Hochsensible suchen nicht den richtigen Beruf, sondern den richtigen Arbeitgeber

(Von Luca Rohleder)

Hochsensible Personen (HSP) nehmen Informationen und Eindrücke aus Umwelt und Umfeld detailreicher auf als Normalsensible. Insbesondere die Gabe, über einen sehr ausgeprägten 6. Sinn zu verfügen, lässt sie deutlich von der Masse unterscheiden. In der Summe resultiert daraus, dass das Nervensystem von HSP bedeutend mehr Informationen aufnehmen muss als üblich. Es sind somit nicht nur die herkömmlichen fünf Sinne, die ein hochsensibles Gehirn überlasten können, sondern vor allem die zahlreichen subtil empfangenen Informationen über Umwelt und Umfeld. Das Gehirn von HSP wird also schon ab Geburt außergewöhnlich intensiv beansprucht. Es erreicht infolgedessen recht schnell ein außergewöhnlich hohes Trainingslevel. Es entwickelt sich eine Art intellektuelle Hochleistungsmaschine für die Erfassung und Bewertung von Umwelteinflüssen.

Diese wunderbare Fähigkeit der detailreichen Aufnahme und Verarbeitung von Informationen ist praktisch in jedem Berufsfeld gewinnbringend einsetzbar. Dies ist auch die Ursache, warum HSP in nahezu jedem Tätigkeitsfeld anzutreffen sind. Kombiniert mit ihrem ungewöhnlich hoch ausgeprägten 6. Sinn, der HSP mit dem geheimnisvollen Reich der Ideen, Kreativität, Ahnungen und Einsichten verbindet, kann durchaus ein sehr erfolgreiches berufliches Gemisch entstehen. Es sind nicht nur Arbeitskollegen, Untergebene, Vorgesetzte oder berufliche Situationen präzise einschätzbar, sondern auch Unternehmenskonzepte und Arbeitsabläufe. HSP erkennen schon Probleme, Verbesserungspotenziale und sonstige Chancen, aber auch Unstimmigkeiten, während Normalsensible noch dabei sind, etwas umzusetzen oder zu verstehen.

Dank des 6. Sinns irren sich Hochsensible selten

In der Summe bringen Hochsensible also Persönlichkeitsmerkmale mit, die zumindest fachlich gesehen überall einsetzbar sind. Obwohl sich demnach nicht die Frage stellt, welche Berufsbilder besonders gut geeignet sind, quälen sich dennoch viele Hochsensible mit ihrer Berufstätigkeit. Bei näherer Betrachtung stellt sich jedoch heraus, dass es selten der falsche Beruf ist. Vielmehr spielen ungeeignete Arbeitsbedingungen die größere Rolle. HSP brauchen spezielle Rahmenbedingungen bei ihrer täglichen Arbeit. Faktoren wie positive Arbeitsatmosphäre, moralisches Handeln, ruhige Arbeitsplätze und eigenverantwortliches Arbeiten sind elementar wichtig für sie. Diese Kriterien sind nicht unbedingt abhängig vom Berufsbild, sondern vielmehr von der Firmenphilosophie. HSP suchen also nicht einen bestimmten Beruf, sondern den richtigen Arbeitgeber.

Meist unbewusst sind Hochsensible nicht auf der Suche nach einen bestimmten Berufsbild, sondern eher nach dem richtigen Arbeitsumfeld.

Da in der heutigen globalisierten Arbeitswelt immer öfter eine destruktive Arbeitsatmosphäre, lediglich improvisierte Arbeitsabläufe und manchmal sogar absurde Arbeitsanweisungen zu beobachten sind, geraten immer mehr HSP in Konflikt zu ihrem Naturell. Deshalb wenden sich viele Hochsensible früher oder später einer selbstständigen Tätigkeit zu, was den hohen Anteil von Freelancern, Kleinunternehmern und Firmengründern unter HSP zeigt. Dann können sie aufgrund ihres 6. Sinns und ihrer Kreativität erfolgreicher als Normalsensible, nicht nur neue Dienstleistungen oder Produkte, sondern auch funktionierende Marketing- und Verkaufsstrategien entwickeln sowie auf Business-Tauglichkeit abklopfen.

Der 6. Sinn kann auch als eine Art Geschäftssinn verstanden werden.

Besonders, wenn die Faktenlage unklar ist, kommt dem 6. Sinn von Hochsensiblen eine große Bedeutung zu. Wenn es um die intuitive Bewertung von neuen Geschäftsideens, von unternehmerischen Herausforderungen oder ganz einfach von Kundenwünschen geht, können Hochsensible jetzt aus dem Vollen schöpfen. Voraussetzung ist jedoch, dass sie im Laufe ihres Lebens gelernt haben, auf ihren 6. Sinn zu vertrauen. Erst dann begreifen sie meist, welch mächtige Gabe sie in sich tragen.

Luca Rohleder, Buchautor und Gründer des NETZWERKS HOCHSENSIBILITÄT


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2 Kommentare

  1. Kann ich alles bestätigen! An erster Stelle stehen für mich die Sinnhaftigkeit meiner Tätigkeit und das Betriebsklima. Außerdem ist für mich sehr wichtig, dass ich mich bei der Arbeit frei entfalten kann (aber ist das nicht bei allen Menschen so?)

    Ich arbeite in einem Gemeindebüro in einer evangelischen Kirchengemeinde. So konnte ich von Anfang an mein Bedürfnis nach selbstbestimmter und abwechselungsreicher Tätigkeit erfüllen. Außerdem handelt es sich um ein Non-Profit-Unternehmen, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Das Klima ist im Großen und Ganzen respektvoll und konstruktiv. Natürlich gibt es manchmal auch Spannungen. Ich denke oft tagelang über solche Spannungen nach und suche nach Verbesserungen.

    Seit unserer Fusion mit Nachbargemeinden gibt es kaum noch ruhige Arbeitsphasen, was ich sehr anstrengend finde, da ich sehr gerne ruhig und konzentriert arbeite. Aber eine berufliche Selbstständigkeit wäre mir zu riskant und unsicher und aufgrund der Tatsache, dass ich schon seit meiner Jugendzeit mit Migräne lebe, möchte ich natürlich den Stress nicht noch weiter erhöhen.

  2. Schöner Artikel. Auch ich habe beruflich meine Nische gefunden. Zum Glück kann ich alleine arbeiten und brauche auf kein Arbeitsumfeld Rücksicht zu nehmen.
    Das wäre für mich enorm belastend.
    Die Tätigkeit als Freiberufler ist für HSP oft die beste Lösung, auch wenn es wirtschaftlich häufig eine Herausforderung darstellt.

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