5 Tipps, wie sich Hochsensible besser abgrenzen können

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(Von Susanne Hillar) Ich hatte vor ca. zwei Jahren eine Erkenntnis: Ich habe den Tag mit einer Freundin verbracht, die Liebeskummer hatte und habe irgendwann gemerkt – hey, mir geht’s trotzdem gut, obwohl sie gerade totalen Herzschmerz hat. Ich war für sie da, habe ihr zugehört, aber ich selbst war nicht traurig.

Und ich war total erstaunt, denn bis dahin hatte ich alle Energien und Gefühle meiner Lieblingsmenschen aufgesaugt wie ein Schwamm. Ich konnte mich, wie viele andere Hochsensible, nicht richtig abgrenzen.

Wenn jemand traurig war, war ich auch traurig. Wenn jemand gut drauf war, habe ich mich anstecken lassen. Und das meistens total unbewusst.

Susanne Hillar, Netzwerkmitglied
Susanne Hillar

Irgendwo auf meinem Weg hatte ich gelernt mich abzugrenzen.

Das ging sogar so weit, dass ich mir manchmal wie in einer Achterbahn vorkam. Ich war total gut drauf und aus dem Nichts hätte ich heulen können. Ich habe mich manchmal total psycho gefühlt, weil meine Laune so wankelmütig war. Und ich oft gar nicht wusste, warum. Mittlerweile weiß ich es:

Ich hatte die Stimmung der Menschen in meinem Umfeld unterbewusst gespürt und sie zu mir genommen.

Aber das jetzt – dass jemand, der mir wichtig ist, so traurig war und es mir trotzdem gut ging an diesem Tag – das war komplett neu. Doch warum können sich sensible Menschen so schlecht abgrenzen?

Wir fühlen die Gefühle anderer Menschen.

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Uns wurde in der Kindheit oft gespiegelt, dass wir nicht gut so sind, wie wir sind. Dass wir „zu empfindlich”, „zu sensibel”, „nicht normal“ sind. Daraus haben wir geschlussfolgert: „Ich bin nicht liebenswert“.

Da wir aber geliebt werden wollen, dazugehören wollen, haben wir angefangen unsere Gabe, die Empathie, zu nutzen. Es wurde für uns soziale Wesen überlebenswichtig, unsere Umwelt zu lesen. Herauszufinden, was unser Umfeld braucht. Wie wir es schaffen, dazuzugehören, geliebt zu werden.

Wir haben angefangen, alles dafür zu tun, dass andere Menschen sich bei uns wohl fühlen.

Und das ist auch heute noch so: Wir hören ihnen zu, wenn es ihnen schlecht geht, obwohl wir selbst gerade total am Limit sind. Wir sagen Ja zu Dingen, zu denen wir gerne Nein sagen würden. Wir übernehmen Aufgaben, die kein anderer machen will, damit wir uns wertgeschätzt fühlen. Wir haben also nie gelernt, Grenzen zu setzen und dadurch können wir uns auch von anderen nicht abgrenzen.

Diese Strategie hat auch eine ganze Weile für uns funktioniert. Bis wir irgendwann total unzufrieden mit unserem Leben sind, uns vielleicht ausgenutzt oder leer fühlen. Bis wir irgendwann ausgebrannt sind.

Fünf Tipps, wie du dich besser abgrenzen kannst

1. Durchatmen:

Wenn du einen plötzlichen Stimmungsumschwung erlebst: Atme einmal tief durch und frag dich, ob das gerade dein Gefühl ist, oder ob jemand in deinem Umfeld gerade traurig, wütend, was auch immer du gerade fühlst, ist.

2. Sich erinnern:

Gibt es Momente, in denen du dich bereits gut abgrenzen kannst? Wenn ja, was ist dann anders und was kannst du davon in anderen Momenten übernehmen?

