Warum Langeweile für Hochsensible gut und anstrengend ist

Warum Langeweile für Hochsensible gut und anstrengend ist, Mädchen am Schreibstisch

(Von Friederike Hüsken, Netzwerkmitglied für 24113 Kiel/D) ♥ ♥ ♥ Es gibt bereits viele Artikel darüber, wie wichtig Langeweile und auch Muße sein können. Kreativität, Ideen und Impulse können schlecht aus dem Boden durchgetakteter Routine als auch des Stresses erwachsen. Doch warum ist Langeweile für Hochsensible eine zusätzliche Herausforderung?

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Friederike Hüsken

Was wir wissen ist, dass das Gehirn von Hochsensiblen permanent auf Höchstleistung die Verarbeitungsraketen abfeuert.

Reize im Außen (und Innen) werden tiefer verarbeitet.

Das bedeutet, dass das hochsensible System andere Bedürfnisse hat und stets gut versorgt sein will. Mit Nährstoffen und Energie – aber auch mit Pausen für Regeneration und Ruhe.

Langeweile ist etwas, das schon bei Nichthochsensiblen manches Mal für das berühmte P in den Augen sorgt. Viele Eltern haben ihre Erfahrungen damit (nicht nur) während des Lockdowns in der Coronazeit gemacht. Aber auch Nicht-Eltern kann ein Satz oder die Erkenntnis „mir ist langweilig“ zur Qual werden.

Langeweile als Herforderung für Hochsensible

Das hochsensible (Nerven-)System mag keine Veränderungen. Es mag Sicherheit. Macht auch Sinn, wenn man sich überlegt, dass die Wahrnehmung hochsensibler Personen darauf evolutionär geschult ist, hinter jedem Busch den Säbelzahntiger zu vermuten.

Struktur, geregelte Abläufe, Ordnung und Routine können sehr viel Sicherheit geben.

Wenn dann allerdings Perfektionismus, ein (zu) hoher Anspruch und das berühmt wie berüchtigte „Nicht-Nein-Sagen-Können“ hinzukommen, sind der Terminkalender und der Kopf voll. Meist ohne (ausreichend) Pausen. Es ist kein Platz für Muße, für Sein, für aus dem Fenstergucken und Nichts-Tun. Geschweige denn „Nichts-Denken“.

Und das ist für Hochsensible eh schon sehr sehr schwierig.

Das Gedankenkarussell dreht sich und die Grübelgedanken werden gegrübelt bis sich die Katze wieder in den Schwanz beißt – oder die Überreizung selbstproduziert Tribut einfordert.

Pausen sind wichtig. Soweit – so gut. Doch was eine Pause sein kann und ob diese erholsam ist, ist individuell.

Warum Langeweile für Hochsensible gut und anstrengend ist, junger Mann sitzend

Wann wird für Hochsensible aus „Zeit zu haben“ Langeweile?

Auch das ist wohl individuell. Dennoch fällt auf, dass viele Hochsensible im berühmten Hamsterrad sind und sich wünschen auszusteigen. Wenn dann eine unverhoffte Pause eintritt – durch Terminausfälle, Urlaub, Krankheit usw. – fällt die buchstäbliche Decke des Hamsterrades auf den hochsensiblen Grübelkopf.

Und genau das ist es, was so anstrengend ist.

Gibt es auf einmal Raum und Zeit, fühlt es sich für viele erstmal unangenehm, wenn nicht sogar bedrohlich an. Denn vor der Langeweile stehen noch diverse Gedankenkarusselle. Denn die Pause ist ja meist unverhofft. Sonst hätte man sich ja sicherlich eine „sinnvolle Tätigkeit“ eingeplant, um das Zeitfenster effizient zu nutzen … damit keine Langweile aufkommt.

Die paar Minuten an der Bushaltestelle, im Wartezimmer oder an der Kassenschlange im Supermarkt – permanent werden potenzielle Langeweile-Momente durch das allgegenwärtige Smartphone verhindert.

