Hochsensibilität: Das perfekte Bild – Was mein Pferd mir über Präsenz beibrachte

Was mein Pferd mir über Präsenz beibrachte, Monika Egger mit Pferd

(Von Monika Egger, Netzwerkmitglied für 9315 Neukirch/CH) Nach dem gestrigen Lärm der Obsternte rund um unseren Hof ist endlich Ruhe eingekehrt. Ein ganzer Tag voller Geräusche und Betriebsamkeit. Viele Hochsensible kennen das:

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Monika Egger

Auch wenn der Lärm vorbei ist, braucht das Nervensystem noch eine Weile, bis es sich beruhigt hat.

So geniesse ich die Stille an diesem Morgen ganz besonders. Nach dem Frühstück gehe ich kurz hinaus, um den Bioabfall zu leeren. Da liegt Tim, eines meiner Pferde, ausgestreckt auf der Wiese und sonnt genüsslich sein Bäuchlein in der wärmenden Herbstsonne. Hinter ihm die Bäume, die sich langsam golden und rot färben.

Mein erster Gedanke: Was für ein schönes Bild! Das muss ich fotografieren. Perfekt für meinen WhatsApp-Status. Morgenstund hat Gold im Mund.

Zwei Perspektiven auf denselben Moment

Ich husche zurück ins Haus, hole das Handy und suche mir den idealen Platz. Doch je näher ich komme, desto mehr hebt Tim den Kopf.

Innerlich bitte ich ihn, liegen zu bleiben. Warum bewegt er sich immer gerade dann, wenn ich ein schönes Foto machen möchte?

Ich bleibe stehen, den Arm mit dem Handy erhoben, und warte auf den perfekten Moment.

Und Tim? Für ihn sieht die Szene vermutlich ganz anders aus: Da steht jemand regungslos mit erhobenem Arm – ungewohnt und verdächtig. Also macht er sich bereit, um bei Bedarf schnell aufstehen zu können, obwohl er gerade so gemütlich lag. Erst als ich mein Foto mit einem wachsamen statt einem dösenden Tim gemacht habe und zurück ins Haus gehe, kann er sein Nickerchen fortsetzen.

Was mein Pferd mir über Präsenz beibrachte, Sonnenuntergang mit Pferd

Was dieser Moment mit Hochsensibilität zu tun hat

Pferde sind Fluchttiere mit feinsten Antennen. Ein liegendes Pferd ist besonders verletzlich und achtet genau darauf, wer sich ihm nähert und wie.

Tim hat nicht nur meinen erhobenen Arm mit dem Handy wahrgenommen. Er hat auch gespürt, was in mir vorging: die angespannte Haltung, den starren Blick, das stille Wollen.

Für ein Pferd zeigt sich eine innere Erwartung ganz konkret im Körper seines Gegenübers.

Als ich das erkannt habe, musste ich schmunzeln. Denn so ähnlich geht es vielen von uns Hochsensiblen im Alltag: Wir nehmen feinste Signale wahr – einen Blick, eine Anspannung, einen veränderten Tonfall – und spüren oft, wenn jemand etwas von uns will, auch wenn kein Wort fällt. Und unser System geht in Bereitschaft, obwohl wir uns gerade so schön entspannt hatten.

Gleichzeitig hat mir Tim einen Spiegel vorgehalten.

Ich war nicht mehr im Moment, sondern schon bei dem Bild, das ich mir vorgestellt hatte. Der schöne Augenblick war ja da – die Herbstsonne, das entspannte Pferd, die Farben. Doch statt ihn auf mich wirken zu lassen, wollte ich ihn unbedingt festhalten. Typisch Mensch, würde Tim wohl sagen.

Und noch etwas hat er mir gezeigt: Nach einem Tag voller Lärm hat sich Tim offenbar genau das geholt, was er brauchte. Wärme, Bodenkontakt, Erholung. Ohne schlechtes Gewissen.

Wir Menschen gönnen uns das nach einer Reizüberflutung oft viel zu selten.

Und manchmal lassen wir uns aus genau dieser Erholung herausholen, weil jemand – oder wir selbst – etwas von uns erwartet.

Was ich mitnehme

Das perfekte Foto gibt es nicht. Aber es gibt den perfekten Moment, wenn ich bereit bin, ihn einfach zu erleben.

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Mein kleiner Hilfetipp: Die „Tim-Pause“

Nach einem reizintensiven Tag darfst du es machen wie Tim.

Such dir einen ruhigen Platz, wo du dich hinsetzen oder hinlegen kannst.

Das kann das Sofa sein, der Boden im Wohnzimmer oder draussen die Wiese – dann im Herbst am besten mit einer Decke. Leg das Handy ausser Reichweite.

Nimm dann bewusst wahr, wie dein Körper vom Untergrund getragen wird. Lass mit jedem Ausatmen ein wenig mehr Gewicht nach unten sinken, so als würdest du die Last des Tages an die Erde abgeben.

Schon fünf bis zehn Minuten können guttun.

Du musst dabei nichts erreichen, nichts festhalten und für niemanden bereit sein. Und wenn du das nächste Mal einen schönen Moment siehst und schon zum Handy greifen willst:

Halte kurz inne, atme dreimal ruhig durch und nimm den Moment mit allen Sinnen wahr: die Farben, die Wärme, die Stimmung, das Gefühl in dir. Das wirkt oft länger nach als jedes Foto.

Herzliche Grüsse

Monika Egger

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Monika Egger

Ganzheitliche Energietherapie, Zeit zum Durchatmen und Auftanken, Begegnung mit dem Pferd in der Natur
www.monikaegger.ch

Netzwerkmitglied für 9315 Neukirch (CH)

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