Das hochsensible Harmonieverständnis

(Von Luca Rohleder)

Hochsensible Personen (HSP) verfügen über eine ausgeprägte Intuition. Dieser sechste Sinn stellt praktisch ein „Höheres Ich“ dar, was Hochsensible deutlich von Normalsensiblen unterscheidet. Dieser Bestandteil ihres Egos versetzt sie in die Lage, mit dem Reich der Ideen, Ahnungen und Einsichten in Verbindung zu treten. Daraus folgt eine Form „Höheren Wissens“, das HSP auf einzigartiger Weise spüren lässt, ob etwas stimmig ist oder nicht. Betreten sie einen Raum, begegnen unbekannten Menschen oder werden mit sonstigen Gegebenheiten konfrontiert, spüren Sie sehr genau, ob etwas harmonisch ist oder im Argen liegt. HSP tragen infolgedessen ein ausgeprägtes Harmonieverständnis in sich. Es ist ein Nebeneffekt ihres sechsten Sinnes.

Harmonie ist ein „höheres Ideal“

Es ist das stimmige Zusammentreffen von Umständen, Personen oder Sachen – Ein Zustand, der intellektuell nicht richtig greifbar ist. Man muss „wissen“, was das ist. Auch dabei geht es augenscheinlich um eine von der Natur vorgegebene „höhere Ordnung“. Werden wir damit konfrontiert, erleben wir Harmonie. Die Richtigkeit des Schönen. Ein Ideal, das durch die Natur unverrückbar vorgegeben ist und von allen Modeerscheinungen unberührt bleibt. HSP besitzen diese großartige Fähigkeit, dieses „höhere Ideal“ wahrnehmen zu können.

Leonardo da Vinci ist sicher der berühmteste Vertreter eines Hochsensiblen, der durch sein Harmonieverständnis unfassbar Schönes erschaffen konnte. Seine Hinterlassenschaften an die Menschheit unterliegen daher keinem Mainstream. Es ist eine Form von göttlicher Perfektion, die Menschen tief in sich als harmonisch empfinden. Das Gleiche gilt für die klassische Musik. Beethoven, Bach & Co. werden immer gehört werden, egal welche Zeiten angebrochen sind.

Obwohl die wenigsten HSP dazu berufen sind, große Künstler zu werden, tragen sie dennoch dieses geheimnisvolle Wissen in sich, ob etwas einer „höheren Ordnung“ entspricht. Wenn etwas auf einem Gemälde nicht zusammenpasst oder etwas bei einem Musikstück disharmonisch klingt, wird es ihnen sofort auffallen. Es ist ein Urinstinkt, der den ganzen Tag, Minute um Minute, Hochsensible spüren lässt, ob um sie herum alles stimmt oder nicht. In deren Wohnung, während einer Kunstausstellung oder bei den vielen, kleinen Kunstwerken, die sie selbst erschaffen. Aber auch Geistiges können Hochsensible auf eine „höhere Ordnung“ abklopfen. Hören sie von einer Idee, haben sie recht schnell ein sicheres Gespür, ob diese in der Realität umsetzbar ist oder nicht.

Hochsensible wären sogar imstande, sich als Orakel zu betätigen.

Sie würden sich mit ihren Einschätzungen nur selten täuschen. Einige HSP, die sich als Coach, Trainer oder Berater betätigen, können sich diese Fähigkeit manchmal nicht erklären. Sie fühlen sich dann oft in der Lage, Zukunft vorherzusehen. Dies ist jedoch ein Trugschluss. Zukunft ist nicht vorhersehbar. Vielmehr ist es ein „höherer Ordnungssinn“. Sie „wissen“ ganz einfach, ob eine Idee, ein Umstand oder ein Vorhaben das Zeug dazu hat, sich in die Realität erfolgreich einfügen zu können oder nicht.

Hochsensible kennen die „höheren Regeln“ der Harmonie, denen alles Leben unterworfen ist.

Leider leben viele dieses beneidenswerte ganzheitliche Harmonieverständnis nicht immer vollständig aus. Dann wird die „höhere Ordnung“ oft nur indirekt angewendet. Dann muss auf dem Schreibtisch alles seinen richtigen Platz haben. Oder sie eignen sich einen übertriebenen Ordnungssinn an, den sie z.B. in ihrem Zuhause im Übermaß ausleben. Dann muss alles rein und stimmig sein, damit sie zumindest ein ganz kleines Stück ihrer Vorstellungen über eine heile Welt erfüllt bekommen.

Es gibt aber auch eine Kehrseite des Harmonieverständnisses von HSP. Das Ganze kann schnell zum Perfektionismus ausarten. Dann wird diese Gabe zur Last. Alles, was sich aus ihrer Sicht nicht als perfekt anfühlt, wird infolgedessen als schwerer Verstoß gegen ihr inneres Harmonieverständnis empfunden.

