Berufliche Erfüllung für Feinfühlige

(Von Nicole Lindner)

Innenschau als Grundlage für einen neuen Weg

Nicht wenige zartbesaitete Menschen klagen darüber, dass sie sich in ihrer beruflichen Tätigkeit nicht wohlfühlen. Genauso oft wissen aber die wenigsten, in welche Richtung sie gehen sollen, damit sich das verändert. Zu groß ist die Angst, womöglich erneut schlechte Erfahrungen zu machen oder einen Rückschlag zu erleiden. Also machen viele weiter wie bisher – leider viel zu oft auf Kosten der eigenen Gesundheit. Der Weg aus dem Dilemma? Innenschau betreiben und die grundsätzliche Richtung klären. Wie das geht, werde ich dir in diesem Artikel vermitteln.

Feinfühlige wissen oft nicht, in welche berufliche Richtung es gehen soll

Stell dir einmal folgendes vor: Du gehst in eine Gärtnerei, stellst dich vor eine Verkäuferin und sagst, du möchtest etwas kaufen, um deinen noch ziemlich verwaisten Garten zu bestücken. „Sehr gerne“, erwidert die Verkäuferin und fragt dich: „Was genau darf ich Ihnen denn anbieten?“ Du schaust einen Moment auf die prachtvoll aufgereihten Pflanzentöpfe und fühlst dich überfordert von der unglaublichen Auswahl. Dann aber kommt dir eine Idee. Du strahlst die Dame an und meinst: „Ach, am besten einfach alles!“ Zunächst wird die Verkäuferin wahrscheinlich etwas verdutzt gucken, sie sich jedoch – wenn sie Ahnung von Ihrer Materie hat – mit dieser lapidaren Antwort nicht zufriedengeben. Stattdessen bohrt sie nach. Sie will wissen, ob du z.B. ein- oder mehrjährige Pflanzen kaufen, diese in ein Sonnen- oder Schattenbeet pflanzen möchtest, welche Farben und Arten du bevorzugst usw. Nachdem du einige Pflanzen ausgesucht hast, wird sie dir wahrscheinlich noch eine Pflegeanleitung mitgeben und ein paar mündliche Tipps, wie du die Pflanze düngen, vermehren oder im Herbst richtig zurückschneiden kannst. Du gehst nach Hause, pflanzt die Neuerwerbungen ein und stellst nach einiger Zeit erfreut fest, dass sie dir die prachtvollsten Blüten schenken. „Wunderbar“, denkst du dir. „Das war eine gute Beratung. In diesen Laden kaufe ich mit Sicherheit wieder ein.“

So ähnlich gestaltet es sich mit der richtigen Jobsuche, nur bist du hier dein eigener Berater, weil du dich selbst am besten kennst. Das erfordert Erfahrung, eine gute Intuition und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – alles Dinge, die jetzt schon in dir schlummern.

Feinfühlige können leichter als andere Innenschau betreiben

Dazu solltest du vorab vielleicht wissen: Gerade feinfühlige Menschen haben die Gabe, sehr viel leichter als andere eine intensive Innenschau betreiben zu können. Der Grund dafür liegt darin, dass der Gehirnbereich, welcher für Lernen, Entscheiden, Erinnern und Problemlösen zuständig ist, bei ihnen stärker durchblutet ist. Das macht Feinfühlige oftmals zu exzellenten Beobachtern, Zuhörern, Reflektierern und Auswertern, so beschreibt es zumindest Intro-Expertin Sylvia Löhken in „Leise Menschen – gutes Leben“ (2017) im Kapitel „Was sind leise Menschen“.

Wie kann dir das bei deiner Jobsuche nützen? Nun, es erleichtert dir die Auswahl einer Tätigkeit, die zu passt. Es zeigt dir eine grundsätzliche Richtung, eine erstrebenswerte Vision, ja lässt Verstand und Gefühl zu gleichen Anteilen bei deiner Entscheidung mitbestimmen.

Die grundsätzliche Richtung

Die grundsätzliche Richtung, von der ich hier spreche ist folgende: Wenn ich auf der Suche nach einem Job bin, der mich richtig erfüllt, muss ich zunächst etwas ganz Elementares wissen: Ich muss wissen, wer ich bin und was ich brauche. Das klingt vielleicht banal, ist jedoch etwas, das sehr viele tiefgründige Menschen bei ihrer Suche nach der richtigen Tätigkeit vergessen. Viel zu sehr orientieren sie sich am Außen, nehmen das an, was auf dem Stellenmarkt angeboten wird und versuchen praktisch, sich immer wieder hinsichtlich der ausgeschriebenen Tätigkeit zu verbiegen. Selbst, wenn diese gar nicht zu ihnen passt oder ihre persönlichen Grenzen ins Unermessliche ausreizt.