3. Selbstwert stärken:

Lerne dich selbst besser kennen und stärke deinen Selbstwert. Finde heraus, was dir guttut, welche Bedürfnisse du hast. Welche Menschen, Hobbies, Routinen dir guttun, welche nicht. Auch wenn das manchmal bedeutet, den Job zu verlassen, Beziehungen oder Freundschaften loszulassen.

4. Nein sagen:

Lerne Nein zu sagen, wenn du Nein meinst und stehe für dich und deine Bedürfnisse ein.

5. Vorbilder suchen:

Gibt es jemanden in deinem Umfeld, der oder die sich gut abgrenzen kann? Wenn ja, frage dich einen Tag lang mal: Was würde XY jetzt tun? Und vielleicht schaffst du es, auch so zu handeln.

Schreib mir gerne in die Kommentare, was dir hilft, dich besser abzugrenzen.

Abgrenzung lernen ist ein Prozess

Und ich bin diesen Weg ich nicht alleine gegangen. Ich hatte Unterstützung von einer Coach, die mir geholfen hat, meine Muster, Konditionierungen aufzudecken und mich selbst so besser zu verstehen.

Denn, wenn du dich verstehst und weißt, warum du wie tickst, kannst du Dinge ändern.

Wenn du etwas ändern magst: Such dir psychologische Unterstützung oder nimm ein Coaching in Anspruch. Ich kann dir aus eigener Erfahrung und aus meiner Coachingpraxis sagen: Es lohnt sich so oder so sehr.

Alles Liebe,
Susanne

Susanne Hillar, Netzwerkmitglied

Susanne Hillar

ist systemische Kinder-, Jugend- & Erwachsenencoach und EFT-Coach. Sie bietet auch transgenerationale Trauma- & Ahnenarbeit an.
www.susannehillar.de

Netzwerkmitglied für Köln (D)

Häufig gestellte Fragen zu Abgrenzung (FAQs)

Warum kann ich mich als Hochsensibler so schwer abgrenzen?

Viele Hochsensible übernehmen Stimmungen und Gefühle anderer unbewusst und fühlen sich dann wie „emotional angesteckt“. Oft steckt dahinter der alte Glaubenssatz, nicht liebenswert zu sein – also versucht man, es allen recht zu machen.

Wie merke ich, ob ein Gefühl gerade wirklich meins ist?

Mach kurz Pause, atme tief durch und frag dich: „Ist das mein Gefühl – oder kommt es aus meinem Umfeld?“ Allein diese Mini-Prüfung bringt oft sofort mehr Klarheit und Abstand.

Was hilft bei plötzlichen Stimmungsschwankungen durch andere Menschen?

Atme einmal bewusst durch und checke, ob jemand in deiner Nähe gerade traurig, wütend oder angespannt ist. So verhinderst du, dass du fremde Emotionen automatisch zu deinen eigenen machst.

Wie lerne ich als Hochsensibler besser Nein zu sagen?

Übe, Nein zu sagen, wenn du Nein meinst, und steh dabei für deine Bedürfnisse ein. Je öfter du das machst, desto weniger wirst du aus Erschöpfung heraus „Ja“ sagen, nur um gemocht zu werden.

Wie stärke ich meinen Selbstwert, damit Abgrenzung leichter wird?

Lern dich selbst besser kennen: Was tut dir gut, welche Menschen/Routinen/Hobbys stärken dich – und was zieht dich runter? Manchmal bedeutet Selbstwert auch, unpassende Jobs, Freundschaften oder Beziehungen loszulassen.

2 Kommentare

  1. Ich denke immer wenn Menschen Z. B. Meine Familie in meiner Nähe sind muss ich mich so verhalten dass es denen gefällt

  2. Hallo Susanne, es wäre interessant wie du dir das erklärst dass du dich „auf einmal“ abgrenzen konntest.

    Bei Dingen die negativ für mich sind und nicht zum Job gehören, muss und kann ich mich abgrenzen.

    Bei Menschen muss ich mich NIE abgrenzen, weil ich mich immer verbunden fühle mit allen Leuten und alle möglichen Gefühle kenne.

    Lieber Gruss Gregor

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