Umzug für Hochsensible: 6 Tipps, um den Stress gering zu halten

Umzug für Hochsensible, Pärchen mit Kartons

(Von Anke Römer, Netzwerkmitglied für 6855 Outrup/DK) Ein Umzug bringt viele Menschen an ihre Grenzen – besonders hochsensible Menschen.

Anke Römer, Profilbild, Netzwerkmitglied
Anke Römer

Für manche löst allein der Gedanke daran enormen Stress aus, sodass sie alles daransetzen, nicht umziehen zu müssen. Mitunter nehmen sie dafür sogar große Hürden in Kauf. Andere hingegen sehen in einem Umzug die Chance auf Veränderung – meist nicht nur im örtlichen Sinne.

Ob du nur in eine andere Straße, in eine neue Stadt oder sogar in ein anderes Land ziehst: Die Herausforderungen können ganz unterschiedlich sein.

Auch macht es einen Unterschied, ob du allein oder mit deiner Familie umziehst – und ob Familie und Freunde zurückbleiben.

So unterschiedlich die Konstellationen und Gründe sind, warum, wohin und wie man umzieht, ganz stressfrei, läuft so ein Umzug mit allen Vor – und Nachbereitungen meist nicht ab.

Und da kann ich aus eigener Erfahrung sprechen, denn schon seit meiner Kindheit bin ich oft umgezogen, nicht nur in andere Straßen oder Städte, sondern auch in andere Länder. Ganz aktuell bin ich nach Dänemark gezogen.

Auch bei mir gab es unterschiedliche Gründe für Umzüge und auch ich habe mich manchmal gefragt, ob es diese Kraftanstrengung wert ist und ob ich diese Kräfte überhaupt aufbringen und durchhalten kann.

Denn so ein Umzug ist kein kurzer Sprint, es ist meist ein Langstreckenlauf.

Um bei der Metapher der Langstrecke zu bleiben: Auf langer Strecke brauchst du eine gute Planung und Vorbereitung, das Einteilen deiner Kräfte, das Finden deiner eigenen Geschwindigkeit und du brauchst zwischendrin ruhigere Phasen, immer mal jemanden in deiner Nähe, der dir Energie gibt und nach der Anstrengung ausreichend Regenerationszeit.

Wie kannst du diese sportliche Erkenntnis nutzen, um den Stress beim Umzug gering zu halten?

Hier sind 6 Tipps, damit du gut im neuen Zuhause ankommst:

1. Planung

Auch wenn es manchmal anders kommt und sich nicht alles vorhersehen lässt, hast du mit einer sorgfältigen Planung einen roten Faden, an dem du dich immer wieder orientieren kannst.

Das fängt schon vor der Haus- oder Wohnungssuche an, indem du z. B. eine Liste erstellst, mit den Dingen, die dir im neuen Zuhause wichtig sind.

  • In welche Gegend möchtest du ziehen?
  • Welche Wohnform kommt für dich in Frage?
  • Welche zeitlichen Abläufe sind zu beachten?
  • Budgets?
  • etc.

Und so hangelst du dich weiter über die Wohnungssuche, das Aufstellen eine Liste mit Dingen die du verkaufen, verschenken oder ausmisten möchtest, über noch zu erledigende Dinge in der alten Wohnung, sämtliche bürokratische, aber auch handwerkliche Aufgaben, sortiert nach alter und neuer Wohnung, welche Neuanschaffungen brauchst du u.s.w.

Bis zur finalen Planung über den Zeitpunkt des Umzuges, der Übergabe und des Einzuges und der Umsetzungsmöglichkeiten dazu.

Du unterteilst diesen Marathon damit quasi in kleine Teilabschnitte.

Auch wenn das alles ganz banal und logisch ist, dient es auf der einen Seite der vorbereitenden Planung, dem Nichtvergessen, aber auch dem Loslassen.

Das schafft Kapazitäten im Hirn, denn im Laufe der Zeit wirst du vermutlich weitere Dinge aufzunehmen und zu bedenken haben und die Überreizung ist dann nah.

Ich habe während der Planungszeit ein Notizbuch begonnen. Dort konnte ich sämtliche Fragen, Wünsche, Gegebenheiten aufschreiben, das hat mir sehr geholfen.

