Das enorme Wahrnehmungsvermögen von Hochsensiblen

Das enorme Wahrnehmungsvermögen von Hochsensiblen, Fachartikel, Christiane Baumann

(cba-db047-b01) Wir Hochsensiblen haben einfach ein besonders hohes und intensives Gefühls- und Wahrnehmungsvermögen. Man könnte quasi sagen, dass wir eigentlich keinen Reizfilter besitzen. Das wiederum bedeutet, dass einfach alles komplett ungefiltert bei uns ankommt und wir automatisch aufnehmen.

Christiane Baumann, Netzwerk Hochsensibilität
Ein Beitrag von Christiane Baumann

Stell dir mal ein Sand-Sieb vor, und zwar ein normal feines. Dies stellt im Prinzip den Filter der Normalsensiblen dar. Hier rieseln in kleinen Mengen die Reize ein, die einzeln verarbeitet werden können. Bei uns hingegen sieht das ein bisschen anders aus. Wir besitzen dieses Sieb nicht wirklich. Das heißt, mal überspitzt dargestellt, der Sand fällt auf einmal durch und wir bekommen alle Reize ungesiebt auf einen Schlag präsentiert – auch so ein bisschen zu vergleichen mit einem ganzen Sandberg, der auf einmal vor uns steht. Und um ihn abzutragen, brauchen wir einfach etwas mehr Zeit und da kann es eben schneller zur Erschöpfung kommen. Gerade dann, wenn wir noch keinen Weg gefunden haben, wie wir uns Pausen in den Alltag bauen können.

Das enorme Wahrnehmungsvermögen von Hochsensiblen, Fachartikel, Christiane BaumannViele sehen nur diesen Berg Stress, und resignieren. Sie nehmen ihn einfach hin – sozusagen als gegeben. Anstatt mal zu überlegen, okay so ist es! Ich bin einfach so gestrickt, daran kann ich nichts ändern. Was ich aber ändern kann, ist meine Einstellung dazu, und wie ich mir die nötigen Pausen gestalte.

Wir brauchen einfach mehr Pausen als Normalsensible.

Steh doch auch dazu! Dann ist alles wohinter du stehst authentisch, und du strahlst diese Einstellung auch aus. Keiner wird auf die Idee kommen, es zu belächeln. Du bist fest entschlossen, dass das das Beste für dich ist und das ohne Fragezeichen, sondern mit einem Ausrufezeichen. Das ist Selbstfürsorge!

Ich hatte mal einen Test machen lassen, wo der Cortisolspiegel gemessen wurde und ich war nicht erstaunt, als ich gerade in der Depression steckte, dass dieser erhöht war. Was mich aber total erstaunt hatte war, dass er auch in heutiger Zeit stark erhöht ist, zwar nicht mehr so hoch wie damals, aber außerhalb des Normbereichs. Ich hab mich dann schlau gemacht und herausgefunden, dass bei den meisten Hochsensiblen der Cortisolspiegel erhöht ist. Was ganz klar mit den ständigen Reizen zu tun hat, der natürlich erst einmal Stress in uns verursacht.

Wir haben täglich mit Reizüberflutung und Überstimulation zu tun, wohingegen andere alles als normal empfinden.

Das enorme Wahrnehmungsvermögen von Hochsensiblen, Fachartikel, Christiane Baumann, Bild02Eben weil sie einen Reizfilter besitzen und filtern können und wir eben nicht. Ich möchte kurz noch ein paar Beispiele geben, die zur Überreizung führen können. Auch hier kommt es wieder darauf an, welcher Sinneskanal ausgeprägter ist.

