Hilfe für hochsensible Kinder und Jugendliche

(Artikel von Manuela Starkmann): Erinnerst Du Dich noch, wie Du Dich als hochsensibles Kind gefühlt hast? Hast Du viele schöne Erinnerungen? Oder gehen sie eher in die Richtung von „allein“ und „nicht normal“ sein? Brauchen hochsensible Kinder und Jugendliche nicht mehr Hilfe als andere?

Ich war in den 1970- und 80ern ein hochsensibles Kind bzw. eine hochsensible Jugendliche. Eigentlich eine unbeschwerte Zeit. Kein Krieg, dafür Wachstum. Wir hatten Frieden und Freiheit. Mit meinen Eltern war ich viel unterwegs, beim Essen, wir haben die Omas besucht und waren in den Ferien immer irgendwo auf Reisen. Eigentlich … alles gut. Uneigentlich war ich halt „anders“ … als die anderen. Ich habe schon von klein auf viel wahrgenommen und da ich damit die Einzige war, war scheinbar klar, dass ich die Welt nicht richtig sehe. Das hat mich, obwohl ja eigentlich alles gut war, sehr geprägt. Ich war weder selbstbewusst noch selbstsicher, ganz zu Schweigen von mir selbst vertrauen.

Erst mit irgendwasund40 kam das Wort „Hochsensibilität“ in mein Leben. Vieles wurde mir klar und ich konnte heilen. Heute pickst immer noch mal etwas aus der Vergangenheit, doch ich kann besser und besser damit umgehen. Im Rückblick wurde aus all den vielen Mosaikteilchen aus meinem bisherigen Leben ein stimmiges Gesamtbild. Und jedes stärkt mich, macht mich heute zu dem Menschen, der ich bin und zu dem Menschen, zu dem ich mich weiterentwickle. Ich habe das Bewusstsein und die Zeit, mich meiner Persönlichkeitsentwicklung zu widmen.

Aber wie ist das mit den Kindern und Jugendlichen im Hier und Jetzt?

Ich erlebe ja oft genug, wenn z. B. Eltern(teile) oder Großeltern mit den Kindern zu mir kommen, wie wenig alle über die wunderschöne Gabe der Hochsensibilität wissen. Oft höre ich, ein Arzt oder Therapeut hätte diagnostiziert, dass das Kind hochsensibel ist. Das macht Angst und ist Käse. Eine Diagnose kann man nur bei einer Krankheit stellen. Hochsensibilität ist keine Krankheit. Und auch keine Behinderung.

Alleine dieses Wissen erleichtert die Menschen, die zu mir kommen. Aber wie war es davor? Und wie ist es für alle, die das nicht wissen? Und welches Ausmaß an Schaden richtet eine fast zweijährige Isolation mit Kindern an?

Kinder und Jugendliche sollten in ihrer Klarheit bleiben dürfen. Stattdessen werden sie ab der Geburt genormt, was schon mit der „richtigen Größe“ und dem „richtigen Gewicht“ beginnt. Kinder sind weise und gerade wie sie die Welt, Natur, Tiere, Menschen sehen, ist so wertvoll und für Erwachsene lehrreich. Aber anstatt die Gaben der Kinder zu fördern, werden sie uniform gemacht. Und dann setzt man ihnen noch eine Maske auf. Sie müssen sich mehr und mehr verstellen, frühzeitig zählen und buchstabieren können, gute Note abliefern. All das in einer Zeit, in der sie noch so viel mehr als Erwachsene mit allem verbunden sind. Und gerade in dieser sensiblen Zeit machen sie viel zu oft die Erfahrung, dass es nicht in Ordnung ist, sensibel zu sein.

Was bleibt einem Kind da schon übrig?

Wenn es scheinbar so, wie es ist, nicht in Ordnung ist, beginnt das Kind sich anzupassen … bis hin zum sich verbiegen. Die Klarheit der Selbstliebe wird leider in den Wunsch nach Aufmerksamkeit und Anerkennung getauscht. So perfide leise, dass es das Kind nicht mal wahrnimmt und als Erwachsener genau diese Tatsache wahrscheinlich negieren wird.

Und wäre das nicht alles schon genug, erleiden die Kinder von heute Isolation, Verbote und Vorwürfe (wie z. B. bei bestimmten Unterlassungen die Großeltern zu töten). Bei aller Liebe: Schuld, Scham und Druck sind doch keine wahren Mittel, um vom wundervollen Kind zum wundervollen Erwachsenen heranzuwachsen. Im Gegenteil. Schuld, Scham und Druck machen krank. So sehr, dass Kinder nicht mehr in die Schule wollen. Von „Bauchweh“ bis hin zu Depressionen, Selbstmordgedanken und dem tatsächlichen Freitod ist die ganze Spannbreite an Wahnsinn geboten. Der wäre für Erwachsene schon kaum zu ertragen. Aber hier geht es um Kinder.

