Warum Malen besonders Hochsensiblen guttut

(sta-db089-b04) Malen tut der Seele gut – natürlich nicht nur hochsensiblen Menschen, aber ganz besonders dieser Zielgruppe. Im Folgenden beschreibe ich meine Beobachtungen während meinen Malworkshops, was Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Malen ihrer Bilder so erleben.

Stefanie Taubenheim
Ein Beitrag von Stefanie Taubenheim

Durch eine Inspiration einer Vorlage, entstehen meist die ersten Bilder. Oft wissen die meisten nicht, was sie malen sollen. Aber beschäftige ich mich erst mal mit dem Gedanken des Malens, kommt automatisch auch eine Idee. Das ist das Phänomen der Anziehung. Richte ich meine Aufmerksamkeit auf etwas, dann folgt auch die Energie der Aufmerksamkeit, und auf einmal zieht man seine Malvorlage an.

Erste Malversuche starten zaghaft, werden dann aber schnell zunehmend immer sicherer.

Dann tauchen plötzlich eigene Impulse auf, die Striche doch anders zu gestalten als es auf der Vorlage zu sehen ist. Dann verselbstständigen sich diese: Auf einmal den Drang verspüren sich von der Vorlage zu lösen, sich befreit fühlen, sich plötzlich bestärkt fühlen, sein eigenes Werk, sein persönliches Bild zu gestalten.

Spielerisch die Farben auftragen ohne Zwang. Vielleicht dem Zufall eine Chance geben?

Vielleicht einfach mal experimentieren, was passiert, wenn ich den Pinselstrich anders setzte? Was passiert, wenn ich die Farbe anders mische? Was passiert, wenn ich die Farbe anders auftrage als wie es vorgegeben ist? Es gibt auf einmal so viele Möglichkeiten zu entdecken. Aber traue ich mir das wirklich jetzt auch zu? Und ist es dann schlimm, wenn was Unvorhergesehenes passiert? Was, wenn es sogar genau so richtig war? Soll ich oder kann ich sogar etwas daraus lernen?

Diese Prozesse sind so spannend, ich liebe sie! Bei mir und bei meinen Kursteilnehmern. Und dann die Krisen.

Plötzlich kommt die Ungeduld oder geht es nicht voran.

Oder die Erwartungshaltung ist zu hoch, auf einmal ist die Vorlage wieder im Mittelpunkt. Oder auch der Vergleich mit den anderen. Man möchte aufgeben oder verliert sogar die Lust. Auf einmal kommt die Wut, die Scham, die Hilflosigkeit.

„Wie konnte ich nur denken, dass ich malen kann?“ Bekomme ich oft zu hören. „Mein Bild ist nicht gut genug, ist hässlich und ja, alle anderen Bilder, alle anderen, sind viel, viel schöner. Nur meins ist nichts geworden.“ Immer wieder ein Phänomen und immer wieder taucht diese Situation auf, in fast jedem Kurs.

Ich liebe gerade dann diese Herausforderung, die es gilt, den Menschen aus seiner Krise herauszuholen. Ihnen gerade jetzt Mut zu machen, sie zu unterstützen, ihnen ihr Potenzial zu zeigen. Ihre Einzigartigkeit. Und ihnen die Chance zu geben, dass sie sich selbst entdecken können und dies auch selbst erkennen. Dass sie Freude am Experimentieren haben, und sich auf neue Wege des Malens einlassen.

Jeder Mensch hat sein Potenzial.

Ihm seine Schönheit des Bildes bewusst zu machen. Diesem auch einen schönen Rahmen zu gestalten, in der Atmosphäre, in der Wortweise und in den Möglichkeiten, die es gibt, das Bild noch schöner wirken zu lassen. Nicht zuletzt durch den entsprechenden Bilderrahmen, in dem es richtig gut zur Geltung kommt. Eben dem Werk seine volle Aufmerksamkeit und Schönheit zu schenken.

Sich dem Selbst bewusst zu werden – ZU SEIN.

Es entstehen beim Malen so viele Zufälle, die bei der Bildauswahl schon anfangen. Und ich bin jedes Mal so beeindruckt wie schön die Bilder, die Geschichten, zu dem Teilnehmer passen.

Ich erinnere mich an eine Malteilnehmerin, die ein Boot auf einem Meer malte. Es sollte noch eine Figur in grau darauf gemalt werden. Ich fand jedoch meinen grauen 3-D-Pen nicht. Das ist oft einfacher als mit dem Pinsel feine Striche zu malen. Und mir fiel nur der silberne Glitzerstift in die Hand. Also wurde die Figur in der erst noch milchigen Paste aufgetragen. Einige Stunden später entfaltete die Farbe dann ihre volle Leucht- und Glitzerkraft.  Und siehe da, der graue Stift befand sich wieder staunend vor meinen Augen, ich hatte ihn schlichtweg übersehen.

Wenn ich dann im Anschluss das Bild betrachte, fällt mir so unendlich viel zu dazu ein. Das Boot auf dem Meer. Die Person die alleine darauf steht. Die Malteilnehmerin ist in der Tat erst durch den Tod ihres Mannes, später durch den Tod ihres Vaters, den sie noch lange pflegte, alleine.

Aber sie meistert ihr Leben, sie steuert ihr Boot wohin sie will. Auf dem Meer oder in den sicheren Hafen. Lächelnd, mittlerweile glitzernd und strahlend nach einer langen Trauerphase, im Vertrauen darauf, das alles gut wird.

Die rosa Segel können für Fürsorge stehen. Vielleicht jetzt für sich selbst? Jetzt endlich, wo sie sich um niemanden mehr kümmern muss? Die versteckte Botschaft könnte sein:

Also fange ich doch endlich an. Jetzt! Und lasse los!

Die Trauer die dunkle Vergangenheit. Vielleicht blickt die Person auf ein neues Ziel? Sie hat das Ruder jetzt in der Hand. Ich weiß, dass sie gerade ihre Wohnung renoviert. Das Meer steht auch für Gefühle. Die gibt es ja genug oder nicht?

Wie auch ihr euer Potential entfalten könnt? Einfach ein neues Abenteuer anfangen. Es muss ja nicht Malen sein.

Jedes Hobby könnte diese Herausforderung bieten.

Ich möchte jedem Mut machen, sich mal selbst zu begegnen. Was kann für euch ein neues Abenteuer sein?

Stefanie Taubenheim – Mal-, Kreativ- und Kunsttherapeutin
Netzwerkmitglied für Cloppenburg, www.farbmagie.com
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