Hochsensible Kinder: 4 Tipps für schulische Übergangszeiten

Hochsensible Kinder: 4 Tipps für schulische Übergangszeiten, Mutter mit Kind

(Von Simone Wolf) Wie können Eltern gemeinsam mit ihrem hochsensiblen Kind schulische Übergangszeiten bewältigen?

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Simone Wolf

In diesen Tagen stehen viele Eltern von hochsensiblen Kindern vor der Herausforderung, mit ihren schulpflichtigen Kindern gemeinsam die anstehenden Übergänge zu bewältigen.

Dies kann beispielsweise der Wechsel in die Grundschule, in eine weiterführende oder in eine neue Schule sein. Doch wie können diese Übergangszeiten gemeistert werden, insbesondere wenn es schwierig wird?

Hochsensible Kinder finden Veränderungen oft schwierig, da sie neuen und unbekannten Reizen ausgesetzt sind, die sie möglicherweise auch überwältigen können.

So kann es vorkommen, dass sie emotional mit Unsicherheit, Angst oder auch Abwehr reagieren und sich zurückziehen, wenn sie noch wenig hilfreiche Strategien im Umgang mit Veränderungen erlernt haben.

Hochsensible Kinder können gerade in Übergangszeiten lernen, ihre Komfortzone im bisher vertrauten Lebensbereich Schule hinter sich zu lassen, um dann neue Situationen zu bewältigen und daran selbst zu wachsen.

Die größte Herausforderung ist für sie häufig, den Übergang von einer vertrauten Situation zur nächsten noch unbekannten Situation zu schaffen und für sich selbst neu Orientierung zu finden.

Es ist wichtig, diese Übergänge bewusst zu gestalten, um die emotionale Balance und den Umgang mit neuen Reizen zu unterstützen.

In diesem Beitrag finden Sie vier Impulse zur bewussten Gestaltung von Übergangszeiten für Eltern hochsensibler Kinder, die unter anderem auch einen Blick auf den reichen Erfahrungsschatz von Dr. Elaine N. Aron werfen.

Als Eltern geht es vor allem darum, diese Zeit des Übergangs mit ihren Kindern gemeinsam zu gestalten.

Sie tragen entscheidend mit bei, um ihr Kind auf neue Anforderungen und eine Vielzahl an neuen Reizen gut vorzubereiten.

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1. Eine bewusste Vorbereitung

Eine Methode, um Übergänge zu meistern, ist die bewusste Vorbereitung. Wenn sich Ihr hochsensibles Kind auf die bevorstehenden Veränderungen gut einstellen kann, lernt es dabei, dass seine Ängste und Unsicherheiten mit der Zeit weniger werden können.

Sprechen Sie daher zu möglichst ruhigen Zeiten mit Ihrem Kind und reflektieren Sie gemeinsam, welche Gefühle der Schulwechsel bei ihm auslösen.

  • Worauf freut es sich am meisten und was bereitet ihm eher Sorgen?
  • Was macht ihm möglicherweise Angst?
  • Welche Gedanken und Vorstellungen verunsichern es im Blick auf die neue Schule?

Für hochsensible Kinder kann es entlastend sein, wenn sie wissen, dass sie mit ihren Gefühlen nicht alleine sind und vor allem, dass sie in ihrem Suchen nach Lösungen nicht alleine sind. Wertschätzende Gespräche und liebevolle Aufmerksamkeit der Eltern können sie ermutigen, für sich selbst mehr innere Klarheit zu gewinnen und gelassener in neue Situationen zu gehen.

Welche Schritte sind in Übergangszeiten zu tun?

Setzen Sie sich und Ihrem Kind Ziele, die realistisch sind, damit es sich vorbereiten kann.

Dies kann zum Beispiel der Besuch in der Schule vorab sein. Dadurch können die Kinder sich bereits mit den Räumlichkeiten und der Atmosphäre vertraut machen. Dies kann für Ihr hochsensibles Kind eine große Hilfe sein, um sich von Beginn an gut zu orientieren. Vielleicht ergibt sich auch eine Gelegenheit, damit Ihr Kind bereits vorher neue Bekanntschaft mit einem der Schulkinder machen kann?

Eine bewusste Vorbereitung kann Ihrem Kind helfen, den Übergang als weniger überwältigend zu empfinden und ein Gefühl einer guten Orientierung zu entwickeln.

2. Etablieren Sie gemeinsam unterstützende Rituale

Rituale können helfen, Übergänge zu strukturieren. Sie bieten einen Rahmen, mit dem Sie Sicherheit und Stabilität vermitteln können. Entwickeln Sie mit ihrem Kind gemeinsam Rituale, die es während des bevorstehenden Übergangs begleitet. Das kann das gemeinsame Gespräch und Spiel am Abend sein, das Führen eines speziellen Kalenders oder das Feiern kleiner Erfolge.

In Zeiten des Übergangs können Sie und Ihr Kind auch alte Gewohnheiten ablegen und neue etablieren.

Ein einfaches Ritual, wie eine Übung zur Achtsamkeit, kann helfen, den Fokus zu verändern und abends zur Ruhe zu finden. Rituale unterstützen Kinder zudem, um die Verbindung zu sich selbst zu finden. Sie können helfen, den emotionalen Sturm während einer Übergangszeit zu beruhigen.

3. Allgemeine Empfehlungen nach Dr. Elaine N. Aron

In ihrem Grundlagenwerk „Das hochsensible Kind“ beschreibt Dr. Elaine N. Aron lesenswerte Impulse für Eltern als „Allgemeine Empfehlungen, um Ihrem Kind die Anpassung an Veränderung zu erleichtern (Übergänge und neue Situationen)“. Aus dem Erfahrungsschatz von Dr. Elaine N. Aron können Sie profitieren.

