10 Tipps gegen Reizüberflutung

(Von Sandra Tissot)

Hochsensible Menschen sind nicht nur in der Lage, Geräusche, Gerüche, Licht etc., sondern auch Menschen in ihrem Umfeld besonders gut wahrzunehmen. Sie erfassen ihre Gedanken, Emotionen und Stimmungen. Treffen dann beispielsweise in Meetings, auf Veranstaltungen oder bei privaten Treffen laute Geräusche, Gerüche und viele unterschiedliche Menschen zusammen, kann schnell alles zu viel werden. Die Reizüberflutung droht. Dann beginnt plötzlich der Kopf nicht mehr mitzumachen. Der Lärmpegel wird unerträglich. Klare Gedanken sind nicht mehr möglich. Die Gelassenheit verschwindet und man möchte dem Geschehen so schnell wie möglich entfliehen.

Folgende Tipp helfen Dir dabei, Dich im Alltag besser vor Reizüberflutung zu schützen.

1. Setze auf bewusste Atempausen

„Hol mal tief Luft“ ist nicht nur eine Floskel, sondern kann Dir im Alltag wirklich dabei helfen, Dich vor Reizüberflutung zu schützen. Für das bewusste Atmen kannst Du Dir täglich ein paar kleine Pausen gönnen, in denen Du beispielsweise eine vollständige Yogaatmung duchführst. In Stresssituationen können Dich kleinere Mini-Atemübungen wieder ruhiger machen: Konzentriere Dich hierfür kurz nur auf Deine Atmung und atme dreimal hintereinander tief ein und aus.

2. Visualisiere Situationen bereits im Voraus

Neue und ungewohnte Situationen sorgen bei Hochsensiblen schnell in Stress. Die Präsentation einer Idee vor Kollegen oder gar eine Rede vor einer größeren Anzahl von Zuhörern versetzen unseren Körper in höchste Alarmbereitschaft. Hier kann die Visualisierung von bestimmten Situationen im Voraus helfen. Du weißt wo Du Deine Präsentation oder Rede halten wirst? Besuche die Räumlichkeiten bereits vorab, stelle Dir vor, wo die Zuhörer sitzen werden ggf. kannst Du Deine Worte bereits einmal im leeren Raum an ein „imaginären Publikum“ richten. Das macht Dich mit der Situation vertraut und kann Dir dabei helfen, Deine Energien zu kanalisieren.

3. Plane Auszeiten ein

Tagsüber im Büro arbeiten, Mittagspause ausfallen lassen und abends noch voll motiviert mit Freunden treffen? Was vielleicht für Normalsensible völlig selbstverständlich klingt, ist für Hochsensible fast unmöglich. Wir benötigen regelmäßige Auszeiten und Pufferzeiten, um uns entspannen zu können. Wenn Du Dir täglich Deine kleinen Freiräume sicherst, wirst Du schnell bemerken, dass Du tagsüber auf Arbeit konzentriert mit mehreren Menschen arbeiten kannst und immer mal wieder am Abend sogar noch die Kraft hast, Dich mit Freunden zu treffen.

4. Hör auf Dich mit anderen zu vergleichen

Dein Kollege schafft scheinbar viel mehr Arbeit als Du? Deine Freunde haben überhaupt kein Problem mit Lärm und Dich machen schon Geräusche, wie das leise Telefonat Deines Mitarbeiters oder gedämpfte Gespräche aus Nachbarwohnung verrückt? Deine Hochsensibilität wird Dich alles immer intensiver wahrnehmen lassen. Der Vergleich mit anderen Menschen hilft Dir hier nicht weiter. So simpel wie es klingen mag, mache Deinen Frieden damit.

5. Schwimme nicht mit dem Mainstream

Hier mal ein paar Beispiele: Der klassische Deutsche plant Urlaubsreisen oft schon Monate im Voraus und Dir ist schon der Gedanke daran unerträglich? Viele Menschen sehen Statussymbole wie Autos, Häuser etc. als Zeichen für Erfolg, Dir sind die Verpflichtung und der Materialismus zu viel? Eltern in Deinem Umfeld unternehmen täglich mit ihren Kindern Ausflüge auf den Spielplatz, in den Freizeitpark u.v.m. und Du bist froh, wenn Du mal einen ruhigen Nachmittag mit Deinem Kind verbringen kannst? Erlaube Dir zu sein, wie Du bist und passe Deinen Alltag ein Stück weit mehr Deinen hochsensiblen Bedürfnissen an. Am Leben teilzunehmen heißt nicht immer, alles so zu machen, wie es andere Menschen tun

