Das NEUGEBORENEN-ICH von Hochsensiblen

(Von Luca Rohleder)

Das Neugeborenen-Ich ist Bestandteil eines Drei-Ich-Modells, das ich Anfang der 2010er Jahre entwickelt und erstmals im Jahr 2015 im Rahmen meines Buchs „Die Berufung für Hochsensible“ veröffentlich habe. Durch den zweiten Band „Die Liebe empathischer Menschen“ habe ich dieses Thema dann weiter entwickeln können.

Dieses Drei-Ich-Modell umfasst die drei Bestandteile Neugeborenen-Ich (NI), Erwachsenen-Ich (EI) sowie das Höhere-Ich (HI).

Dieses psychologische Komplementärmodell (wohlgemerkt es ist ein Modell) ist eine auf das hochsensible Wesen spezifische Weiterentwicklung der Inneren-Kind-Theorie, die aus der Transaktionsanalyse bekannt ist. Zudem berücksichtigt dieses Modell auch Gesichtspunkte der Grundlagenphysik, wonach nur der geringste Teil unserer Welt für uns wahrnehmbar bzw. sichtbar ist (siehe auch: lucarohleder.com/themen/quantenphilosophie). Viele Bezeichnungen sind im Laufe der Menschheitsgeschichte für diese für uns nicht wahrnehmbare Welt entstanden, wie zum Beispiel Dunkle Energie, Quantenebene, Heiliger Geist, Seele, Bewusstsein uvm.

Um alle Wertesystem begrifflich abdecken zu können, habe ich mich für den Allroundbegriff Unsichtbare Welt entschieden.

Zugleich setze ich mit meinem Drei-Ich-Modell das menschliche Gehirn mit der Metapher des Bio-Computers gleich. Im Gegensatz zur klassischen Neurologie, die im Gehirn den alleinigen Verursacher des menschlichen Verhaltens sieht, vertrete ich die These, dass unser Gehirn nicht autonom ist. Vielmehr kann es auch eine Verbindung zur Unsichtbaren Welt aufnehmen. Aus meiner Sicht hat unser Gehirn demzufolge lediglich eine Sende-/Empfangs- und Verarbeitungsfunktion inne. Es existiert demnach in unserem Körper (ähnlich wie beim PC oder Smart-Phone) eine Art geistige Internetverbindung. Man nennt diesen außersinnlichen Kanal auch Intuition. Diesen Teil des Körpers, das für die Funktionsweise unserer Intuition zuständig ist, nenne ich Höheres-Ich (Die Schulmedizin nennt es „Das enterische Nervensystem“ bzw. Bauchgefühl – siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Enterisches_Nervensystem).

Darüber hinaus folge ich der Philosophie, dass der Sinn des Lebens das Sammeln von Lebenserfahrungen ist – also ganz einfach das Leben zu leben. Dabei spielt unsere Persönlichkeit die entscheidende Rolle.

Stellt sich der Mensch mutig seinem eigentlichen Naturell entsteht Authentizität – Körper, Geist und Seele sind dann im Einklang.

Es entsteht eine Art Eigenresonanz. Der Mensch erlebt Lebensfreude. Er beginnt das Leben zu leben, und die Suche nach dem Warum erübrigt sich von selbst. Ist der Mensch hingegen fremdbestimmt, weil er durch Medien, Umwelt und Umfeld eigene Wahrheiten durch fremde Wahrheiten ersetzt hat (Hypnose), lebt er nicht mehr im Einklang zu seiner eigentlichen Persönlichkeit. Es fehlt die Resonanz zu sich selbst und der Körper kann zu wenig Lebensenergie generieren. Lustlosigkeit, Frustration bis hin zu Leid können die tragische Konsequenz sein.

Meine Thesen setzen infolgedessen voraus, dass es immer darum geht, unsere wahre Persönlichkeit zu erkennen, zu akzeptieren und zu leben. Diese wird im Übrigen durch die Grundformatierung unseres Gehirns geprägt. Und diese neuronalen Verknüpfungen in unserem Kopf wiederum werden maßgeblich von unseren Kindheitserlebnissen beeinflusst. Und jetzt kommt das Thema Hochsensibilität ins Spiel:

Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass im Fall der angeborenen Hochsensibilität die besagte neuronale Grundformatierung unseres Gehirns nicht durch die üblichen Kindheitserlebnisse maßgeblich beeinflusst wurden (Inneres Kind), sondern durch die grundsätzliche Situation eines Neugeborenen.

