Hochsensibilität trifft auf weiblichen Narzissmus

(vh-db073-b1) Der Begriff Narzissmus ist mittlerweile in aller Munde und dreht durch alle Medien die Runde. Es gibt zahlreiche Bücher, Blogs und Videos zu diesem Thema. Auffällig ist jedoch, dass größtenteils immer nur von narzisstischen Männern die Rede ist. Da stellt sich doch die Frage: Und was ist mit den Frauen unter den „toxischen Menschen“? Wie steht es um den weiblichen Narzissmus?

Violetta Hoffmann
Ein Beitrag von Violetta Hoffmann

Wurden die Frauen einfach übersehen?

Irgendwas stimmt nicht so ganz an diesem Bild, oder? Denn ich als hochsensible Frau habe durchaus meine Erfahrungen mit weiblichem Narzissmus gemacht. Und das war wahrlich kein Zuckerschlecken. Meiner Erfahrung nach sind narzisstische Frauen einen ticken raffinierter in ihrer Vorgehensweise und deshalb nicht so schnell zu entlarven wie die männlichen Kollegen. Gerne würde ich beleuchten, wie narzisstische Frauen vorgehen. Oberflächlich betrachtet haben sie mit ihren männlichen Kollegen viel gemeinsam: Status hat oberste Priorität, alles dreht sich nur um sie und ihre Erfahrungen, Wünsche und das Wohlbefinden. Meiner Erfahrung nach gibt es allerdings einen besonderen Punkt, der sie von narzisstischen Männern unterscheidet.

Narzisstische Frauen in Freundschaften

Narzisstische Frauen verhalten sich in Freundschaften die erste Zeit (Wochen, Monate) erst einmal (fast) recht unauffällig. Was zu Beginn der „Freundschaft“ herausstechen kann ist, dass sie sich als „Fan“ deiner Persönlichkeit outen. Sie machen dir übermäßig viele Komplimente, loben dich in den höchsten Himmel und geben dir das Gefühl etwas ganz Einzigartiges zu sein. Sie machen das teilweise so extrem und übertrieben, dass es einem schon fast unangenehm werden kann. Doch das ist natürlich nicht selbstlos. Sie wollen einfach, dass du als fühlender Mensch mit deiner wertvollen Lebensenergie immer für sie da bist. Am besten sogar Tag und Nacht.

Du wirst als die beste Freundin/der beste Freund und wichtigster Mensch auf einen Thron gehoben, auf dem du vielleicht gar nicht sitzen magst.

Sie machen dir diese Komplimente vor allem auch übertrieben oft in der Öffentlichkeit und wollen dich in ihren Freundeskreis etablieren. Du bist jetzt quasi der „Diamant“ den sie und nur sie allein entdeckt hat. Und: Sie macht dich groß!

Jetzt kommt der Punkt: Wenn du diese Taktik durchschaust und dich bewusst nicht blenden lässt, bei dir und deinen Werten bleibst und vor allem für dich und deine Zeit einstehst, merken sie das. Wehe du leistet Widerspruch oder sagst hier und da ganz selbstbewusst das goldene Zauberwort „Nein“, dann machen sie ziemlich bald den Rückzug. Vorher werden sie natürlich wütend oder beleidigt. Wie kann man ihr nur widersprechen? Hallo? Wie kann man ihr nur etwas abschlagen?

Wie kann man es eigentlich wagen, nicht auf ihre Bedürfnisse zu achten?

Genauso wie sie dich in den Himmel gehoben hat, so wird sie dich wieder auf die Erde fallen lassen. Durch Ignoranz und Missgunst. Plötzlich wirst du nicht mehr wichtig sein. Sie geht auf neue Beutejagd. Du warst dann quasi ein flüchtiges Lüftchen und wirst in Zukunft nicht weiter beachtet werden. Vielleicht hier und da beobachtet, ob nicht doch noch irgendwo eine Tür aufgeht, ansonsten war’s das. Wenn du der Narzisstin nichts mehr gibst, wird sie sich alsbald nach neuen Oasen umschauen.

Narzisstische Frauen in Führungspositionen

In Führungspositionen repräsentieren sie den Teufel persönlich. Bekommt man beispielsweise einen Termin für ein Personalgespräch, das in zwei Wochen stattfinden soll, dann werden das für HSP zwei sehr nervenzerreißende Wochen werden. Man ahnt schon die dominante Energie und die überheblichen Belehrungen wie man etwas besser machen könnte und so weiter. Narzisstische Frauen, sie in Führungspositionen sind, brauchen Untergebene. Sie wollen herrschen und beherrschen. Die Lorbeeren gehören übrigens auch nur ihnen. Schließlich sind sie ja die Initiatorinnen. Wenn etwas erfolgreich und gut läuft in der Firma, dann nur wegen ihren Entscheidungen und Vorschlägen. Läuft etwas einmal nicht so wie gewollt, dann sind natürlich die ausführenden Mitarbeiter verantwortlich.

