Wie Glaubenssätze die Realität hochsensibler Kinder formen

(von Jessica Hoffmann)

Zunächst einmal möchte ich Dir gerne beschreiben, was Glaubenssätze sind. Es sind Annahmen, die wir als Menschen brauchen, um uns in der Welt orientieren zu können. Sie formen sich in der Regel in den ersten sieben Jahren. Da Du da noch ein Kind bist und Dich an Vorbildern orientierst, passiert es oft, dass diese Glaubenssätze von Eltern, Geschwistern, Lehrer*Innen, Erzieher*Innen, Großeltern oder beispielsweise Trainer*Innen stammen. Es sind entweder Aussagen, die Deine Bezugspersonen häufig gesagt oder Annahmen, die sich in Dir in prägenden Situationen geformt haben, auf Grund des Verhaltens anderer.

Glaubenssätze können sich auf die Identität beziehen, Fähigkeiten oder die Welt um Dich herum. Es können Annahmen sein, die Dich im fortlaufenden Leben weiterbringen und auch Aussagen, die Dich ausbremsen können, sei es im beruflichen Erfolg, in Beziehungen oder bezogen auf Deinen Selbstwert. In meiner Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsen sowie aus meiner eigenen Geschichte, habe ich gelernt, dass hochsensible Menschen, sehr oft den Glaubenssatz in sich tragen:

Ich bin nicht richtig.

Was löst Dieser Satz gerade in Dir aus, wenn Du das liest? Trauer. Wut. Angst. Hilflosigkeit. Verzweiflung. Verachtung. Nichts?

Ich möchte Dir ein kleines Beispiel geben, weshalb sich sehr schnell solch eine Annahme bei einem hochsensiblen Kind formen kann:

Ben ist mit seiner Kindergartengruppe zu Besuch auf einem Bauernhof. Da er als hochsensibles Kind eine sehr intensive Wahrnehmung hat und stark auf Gerüche reagiert, ist dieser Aufenthalt für ihn sehr unangenehm. Er versucht sich in der Gruppe zusammen zu reißen, da er eher zurückhaltend ist, doch wird dieser Geruch so intensiv, dass ihm übel wird und er sagt: „Puh, hier stinkt es so sehr.“ Die Erzieherin nimmt diese Gerüche nicht so intensiv, wie Ben, wahr, fühlt sich in diesem Moment überfordert, da sie viele Kinder im Blick behalten muss und auch dem Bauer zuhören möchte, welcher Informationen über den Bauernhof erzählt werden, und sagt zu Ben: „Jetzt stell Dich mal nicht so an. Hier stinkt es überhaupt nicht.“

Was löst das in dem Kind aus? Sicher Folgendes:

Meine Wahrnehmung ist nicht richtig.

Solche Situationen kennen viele Hochsensible. Momente, in denen sie sich unverstanden fühlen, weil ein anderer Mensch nicht dasselbe wahrnimmt. Diese Annahmen formen sich meistens in der Kindheit und begleiten Dich bis ins Erwachsenenalter. Immer wieder kommt es in verschiedenen Situationen zum Vorschein und es bremst Dich aus. Die schöne Nachricht ist:

Glaubenssätze müssen nicht für immer in Dir bleiben. Sie können überarbeitet werden, sobald Du erkennst, welche Dich in Deinem Alltag hemmen.

Ich möchte Dir gerne erklären, wie Du Deine Glaubenssätze identifizieren kannst: Dafür kannst Du Dir erstmal überlegen, welche Bezugspersonen Dich geprägt haben. Was haben diese Menschen über folgende Themen geglaubt, gesagt oder was sind typische Aussagen, die Dir in den Ohren klingeln: Über die Welt, die Gesellschaft, Beziehungen, Familie, Freunde, Ehe, Geld, Erfolg, Beruf und Liebe.

Sobald Du all das aufgeschrieben hast, kannst Du Dir Gedanken darüber machen, wie Du selbst über diese Themen denkst. Welche Annahmen davon begleiten Dich ebenfalls in Deinem Leben?

Hochsensibilität ist mein absolutes Herzensthema, worauf ich die Menschen aufmerksam mache, damit nicht solche Situationen aus Unwissenheit entstehen und es klar wird, dass manche Kinder und Erwachsene eine intensivere Wahrnehmung haben als manch andere.

In meinem E-Book „Mama, ich bin anders“ erkläre ich typische Merkmale eines hochsensiblen Kindes anhand meiner eigenen Geschichte. Es gibt Dir einen Überblick über die Thematik und zeigt Dir, welche Glaubenssätze sich bei mir geformt haben.

Ich wünsche Dir viele Erkenntnisse und viel Liebe in Deinem Herzen.

Jessica Hoffmann


Jessica Hoffmann, www.baerenstark-coaching.de
Elternbegleiterin, Kinder-, Jugend- und emTrace®-Coach,
Autorin des Buchs Mama, ich bin anders

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4 Kommentare

  1. Wie schön (und wichtig) eine Welt doch wäre, in der Themen wie Hochsensibilität oder Burnout / Depression nicht mehr endlos mit Frauenbildern besetzt würden. Als gebe es diese Themen bei Jungen und Männern nicht, als wären sie davon nicht ebenso stark betroffen. Das Cover dieses Buch ist einmal mehr eines dieser Beispiele.

    1. Hallo Tristan,
      In dem Artikel wird doch von Ben erzählt und das Foto zeigt einen Jungen.
      Woran glaubst du denn zu erkennen, dass es sich auf dem Buchcover um zwei Mädchen handelt?

    2. Beim Thema Hochsensibilität spielt das Geschlecht absolut keine Rolle. Da gebe ich Ihnen Recht. Darauf mache ich auf meinen Kanälen und auch in meiner Arbeit aufmerksam. Ich unterstütze sowohl hochsensible Mädchen, als auch Jungen sowie deren Mamas und Papas. Wie Sie auf dieser Seite erkennen können, ist es mir wichtig, beide Geschlechter zu vertreten.
      Ich wünsche Ihnen unendliche Liebe und Frieden im Herzen :-).

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