Dies hat zur Folge, dass die Wesenszüge von Hochsensiblen nicht durch die Untersuchung ihrer Kindheit (Inneres Kind), sondern vielmehr durch die Beschreibung der Situation eines Babys zum Vorschein kommen. Daher habe ich die Bezeichnung Inneres Kind auch durch den Begriff Neugeborenen-Ich ersetzt.

Neugeborene verfügen noch nicht, über das bewusste Denken von Kindern. Vielmehr wird das Leben von Babys von ihren Urinstinkten (schulmedizinisch: Reflexe) gesteuert. Das Innere Kind von Hochsensiblen besteht in der Folge aus einem Wesenskern, bei dem genau diese Urinstinkte noch erhalten geblieben sind.

Während Normalsensible im Laufe ihres Lebens ihre Urinstinkte nach und nach verlieren und deren Gehirn dann von Selbstkontrolle, Bewusstheit und freier Wille bestimmt wird, gilt dies also für Hochsensible nicht.

Da wir bei Menschen nicht von Instinkten sprechen, sondern von Intuition, wird jetzt auch deutlich, dass Hochsensible über eine Persönlichkeit verfügen müssen, die in der Hauptsache von intuitiven Fähigkeiten geprägt ist. Also von neuronalen Gaben, die ausschließlich nur Neugeborene noch zu Hundertprozent besitzen. Damit ist es auch einleuchtend, warum Hochsensible nur dann ein zufriedenes Dasein fristen können, wenn Sie Ihr Inneres-Kind nicht als klassisches Kind betrachten, sondern eher als Baby. Infolgedessen ist es nahezu logisch, dass auch die Lebensführung von Hochsensiblen eher intuitiv stattfindet. Die heute übliche Idee der kontrollierten Lebensführung stände dazu im Widerspruch. Wie immer gibt es aber auch eine Kehrseite der Medaille:

Aufgrund der intuitiv gesteuerten Persönlichkeit, tauchen in hochsensiblen Gehirnen also gewaltige Mengen zusätzlicher Datensätze, Reize, Erkenntnisse und Einsichten auf, die nicht von den herkömmlichen fünf Sinnen herrühren, sondern dadurch, dass sie praktisch noch mit einem Bein in der Unsichtbaren Welt stehen (wie Babys auch). Das heißt, aus der intuitiven (meist unbewussten) Wahrnehmung von Umwelteinflüssen resultieren Sekunde um Sekunde gewaltige Informationsmengen, die das Gehirn von Hochsensiblen zusätzlich zu verarbeiten hat. Das bewusst wahrnehmbare Gehirn – das Erwachsenen-Ich – von Hochsensiblen muss daher nicht nur faktische (sichtbare), sondern zusätzlich auch subtile (unsichtbare) Informationen aus Umwelt und Umfeld verarbeiten.

Der Kopf eines hochsensiblen Menschen arbeitet dadurch permanent an der Grenze des Daten-Over-Flows.

Hochsensible haben in der Folge zu erlernen, auf eine bestimmte Art und Weise ihren Kopf zu gebrauchen. Das heißt, sie sollten ihren Hang, ihr Leben bewusst im Übermaß kontrollieren zu wollen, aufgeben, denn dies würde im Widerspruch zu ihrem Naturell stehen. Und wie gesagt, wenn wir an unserer Persönlichkeit vorbeileben, stehen wir nicht mehr in Resonanz zu uns selbst, und unser Körper kann nicht mehr genug Lebensenergie (Lebensfreude) generieren. Erst wenn Hochsensible erkannt haben, dass sie besser fahren, wenn sie bestimmte Denkprozesse loslassen und die Lebensführung mehr an ihre (unbewusste) Intuition übergeben, sind sie auch in der Lage, ihr Gehirn von solchen Belastungen zu befreien, für die es von der Natur her nicht ausgelegt ist (“ … ich mache mir jetzt keine Gedanken, denn es kommt wie es kommt …“).