Logisch, wer denn sonst?! Wenn sie allerdings selbst merken, dass sie es mit ihrer Art und Taktik übertreiben, schalten sie gerne hier und da einen Gang zurück und können „zur Wiedergutmachung“ hier und da ein Lob oder Kompliment austeilen. Schließlich ist es ihnen sehr wichtig, beliebt zu sein. Zuckerbrot und Peitsche trifft es hier ganz gut. Solange man diesen Frauen auf Schritt und Tritt „Ja und Amen“ predigt und sie im Idealfall auch noch bewundert, dann läuft alles paletti. Man(n) hat äußerst gute Karten, wenn man ihr immer zu- und beistimmt. Sie will anerkannt und angeschaut werden. Ihr oberstes Ziel ist es, als absolute Koryphäe angesehen und so behandelt zu werden.

Spielt man das Spiel nicht mit oder widersetzt sich sogar, dann dauert es nicht lange bis man gezeigt bekommt, dass man so nicht erwünscht ist.

Oft beginnen dann lästige Spielchen mit subtilem Mobbing, indem suggeriert werden soll: „Entweder spielst du mein Spiel für mich mit, oder ich vertreibe dich aus meinem Paradies!“

Es gibt aber auch gute Seiten: Ich habe es schon selbst erlebt, dass es narzisstische Führungskräfte es dermaßen übertrieben haben, dass sie sich quasi selbst in Aus geschossen haben. Früher oder später zerstören sich zerstörerische Kräfte einfach selbst. Das gilt für alle Ebenen, meiner Meinung nach.

Narzisstische Frauen in Beziehungen

Zu Beginn sind narzisstische Frauen scheinbar sehr einfühlsam, verständnisvoll und offenherzig. Auf intimer Ebene tasten sich diese Frauen ein bisschen vorsichtiger und behutsamer heran. Sie wollen hier keineswegs zu früh auffallen. Sie testen hier und da sensible Punkte und Grenzen ab und beobachten, wie der Partner reagiert. Sie stellen auch gezielte Fragen. Sie versuchen so frühzeitig wie möglich die sensiblen und empfindlichen Punkte zu orten. Sie beobachten genau, auf was der Mann reagiert und was er mag. Sie wird ihre größten und subtilsten Verführungskünste aktivieren, sodass der Mann glaubt, hier einen Jackpot geknackt zu haben.

Mit der Zeit, wenn sich die Beziehung dann „eingeplätschert“ hat, neigt die Narzisstin dazu, sich selbst immer ein Stückchen „höher“ als ihren Partner zu setzten. Das macht sie beispielsweise, indem sie in scheinbar belanglosen Nebensätzen ihren wundervollen Ex-Partner erwähnt, der ja ach so männlich und erfolgreich war. Oder sie erzählt von neuen und attraktiven Kollegen, mit denen sie sich so gut versteht und auch auf einer Wellenlänge zu sein scheint. Kurzum: Alle Männer in ihrem Leben sind wundervoll und perfekt, nur der Partner hat noch einiges zu tun, um dieses Level zu erreichen.

Die narzisstische Frau wird immer subtile Zeichen senden, mit denen sich der Partner minderwertig, klein, falsch oder schlecht fühlt.

Und wenn das nicht ausreicht, erhöht sie gerne den Druck durch innere Kälte und Ignoranz. Hier gibt es nur eine Lösung: Beide Beine in die Hand nehmen und nichts wie weg!

Ein Merkmal zum Schluss, das auf alle Bereiche zutrifft:

Stellt man eine narzisstische Frau zur Rede, wird sie immer und immer die Opferkarte ziehen!

Entweder wird sie anfangen zu weinen, sich als unschuldig oder unwissend hinstellen. Sie wird noch mal alles tun, um sich als das „Opfer“ oder die eigentlich „Leidende“ auszugeben. Das ist quasi ihr letzter Joker, der ihr zur Verfügung steht. Jetzt ist alles nur noch eine Frage der Zeit. Und das unterscheidet sie am meisten von ihren männlichen Kollegen, denn Männer ziehen selten die „Opferkarte“.