6. Lebe im „Hier und Jetzt“

Wir neigen dazu uns mit Gedanken und Situationen aus der Vergangenheit zu quälen und uns beispielsweise Gesprächsinhalte immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Wie könnte der andere das Gesagte gemeint haben etc.? Das andere Extrem sind Gedanken an die Zukunft, oft gepaart mit Ängsten. Dabei vergessen wir im Augenblick zu leben. Halte Dir bewusst vor Augen, was das „Hier und Jetzt“ gerade schön macht. Scheint gerade die Sonne durchs Fenster, hast Du gerade ein tiefgründiges Gespräch geführt, hat Dich Dein Mann soeben liebevoll angelacht? Es sind die kleinen Momente die unser Leben gerade in diesem Augenblick bereichern.

7. Vergiss Perfektionismus

Du willst immer alles besonders gut machen – ganz gleich, ob es um die Arbeit für Deinen Kunden geht oder um das Zusammenleben mit Familie und Freunden. Das Tragische daran ist, es wird Dir nie gelingen. Egal wie gut und perfekt Du Deine Arbeit auch machst, es wird immer jemanden geben, der an irgendeiner Stelle damit nicht zufrieden ist. Das heißt nicht, dass Du ab jetzt nachlässig werden sollst, nur das Du Dir vor Augen führst, dass es nichts gibt, was wirklich perfekt ist.

8. Genieße das Alleinsein, ohne einsam zu sein

Viele Menschen können Alleinsein und Einsamkeit nicht voneinander unterscheiden, für uns Hochsensible ist diese Unterscheidung nahezu überlebenswichtig. Wir benötigen Zeit nur ganz für uns allein, um uns zu erholen und unser Innerstes wieder von den täglichen Reizen der Außenwelt zu neutralisieren. Das Alleinsein gibt uns neue Energie und hat nichts mit Abschottung oder gar Einsamkeit zu tun.

9. Kommuniziere offen und ehrlich

Selbst sehr empathische Menschen in Deinem Umfeld sind nicht immer in der Lage, Deine aktuelle Gefühlslage zu erkennen oder Situationen richtig einzuschätzen. Stell Dir folgende banale Situation vor: Du bist auf eine Party bei Freunden, die Musik ist bis zum Anschlag aufgedreht und Dein Gegenüber versucht Dich gerade in ein sehr persönliches Gespräch zu verwickeln. Du kannst das instinktiv spüren, aber der Lärm im Hintergrund treibt Dich so in den Wahnsinn, dass Du schon zu Beginn des Gesprächs nicht mehr aufnahmefähig bist. Anstatt die Situation „durchzustehen“ und am Ende Gefahr zu laufen nur mit halben Ohr hinzuhören, kommuniziere lieber offen und ehrlich, dass es gerade viel zu laut ist und schlage ggf. vor kurz nach draußen zu gehen, die Musik etwas leiser zu drehen.

10. Höre auf Deine innere Stimme

Wenn nicht Du, wer dann? Egal wie Du es auch nennen magst, Bauchgefühl, innere Stimme, höheres Ich – Du hast die Fähigkeit und das ist Dir im Grunde auch längst bewusst. Nutze diese innere Stimme und sie bewahrt Dich oft nicht nur vor Reizüberflutung, sondern öffnet Dir neue Türen.

Sandra Tissot, www.sandra-tissot.de
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4 Kommentare

  1. PS: Die 10 Tipps finde ich toll und lebe, dank meiner inneren Stimme die meisten davon ganz automatisch aus.

    Solche Situationen wie die genannte, fallen mir dennoch immer wieder aufs Neue sehr schwer. Und wenn ich da auf meine innere Stimme hören würde, wären das Situationen. die ich in den meisten Fällen einfach komplett meiden würde. Vielleicht ist das auch eine Form der Lösung, nicht immer alles zu tun, um es anderen recht zu machen.

  2. Ausgeprägte Sinne und ihre Folgen.

    Eigentlich müsste es einen neuen Namen dafür geben, denn bisher finde ich nur die Kürzel wie HSP oder HSSP
    also nenne ich es einfach mal:
    HSHSHSP < Was so viel heißen soll, wie:
    HochSensitive-HochSensible-Hochbegabte-Scanner-Person

    Ob man nun daran glaubt oder nicht ist erst einmal völlig egal, denn es ist einfach nicht von der Hand zu weisen, dass es Menschen gibt, die schneller reagieren, mehr Fühlen, anders Hören, ausgeprägter Riechen und intensiver schmecken können.
    Bewusst verwende ich hier das Wort anders, statt besser und die Wörter ausgeprägter und intensiv, anstelle von gut oder schlecht.
    Denn es geht hier nicht darum eine Wertung oder Beurteilung vorzunehmen, sondern genau dieses vorgefertigte Muster, endlich einfach zu unterbrechen.
    Es ist also einfach unterschiedlich und dieses unterschiedliche muss man zugestehen und das gilt es jetzt einfach mal kritikfrei anzunehmen.

