Hochsensibilität und das Konfliktverhalten

(Blogbeitrag von Monika Richrath über Konfliktverhalten)

Kennen Sie das auch, dass Ihnen Menschen abhanden kommen, ohne dass Sie eigentlich wissen warum? Mir passiert das immer wieder. Anfangs hat mich das ziemlich verstört und verunsichert, weil ich nicht wusste, ob ich etwas falsch gemacht, jemanden verletzt oder mich sonst in irgendeiner Form daneben benommen habe. Andererseits hatte ich aber auch nie den Mut, wirklich direkt mal nachzufragen, woran es liegt. Mittlerweile bin ich sicher, es hat nicht nur etwas mit meiner Biografie, sondern auch mit meinem Konfliktverhalten zu tun.

Seit einiger Zeit frage ich mich schon, wie meine Hochsensibilität dieses immer wiederkehrende Phänomen beeinflusst oder vielleicht sogar zu seiner Entstehung beiträgt? Hier sind meine Erkenntnisse:

1. Konflikte sind Stress

Ein Reiz, dem ich mich als HSP lange Zeit überhaupt nicht aussetzen wollte und mit dem ich mich überfordert fühlte. Ein Konflikt bedeutet immer auch: sich öffnen, Gefühle zeigen, Gefühle aushalten. Das alleine ist schon schwierig, wenn es sich um keine enge Beziehung handelt, eher um einen freundschaftlichen Kontakt, der möglicherweise sogar im beruflichen Umfeld entstanden ist.

2. Unfähigkeit Gefühle zu zeigen

Sehr lange Zeit hatte ich das Problem, dass ich gar nicht in der Lage war, Wut und andere vermeintliche negative Erfahrungen überhaupt wahrzunehmen, geschweige denn, sie zu äußern. Eine Folgeerscheinung war natürlich, dass die Wut oder Unzufriedenheit anderer für mich eine potentielle Bedrohung darstellen, der ich lieber aus dem Weg ging.

3. Harmoniebedürfnis

Ich glaube, dass hochsensible Menschen ein natürliches Harmoniebedürfnis haben, ein Bedürfnis danach, mit der Umgebung in Einklang zu sein oder zu schwingen. Prinzipiell halte ich das für etwas sehr Gutes. Ich verbinde damit so etwas wie ein Flow-Gefühl, zur richtigen Zeit mit den richtigen Menschen am richtigen Ort zu sein. Ein Konflikt jedoch stellt für die Harmonie eine Bedrohung dar. Wenn es einen Konflikt gibt, gibt es keine Harmonie mehr. Harmonie kommt oft ohne Worte aus, ein Konflikt nicht – jedenfalls nicht, wenn er gelöst werden soll.

4. Schwierigkeiten sich abzugrenzen

Die große Schwierigkeit in einem Konflikt bestand für mich sehr, sehr lange Zeit überhaupt darin, Position zu beziehen, mich abzugrenzen, mich für meine eigenen Interessen einzusetzen. Im Grunde genommen habe ich mich stets um alle gekümmert, dafür gesorgt, dass es allen gut geht, nur nicht für mich. Für mich konnte ich mich nicht einsetzen. Und lange Zeit habe ich auch geglaubt, ich sei nicht wichtig genug, es nicht wert. Glauben Sie mir, es tut mir richtig weh, es so aufzuschreiben, aber so war es. Mittlerweile ist das anders. Durch das Klopfen habe ich begriffen, dass ich wertvoll bin und meinen Einsatz immer wert.

5. Rückzugstendenzen

Rückblickend kann ich sagen, dass ich mich Konflikten in keiner Weise gewachsen fühlte, auch kleinen nicht. Am liebsten löste ich Konflikte durch Rückzug. Rückzug ist ein äußerst einfacher und effektiver Weg, anderen Menschen mitzuteilen, dass man mit etwas nicht einverstanden ist, ohne jedoch Gefühle zeigen oder aushalten zu müssen, geschweige denn, sich mit eigenen Unzulänglichkeitsgefühlen oder der Unfähigkeit für sich selbst einzutreten auseinandersetzen muss. Heute bevorzuge ich andere Wege der Auseinandersetzung, meistens jedenfalls.