In ihrem Buch gibt sie folgende neun Impulse mit Erläuterungen, die hier aufgelistet werden:

  1. „Akzeptieren und verinnerlichen Sie: Ihr hochsensibles Kind empfindet die meisten Veränderungen als problematisch. Jede Veränderung schließt neue Reize ein und da hochsensible Kinder mehr als andere wahrnehmen, sind sie gezwungen, mehr Reize zu verarbeiten.“
  2. „Vertrauen Sie darauf, dass Ihr hochsensibles Kind die meisten Veränderungen letztlich meistert, wenn Sie ihm genug Zeit lassen.“
  3. „Wenn Sie wissen, dass eine Veränderung unmittelbar bevorsteht, sollten Sie sich vergewissern, dass Ihr Kind physisch gerüstet ist. Das bedeutet ganz grundlegend, dass es vor neuen Situationen möglichst körperlich fit und ausgeruht sein sollte.“
  4. „Verlangen Sie nicht, dass Ihr Kind Veränderungen oder Stressfaktoren bewältigt, wenn es sich bereits in einem Stimmungstief befindet. Aber unterstützen Sie es mit Humor, Spiel, Spaziergängen oder anderen bisher erfolgreichen Stimmungsaufhellern.“
  5. „Überschätzen Sie die Fähigkeiten Ihres Kindes nicht. Hochsensible Kinder können reifer wirken als sie es von ihren Lebenserfahrungen her sind.“
  6. „Je weniger Aufheben Sie von einer Veränderung machen, auf die sich Ihr Kind einstellen soll, desto schneller gelangen Sie ans Ziel.“
  7. „Versuchen Sie zu vermeiden, dass sich Ihr hochsensibles Kind machtlos fühlt. Oft wird das Problem der Überstimulation durch das Gefühl der eigenen Machtlosigkeit verstärkt. Eine hilfreiche Möglichkeit, das Gefühl der eigenen Kompetenz und Stärke wieder herzustellen, sind Wahlmöglichkeiten, die Art und Zeitpunkt der Veränderungen betreffen.“
  8. „Setzen Sie Prioritäten. Versuchen Sie nicht, alle Veränderungen gleichzeitig einzuführen.“
  9. „Sorgen Sie spielerisch für Entspannung, um das Sicherheitsbedürfnis Ihres Kindes zu regulieren.“

Diese Zusammenfassung findet sich in „Das hochsensible Kind“ von Seite 272 bis 278. Dr. Elaine N. Aron gibt in diesem Kapitel allgemeine Anregungen, um als Eltern Ihr hochsensibles Kind besser zu verstehen und um bevorstehende Übergänge bewusst in den Blick zu nehmen.

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4. Suchen Sie sich individuelle Begleitung und Beratung

Nutzen Sie die Möglichkeiten, um sich insbesondere in Übergangszeiten begleiten zu lassen.

Professionelle Beratung kann dazu beitragen, die eigenen Gefühle zu validieren und neue Perspektiven und Impulse zu gewinnen.

Gemeinsam können Sie individuelle Strategien entwickeln, damit Übergänge für und mit Ihrem hochsensiblen Kind gelingend gestaltet werden können. Mehr Informationen finden Sie unter:

Simone Wolf, Dipl. Sozialpädagogin und Fachberaterin Hochsensibilität, Netzwerkmitglied für 55127 Mainz (D), www.simone-wolf.com

Quellenangabe: Aron, Elaine N. (4. Aufl. 2012): Das hochsensible Kind. Wie Sie auf die besonderen Schwächen und Bedürfnisse Ihres Kindes eingehen. mvg Verlag

Hier geht es zu weiteren Büchern für Hochsensible

Häufig gestellte Fragen zu Schule und hochsensible Kinder (FAQ)

Wie erkenne ich, ob mein Kind hochsensibel ist – gerade in Übergangsphasen wie dem Schulwechsel?

Hochsensible Kinder reagieren oft emotional intensiver auf Veränderungen, ziehen sich zurück oder zeigen Ängste bei neuen Reizen. Besonders Übergänge wie Schulwechsel bringen häufig Unsicherheiten ans Licht.

Welche konkreten Rituale helfen hochsensiblen Kindern in neuen Schulphasen?

Rituale wie feste Abendgespräche, Achtsamkeitsübungen oder kleine Erfolgsmomente (z. B. im Kalender markieren) bieten Struktur, Sicherheit und emotionale Stabilität.

Was empfiehlt Dr. Elaine N. Aron für hochsensible Kinder bei Veränderungen?

Sie rät u. a. zu rechtzeitiger Vorbereitung, körperlicher Ausgeglichenheit, kleinen Schritten, Wahlmöglichkeiten und der Reduktion übermäßiger Reize – um das Kind nicht zu überfordern.

Wie kann ich mein hochsensibles Kind optimal auf den Schulanfang vorbereiten?

Durch Gespräche über Ängste und Vorfreude, frühzeitige Besuche der neuen Schule und gegebenenfalls das Kennenlernen neuer Mitschüler – alles möglichst stressfrei und realistisch geplant.

Wann ist professionelle Unterstützung bei Übergangsphasen sinnvoll?

Wenn Sie sich als Eltern unsicher fühlen, das Kind besonders stark unter Veränderungen leidet oder Sie individuell passende Strategien entwickeln möchten – z. B. durch hochsensible Fachberater, siehe auch: www.hochsensibilitaet-netzwerk.com/hochsensibilitaet-therapeuten/

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