Violetta Hoffmann, Netzwerkmitglied für Offenburg
Mediale Mentorin mit Schwerpunkt auf Hochsensibilität,
www.violettahoffmann.com,
Violetta Hoffmann, Mediale Mentorin mit Schwerpunkt auf HochsensibilitätAutorin von „Können Raupen fliege lernen? Ein Kinderbuch, auch für Erwachsene


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6 Kommentare

  1. Ich bin mit solch einer Persönlichkeit aufgewachsen, und meine Erfahrung ist, dass Frauen bzw. Personen, die sich so verhalten, das nie mit der Absicht tun, andere zu verletzen. Dafür sind andere ihnen einfach zu unwichtig, denn alles dreht sich für sie nur um sich selbst. Wenn sie z. B. eine andere Person erniedrigen oder herabsetzen, geht es nicht darum, diese Person zu verletzen, sondern einzig darum, sich selbst dadurch zu erhöhen und um darzustellen, um wieviel „besser“ als die andere Person man ist. Somit sind andere Menschen lediglich Erfüllungsgehilfen und das wichtigste Bedürfnis ist, im Mittelpunkt zu stehen und alle Aufmerksamkeit auf sich zu konzentrieren. Weil ich mich nie gewehrt habe, war ich ihre Lieblings-Sparringspartnerin. In diesem Zusammenhang war es Glück für mich, dass ich ein in sich ruhendes Kind gewesen bin und diese Spielchen mir nicht viel anhaben konnten. Zumindest nicht sofort, denn langfristig haben all die Erlebnisse mit dieser Person mich sehr wohl geprägt und letztlich dazu geführt, dass ich mich weiter in mich zurückgezogen habe als ich es vermutlich ohne ihren Einfluss getan hätte. Heute bin ich sehr froh, keinen Kontakt mehr zu ihr zu haben, aber sehr viele Jahre wollte ich einfach nicht wahrhaben, dass sie diese Art Mensch ist. Und ich habe sie in diesem Artikel voll und ganz wiedergefunden.

  2. Kann es nicht auch sein, wenn Frauen in Beziehungen sich so verhalten, sie es nur deswegen so machen, weil sie selbst verletzt sind und auf diese Weise einen (natürlich schlechten) Weg finden, um mit ihren Schmerzen umzugehen, also dass sie sich nur aus ihren eigenen Schmerzen heraus so verhalten, weil sie noch keinen anderen Weg gefunden haben, um mit ihren Verletzungen und Schmerzen fertig zu werden? Das rechtfertigt es natürlich nicht, anderen zu schaden oder sie herabzusetzen. Die „Gewaltfreie Kommunikation“ besagt, dass alles was ein Mensch tut, ein Versuch ist, ein unerfülltes Bedürfnis zu befriedigen, also um seine eigenen Frustationen und sein Leid zu lindern. Ich könnte mir vorstellen, dass viele, die sich so verhalten, ganz andere Menschen wären, wenn ihre unerfüllten Bedürfnisse befriedigt wären, weil ich glaube, dass es nicht immer wirklich böswillig gemeint ist, wenn sich jemand so verhält, sondern auch einfach oft nur aus großer Hilflosigkeit geschieht. Wollte damit jetzt nur sagen, dass hinter so einem Verhalten nicht immer ein narzistischer Mensch, vor dem man flüchten sollte, stehen muss, sondern, dass es auch eine andere Ursache dafür geben kann, dass es sich auch um einen verletzten Menschen handeln kann, der, wenn man ihm die richtige Hilfe zukommen lässt, sie auch annehmen würde und sich sein Verhalten dann automatisch zum Bessern ändern würde. Aber ganz gleich, was die Ursache dafür ist, ich finde, solche Menschen sind arm, weil sie anscheinend in ihrer Kindheit nicht das bekommen haben, was sie so dringend gebraucht hätten, um zu Menschen mit einem gesunden Selbstwertgefühl heranzuwachsen, der es nicht nötig hat, sich über andere zu stellen und andere herabzusetzen.

  3. Auch ich habe so eine Freundschaft hinter mir. Mittlerweile weiß ich aber: sie kam nicht in mein Leben um mir bewusst zu schaden. Viel mehr war die Situation eine wichtige Erfahrung um zu lernen. Und ich habe viel gelernt.

    1. Sehr geehrte Frau Hoffmann,
      jetzt würden mich noch dringend Ihre Erfahrungen interessieren, wenn HSP und Narzisstin in Personalunion auftreten?

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