6. Sich alles sehr zu Herzen nehmen

Früher habe ich mir immer alles wahnsinnig zu Herzen genommen. Unbedachte Worte, einfach mal so dahingesagt, konnten mich wochen-, ja monatelang verfolgen (und auch Beziehungen vergiften) und ich weiß, es geht nicht nur mir so. Viele Supersensible haben damit zu kämpfen. Ich habe dies im Übrigen in der Zwischenzeit nicht etwa abgelegt, aber ich habe gelernt, anders damit umzugehen. Ich weiß heute, dass ich aufgrund dieser Disposition, sich alles sehr zu Herzen zu nehmen, manchmal zu einer verzerrten Wahrnehmung neige und ich bin eher in der Lage, nachsichtig über mich zu lächeln anstatt über unbedachte Bemerkungen Ewigkeiten in Stress zu geraten. Dieser immerwährende Stress liegt natürlich daran, dass

7. Schlecht loslassen können

Egal, ob es sich um Gefühle, Orte, Tiere, Begebenheiten oder Menschen handelt. Vielleicht liegt es an der gründlicheren Verarbeitung im Gehirn, dass wir (meistens) schlecht loslassen können. Das muss natürlich nicht so bleiben. Ich habe im Laufe der Jahre durch die EFT-Klopftechnik gelernt besser loszulassen, was dazu geführt hat, dass ich Dinge leicht, Glaubenssätze und Verhaltensmuster ganz gut und Menschen nach wie vor eher schlecht loslassen kann.

Während ich das so schreibe, fällt mir ein, dass ich mir eigentlich eine ganz praktische Philosophie über mein Konfliktverhalten angeeignet habe: Ich glaube felsenfest an das Gefährten-Prinzip: Manche Menschen begleiten mich eine Zeitlang durchs Leben und wenn es nicht mehr passt, dann verschwinden sie eben. Dafür kommen dann neue Menschen. Das hatte ich ganz vergessen … Schön, dass das Schreiben dieses Blogs auch für mich selbst hilfreich ist …

Wie gehen Sie mit Konflikten um?  Ich freue mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

DIE GEHEIMNISSE DES GESUNDEN SCHLAFS – Ursachen für Schlafstörungen entdecken und auflösenMonika Richrath
Netzwerkmitglied und Klopfakupressur-Therapeutin,
www.eft-fuer-hochsensible-menschen.de,
Buchautorin u.a. von
DIE GEHEIMNISSE DES GESUNDEN SCHLAFS

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19 Kommentare

  1. Liebe Monika,

    auch wenn Dein Beitrag schon etwas länger her ist bzw. etwas „älter“, hat er mich doch sehr angesprochen, denn mir geht es ganz genauso, wobei ich – ausgeprägte HSP – weder konfliktscheu bin noch unfähig, Gefühle zu zeigen – ganz im Gegenteil. Zwar bin ich auch ausgesprochen harmoniesüchtig und leide sehr unter Streitereien etc., dennoch spreche ich immer alle – auch unangenehmen – Vorkommnisse mit meinen Mitmenschen direkt an, kehre nichts unter der Teppich, oder ziehe mich zurück ohne vorher den Versuch zu unternehmen, mich auszusprechen. Ich ziehe mich erst dann zurück, wenn ich merke, dass sämtliche meiner Versuche auf taube Ohren stoßen. Dennoch erlebe ich das Gleiche. Ich glaube, dass viele Menschen einfach mit Ehrlichkeit nicht zurecht kommen. Das wollen sie einfach nicht hören, denn das würde sie dazu zwingen, sich mit sich selbst ehrlich auseinander zu setzen, sich auch mal einen Fehler einzugestehen oder sich sogar – für viele, mit denen ich zu tun hatte unmöglich – zu entschuldigen. Da schieben sie lieber dem anderen – in diesem Fall mir – die „Schuld“ in die Schuhe für das Auseinanderbrechen der Freundschaft. Oder, was mir auch schon ganz oft passiert ist, wenn ich für mich einstehe – sie machen sich über mich lustig. Und das tut mir mehr weh als alles andere. Wenn meine Gefühle lächerlich gemacht werden. Und mir danach noch vorgehalten wird, ich würde mir das doch alles nur einbilden.

