Ein anderer Blickwinkel

(Von Anne Gutzeit)

Der Büchermarkt bietet Einiges zum Thema „Hochsensibilität“. Da gibt es Bücher, die beleuchten die Art und Weise wie Hochsensible durchs Leben gehen und andere Bücher zeigen Methoden und Strategien auf, mit denen sich hochsensible Menschen gegen das Zuviel an Außenreizen schützen können. Sie legen das Augenmerk auf die Grenze, die vielen zu dünn erscheint. Ich habe allerding noch wenig Info entdeckt, die das Augenmerk auf das enorme Potential lenken, das sich hinter dieser anscheinend so labilen Grenze verbirgt.

Dieses Geschenk Hochsensibilität, das uns glücklich, gesund und energiegeladen machen kann und das auf keinen Fall dafür gedacht ist, unser Leben anstrengend und unglücklich zu machen.

Dieses Geschenk, das zeigt, dass bei uns die Grenzen zwischen Unterbewusstsein und Wachbewusstsein dünner sind und wir so mehr Zugriff auf das immense Potential unseres Unterbewusstseins haben. Es gibt Menschen, die besitzen das absolute Gehör, das heißt, dass sie in der Lage sind exakt zu hören, ob ein Ton richtig getroffen ist. Eine wunderbare Gabe, die zu großer Musikalität befähigt.

Für die betroffenen Menschen aber durchaus eine Gabe, die das eine oder andere Mal anstrengend werden kann. Anstrengend immer dann, wenn sie in einem Konzert sitzen, denn einer spielt immer mal falsch. Das lässt sich kaum vermeiden. Diese Menschen können jetzt entscheiden, Konzerte zu meiden, weil es sie verletzt, wenn Musik nicht perfekt dargeboten wird. Sie können in Konzerte gehen, sich ärgern und hinterher herumlamentieren, dass die Musiker einfach unfähig sind. Oder sie entscheiden sich, in Konzerte zu gehen und lächelnd, die nicht perfekten Sequenzen zu ignorieren und sich an dem Gesamtkunstwerk zu erfreuen und einen netten Abend zu genießen.

Sie haben die Wahl

Bislang habe ich viele Hochsensible erlebt, die sich entschieden haben, in ihr Konzert zu gehen und anschließend zu schimpfen und zu jammern. Wie schade.

Was wäre, wenn es gelänge den Schleier dieses persönlichen Konzeptes zu lüften und in einen anderen Zustand zu gelangen? In einen Zustand, in dem Freude und Zufriedenheit mit den eigenen Fähigkeiten vorhanden ist. Eine Zustand, in dem die Betroffenen von den eigenen Fähigkeiten genährt werden.

Dazu gehört sich auf die Reise zu machen zur eigenen Intuition, zu der Fähigkeit Dinge zwischen Himmel und Erde schnell erspüren zu können, zu der Sicherheit, die aus diesen Qualitäten erwächst.

Ein erster Schritt auf diese Reise ist es, sich seine Blockaden und Traumata anzuschauen. Hinzugucken wie oft nicht auf die eigenen Bedürfnisse geachtet wird. Wie oft eigene Bedürfnisse überhaupt nicht erkannt werden. Kenne ich meine Bedürfnisse nicht, gerate ich schnell in eine Situation, in der andere meine Grenzen ignorieren. Nicht weil sie respektlos sind, sondern weil ich selbst sie nicht fühle und zeigen kann.

Die Umwelt ist mein Spiegel und sie zeigt mir ganz deutlich, wo ich nicht klar bin mit mir selber.

Die Tatsache, dass meine Grenzen gefühlt permanent ignoriert werden, hat also weniger mit einer hohen Sensibilität zu tun als viel mehr mit der Tatsache, dass ich Schwierigkeiten habe, sie deutlich werden zu lassen.

Es gehört Mut dazu, sich auf den Weg zu machen, aber es lohnt sich und es ist ein erster Schritt zu mehr Zufriedenheit im Leben.

Anne Gutzeit, Heilpraktikerin (Psychotherapie) , www.impuls-gutzeit.de

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