  • Sehen: Lichtempfindlichkeit/visuelle Überreizbarkeit, braucht schnell eine Sonnenbrille, sonst kann es zu Kopfschmerzen o. Ä. kommen
  • Hören: Geräuschempfindlichkeit/Straßenlärm, laute Gespräche, Tassenklirren, Streit etc.
  • Geruch/Geschmack: geruchs- und geschmacksempfindlich, sensible Nerven, schmecken viele Zutaten raus
  • Haut: berührungsempfindlich, temperaturempfindlich, kratzige Kleidung stresst, zu enge Kleidung
  • Körperwahrnehmung: nimmt kleinste Signale des eigenen Körpers wahr, Neigung zu Allergien, Schmerzempfindlichkeit
  • Umweltwahrnehmung: spürt Gefühle von anderen, leidet unter Ungerechtigkeit, Weltschmerz, Umwelteinflüssen

Christiane Baumann, Netzwerk Hochsensibilität, Bild02Das kann bei jedem anders gelagert sein – aber meist passen 2-3 Punkte.

Nur durch Selbstfürsorge und den Selbstschutz können wir die Spitze des Stressberges abfedern

Wenn wir das beherzigen und ausreichend auf uns achten, dann können wir als Hochsensible auch wieder die vielen Vorteile sehen, die wir haben.

Ich wünsche dir jetzt erstmal einen wunderschönen Tag, achte auf dich und lass es dir gut gehen.


Christiane Baumann, Mental- und Emotions-Coach sowie Podcasterin,
Netzwerkmitglied für München (D), Gründerin von www.gefuehlsmanufaktur.de

Autorin von „GefühlVOLL: Wie du deine Hochsensibilität annimmst, emotionalen Stress erkennst und seelische Blockaden löst“
ISBN 979-8-7140281-8-2


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6 Kommentare

  1. Vielen lieben Dank für deinen Artikel, jetzt bin ich schlauer und kann mir mir „arbeiten“, statt mich ständig wie in Vergangenheit in Frage zu stellen 🙂

  2. Ich weiß seit 5 Jahren,dass ich Hochsensibel bin.
    Für mich ist es nicht so leicht, Geräusche zu unterdrücken. Ich lerne die Gebärdensprache und da bin ich sehr schnell überfordert, wenn andere reden oder die Gehörlosen Geräusche machen.
    Und die Hochsenibilität hat mir in der letzten Beziehung geholfen, dass er ein toxischer Mann ist. Nach 6 Monaten war es vorbei nur mit den Nachwirkungen hatte ich lange zu kämpfen. Dank meiner Freunde und meinem Therapeuten geht es mir gut.

  3. Dass ich hochsensibel bin, weiß ich schon seit einer Weile, aber immer wieder werden mir Dinge klar, die ich bisher noch nicht damit in Verbindung gebracht habe. Beim Lesen des Artikels hatte ich wieder so ein Aha-Erlebnis: Wenn ich zu enge Kleidung trage, macht mich das richtiggehend aggressiv und ich muss das Kleidungsstück so schnell wie möglich loswerden. Dass das mit der Hochsensibilität zu tun hat, hatte ich bisher nicht auf dem Schirm – vielen Dank dafür! <3

    1. So ging es mir auch grade beim lesen des Artikels! Fiel mir wie Schuppen von den Augen… Dass ich definitiv. Auch der erhöhte Cortison Spiegel ist jetzt endlich mal erklärt … seit Jahren, wenn ich schon von Arzt zu Arzt

  4. Hallo Frau Baumann,
    vielen herzlichen Dank für Ihren Artikel.
    Ich bin selber hochsensibel veranlagt. Habe lange Jahre nicht verstanden, dass ich so viel anders wahrnehme wie andere Menschen.
    Ich konnte die Hochsensibilität für mich transformieren und arbeite nun als Aura- und Chakraanalystin. Ich bin Hellsichtig und kann dadurch meinen Patienten nochmal anders unterstützen.
    Herzliche Grüße Renate Zwerger

    1. Danke danke für diesen kleinen Artikel, Renate. Jetzt heule ich fast. Es ist schwer irgend jemand zu versuchen zu erklären was man fühlt. Gerade wenn es sich total spooky anhört. Ich bin ein gläubiger Mensch, streichle gerne schwarze Katzen und mache Wäsche zwischen Feiertagen (bin nicht abergläubisch) . Aber manchmal habe auch ich seltsame Erlebnisse, die nicht weiter erklärbar sind. Wen soll man sowas erzählen? Bist du doch gleich die „verrückte Alte“…

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