2. Einteilen deiner Kräfte

Und genau dafür, ist die Planung so enorm wichtig. Nur wenn du weißt, was wann dran ist, kannst du selbst schon einschätzen:

  • “Okay, das kann ich machen, aber ich weiß, dann kommt eine Aufgabe, die ich mir nicht zutraue, die kann ich abgeben.“
  • Oder „Diese Aufgabe wird sehr anstrengend, danach nehme ich mir Zeit für mich und reduziere mein Pensum.“

Wichtig ist nur, dass du dich daran hältst. Auch hier kann natürlich etwas Unvorhergesehenes passieren, daher ist es sinnvoll, auch deine kräfteschonenden Maßnahmen in den Kalender mit aufzunehmen und im Falle einer Verschiebung deiner Termine, auch deine Ruhezeit verschoben und nicht nur weggelassen wird.

Auch das Abstreichen der erledigten Aufgaben und Termine innerhalb deiner Planung und deines Kalenders, macht dir bewusst, was und wie viel du schon geschafft hast.

Das gibt einerseits ein gutes Gefühl, motiviert dich und zeigt dir aber auch auf, ob du dein Pensum und deine Kräfte wirklich gut eingeteilt und dich nicht überfordert hast.

Umzug für Hochsensible, Umzugskartons

3. Deine Geschwindigkeit finden

Natürlich hat man zum Auszug eine Deadline, aber wann diese beginnt, kannst du meist beeinflussen – zumindest, wenn dein Auszug selbst gewählt und nicht unvorhergesehen ist.

Spürst du, dass dir z.B. 3 Monate Vorbereitungs- und Packzeit nicht reichen werden, dann beginne früher – wenigstens mit den Erledigungen, die du selbst in die Hand nehmen kannst.

Oder wenn es möglich ist, erst später umzuziehen und dir das Zeit verschafft – ziehe es in Erwägung. Wenn du dir überlegst, dass du bei einem Umzug wortwörtlich meist dein gesamtes bisheriges Leben in die Hand nimmst, dich von Dingen trennst oder verpackst, macht das emotional schon etwas.

Auch dafür ist deine eigene Geschwindigkeit so wichtig, um manchmal in Erinnerungen zu schwelgen, sich trennen zu können oder sich zu freuen, etwas wiedergefunden zu haben, was verloren schien.

4. Ruhige Phasen

Diese sind enorm wichtig, um durchzuhalten und nicht völlig erschöpft im Ziel anzukommen oder kurz vorm Ziel eine Zwangspause einlegen zu müssen.

Gerade dann, wenn du auch deinem Job nachgehst, du vielleicht noch familiär stark eingebunden bist und ein Umzug dazukommt, brauchst du Erholung, wie auch schon in Punkt 2 erwähnt.

Wie diese Ruhephasen aussehen, was dir guttut, weißt du selbst am Besten. Tägliche kleine Auszeiten (die du ja auch in deinem normalen Alltag schon leben solltest), ein Kurzurlaub, kulturelle Entspannung bei einem Museums- oder Konzertbesuch etc.

Aber auch ganz wichtig: Mal nichts zu tun!

Und das meine ich über den gesamten Prozess des Umzuges und danach, wenn du so richtig motiviert in Rekordzeit deine Wohnung einräumen und es dir wieder schön machen willst. Genieße kleine Schritte und freue dich über das, was du geschafft hast. Dann kann es weiter gehen.

Umzug für Hochsensible, Mitarbeiter einer Umzugsfirma

5. Nach Hilfe fragen und sie annehmen

Ein Umzug ist ja nicht nur mental, sondern auch körperlich anstrengend. Kisten packen, anheben, Entrümpeln und vieles mehr, belastet deinen Körper. Dein Rücken wird dir vielleicht irgendwann eine Botschaft schicken und spätestens dann, ist es gut, nicht alles alleine stemmen zu müssen.

Die Möglichkeit eine Umzugsfirma zu beauftragen, hängt natürlich vom Budget ab. Ganz oft hat man aber liebe Freunde oder Nachbarn, die Hilfe anbieten, bei den verschiedensten Arbeiten und man tut gut daran, diese auch mal anzunehmen.

