Mögliche Fehldiagnosen bei hochsensiblen Kindern
(Von Juliane von Witten) Heute möchte ich mich zu dem sehr ernsten Thema Fehldiagnosen bei hochsensiblen Kindern äußern: Immer wieder kommen Eltern zu mir in die Praxis, weil sie bei ihrem Kind nicht mehr weiterwissen. Häufig sind sie von Erziehern oder Lehrern schon auf Verhaltensauffälligkeiten aufmerksam gemacht worden – oft mit den Worten, dass nun etwas passieren muss.

Manch ein Elternteil spürt schon intuitiv, dass die Situation gerade in eine sehr ungute Richtung verläuft.
Es liegen oftmals schon mögliche Diagnosen wie Angststörung, ADHS oder ADS in der Luft, und die Eltern sind oft verzweifelt. Meist ist es die Mutter, die mit ihrem Kind zu mir kommt.
Auch wenn ich schnell erspüren kann, dass ein Kind sehr feinfühlig ist, kläre ich therapeutisch natürlich erst einmal umfassend ab, ob hier nicht doch noch etwas Ernsteres vorliegt, bevor ich mich vollkommen auf das Thema Hochsensibilität (keine Diagnose!) konzentriere.
Hinzu kommt, dass die heutige Zeit sehr viel reizüberfluteter ist als noch vor 20 oder 30 Jahren.
Dieser Umstand lässt vieles bei Kindern eskalieren. Aber worauf können Eltern hier schon vorab achten, damit es gar nicht erst zu solchen Fehldiagnosen kommen kann?

Mögliche Fehldiagnosen bei Hochsensibilität
1. Symptome ähnlich ADHS/ADS:
2. Mögliche Entwicklung einer Angststörung:
Es ist hilfreich, sich als Eltern dieser Gedankengänge bewusst zu sein, um so bei unguten Erlebnissen verstärkt ihr Kind wahr- und annehmen zu können. Häusliche Rituale sind in ängstlichen Phasen vermehrt von Bedeutung. Sie geben dem Kind Halt, Struktur und mehr Vertrauen.
Doch das Wichtigste und Schönste ist, unseren Feinfühlern immer wieder ihre wunderbare Einzigartigkeit zu erklären.
Ihnen zu sagen, was für großartige Stärken sie doch durch ihre hohe Gabe haben: Zutiefst emphatisch; sehr fantasievoll und unglaublich kreativ; Gerechtigkeit und Ehrlichkeit sind von großer Bedeutung; Gewalt wird ‚verabscheut‘; oftmals hohe Begabungen in verschiedenen Bereichen; ausgeprägte Natur- und Tierliebe
… und so vieles mehr!!
Juliane von Witten
Juliane von Witten
ist Heilpraktikerin für Psychotherapie
www.juliane-von-witten.de
Netzwerkmitglied 34593 Knüllwald (D)
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ja, weil hochsensible Kinder sich oft schlecht konzentrieren, wenn sie im Klassenraum „alles gleichzeitig“ wahrnehmen. Hilfreich sind z. B. ein Sitzplatz weiter vorn, weniger digitale Reizflut und zuhause bewusst mehr Ruhephasen.
Viele hochsensible Kinder haben starke intellektuelle Fähigkeiten und reagieren bei Unterforderung mit Stören oder Tagträumen. Es lohnt sich daher zu prüfen, ob das Verhalten eher aus mangelnder Passung/Anregung entsteht als aus einer Störung.
Wenn sich ein Kind in Schule oder Freizeit „nicht wahrgenommen, falsch oder ungeliebt“ fühlt, kann es in ein konträres Verhalten kippen. Dann reagiert es nicht, weil es „schlecht“ ist, sondern weil es sich innerlich unter Druck und unverstanden erlebt.
Hochsensible nehmen ungute Stimmungen stark auf und können diffuse Ängste entwickeln. Hinweise sind z. B. Verspannungen, Bauchweh oder Schlafstörungen – dann helfen Gespräche auf Augenhöhe und stabilisierende Rituale.
Beobachte Reizquellen (z. B. Medien/Umfeld), schaffe verlässliche Ruhe- und Rückzugszeiten und bleib im echten Kontakt: wahrnehmen, annehmen, nachfragen. Gleichzeitig stärkt es Kinder sehr, wenn sie regelmäßig hören, welche besonderen Stärken in ihrer Feinfühligkeit liegen (z. B. Empathie, Kreativität, Gerechtigkeitssinn).