Viele Hochsensible sind sich oft nicht darüber bewusst, dass andere über diesen sechsten Sinn nicht verfügen.

Das private oder berufliche Umfeld weiß oft nicht, was das Ergebnis von Perfektion oder vollkommener Harmonie überhaupt bedeuten könnte. Wird dadurch ein hochsensibler Mensch genötigt, Fehler hinzunehmen, bei der Arbeit zu improvisieren oder ganz einfach Schlamperei zu akzeptieren, kann dies durchaus innere Zerrissenheit zur Folge haben. Der hochsensible Menschen schüttelt innerlich vehement den Kopf, während das Umfeld nicht versteht, was eigentlich los ist.

Nichtsdestotrotz bleibt das Harmonieverständnis aufgrund der ausgeprägten Intuition die Hauptstärke von hochsensiblen Menschen. Es ist eine Art sechster Sinn – ein „höheres Wissen“ wie eine heile Welt aussehen könnte. Wollen wir eine solche Welt nicht alle? Dann sollten wir öfter Hochsensible um Rat fragen …

DIE SUCHE NACH SINN (Roman) von Luca Rohleder, ISBN 9783982303246Luca Rohleder
Gründer des NETZWERKs HOCHSENSIBILITÄT
Buchautor des Romans „Die Suche nach Sinn“

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4 Kommentare

  1. Ich bin eine extrovertierte Hs… Diese Zerrissenheit zwischen unter Menschen sein wollen und dem Bedürfnis nach Ruhe, ist manchmal schwer zu händeln. Ich liebe Menschen, aber muss mich ab und zu auch vor Ihnen verstecken…. Ich neige zu Übertreibungen was Kontakte und Aufgaben annehmen geht… Und bekomme dann schnell die Quittung, dann geht nichts mehr, muss dann eigentlich ein zwei Tage im Bett bleiben….. Daran muss ich arbeiten… Wird schwer…. Das Mittelmaß wäre richtig für mich….

  2. Schon als Kind verunsicherte mich jede lautstarke, einnehmende Verhaltensweise, besonders wenn es die Selbstbestimmung anderer Personen zuschüttete. Dies kompensierte ich tatsächlich anfangs mit einem ausgeprägten, fast krankhaften Ordnungssinn und Perfektionismus. Inzwischen sind einige Jahre vergangen und meine Intuition hat sich enorm verändert. Ja ich mag Oberflächlichkeit in der Tat nicht und kann Menschen, Kontakte sehr schnell ihren eigenen Weg gehen lassen. Nicht weil ich mit Ihnen nichts zu Tun haben will, viel mehr, weil ich Ihnen den Freiraum geben will ihre eigene Entwicklung zu fördern. Heute freue ich mich über Unordnung, weil ich darin erkenne wie frei ich mich tatsächlich von äusserlichen Umständen machen kann. Gewiss klappt das nicht in allen Fällen, doch diese Blockaden dauern für mich nur noch kurz. Je schneller ich meine Widerstände für mich klären konnte um so kreativer und freier wurde ich. Inzwischen freue ich mich auf Herausforderungen. Ich sehe meine Begegnungen und Situationen Gleichgültig entgegen, aber nicht im Sinne von „das ist mir Egal“ sondern sehr ausgeprägt das alles seine gleiche Gültigkeit besitzt. Ja ich nehme mir sehr bewusst die Freiheit zu meinen Entscheidungen zu stehen und gleichermaßen mein Umfeld bejahend aufzunehmen. Für mich ist einer der Schlüssel nicht emotional behaftet zu sein oder wenn mal doch, dann nicht zu bleiben. Eine Meinung oder eine Situation ist so wie sie ist und oft erweitert es sogar mein intuitives Wissen. Ich versuche die Dinge wohlwollend anzunehmen, ohne allem nachkommen zu müssen.

  3. Immer wieder schön zu lesen und immer wieder erkenne ich mich selbst! Langsam bekomme ich aber ein seltsames Gefühl dabei. Normaler weise hab ich mich immer als schwach und viel zu gefühlsbetont wahr genommen. Schön mal zu lesen das man doch ganz ok ist und wenn ich mich so damit identifizieren kann, kommt sofort ein Gefühl auf wie „Egoismus „ auf dem ne ich bekomme ein schlechtes Gewissen mich nicht so wichtig zu nehmen. Alles schwierig, aber ich werde lernen.

    Danke Nicole Blei

    1. Ganz genau so ging es mir auch beim Lesen. Wenn ich lese welche „Probleme“ ich habe und welche Schwächen und Co, dann kann ich das viel leichter annehmen. Steht irgendwo, dass ich gar nicht so übel bin, fällt mir das sehr schwer zu glauben.

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