    Mit ganz viel Coachings vor allem zum Thema Selbstliebe und Selbstwertgefühl sowie Therapien schaffe ich es mittlerweile – mal mehr, mal weniger gut – diese Menschen loszulassen. Ich habe mir ein soziales Umfeld geschaffen, in dem ich so angenommen werde, wie ich bin. Es ist sehr sehr klein – sogar winzig klein – aber es gibt mir Sicherheit und Stabilität, und das ist das Wichtigste für mich. Richtig gute Freunde hatte ich nie viele, und im Moment ist es so, dass ich mir selbst meine allerbeste Freundin bin. Doch dadurch ist auch ganz viel Ruhe eingekehrt, und ich brauche mich nicht mehr darum kümmern, ob es auch den „anderen“ wirklich gut geht. Wirklich gut gehen muss es in erster Linie mir selber, meinen Kindern und unserem Hund. Und das ist jetzt nicht egoistisch gemeint, sondern das hat mich die Erfahrung mit meinen Mitmenschen gelehrt. Und sogar wenn ich irgendwann nur noch mich selbst haben sollte, ist das immer noch ein ganzes Universum. Klingt jetzt vielleicht etwas trotzig oder eigenbrötlerisch, ist aber tatsächlich so gemeint :-))) Ich komme so viel viel besser zurecht als vorher, wo ich es immer allen recht machen wollte.

    LG, Sabine

  2. Interessant, danke für den Austausch. Bei mir ist es – ich möchte fast sagen – das Gegenteil. Ich schieße sofort hoch vor Wut. Seit Jahren in der Partnerschaft wegen gleichbleibender und wiederkehrender Themen, doch auch im Job und in Freundschaften. Wenn ich etwas nicht gut finde, eine Unzuverlässigkeit, ein unfreundlicher Ton oder gar ein unfreundliches Verhalten, werde ich dermaßen sauer, dass ich kaum davon runter komme. In vielen Fällen sage ich das dann auch deutlich, besser geht es mir dadurch aber auch nicht, denn es stresst mich trotzdem, trifft mich trotzdem. In meinen jungen Jahren war ich selten wütend. Das kam erst später. Vielleicht, weil ich oft zu lange in unguten Verhältnissen blieb. Egal ob Partnerschaft oder Arbeitsverhältnis. Das ist auch heute noch so, ich bleibe zu lange in ungünstigen Situationen, spreche die Sachen jedoch meist klar aus. Eine Lösung habe ich noch nicht. Ich denke immer, man kann ja nicht jedes Mal gehen. Aber vielleicht wäre das doch die Lösung. Einfach, um es mal eine Weile so zu leben. Vielleicht käme man damit mehr zum Mittelmaß.

    1. Liebe/r Me,

      ich fürchte, da hilft einfach nur der Ursache für die Wut auf den Grund zu gehen (die irgendwo in der weiten Vergangenheit liegen muss), das ist ein Thema, das sich nicht von alleine arrangiert.