Ich bin so dankbar für den Segen der Umstände meiner Kindheit und Jugend. Aber die Kinder und Jugendlichen von heute haben diesen äußeren Schutz nicht. Im aktuellen Außen ist Chaos. Diese Zeit wäre elementar, ein Kind liebevoll an sein Hochsensibel-sein heranzuführen, es zu fördern, ihm bei seiner Berufswahl zu helfen, ihm Selbstvertrauen zu geben. Aber Nein, Kinder werden vorsätzlich kaputt gemacht.

Was kann jeder Einzelne für Kinder und Jugendliche tun?

Es ist nicht wichtig, ob Du selbst Kinder hast oder nicht. Die Welt ist voller Kinder und sie alle verdienen unsere Aufmerksamkeit und unseren Respekt. Aus meiner Erfahrung – sowohl mit Kindern als auch mit deren besorgten Eltern – möchte ich hier ein paar Ansätze anbieten.

  • Frag das Kind, wie es sich fühlt. Ich meine, frag wirklich. Weil es Dich interessiert. Weil Du seine Welt mit Deinen Augen sehen willst. Schau das Kind an. Lerne seine Gefühle kennen.
  • Belehre nicht. Oft höre ich, dass Erwachsene etwas wie „Stell Dich halt nicht so an“ sagen. Das Kind macht es sich nicht mit Absicht schwer, sondern seine Handlungen sind gerade sein maximales Repertoire.
  • Erweitere deshalb sein Repertoire, z. B. indem Du das Kind und sein Selbstvertrauen stärkst, indem Du es verbale Schlagfertigkeit lehrst, indem ihr miteinander klärt, wo es mehr Verantwortung übernehmen möchte.
  • Schaffe Freiräume, z. B. mach einen Kinoabend zuhause mit selbstgemachten Popcorn und was alle so mögen oder gestalte ein Bistro in der Wohnung, wo sich das Kind mit Freunden treffen kann.
  • Erkläre, dass das Handy und der Bildschirm nicht das echte Leben sind. Lass ihm Zeit an dieser Technik und setze auch (zeitliche) Grenzen.
  • Biete für die Zeit ohne Schule, Hausaufgaben und Technik Alternativen. Zum einen ist es wichtig, dass das Kind alleine sein kann, mit sich Zeit verbringen will und zwar nicht am Handy, sondern z. B. mitlesen oder zeichnen. Und gestalte auch tolle „Zusammenseinzeiten“.
  • Geht in die Natur. Wie heißen die Bäume? Was für Tiere sausen über den Weg? Was gibt es für Insekten? Es gibt so viel zu entdecken.
  • Tut Gutes. Fragt z. B. bei Tierheimen an, wie ihr helfen könnt. Manchmal erkennt man erst durch das Leid anderer Lebewesen den eigenen hohen Lebensstandard. Zudem macht es dem Kind sicher große Freude, Tieren zu helfen.
  • Gebt die Werte nicht auf. Im Gegenteil. Gerade weil das Kind hochsensibel ist, ist es so wichtig wie heilsam, dass es seinen Selbstwert kennt, weiß, was es will und sich auch abgrenzen kann. Das sind wichtige Übungen für das Leben.

Manches im Außen kannst Du nicht ändern. Aber Du kannst Deine Einstellung dazu verändern, auf einen Sinn vertrauen und stabil sein.

Und Du kannst Kindern und Jugendlichen helfen, aus diesem Irrsinn stabil und stark hervorzugehen.

Ich wünsche Dir für Dich und Dein Wirken von Herzen das Beste.

Alles Liebe und LEBE DEINE KLARHEIT!

Manuela Starkmann


Manuela Starkmann
Guide,  Healer  und Medium
manuelastarkmann.com
Autorin von Klarheit über Hochsensibilität


 

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2 Kommentare

  1. Ooohja, kenne ich gut! Mein Sohn ist auch hochsensibel, inzwischen ist er 15. Die ersten Jahre waren sehr schwierig, da ich meine und seine HS zu tragen hatte. Mir war wichtig , dass er nicht mir soviel Unverständnis wie ich damals aufwächst. Aber es hat sich gelohnt, das A und O ist die Akzeptanz. Heute kann er sich recht gut selbst einschätzen und merkt, wann er Ruhe braucht etc.

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