Hochsensible sollten sich in ihrem Leben überwinden, mehr Mut aufzubringen, das Morgen an ihr Schicksal zu verschenken.

So wie es Neugeborene auch tun (ohne es bewusst zu wissen). Denn das bedeutet INTUITIVE LEBENSFÜHRUNG.

Luca Rohleder, Gründer de Netzwerks für Hochsensible, www.hochsensibilitaet-netzwerk.com
Leseprobe „Die Berufung für Hochsebsible“


Der Begriff „Neugeborenen-Ich“ sowie die Inhalte des „Drei-Ich-Modells“ sind zwar urheberrechtlich geschützt, wenn Sie aber etwas davon bei Ihrer täglichen Arbeit übernehmen möchten, ist dies ohne Weiteres möglich. Jedoch wäre ein kurzer Hinweis an mich als Urheber unter lu@lucarohleder.com erforderlich. Unabhängig davon bitte ich grundsätzlich, den Quellenhinweis „Drei-Ich-Modell nach Rohleder“ gut sichtbar anzugeben.


 

7 Kommentare

  1. Lieber Herr Rohleder. Danke für diesen Beitrag. Mir werden gerade einige Dinge bewusst im Zusammenhang mit dem Thema der Hochsensibilität. Ich werde mir Ihr Buch auf jeden Fall kaufen. Bitte nehmen Sie auch meine Mailadtesse in die Liste auf, danke. Herzlichen Gruß. Alexandra

  2. Lieber Herr Rohleder,
    ich bin gerade zufällig auf den Beitrag gestoßen. Ihr Buch habe ich vor etwa 5 Jahren zu lesen begonnen und dabei hatte ich ein einprägsames Erlebnis: Etwa an dem Punkt an dem Sie davon sprechen, man möge sich das Cover des Buches ansehen denn so sähe es im Gehirn eines Hochsensiblen aus, hatte ich den 2. meiner seltenen epileptischen Anfälle. Als ich das Bewusstsein wieder erlangte sah ich zuerst nur das Cover mit dem feuerroten Kopf am Boden liegen. In den Momenten zuvor muss es in meinem Kopf noch viel mehr zugegangen sein …
    Ich frage mich seither ob hochsensible Menschen eher zu Epilepsie tendieren bzw. ob es hier einen Zusammenhang gibt. Haben Sie mit der Thematik Erfahrung?
    Liebe Grüße!

    1. Liebe Stefanie, leider habe ich dahingehend keine Erfahrungen, da ich nie therapeutisch tätig war, und ich zudem meine Kompetenzen nicht überschreiten möchte. Grundsätzlich kann ich nur darauf hinweisen, dass man präzise unterscheiden muss, zwischen einem Persönlichkeitsmerkmal (was die HS nun mal ist) und einer seelischen Störung. Wenn Krankheiten oder psychische Problem auftreten, hat dies in der Regel mit einem einzelnen Charakterzug nur selten etwas zu tun …

  3. Mir hat der Beitrag sehr gut gefallen, und ich möchte auch ein Buch lesen so wie Newsletter bestellen. Hat mir in vielen Hinsichten die Augen soweit geöffnet. Bin dankbar auf diesen Artikel gestoßen zuhaben, den momentan mache ich solche Phasen durch.
    Liebe Grüße Krecker

  4. Luca Rohleder, ich begrüsse Sie!

    Mit Freude und zunehmender Begeisterung habe ich Ihre Ansichten und Erkenntnisse gelesen. Das Neugeborenen-Ich gefällt mir auf Anhieb und ich finde, es bezeichnet exakt das, was ich empfinde und erlebe.

    Ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre kostbare Arbeit und dafür, dass Sie uns diese zur Verfügung stellen. Ich überlege gerade, welches Ihrer Bücher ich als erstes lesen möchte. Gerne bestelle ich jetzt auch Ihren Newsletter.

    Mit allen guten Wünschen und besten Grüssen aus Obfelden, ZH,

    Maria Spengler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.