Denn wenn Sicherheit mit Routine, Struktur und Beschäftigung wegfallen, kann Angst den Platz einnehmen.
Und wer spürt schon gern Angst? Oder den Druck, der aufkommt bei der Idee, was man nicht alles Anderes hätte tun können in der Zeit?

Erst, wenn diese Phase überwunden wird, kann sich die Langeweile einstellen.

Daher ist es eigentlich ein gutes Zeichen, wenn der hochsensible Mensch Langeweile hat. Denn das bedeutet, er/sie kommt an im Nichts-Tun, im Nicht-Denken. Um nicht zu sagen im „Sein“. Und das ist der Raum der Möglichkeiten, in dem Kraft geschöpft, aufgetankt werden und Neues entstehen kann.

Warum Langeweile für Hochsensible gut und anstrengend ist, Mädchen an den Haaren spielend

Hochsensible brauchen Mut, Langeweile auszuhalten

Haben Sie den Mut, Langweile nicht nur auszuhalten. Haben Sie den Mut, Langeweile für sich zu „nutzen“ in dem Sie sie nicht gleich zuplanen, Streaming-Dienste „leergucken“ oder mit dem Abarbeiten von To-Do-Listen wegschieben.

Versuchen Sie Ihrem System zu vertrauen.

Es zeigt Ihnen, was es braucht. Die Welt geht nicht unter, wenn Sie 5 Minuten aus dem Fenster starren ohne „produktiv“ zu sein. Haben Sie den Mut hinzusehen, was sich in dem Langeweile-Loch zeigen möchte. Vielleicht steht die nächste Geschäftsidee, das beste Geburtstagsgeschenk, eine Lösung für ein Problem oder das nächste Urlaubsziel schon in den Startlöchern.

Und haben Sie den Mut hinzufühlen, wenn sich aus dem Langeweile-Loch eine Emotion hochschleicht, die gefühlt und nicht verdrängt werden will.

Haben Sie Mut, JA zur Langeweile zu sagen 🙂

Friederike Hüsken

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Friederike Hüsken

ist Fachberaterin für Hochsensibilität
www.sensibelle.de

Netzwerkmitglied für 24113 Kiel (D)

2 Kommentare

  1. In einem Kommentar hatte ich erwähnt, dass gerade auch hochbegabte gleichzeitig hochsensibel sein können.
    Es ist wie überall eine Frage der Menge / Anteils.
    Nur wie kann ich das feststellen?
    Dazu kommen auch noch zusätzliche Varianten, usw.
    Fachärzten/ -Männer findet man kaum, oder es geht nur gegen hochen Rechnungen. Dabei möchte man gar nicht so eine 100%ige Aussage.
    Gibt es zb irgend ein Test im Internet?

    Wäre lieb eine Antwort zu bekommen.

    LG Klaus S

    1. Lieber Klaus, Hochsensibilität und Hochbegabung würde ich zunächst getrennt betrachten. Hochsensibilität ist keine Krankheit und deshalb gibt es dafür auch keine medizinische Diagnose, die ein Facharzt stellen müsste. In der Forschung spricht man meist von „Sensory Processing Sensitivity“, also einem Merkmal, das unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann.

      Es gibt Fragebögen zur Hochsensibilität, die zur Selbsteinschätzung dienen können. Ein Ergebnis sollte man aber eher als Orientierung verstehen und nicht als eindeutigen Nachweis „Ich bin hochsensibel“ oder „Ich bin es nicht“. Gerade wenn Sie gar keine hundertprozentige Aussage benötigen, kann so eine Selbsteinschätzung zusammen mit der Beobachtung des eigenen Erlebens durchaus sinnvoll sein. Siehe unser Test: https://www.hochsensibilitaet-netzwerk.com/hochsensibel-test/

      Anders ist es bei Hochbegabung: Wenn man tatsächlich wissen möchte, ob eine Hochbegabung vorliegt, lässt sich das mit einem standardisierten Intelligenztest wesentlich zuverlässiger feststellen. Internet-IQ-Tests können höchstens einen ersten Hinweis geben.

      Beides kann natürlich gleichzeitig vorkommen – aus dem einen lässt sich das andere aber nicht ableiten.

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