Nicht jeder kann und möchte schwere Möbel oder Kisten tragen, aber manchmal hilft es schon, ein Essen gekocht zu bekommen oder wenn jemand die Kinder abholt und mal betreut.

Auch Physiotherapie kann während der körperlich anstrengenden Phase sehr hilfreich sein oder ein paar Yogastunden. Und natürlich entlastet dich diese praktische Unterstützung auch wieder mental, da du die Last dann im Wortsinn, nicht allein tragen musst.

6. Regeneration

Bist du dann angekommen, in deinem neuen zu Hause, hast die ersten Kisten ausgepackt und dich mit der Umgebung ein wenig vertrauter gemacht.

Behalte gerade jetzt deine Ruhephasen im Blick und nimm dir Zeit für dich!

Du hast eine anstrengende Zeit hinter dir und es wird weitere Herausforderungen geben. Daher ist es wirklich wichtig, in Ruhe anzukommen. Das kann manchmal Monate dauern und das ist auch gut so. Gerade als hochsensible Person hast du nun viel zu verarbeiten.

Da sind neue Eindrücke, neue Reize und andere Abläufe die auf dich einströmen.

Bei allem was du geschafft hast, kann es natürlich durch die Dichte des geleisteten Pensums, trotz allem passieren, dass du überlastet und dadurch unzufrieden mit der neuen Situation bist.

Meist sind das nur kurze Episoden, da sich dein Nervensystem auch erst wieder regulieren muss.

Als kleiner Tipp für diese Zeit: Vergleiche die neue Situation und deine Umgebung nicht mit der früheren oder deinem alten Leben. Besonders dann nicht, wenn dir an der neuen Situation, Dinge nicht gefallen, die du am alten Ort besser fandest.

In so einer überreizten Phase wirst du sonst vermutlich immer mehr finden, was nicht so ist, wie gehofft und das bringt dich nur in einen Strudel aus Frust, aber nicht zu einer Lösungsfindung und entspanntem Neuanfang.

Fazit

Ein Umzug ist eine Herausforderung in vielen Bereichen und auf längerer Strecke. Er wird meist nicht ganz stressfrei verlaufen. Aber:

Mit einer guten Vorbereitung, helfenden Händen und ausreichenden Ruhephasen, ist es möglich, im Ziel, in deinem neuen Zuhause, so anzukommen.

Und auch danach zu leben, dass du es auch genießen und schneller wieder entspannen kannst.

Anke Römer

Anke Römer, Profilbild, Netzwerkmitglied

Anke Römer

ist Fachberaterin für Hochsensibilität
www.anke-roemer-kommunikation.de

Netzwerkmitglied für 6855 Outrup (DK)

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Warum ist ein Umzug für hochsensible Menschen besonders belastend?

Ein Umzug bringt viele Veränderungen, Entscheidungen und Reize mit sich – emotional, mental und körperlich. Für hochsensible Menschen kann schon die Vorstellung davon Stress auslösen, da sie intensiver auf äußere und innere Veränderungen reagieren.

Wie hilft mir gute Planung beim Umzug?

Eine strukturierte Planung gibt dir Orientierung und entlastet deinen Kopf. To-do-Listen, Zeitpläne und Notizen helfen dir, den Überblick zu behalten, Aufgaben in kleine Schritte zu unterteilen und Überforderung zu vermeiden.

Wie teile ich meine Kräfte sinnvoll ein?

Plane bewusst Pausen ein und achte darauf, nach anstrengenden Aufgaben Erholungszeiten zu nehmen. Wichtig ist, deine eigenen Grenzen zu respektieren und Aufgaben gegebenenfalls abzugeben.

Warum ist es wichtig, mein eigenes Tempo zu finden?

Jeder verarbeitet Veränderungen unterschiedlich schnell. Wenn du dir genug Zeit gibst – z. B. beim Packen oder Abschiednehmen – kannst du emotional besser mit dem Umzug umgehen und Stress reduzieren.

Was hilft mir zusätzlich, den Umzugsstress zu reduzieren?

Regelmäßige Ruhephasen, Unterstützung durch andere und bewusste Regeneration nach dem Umzug sind entscheidend. Vermeide es außerdem, dein neues Zuhause ständig mit dem alten zu vergleichen.

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