      Liebe Grüße,
      Monika

  3. Hallo erst einmal,

    Ich bin Neuling in diesem Gebiet… ich befasse mich mit dem Thema Hochsensibilität erst seit kurzem, da ich der Meinung bin, davon betroffen zu sein, sicher bin ich mir aber nicht. Das war jedoch nicht immer so. Das fing 2015 an, nachdem meine Schilddrüse entfernt wurde. ob damit ein Zusammenhang besteht, weiß ich nicht.
    Jedoch ist es bei mir so, dass ich laute Geräusche, viele Menschen und Druck als Stress empfinde. Mehrere Sachen gleichzeitig erledigen zu müssen, ist für mich purer Stress. Ich bin ein sehr sensibler Mensch was Gefühle angeht. Ich bin sehr harmoniebedürftig, Streit mit meinem Partner belastet mich sehr. Ich lege viel Wert darauf, dass man mir den nötigen Respekt entgegen bringt, ich frage mich immer wieder, was andere über ich denken, es ist mir wichtig nicht negativ aufzufallen, dass man mich achtet und liebevoll behandelt. Auch ist es so, dass ich mich immer gut in die andere Person hinein versetzen kann, wie er ihr/ihm gerade geht, merke sofort wenn etwas nicht stimmt. Ich kann mit Ablehnung und Kritik nur sehr schwer umgehen und fühle mich immer sofort angegriffen und verletzt.

    In den letzten Monaten haben die Diskussionen mit meinem Partner zugenommen. Wir streiten immer öfter, über Kleinigkeiten, welche mich nerven. Die für ihn unwichtig sind. Oder wenn er sich, zumindest in meinen Augen mal im Ton oder der Wortwahl vergreift, bin ich gekränkt und fange jedes Mal mit dem Thema „Respekt“ an, er kann es schon nicht mehr hören. Ich mache aus einer Mücke einen Elefanten. wir sind erst zwei Jahre zusammen. Am Anfang ist natürlich alles super und man ist hoch verliebt und bekommt jede Menge Aufmerksamkeit.
    Das lies natürlich im Laufe der Zeit nach. Wir sind im Juni 2017 in unser gemeinsames Haus gezogen. Mit der nachlassenden Aufmerksamkeit habe ich wahnsinnig zu kämpfen. Ich fühle mich dann, je nach meiner Verfassung, ungeliebt, nicht respektiert und manchmal gar ungewollt. Das macht mich sehr fertig. Mein Partner macht mittlerweile in Diskussionen ganz oft zu, weil ich dann regelrecht penetrant werde. Aber umso mehr er zu macht, umso mehr rede ich, da ich das Problem aus der Welt schaffen möchte, um wieder die geliebte und für mich so wichtige Harmonie herzustellen. Es ist ein Teufelkreis…

    Ob ich nun zu den hochsensiblen Menschen gehöre, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch garnicht richtig sagen. Fakt ist aber, dass ich mich mit diesem Thema seit einiger Zeit befasse und Parallelen zu mir festgestellt habe. Auch, habe ich für mich selbst, einen Therapie-Termin gemacht. Dort werde ich im Januar das erste mal hingehen. da ich weiß, ich sollte etwas an/in mir ändern, aber leider nicht weiß wie. Weil ich auch noch garnicht richtig weiß, was mit mir nicht stimmt. Ich möchte meine Handlungen verstehen, meine Reaktionen auf gewisse Dinge. Ich fühle mich im Moment sehr alleine gelassen mit meinem Problem. Ich möchte doch immer nur, dass alles schön und gut ist!
    Vielleicht kann mir jemand antworten, einen Rat geben oder mir sagen, ob ich evtl. schon eine Richtung in Hochsensibilität habe.
    Lieben Dank

  4. Hallo,

    ja Rückzugstendenzen als Schutzmechanismus kenne ich extrem gut. Besonders im Job. Bei mir ist das Muster so, dass ich immer schlucke, schlucke, schlucke bis zu einem bestimmten Moment, wo es mir zuviel wird und dann kündige ich…

    Ich bin jedoch seit einigen Jahren dran, zu lernen, meinen Mund aufzumachen und für meine Bedürfnisse einzustehen. Die sind nämlich genauso wichtig wie die der anderen (auch eine neue Erkenntnis!). Und ich habe eine Meinung. Die darf ich auch äussern. Vielleicht nicht so laut oder eindringlich wie mein Gegenüber – aber trotzdem wird sie geäußert…

    Gelingt mir manchmal gut, manchmal gar nicht.