    Für alle Angehörigen, vielleicht hilft es ein wenig, mal ein kleines Stück in unsere Welt einzutauchen.

    Ausgeprägte Sinne und ihre Folgen. Fluch oder Segen.

    Ich beschreibe einfach mal wie es mir in einem Restaurant geht:

    Ich werde oft und gerne eingeladen, gelte als nette, höfliche Begleitung und so habe ich schon einige Restaurants besucht, wobei ich es zu 99% für mein Gegenüber getan habe und nicht etwa, weil es mein Wunsch gewesen ist, in ein Restaurant zu gehen.

    Warum ist das so?

    Ein Restaurantbesuch ist oftmals sehr teuer und auch wenn ich eingeladen werde, esse ich es einfach in den seltensten Fällen den zubereiteten Speisen ab. Und so ist es für mich auch keine wertvolle Form von Erfahrung dort zu sein. Auf der anderen Seite aber weiß ich natürlich auch wie wichtig es für meine Kunden, Kollegen, Bekannte, Freunde, Familie oder meinen Partner sein kann Essen zu gehen.
    Also gehe ich immer mal wieder mit in ein Restaurant.
    Nun kommen wir aber zu dem eigentlichen Teil, warum ich darüberschreibe: Wie ist das Erlebnis für einen hypersensiblen Menschen oder noch genauer für einen HSSSP
    DER RESTAURANBESUCH AUS MEINER PERSPEKTIVE:
    Ein weggehen und ein gemeinsames Essen in einem Restaurant ist für mich oft sehr anstrengend. Erst einmal weiß ich nicht ob mir das Essen dort schmecken wird und dennoch muss ich mich zumindest im Ansatz so verhalten, als wenn es lecker wäre auch wenn ich das selbstgekochte an der Stelle deutlich bevorzugen würde.
    Unterhaltung
    Ja ich kann viel sprechen, viel erzählen und höre auch unheimlich gerne zu aber ich möchte nicht nonstop sprechen und zuhören, sondern liebe es, mich auch einfach mit den liebevoll und mühsam angerichteten Komponenten auf meinen Tellern zu beschäftigen, dessen Auswahl nicht gerade das leichteste für mich ist.

    Die Essensauswahl
    Wer intensiv riecht und schmeckt, der schaut anders in die Speisekarte. Ich schlage diese also auf und würde gern das Eine oder andere miteinander kombinieren aber gewiss nicht in der vorgefertigten Kombination präferieren. Oft wähle ich darum mehr als eine Mahlzeit aus und esse auch noch die Vorspeise gleichzeitig mit dem Hauptgang. Und ja das kann man nicht immer machen und es stößt auch nicht wirklich auf Verständnis oder Zustimmung, wenn man das so bestellen möchte, denn dein Gegenüber isst dann bereits seine Vorspeise und du wartest oder knispelst schonmal ein wenig an deiner herum. Da du aber schon den Geschmack auf der Zunge hast, wie sich der Salat oder die Suppe mit deinen gewählten Speisen entfaltet, wartest du bis diese auf dem Tisch stehen. Mit Kunden kann ich das nicht machen und bei Bekannten halte ich mich diesbezüglich auch zurück. Familie und Freunde kennen meine Eigenarten und empfinden diese nun nicht mehr als ungewöhnlich und bringen sie einfach mit mir in Verbindung aber wundern sich nicht.
    Meine Teller
    Oftmals sind die anrichteten Teller für mich das Schönste. Solange die Komponenten einigermaßen getrennt sind, genieße ich diese erst einmal mit der Verwendung der verschiedenen Gewürze und Kräuter. Danach erst mische ich die eine oder andere Komponente zu einer harmonischen Mischung zusammen und lasse sie sich auf der Zunge entfalten.
    Ich beachte also die Konsistenz, die Verwendung der Gewürze und Kräuter, wie es angerichtet ist und wie es sich geschmacklich entfaltet. Das alles kostet natürlich seine Zeit und ich bin sowieso wahrlich kein schneller Esser.
    Parallel
    Nun kommt der nächste Punkt, was läuft neben den Gesprächen, neben der Art das Essen zu genießen.
    Die verschiedenen Gerüche der anderen Speisen auf den Tellern der Gäste und hier schreibe ich nicht von dem Tisch, an dem ich mich befinde. Außerdem rieche ich diese dann gemischt mit Aftershave Parfüm, Deos, Cremes, Schuhputzzeug, Schweiß, Haarwaschmitteln, Weichspülern, Waschmittel und co.
    Dann kommen noch die Gerüche von Haustieren, Rauch und Alkohol mit dazu. Und wenn einer an meinem Tisch, einen dieser penetranten Gerüche mit sich bringt, versuche ich so flach wie möglich zu atmen.
    Als wäre all das nicht schon weit mehr als genug kommen nun noch all die allgemeinen Gerüche des Restaurants obendrauf: Das geht beim Inventar los und zieht sich von den Pflanzen zu den Aquarien, Wasserquellen, der Küche und nicht zuletzt bis zu den Toiletten.
    All diese Gerüche während ich eigentlich nur versuche mich mit meinem Essen zu beschäftigen und gern einzig die Gerüche der einzelnen Komponenten auf meinen Teller hätte.
    Wenn eine Person, die mir mein Essen bringt Raucher oder ähnliches ist dann rieche ich das nicht nur wenn er mir das Essen bringt und neben mir steht, nein dann klebt dieser Geruch, buchstäblich eine Zeit lang an meinem Tellerrand und ich ekel mich vor meinem eigenen Essen. Am liebsten hätte ich von zuhause für solche Fälle einen Pappteller oder eine Dose dabei und so ungern ich von diesen esse, wäre es mir in solchen Momenten dennoch tausendmal lieber.

