hochsensible nehmen Stimmungen, Geräusche und Veränderungen intensiver wahr als andere. Dadurch wirkt die Umgebung schnell überwältigend. Das Nervensystem ist häufiger im Alarmzustand, was zu innerer Unsicherheit führt, selbst wenn objektiv keine Gefahr besteht.
Weil hochsensible Menschen sehr viel gleichzeitig verarbeiten. Diese Dauerwahrnehmung kostet Energie und kann dazu führen, dass sich der Körper ständig angespannt oder unruhig anfühlt. Dieses körperliche Gefühl wird dann als Unsicherheit interpretiert.
Hilfreich sind bewusste Pausen, Zentrierungsübungen und kleine Atemrituale. Die Autorin empfiehlt, regelmäßig in den Körper hinein zu spüren und auf erste Zeichen von Überforderung zu achten. Je früher du reagierst, desto stabiler bleibst du.
Viele Hochsensible richten ihre Aufmerksamkeit stark nach außen und bemerken zuerst die Bedürfnisse anderer. Das führt dazu, dass sie eigene Grenzen oft zu spät spüren. Erst wenn der Körper deutlich reagiert, wird klar, dass die Belastung zu groß war.
Indem du lernst, deinem inneren Erleben zu vertrauen und dir selbst Priorität zu geben. Regelmäßige Selbstfürsorge, ehrliche Selbstbeobachtung und das Schaffen von Routinen helfen, ein stabiles Sicherheitsgefühl aufzubauen. Mit der Zeit entsteht mehr Gelassenheit und innere Ruhe.