    Da muss ich wirklich noch viel viel üben!!!
    Danke für diesen Artikel!
    LG Nicole

  5. Herzlichen Dank; ich bin auch froh, nicht alleine mit meinem Muster dazustehen.

    Was ich aber jetzt nicht ganz verstanden habe; WIESO genau wenden sich die Menschen denn ab?

    Ich erlebe das sehr oft; und denk dann so bös oder doof bin ich doch nicht, im Gegenteil hilfsbereit und empathisch….irgendwie sind sie mit mir überfordert……dies bereitet mir echt Sorgen; als Alleinerziehende Mutter (kind 7 J.) ist es für mich schwierig so locker Kontakte zu knüpfen mit anderen Familien, und Spiel-Nachmittage auszutauschen….dabei bin ich eigentlich so ein offener Typ…es macht mich traurig, dass dann mein Kind, wegen mir, nicht so oft zu seinen Spiel-Dates kommt….was spüren die Menschen wohl bei mir?
    Dabei finde ich, dass ich ehrlicher, hilfsbereiter, flexibler bin, als die Meisten; aber bei denen gehts tiptop, und bei mir harzt es so…

    mmmh….dies beschäftigt mich schon lange…
    liebe Grüsse Brigitte

    1. Liebe Brigitte,
      ich weiß nicht, ob du das hier noch liest. Deine Frage ja schon 5 Jahre her, aber wenn nicht: Vielleicht ist es auch für andere interessant.
      Seit fast 15 Jahren beschäftige ich mich mit HS. Ein Jahr bevor du deinen Beitrag geschrieben hast, hatte ich mehrere traumatische Erlebnisse, die mein Nervensystem so sehr belastet haben, dass ich körperliche Symptome habe – bis heute (trotz Untersuchungen und Therapien – Physio- und Psychotherapien).
      Ich beschäftige mich nun mit Bindungs- und Entwicklungstrauma und erfahre noch viel mehr zu den körperlichen Symptomen und zu den vielen, oft negativen, Gedanken.
      Dabei, und jetzt komme ich zu deiner Frage (WIESO genau wenden sich die Menschen denn ab?) habe ich für mich eine Antwort gefunden. Denn mir ging und geht es ähnlich wie dir: Nach einer gewissen Zeit verschwinden Menschen aus meinem Leben ohne das ich weiß warum.
      Neben der Aussage eines damaligen guten Freundes: Du bist einfach zu gut für diese Welt! (Der übrigens auch einfach verschwunden ist), habe ich immer wieder genau das an mir bemerkt, was die Autorin oben im Artikel schreibt (s. die Überschriften):
      1. Konflikte sind Stress
      => ja, schon immer gewesen. Sie triggern mich, weil sie mich an unausgetragene Konflikte in meinem Elternhaus erinnern, die mir Angst gemacht haben
      2. Unfähigkeit Gefühle zu zeigen
      => ja, denn die durfte ich nicht zeigen. Sie waren meiner Mutter zu viel, die selbst hs/ traumatisiert ist (Transgenerationale Folgen). Heute kann ich meine Gefühle und Bedürfnisse besser äußern (s. auch Gewaltfreie Kommunikation)
      3. Harmoniebedürfnis
      => habe ich so gelernt, da meine Eltern das vorgelebt haben, Konflikte dagegen nicht ausgetragen wurden. Heute mag ich Konflikte gerne begleiten. Sie machen mir keine Angst mehr. Wenn sie mich persönlich betreffen, fällt es mir immer leichter, einen Schritt zurückzutreten und mir klar zu werden was ich will und das auch zu sagen
      4. Schwierigkeiten sich abzugrenzen
      => ja, da ich immer Rücksicht nehmen musste auf meinen schwer traumatisierten Vater (er ist nicht in der Lage Gefühle zu zeigen und zu benennen und ist distanziert) und meine traumatisierte Mutter (s.o.), weshalb ich meine Gefühle und damit meine Bedürfnisse in den Hintergrund tat und als nicht so wichtig ansah. Das ist heute anders (s. Punkt davor)
      5. Rückzugstendenzen
      => für mich eine logische Schlussfolgerung bei „Konflikten“ (auch mit mir selbst: innerer Kritiker, Glaubenssätze) und der Angst vor Konflikten, s. oben. Gelingt mir immer besser Grenzen zu setzen, zu mir und meinen Bedürfnissen zu stehen und diese auch zu äußern
      6. Sich alles sehr zu Herzen nehmen
      => auch logisch, wenn ich nie mit meinem Gefühlen und Bedürfnissen gesehen wurde (ich selbst habe sie ja auch als nicht so wichtig gesehen), aber sie sind ja trotzdem da und es tut weh, wenn sie nicht beachtet werden. Ich habe immer diese Tendenz mir alles zu Herzen zu nehmen gehabt und kann mich jetzt viel besser abgrenzen. Manchmal mehr, manchmal weniger.
      7. Schlecht loslassen können
      => ja, ist auch ein Thema (gewesen). Durch Bindungs- und Entwicklungstrauma habe ich mich an Menschen geklammert (endlich jemand, der mich sieht, mir zuhört, mir Liebe gibt, mich als wertvoll sieht). Solche Menschen lasse ich nicht gerne los. Bis ich begonnen habe (bin noch nicht fertig) mich selbst zu lieben. Da konnte ich auch die anderen Menschen lassen wie sie sind.