    Aber ich wahre natürlich den Anstand, drehe den angefassten Tellerrand soweit es geht von mir weg und verschiebe mein Essen auf die andere Seite.
    Gespräche
    Alle reden laut und völlig durcheinander, sie unterhalten sich, lachen, diskutieren, streiten oder flirten. Und das schlimmste, sie lästern über Arbeitskollegen, Bekannte, Familie und Freunde
    Ich höre also x Gespräche, Sorgen und Nöte und spüre die verschiedenen Stimmungen um mich herum, nicht zuletzt auch durch die verschiedenen Tonlagen und deren Körpersprache und meine Aufgabe ist es bei all den Eindrücken, Gerüchen und Geräuschen meinem Gegenüber noch gerecht zu werden und bestenfalls auch nicht gänzlich den Appetit zu verlieren und dabei auch immer die Contenance zu bewahren.
    Ich fühle mich danach erschlagener als nach einer Woche Arbeit.
    EIN Besuch dieser Art ist eine Riesen Anstrengung und wenn ich an einem Montag weiß, dass ich an einem Donnerstag essen gehe. Dann bereite ich mich innerlich all die Tage zuvor schon einmal darauf vor und setze mich damit auseinander. Jeder dieser Gedanken strengt mich dann schon ein Stück weit an.
    Und ja es gibt auch andere Tage und spontanes Essen gehen aber wenn ich mich zuvor überhaupt nicht mit dieser Thematik auseinandersetzen konnte, fällt es mir umso schwerer, spontan zuzusagen.

    Vielleicht versteht man jetzt ein bisschen besser warum ein Restaurantbesuch für Menschen wie ich es Eine bin, sehr anstrengend ist.

    Und ja somit strengt mich ein Restaurantbesuch sehr an.
    In einem Cafe, Kino oder anderen geschlossenen Räumen geht es mir aber nicht groß anders. So sind auch die öffentlichen Verkehrsmittel eine echte Herausforderung.

    Und für alle die es einzig als Fluch betrachten. Es ist eine eigene Welt und ja dafür
    duftet ein Blume, wie für andere ein Meer aus Rosen und eine Tanne wie ein unberührter Wald und ich kann mir gar keine andere Welt vorstellen, sie würde sich für mich schon in Gedanken leer, farblos und tot anfühlen.

    Für Tipps jeder Art mit solchen Situationen besser umzugehen bin ich immer offen und ich bin auch immer auf der Suche nach Gleichgesinnten.

    Sonnige Grüßli

    Linda

  3. Das trifft alles zu. Allerdings kann man im Berufsalltag oft nicht entfliehen, auch wenn man möchte. Es gibt auch Kollegen, die einem die Energie rauben und das ist sehr schwierig abzustellen.

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