Hochsensible und ihr feiner Geruchssinn

Inga DalhoffWie du deiner Nase eine Auszeit schenkst

Ein Artikel von Inga Dalhoff:  Hochsensible und ihr feiner Geruchssinn ist immer ein typisches Thema. Deshalb reagieren sie empfindlich auf Gerüche, haben ein gutes Geruchsgedächtnis und auch ein feines Näschen für Stimmungen, Energien und Befindlichkeiten anderer.

Über unsere Sinnesorgane nehmen wir mehr Eindrücke auf als viele andere Menschen. Und so ist auch unser Geruchssinn in der Regel gut ausgeprägt und beschert uns eine Menge intensiver Eindrücke. Nicht immer macht uns das glücklich, denn die Welt ist voller Gerüche, die uns unangenehm sind und spürbar belasten.

Die unangenehme Flut an künstlichen Gerüchen

Ich persönlich bin begeistert von natürlichen Düften, sofern sie nicht zu intensiv sind. Genau deshalb koche und gartle ich gern. Ich liebe es, an Gewürzen und den Blumen zu schnuppern. Wenn die Linden in unserer Straße blühen, schwebe ich auf Wolke sieben. Doch leider mischen sich eine ganze Menge unerwünschter Gerüche unter die Naturdüfte.

Gerüche, die mich spürbar stressen, die mich zum Niesen bringen und mir Kopfschmerzen bereiten, mich manchmal sogar aggressiv stimmen, wie z.B.:

  • Raum- und Textilerfrischer
  • Duftkerzen
  • Waschmittel
  • Parfums & Aftershaves
  • Shampoos, Duschgele und Haarsprays
  • Abgase und Benzingerüche
  • Künstliche wie auch natürliche Aromen in unnatürlich starker Form
  • Rauch und Räucherwerk
  • Zigaretten-, Zigarren- oder Shisharauch
  • Gülle
  • Körpergerüche und Schweiß
  • verbranntes Bratenfett und Grillgerüche
  • der stechende Geruch von durch Rodung oder Trockenheit gestresstem Wald
  • Feuchtigkeit und Muffigkeit in alten Gemäuern

Das Wissen darum, dass viele dieser Gerüche auch nachweislich gesundheitsschädigend sind, macht mich im Umgang mit ihnen nicht gerade entspannter.

Pausen für die Nase

Viele der genannten Gerüche empfinde ich als stechend und klebrig. Ich habe das Gefühl, sie den ganzen Tag nicht mehr aus der Nase zu bekommen. Sie haften an meiner Kleidung und in meinen Haaren und „verfolgen“ mich über Stunden. Sie bereiten mir Unwohlsein oder Kopfschmerzen, machen mich bisweilen aggressiv.

Da sind das Fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln oder der Besuch einer Party, selbst das Einkaufen eine Herausforderung.

Denn inzwischen werden wir von überall her beduftet. Durch Straßenverkehr und Landwirtschaft, in Geschäften und von den unendlich vielen Menschen, die sich begeistert in „duftende“ Wäsche kleiden, mit Parfum einsprühen und ihre Haare mit Haarspray in Form bringen.

Das Lüften im Sommer wird für mich zum nervenkitzligen Abenteuer.

Wir wohnen im Dachgeschoss und so steigen die Gerüche aller anderen Mietparteien auf und ziehen beim Lüften in unsere Wohnung. Unbeaufsichtigtes Lüften kann dazu führen, dass wir im Zigaretten- oder Shisha-Geruch schlafen müssen oder bei unseren morgendlichen Atemübungen eine gehörige Portion klebrige Parfum- und Duschgel-Gerüche tanken.

Was meinen nicht hochsensiblen Partner „nur“ stört, kann mich vollkommen überreizen.

Es gelingt mir immer seltener, der Geruchsflut zu entfliehen. Sie scheint größer zu werden. Rückzug hilft. Doch wenn fremde Gerüche in meinen Kokon, meine Wohnräume vordringen, dann werde ich schnell ungehalten. Eine heiße Wohnung, die ich im Sommer nicht lüften kann, ohne die Gerüche anderer in meiner Wohnung zu haben, bringt mich an meine Grenzen.

Deshalb räume ich in meinem persönlichen Umfeld mit Gerüchen auf. Künstliche Düfte jeglicher Art sind in unseren vier Wänden tabu. Ein kleiner Beitrag zu einer geruchsfreieren Welt und eine Atempause für meine Nase ist gemacht. Immerhin.

Und wird es mir zu geruchsbunt, dann mache ich mich auf den Weg in den Garten oder in den Wald und entspanne meine Nase. Das tut gut.

Es gibt sie noch, die Inseln mit wenig Geruch.

Welche Erfahrungen hast du mit Gerüchen gemacht?

Neugierige Grüße, deine Inga Dalhoff
Bloggerin, Autorin, Begleiterin für Hochsensible, zart-stark.de


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