      => meiner Meinung nach liegt es an meiner nicht vorhandenen Konfliktbereitschaft, dass Menschen sich zurückziehen. Nicht, dass wir uns streiten sollten, aber wenn ich mich selbst nicht ernst nehme in meinen Gefühlen und Bedürfnissen, wie soll das dann mein Gegenüber können? Die anderen Menschen wenden sich (unbewusst) ab, weil sie uns nicht greifen können, wir eher schwammige Grenzen haben (Harmoniebedürfnis, sich nicht abgrenzen können), sie nicht klar wissen wer wir sind. Das ist meine Erklärung dazu. Ist etwas lang geworden.

      Sehr geholfen auf meinem Weg haben mir Traumaexperten wie Dami Charf und Verena König. Zur transgenerationalen Frage sind die Bücher von Sabine Bode (Kriegsenkel usw) sehr gut und Stefanie Stahls Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“. Meine Therapeutin hatte mir zwei Podcastfolgen von Verena König zur Selbstregulation sogar empfohlen (durch mein Schocktrauma ist das nach wie vor ein großes Thema für mich) und auch mit dem Schatten- und Sonnenkind von Stefanie Stahl gearbeitet. Mit der Traumatherapeutin hat EMDR und IRRT gut geklappt und ich konnte einiges gut integrieren.
      Die EFT-Kopftechnik habe ich in einer Fortbildung zur Stressbewältigung kennengelernt. Sie hat mir nicht, aber vielen anderen sehr geholfen. Ich werde sie aber tatsächlich nochmal ausprobieren.
      Ich habe auch fast alles an HS-Büchern, was es so gibt. Auch wenn sich vieles wiederholt (u.a. die Grundlagen), ist auch viel hilfreiches dabei. Ich erkenne mich und mein Kind sowie meine Mutter und meinen Mann darin wieder.

      Ich bin immer wieder auf Menschen gestoßen, die sagen, es gäbe keine HS. Es wären andere Diagnosen / Störungen / Erkrankungen. Das stimmt so nicht, meiner Meinung nach. Bei mir sehe ich eine HS plus eine zusätzliche Traumatisierung (beides: Bindungs-/Entwicklungstrauma und Schocktrauma). Mir ist es mittlerweile auch egal wie es heißt, was für einen Stempel die Gesellschaft uns (die anders sind) aufdrücken will.
      Was mir wichtig geworden ist, ist, mir Strategien zu suchen, um mit mir, meinen Mitmenschen und der Welt klar zu kommen. Deshalb suche ich überall (HS, Bibel, Trauma, Asperger, ADHS, Depressionen, Angststörungen, Wechseljahre, Ernährung, Achtsamkeit, Gewaltfreie Kommunikation) nach Hilfen, lese Bücher, höre Podcasts, sehe Videos. Zur Zeit beschäftige ich mich mit Gewaltfreier Kommunikation.
      Denn mir ist wichtig, gut zu leben und mir selbst helfen zu können. Selbstwirksamkeit erhöht die Sicherheit und kann Stress reduzieren.
      Ich wünsche dir und allen, die das lesen, viel Erfolg auf deinem Weg! Jede/r hat da einen eigenen Weg. Vielleicht hilft dir das ein oder andere in meinem Text oder veranlasst dich dich auch mit anderen Themen zu beschäftigen.
      Liebe Grüße
      Christina