Die Quittung bekommen sie dann nicht selten in stetig wiederkehrenden Erschöpfungszuständen, Schlafstörungen, körperlichen und psychischen Beschwerden usw. Nicht überraschend, da ihr empfindsames Nervensystem deutlich sensibler auf Umwelt- und Außenreize reagiert als das von weniger Empfindsamen. Die Folge: Sie fühlen sich nicht mehr wohl und laufen auf Dauer Gefahr, krank zu werden. Die grundsätzliche Richtung für dich als feinfühliger Jobsuchender sollte demnach diese sein: Sei dir absolut im Klaren, wer du bist und was du brauchst. Gib nicht auf und suche danach. Und zwar solange, bis du es findest.

Den Anfang kannst du damit machen, indem du dich selbst ein wenig beobachtest und reflektierst. Hilfreiche Fragen können sein:

  • Wie fühle ich mich, wenn ich dieses oder jenes tue?
  • Wo und mit wem bin ich in meinem Element?
  • Wofür setze ich mich gerne ein bzw. wofür brenne ich?
  • Was schenkt mir Energie anstatt sie abzuziehen?

Vielleicht legst du dir ja ein Tagebuch an und reflektierst deine Erkenntnisse schriftlich? Du wirst sehen, mit der Zeit kristallisiert sich etwas heraus, das sich wie eine Antwort anfühlt. Sie gibt dir die Richtung vor, in die du die ersten Schritte wagen darfst. Vielleicht in Form eines Praktikums, einer Hospitation, einer nebenberuflichen Tätigkeit, weiteren Ausbildung usw.  Vielleicht bedeutet es ja auch, dass du deine Arbeitszeit reduzierst und dich nebenbei selbständig machst oder aber in der Firma, in der du jetzt schon tätig bist, deinen Arbeitsbereich wechselst? Öffne dich diesen Möglichkeiten – selbst, wenn sie dir zunächst absurd erscheinen. Spiele sie durch, probiere sie an. Ich verspreche dir, du wirst staunen, was da alles möglich ist.

Viel Erfolg!


Nicole Lindner
www.meinweg-deinweg.de
www.facebook.com/meinwegdeinweg/
Autorin von „Feinfühligkeit trifft auf Berufsleben“


Nicole Lindner
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ISBN: 9783982012551, 240 Seiten
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2 Kommentare

  1. Was ich nicht nur als Kind vermißte, eine ruhige Umgebung. Es war ein ein Gebrüll und Geschrei, eine Hektik und Panik. Ein Druck und Gerenne. Das ist wichtig für uns, zur Ruhe kommen können und die Batterien auffüllen. Andererseits müssen wir rein ins Getümmel. Sich „dreckig“ machen, neue Erfahrungen machen. Da wurde ich entmutigt. Auch von den Lehrer usw. Sofort kam ich in die Schublade: Blöd!

  2. Der Gedanke ist spannend. Aber einen guten Couch finden, das ist wie ein 6-er im Lotto. – Als ich als Schülerin zur Berufsberatung ging, konnten sie nichts mit mir anfangen. Ich ruhig und selbstunsicher, wie jeder in diesem Alter auch. Meine Intelligenz wurde sofort abgesprochen und nur ein Beruf, wo ich nichts reden muss. Bißchen für mich hintippen. Dazu kommt als Frau „die heiratet eh“ und wird auf eine Versorgungsehe gesetzt. Ich habe meine allgemeine Fachschulreife abgeschlossen und wurde Programmererin. Da brauche ich nicht nur eine fachliche Kompetenz oder schnelle Auffassungsgabe, sondern muss mit den Kollegen der IT und Fachabteilung zusammenarbeiten. – Das mache ich nun viele Jahre, nicht nur die Arbeitswelt hat sich verändert, auch die fachliche. Mit einmal Beruf erlebt wie vllt. noch vor 50 Jahren und diesen ausüben bis zur Rente, ist es nicht getan. Du musst laufend den Veränderungen stellen und weiter lernen. Ich hab nun zufällig einen guten Coach gefunden ; mal sehen.

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