Warum Hochsensible ständig ein schlechtes Gewissen haben
(Von Susanne Hillar) Du hast schon so viel gemacht:

- Du hast dich mit deiner Kindheit beschäftigt.
- Du weißt, warum es dir schwerfällt, Nein zu sagen.
- Du hast verstanden, dass du deine Bedürfnisse oft hintenanstellst.
- Du weißt, dass Hochsensibilität oft bedeutet, andere schnell im Blick zu haben – und dich selbst eher zu vergessen.
Und trotzdem ist es noch da:
- Dieses permanente schlechte Gewissen.
- Diese innere Unruhe.
- Dieses Gefühl, du dürftest auf keinen Fall einfach mal ausruhen.
Du setzt dich mit einer Tasse Kaffee hin – und dein Kopf sagt:
- Der Haushalt wartet.
- Du müsstest noch was erledigen.
- Du kannst doch jetzt nicht einfach nichts tun.
Vielleicht hast du aber auch ständig ein diffuses Schuldgefühl. Dieses vor dem Schlafen nochmal den Tag durchgehen, ob du ja nichts falsch gemacht hast. Dass du an alles gedacht hast, dass du niemandem auf die Füße getreten bist.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl sehr gut. Und egal, wie viel du reflektierst, egal wie viel Therapie du schon gemacht hast – das schlechte Gewissen bleibt.
Was, wenn das schlechte Gewissen & deine Schuldgefühle viel tiefer sitzen und gar nicht deine sind?
Warum Hochsensible sich oft schuldig fühlen
In der transgenerationalen Arbeit sprechen wir vom sogenannten Schuld-ECHO® – ein Gefühlsmuster, das über Generationen weitergegeben wird.
Es zeigt sich zum Beispiel so:
- Du entschuldigst dich ständig.
- Du hast oft Angst davor, etwas falsch zu machen.
- Du gehst oft abends im Bett einmal deinen ganzen Tag durch und bleibst bei den Momenten hängen, in denen du anders hättest reagieren können und bist hart mit dir.
- Du hast Schuldgefühle, wenn du Nein sagst.
- Du hast Schuldgefühle, wenn du dich ausruhst.
- Du hast Schuldgefühle, wenn du deine Bedürfnisse ausleben willst.
Dieses Gefühl kann aus Erfahrungen stammen, die vergangene Generationen gemacht haben – deine Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern – etwa durch Krieg, existenzielle Not oder Angst.
Und auch, wenn du darüber nichts Konkretes weißt, dein Nervensystem, dein Körper erinnert sich trotzdem.
Und so kann es sein, dass du heute Schuld empfindest, obwohl du im Hier und Jetzt nichts falsch gemacht hast, sondern weil vielleicht deine Ahnen und Ahninnen geschwiegen haben, statt einzugreifen. Weil sie andere denunziert haben. Weil sie anderen Schaden zugefügt haben. Oder sie hatten das Gefühl, schuld an etwas zu sein.
Und dieses alte Programm läuft heute noch – in völlig anderen Situationen.
Nicht, weil du etwas falsch machst, sondern weil die Schuld epigenetisch weitergegeben wurde – als Überlebensstrategie, als Versuch, Kontrolle in einer unkontrollierbaren Welt zu behalten. Aus einer Zeit, in der Schuld vielleicht wirklich lebenswichtig war, um Zugehörigkeit oder Sicherheit zu bewahren.
Warum sich Schuldgefühle nicht einfach abschalten lassen
Dieses schlechte Gewissen, das diffuse Schuldgefühl fühlen sich nicht an wie Gedanken, die man einfach ausschalten kann. Weil es nicht im Verstand sitzt. Es sitzt tiefer. In deiner Nackenverspannung. Als Last auf deiner Schulter. In deinem überreizten Nervensystem. Als Stein in deinem Magen. Als Kloß im Hals. Und genau da können wir ansetzen. Epigenetisch-somatisch – und wirklich was bewegen.
Und wenn du beim Lesen gemerkt hast – das Thema macht was mit mir, dann hör gern in meinen Podcast rein „Sensitive Space“ – Folge 21. Da erfährst du noch mehr zum Thema. Siehe: https://www.susannehillar.de/podcast
Warum dein schlechtes Gewissen nicht dein Fehler ist
Was ich mir wirklich wünsche ist, dass du verinnerlichst, dass es nicht an dir liegt, dass das schlechte Gewissen nicht gehen will und dass dich auch hier keine Schuld trifft. Du trägst eine uralte Überlebensstrategie in dir, die dir nicht mehr dient.
Und es ist an der Zeit, dass wir diese Muster lösen.
Für uns selbst und für die, die nach uns kommen.
Für mehr innere Ruhe & Zufriedenheit.
Alles Liebe für dich,
Susanne
Susanne Hillar
ist systemischer Kinder-, Jugend- und Erwachsenencoach
www.susannehillar.de
Netzwerkmitglied für 50733 Köln (D)
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Hochsensible nehmen Stimmungen, Erwartungen und unausgesprochene Spannungen sehr genau wahr. Dadurch fühlen sie sich schnell verantwortlich, selbst wenn objektiv kein Fehler vorliegt. Das schlechte Gewissen entsteht häufig aus einem tief verankerten Muster, das mit übermäßiger Verantwortungsübernahme und dem Wunsch nach Harmonie zusammenhängt.
Viele Hochsensible haben gelernt, die Bedürfnisse anderer über die eigenen zu stellen. Sobald sie sich abgrenzen oder eine Pause nehmen, meldet sich ein innerer Alarm. Dieses Schuldgefühl ist oft kein rationaler Gedanke, sondern ein tief gespeichertes Reaktionsmuster im Nervensystem.
In der transgenerationalen Arbeit wird davon ausgegangen, dass bestimmte Gefühlsmuster über Generationen weiterwirken können. Belastende Erfahrungen wie Krieg, Angst oder existenzielle Not können epigenetische Spuren hinterlassen, die sich später als diffuses Schuldgefühl zeigen, obwohl im Hier und Jetzt keine reale Schuld vorliegt.
Weil sie nicht nur im Verstand sitzen. Viele Betroffene spüren sie körperlich, etwa als Druck im Magen, Verspannung im Nacken oder Kloß im Hals. Das weist darauf hin, dass das schlechte Gewissen tief im Nervensystem verankert ist und nicht allein durch rationales Umdenken verschwindet.
Nein. Das schlechte Gewissen ist laut dem Artikel kein persönlicher Fehler, sondern häufig eine alte Überlebensstrategie, die früher Sicherheit oder Zugehörigkeit sichern sollte. Heute darf dieses Muster bewusst erkannt und Schritt für Schritt gelöst werden, damit mehr innere Ruhe und Zufriedenheit entstehen kann.