  6. Immer wieder so schön, wenn jemand so eindringlich über mich schreibt ?
    Ich arbeite immer noch hart daran, mir zunächst einmal über meine Gefühle klar zu werden. Dann darf ich noch trainieren, mir überhaupt die Erlaubnis zu geben, gerade dieses Gefühl zu haben. Es auszusprechen und damit ggf sogar in den Konflikt zu gehen bereitet mir dann schon im Vorfeld schlaflose Nächte. Irre, was ich schon an Gesprächen mit anderen ganz allein für mich im Kopf geführt habe! (vorzugsweise so gegen 2.30 Uhr in der Nacht)
    So lange lebte ich mit einem generellen Unwohlsein das ich nicht greifen konnte. Und damit logischerweise auch nicht vor anderen benennen konnte. Ich war unzufrieden mit Erlebnissen oder Beziehungen, und glaubte nicht, wirklich ein Recht auf diese Unzufriedenheit zu haben – schließlich lag es doch an mir, dass ich mich so „anstellte“.
    Und echten Zorn, geschweige denn Wut zu spüren ging natürlich gar nicht!
    Jetzt übe ich viel mit achtsam Menschen. Und ich schaue mir genau meine Gedanken, Gefühle und daraus resultierenden Handlungsimpulse an, bevor ich dann auch mal mit etwas anderen als dem inneren oder äußeren Rückzug reagiere.
    Lieben Dank für den tollen Beitrag!

  7. Hallo!
    Toller Artikel und Kommentare, Danke 🙂
    Mir hilft in solchen Situationen, kurz mal raus gehen und für mich sein, um Gedanken/Gefühle zu sortieren, Klarheit zu bekommen,
    und vor allem: regelmäßig erden, reinigen, schützen 🙂
    Liebe Grüße, Elisabeth

  8. Ja, in Vermeidung bin ich richtig groß. Ich halte anhaltende Disharminie einfach nicht aus. Das heisst nicht, dass ich nicht erst einmal versuche, Probleme, Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Doch irgendwann ist auch mal genug, dann schwirrt mir der Kopf, tausend Stimmen, die nicht aufhören… Ich kann dann nicht mehr entspannen. Dann ziehe ich einen Schlussstrich, beende auch Freundschaften, wenn sie mir nicht mehr gut tun. Zuletzt meine Ehe. Und es war eine Befreiung. Ich hatte plötzlich wieder Energien und fühlte mich wie befreit.
    Gelernt habe ich, geduldiger zu sein und zu kommunizieren – auch dem Gegenüber Zeit einzuräumen, zu verstehen und Veränderungsprozesse mitzugestalten. Nur wenn das nicht fruchtet, wird es mir zuviel. Es geht auch nicht darum, von jetzt auf gleich eine 180 Grad Wende zu vollziehen, es geht darum, zu spüren, dass sich etwas bewegt. Dann harre ich aus und halte aus.
    Ich habe begriffen, dass ich nicht immer auf Verständnis stoßen kann und eigene Strategien benötige. Ich habe aber auch begriffen, dass ich mehr aushalten muss. Und das habe ich letztlich gelernt.
    Trotzdem ist es oftmals schwer – aber die Akzeptanz „So bin ich-und das ist gut so“ rettet mich immer wieder.

