Eine hochsensible Superkraft: Zuhören

Eine hochsensible Superkraft: Zuhören, zuhörende Frau mit roten Haaren

(Von Susann Geipel, Netzwerkmitglied für 04420 Markranstädt/D) Ihr werdet gefragt, wie es euch geht, was ihr erlebt habt, was ihr denkt. Doch nach ein paar ersten Worten werdet ihr unterbrochen. Eure Gedanken bleiben unausgesprochen – und schon hört ihr wieder die Geschichte der Person, die euch eigentlich gefragt hat.

Susann Geipel, Netzwerkmitglied, Profilbild
Susann Geipel

Vielleicht kennt ihr das: Viele Menschen fragen nicht, um wirklich zuzuhören und zu verstehen. Sie fragen, um selbst sprechen zu können:

  • „Ja, mir ist das auch passiert …“
  • „Das kenne ich auch …“

Genau solche Situationen zeigen, was fehlendes Zuhören bedeuten kann.

Gespräche bleiben an der Oberfläche, es kommt zu Missverständnissen und echte Verbindung bleibt aus.

Nicht umsonst gibt es den Spruch, welcher dem griechischen Philosophen Epiktet zugeschrieben wird: „Der Mensch hat zwei Ohren und einen Mund, damit er doppelt so viel zuhören wie sprechen kann“.  Doch was passiert, wenn es Menschen gibt, die genau das ganz natürlich mitbringen?

Warum Hochsensible gut zuhören können

Wir hochsensiblen Personen hören nicht nur Worte. Sondern wir nehmen auch Zwischentöne, Tonfall, Stimmungen und unausgesprochene Bedürfnisse wahr.

Beim Zuhören sind wir nicht alleine mit den Ohren präsent – unser ganzer Körper ist aktiviert.

Wir wollen unser Gegenüber wirklich verstehen – mit seinen Gedanken, Gefühlen und dem, was vielleicht unausgesprochen bleibt.

Durch eine stark ausgeprägte Empathie können wir uns häufig sehr leicht in andere hineinversetzen. Es entstehen Gespräche, in denen sich Menschen wirklich gesehen, gehört und verstanden fühlen.

Eine hochsensible Superkraft: Zuhören, zuhörende Frau

Kehrseite: Hochsensible Superkraft Zuhören

So wertvoll diese Fähigkeit ist, sie hat auch eine Kehrseite.

Viele hochsensible Personen kennen die Herausforderung durch äußere Reize wie Hintergrundgeräusche oder mehrere Stimmen gleichzeitig. Doch die Reizverarbeitung geht darüber hinaus. Auch Licht, Gerüche, Kleidung, die Sitzsituation oder vorherige Eindrücke wirken weiter in uns nach.

All das ist gleichzeitig präsent und verarbeitet sich nicht einfach im Hintergrund.

Wenn wir so intensiv zuhören, verarbeiten wir nicht nur mehr – wir fühlen auch mehr.

Das kann dazu führen, dass unser System schneller überlastet. Wir werden müde, verlieren an Konzentration oder spüren den Wunsch, uns zurückzuziehen.

Lösung: Sich selbst zuhören

Zuhören ist für uns eine Stärke – wenn wir lernen, unsere Energie bewusst zu regulieren. Und dazu gehört auch, uns selbst zuzuhören. Vielleicht ist das sogar der wichtigste Teil.

  • Wie geht es mir gerade?
  • Habe ich im Moment die Kapazität, wirklich zuzuhören?
  • Oder ist mein System bereits überreizt?
Eine hochsensible Superkraft: Zuhören, zwei Frauen im Gespräch

Manchmal bedeutet das, sich eine kurze Pause zu nehmen, einen Moment nach draußen zu gehen oder bewusst Grenzen zu setzen – auch in einem Gespräch.

Echtes Zuhören beginnt nicht nur beim anderen:

Es beginnt bei uns selbst.

Susann Geipel

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Susann Geipel

ist systemischer Coach. Sie bietet Austauchrunden in Präsenz für hochsensible Menschen an.
www.herzlichstcoaching.de

Netzwerkmitglied für 04420 Markranstädt (D)

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Warum hören viele Menschen eigentlich nicht richtig zu?

Oft fragen Menschen, um selbst erzählen zu können, und unterbrechen dann schnell mit eigenen Geschichten. Dadurch bleiben Gespräche an der Oberfläche, es entstehen Missverständnisse und echte Verbindung fehlt.

Warum sind Hochsensible oft so gute Zuhörer?

Weil sie nicht nur Worte hören, sondern auch Zwischentöne, Tonfall, Stimmungen und unausgesprochene Bedürfnisse wahrnehmen. So fühlen sich andere häufig wirklich gesehen, gehört und verstanden.

Woran merkt man, dass jemand wirklich zuhört?

Wenn jemand nicht sofort auf sich selbst umschwenkt („mir ist das auch passiert…“), sondern beim Gegenüber bleibt und nachfragt. Echtes Zuhören schafft Klarheit und Nähe, statt das Gespräch in eine Monolog-Spirale zu ziehen.

Warum macht Zuhören Hochsensible manchmal so müde?

Beim intensiven Zuhören ist nicht nur das Ohr aktiv, sondern der ganze Körper – und es werden gleichzeitig viele Reize verarbeitet (Geräusche, Licht, Gerüche, Eindrücke). Das kann das System schneller überlasten: Konzentration sinkt, Müdigkeit steigt, Rückzug wird nötig.

Wie kann ich als Hochsensibler besser zuhören, ohne mich zu überfordern?

Indem du zuerst dir selbst zuhörst: „Wie geht es mir gerade, habe ich Kapazität – oder bin ich schon überreizt?“ Dann helfen kurze Pausen, einmal rausgehen oder klare Grenzen im Gespräch, damit Zuhören eine Stärke bleibt.

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