  9. Noch eine kurze Anmerkung, da ich gerade Deinen Beitrag über die Wut gelesen habe:
    Auch ich bin der Meinung, sie vergiftet uns von innen, wenn wir sie einsperren. Viele Menschen in meiner Nähe reagieren sehr befremdlich, wenn sie mich – für SIE scheinbar aus heiterem Himmel – so erleben. Sie sind total irritiert, denn sie kennen mich eigentlich als sehr freundlich und immer um Ausgleich bemüht. Wenn mir dann der Kragen platzt, sind sie ziemlich betroffen.
    Ich lerne langsam die Wut gar nicht erst sich explosiv verdichten zu lassen, sondern schon vorher meinen Mund aufzumachen. Das fällt mir zugegeben noch schwer ist bei Gelingen aber sehr befreiend.
    Mir hat ein Satz eines seehr lieben Menschen gut geholfen, der sagte: DU bist vollkommen in Ordnung, wie Du bist, denn Du hast bis zum jetzigen Zeitpunkt ALLES so gut gemacht, wie Du es eben konntest.

    1. Vielen Dank, Bettina. Ja, ich glaube auch, dass es ganz wichtig ist, zu lernen, sich zu äußern, bevor man so explodieren muss – aber vorher muss man erst lernen, seine Wut überhaupt wahrzunehmen. Das ist meiner Meinung nach total wichtig für hochsensible Menschen, weil es vielen total schwer fällt, sich Wut überhaupt zuzugestehen …

      Herzliche Grüße,
      Monika

  10. Lieber Luca, wie immer sprichst Du mir aus der Seele. Ich hab ganz genau die selben Erfahrungen gemacht. Ganz schlimm ist es, wenn die Harmonie weg ist. Ich versuche dann die Probleme so schnell wie möglich aus dem Weg zu räumen, dadurch die negativen Gefühle los zu werden, weil ich sie sonst tagelang mit mir rumschleppe. Nächte mit schlaflosen Endlosschleifen im Gehirn.
    Vergesse mich ständig selbst im Bestreben es allen anderen recht zu machen.
    Das Schlimme ist: Ich weiss ganz genau, dass meine verzerrte Wahrnehmung daran schuld ist, fühle mich aber ausserstande daran etwas zu ändern. Immerhin beruhige ich mich damit, dass ich mir sage: Du bist eben so geboren worden, versuche zu akzeptieren. Ausserdem hab ich gemerkt, dass der Faktor ‚Zeit‘ eine grosse Rolle spielt. Wenn ich also einen Tag habe, an dem ich durch irgend jemanden ‚verletzt‘ worden bin, tröste ich mich damit zu sagen: Das musst Du jetzt aushalten, wirst sehen, morgen oder spätestens übermorgen ist dieses negative Gefühl weg und Du vergisst die ganze Sache.

    Tiere… vorhin las ich nur eine kleine Nachrichtenzeile im Browser: Flusspferd zu Tode misshandelt. DAS verdirbt mir den ganzen Tag. Verursacht mir körperliche Schmerzen und Verzweiflung im Gehirn. Ich muss gar nicht MEHR wissen, mein Kopfkino ist am laufen und ich bin tottraurig.

    Das mit dem Klopfen hab ich schon probiert, nützt bei mir aber leider nichts. Mir geht es tatsächlich am Besten, wenn ich belastenden Dingen aus dem Weg gehe. Im TV Nachrichten meide, Menschen meide, die mir nicht gut tun. Konfrontation hingegen macht die Sache (bei mir) nicht besser. Sich immer wieder der Situation aussetzen bringt mich nicht weiter sondern stresst mich zusätzlich.

    1. Vielen Dank, Bettina. Ich gehe den Nachrichten auch aus dem Weg, aber dass Klopfen nichts nützt mag ich nicht glauben. Vielleicht hast du irgendwie einen falschen Ansatz gewählt. Das Klopfen an sich ist ja einfach, aber im Drumherum kann man einiges falsch machen …

      Herzliche Grüße,
      Monika

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